XXL-TEST: 7.2-Kanal-AV-Netzwerk-Receiver Yamaha AVENTAGE RX-A860 – So gut ist die 1.000 EUR-Klasse 2016

Yamaha RX-A860 Front Seitlich1

Yamaha stellte vor kurzem verschiedene neue AV-Receiver-Modelle der Top-Serie „AVENTAGE“ vor. Hohe Klangqualität, umfassende Ausstattung und MusicCast an Bord sind im Fokus stehende Merkmale dieser Baureihe. Für nahezu jeden Anspruch ist der passende AV-Receiver im Sortiment, mit sieben oder neun Endstufen kann man AVENTAGE AV-Receiver kaufen. Oftmals reichen immer noch sieben Endstufen – diese sollen aber bitte eine ausgezeichnete Qualität mitbringen. Wer so denkt, für den ist der neue Yamaha AVENTAGE AV-Receiver RX-A860 mit WLAN und Bluetooth im 7.2 Layout für 999 EUR eine interessante Alternative. Decoder für Dolby Atmos und DTS:X sind im üppigen Ausstattungspaket enthalten, DTS:X inklusive Neural:X als Aufpolierer funktionieren jetzt schon.

Yamaha RX-A860 Rueckseite Seitlich

Rückseite

Der in schwarz und titan erhältliche Yamaha liefert 100 Watt an 8 Ohm (20 Hz bis 20 kHz, 0,06 Prozent Klirrfaktor, 2 Kanäle ausgesteuert). An 4 Ohm, 1 Kanal ausgesteuert, 0,9 Prozent Klirrfaktor, sind es 160 Watt an Leistung. Papier ist geduldig, daher werden wir später in den Klangtestreihen klären, wie es um die Leistungsbereitschaft der sieben eingebauten Endstufen in der Praxis bestellt ist. Wer nicht immer das volle Leistungsvermögen benötigt: Der RX-A860 bringt auch einen Eco-Modus mit, der den Stromverbrauch um bis zu 20 Prozent reduziert. Mittels „Auto Power Down“ kann darüber hinaus eingestellt werden, ob sich der RX-A860 nach 20 Minuten, nach 2 Stunden, nach 4 Stunden, nach 8 oder nach 12 Stunden automatisch ausschaltet. Der RX-A860 ist in der Lage, Videosignale auf bis zu 4K hochzurechnen, einen Video-EQ fürs Feintuning gibt es nicht im Menü. 

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Großer, griffgünstiger Lautstärkedrehregler

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Regler für die Quellwahl

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Vier Scene (Szene) Tasten

Yamaha RX-A860 Bedienelemente Frontklappe

Anschlüsse unter solider Abdeckung (Klappe aus Metall). 6,25 mm Phones, USB, Video FBAS, Cinch-Analog, HDMI-Eingang plus Buchse fürs YPAO-Mikrofon

Wie es sich für einen AVENTAGE AV-Receiver gehört, bringt der RX-A860 den fünften Geräte-Standfuß, der zentriert auf dem Geräteboden befestigt ist, mit, der eine spezielle Formgebung aufweist. „A.R.T. Wedge“ nennt Yamaha diese Bauform, die effektiv hilft, Vibrationen zu reduzieren. Der RX-A860 mit Frontblende aus Aluminium präsentiert sich in sehr guter Verarbeitungsgüte. Links befindet sich der Drehregler für die Quellwahl, rechts ist der gut in der Hand liegende Lautstärkedrehregler untergebracht. Zahlreiche kleine, gleichförmige, rechteckige Tasten, z.B. für Multiroom-Funktionen und Presets, befinden sich direkt unter dem einzeiligen Punktmatrix-Display. Wieder darunter sitzen die vier Makro-Tasten für verschiedene Funktionsprozesse, die Yamaha „Szene“-Tasten nennt. Dann folgt eine solide Klappe, unter der sich die Front-Anschlüsse, z.B. für das Mikrofon des Yamaha YPAO R.S.C.-Einmesssystem, befinden. Natürlich gibt es auch vier normale, sehr solide Gerätestandfüße beim RX-A860.  

