VERGLEICH: Denon AVR-X6300H/6400H, Marantz SR7012/6011, Onkyo TX-NR3030/TX-RZ3100, Yamaha RX-A860/870: Ist der neuere AVR besser ?

Viele unserer Leser besitzen einen AV-Receiver des letzten Jahres oder des vorletzten Jahres und überlegen, sich nun das neueste Modell zuzulegen. Andere Anwender haben schon einen fünf oder mehr Jahre alten AV-Receiver und planen einen Neukauf, sie fragen sich: Muss es immer das allerneueste Modell sein oder reicht auch ein AV-Receiver aus 2016 oder 2015? Denn der neuere AV-Receiver sollte doch auch der bessere sein, oder? Wir haben uns vier Paarungen alt gegen neu herausgesucht und nennen nun die Fakten. Die Reihenfolge ist alphabetisch nach Hersteller geordnet:

  • Denon AVR-X6400H gegen Denon AVR-X6300H
  • Marantz SR7012 gegen Marantz SR6011
  • Onkyo TX-RZ3100 gegen Onkyo TX-NR3030
  • Yamaha RX-A870 gegen Yamaha RX-A860
Denon

Nun starten wir durch und beginnen mit dem Denon AVR-X6400H (2017) gegen den Denon AVR-X6300H (2016). Was kann der Neue besser und was bietet er mehr?

Denon-AVR-X6300H-Front-Seitlich2

AVR-X6300H (2016)

Denon-AVR-X6400H-Front-Seitlich1

AVR-X6400H (2017)

  • Anstatt 150 EUR Aufpreis zu verlangen, ist Auro-3D nun als drittes objektbasiertes Audioformate „serienmäßig“ an Bord. Macht dies Sinn? Viel Software mit nativen Auro-3D Tonspuren gibt es nicht, dafür aber ist der Auro-Matic-Decoder, der alles von Zweikanal-Quellen bis zu Mehrkanal-Quellen hochrechnet, so dass die Height-Lautsprecher auch mit berücksichtigt werden. Klar, dts Neural:X und Dolby Surround können das auch, aber unserer Meinung nach agiert Auro-Matic besonders gekonnt, detailreich und ausgewogen. Demnach ist die serienmäßige Ausstattung mit Auro-3D durchaus ein Mehrwert. 
  • Der AVR-X6400H bietet zwar den identischen monolithischen Aufbau innen, und man muss gestehen, dass man auf den ersten Blick im Inneren keine Unterschiede ausmachen kann, er wurde aber im Detail akustisch optimiert. Er klingt noch angenehmer, löst aber gleichzeitig über den gesamten Frequenzbereich etwas feiner auf. Zudem hob Denon die Pegelfestigkeit der nach wie vor analogen Endstufen an. Der AVR-X6400H erhitzt sich immer noch merklich, aber in unseren Test-Reihen nicht so stark wie der AVR-X6300H.

Denon-AVR-X6400H-Innenleben-Gesamt

AVR-X6400H von innen

Denon-AVR-X6300H-Innenleben-GesamtAVR-X6300H von innen

Was bieten beide AV-Receiver?

  • Decoder für dts:X und Dolby Atmos
  • 11 Endstufen mit monolithischem Aufbau
  • Audyssey MultEQ XT32 Lautsprecher-Einmess- und Room EQ-System

Denon AVR-X6400H App 10

Die aktuelle HEOS-App (aus dem Preview des 6400H)

  • HEOS Modul, Dualband-WIFI, Bluetooth, volle Hi-Res-Kompatibilität inklusive DSD (nur 2,8/5,6 MHz, kein Quad-DSD mit 11,2 MHz)
  • 8 HDMI-Eingänge und 3 HDMI Ausgänge (mittels entsprechenden Upgrades kann auch der AVR-X6300H Dolby Vision, HDR10 und HLG Bildsignale mittels HDMI durchschleifen
  • Leistungsstarke Videosektion mit ISF-Bildmodi

Denon-AVR-X6300H-Mikro

Audyssey-Einmess-Mikrofon bei 6300H und 6400H

Denon-AVR-X6400H-Fernbedienung

Fernbedienung 6400H

Denon-AVR-X6300H-Fernbedienung

Identisches Design: Fernbedienung 6300H

Nun kommen wir zu einem wichtigen Punkt. Den AVR-X6300H kann man bereits für rund 1.650 EUR neu kaufen. Das kürzlich erst erschienene 2017er Modell AVR-X6400H liegt bei 2.499 EUR – das entspricht exakt der unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers. Wir reden demnach über einen Preisunterschied von knapp 850 EUR – verdammt viel Geld. Selbst, wenn man beim AVR-X6300H noch für 150 EUR das Online-Update auf Auro-3D macht, bleiben 700 EUR Mehrpreis für den 6400H.

