XXL-TEST: Yamaha 7.2-Kanal-MusicCast-AV-Receiver RX-A870 – Gelungene Weiterentwicklung für 1.049 EUR?

Yamaha-RX-A870-Front-Seitlich1

Für viele sind AV-Receiver um die 1.000 EUR schon das Nonplusultra – auch, wenn es noch sehr deutlich teurere Alternativen gibt, muss man festhalten, dass es für die eingangs genannte Summe schon äußerst gut ausgestattete und ebenso klingende Modelle gibt, die durchaus den aktuellen Stand der Technik repräsentieren. Schon im Jahr 2016 fiel der Yamaha RX-A860 sehr positiv auf. Nun steht für 1.049 EUR Yamahas 2017er Aventage-AV-Receiver RX-A870, wiederum mit MusicCast-Modul für flexible Streamingmöglichkeiten sowie Multiroom-Einbindungen, bereit. Decoder für Dolby Atmos und dts:X, 100 Watt/Kanal (2 Kanäle ausgesteuert, 8 Ohm, 20 Hz bis 20 kHz, 0,06 % Klirrfaktor), sowie das ganze Spektrum an MusicCast- und Netzwerkfunktionen (AirPlay, Spotify, Pandora, Tidal, Deezer, Qobuz, Juke) sind ebenso Bestandteil der Ausstattung wie vielfältige Hi-Res-Audio-Nutzungsmöglichkeiten (DSD 2,8/5,6 MHz, Flac/WAV(AIFF bis 192 kHz/24-Bit, Apple Lossless (ALAC) bis 96 kHz/24-Bit).

Yamaha-RX-A870-Rueckseite-Seitlich

Rückseite komplett

Yamaha-RX-A870-Anschluesse-Rueckseite3

HDMI-Sektion

Yamaha-RX-A870-Bedienelemente-Frontklappe

Anschlüsse unter der Frontklappe

Neu hinzu kommt im Modelljahr 2017 ein DAB/DAB+ Radiotuner. Acht HDMI-Eingänge und zwei HDMI-Ausgänge sind vorhanden. Der Receiver kommt mit voller 4K Ultra HD-Unterstützung (4K/60p, 4:4:4 Farbsignale, BT.2020, HDR10 und Dolby Vision-Support) und ist somit Zukunftssicher. Zusätzlich zu Dolby Vision wird im Software-Update, das voraussichtlich noch im Herbst 2017 erscheint, auch die Unterstützung von HLG (Hybrid Log Gamma) und eARC (Enhanced Audio Return Channel) integriert sein.

Yamaha-RX-A870-Mikro

YPAO-Einmessmikrofon

Wie üblich, ist das automatische Lautsprecher-Einmesssystem mit Room-EQ Y.P.A.O an Bord – inklusive R.S.C. (Reflected Sound Control) und Mehrpositionen-Einmessung (8 Hörpositionen). Yamaha verbaut ein laut eigenen Worten verbessertes Graphical User Interface (GUI) in 8 Sprachen. Wie üblich ist der RX-A870 wahlweise in schwarzer, wie bei uns im Test, oder in titanfarbener Variante lieferbar. 17 DSP-Programme verschiedener Sparten (z.B. Cinema und Music) sorgen für Abwechslung. 

Yamaha-RX-A870-Bedienelemente-Front1

Lautstärkedrehregler

Yamaha-RX-A870-Bedienelemente-Front2

Quellwahlregler

Optisch gehen keine neuen Impulse vom RX-A870 aus, gewohnte Yamaha-Kost, wie schon seit Generationen. Da ein neuer Schriftzug, dort minimale Veränderungen – nichts, was man auf den ersten Blick erkennen würde. Der nicht gerasterte Lautstärkeregler, der zusätzlich leicht eiert, weiß nicht zu überzeugen. Der gerasterte Regler für die Wahl der Quelle gefällt da schon eher. Das Punktmatrix-Display ist einzeilig gehalten. Bei den soliden, großen Standfüßen, inklusive dem für AVENTAGE-Receiver typischen 5. Standfuß im Zentrum des Unterbodens, handelt es sich um ein überarbeitetes, teilweise neu konzeptioniertes Design. Die neuen Standfüße sind laut Hersteller nochmal um einiges vibrationshemmender und resonanzärmer als die Vorgänger-Version. Nichts Besonderes findet sich auf der Geräterückseite, die Anschlüsse weisen eine preisklassengemäße Qualität auf und sind gut eingepasst.

