XXL-TEST: HEGEL H400 „Streamliner“ - Hochleistungs-Stereo-Streaming-Verstärker aus Norwegen
Klangwertung
In diesem Abschnitt unseres Reviews möchten wir nun wissen, wie es um die klanglichen Eigenschaften des Hegel H400 bestellt ist. Wir beginnen unsere Klangwertung mit Klangwertung mit "Darker Still" von Parkway Drive. Der Track startet mit einem Pfeifen sowie einer Akustikgitarre. Beide Elemente präsentiert der Hegel präzise und detailreich, sodass ein hoher „Hören wie live“-Faktor entsteht. Nach wenigen Momenten greift Winston McCall, Frontmann der Band, zum Mikrofon, und beginnt mit seinem außergewöhnlichen, sehr tiefen Gesang. Wiir sind absolut begeistert, wie der H400 die vokale Präsenz vielschichtig und mit klaren, sauber gezeichneten Konturen umsetzt. Das Zusammenspiel der unterschiedlichen musikalischen Elemente meistert der H400 auf jeden Fall mit Bravour: Die an Struktur reichen Gitarren, der sehr fordernde Gesang sowie die harten Drums harmonieren und ergänzen sich perfekt. Die verwendeten Streichinstrumente, die im Track verwendet werden und die bei preisgünstigen Testsamples eine untergeordnete Rolle bei der Wiedergabe spielten, können wir mit unserem Hegel H40 ausgesprochen klar wahrnehmen. Als der Titel dann an Fahrt aufnimmt, gelingt weiterhin eine hervorragende Gesamtwiedergabe. Die aggressiv gespielten E-Gitarren können aber bei höherem Pegel etwas fordernd wirken, und als McCall förmlich ins Mikrofon brüllt, gelingt noch eine sehr gute Differenzierung, der Gesang könnte unserer Meinung nach aber noch etwas präsenter sein.
Weiter geht es mit dem Titel "Dust in The Wind" in einer Coverversion von Corey Taylor, Bad Omens und Aaron Gilhuis. Der Track ist der Soundtrack zum Film "Queen Of The Ring"und startet ebenfalls mit einer Akustikgitarre sowie leichten Drums. Auch hier kann der Hegel mit einer hervorragenden Herausarbeitung der Instrumente überzeugen. Nach wenigen Momenten folgen mehrstimmige Vocals, die grandios und mit feiner Abstufung vom H400 dargeboten werden. Die Darstellung der Kombination aus unterschiedlichen vokalen Elementen, dem klassischen Orchester mit Bläsern, Streichern sowie Violinen gelingt ausgezeichnet. Der Hegel H400 zeigt sich bei diesem Titel als Vorreiter einer klassischen HiFi-Wiedergabe. Er ist kein Freund des sehr satten Punches, er mag es differenzierter und weniger brachial. Auch zum Beispiel beim Schlagen eines Beckens wird der Erlebnishörer noch mehr Durchschlagskraft erwarten, während der Liebhaber klassischer, neutraler, sehr feinfühliger HiFi-Präsentation voll auf seine Kosten kommt - es ist demnach alles eine Frage der persönlichen Prioritäten.
Etwas explosiver wird unser nächstes Klangbeispiel. Hierfür haben wir uns "Angels Fall" von Breaking Benjamin ausgesucht. Bereits nach wenigen Momenten explodiert der Titel förmlich mit harten Gitarrenriffs und Drums, was unser Hegel Device in diesem Fall aber locker mitgeht. Die Schwierigkeit bei diesem Titel liegt bei der Differenzierung der explosiven Gangart und der dennoch gefühlvollen Stimmfarbe von Benjamin Burnley, Frontmann der Band. Und hier punktet der H400 zweifelsohne voll: Die aggressiven E-Gitarren werden sehr detailreich präsentiert und die Stimmfarbe von Benjamin wird exakt so getroffen, wie wir sie kennen und schätzen. Die Gesamtwiedergabe wird äußerst dynamisch, mit harten Bass und klarem Gesang umgesetzt. Bei höheren Pegeln werden allerdings die E-Gitarren recht dominant. Dies liegt unserer Meinung nach an der neutralen Auslegung des Hegel H400, die nichts „schönredet“ oder harmonisiert, ganz so, wie es Freude einer hochwertigen HiFi-Komponente schätzen.