Denon AVR-X6300H Screenshot 2

AV-Receiver-Einrichtungs-Assistent bei beiden Modellen

Wer eine Neuanschaffung plant und seinen alten AV-Receiver „in Rente“ schicken möchte, kann getrost auch den AVR-X6300H aus 2016 kaufen und den Rest des Geldes sparen oder teilweise z.B. in einen Ultra HD Blu-ray-Player stecken. Wer konsequent das Beste möchte und bereit ist, für zugegebenermaßen sehr gelungene Detail-Optimierungen deutlich mehr zu bezahlen, kann sich den AVR-X6400H holen.

Marantz

Unsere nächste Paarung: Marantz SR7012 aus 2017 gegen Marantz SR6011 aus 2016.

Marantz-SR7012-Front-Seitlich1

SR7012

marantz_sr6011_front

SR6011

  • Beide AV-Receiver haben 9 Endstufen an Bord 
  • Beide AV-Receiver haben eine 11.2 Vorstufe
  • Beide AV-Receiver decodieren dts:X und Dolby Atmos, der SR7012 zusätzlich Auro-3D. 
  • Beide AV-Receiver haben 8 HDMI-Eingänge. Der SR6011 hat zwei, der SR7012 drei HDMI-Ausgänge
  • Beide AV-Receiver haben eine leistungsstarke Video-Sektion für Upscaling von SD/HD-Quellen auf bis zu 4K sowie 2 ISF-Bild-Programme
  • Beide AV-Receiver verfügen als Lautsprecher-Einmess- und Room EQ-System über Audyssey MultEQ XT32

marantz_sr6011_innen_komplett

SR6011 innen

Marantz-SR7012-Innenleben-Gesamt

SR7012 von innen

Hier „hinkt“ unser Vergleich etwas, denn der SR6011 scheint schlechte Karten zu haben: Er ist aus 2016 und auch noch in der Modell-Hierarchie eine Stufe unter dem SR7012. Aber der Preis spricht für sich: Nur knapp 900 EUR (bei seriösen Anbietern) wechseln für einen neuen SR6011 den Besitzer. Der SR7011 (haben wir nur einmal gehört, aber nie im Test gehabt) aus 2016 liegt noch bei rund 1.150 EUR. Und der SR7012? Hier ist aktuell die unverbindliche Preisempfehlung von 1.799 EUR „tonangebend“.

Marantz_Heos_App2

HEOS-Modul nur beim SR7012, im Bild die App

Marantz_App3

Für alle Marantz AV-Receiver in diesem Artikel gibt es die Marantz AVR 2016 App

Lohnt sich die Mehrausgabe? Der SR7012 hat „serienmäßig“ einen Decoder nicht nur für dts:X und Dolby Atmos, sondern auch für Auro-3D. Während für größere Marantz AV-Receiver ab dem SR7011 im Modelljahrgang 2016 ein Auro-3D-Update für 150 EUR verfügbar war, gab es diese Option beim SR6011 nicht. Zudem besaß der SR6011 noch kein HEOS-Modul. Der SR7011 schon. Aber nicht jeder braucht das HEOS-Modul für einfache Multiroom-Audio-Einbindung. Streamen kann schon der SR6011, und Hi-Res-Audio-kompatibel ist er auch.

marantz_sr6011_fernbedienung

Fernbedienung SR6011

Marantz-SR7012-Fernbedienung

Etwas aufwändigere SR7012-Fernbedienung

Da die Videosektion des SR6011 immer noch prima ist (wenn auch der Bildstand beim SR7012 noch etwas stabiler erscheint und das Scaling-Rauschen verringert werden konnte), stellt der SR6011 nicht nur im Vergleich zum SR7012, sondern auch im Vergleich zum 250 EUR teureren SR7011 eine sehr gute Wahl dar – zudem bereits der SR6011 über eine 11.2 fähige Vorstufe verfügt, Was heißt das? Kauft man noch eine Zweikanal-Endstufe dazu, kann man auch große 7.2.4 Setups betreiben“.