Yamaha-RX-A870-Display-Bedienelemente

Display

Yamaha-RX-A870-Fernbedienung

Fernbedienung

Die im Lieferumfang enthaltene Fernbedienung ist ebenfalls bestens bekannt, sie ist voll befriedigend hinsichtlich der Materialqualität, ihre Praxistauglichkeit wird aber durch die stellenweise sehr kleinen Tasten beeinträchtigt. 

Yamaha-RX-A870-Innenleben-Gesamt

Innerer Aufbau in der Übersicht

Der RX-A870 ist ordentlich aufgebaut. Leider kann man mittlerweile nirgendwo mehr Alu-Kühlkörper in der 1.000 EUR-Liga erwarten, so hat auch der Yamaha passive Kühlelemente aus Blech. 

Yamaha-RX-A870-Innenleben1

Trafo

Der Transformator im RX-A870 ist ein normales, preisklassenübliches Bauteil. Ein besonders leistungsfähiger – aber meist auch teurer – Ringkern-Trafo wird in der 1.000 EUR Liga nirgendwo verwendet. 

Yamaha-RX-A870-Innenleben4

Mehrstöckiger Aufbau, unten sitzen die Elkos

Yamaha-RX-A870-Innenleben2

Platinenlayout und Verkabelung

Yamaha-RX-A870-Innenleben3

Der schon oben angesprochene Blech-Kühlkörper

Wie sieht das On Screen Display des Yamaha RX-A870 aus? Wir sehen hinsichtlich der grafischen Anmutung keine großen Unterschiede, wenn wir mit der 2016er Version vergleichen. Generell bietet Yamaha keinen On-Board-Einrichtungsassistenten, sondern eine kostenlos herunterzuladende App fürs Tablet, die bei der Ersteinrichtung hilft. Das automatische Einmesssysteme Y.P.A.O. arbeitete bis auf eine, uns schon bekannte Problematik zuverlässig: Die Phase der Top Firing-Module wurde als „falsch“ angezeigt, obwohl sie korrekt war. Y.P.A.O. hat ansonsten auch akustisch einen sehr guten Reifegrad erreicht, der Klang mit aktiviertem Y.P.A.O ist ausgewogen und klar. 

Yamaha RX-A870 Screenshot 1

Lautsprechersetup

Yamaha RX-A870 Screenshot 2 Zusammenfassung der bestehenden Daten vor der Messung

Yamaha RX-A870 Screenshot 3

Vorprüfung rechter Frontlautsprecher

Yamaha RX-A870 Screenshot 4

Vorprüfung linker Frontlautsprecher

Yamaha RX-A870 Screenshot 5

Hauptprüfung

Yamaha RX-A870 Screenshot 6

An bis zu 8 Positionen misst Y.P.A.O ein

Yamaha RX-A870 Screenshot 7

Menü „Ton“

Yamaha RX-A870 Screenshot 8

Menu „Netzwerk“

Yamaha RX-A870 Screenshot 9

Menu „Funktion“

Yamaha RX-A870 Screenshot 10

Das OSD steht in mehreren Sprachen bereit 

Yamaha RX-A870 Screenshot 12

Der RX-A870 ist jetzt mit „Scene Plus“ ausgestattet

Yamaha RX-A870 Screenshot 13

Auch eine Yamaha-Spezialität: Die legendären DSP-Modi mit umfangreichen Nachbearbeitungsmöglichkeiten (variieren je nach Programm)

Yamaha RX-A870 Screenshot 14

Natürlich ist Spotify an Bord

Yamaha RX-A870 Screenshot 16

Hi-Res-Wiedergabe in Flac 48 kHz/24-Bit. Leider fehlt diese Information auf dem GUI-Screen

Die „Scene“-Funktion des Yamaha RX-A870 wurde auf „Scene Plus“ erweitert – ein Feature, dass bisher den Yamaha AV-Receivern höherer Preisklassen (ab RX-A10xx) vorbehalten war. Mit Scene+ wird (durch das gedrückt halten der jeweiligen Taste) der komplette Gerätestatus gespeichert. Dazu gehört unter anderem der Lautstärkepegel, HDMI- und Toneinstellungen, der Eingang, DSP-Einstellungen und sonstige Optionen wie z.B. die Dialoganhebung. Im Setup unter dem Menüpunkt „Szene“ kann dann im Unterpunkt „Laden“/“Details“ präzise eingestellt werden, welche Parameter geladen werden sollen und welche nicht. Insgesamt stehen 12 Speicherplätze für diese Funktion zur Verfügung. Vier davon können direkt am Gerät ausgewählt werden, die übrigen per OSD oder der Smartphone-App.