Als nächsten Titel haben wir uns "The Prayer" von Josh Groban und Charlotte Church ausgesucht. Direkt ab Beginn der Wiedergabe zeigt uns der Hegel H400 auf, wo seine großen Stärken liegen. Der gefühlvolle Song fängt mit einem Orchester mit Streichern an - und genau hier erzielt der H400 eine meisterliche, sehr feinfühlige und zugleich dynamische Präsentation. Als Charlotte Church mit ihrer sehr sensiblen und grazilen Stimme in den Titel einsteigt, sind wir komplett berührt. Die Vocals werden mit dreidimensionaler Kontur und mit viel Fingerspitzengefühl umgesetzt. Selbst als Josh Groban mit seiner klassisch ausgebildeten Bariton-Stimme hinzukommt, gelingt eine hervorragende Gesamtwiedergabe mit einer Differenzierung und Aussagekraft, die ihresgleichen sucht. Auch wenn es nicht das vom Tester favorisierte Musikgenre ist, ist er doch sehr berührt von dieser überwältigenden Wiedergabe, Chapeau Hegel.
Weiter geht es mit der Wiedergabe von "Beneath Your Beautiful" von Labrinth feat. Emeli Sandé. Der Titel beginnt mit einem klassischen Klavier sowie Bläsern und auch diese Facetten werden wieder klar und mit einer hervorragenden Struktur vom Hegel Vollverstärker abgezeichnet. Bezüglich der vokalen Präsenz, gelingt eine gefühlvolle Darstellung der speziellen Stimmfarbe. Selbst als der Künstler zur Kopfstimme übergeht, wird diese nie zu spitz oder aggressiv, sondern wirkt weiterhin aussagekräftig und löst sich hervorragend von den uns eingesetzten Schallwandlern. Als der Titel dann einen Dynamiksprung in Form von harten Bässen erlebt und Emeli Sandé mit ihrer außergewöhnlichen Stimme in den Track einsteigt, ermöglicht der H400 eine umfassende, fesselnde Gesamtwiedergabe, die sich durch eine ausgezeichnete Differenzierung, ein absolutes Feingefühl und ein sehr präzises Bassfundament auszeichnet.
Als nächstes kommt die Junge Cruise-Version des Metallica-Klassikers "Nothing Else Matters". Wir verwenden diesen Titel sehr gerne, da er viele Wechsel in der Dynamik, daraus resultierend zahlreiche unterschiedliche Facetten sowie einen aus dem Hintergrund agierenden Chorgesang beinhaltet. Die klassischen Instrumente werden mit allzeit klare, stabilen Konturen in unseren großen Hörraum transportiert. Das Zusammenspiel von den kräftigen Bläsern und der fein gespielten Gitarre klappt exzellent. Dadurch ergibt sich eine hervorragende und klare Gesamtwiedergabe, gepaart mit einer kraftvollen Dynamik. Die subtilen Chorelemente werden mit Liebe zum Detail sowie mit enormer Impulstreue eingearbeitet.
Abschließen möchte wir unsere Klangwertung mit "I Believe in You (Je crois en toi)" von Il Divo feat. Céline Dion. Die multinationale Gesangsgruppe, die Musikgenres wie Oper und klassische Musik mit Pop verbindet, ist für den Test des Hegel H400 mehr als prädestiniert. Die zu Beginn des Titels verwendeten Querflöten des Orchesters, werden mit einer sehr komplexen, überzeugenden Struktur vom H400 präsentiert. Als dann die ersten vokalen Elemente folgen, sind wir ergriffen, wie feinfühlig und aussagekräftig diese umgesetzt werden. Auch der Wechsel und die klare Unterscheidung der verschiedenen Stimmfarben kann bei uns voll punkten. Als Céline Dion mit ihrem sehr prägnanten Gesang dazukommt, bleibt der Hegel seiner klaren und sauberen Linie treu. Die unterschiedlichen vokalen Elemente der Protagonisten bleiben in vollem Umfang erhalten, was teilweise nicht einfach ist, wenn eine Mischung aus feinfühligen Gesang auf Operngesang trifft, für unser Testsample ist dies aber absolut kein Problem.
Einordnung - teurere, etwa gleich teure und teurere Konkurrenten

