TEST: Piega 3-Wege-Standlautsprecher Coax 70.2 – Schweizer Wertarbeit trifft auf Premium-Akustik

Piega Coax 70.2 Gruppenbild7

Piega Coax 70.2 für einen Paarpreis ab 12.000 EUR (je nach Ausführung)

Piega Coax 70.2 Gruppenbild3

3-Wege-Standlautsprecher, hier in schwarzer Alu-Optik

41 kg Lebendgewicht, Frequenzgang von 26 Hz bis 50 kHz, 3-Wege-System mit 2 x 18 cm Basstreibern und Koaxial-Bändchen Hoch/Mitteltöner – schon „nackte“ Zahlen rund um die Piega Coax 70.2, als Paar ab 12.000 EUR erhältlich, wecken durchaus Interesse. 

Piega Coax 70.2 Verarbeitung2

Exzellente Detailverarbeitung, das gesamte Gehäuse besteht aus Aluminium, das im Falle unserer Test-Box schwarz eloxiert wurde

Piega Coax 70.2 Rueckseite Seitlich2

Sich nach hinten verjüngende Gehäuseform

Piega Coax 70.2 Oberflaechenfinish2

Auch auf diesem Bild gut erkennbar

Wer die zeitlos eleganten Lautsprecher anschließend in Augenschein nimmt, freut sich stets über feinstes Finish, ganz gleich, ob in Aluminium silbern eloxiert, in schwarz eloxiertem Aluminium wie unsere Test-Lautsprecher oder aber in Schleiflack weiß. Das vordere Lautsprecher-Schutzgitter besteht immer aus Aluminium und ist ebenso hochwertig gefertigt wie die Lautsprecher an sich. 

Piega empfiehlt für die Coax 70.2 eine Verstärkerleistung pro Kanal von 20 bis 250 Watt. Mit einer Empfindlichkeit von 92 dB/W/m weist der Lautsprecher einen sehr guten Wirkungsgrad auf – zumindest auf dem bekanntermaßen geduldigen Papier. Wie es in der Praxis aussieht, überprüfen wir später.

Piega Coax 70.2 Anschluesse Rueckseite1

Bi-Wiring-Terminals

Piega Coax 70.2 Bassreflexoeffnung2

Bassreflexöffnung

Piega Coax 70.2 Tieftoener2

2 x 18 cm Bässe

 Piega Coax 70.2 Hochtoener3

Koaxtreiber als Bändchen

102 cm ist die Coax 70.2 hoch, 26 cm breit und 33 cm tief. Natürlich finden sich auf der Lautsprecherrückseite edle Anschlussterminals in Bi-Wiring-Ausführung. Optisch schick und akustisch nützlich ist die sich nach hinten verjüngende Gehäuseform. Dadurch gibt es keine parallelen Wände, so kommt es nicht zu unschönen stehenden Wellen im aufwändig verstrebten Gehäuseinneren. Das Alu-Gehäuse ist mit Bitumen bedämpft. Wie bei Piega üblich, werden die nahtlosen Gehäuse in einem einzigartigen und aufwändigen Verfahren aus einem Aluminium-Block gepresst. 

Für höchste Impulstreue sorgt das verbaute Koax-Bändchensystem. Hierbei handelt es sich um eine in Handarbeit aufgebrachte extrem dünne Folie in Verbindung mit einem sehr starken Magnetsystem. Halt, wir haben etwas vergessen – bislang reden wir nur von einem Bändchen. Das Koaxprinzip für Mittel- und Hochtonbereich kultiviert das Punktschallquellen-Prinzip, anders ausgedrückt: Das akustische Zentrum des gesamten Mittel- und Hochtonbereiches befindet sich auf der X-, Y- und Z-Achse am selben Punkt. Dadurch wird in allen Dimensionen zeitlich exakt abgestrahlt. Die hohe Impulstreue resultiert auch aus dem günstigen Verhältnis von Antrieb und Gewicht, jede konventionelle Membran, ganz gleich, aus welchem Hightech-Werkstoff sie auch besteht, ist schwerer. 

