XXL-TEST: KEF 3-Wege-Standlautsprecher Reference 5 – Schallwandler-Traum der Luxusklasse

KEF Reference 5 Gruppenbild

Für einen Paarpreis von 14.998 EUR – das entspricht 7.499 EUR pro Stück – kann man sich wahrhaftige Traum-Boxen nach Hause holen. Für diese Investition gibt es den Dreiwege-Bassreflex-Lautsprecher KEF Reference 5, das Topmodell der Kollektion. 

Wie wir es von KEFs Reference-Serie schon immer kennen, offerieren die Briten auch bei der aktuellen Reference-Serie, der seit 1977 achten Generation, wieder auf edelste Verarbeitung und feinste Optik. Optisch gab es, nachdem von Generation sechs zu Generation sieben (beides Modell 207) optisch praktisch keine Änderungen zu verzeichnen waren, einen großen Wandel zwischen den Generationen sieben und acht – die siebte Generation erinnerte noch etwas an die B&W Nautilus 800, auch wenn das bei KEF sicherlich niemand gerne hört. 

kefreference203und205

 KEF Reference 203 und 205 anno 2003

Nun ist das Design sehr modern, „clean“ und trotzdem haben es die britischen Designer geschafft, einen hohen Wiedererkennungswert zu generieren. Die Reference-Serie dokumentiert demnach schon äußerlich, dass sie einzigartig ist – selten in der heutigen Lautsprecher-Landschaft. Die Reference-Serie sieht auf der einen Seite auch wie ein Lautsprecher aus, verbindet dies aber mit der Eigenschaft, auch als schöner Einrichtungsgegenstand zu glänzen. 

KEF Reference 5 Front Seitlich

Reference, aktuelle Baureihe: Einfach schön und edel

Natürlich ist optische Attraktivität immer subjektiv – aber für uns gibt es kaum einen schöneren Oberklasse-/Luxusklasse-Schallwandler als die Reference 5. Unser Farbton „Blue Ice White“ aus der Kent Engineering-and-Foundry-Edition (aus dieser Edition gibt es alternativ noch Copper Black Aluminium) lebt von den kleinen, feinen Kontrasten. Eisblau ist die Farbe der Membran des Mitteltöners des UNI-Q-Chassis, auf welches wir später aus technischer Perspektive mehr eingehen, und in eisblauer Farbe sind schmale Ringe um die vier 165 mm Tieftöner gezogen. Natürlich sind die Chassis ohne sichtbare Schrauben in die Schallwand eingepasst – ein Schutzgitter für die Chassis gibt es übrigens nicht, das sehen die KEF-Designer wohl als Störfaktor für das ästhetische Empfinden. Wer lieber edles Holzfurnier möchte, bekommt die Reference übrigens auch in Satin American Walnut,Luxury Gloss Rosewood oder Deep Piano Black. 

KEF Reference 5 Oberflaechenfinish Schallwand

Oberflächen-Finish der Schallwand im Detail

KEF Reference 5 Schallwand Detail

 „Ice Blue“ Kontrastelemente finden sich auch aus seitlicher Perspektive bei der Reference 5

Das Gehäuse der Reference 5 präsentiert sich in erstklassiger Materialqualität und ist im makellosen Hochglanz-Finish gehalten. Die hochglänzende Oberfläche bietet einen hervorragenden Eindruck hoher optischer Tiefe, hier merkt man deutliche Differenzen zu günstigeren Lautsprecher, deren Hochglanz-Lackierung im direkten Vergleich stumpfer und nicht so brillant erscheint. Das Gehäuse hinsichtlich Form und Ummantelung wurde am Computer optimiert, um Sekundärstrahlung von den Gehäusewänden und Klangverfärbungen von stehenden Wellen so gering wie irgend möglich zu halten. Zur Absorbierung von Restvibrationen dient eine Verbundschicht-Dämpfung, so wird jeder Hall des Gehäuses eliminiert, da jeder Eigenklang, den das Gehäuse verursacht, der musikalischen Reinheit schadet. Im Inneren des Gehäuses hat jeder Treiber sein eigenes Gehäuse, somit minimieren sich gegenseitige Beeinflussungen. 

