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REVIEW: „Whiplash“ (Blu-ray Disc)

Whiplash Blu-ray Disc

Original: Whiplash

Anbieter: Sony Pictures Home Entertainment

Laufzeit: ca. 107 min.

Bildformat: 2,40:1

Audiokanäle

  • DTS HD MA 5.1 Englisch
  • DTS HD MA 5.1 Deutsch

Untertitel: Deutsch, Englisch u.a.

VÖ-Termin: 19.06.2015

Film

‎Andrew Neiman (Miles Teller) ist Musikstudent im ersten Semester am angesehenen Shaffer-Konservatorium in New York. Der gefürchtete Lehrer Jonathan Fletcher (J.K. Simmons) gibt ihm die Chance, in der von ihm geführten Gruppe mitzuspielen, die als Aushängeschild der Schule gilt und auf nationalen Wettbewerben traditionell ganz vorne mitspielt. Doch schon bald muss Neiman erkennen, dass Fletcher gnadenlos seine Schüler tyrannisiert, um sie zum Erfolg anzuleiten, und muss sich überleben, ob er wirklich bereit ist, sich bedingungslos den ständigen Einschüchterungen zu unterwerfen …

„Whiplash“ ist ein ungewöhnlicher Psycho-Thriller. Denn wenn Jonathan Fletcher ständig die Mitglieder seiner „Core“-Band drangsaliert, steht dabei neben seinen Erniedrigungen vor allem seine Macht über die Zusammenstellung des Ensembles im Vordergrund und ebenso die Furcht der Musiker, selbst ohne wirklichen Grund schnell diesen Platz verlieren zu können.

Auch wenn man in den meisten Szenen des Films Musik hört, geht es in „Whiplash“ nicht um Musikalität, Kunst oder klangliche Qualität. Die Band spielt ausschließlich Jazz und meist wiederholt sich bei den Proben minutenlang einfach nur das gleiche Thema.

Fletcher gibt sich nur dann zufrieden, wenn alle Musiker genau sein hohes Tempo und seinen Takt einhalten. Dabei geht Fletcher mit Drill-Methoden vor, die ähnlich heftig sind wie in Stanley Kubricks „Full Metal Jacket“. Fletcher versucht es erst gar nicht mit Didaktik, sagt auch nicht wie es besser geht, sondern schreit seine Schüler gleich an, spielt diese gegeneinander aus oder schlägt ihnen auch schon einmal ins Gesicht.

Die Faszination des Films geht vor allem davon aus, dass fast alle Schüler dieses Verhalten hinnehmen, weil sie nicht einen der begehrten Plätze in der Band verlieren wollen. Das Ganze wird noch verstörender, weil Fletcher auf gewisse Art und Weise sogar Erfolg hat – frei nach dem Motto „Der Zweck heiligt die Mittel“, selbst wenn einer der Schüler sich später umbringt.

J.K. Simmons, bislang vorwiegend aus kleinen Rollen (zuletzt in „Terminator: Genisys„) bekannt, bekam 2015 für „Whiplash“ einen Oscar als bester Nebendarsteller. Auch wenn der Film aus der Perspektive von Andrew Neiman erzählt wird, steht Simmons aber die meiste Zeit im Mittelpunkt der Handlung und dominiert jede Szene, in der er zu sehen ist. Phänomenal sind dabei die konstanten Stimmungswechsel, die die Schüler erst bemerken, wenn es schon zu spät ist. Obwohl Fletcher ein Tyrann ist, hat er aber auch Momente, in denen er wie der netteste Mensch der Welt wirken kann.

Zum Jazz-Fan wird man durch „Whiplash“ nicht unbedingt. Die meiste Musik klingt nicht sonderlich spektakulär – bis auf das Finale, welches statt der ewigen Wiederholungen endlich auch ein längeres zusammenhängendes Stück präsentiert.

 

Bild 80 %

„Whiplash“ wurde mit digitalen Kameras gedreht. Das Master ist sehr sauber und zeigt in Nahaufnahmen eine meist hohe Detailschärfe. Nicht jede Szene des Films ist allerdings optimal scharf, was aber durchaus ebenso Absicht sein dürfte wie der harte Kontrast, der die ohnehin schon sehr dunklen Szenen noch stärker betont und mit den harten Schatten jede Falte im Gesicht von J.K. Simmons wie einen dunklen Kanal erscheinen lässt. Die erdige Farbgebung reduziert die Farbpalette stark auf braune Töne. Die Kompression ist einwandfrei.

 

Ton 85 %

Der Mehrkanalmix von „Whiplash“ ist stark auf den Frontbereich konzentriert und bietet nur wenig Räumlichkeit. Leider kommt noch hinzu, dass ausgerechnet ein Film, bei dem es sich inhaltlich immer wieder um feine klangliche Nuancen dreht, in der 5.1-Abmischung keine vernünftige Stereo-Basis bietet. Stattdessen läuft sehr viel über den Center wodurch die Musik ziemlich monoton klingt. Daher bietet der Film einen besseren Klang, wenn man ihn einfach in Stereo über die Frontkanäle hört.

 

Special Features

  • Timekeepers – Berühmte Schlagzeuger über ihr Handwerk und ihre Leidenschaft fürs Schlagzeugspielen
  • Whiplash Original-Kurzfilm mit optionalem Kommentar
  • Entfallene Szene
  • Kommentar von Autor/Regisseur Damien Chazelle und J.K. Simmons
  • Ein Abend beim Toronto International Film Festival mit Miles Teller, J.K.
  • Simmons und Damien Chazelle


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