Yamaha RX-A860 Innenleben Gesamt

Innenleben komplett

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Platinenlayout

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Kühlkörper aus Blech

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Trafo

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ELKOs

Der „Total Purity“ Aufbau für bestmögliche Klangqualität wäre noch zu erwähnen. Er fußt auf vier Pfeilern: High Drive Amp Technology für bestmögliche Performance der Endstufen, High Purity Pre-Amplification mit einem besonders hochwertig aufgebauten Vorverstärker mit kürzestmöglichen Signalwegen, Anti Vibration Technology, sowie den Aufbau mit unabhängigen Stromversorgungen. Man sieht dem Innenleben diese Anstrengungen nicht unbedingt sofort an. Das soll nicht heißen, dass der RX-A860 innen schlecht verarbeitet wirkt, das ganz und gar nicht. Aber der Blech-Kühlkörper, auch bei der Konkurrenz leider noch in der 1.000 EUR-Liga ebenfalls üblich, und der Transformator zeigen auch keine übertriebene Noblesse. 

Der AV-Receiver ist mit zahlreichen Yamaha DSP-Programmen ausgestattet. Für Filmton, Musik-, Entertainment- und Game-Quellen finden sich unterschiedliche Modi. Als besonders empfehlenswert stufen wir schon seit Generationen von Yamaha AV-Receivern die „Movie“ DSPs ein. Die Namen sind seit Jahren gleich: Spectacle, Sci-Fi und Adventure. Früher gab es noch „General“, dieser Modus fehlt, dafür gibt es ein Programm mit dem Namen „Standard“. Weiter an Bord sind „Mono Movie“, „Drama“, „Sports“, „Music Video, „Action Game“ sowie „Roleplaying Game“. Diese DSP-Betriebsarten findet man, wenn man die „Movie“-Taste auf der Fenrbedienung drückt. Wählt man den „Music“-Button, tauchen die folgenden Programme auf: „7ch Stereo“, „Hall in Munich“, „Hall in Vienna“, „Chamber“, „Cellar Club“, „The Roxy Theatre“, „The Bottom Line“ sowie „2ch Stereo“. Die DSP-Modi können hinsichtlich verschiedener Parameter fürs Front/Surround/Surround Back-Klangfeld angepasst werden. Das geschieht entweder mittels Fernbedienung und OSD oder mittels der AV-Controller-App fürs Tablet. Der RX-A860 ist noch mit „Silent Cinema“ für die DSP-Programm-Verwendung zusammen mit einem normalen Stereo-Kopfhörer ausgestattet. Für komprimierte Dateiformate findet sich, wie auch bei der Konkurrenz üblich, ein Enhancer für eine akustische Optimierung. Hochwertige Burr Brown 192 kHz/24-Bit D/A-Konverter für alle Kanäle sorgen für eine hochwertige Wandlung eines digitalen in ein analoges Audiosignal.

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HDMI-Sektion. Die Eingänge, die HDCP 2.2 unterstützen, sind entsprechend gekennzeichnet

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Kompletter Pre-Out

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Lautsprecherkabel-Schraubanschlüsse

Der AV-Receiver verfügt über insgesamt 8 HDMI-Eingänge. HDMI 1, HDMI 2 und HDMI 3 sind HDCP 2.2 kompatibel. Vinylfreude freuen sich über den dedizierten Phono-Eingang. 

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YPAO-Einmessmikrofon

Screenshots von der YPAO-Einmessung

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Lautsprecher: Wahlweise automatisches oder manuelles Setup, wie üblich

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Zuordnung der Endstufen-Kanäle

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Lautsprecher-Konfiguration

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Grafisch attraktiv gestaltet, erklärende Texte im Fenster

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Vorprüfung

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Verkabelung

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Größe

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Abstand

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Pegel

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Drei YPAO-Kurven: Linear, Front, Natürlich

Als Einmesssystem kommt, wie schon oben erwähnt, YPAO mit Reflect Sound Control (R.S.C.) und Mehrpositionen-Einmessung zum Einsatz. Die R.S.C.-Funktion reduziert dabei frühe Reflexionen, was die Akustik im Heimkinoraum weiter optimieren hilft. Nahtlos erfolgt die Zusammenarbeit zwischen YPAO R.S.C. und den zahlreichen DSP-Programmen. Basierend auf den Resultaten der Einmessung, werden die entsprechenden DSP-Effektparameter für eine perfekte DSP-Programmwiedergabe auf die jeweilige räumlich-akustische Situation angepasst. Mit im Ausstattungsumfang ist auch YPAO Volume – die YPAO-Version einer modernen Loudness-Funktion. YPAO Volume passt die hohen und tiefen Frequenzpegel bei sich verändernden Lautstärken automatisch an – mit der Folge, dass der Klang immer auf einem gleichbleibend hohen Niveau ist. Um eine stimmige Anpassung zu erzielen, werden die YPAO-Messergebnisse verwendet, die dann durch eine entsprechende EQ-Korrektur an die Systemeinstellungen und an die jeweilige Hörumgebung angepasst werden. Natürlich gibt es auch ein manuelles Lautsprecher-Setup, inklusive parametrischem EQ.