ELAC Alchemy DDP-2 und DPA-2: Die ELAC Vor-/Endstufenkombination baut so flach, dass sie zusammen weniger hoch ist als so mancher ausladende Vollverstärker. Das elegante Industriedesign erinnert etwas an die ikonischen Braun Atelier-HiFi-Anlagen aus den 80er Jahren. Mit rund 4.200 EUR ist die Kombination nicht zu teuer bezahlt. Die Vorstufe ist hinsichtlich ihrer Streaming-Optionen zwar mittlerweile etwas überholt, aber akustisch agiert sie nach wie vor präzise und authentisch. Die DPA-2 Digitalendstufe haut souverän auch hohe Pegel raus und wirkt kaum angestrengt. Fürs investierte Geld eine sehr schöne Kombination, der deutlich teurere Hegel H400 detailliert noch feiner und tritt insgesamt geschliffener sowie kultivierter auf. Für den Norweger sprechen auch die umfangreicheren Streaming-Optionen.

Yamaha A-S2200: Rund 3.000 EUR Marktpreis werden für den rein analogen, sauber verarbeiteten Yamaha Stereovollverstärker aufgerufen. So hat man nochmals mehr als 3.000 EUR übrig, um einen First Class-Streamer oder aber einen Plattenspieler und einen Streamer hinzuzukaufen, um auf den Preis des durchtrainierten Hegel H400 zu kommen. Der Yamaha klingt klar und realistisch, ähnlich dem Hegel, und für seinen Kaufpreis ist die Pegelfestigkeit tadellos. Klar zieht der doppelt so teure Hegel weg, auch klingt der norwegische Verstärker noch konturenreicher und plastischer. Wer es rein analog mag und wer Retro-Design richtig schick findet, macht mit dem A-S2200 aber ein sehr gutes Geschäft.

VTL IT-85 (8.690 EUR): Eine Ausnahmeerscheinung stellt der in Handarbeit hergestellte US-amerikanische Röhrenvollverstärker dar. Schon seine Abmessungen sind ungewöhnlich, das sorgt für ein charakteristisches Äußeres. Er hat für einen Röhrenverstärker überraschend gute Leistungsreserven, und er hat einen speziellen klanglichen Charme, gar nicht einmal so typisch Röhre, aber stets sehr geschmeidig und filigran. Auch der IT-85 ist ein rein analoges Gerät und mit seiner ganzen Auslegung und dem relativ hohen Preis das richtige Modell für Liebhaber, die das Besondere suchen.

NAD M33: Der NAD aus der Master Series kommt auf 5.799 EUR und erweist sich als äußerst hartnäckiger Konkurrent. Klanglich sind beide Modelle anders ausgelegt. Der pure Dynamiker mit offen zur Schau gestellter Kraft ist klar der M33. Der Hegel mimt gekonnt den besonders kultivierten Experten für Klassik und Jazz. Auch der Hegel ist sehr belastbar, macht daraus aber ein eher unauffälliges Ereignis. Die Ausstattung des optisch beeindruckend schönen NAD ist gigantisch, HDMI-eARC ist ebenso an Bord wie die exzellente BluOS-Streaming-Plattform, alle sonstigen Formen von digitalen sowie analogen Anschlüssen und sogar Dirac Live.
Fazit

Der Hegel H400 erweist sich in unserem Test als äußerst klar und kultiviert klingender Stereo-Vollverstärker. Er agiert nie auffällig und vordergründig, sondern kokettiert stets mit seinem detailverliebten Wesen. Wenn es jedoch darauf ankommt, ist der H400 mit enormer Kraft zur Stelle. Durch seine Gesamtauslegung ist der norwegische Edel-Verstärker besonders für Klassik, Jazz oder auch für Rock-Balladen hervorragend geeignet. Der H400 konnte mit unglaublich feinfühliger Detaillierung und mit einem äußerst plastischen, authentischen Klang erfolgreich auf Punktefang gehen. Mit seinen Tugenden ist er der nahezu perfekte Vollverstärker für den HiFi-Gourmet, der stets auf der Suche nach einem Gerät ist, das auch kleine Feinheiten impulstreu einarbeitet und nahtlos ins tonale Gesamtgefüge integriert. Die saubere Verarbeitung sowie die umfangreichen Streaming-Optionen inklusive einfach handzuhabender App machen die erstklassige Vorstellung komplett.
Authentisch darstellend, bestens verarbeitetet und sinnvoll ausgestattet: Der H400 ist perfekt geeignet für den HiFi-Kenner

Stereo-Vollverstärker Luxusklasse
Test 13. März 2025
Test: Sven Wunderlich, Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 13. März 2025
Weiter auf: Vorherige Seite
Tags: Hegel • Stereo-Verstärker • Stereo-Vollverstärker • Stereoverstärker • Streaming-Verstärker • Streaming-Vollverstärker







