XXL-TEST: Rotel Michi Vor-/Endstufenkombination S5 und P5 an B&W 804 D4 Standlautsprechern

Klang (+ Konkurrenzvergleich)

Gehen wir nun zu den Klangeindrücken über und wir beschäftigen uns mit Diana Kralls „The Look of Love“. Hier ist zunächst festzustellen, dass die Vor-/Endstufenkombination auch stark gehobene Pegelregionen in einem Hörraum um die 25m2 souverän erledigt. Das sollte man in Anbetracht der Preisliga aber auch erwarten können. Die gesamte Vor-/Endstufenkombination liefert einen über den gesamten Frequenzbereich detailreichen und klaren Klang ab, und wir sind uns ziemlich sicher, dass man hier noch deutlich größere und auch leistungshungrigere Lautsprecher als die 804 D4 problemlos anschließen könnte. Die MICHI-Komponenten sind relativ neutral abgestimmt, recht spritzig, nicht so homogen, wie man es vielleicht spontan erwarten würde. Hier muss man Liebhaber einer wirklich sehr frischen, transparenten Klangcharakteristik sein. Die sehr gute Hervorhebung von Dianas charakteristischer Stimme dürfte aber so ziemlich jedem ambitioniertem HiFi-Fan gefallen. Die Stimmkonturen sind präzise, die Loslösung der Stimme, und hier sind wir schon bei den Lautsprechern, von den Chassis gelingt hervorragend. Die B&W-Boxen entfalten eine sehr glaubwürdige Räumlichkeit, sie arbeiten sehr präzise und vervollständigen so die Auslegung der beiden Michi-Komponenten definitiv gut. Zu bemerken ist auch, dass die Instrumente sehr sauber und fein detailliert werden. Das Einzige, was nicht jedem gefallen dürfte, ein leicht harscher Einschlag ab ca. 70 – 75% des maximalen Pegels. Dann neigt Dianas ansonsten homogene und souverän dargebotene Stimme minimal zum Zischeln. Hier könnte man allerdings sicherlich durch interne Einstellungen der Vor-/Endstufenkombination diesem Phänomen etwas entgegenwirken. Man muss allerdings immer aufpassen, wenn man den Hochtonbereich zurückregelt, dann kann es eben auch passieren, dass es bei niedrigeren Pegeln es an Brillanz und Transparenz fehlt. Weiten- und Tiefenstaffelung der akustischen Darbietung sind sehr gut und auch die charismatische Herausarbeitung einzelner Instrumente gelingt der Kombination von Sound United überzeugend.
 
Bei Paul Kalkbrenners „Sky and Sand“ dokumentieren die Michi-Komponenten gleich mehrere Säulen ihres Könnens. Das erste ist gleich eine sehr authentische Wiedergabe, die manchem fast zu nüchtern sein könnte, aber sie ist sehr originalgetreu, der Bass trifft exakt den richtigen Punkt. Er hat Härte, aber nicht zu viel, er hat Volumen, aber nicht zu viel. Die bewusst verzerrte Stimme hebt sich sehr gut von der Bassline und den anderen akustischen Elementen ab. Die MICHI Kombination liefert ein sehr sorgfältig aufbereitetes Signal an die 804 D4, die auch bei der Räumlichkeit und bei der Ausbreitung der Akustik immer im Sinne einer enormen Natürlichkeit unterwegs sind. Hier wird nichts verfälscht, hier wird nichts in irgendeiner Art und Weise aufgebauscht, sondern hier wird wirklich eine möglichst exakte Reproduktion des Signals angestrebt. Das merkt man auch, dass mit enormer Sorgfalt über den gesamten Frequenzbereich gearbeitet wird, man hat ein homogenes Klangbild auf der einen Seite, aber trotzdem noch eine hervorragende Herausarbeitung kleinerer Nuancen. Der Bass hat sehr gute Struktur, für unseren Geschmack könnte er noch etwas mehr Wucht entfalten, aber das ist hier so eine Auslegung, die der anspruchsvolle, durchaus an einer analytischen Details interessierte HiFi-Fan bevorzugen könnte. Der Tiefgang ist nicht besonders stark ausgeprägt. 
 