KEF Reference 5 Anschluesse Rueckseite

Anschlussterminal in außergewöhnlich hochwertiger Ausführung

Ein paar Worte sind zur Schallwand fällig. Diese soll nicht nur hochwertig aussehen, sondern auch Diffraktionsabweichungen im Ansprechverhalten vermeiden helfen. Sie besteht aus Verbundaluminium und Harz-Komposit. Die Schallwand ist mit präzisem Spaltmaß ans Gehäuse angepasst und hinterlässt hinsichtlich der Materialqualität einen sehr edlen Eindruck. Edel ist auch das richtige Wort für die Bi-Wiring-Anschlussterminals hinten. Mittels des „Link“ Terminals kann die Box Bi- oder Single-Wiring-verkabelt betrieben werden.

KEF Reference 5 Standfuss

Sockel

Unter der Reference 5 sitzt ein massiv verarbeiteter und zudem elegant wirkender Sockel mit Klangabsorbern, der sicheren Halt verleiht. 

KEF Reference 5 Bassreflexrohr

High-Tech pur: Flexible Bass Port-Technologie, aber hier nur bescheidene Materialqualität 

KEF Reference 5 Rueckseite Seitlich

 Rückseite komplett

Einziger kleiner Kritikpunkt auf der Rückseite: Die Auskleidung der Bassreflex-Öffnungen in schlichtem schwarzem Kunststoff wirkt etwas billig und nicht der Preisklasse gemäß. 

KEF Reference 5 Hochtoener Detail

Hochtöner im Zentrum des Mitteltöners

KEF Reference 5 Hochtoener

 Aktueller UNI-Q-Treiber

Wie auch die anderen Vertreter der Reference-Baureihe greift auch die Reference 5 auf die aktuelle Generation des schon legendären Uni-Q-Treibers zurück. Bei diesem sitzt im Zentrum des Mitteltöners der Hochtöner, getreu dem Punktschallquellenprinzip, was eine ungemein präzise Wiedergabe ermöglicht, denn die Schallanteile von Hoch- und Mitteltonbereich treffen genau zeitgleich beim Zuhörer ein. Ein kraftvoller 125 mm Mitteltöner und ein brillant klingender, belüfteter 25 mm Hochtöner bilden eine optisch und akustisch harmonische Einheit. Das Ansprechverhalten des neuen Hochtöners ist frei von Resonanzen, und die computerunterstützt optimierte zweiteilige Alu-Kalotte ist so verwindungssteif, dass sie auch unter höchster Belastung noch einen kolbenförmigen Hub gewährleistet.  Wir konnten die sin den Testreihen sehr gut nachvollziehen. Der Hochtöner agiert auch unter enormer Belastung noch souverän. Die effektive Belüftung des Hochtonsystems ist ebenfalls wie die groß dimensionierten Schwingspulen für die hohe Belastbarkeit verantwortlich. 

KEF Reference 5 Tieftoener

Tieftöner als Flachmembranchassis ausgeführt

Neu entwickelt wurde auch der 165 mm messende Tieftöner mit starker Aluminium-Schwingspule. Vom Hightech-Basschassis sind in der Reference 5 gleich vier Stück verbaut. Dass der Tieftöner relativ klein ist, fördert die Impulstreue massiv. Dadurch werden auch kleine, kurze Bassimpulse sauber umgesetzt.  Zudem ist das Chassis langhubig ausgeführt und bleibt auch bei hohem Pegel gelassen. Auf der anderen Seite steht für einen hervorragenden Tiefgang und ein ansprechendes Volumen viel Gesamt-Membranfläche zur Verfügung, denn wenn man 4 x 165 mm zusammen rechnet, kommt ein höchst achtbarer Wert heraus. Die Lautsprecher sind in unbeweglichen, akustisch inaktiven Chassis verbaut, dass Störungen der akustischen Harmonie durch nicht gewünschte Vibrationen, Gehäuseresonanzen und stehende Wellen beinahe ausgeschlossen sind. Die Tieftöner verfügen selbstverständlich über außergewöhnlich starke Magnetsysteme und über eine besonders leichte Aluminium-Einfassung mit KEFs „Force-Cancelling“-Technologie.

Damit die Bässe auf den eigenen Geschmack sowie die individuelle Hörumgebung abgestimmt werden können, bieten alle Lautsprecher der KEF Reference-Serie anpassbare Bassreflex-Ports. Die flexible Anschlusstechnologie wird dazu verwendet, Mittelton-Resonanzen zu reduzieren, indem mit Hilfe von Strömungsdynamik (CFD) Signal sowie Profil jedes Anschlusses errechnet werden, um Luftströme zu vermeiden, die für akustische Verfälschungen sorgen. 