Wenn wir schon bei umfangreicheren Einstellungsmöglichkeiten sind, wollen wir direkt noch die neuen Optionen in der zweiten Zone anführen. Dazu gehört eine Klangregelung, Extra Bass, Balance- und Audio-Delay-Einstellung, ein Enhancer und MC LinkMaster. Praktisch ist auch Volume EQ (Loudness) und die Möglichkeit der Mono-Klangausgabe. So können z.B. zwei Lautsprecher an unterschiedlichen Orten platziert und dennoch die Wiedergabe des kompletten akustischen Signals am jeweiligen Ort erfolgen.

Es ist natürlich auch möglich, dem RX-A870 mittels der inzwischen optisch schon gut bekannten AV-Receiver-App zu steuern. Wer den AV-Receiver in ein Multiroom-MusicCast-Setup einbindet, kann den RX-A870 auch mit der MusicCast App bedienen. 

 Yamaha_RX_A870_app5

Wahl des Eingangs. Der Aufbau der AV Controller App ist sehr praktisch

Yamaha_RX_A870_app2

Alle relevanten Einstellungen können auch mittels der App getroffen werden, hier Teil 1 der Parameter

Yamaha_RX_A870_app3

Dialogkontrolle und Pure Direct Modus können auch mittels der App bedient werden

Yamaha_RX_A870_app4

Auch, ob die aktuell laufende Firmware aktuell ist, erfährt man aus der App

Yamaha_RX_A870_app7

Benutzereinstellungen

Yamaha_RX_A870_app1

Zugriff auf die DSP-Modi per App

Yamaha_RX_A870_app8

„Basic“ Nachbearbeitung des „Adventure“ DSPs per App

Yamaha_RX_A870_app9

„Advanced“ Nachbearbeitung des Adventure-DSPs

Innerhalb der sehr umfangreichen App ist es unter anderem auch möglich, die zahlreichen und Yamaha-typisch sehr guten DSP-Programme in zwei Schritten individuell anzupassen: „Basic“ sowie „Advanced“. Das sieht dann noch eindrucksvoller aus, wenn man die App anstatt in der Smartphone-Version in der für Tablets optimierten Variante verwendet. 

Yamaha_RX_A870_musiccast1

Der RX-A870 kann auch mit der MusicCast-App verwendet werden. Dann wird dem AV-Receiver eine Zone zugewiesen (hier: Room 1)

Yamaha_RX_A870_musiccast2

Hi-Reds-Audio-Wiedergabe, die Dateien kommen vom NAS-System

Yamaha_RX_A870_musiccast3

MusicCast-Einstellungen 

Der Yamaha RX-A870 ist üppig und modern ausgestattet. Die Optik ist nicht besonders aufregend, die Verarbeitung insgesamt sehr gut. Die Steuerung des AV-Receivers ist besonders mit der App sehr gelungen. Die mitgelieferte Fernbedienung überzeugt uns nicht zu 100 Prozent. 

Klang Hi-Res Stereo (Flac-Dateien)

Wie üblich, haben wir unser Nubert nuLine Mehrkanal-Lautsprecherset verwendet. Und wir starten diesmal mit Hi-Res Stereo-Dateien im Flac-Format. Diana Kralls „Desperado“ (48 kHz/24-Bit) klingt etwas anders als bei früheren Yamaha Aventage-Modellen. Der wärmere, rundere Klang zeichnete sich schon beim RX-A860 von 2016 ab. Und da die Nubert nuLine 284, die für vorne links und rechts Verwendung finden, neutral abgestimmt sind, kann die spezifische Charakteristik des RX-A870 gut herausgearbeitet werden. Besser geworden ist auch die Fähigkeit, die Stimme von den Lautsprecher-Chassis zu lösen. Man hört entspannt und doch in vielen Details, eine sehr gelungene Mischung. Das Piano wird ausgezeichnet eingearbeitet, man hört auch die Anschlagdynamik heraus. Hier hat sich gegenüber dem älteren Modell aber nichts geändert.