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Auswahl an Musikquellen, PCs und Server aus dem gleichen Netzwerk, in dem auch der RX-A860 ist

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96 kHz/24-Bit Flac-Wiedergabe. Leider gibt das OSD keine Auskunft über Sampling-Frequenz und Bittiefe

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vTuner Internet Radio

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Unter „Optionen“ finden sich zahlreiche wichtige Einstellparameter auf einen Blick

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Der Enhancer poliert komprimierte Musikdateien auf

Der RX-A860 unterstützt an HiRes-Formaten FLAC bis 192 kHz/24-Bit, DSD in 2,8 und 5,6 MHz, AIFF sowie WAV bis 192/24, ALAC bis 96/24, an komprimierten Musikdateiformaten werden MP3 bis 48 kHz/320 kbps, MPEG-AAC bis 48 kHz/320 kbps und WMA ebenfalls bis 48 kHz/320 kbps. Gapless-Wiederrgabe gibt es für WAV, FLAC und ALAC. 

Gleich drei Apps stehen stolzen Besitzern des RX-A860 zur Verfügung:: Die MusicCast-App für die Steuerung aller MusicCast-Funktionen, die Yamaha AV Controller App für die AV-Receiver-Funktionen und der AV Setup Guide (nur für Android und iOS Tablets) für die Erstinstallation. Wir starten mit der MusicCast-App und Screenshots, kommen dann zur AV Controller App und stellen auch noch den AV Setup Guide vor. 

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MusicCast-App startet

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Nach dem Drücken der „Connect“ Taste auf der Vorderseite unter der Klappe verbindet sich der RX-A860 direkt und die Konfiguration beginnt

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Nach dem Ortsnamen folgt der Raumname

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Yamaha-Bilder zur Auswahl

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Unser gewähltes Bild, später kann es geändert werden

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Nach knapp 2 Minuten ist alles betriebsfertig

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Internet Radio-Wiedergabe in unserer MusicCast-Zone

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Auswahl an Musikdiensten

MusicCast ist das Yamaha-Thema 2016, daher verwundert es nicht, dass auch der RX-A860 ein MusicCast-Modul eingebaut hat. Zahlreiche onlinebasierte Musikdienste stehen über MusicCast zur Verfügung, überdies ist es möglich, alle Signale, die der RX-A860 ausgibt, auf kompatible MusicCast-Devices im ganzen Haus wiederzugeben. Erweiterte Flexibilität also, mit der Yamaha wirbt – dass alles problemlos funktioniert, haben wir schon beim kürzlich getesteten YSP-5600 Digital Sound Projector festgestellt. Und auch diesmal überzeugt die einfache MusicCast-Integration wieder: Binnen 2 Minuten ist alles erledigt. Natürlich haben wir auch diesmal Screenshots gemacht, um die „Wirkungsweise“ von MusicCast zu demonstieren. 

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Geräteauswahl

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Grafisch attraktiv werden die zahlreichen DSP-Programme angezeigt

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„Szene“ Makros, typisch für Yamaha

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Zahlreiche Einstellungen, z.B. Klangregelung für Höhen und Tiefen sowie Extra-Bass-Funktion

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YPAO Volumen 

AV_Controller_App6 AV_Controller_App7

Für die Steuerung der AV-Receiver-Funktionen ist die Yamaha AV Controller App zuständig, die es in Versionen fürs Smartphone und fürs Tablet gibt. Grafisch attraktiv und praktisch hinsichtlich der Bedienung, gibt es hier keine Kritik. Wie die App auf unserem iPhone 6S Plus aussieht, zeigen die dazugehörigen Screenshots. Besonders attraktiv sieht die App auf einem Tablet wie z.B. dem Apple iPad Pro aus. Dann kann man sogar die DSP-Programme grafisch besonders komfortabel editieren. Das Editieren an sich geht auch auf dem Smartphone, aber übersichtlicher und bequemer gestaltet sich das Vorhaben, wenn man ein Tablet zur Hand hat.