Die Frequenzweiche wurde per Computer berechnet, gleichzeitig aber wurde jede verbaute Komponente von KEF-Fachleuten ausgiebig Probe gehört und getestet, und zwar einzeln und im Verbund. So konnte man sicherstellen, die Bauteile mit der niedrigsten Verzerrung und dem besten Ansprechverhalten auszuwählen. Um dies realisieren zu können, nahmen sich die KEF-Ingenieure die nötige Zeit und Ruhe. Die Frequenzweichen der Reference-Lautsprecher sind auf verschiedenen Platinen befestigt und natürlich vom Chassis entkoppelt. Dadurch werden Vibrationen vermieden und Überlagerungen minimiert.

Der Frequenzgang der KEF Reference 5 bei +/- 3 dB reicht von 40 Hz bis 35 kHz.  Die Freifeld-Frequenzweite (- 6 dB) liegt bei 35 Hz bis 45 kHz (Kurzdistanz) und bei 32 Hz bis 45 kHz (Langdistanz), Das typische Bass-Ansprechverhalten in geschlossenen Räumen (bei – 6 dB) liegt bei 25 Hz. Die Übergangsfrequenzen gibt KEF mit 350 Hz und mit 2,8 kHz an. KEF rät zum Einsatz von Verstärkern mit einer Leistung von 50 bis 400 Watt pro Kanal. Die Empfindlichkeit (2,83V/1m) wird mit guten 90 dB angegeben. Maximal können (höchster Schalldruck bei 1 m Entfernung mit rosa Rauschen) 116 dB Schalldruck erzielt werden. Die Impedanz beträgt 8 Ohm, die minimale Impedanz 3,2 Ohm. Satte 60,2 kg wiegt der 1.397 mm hohe,  349 mm breite und 470 mm tiefe (mit Sockel) Lautsprecher. Ohne Sockel misst die Reference 5 in der Höhe 1.350 mm, in der Breite 205 mm und in der Tiefe 470 mm. 

Klang

Wie es sich für einen Ausnahme-Box gehört, starten wir mit höchst seriösem Material in die Testreihen: Wolfgang Amadeus Mozarts Klarinettenkonzert KV 622, das erste Allegro, steht an. Abgelegt auf einer SACD der Deutschen Grammophon, spielen hier die Wiener Philharmoniker unter der Dirigenten-Legende Karl-Heinz Böhm. Und die Reference 5 macht direkt klar, dass auch die Wiener Philharmoniker glücklich sein würden, könnten sie „ihre“ Musik mittels dieses elitären britischen Lautsprechers genießen: Faszinierend ist, wie fein die Reference 5 das gesamte klangliche Geschehen aufbaut. Enorm präzise werden die Konturen der von Alfred Prinz gespielten Klarinette herausgearbeitet. Bestechend ist die Plastizität, der Klang erfüllt auch größere Hörräume perfekt, man kann die Bühne fast vor den eigenen Augen sehen, so tief ist das vermittelte Gefühl exakter Räumlichkeit. Wenn das komplette Orchester einsetzt, wird dieser orchestrale Gesamteinsatz lebendig und frisch, mit Schwung und sehr hoher Dynamik, umgesetzt. Es ist einfach, die Position jedes einzelnen Musikers auf der virtuellen Bühne auszumachen, so gut arbeitet die Reference 5 Ortungs-Informationen heraus. 

Ebenfalls aus der Feder von Wolfgang Amadeus Mozart stammt das Klavierkonzert Nr. 21, KV 467,wiederum gespielt von den Wiener Philharmonikern, doch diesmal unter Claudio Abbado. Wir hören das erste Allegro und sind beeindruckt, wie fein dosiert kleinere Impulse wiedergegeben werden. Die Balance zwischen den einzelnen instrumentalen Anteilen ist überragend, so dass insgesamt ein komplettes, klar umrissenes Hörerlebnis im Fokus steht. Dadurch, dass die Reference 5 auch noch enorm angenehm klingt und nicht durch übertriebenen Hang zum Analytischen Faszinationspotential liegen lässt, sind auch lange Hörsessions eine große Freude. Wie sauber das Klavier, gespielt von Friedrich Gulda, präsentiert wird, beweist ebenfalls das Fingerspitzengefühl der Reference 5: Temperatur, Anschlagdynamik und Virtuosität werden herausragend miteinander kombiniert. Die natürliche, dichte Räumlichkeit, die es stets schafft, die vorhandenen unterschiedlichen akustischen Ebenen bis weit nach hinten auseinander zu differenzieren, sorgt ebenfalls für Erstaunen und Freude. 