Dass noch etwas mehr Räumlichkeit insgesamt vorhanden ist, das ist aber sehr wohl im 2-Kanal-Modus zu verzeichnen. Yamaha bewegt sich mit dieser Auslegung auf einem unserer Meinung nach sehr sicheren Pfad. Dynamik ist noch genug vorhanden, das beweist auch „Don’t Dream, It’s Over“, ebenfalls von Diana Kralls „Wallpaper“ Album und in 48 kHz/24-Bit vorliegend. Die Harfe zu Beginn gefällt durch die gute Durchhörbarkeit, die homogene Gesamtauslegung wird auch bei diesem Stück sehr gut deutlich. Das erste Allegro aus Wolfgang Amadeus Mozarts Violinenkonzert in D-Dur, KV 218, ertönt mit lobenswerter räumlicher Staffelung, atmosphärisch dicht, aber zugleich mit einer gefälligen Leichtigkeit. Der RX-A870 bleibt auch hier seiner zuvor gezeigten akustischen Auslegung treu und taugt somit auch für mehrstündige Hör-Sessions, da selbst die ordentlich detaillierten Violinen-Solo-Parts nicht zu aggressiv oder fordernd in Erscheinung treten. Im Vergleich zur Konkurrenz von Onkyo, Pioneer oder Denon/Marantz hat sich Yamaha nun für eine akustische Auslegung entschieden, die sogar noch stärker als mancher der genannten Konkurrenten auf Harmonie und klangliche Ausgewogenheit setzt – ein mutiger, aber für uns aus akustischer Sicht sehr gelungener Schritt. 

Klang Dolby Atmos (Blu-ray „Mission Impossible – Rogue Nation“)

In nativem Dolby Atmos hören wir das bestens bekannte „Wien“-Kapitel aus „Mission Impossible – Rogue Nation“. Hier lässt der RX-A870 gleich zu Beginn aufhorchen. Kurz ist die nächtliche Kulisse der österreichischen Hauptstadt zu sehen, gewaltige klassische Musik ertönt. Mit einer genau richtigen Mischung aus Nachdruck und Präzision gibt der RX-A870 diesen kurzen Part wieder. 

Dann steht ein Szenenwechsel an, Benji steigt unweit des Wiener Opernhauses aus der U-Bahn aus und bekommt unauffällig eine spezielle Brille von Ethan zugesteckt. Die Umgebungsgeräusche in der U-Bahn-Station, zum Beispiel vom wegfahrenden Zug oder von den vielen Menschen, gibt der Yamaha mit einer überragenden Räumlichkeit über alle Kanäle wieder. Da zeigen sich tatsächlich Vorzüge der neuen AVR-Generation: Noch mehr Homogenität, noch bessere Einbindung der Height-Kanäle, auch bei subtilen Passagen. Stets hat man das Gefühl, sich inmitten der Ereignisse zu befinden. Auch, als der österreichische Bundeskanzler mit seinem Dienst-Maybach vor der Oper vorfährt und zusammen mit seiner Ehefrau aussteigt. Das Blitzlichtgewitter der anwesenden Pressefotografen präsentiert uns der Yamaha dynamisch und lebendig. 

Dann finden die weiteren Ereignisse im Inneren des weltberühmten Opernhauses statt. Das Klatschen der Opernbesucher von Puccinis „Turandot“, das kurze Stimmen der Instrumente durch die Musiker des Orchesters, und dann der fulminante, weil sehr dynamische Auftakt der Oper: Der  RX-A870 besticht durch seine akustische Souveränität und durch seine harmonische Auslegung, die mit einer absolut überzeugenden Auflösung in allen Frequenzbereichen einher geht. Die Stimmen der Opernsängerinnen und Opernsänger bringt er vielschichtig und charismatisch zum Ausdruck.

Die parallel stattfindenden Handlungen berücksichtigt er aber gleichzeitig: So die Dialoge zwischen Ethan und Benjamin, oder kleine Effekte wie das Öffnen einer Tür oder das Laden einer Waffe. Die heftige Auseinandersetzung zwischen Ethan und seinem Widersacher oben über der Bühne beweist, wie zügig die Endstufen des RX-A870 antreten – impulsiv kommen die kräftigen Faustschläge heraus, und als Ethan mit Wucht nach unten fällt, wird auch dies akustisch überzeugend dokumentiert. Immer schafft der Yamaha ein atmosphärisch dichtes, weitläufiges Raumgefühl – im virtuellen Raum ist praktisch jedes klangliche Ereignis exakt auszumachen. 