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DSP-Programm „Adventure“, editiert wird das Surround Back Klangfeld hinsichtlich zahlreicher Parameter

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DSP-Programm „Spectacle“, Parameter fürs Surround-Klangfeld

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DSP „Hall In Vienna“ Presence-Soundfeld

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DSP-Programm „Spectacle“, Overview

Yamaha bietet mit der AV Setup Guide App noch eine weitere App für Android- und iOS-Tablets (nur für Tablets, nicht für Smartphones) an, die bei der ersten Installation inklusive Verkabelung etc. hilft. Man wählt aus dem Menü das entsprechende Modell aus, anschließend werden die Parameter fürs ausgewählte Modell heruntergeladen. Dieser AV Setup Guide ersetzt eine On-Board-App für die Ersteinrichtung. Während Marantz, Denon, Pioneer und Onkyo den Weg eines On-Board-Installationsassistenten wählen, setzt Yamaha nach wie vor auf die App. 

Screenshots AV Setup Guide:

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Auswahl des Modells

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Anschluss-Hilfe und Bedienungsanleitung

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Vorbereitungen und Erklärungen

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Multi-Zone- und Bi-Amp-Verwendung

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Wahl der Lautsprecheranordnung

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Fast alle TVs, die an den RX-A860 angeschlossen werden, dürften einen HDMI-Eingang haben

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Auswahl an Audio- und Audio-/Video-Geräten

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Verständlich gemacht mit klaren Bildern

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Lautsprecheraufstellung

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Lautsprecher-Verbindungen

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2 Subwoofer-Pre-Outs

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Nun wird der AVR eingeschaltet

Natürlich ist im Lieferumfang des RX-A860 auch eine Fernbedienung enthalten, die hinsichtlich ihres Layouts und ihrer Material- sowie Verarbeitungsqualität bestens bekannt ist.

Yamaha RX-A860 Fernbedienung

Fernbedienung

Optisches Kennzeichen ist die zweifarbige Ausführung, oben schwarz, unten silbern, das sind die beiden Gehäusefarben. Es befinden sich gerade im unteren Bereich relativ viele, relativ kleine Tasten auf der Remote. Leider fehlt bei dieser einfacheren AVENTAGE-Fernbedienung eine Beleuchtungsmöglichkeit. 

Bilanzierend präsentiert sich der RX-A860 als sehr gut verarbeitetes Gerät im typischen Yamaha AVENTAGE-Design. Der innere Aufbau zeigt, dass man allerdings, um ein nahezu allen Ansprüchen genügendes Ausstattungspaket schnüren zu können, keine enorm hochwertigen Bauteile verwendet. Das ist aber nicht nur bei Yamaha so, sondern auch bei Onkyo, Pioneer und D&M. Die Anschlussauswahl lässt nicht zu wünschen übrig, allerdings sind nur drei der acht HDMI-Eingänge HDCP 2.2 kompatibel. Drei Apps, allesamt zuverlässig arbeitend und einfach bedienbar, stehen für MusicCast, die AVR-Funktionen und für die Ersteinrichtung zur Verfügung. Yamaha-spezielle Merkmale wie die umfangreiche Auswahl an DSP-Programmen und das ausgezeichnete YPAO-Einmesssystem sorgen für hohe Zufriedenheit gerade beim Yamaha-Stammkunden. Aber auch Anwender, die das erste Mal einen Yamaha AV-Receiver kaufen, werden beeindruckt sein vom Ausstattungumfang. 

Klang

Und es geht gleich vehement los, nämlich mit der Anfangssequenz von „Mission Impossible – Rogue Nation“ in der deutschen Dolby Digital-Tonspur – wir möchten sehen, wie gut sich verschiedene DSPs an Bord schlagen, die DSPs arbeiten mit der ebenfalls auf der BD enthaltenen nativen englischen Dolby Atmos-Tonspur nicht zusammen. Die Pegelanzeige im Display steht auf „-10,0“ und unser großes Nubert nuVero-Lautsprecherset mit 2 x nuVero 140 und 3 x nuVero 70 sowie zwei Elac TS-3000 Top-Firing-Modulen verlangt dem RX-X860 einiges ab. Doch der Yamaha lässt sich kaum eine ernsthafte Anstrengung anmerken. Schon die typische Filmmusik zu  Beginn wird machtvoll und raumfüllend wiedergegeben – einen aktiven Subwoofer, das verdeutlicht der RX-A860 recht schnell, braucht man keinesfalls zwingend, wenn man großvolumige und entsprechend potente Frontlautsprecher im Setup hat. Der Klang bei Verwendung der YPAO-Kurve „natürlich“ präsentiert sich ausgewogen und dynamisch.