Klang

Wir starten durch mit „Georgio By Moroder“ von Daft Punk. Die Aufnahme liegt im Flac-Format und in 44,1 kHz/24-Bit vor. Zu Beginn des über 9 Minuten langen Titels ist lediglich eine Stimme zu hören, welche sich hervorragend vom Lautsprecher löst. Zudem wird sie sehr sauber konturiert wiedergegeben. Als sich dann Beat/Rhythmus hinzu gesellen, begeistert uns die Schweizer Box mit einer exzellenten Impulstreue, Verdienst des verbauten Koax-Chassis. Sensationell schnell ist auch der Bassbereich, der überdies mit einem überragenden Volumen und feinster Strukturierung aufwarten kann. Kleine dynamische Unterschiede arbeitet die Coax 70.2 fließend in die Gesamtwiedergabe ein. Was absolut beeindruckend ist – die Piega bleibt so gelassen bei hohem Pegel, salopp könnte man sagen: Genauso cool wie ihre Aluminium-Außenhaut. Der Wirkungsgrad des edlen Schallwandlers ist wirklich gut. Sicherlich, mit leistungsschwachen Vollverstärkern sollte man hier nicht hantieren, aber es wird in Anbetracht des Preises der Coax 70.2 auch kaum jemand auf die Idee kommen, einen solchen als Glied der Kette einzusetzen. Aber, dies bleibt festzuhalten, der Wirkungsgrad ist ordentlich, was nicht selbstverständlich ist.

„Lost Mind“ (96 kHz/24-Bit, Flac) von Diana Krall macht extremen Spaß, wenn die Piega mit der Wiedergabe beauftragt wird. Der Bass reicht bis ganz nach unten – die Coax 70.2 ist zwar alles andere als ein kleiner Lautsprecher, aber auch kein ausufernder Gehäuse-Riese. Also sprechen wir durchaus von vertretbaren Abmessungen, und in Anbetracht dieser ist es verblüffend, was der Schweizer Schallwandler an Tiefgang freisetzt. Das Klavier wird mit sauberer Herausarbeitung der Anschlagdynamik wiedergegeben, und über allem thront Dianas Stimme – facettenreich, klar, charismatisch und nahezu perfekt ins tonale Gesamtgeschehen eingearbeitet. Das Zupfen der Saiten am Bass wird von den Coax 70.2 mit der schon vom ersten Test-Stück bekannten Impulstreue umgesetzt, so dass sich der Zuhörer wirklich so fühlt, als würden Diana und die Instrumentalisten direkt im Raum auftreten und ein Privatkonzert geben.

Wir bleiben bei 96 kHz/24-Bit Flac und wechseln musikalisch zu John Coltrane – „Summertime“. Schaut man aus dem Fenster, ist man zwar aktuell meilenweit, zumindest wettertechnisch, vom Sommer entfernt. Das hält die Coax 70.2 aber nicht davon ab, mit meisterhafter Herausarbeitung des Saxophons. Die Piega schafft, das virtuose Spiel des 1967 verstorbenen Jazz-Saxophonisten eindrucksvoll in Szene zu setzen. Dabei spielt die Coax nie unangenehm aufdringlich, sondern überlässt es der Musik, sich dem Zuhörer durch ihre intensive Wirkung zu nähern. Die Piega agiert mit meisterhafter Dynamik, ganz gleich, ob es sich um größere dynamische Unterschiede oder um kleine dynamische Differenzen handelt. Obwohl gegenüber dem Saxophon im Hintergrund, wird auch das Klavier noch gut herausgearbeitet – und das bei einer so alten Aufnahme.

Wenden wir uns nun „Redd Mamma“ (192 kHz/24-Bit, Flac) der schwedischen Akustik-Jazzer des Hoff Ensembles zu. Feinsinnig, mit Gespür für jede noch so kleine Struktur, agiert die Coax 70.2 so gekonnt, dass man verblüfft ist – denn die Box vom Zürichsee ist sicherlich kein Sonderangebot, aber dass sie auf so hohem Niveau spielt, war auch nicht ohne weiteres zu erwarten – wenngleich wird von der eine Nummer kleineren Coax 30.2 schon einiges gewohnt warten. Tiefgang, Filigranität, Ausdruckskraft und gesamtes Volumen sind bei der größeren Coax 70.2 aber nochmals deutlich besser, so gut, dass es selbst sehr anspruchsvollen Hörern mehr als ausreichen dürfte. Wie gekonnt die Alu-Box mit diesem Stück umgeht, wie plastisch und umfassend der Höreindruck ist – so gut haben wir „Redd Mamma“ bislang noch nicht gehört.