Der nächste Titel ist Vivo per Lei von Andrea Bocelli und Georgina Rodriguez. Hier muss man sagen, für uns eine richtig gute Leistung. Sowohl die Stimme von Andrea als auch die von Georgina wirken sehr lebendig, in sich sehr facettenreich. Das Timbre, also die Stimmfarbe, wird super getroffen und auch die räumliche Ausbreitung der Stimme ist wirklich super. Also hier haben sowohl die 804 D4 als auch die MICHI-Kombination ihren Anteil daran. Die 804 schafft erneut ein homogenes und räumlich echt wirkendes Klangbild, das ist also das eigentliche, was hier an dieser Box wirklich außergewöhnlich ist. Es ist eine sehr auf Klarheit und Natürlichkeit ausgelegte Klangreproduktion. Hier soll genau das gehört werden, was die Quelle hergibt. Hätten wir in dieser Form gar nicht erwartet, da wird keine Schönfärberei betrieben, hier ist kompromisslose Ehrlichkeit da. Auch die Michi-Komponenten tragen ihren Anteil dazu bei, die wirklich nah am klassischen HIFI-Ideal sind, von ihrer Konstruktion her und demnach auch ihrer Akustik. Das wurde neutral ausgelegt, das wurde dynamisch ausgelegt, das wurde auf Klarheit ausgelegt, auf Transparenz, aber ohne schmückendes Beiwerk. Daher passt diese Kette auch so gut zusammen und macht auch so wie sie nun hier zusammengestellt ist auch durchaus Sinn, so zumindest nach den ersten Checks.
 
Wenn wir jetzt hier den Schritt wagen und zum Konkurrenzvergleich übergehen, so können wir jetzt auch verschiedene Feststellungen, beispielsweise lautsprechertechnisch, treffen. Wenden wir der KEF Reference-Serie zu, der Top-Serie „Made in England“ von KEF – außerhalb natürlich dieser extrem teuren Blade und Muon-Linien. Die Reference 5 Meta, das aktuelle Top-Standautsprecher-Modell der Baureihe, spielt weicher, sie spielt verbindlicher. Sie hat nicht dieses kompromisslos Nüchterne, was gerade Anhänger des klassischen HiFi-Ideals schätzen. Die KEF macht einen Bass mit mehr Volumen, der aber trotzdem präzise ist. Aber dieses klinische, dieses wirklich Schnörkellose ist der KEF jetzt im Vergleich zur 804 D4 nicht eigen - bewusst nicht, denn in Maidstone/GB im KEF-Mutterhaus versteht man eine Menge davon, Lautsprecher zu bauen, die akustisch fesseln und durchs intensive Spiel begeistern. Wir sind Freunde der KEF-Abstimmung, müssen wir tatsächlich sagen, wir finden sie sehr alltagstauglich und trotzdem wird fein und weich detailliert, aber das ist schlicht Geschmackssache. Das sind hier keine objektiven Fakten.

Hier macht die Auslegung der 804 D4 Sinn, die man natürlich auch immer im Kontext sehen muss. Nämlich im Kontext zu dieser Michi-Kombination. Wenn man natürlich die B&W-Box an eine anders, wie auch immer geartete Elektronik mit anderer Auslegung betreibt, dürften diese Eigenschaften auch nicht in demselben Maße zutage treten, wie es letzten Endes hier der Fall ist. Wir können hier auch nochmal einen Vergleich zu einem ganz lange zuvor getesteten Kandidaten, nämlich der Dali Epicon 2 Regalbox ziehen. Auch die Epicon, mit ihren Dali-typischen Holzfaser-Chassis spielt verbindlicher auf, man merkt aber auch, dass die 804 D4 als Standbox natürlich mehr Volumen hat, aber auch im Hochtonbereich Details noch sauberer präsentiert. Gut, das liegt daran auch, dass die 800er Serie im letzten Jahr präsentiert wurde. Die Ursprünge der Epicon reichen bis ins Jahr 2012 zurück. Da wird es auch Zeit für einen Nachfolger und wir mutmaßen, dass dieser auch in der nächsten Zeit auf den Markt kommen wird. Man sieht also, die 804 hat es mit einem sehr sehr harten Konkurrenzumfeld zu tun. Wir können hier auch die Canton Reference 3K anführen. Diese spielt auch ungemein direkt, sie spielt auch mit einer hervorragenden Auflösung über den gesamten Frequenzbereich. Sie ist natürlich vom Gehäusevolumen beachtlich und auch vom Formfaktor jetzt im Vergleich zum schlank auftretenden B&W-Lautsprecher.