Klar, trocken und differenziert ertönt der Bass, sehr gut gelingt dem Yamaha überdies die Wiedergabe der Stimme: Ganz gleich, ob Benji und Ethan auf der Mission oder aber William Brandt in der Zentrale – Stimmen werden charismatisch erfasst und sehr gut in die Gesamtakustik eingepasst. Das startende Airbus-Militärflugzeug mit den Triebwerksgeräuschen kommt atmosphärisch dicht heraus, der RX-A860 arbeitet die Top Firing-Module nahtlos ein, so dass sich das Auditorium von Klang umgeben fühlt. Das ist Erlebnis-Heimkino – für 999 EUR Kaufpreis, dies verdeutlicht uns der AVENTAGE AVR, wird hier enormer Hörspaß geboten. Als das Flugzeug in der Luft ist, und Ethan wartet, bis Benji die Tür endlich öffnet, veranstaltet der Yamaha ein intensives Action-Spektakel, ungemein dicht und fesselnd werden Effekte wiedergegeben. Kleine Details wie Warnsignale oder flatternde Gurte an der Palette mit den Raketen im Frachtraum arbeitet der RX-A860 ungemein lebendig ein. 

Nun geht es nach Wien – zuerst in der U-Bahn, dann vor der Oper, dann folgt Puccinis „Turandot“ in der Oper. Zunächst hören wir mit „Spectacle“, wechseln aber dann zum DSP „Hall in Vienna“, als die Oper beginnt.  Zwar ist der fürs DSP zugrunde liegende Saal in Wien ein anderer und nicht das Opernhaus, die Ergebnisse sprechen trotzdem für sich. Klingt die klassische Musik zu Beginn des vierten Kapitels in „Spectacle“ noch minimal hölzern, ist das gesamte Klangbild bei „Turandot“ flüssig und dynamisch, selbst Effekte aller Art werden gut eingebunden. Aber fangen wir in der U-Bahn-Station an: Der RX-A860 überzeugt auch hier mit der authentischen Stimmwiedergabe, Effekte wie der aus der Station fahrende U-Bahn-Zug arbeitet der AV-Receiver impulstreu und vielschichtig heraus. Dynamische Steigerungen im Music Score, als das Opernhaus eingeblendet wird, holt der RX-A860 so gut heraus, als würde es sich um einen deutlich teureren AV-Receiver handeln. Das Blitzlichtgewitter der anwesenden Fotografen der Presse stellt der Yamaha ausgezeichnet dar – gerade trifft der österreichische Bundeskanzler ein, auf den während der „Turandot“-Aufführung ein Attentat verübt werden soll.

Intensiv erfolgen Instrumental- und Stimmwiedergabe im DSP-Modus „Hall in Vienna“, kraftvoll und dynamisch ist der Klang. Kleinigkeiten, z.B. als Benji die Tür öffnet, werden in fast allen Facetten dargestellt. Die gebotene Räumlichkeit, als die Opernbesucher zu Beginn heftigen Beifall spenden, ist hervorragend, das Resultat wird nur noch übertroffen, als die Oper mit enormer Dynamik anfängt. Die Streicher-Wiedergabe beweist uns, dass der RX-A860 nicht nur ein Meister kraftvoller Effektwiedergabe ist, sondern auch ein geschmeidiger Champion der differenzierten musikalischen Präsentation. Die Trennung von Stimme und Instrumenten gelingt tadellos, und im Hintergrund stattfindende Teile der Handlung – z.B. Ilsa Faust baut ihre Waffe fürs Attentat zusammen – vergisst der RX-A860 ebenfalls nicht. Auch Ethans Gefecht mit dem zweiten potentiellen Attentäter kommt sehr gut heraus. Der Yamaha gibt die komplexe Musik unbeeindruckt von allem anderen natürlich wieder, z.B. bei „Nessun Dorma“, der wohl berühmtesten Arie aus „Turandot“ – und trotz allem werden sämtliche Effekte stimmig eingebunden. 