Ludwig van Beethoves Violinensonate Opus 96 (Flac 96 kHz/24-Bit), und hier das „Allegro Moderato“ gleich zu Beginn ist unser nächstes Stück, welches wir der Coax 70.2 zuführen. Und auch hier setzt sich der beeindruckende Weg nahtlos fort: Fein, transparent, aber kein bisschen aggressiv oder scharf – genau so muss die Violine klingen. Doch auch das Klavier überrascht einmal mehr – so exakt wird von der Piega die richtige Temperatur getroffen, so präzise wird die Anschlagdynamik der Tasten zum Auditorium gebracht. Das Zusammenspiel der Instrumente, das Ineinander greifen musikalischer Prozesse, ohne dem jeweiligen einzelnen Instrument Strahlkraft und Charisma zu nehmen – das beherrscht die Coax 70.2 auf Spitzen-Level.

Und nun gehen wir in eine völlig andere musikalische Richtung – Sandra und Tony Alessi präsentieren uns „Diamante“. Und gerade mit der männlichen Gesangsstimmen, wenn Tony richtig die Stimme erhebt, haben viele, selbst teure, Lautsprecher Probleme: Der Klang wird dann leicht blechern und wirkt nicht mehr so dynamisch, wenn man mit deutlich erhöhter Lautstärke hört. Die Coax 70.2 beweist aber auch hier Klasse und spielt so leicht und locker auf, als gäbe es nichts Einfacheres. Dabei fasziniert, wie weitläufig, aber gleichzeitig präzise die Wiedergabe erfolgt. Stimmen und Instrumente lösen sich exzellent von den Lautsprecher-Chassis, und der impulstreue, knackige und zupackende Bassbereich punktet ein weiteres Mal.

Kommen wir nun zur Wiedergabe von Musik in CD-Qualität. Hier muss sich der noble Schweizer Klangkünstler nun auch mal mit Gröberem auseinander setzen: „Dash Off“ von Jay B. ist nun angesagt. Aber das Multitalent stört dieser Wechsel zu zeitgenössischer Club/-Trance-Musik nicht im Geringsten. Problemlos kann die Piega höchst belastet werden – es geht einfach immer weiter voran, ohne Verzerrungen, ohne Einbrüche bei der Dynamik und immer noch mit exzellente Differenzierung. Der Bass hat Wucht und Antrittskraft – wer behauptet, eine Piega klinge fade, sollte entweder zum Ohrenarzt oder sollte sich über die Zuspielung Gedanken machen. Wir denken, dass die Coax 70.2 eine Leistung an den Tag legt, von denen andere Boxen auch der gleichen Preisklasse nur träumen können. Darum testen wir so teure Exponate so selten, weil sie leider in vielen Fällen ihr Geld nicht wert sind und dann von einer Nubert, Phonar, Heco oder Aurum-Box bloß gestellt werden. Ganz anders die Coax 70 – sie beweist, dass sie jeden Cent ihres Kaufpreises Wert ist und legt sich auch bei „Reflected“ von Ian Buff mächtig „ins Zeug“: Raumwirkung, Tiefgang, Volumen – alles weit überdurchschnittlich und weit entfernt von dem, was „Otto Normalverbraucher“ zu Hause hört.

Als letzten Track hören wir „Düsseldorf“ von Rene Ablaze und DJ T.H. – es macht einfach so viel Freude, auch derartige Musik mittels der Piega in echter Club-Lautstärke zu hören. Kraftvoll, dabei höchst detailliert, und mit einer erstklassigen Räumlichkeit über alle Frequenzbereiche füllt die Piega ihr ohnehin schon reichlich gefülltes Punktekonto weiter an – der „Lewis Hamilton“ der Lautsprecher-Gilde. Der eine siegt ständig, die andere sorgt laufend für neue akustische Bestwerte.

Was nun macht die Piega im Einzelnen so besonders, wieso sticht sie so aus der Masse hervor? Wir versuchen, dies zu skizzieren. Zum einen ist es natürlich die über alle Maßen edle sowie zeitlose Optik, verbunden mit makelloser handwerklicher Qualität in jedem Detail, was den Lautsprecher so besonders macht. Ein echtes Produkt „made in Switzerland“, kein zusammengeschustertes China-Produkt. Das allein kann es aber nicht sein – da steckt mehr dahinter. Und zwar vor allem in der Schallwand, denn der Koax-Bändchentreiber sorgt von dort aus für Erstaunen bei den Zuhörer. Impulstreue, erstklassige Guppenlaufzeiten, feinste Detaillierung – Verdienst des Punktschallquellen-Prinzips, das bei Piega schon traditionell für akustische Gleichmäßigkeit, für Brillanz und Lebendigkeit und Filigranität sorgt. Ein solches Chassis hat kaum ein Konkurrent in dieser Güte, dieser Volllkommenheit – welche sich auch im perfekten Zusammenspiel mit den Basstreibern zeigt. Hier gibt es nicht die kleinste klangliche Lücke, nicht die kleinste akustische Unvollkommenheit. Alles passt, alles läuft rund – das ist Hören nach Art von Piega. Keine Kompromisse, bei keinem Quellmaterial. Ob Jazz oder Trance, Klassik oder Pop – die Coax 70.2 ist auf jedem Terrain zu Hause. Diese ungemeine Flexibilität haben auch andere Boxen, aber nur ganz wenige in Verbindung mit der immens hohen Grundqualität. Von der Konzerthalle in die Disco – bei Nutzung der Piega Coax 70.2 muss man für diesen Wandel nicht einmal das Zimmer verlassen.