Dadurch hat die Canton auch einen ganz anderen Tiefgang, Gehäusevolumen ist letzten Endes eben durch nichts zu ersetzen. Sie hat eine ganz andere Durchsetzungskraft, gerade auch bei hohem Pegel. Wir könnten uns hier vorstellen, dass da auch die Michi-Kombination die treibende Kraft sein könnte. Die Canton hat auch eine Kalotte im Hochtonbereich, macht einen sehr sehr schönen Hochtonbereich, spielt aber auch verbindlicher und vielleicht nicht ganz so frisch wie die 804. So kennt man Bowers & Wilkins nicht unbedingt, hier hat sich also wirklich einiges im direkten Vergleich getan. Hier muss man sagen, hat sich Bowers & Wilkins sehr viel Mühe gegeben bei der Abstimmung der Höhen, hier wird sehr sehr viel Transparenz entwickelt. Das soll jetzt nicht heißen, dass die Hochtöner, gerade in der 800er Serie, bisher schlecht waren, das ganz und gar nicht. Aber hier ist schon viel mehr an Transparenz und Auflösungsvermögen und vor allem an kompromissloser Authentizität hinzugekommen.
 
So, nun wollen wir mal mehr zum Thema Bassfestigkeit und zur Pegelfreude verfassen und haben zu diesem Zweck von Adan Hüjens „The Middle of Nowhere“ gehört, ein sehr basslastiger und wuchtiger Track. Die Michi-Komponenten liefern hier eine sehr reine, sehr klare Leistung und treiben die Bowers & Wilkins-Lautsprecher nahezu zur Verzweiflung. Es ist gar kein Problem und da muss sich die Michi Endstufe nicht einmal richtig anstrengen, hier ist das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht. Wir tippen sogar, dass man hier jede 800er Box mit dieser brachialen Endstufe antreiben kann. Also hier wirklich Respekt, klasse! Die Michi-Komponenten schaffen es auch wieder, den 804 ein sehr homogenes Signal zuzuspielen, sehr gut verteilt mit einer sehr ausgeprägten räumlichen Abbildung, sowohl was die Tiefe als auch die Weite betrifft. Man merkt auch, die B&W sträuben sich so generell ein wenig gegen den Musikstil, während die Michi-Komponenten hier richtig Feuer geben. Wenn wir hier jetzt z.B. an eine große Canton Reference 3 K denken, die sind da ganz anders ausgelegt. Wenn wir eine hoch belastbare, räumlich extrem dicht aufspielende Nubert nuPyramide 717 hinzunehmen, ist auch diese noch mehr auf maximale Dynamik und maximalen Vortrieb ausgelegt. Klar, die große Pyramide aus dem Schwabenland ist auch von gänzlich anderer Statur, aber Freude beim Hören bringt sie ohne Ende, bei jedem Musikstil. Die 804 D4, wir sagen es mal so, hat ein eher feineres Aroma, so dass hier nicht die hohen Pegel die Domäne sind, sondern ein extrem hohes Maß an Natürlichkeit, gleichmäßige klangliche Ausbreitung und auch eine ausgeprägte Neutralität. 
 