Klang Blu-ray „James Bond 007 – Ein Quantum Trost“, dts-HD aufpoliert zu 5.1.2 mittels dts Neural:X

Da die DSP-Programme beim RX-A870 nicht bei Dolby Atmos/Dolby Surround und dts:X/dts Neural:X greifen (das funktioniert erst mit dem Cinema HD 3 Prozessor, der in 2017 in den Aventage AV-Receiver-Modellen RX-A1070, RX-A2070 und RX-A3070 verbaut ist), haben wir uns den Beginn von „James Bond 007 – Ein Quantum Trost) im „normalen“ dts Neural:X Modus angehört. Der Yamaha, in dessen Inneren analoge Endstufen arbeiten, schwingt sich souverän in höhere Pegelregionen auf, schon der Vorgänger konnte dies sehr gut. Tadellos ist das Auflösungsvermögen, wenn z.B. Glassplitter und andere Teile im Verlauf der wilden Verfolgungsjagd am oberitalienischen Gardasee durch die Gegen fliegen. Der RX-A870 arbeitet die Top Firing-Module wirkungsvoll ein und weitet dadurch gerade die vordere Klangkulisse deutlich. Man fühlt sich bestens ins Geschehen integriert, der aktive Subwoofer wird bei korrekter Einpegelung sauber angesteuert.

Der Eindruck einer in sich schlüssigen, gleichzeitig klar definierten Front-Surroundkulisse ist allzeit präsent. Die Übergänge zu den beiden Surroundlautsprechern gestalten sich fließend, so dass die Räumlichkeit insgesamt erst da ihre Grenzen findet, wo ein Neunkanal-AV-Receiver, der den Betrieb mit einer 5.1.4-Konfiguration zulässt, durch die beiden zusätzlichen Top-Firing-Module hinten noch mehr Atmosphäre realisieren kann. Nach der 007-typisch turbulenten Eröffnungssequenz wird, auch das ist Bond-spefizisch, der Titelsong in voller Länge ausgespielt. Klar, differenziert und kraftvoll kommt dieser zur Geltung, mit straffem Bass und der schon vom Stereo-Betrieb her bekannten homogenen Gesamtauslegung. Dynamische Wechsel handhabt der RX-A870 gelassen und mit untadeliger Impulstreue.

Als dann das nächste Kapitel startet und man sich oberirdisch inmitten des „Palio“, einem berühmten historischen Pferderennen in Siena, befindet, kommen die Beifallsbekundungen der Zuschauer akustisch mit Schwung und Nachdruck heraus. Szenenwechsel – das Verhör von Bonds Geisel durch den MI6 wird mit akkurater Stimmwiedergabe, die den leichten Hall der Lokalität treffend berücksichtigt, ebenfalls tadellos präsentiert. Wo liegen die Vorzüge teurerer AV-Receiver? Noch mehr subtile räumliche Details, noch spontaneres Ansprechen der Endstufen, insgesamt noch mehr Auflösung.

Doch man muss schon ein sehr erfahrener Hörer sein, um diese Benefits wirklich in vollem Umfang wahrzunehmen. Der RX-A870 mit seinen Qualitäten taugt schon für den dedizierten Heimkinoraum, und gerade, wenn man auch auf ein sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis achtet, macht man hier einen sehr guten Kauf. Das zeigt auch, also 007 den flüchtenden Leibwächter, der ein doppeltes Spiel spielte, in den unterirdischen Gängen von Siena jagt. Unten der erbitterte Wettlauf, oben das Pferderennen: Der RX-A870 schafft auch hier eine enorm dichte, lebendige Atmosphäre. Ganz gleich, ob Schüsse oder Schreie: Der 7.2 Receiver arbeitet alle Arten von Effekten unvermittelt und kraftvoll ein.