Zurück zum Preisunterschied SR6011 – SR7011: Für die gut 250 EUR kann man sich schon einen Ultra HD-Blu-ray-Player kaufen, zum Beispiel einen LP UP970 oder einen Samsung UBD-M8500 – beides topaktuelle 2017er Geräte. Und der 2016er SR6011 überzeugt immer noch: Sein wohlklingender Stereo-Sound ist nach wie vor hervorragend einzustufen, hier kann selbst der SR7012 nicht extrem viel mehr bieten. Gut, der 7012 und der 7011 sind etwas pegelfester, aber wann braucht man das im Alltag? Schon der SR6011 überzeugt in praktisch allen „Lebenslagen“ durch tadellose Pegelfestigkeit. Alle drei Marantz AVRs haben im Übrigen analoge Endstufen und eine HDMI-Sektion, die neuesten Spezifikationen entspricht – auch die 2016er Modelle bekommen ein Dolby Vision-Update. Klarer Tipp: Wer neu kauft, nimmt sich einen SR6011, wer ihn schon besitzt und kein HEOS-Modul braucht, kann ihn behalten. Und der SR7012? Hat er keine Daseinsberechtigung? Doch, zweifelsohne.

Marantz-SR7012-Rueckseite-Seitlich

SR7012 von hinten

marantz_sr6011_rueckseite

SR6011 von hinten. Gut zu erkennen: Der SR7012 ist deutlich höher

Denn derjenige, der schon einen älteren AVR besitzt, nun neu kauft und Wert auf absolute Vollausstattung und enorme Kraft bei der Mehrkanal-Wiedergabe legt, liegt beim SR7012 goldrichtig.

Onkyo

Richtig interessant wird es beim Vergleich des Onkyo TX-NR3030 mit dem neueren TX-RZ3100.

Onkyo TX-NR3030 Front Seitlich5

Onkyo TX-NR3030

Onkyo-TX-RZ3100-Front-Seitlich2

TX-RZ3100

Der TX-NR3030 stammt aus 2014 (damals: 2.499 EUR UVP) und der TX-RZ3100 kam 2016 (UVP: 2.999 EUR) auf den Markt. Wer sich die Preise für die beiden AV-Receiver anschaut, erlebt eine faustdicke Überraschung: Sie liegen nämlich gar nicht so weit auseinander, wenn man Neuware (gibt es selbst vom alten TX-NR3030 noch) haben möchte. Rund 1.800 EUR kostet der TX-NR3030 noch, für den TX-RZ3100 werden knapp 2.000 EUR aufgerufen. 

Onkyo-TX-RZ3100-Innenleben-Gesamt

TX-RZ3100 innen

Onkyo TX-NR3030 Innenleben Gesamt2

TX-NR3030 innen

  • Beide Onkyo AV-Receiver haben einen Dolby Atmos Decoder. Zusätzlich dts:X besitzt nur der TX-RZ3100
  • Beide Onkyo AV-Receiver haben 11 eingebaute Endstufen
  • Der TX-NR3030 hat analoge, der TX-RZ3100 digitale Endstufen
  • Beide AV-Receiver haben das Onkyo Accu EQ-Einmesssystem, das beim RZ3100 aber deutlich präziser arbeitet und insgesamt ausgereifter daherkommt.

Wie sieht hier unsere Bewertung aus? Der ältere TX-NR3030 war damals bestimmt ein hervorragendes Gerät. Doch der TX-RZ3100 kann schlichtweg alles besser. Die digitalen Endstufen sind noch pegelfester. Die Auflösung über den gesamten Frequenzbereich ist besser. Der Klang ist homogener, dichter. Die Ausstattung präsentiert sich zeitgemäß. Der TX-RZ3100 bekommt auch ein Update, mit dem die HDMI-Sektion dann für die Durchleitung von HDR-Dolby Vision-Signalen geeignet ist.

Onkyo TX-NR3030 Screenshot 3

Menu beim TX-NR3030

Onkyo TX-RZ3100 Menue 2

Einrichtungsassistent mit Accu EQ-Einbindung beim TX-RZ3100

Die HDMI-Sektion des TX-NR3030 ist hingegen nicht mehr zeitgemäß. Dass ein dts:X Decoder beim TX-NR3030 fehlt, ist unserer Meinung nach sogar zu verschmerzen, da es nach wie vor nur wenig Software gibt. Wer denkt, der TX-NR3030 könnte gar keine Punkte holen, der irrt. Denn früher verbaute Onkyo eine vollwertige Videosektion, das heißt: Up-Conversion von SD- und HD-Quellen auf bis zu 4K plus Video-EQ mit ISF-Bildmodi.