Nun hören wir die gleichen Sequenzen nochmal im nativen Dolby Atmos-Betrieb mit der englischen Tonspur ohne DSPs, und der RX-A860 überzeugt auch hier. Nahtlose Übergänge zu den Height Lautsprechern, viel Atmosphäre über den Köpfen der Zuhörer: In der Eröffnungssequenz, als das Flugzeug mit Ethan außen an der Tür abhebt, fühlt man sich voll ins akustische Geschehen eingebunden. Auch später in der Opern-Szene überzeugt der RX-A860: Der hohe Saal im Opernhaus wird mit der speziellen Klangcharakteristik sehr gut betont, kleine Effekte wie auch größere löst der Yamaha nicht nur fein auf, sondern baut sie auch räumlich treffend ein. Viel Weitläufigkeit und räumliche Tiefe werden geboten, die dritte Hör-Dimension arbeitet der RX-A860 sauber und glaubwürdig heraus. Besonders beeindruckt, wie fein der RX-A860 auflöst, sei es beim Auftritt der Opernsänger oder beim schlichten Öffnen einer Tür. Die Dreidimensionalität des Klangbildes sorgt für ein tiefes Eintauchen in die gesamte Akustik, das Blitzlichtgewitter, als der österreichische Bundeskanzler vor der „Turandot“-Aufführung eintrifft, wirkt gerade in Atmos noch lebendiger, vielschichtiger. 

Der RX-A860 beherrscht jetzt schon DTS:X – bei der kurzen Sequenz aus „Rio 2“ auf der 2015er DTS Demo-BD entfaltet er eine üppige Effekt-Kulisse, die sich als sehr dynamisch und umfassend erweist. Es passiert eine Menge auch über den Köpfen der Zuhörer, und die Ortungsmöglichkeit für alle Arten von Effekten ist ausgezeichnet. Am besten ist es um die Effekt-Gewalt bestellt, als am Ende der Szene der große Bagger mit ohrenbetäubendem Krachen umfällt – der RX-A860 gibt hier auch eine Kostprobe seiner Fähigkeiten ab und gefällt einmal mehr mit seiner sehr leistungsfähigen Endstufe. 

Musikalisch führen wir dem RX-A860 die Celine Dion-BD „A New Day“ in Dolby TrueHD zu und nehmen uns die Stücke „The Power Of Love“ sowie „It’s All Coming Back To Me Now“ vor. Zusätzlich, für mehr „Atmosphäre“ im wahrsten Wortsinn, verwenden wir den Dolby Surround-Aufpolierer, der die Heights mit einbezieht – was überzeugend gelingt. Kaum Abstriche bei der Präzision, eine weiterhin stabile Bühnendarstellung, und eine sehr dynamische Präsentation der Stimme Celines. Die gesamte Wiedergabe erscheint authentisch, auch schwierige Parts, als Celine singt und nur das Klavier und etwas Background-Sounds zu hören sind, meistert der Yamaha tadellos und gefällt durch seinen Detailreichtum. 

Da der RX-A860 ja, wie schon erwähnt, bereits jetzt DTS:X decodieren kann, ist auch der Aufpolierer von DTS, Neural:X, mit an Bord. Diesen setzen wir nun beim a-ha-Song „The Sun Always Shines On TV“, von der BD „The Final Concert at Oslo Spectrum“ (04.12.2010) ein. Die DTS-HD Master Audio Tonspur wird präzise und effektiv nach oben ausgeweitet. Ebenso wie beim Pendant von Dolby eine reife Leistung. Während Dolby Surround phasenweise vom Volumen her noch etwas üppiger wirkt (man kann direkt vergleichen, da man den Dolby Aufpolierer auch bei DTS-Tonspuren verwenden kann und umgekehrt), scheint es DTS sehr genau mit der Platzierung und Ausbalancierung der Klanganteile zu nehmen. Hörspaß ist auf jeden Fall garantiert, und eine Wiedergabe, die den Zuhörer voll mit einbezieht, hatten wir in dieser Güte früher definitiv nicht. Frisch und lebendig klingt der a-ha-Evergreen, mit einer guten instrumentalen Differenzierung und einer tadellosen Einarbeitung der Stimme. Die Beifallsbekundungen der Fans kommen räumlich dicht heraus, so dass der Live-Charakter des Konzertes sehr plastisch verdeutlicht wird. 