Fetzig geht es in anderem Stil weiter. Wir haben jetzt hier „Self Esteem“ von The Offspring sowie „Temple of Love“ von den Sisters of Mercy in der Maxi-Version. Wir sagen es einmal so: Wenn man gemäßigt bis etwas laut hört, ist es wirklich erstaunlich gut, was hier geboten wird. Mit ordentlicher Substanz, die aber immer echt und authentisch wirkt, mit einer sehr guten Gesamtdynamik, selbst bei der alten 1983er Version der Sisters of Mercy, sammelt die hochpreisige Kette Punkte. Die frische Auslegung, die erstaunlich gute Auflösung, selbst bei diesem Quellmaterial und auch bei Self Esteem werden die teils deutlichen Dynamiksprünge sehr gut zum Ausdruck gebracht. Die Michi-Kombination liefert ein weiteres Mal üppig Leistung an und hier merkt man dann doch, dass die B&W 804 D4 schlichtweg nicht die richtigen Boxen für dauerhaft hohe Pegel sind. Das ist wirklich nicht ihre Domäne. Sie ist mehr auf Feingefühl, mehr auf die bereits zigfach erwähnte authentische und natürliche Spielweise fokussiert und wir denken eben auch, dass dies ein Lautsprecher ist, der sich bei Klassik, bei Jazz, auch noch bei Pop am wohlsten fühlt. Das muss man definitiv sagen, auch Blues, sowas geht alles. Wenn es schnell und sehr basslastig wird, mit harten Gitarrenriffs, etc. pp., dafür ist es nicht der optimale Lautsprecher. Da gibt es Alternativen, die für diese Art von Musik einfach besser geeignet sind.
 
Nochmal etwas Klassisches aus „Rigoletto“ 3. Akt, von den drei Tenören dargeboten im Jahr 1994. Hier zeigt sich, dass solche musikalischen Aufgaben genau die Domäne der 804 D4 sind. Die Abbildung der Stimmen der Sänger, auch die jeweiligen unterschiedlichen Ausprägungen kommen wirklich richtig überzeugend heraus. Auch räumlich eine glaubwürdige und detailreiche Sache mit schöner Staffelung der einzelnen musikalischen Ebenen. Hier kann die 804 D4 die ehrliche, direkte Spielweise mit ausgekleidetem Hochtonbereich sehr sehr gut zum Ausdruck bringen. Die MICHI Endstufe liefert Leistung satt und bleibt kultiviert, doe Vorstufe bereitet das Signal akkurat auf. Insgesamt erscheint alles sehr schnörkellos und geradlinig.

Fazit

Während uns die "kleine Kombination" aus Rotel Michi X3 und der B&W 805D4 sehr gut gefiel, müssen wir hier im Test differenzieren. Die Rotel Michi Vor-/Endstufenkombination spielt detailreich und kraftvoll, zugleich recht nüchtern auf - letzeres muss man mögen, wer auf absolut schnörkellosen Sound steht, liegt bei den Michi-Komponenten, die toll aussehen und fabelhaft verarbeitet sowie praxisgerecht ausgestattet sind, goldrichtig.

Kraftvolle, top verarbeitete Stereo-Vor-/Endstufenkombination mit detailreichem Klang

Vor-/Endstufenkombination Luxusklasse
Test 19. Dezember 2022

804 D4 (links)

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Nicht ganz glücklich hingegen werden wir mit der B&W 804 D4. Zum teuren Preis wird hier eine optisch bildschöne Box mit hochwertiger Materialqualität geboten, die aber akustisch nicht auf ganzer Linie überzeugen kann. Zu gering ist die Pegelfestigkeit und zu wenig Faszinationspotential bietet der Klang. Natürlich, das Auflösungsvermögen über den gesamten Frequenzbereich ist tadellos, und auch die Übergänge zwischen den einzelnen Frequenzbereichen gelingen überzeugend. Aber das etwas fade auftretende Bassbereich und der lediglich durchschnittliche Tiefgang verhindern hier ein besseres Ergebnis.

Optisch bildschöner Standlautsprecher mit sauberem Auflösungsvermügen und hoher Materialqualität

Standlautsprecher Luxusklasse
Test 19. Dezember 2022

 

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Philipp Kind, Carsten Rampacher
Redaktion: Philipp Kind
Datum: 19. Dezember 2022

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