Ludwig van Beethovens neunte Symphonie (SACD, Deutsche Grammophon), die „Ode an die Freude“, kommt nun dran. Hier lauschen wir dem ersten „Allegro Ma Non Troppo, Un Poco Maestoso“. Es spielen die Wiener Philharmoniker unter Leonard Bernstein. Und dieser erste Satz verdeutlicht, wie gut die britische Standbox mit dynamischen Unterschieden jeglicher Art umgehen kann: Es wird so ein ungemein intensiver Höreindruck erzeugt, geprägt von Schwung und Emotionalität. Dass der Lautsprecher hinsichtlich gerade des horizontalen Abstrahlwinkels sehr gut fürs Wohnzimmer geeignet ist, muss ebenfalls gesondert Erwähnung finden. Dank des UNI-Q-Treibers fühlt sich der Zuhörer wirklich wie im Konzertsaal. Zusammen mit den relativ kleinen Basstreibern wird so ein nahezu optimales Group Delay erzeugt, das für ein noch authentischeres akustisches Gesamterlebnis verantwortlich ist. Auch extrem anspruchsvolle Hörer werden mit der Reference 5 glücklich sein, dabei ist es in der Praxis kein Problem, auch im Hause KEF (Blade) noch deutlich teurere Lautsprecher zu finden. Doch oft wird man sich die Frage stellen: Wozu? Die Reference 5 spielt sich sich so schlüssig, so vollkommen, dass man denkt: Was braucht man noch mehr? Die Detailarbeit, das Auflösungsvermögen, die Dynamik – all dies hinterlässt einen exzellenten Eindruck. Die Strahlkraft im Hochtonbereich wird zudem ohne jeden Hang zur Aggressivität oder Überdominanz transportiert. 

Wir legen nun die  „James Bond Themes“ SACD (rein instrumentale Titelsongs der 007-Filme, gespielt vom Royal Philharmonic Orchestra) in unseren Denon DBT-3313UD ein, der Player leitet alles mittels des QED Signature 40 weiter an die Aurum Vor-/Endstufenkombination P8 und M8 weiter. Als Kabel zu den KEFs dient das Oehlbach XXL Fusion 4. Wir hören die Titelmelodien von „Goldfinger“ und „Thunderball“ – und wieder ist es der enorme Detailreichtum, der verblüfft, selbst in Anbetracht des immensen Kaufpreises der KEF. Aber auch der Bassdruck begeistert, genau dann, wenn sie gefordert sind, schlagen die vier 165 mm Flachmembran-Basschassis gnadenlos zu. Nachschwingen? Wummern? Beides unbekannt. Rein und satt kommt der Bass heraus und füllt auch Hörräume, die größer als 30 Quadratmeter sind, problemlos aus. Die fließenden Übergänge zwischen allen Frequenzbereichen sind auch sehr zu loben, so wirkt das Klangbild nahtlos und wie aus einem Guss. Die Räumlichkeit ist auch im Hoch- und Mitteltonbereich hervorragend, so dass der Zuhörer tief ins musikalische Geschehen eintauchen kann. Für die Reference 5 spricht übrigens auch der gute Wirkungsgrad, der nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Hörpraxis existiert. 

Andrea Bocellis emotionale Titel „Dell’Amore Non Si Sa“ und „L’Attesa“ vom CD-Album „Andrea“ beweisen uns, wie sensibel und gekonnt die Reference 5 mit Stimmen umgeht. Klar wird Andreas Stimme fokussiert, gleichzeitig aber rücken die Instrumente nicht zu weit in den Hintergrund. Brillant und filigran werden die Streicher herausgearbeitet, jedes Instrument weist eine eindeutige, unverkennbare Charakteristik auf. Mit Lebendigkeit und Verve erfolgt die gesamte Wiedergabe. Das Bassfundament, welches die vier jeweils 165 mm messenden Tieftöner bereitstellen, ist gigantisch: Kraftvoll, sauber gestaffelt und mit einem erstklassigen Tiefgang versehen. Räumlich werden alle akustischen Elemente exakt im Hörraum positioniert, man kann, bildlich gesprochen, in alle klanglichen Ebenen „hineinsehen“. Ein komplettes, umfassendes Klangerlebnis ist hier das Ergebnis, und ermöglicht Hören in einer direkten, ungefilterten Art und Weise. Das macht kaum etwas so deutlich wie der Anfang von „L’Attesa“ – was hier an Nachdruck, Kontrolle und Präzision offeriert wird, beweist besonders gut das hohe Niveau, das die Reference 5 erreicht. 