Klang Blu-ray „James Bond 007 – Ein Quantum Trost“ in 5.1 mit Yamaha Cinema DSPs „Adventure“ und „Spectacle“

Wer den 007-Streifen in 5.1 mit einem der schon legendären Yamaha Cinema DSP-Modi wiedergeben möchte: Sehr weitläufig, klar strukturiert und angenehm klingt „Adventure“, der eine im Detail besonders markante Betonung der Effekte favorisiert, fährt mit „Spectacle“ besonders gut. Beide Betriebsarten sind schon seit langer Zeit bekannt, aufgrund von Yamahas Aufwand bei der DSP-Programmentwicklung kann man die akustischen Ergebnisse nicht mit denen von einfachen DSP-Modi bei zahlreichen Konkurrenten vergleichen. 

So macht Heimkino Spaß – man wähnt sich, wie schon weiter oben geschrieben, inmitten des lebhaften Geschehens auf der Leinwand. Dabei berücksichtigt der RX-A870 auch kleinere Effekte wie herunterfallende Steine oder das schnelle Laufen auf Dachziegeln ausgezeichnet, das Läuten der Kirchenglocken klingt ebenso authentisch wie der dann folgende, akustisch sehr nachdrückliche Kampf auf dem Baugerüst. Vergleichen wir mit dem Onkyo TX-RZ820, der auf 1.199 EUR kommt, so stellen wir fest, dass der Onkyo akustisch noch eine Idee dynamischer antritt, der Yamaha aber noch harmonischer und runder ausgelegt ist – wer hätte gedacht, dies einmal von einem Yamaha AVR schreiben zu können?

Klang Hi-Res Stereo-Dateien mittels DSP „Hall in Munich“ auf 5.1 aufpoliert

Und die Freude geht weiter, wenn wir Hi-Res-Files vom Yamaha RX-A870 bearbeiten lassen. Wir hören vom Album „Nessun Dorma“ des Star-Tenors Jonas Kaufmann verschiedenene Stücke in Flac 96 kHz/24-Bit Stereo und polieren diese – auch wenn der HiFi-Liebhaber die Augen verdreht – mittels des sehr gelungenen „Hall in Munich“ Musik-DSPs auf.  Der gediegene, ausgewogene, räumlich dichte Klang bei Arien aus den Puccini-Opern „Manon Lescaut“ und „La Bohéme“ beweist das Können der Yamaha DSP-Ingenieure: Alles ist stimmig, die Räumlichkeit wirkt verblüffend echt. Natürlich muss das gewählte Quellmaterial schon zum jeweiligen DSP passen. Da Yamahas DSP-Modi auf real exisitierenden und genau akustisch vermessenen Opern-, Konzert-, Kinosälen oder Clubs basieren, sollte man, wenn man z.B. ein Stduio-Album hört, dies nicht unbedingt über ein DSP-Programm wiedergeben, das eine ganz andere Raumgröße und komplett andere akustische Bedingungen simuliert. Passt man  hier auf, erlebt man eine exzellente Performance, die verblüfft – denn man wähnt sich tatsächlich inmitten einer großen Vorführung in der Oper. Der Hochtonbereich ist keinesfalls bedeckt, sondern spielt klar und frei auf. Selbst die diffizil darzustellenden Streicher enttäuschen uns nicht. 

Video-Unit

Wie gut skaliert der RX-A870 den Filmbeginn von „Ein Quantum Trost“ auf 3.840 x 2.160 Pixel hoch? Die eingebaute Video-Unit rechnet 480/576i/p, 720p sowie 1.080i/p auf bis zu 4K hoch, weitere Funktionen wie ein Video-EQ haben wir nicht gefunden. Das Upscaling gelingt in respektabler Qualität. Die Asphaltstruktur auf der Straße am Gardasee im Tunnel wird solide herausgearbeitt. Bewegungen/Kamerafahrten wirken stabil und scharf. Das Bild hat eine überzeugende plastische Wirkung, die massiven Spuren der zahlreichen Crashs werden auf der Karosserie von Bonds Aston Martin DBS prima herausgearbeitet.

Auch die erdigen Farbtöne und der sandig-steinige Untergrund im Steinbruch während der Verfolgungsjagd kommen sehr stimmig auf den Screen. Trotz der rasanten Fahrt arbeitet der Yamaha Einzelheiten am Aston Martin und am Alfa Romeo 159 der Gegner scharf heraus. Unten in den Katakomben, als Bond mit seinem ramponierten Fahrzeug hineinfährt, zeigen sich die einzelnen Ziegelsteine an den Wänden sehr genau und zudem rauschfrei. Natürlich trägt auch der hochwertige Samsung Q8C seinen Teil zum hervorragenden Bild bei – das präzise Upscaling des RX-A870, das überdies besser ist als bei manchem Blu-ray-Player, der vielleicht ein oder zwei Jahre alt ist, aber genauso. 