Onkyo-TX-RZ3100-Mikro

Mikrofon beim RZ3100

Onkyo TX-NR3030 Fernbedienung

Fernbedienung des TX-NR3030

Onkyo-TX-RZ3100-Fernbedienung

Fernbedienung des RZ3100

Der TX-RZ3100 kann hier nicht mithalten und offeriert lediglich ein Upscaling von 1.080p auf 4K.

Onkyo TX-RZ3100_Fire Connect

RZ3100 mit FireConnect

Multimedial holt der TX-RZ3100 dann zum nächsten Rundumschlag aus, mit FireConnect, Google Chromecast und zahlreichen weiteren modernen Merkmalen erfüllt er hier beinahe alle Ansprüche. Selbst derjenige, der noch einen TX-NR3030 besitzt, kann hier über ein Update auf den neueren TX-RZ3100 nachdenken.

Yamaha

Nun kommt der Yamaha RX-A870 ins Spiel, der gegen das 2016er Modell RX-A860 antritt.

Yamaha RX-A860 Front Seitlich1

RX-A860

Yamaha-RX-A870-Front-Seitlich1

RX-A870

  • Beide Yamaha AVRs haben 7 eingebaute Endstufen
  • Beide Yamaha AVRs haben Decoder für dts:X und Dolby Atmos
  • Beide Yamaha AVRs haben leistungsfähige Cinema- und Music-DSP-Programme
  • Beide Yamaha AVRs haben nicht den größten Cinema DSP HD3 Prozessor, das heißt, die DSP-Programme wirken nicht auf native Dolby Atmos- und dts:X Quellen. 
  • Beide Yamaha AV-Receiver haben ein MusicCast-Modul. 
  • Der RX-A870 kommt mit neu entwickelten Standfüßen und DAB/DAB+ Digitalradiotuner
  • Beide AVRs unterstützen per HDMI HDR10, Dolby Vision, HLG (teils per Update)

Yamaha-RX-A870-Innenleben-Gesamt

RX-A870 innen

Yamaha RX-A860 Innenleben Gesamt

RX-A860 innen

Klanglich war schon der RX-A860 gut, der RX-A870 ist nochmals besser. Räumlich dichter, homogen, zudem sprechen die sieben analogen Endstufen (auch der 860 hat analoge Endstufen) direkter an.

Yamaha RX-A860 Mikro

YPAO-Mikrofon des 860

Yamaha-RX-A870-Mikro

YPAO-Mikrofon des 870

Das Einmesssystem YPAO arbeitet bei beiden AV-Receivern praktisch identisch gut.

Yamaha-RX-A870-Fernbedienung

Remote RX-A870

Yamaha RX-A860 Fernbedienung

Fernbedienung RX-A860

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Die sehr gute Yamaha AVR-App, in der man sogar die DSP-Modi nachbearbeiten kann, gibt es für 870 und 860

Yamaha_RX_A870_musiccast1

MusicCast-App beim 860

Einfach kann man die MusicCast Streaming- und MultiRoom-Funktionen verwenden, das gilt für beide Modelle. Auch die ordentliche Videosektion kennzeichnet RX-A860 und RX-A870, allerdings ist der Bildstand beim 870 noch etwas stabiler und Details, vor allem in hinteren Bildebenen, wirken schärfer. 

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Wenn schon ein Update vom RX-A860, dann gleich auf den RX-A1070

Nach unseren Preis-Recherchen lohnt sich der RX-A860 nicht mehr, um 980 EUR kosten beide Modelle. Als der RX-A860 offiziell auslief, wurde er recht günstig, diese Chance jetzt weg. Daher können Käufer, die einen neuen Yamaha AVR suchen, gleich zum RX-A870 greifen. Wer noch einen RX-A860 hat, braucht aber nicht auf einen RX-A870 updaten. Trotz der mehr-Performance – ein Neukauf lohnt sich nicht. Dann lieber noch warten oder gleich einen RX-A1070 kaufen, der zudem ein besseres YPAO und den größten Cinema DSP HD 3 Prozessor hat. 

Fazit

Man kann es nicht verallgemeinern. Manchmal ist es sinnvoll, sich das neuere beziehungsweise aktuellste Gerät zu kaufen. Es finden sich aber genauso Fälle, bei denen man sich lieber anstatt des neuesten Modells einen AV-Receiver vom letzten Jahr kauft und aufgrund des besonders günstigen Preises ein fast unschlagbares Schnäppchen macht. Und dann als dritte Variante ist es noch eine Frage der Prioritäten, beide AVRs machen Sinn, und je nach Anspruch kauft man den neueren oder den älteren. 

Special: Carsten Rampacher
Datum: 28. Oktober 2017




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