Wir setzten mit der „RMX – Superstars Remixed by Superstars“ CD unsere Testreihen fort und hören das Tiesto-Remix des Goldfrapp-Hits „Rocket“. Hier beweisen sich die KEFs als ultimative Bass-Meister. „- 25“ erscheint im Display der Aurum P8 – hier steigen die meisten Boxen aus und liefert kein sauberes Signal mehr. Nicht so die kraftvoll agierende Reference 5. Der Bass ist knallhart, präzise, sauber. Die Membrane steuern immer noch exakt so aus, wie gewünscht. Die enorme Raumwirkung und die überdurchschnittlich gute Darstellung der Stimme verdeutlichen die außerordentlichen Qualitäten der Reference 5. Der klare, lebendige Hochtonbereichen schließt sich, wie wir es aus den anderen Testreihen her gewöhnt sind, nahtlos oben an und ermöglicht einen luftigen und gleichzeitig energiegeladenen Höreindruck.

Sehr intensiv und durchdringend ertönt das Goldfrapp-Remix des Depeche Mode-Songs „Halo“ im Hörraum. Sehr plastisch, wie greifbar sind alle akustischen Anteile. Der Bass tritt, wie es auch gewünscht ist, sehr massiv, sehr machtvoll an. Das mystisch-dunkle Ambiente, das diesen Titel einkleidet, wird von den beiden Reference 5 ausgezeichnet zur Geltung gebracht. Man kann auch hier wieder sehr laut hören, deutlich lauter, als es in den meisten Hörumgebungen in der Praxis möglich sein dürfte. Wie gut jede Art von Impulsen umgesetzt wird, ist sensationell: Souverän und gelassen agiert die Reference 5, sie vermittelt der Zuhörerschaft stets die Botschaft, dass man sich voll auf die Musik konzentrieren kann, der Lautsprecher macht alles sonstige, er stellt stets die optimale Umgebung sicher. Dass der Lautsprecher die ganze Kraft, die in diesem Song steckt, nahezu perfekt vermittelt, begeistert über alle Maßen. 

Nun überprüfen wir, ob die Reference 5 auch mit „The Howling“ von Within Temptation zurecht kommt. Und wir stellen fest – auch mit Symphonic Metal kommen die Lautsprecher von der Insel extrem gut zurecht – damit sind die Reference 5 wahrhaftig „very british“ und nehmen die James-Bond-Rolle unter den uns bekannten Standlautsprechern ein: Jede Mission wird erfüllt, und zwar mit äußerster Konsequenz. Der Bassantritt ist erneut Maßstäbe setzend. Einen sehr nachdrücklichen, intensiven Bass haben andere Lautsprecher, selbst günstigerer Preisklassen, genauso, was aber hier das besondere ist, sind die ungemein klaren, scharf umrissenen Konturen, diese Perfektion bei der Impulstreue. Das macht das Wesen der Reference 5 aus – sie macht alles extrem genau, aber gleichzeitig geht keinerlei Emotionalität verloren. Das merkt man auch daran, wie sauber die Stimme von Sharon den Adel herauskommt. Die E-Gitarre ertönt fetzig und vermittelt das nötige Maß an Nachdruck und Aggressivität. Bei „Our Solemn Hour“ der identische Eindruck, wenngleich hier bei „-25“ in der Anzeige der Aurum-Kombination selbst die Reference 5 bald am Ende ist: Die Stimmwiedergabe büßt etwas an Präzision ein, und wird minimal blechern. Sonst wieder Freude pur: Kraft, Nachdruck und Lebendigkeit sind überragend. 