Konkurrenzvergleich

Onkyo-TX-RZ820-Front-Seitlich2

  • Onkyo TX-RZ820: Der Onkyo macht optisch ohne Frage eine Menge her. Zudem bringt er ein THX Select-Zertifikat mit. Aus akustischer Sicht gefällt er durch die sehr gute Auflösung und die ausgezeichnete Dynamik. Der RX-A870 aber löst ebenso gut auf, und klingt noch runder, angenehmer – und gleichzeitig direkter. Der Onkyo hält etwas mehr Distanz – letzten Endes ist es aber auch eine Frage der persönlichen Ansprüche. Für den Onkyo spricht die opulentere Verarbeitung und die Möglichkeit, mit Fire Connect, Google Chromecast und dts Play-Fi eine kaum zu schlagende Flexibilität bei den Themen Streaming und Multiroom-Einbindung anzubieten. Für den Yamaha sprechen die exzellenten DSP-Programme, die überragende App-Steuerung und der DAB/DAB+ Tuner. 

Yamaha RX-A860 Front Seitlich1

  • Yamaha RX-A860: Oftmals können wir nur geringe Differenzen zum Vorgängermodell ausmachen. Da schon der RX-A860 ein ausgezeichneter AV-Receiver war, konnten wir uns kaum vorstellen, dass ihn der RX-A870 nochmals spürbar übertrifft. Doch genau dies ist der Fall. Nicht nur die praxisgerechtere Ausstattung (z.B. DAB/DAB+ Tuner, HDR-Support auch von HLG und Dolby Vision, auch der noch angenehmere, räumlich dichtere Klang sprechen für das 2017er Modell. 

Denon_AVR_X2400H_front1

  • Denon AVR-X2400H: Unser Champion in der Liga um 700 EUR blamiert sich auch im Vergleich mit dem rund 350 EUR teureren RX-A870 nicht. Klar, der RX-A870 ist noch etwas pegelfester und löst etwas feiner auf. Zudem steht seine Videosektion nicht nur für digitale, sondern auch für analoge Quellen offen. Aber für einen günstigen Kaufpreis macht der AVR-X2400H schlichtweg einen sensationellen Job. Der RX-A870 bietet für seinen Mehrpreis allerdings auch noch mehr, somit stellt jeder der beiden AVRs in seiner Preisklasse derzeit eine nahezu optimale Wahl dar. 
Fazit

Yamaha-RX-A870-Front-Seitlich1

Der RX-A870 fällt optisch nicht auf, das Yamaha AVENTAGE-Design kennt man einfach schon recht lange. Akustisch aber ist von Langeweile nichts zu spüren, im Gegenteil: Dynamisch und mit ansprechender Auflösung sowie hervorragender Räumlichkeit, schlüpft der Yamaha MusicCast-Receiver gekonnt in die Rolle des Musterknaben der 1.000 EUR Liga, weil er, nicht zuletzt durch die weitere optimierte, sehr harmonische Gesamtauslegung, sich selbst im dedizierten Heimkino hervorragend macht. Immer noch eine wertvolle Option sind Yamahas schon fast legendäre DSP-Modi. Leider gibt es den Cinema DSP HD3 Chip, der auch bei dts:X und Dolby Atmos die gesamte DSP-Power zur Verfügung stellt, erst ab dem RX-A1070. Aber gut – „nobody is perfect“. Ansonsten herrscht eitel Sonnenschein: Eine sehr gute Video-Unit, eine saubere Verarbeitung und eine umfangreiche, sinnvolle Ausstattung sprechen ebenfalls für den RX-A870. Die im Test gezeigte hohe Betriebssicherheit ist heutzutage alles andere als selbstverständlich. 

Yamaha macht alles richtig: Der RX-A870 ist ein Musterbeispiel für Klangstärke und Ausgewogenheit
preisklassenreferenz
AV-Receiver 1.000 EUR-Klasse
Test 08. August 2017

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 08. August 2017




Alle aktuellen Tests auf AREA DVD
  ZURÜCK