Wie sieht es mit den Stereoqualitäten aus? Wir lauschen der Diana Krall-Adaption von „Desperado“ in Flac 48 kHz/24-Bit. Mit solider Bühnendarstellung und einer guten Präsentation der Stimme Dianas beweist uns der RX-A860, dass auch eine tadellose Zweikanal-Wiedergabe zu erwarten ist. Das Klavier ist prima eingearbeitet, hier merkt man lediglich an der Schärfe der instrumentalen Konturen, dass teurere AV-Receiver oder aber reinrassige Stereoverstärker (600 EUR-Liga ca.) hier noch mehr können. „Don’t Dream It’s Over“, ebenfalls von Diana Kralls Album „Wallflower“, kann für einen 1.000 EUR AV-Receiver genauso überzeugen. Die Harfe arbeitet der RX-A860 ordentlich heraus, und die orchestralen Einlagen sind fließend integriert. Der Bass hat Fundament und Kraft, stellt sich aber nicht zu weit in den Vordergrund. Der Fokus liegt klar auf der Stimme Dianas – die sich überdies auch vom Lautsprecher löst und sich gleichmäßig im Hörraum verteilt. 

In Flac 96 kHz/24-Bit hören wir uns die legendäre Arie „Nessun Dorma“ aus Puccinis „Turandot“ nun auch im HiRes-Stereobetrieb an. Nein, unser Bedarf war durch die „Mission Impossible“ Sequenz noch nicht gedeckt, nun singt Jonas Kaufmann, und der Yamaha RX-A860 punktet mit sehr guter Dynamik und einer akkuraten Staffelung der musikalischen Ebenen. Kaufmanns Stimme zeigt erstaunlich viele Details, die Streicher beeindrucken durch angenehme Auslegung und durch Klarheit. Und auch bei „Addio, fiorito Asil“ aus dem dritten Akt von Puccinis „Madame Butterfly“, wiederum von Jonas Kaufmann gesungen, setzt sich der Yamaha AV-Receiver durch gelungenen Facettenreichtum nachhaltig in Szene. Er kann problemlos hinsichtlich seiner Pegel- und gesamten Leistungsfähigkeit mit großen Standlautsprechern wie unseren nuVero 140 betrieben werden, ohne dass das Gefühl akustischer Ärmlichkeit aufkommt. Detailreich, mit nahtlosen Übergängen zwischen den Frequenzbereichen und echter Räumlichkeit, zeigt der 860 viele Vorzüge. Wer sehr laut hört, wird bemerken, dass der Detailreichtum dann etwas abnimmt. 

Videosektion

Bei „Mission Impossible – Rogue Nation“ beeindruckt uns der RX-A860 mit einem gelungenen Upscaling von Full-HD auf 4K. Er realisiert eine hohe, aber nie übertrieben wirkende Bildschärfe, z.B. als Ethan hoch über der Bühne agiert und sich einen wilden Kampf mit dem Killer liefert. Das Mischpult im Kontrollraum mit all den Reglern kommt ebenfalls mit klaren Konturen und hoher Gesamtschärfe heraus. Der RX-A860 gefällt mit einem hohen Kontrastumfang, er gibt feine Muster auch in der Dunkelheit (z.B. Mauer mit Ziegelsteinen, davor steht Ethan, es folgen Bewegungsabläufe) scharf und mit nur geringem Scalingrauschen wieder.  Obwohl sie im Schatten steht, arbeitet der Yamaha Einzelheiten an der silbernen Waffe von Ilsa Faust gekonnt heraus. Sogar der Stoff der Anzugshose von Ethan wird ausgezeichnet wiedergegeben, als der Agent während der Kampfhandlungen am Boden liegt. Die Bewegungen während der Schlägerei in luftiger Höhe sind sauber und stabil. 

Konkurrenzvergleich
  • Pioneer VSX-1131: Der Pioneer 7.2 Mehrkanal-Receiver ist unsere Preisklassenreferenz in der beliebten Liga zwischen 600 und 700 EUR. Er kommt auf eine unverbindliche Preisempfehlung von 649 EUR und besticht dafür durch viele Pluspunkte: Sehr gute Pegelfestigkeit, enorme Grobdynamik, gleichzeitig ein sehr angenehmes Klangbild – so gut war diese Preisklasse noch nie. Das MCACC-Einmesssystem brilliert, das Upscaling von Full-HD auf 4K ist tadellos. Hinzu kommt eine ordentliche Anschlussbestückung. Für Freude eines imposanten Klangbildes, gerade in Hörräumen über 25 Quadratmeter, lohnt die Anschaffung des Yamaha RX-A860 aber trotzdem: Der Yamaha ist noch pegelfester, er agiert souveräner bei großen Lautstärken, die feindynamischen Qualitäten sind ausgeprägter, das MusicCast Modul eröffnet noch mehr Möglichkeiten aus multimedialer Sicht, und die sehr guten DSP-Programme sprechen auch für den RX-A860. Großer Pluspunkt ist ferner, dass DTS:X schon jetzt funktioniert.
  • Denon AVR-X3200W: Das 2015er Modell von Denon, der AVR-X3200W, ist immer noch ein ausgewogener, leistungsfähiger AV-Receiver. Gut verarbeitet, tadellos klingend und mit aufwändigem Einmesssystem aus dem Hause Audyssey versehen, kann man mit diesem 7.2-Gerät nach wie vor sehr zufrieden sein – zumal auch die Videosektion mit ISF-Betriebsarten ausgezeichnet ist. Noch runder, mit noch mehr Tiefenwirkung, effektiverer Effektwiedergabe und mit noch etwas mehr Pegelfestigkeit verdeutlicht der Yamaha RX-A860 aber, warum er, steht ein Neukauf an, eine noch bessere Entscheidung darstellt. 
Fazit