Für das Sammeln weiterer Höreindrücke schließen wir die Nubert Vor-/Endstufenkombination nuControl/nuPower D an und setzen die Testreihen mit „Das Omen“ von Mysterious Arts fort. Die nuPower D Endstufen hat enorme Kraft, und treibt einfach alles mit äußerstem Nachdruck an. Da können sich die Reference 5 nicht entziehen, und die Membrane müssen zeigen, was sie an Auslenkung „auf Lager haben“. Gelassen handhaben die beiden englischen Schallwandler die Ausbrüche schierer Gewalt, die das Kraftwerk  von der Ostalb anliefert. Dass der Mittel- und Hochtonbereich etwas blechern ist und nicht unbedingt mehr heutigen Maßstäben entspricht, liegt am Quellmaterial. Was die Reference 5 aber hinsichtlich Präzision, Klarheit und Dynamik aus dem bescheidenen Basismaterial herausholt, verdient höchsten Respekt, ebenso überzeugt uns die räumliche Wirkung voll und ganz. 

Wie sieht es mit „Self Control“ von Laura Brannigan aus? Der Hit der 80er Jahre der mittlerweile leider verstorbenen Sängerin wird kraftvoll in den Hörraum transportiert. Dass man es nicht mehr mit neuester Aufnahmetechnik zu tun hat, wird am schlecht auflösenden, und etwas metallischen Hochtonbereich und auch dem oberen Mitteltonbereich akustisch deutlich. Trotzdem, die Kombination aus der Nubert Vor-/Endstufenkombination und den Reference 5 sorgt für einen enormen Hörspaß – die 80er Jahre leben sozusagen wieder auf. Die Reference 5 schafft es auch, überraschend viel Struktur in den Titel zu bringen, der Bassbereich ist präzise und kräftig. 

„Was Soll Das“ von Herbert Grönemeyer ist ein weiteres Beispiel für das gelungene Wirken des UNI-Q-Chassis: Hier fühlt sich der Zuhörer perfekt ins musikalische Geschehen einbezogen, weil wirklich alle Klanganteile zur gleichen Zeit am Hörplatz eintreffen. Ohne Verzögerung, direkt und spontan scheint Herbert für die Zuhörerschaft ein Exklusivkonzert zu geben. Die charismatische Stimme wird tadellos von den Instrumenten getrennt, der Bass ist treffsicher, trocken und weist genau die richtige Härte auf. Der Klang löst sich, wie auch in allen anderen Test-Beispielen, sehr gut von den Chassis und verteilt sich weitläufig im Raum. 

Das Sash! Remix des Dr. Alban-Klassikers „It’s My Life“ strotzt vor einem harten, kraftvollen Kickbass – ideal für die nuPower D, die hier ihre extreme Stromlieferfähigkeit unter Beweis stellen kann. Doch letzten Endes vollstreckende Gewalt sind die beiden Reference 5, die auch diesmal wieder die Power der schwäbischen Endstufe optimal umsetzen. Ohne störende dynamische Einbußen, ohne Artefakte und ohne Anschlagen der Chassis wird hier Klanggüte auf höchstem Niveau geboten. Die Bass-Chassis überzeugen ein weiteres Mal mit langem Hub und kontrolliertem Ein- und Ausschwingen auch bei enormer Lautstärke. Dass Stimme und Instrumente auch bei hohem Pegel noch akkurat voneinander getrennt werden, ist ein weiterer Vorzug der KEF-Box. Das vermittelte Maß an Räumlichkeit ist auch bei diesem Beispiel intensiv und ausgezeichnet hinsichtlich Weite sowie Tiefe.

Und es geht weiter mit Dance-Songs aus 1996 – mit „Keep The Fire Burning“ von Future Breeze, die mit „Why Don`t You Dance With Me“ einen der größten Trance/Techno-Klassiker überhaupt geschaffen haben. Nun also soll das Feuer weiter brennen – und die Reference 5 tut alles dafür, dass die Mission funktioniert: Harter Bass, tolle Raumwirkung der elektronischen Effekte und sehr gutes Herausarbeiten dynamischer Unterschiede. Nun liefert ein weiterer Klassiker satten Bass – die „Raumpatrouille“ von Kosmonova checkt unseren Hörraum. Und die beiden edlen britischen Boxen zeigen ihre Club-Qualitäten: Anstandslos werden hier in höchster Lautstärker Bassanteile in den Hörraum geworfen. Die elektronischen Effekte lösen sich überragend von den Chassis und kommen allesamt zeitgleich beim Auditorium an. „Reflect“ von Three_N_One“ schließt sich nahtlos an, und auch hier wieder treibt der Bass an und verleiht dem ganzen Track eine hohe Ausdruckskraft.