Konkurrenzvergleich

Piega Coax 30.2:

Kleiner und schlanker, mit 4.000 EUR/Stück günstiger, so präsentiert sich die Coax 30.2, die uns ebenfalls außerordentlich gut gefällt. Optisch ist sie durch die säulenartige Formgebung noch etwas eleganter als die 70.2. Klanglich bietet die 70.2 noch mehr Tiefgang im Bassbereich, eine noch detailreichere Stimmwiedergabe und eine höhere Pegelfestigkeit. Insgesamt spielt sie noch facettenreicher und offeriert noch etwas mehr akustische Weitläufigkeit.

Aurum Titan VIII:

Hier haben wir einen echten und wahren Konkurrenten für die Piega, der der schweizer Box auf Augenhöhe begegnet. Die Titan hat bedingt durch ihr größeres Gehäuse noch mehr Tiefgang zu bieten, zudem spielt sie insgesamt minimal wärmer als die Piega. Die Coax 70.2 ist noch eine Idee schneller im Antritt. Ansonsten sind beide Schallwandler Ausnahmetalente, die auch viele teurere Konkurrenten gnadenlos an die Wand spielen. Die Aurum ist aufgrund der Gitter vor den Tieftönern optisch nicht ganz so makellos attraktiv wie die Piega. Man kann aber auf die Titan das gut verarbeitete Lautsprecherschutzgitter ziehen, dann ist dieses Problem aus der Welt geschafft. Die große Titan benötigt verständlicherweise etwas mehr Hörabstand und fühlt sich besonders in größeren und großen Räumen ab knapp 30 Quadratmeter wohl. 

Jamo R907:

Die extravagant gestaltete Jamo-Box gibt es gar nicht mehr, ehemals lag ihre UVP bei 4.000 EUR/Stück. Tiefgang und Pegelfestigkeit sind sehr gut, bei Impulstreue und Strahlkraft des Hochtonbereiches ist die optisch viel zurückhaltendere Piega deutlich überlegen. 

Fazit

Piega Coax 70.2 Front Seitlich2

Piega demonstriert auch mit der Coax 70.2 eindrucksvoll, dass es weltweit nur ganz wenige Lautsprecherhersteller gibt, die mit der akustischen Güte und der Premium-Verarbeitung der Schweizer Edelschmiede mithalten können. Mit Sorgfalt entworfen, mit Liebe zum Detail konstruiert und mit Aufmerksamkeit bis in die letzte Einzelheit zusammengebaut, betritt man mit dem Kauf einer Coax eine andere Welt. Diese Welt hat Bestand und macht jeden Tag aufs Neue Freude. Langlebigkeit und brillante akustische Leistungsfähigkeit sind zwei Bestandteile, die untrennbar mit der Coax 70.2 verbunden sind. Ihre Souveränität beim Umgang mit jeder Art von Quellmaterial verblüfft auch anspruchsvolle Musikkenner, ihre Pegelfestigkeit, der erstklassige Tiefgang und die authentische Räumlichkeit ebenfalls. Bilanzierend einer der besten Lautsprecher, die wir kennen, gerade auch unter Berücksichtigung des Kaufpreises, der nur so lange hoch erscheint, bis man das dafür Gebotene genau in Augenschein genommen hat. 

Die Piega Coax 70.2 ist ein Musterbeispiel für die Synthese aus meisterhafter Verarbeitung und Maßstäbe setzendem Klang
masterpiecelogo
Standlautsprecher Luxusklasse
Test 13. Mai 2014

+ Impulstreue setzt Maßstäbe
+ Erstklassige Dynamik
+ Herausragender Tiefgang
+ Feinste Detaillierung
+ Überragende Verarbeitung

Test: Carsten Rampacher
Bilder: Sven Wunderlich
Datum: 13. Mai 2014

 

 




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