Yamaha RX-A860 Front Seitlich2

Der Yamaha RX-A860 beeindruckt uns – er leistet sich keine einzige Schwäche im Testbetrieb, sondern trumpft mit großer Stärke in allen Disziplinen auf.  Die Ausstattung lässt praktisch keinen Spielraum für ernste Kritik. Decoder für DTS:X inklusive DTS Neural:X als Aufpolierer und Dolby Atmos inklusive Dolby Surround sind an Bord. HDMI-Terminals gibt es ebenfalls genug, nur, dass lediglich drei davon mit HDCP 2.2 ausgestattet sind, mutet etwas dürftig an. Aber, Hand aufs Herz: Wer braucht mehr als drei Terminals mit HDCP 2.2? Demnach ein Mangel auf dem Papier, in der Theorie, aber es besteht keine echte Relevanz für die Praxis.

Sehr praktisch ist das MusicCast-Modul an Bord, in Verbindung mit der Yamaha MusicCast-App kann der RX-A860 schnell in ein MusicCast-Multiroom-System eingebunden werden. Die Signale des 860ers können auf MusicCast-kompatible Komponenten im ganzen Haus verteilt werden. Zudem bietet der Yamaha Netzwerkreceiver mit MusicCast-Modul den Zugriff auf verschiedene stark nachgefragte Musik-Streamingdienste. Zwei weitere Apps sind verfügbar, um das „Zusammenleben“ mit dem RX-A860 so angenehm wie möglich zu gestalten: Der AV Setup Guide hilft mit attraktiver grafischer Darstellung bei der Ersteinrichtung, die Yamaha AV Controller App ist für die Steuerung der AV-Receiver-Funktionen während des Betriebs zuständig. Besonders die aufwändige Version für Tablets begeistert. Sogar die zahlreichen DSP-Programme können mit Hilfe der App feinjustiert und angepasst werden. 

Akustisch überzeugt der AVENTAGE AV-Receiver durch seine Kraft, die enorme Dynamik, die im Vergleich zu früheren Yamaha AVENTAGE Modellen deutlich homogenere, gefälligere tonale Gesamtauslegung und die tolle Pegelfestigkeit. Ganz gleich, ob Musik oder Filmton, der Yamaha gibt stets Vollgas, auch dank der sauber abgestimmten, sehr leistungsfähigen DSP-Programme. Alllerdings würden wir uns für die Zukunft wünschen – „meckern auf hohem Niveau“ – wenn Yamaha es auch bei günstigeren Modellen der AVENTAGE-Serie möglich machen würde, die DSP-Programme in Verbindung mit Dolby Atmos und DTS:X zu verwenden. Bislang geht dies nur bei den Topmodellen.  Das YPAO-Einmesssystem mit Mehrpositionen-Einmessung gibt sich nicht einmal im Ansatz eine Blöße und misst präzise sowie zuverlässig ein. Nicht nur hinsichtlich der Audio-Qualitäten, zu denen auch eine angenehme, feine Stereowiedergabe gehört, auch bei der Videosektion räumt der RX-A860 trotz fehlendem Video-EQ Punkte ab: Der Yamaha skaliert Full HD-Videosignale in überragender Güte auf 4K hoch – auch hier eine einwandfreie Leistung.

Ohne Einschränkungen erstklassiger AV-Receiver, der die Frage aufwirft, warum man mehr investieren sollte
preisklassenreferenz
AV-Receiver bis 1.000 EUR
Test 28. Juni 2016

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 28. Juni 2016




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