Wie gut die Box sehr schnelle Bässe verwirklichen kann, zeigt sie uns nun bei „Spring“ von RMB. Nach dem noch ruhigeren Intro geht es direkt zur Sache: Und die vier 165 mm Chassis müssen Höchstleistung bringen, was sie in einer Art und Weise tun, das wir nur den Hut ziehen können. Kontrolle, Punch, Geschwindigkeit, Struktur – alles auf höchstem Level. Letzter Track: „Kick Da Disco Nation“ von Disco Nation. Auch hier geht es wieder um Faktoren wie Basskraft, Raumfülle, Lebendigkeit und hohe Lautstärke. Alles Dinge, die die Reference 5 aus dem Effeff beherrscht, so auch diesmal wieder. Der Aufbau des Tracks gelingt in brillanter Manier, für eine CD aus 1996 ist es höchst überraschend, was die KEF-Box hier an Qualität herausholt. Die Zusammenarbeit mit der Nubert Vor-/Endstufenkombination ist überragend – Nubert bietet hier für unter 5.000 EUR höchstes Niveau, denn die Kombi zeigt sich auch perfekt gerüstet für die Zusammenarbeit mit teuren Luxus-Boxen. 

Fazit

KEF Reference 5 Front Seitlich

Was zeichnet die KEF Reference 5 nun insgesamt aus? Schließlich gibt es schon für viel weniger Geld herausragende Boxen, wie die Nubert nuVero 140 mit einem Stückpreis von 2.235 EUR oder die Quadral Aurum Vulkan VIII R mit einem Stückpreis von 4.000 EUR. In identischen preislichen Sphären schwebt die Piega Coax 70.2 (ab 6.000 EUR/Stück, je nach Ausführung) oder die Quadral Aurum Titan VIII (Stückpreis 6.000 EUR). Also harte Konkurrenz, und trotzdem ist die Reference 5 schon optisch etwas ganz Besonderes. Nicht so martialisch wie die Titan, nicht so kühl wie die Coax 70.2, nicht so technisch wie die nuVero 140 und nicht so tendenziell sehr konservativ wie die Vulkan VIII: Sie ist wunderschön, perfekt ausbalanciert, und weist durch die reichliche Verwendung von High-Tech-Material auch nachweisbare technokratische Ansätze auf. Es ist, wie bei einer Symphonie, die Gesamtkomposition, welche die Reference 5 adelt. Weder optisch noch akustisch sind „Ecken und Kanten“ vorhanden. Dieser Lautsprecher eckt trotz seiner enormen Größe nicht an. Frauen wie Männer bleiben stehen und sind verwundert, wie man beinahe 140 cm Höhe so elegant, so eloquent und so leichtfüßig verpacken kann. Und genauso ist es mit den akustischen Eigenschaften. Die KEF macht es einfach allen Recht. Sie kann derb. Sie kann fein. Sie transportiert so gekonnt Emotionalität, dass selbst die Fähigkeiten der harten Konkurrenz auf diesem Gebiet, auch schon Extraklasse, leicht in den Hintergrund gerückt werden. Die KEF strahlt – optisch und akustisch. Sie ist, wie der Engländer sagen würde, „outstanding“ – erhaben über den größten Teil des Rests, und das Schönste ist:  Man kann dies alles an handfesten Eigenschaften festmachen. Der enormen Räumlichkeit, der extremen Pegelfestigkeit. Der hervorragenden Impulstreue und den perfekten Gruppenlaufzeiten. Der Strahlkraft im Hochtonbereich. Der ungemein angenehmen, konsequent-schlüssigen Gesamtauslegung. Fasst man alles zusammen, so ist die Reference 5 derzeit eine der besten Lautsprecher auf dem gesamten Deutschen Markt. 

Elitärer, edler Lautsprecher, dessen Eigenschaften akustisch, optisch und technisch nur mit Superlativen zu umschreiben sind
masterpiecelogo
Lautsprecher Luxusklasse
Test 21. September 2015

+ Auflösung in allen Frequenzbereichen
+ Basskraft und Tiefgang
+ Impulstreue und Schnelligkeit
+ Group Delay perfekt
+ Räumlichkeit auf höchstem Level
+ Referenz-Verarbeitung
+ Guter Wirkungsgrad

– Ausladend hinsichtlich der Abmessungen und teuer

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 21. September 2015




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