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Filmkritik: „Lucy“

US-Studentin Lucy (Scarlett Johansson) ist zur falschen Zeit am falschen Ort – und hat auch noch den falschen Freund: Der drückt ihr vor einem Hotel im taiwanesischen Taipeh einen Koffer in die Hand, den sie dem koreanischen Geschäftsmann Mr. Jang übergeben soll. In dem Koffer sind erste Proben der neu entwickelten Droge CPH4, die Jang auf den weltweiten Markt bringen will. Lucy wird neben drei weiteren Männern aus Europa ein Paket mit der Droge in den Bauch operiert, das an den Flughafenkontrollen vorbei geschmuggelt werden soll. Einer von Jangs Wächtern tritt Lucy allerdings so schwer in den Magen, dass der Beutel platzt und eine große Dosis der Droge in Lucys Blutkreislauf gerät. Dadurch entwickelt Lucy ungeahnte Kräfte. Denn CPH4 regt die Hirntätigkeit über das normale Maß an. Neben gesteigerten körperlichen Fähigkeiten ist sie u.a. in der Lage, die Gedanken von Personen aus ihrer Umgebung zu lesen. Ausserdem empfindet sie keine Emotionen wie Schmerz mehr. Lucy flieht und kann in einem Krankenhaus den Rest des Drogenbeutels wieder entfernen lassen. Dort informiert man sie auch über die Nebenwirkungen, die beim Nachlassen der Dosierung auftreten. Lucy sieht nur einen Ausweg: Sie muss nach Europa, um dort an die drei restlichen Beutel zu gelangen und sucht gleichzeitig Hilfe bei dem Forscher Samuel Norman (Morgan Freeman), der bereits seit Jahren auf dem Gebiet forscht. Lucy bleibt nur wenig Zeit. Denn sowohl ihre Fähigkeiten als auch die Nebenwirkungen werden immer intensiver ….

Auch nach über 30 Jahren im Filmgeschäft gehen Luc Besson die orginellen Ideen für neue Filme nicht aus. Startet „Lucy“ zunächst noch als temporeiche Action-Geschichte, so erhält der Film im weiteren Verlauf immer deutlichere Science Fiction-Züge mit leicht übersinnlichem Anstrich. „Lucy“ dreht sich voll und ganz um Haupdarstellerin Scarlett Johansson, deren anfänglicher Schrecken sich unter steigendem Einfluss der Droge in eine steigernde Coolness mit unfreiwilligem Humor verwandelt, der vor allem auf Johanssons eingefrorener Mimik beruht, mit der sie ihre Gegner in Dutzenden aus dem Weg räumt. Auch wenn die neugewonnenen Fähigkeiten mitunter etwas übertrieben wirken und das Ganze bei genauerer wissenschaftlicher Prüfung ziemlich an den Haaren herbeigezogen sein dürfte, ist es dennoch erfreulich, dass Besson die Grundeidee nicht einfach nur zur Erzählung einer 08/15-Actiongeschichte nutzt sondern der ganze Film sehr konsequent auf diesem Konzept aufbaut – welches dann in einem bombastischen Showdown mit visuellem Overkill auf die Spitze getrieben wird. Und da vorher das Ganze auch so glaubwürdig von Morgan Freeman erklärt wird, ist man als Zuschauer auch in einem gewissen Rahmen bereit, den abgefahrenen Ideen zu folgen. Ausserdem sieht der mit Sonys F65-Kamera in 4k-Auflösung gedrehte Film mit seinen scharfen Bildern, dem plastischen Kontrast und satten Farben auch in jedem Moment einfach hervorragend aus und wird auch noch von einem wabernden Soundtrack begleitet, der die Stimmung wirkungsvoll unterstützt.

„Lucy“ läuft seit dem 14.08.2014 in den deutschen Kinos und erscheint voraussichtlich im Dezember auf Blu-ray Disc & DVD.

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