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Filmkritik: "Rambo: Last Blood"

Die Atemzüge von John Rambo werden immer länger, aber er ist noch nicht totzukriegen: Nach der Action-Trilogie in den 1980er Jahren vergingen 20 Jahre bis zum vierten Teil "John Rambo" (2008) und jetzt noch einmal elf Jahre bis zu "Rambo: Last Blood", der damit bereits im Titel einen Bogen zu "First Blood" aus dem Jahr 1982 spannt und einen Abschluss der Reihe bilden könnte.

Während Sylvester Stallone beim vierten Teil noch selbst Regie führte, konzentrierte er sich bei "Rambo: Last Blood" auf die Entwicklung der Story und überlies die Regie Adrian Grünberg, der neben seinem Kino-Debüt "Get the Gringo" umfassende Referenzen als Regie-Assistent bei harten Action-Produktionen wie "Traffic", "Mann unter Feuer" sowie den Netflix-Serien "Narcos" und "Narcos: Mexico" vorweisen kann.

John Rambo (Sylvester Stallone) lebt mittlerweile in Ruhe auf der Farm seiner verstorbenen Eltern in Arizona - bis die Enkelin seiner Haushälterin Maria (Adriana Barraza) verschleppt wird. Seine Rettungsmission führt Rambo nach Mexiko, wo er sich mit einem skrupellosen Drogen- und Zuhälterkartell anlegt und noch einmal seine Kampferfahrung unter Beweis stellen muss.

Während "First Blood" auf Basis der Romanvorlage von David Morrell noch ein Drama mit viel Action war, stand bei "Rambo II-IV" Sylvester Stallone als wortkarge aber blitzschnelle Kampfmaschine im Vordergrund, der überwiegend mit Maschinengewehren, Messern sowie Pfeil und Bogen in einer für seine Gegner tödlichen Sprache kommunizierte.

Der Stil des Films ist ziemlich anders als der seiner Vorgänger. "Rambo - Last Blood" zeigt leichte Western-Elemente und präsentiert Rambo jetzt wieder mehr als den verletzlichen Vietnam-Veteranen, der seine Dämonen nur unter starkem Medikamenteneinsatz ruhig halten kann und mit dem Trauma lebt, nicht alle Menschen gerettet zu haben, die ihm vertrauten. Wie in keinem anderen Film der Reihe zeigt Stallone, wie Rambo tickt und was ihn noch am Leben erhält. Denn Rambo grummelt nicht mehr einfach nur vor sich hin sondern sagt deutlicher, was er denkt. Und Rambos tiefgründige Erweiterungen seiner Farm offenbaren das Ausmaß seiner posttraumatischen Störungen so deutlich wie nie zuvor.

Rambo ist immer noch die einst von den Green Berets ausgebildete Kampfmaschine, die nur einen Trigger benötigt, um wieder in den Angriffsmodus überzugehen. Das dauert zwar etwas, aber dafür zeigt sich Rambo diesmal so erbarmungslos wie nie zuvor. Rambo spielt nicht einfach nur seine Routinen ab, sondern er geht weitaus taktischer vor und vollführt sein Werk erbarmungslos und hart wie ein Scharfrichter. Nachdem Stallones PG-13-Strategie bei "The Expendables 3" nach hinten losging, ist "Rambo - Last Blood" ein kompromisslos harter Action-Reisser mit R-Rating (bzw. FSK 18-Freigabe in Deutschland) geworden, der schon leichte Züge von Torture Porn zeigt.

"Rambo: Last Blood" ist aber keineswegs eine maßlose Gewaltorgie. Stallone bemüht sich, deutlich mehr Handlung als bei Rambo II-IV zu präsentieren und der Film lässt sich für die Einführung in die Geschichte einige Zeit. Aber das macht "Rambo: Last Blood" auch wieder etwas zu überkomplex und Regisseur Adrian Grünberg gelingt es beim Schnitt nicht, das rasante Timing von Stallones "John Rambo" zu erreichen. Trotz einer relativ kurzen Laufzeit von 101 Minuten wirkt "Rambo: Last Blood" doch häufiger etwas langatmig.

Und gleichzeitig lässt der Film den trotz aller Härte bei Rambo II-IV immer stets präsenten Charme vermissen. Der wortkarge Rambo wirkte in den früheren Filmen mit seinen glänzenden Muskelpaketen so überzeichnet, dass die Figur auch immer unfreiwillig komisch erschien - selbst wenn das von Stallone nicht beabsichtigt war. Doch diese Ansätze von Selbstironie sind "Rambo - Last Blood" weitgehend fremd und lassen den Film doch etwas fade wirken.

Das Finale von "Rambo: Last Blood" lässt die Fortsetzung der "Rambo"-Reihe offen. Zum genauen Verständnis des Endes sollte man unbedingt den Abspann schauen.

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"Rambo - Last Blood" läuft seit dem 19.09.2019 in den deutschen Kinos und erscheint voraussichtlich am 14.02.2020 auf Blu-ray Disc, DVD und 4K Ultra HD Blu-ray.

bereits erhältlich:

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