XXL-TEST: Marantz Cinema 30 - Äußerst hochwertiger Elfkanal-AV-Verstärker mit erstklassiger Ausstattung
Klang
Unsere Erwartungen an ein Marantz AV-Verstärker-Spitzenmodell waren verständlicherweise hoch - kann unser Testkandidat all unsere Vorstellungen erfüllen?
Wir sind im Filmtonbetrieb wirklich überrascht, was daran liegt, wie kulitiviert und zugleich lebendig der Cinema 30 den Klang in unserern Hörraum trägt. Gut, das konnten und können andere Marantz und auch Denon AV-Verstärker, auch deutlich günstigere, auch, daher bedarf es weiterer Erläuterungen. Beim großen Cinema 30 läuft schlichtweg alles entspannter, souveräner ab. Bedingt durch die Kombination aus monolithischem Endstufen-Layout, den extrem hochwertigen Leistungstransistoren sowie den Elektrolyt-Kondensatoren mit großer Fassungskapazität - und nicht zuletzt wegen dem großen Ringkern-Transformator - gelingen Dynamiksprünge ebenso gut wie die Herausarbeitung subtiler räumlicher Details mit exzellenter Differenzierung einzelner Effekte oder Instrumente.
Der Cinema 30 behält auch bei hohem Pegel noch die Übersicht auch bei komplexen akustischen Strukturen. Das gilt auch für komplexe Klangkulissen, in bei denen wir dem AV-Verstärker mit unserem 7.1.4-Setup einiges abverlangen. Geräusche, die im Hintergrund stattfinden, bindet er treffsicher mit ein, ohne sie aber zu deutlich zu betonen. Merkmal des Marantz AV-Verstärkers ist auch die Fähgkeit, ein hohes Maß an klanglicher Homogenität zu erzeugen. Daher erscheint das Klangbild wie aus einem Guss, und selbst bei der Ausnutzung sämtlicher Kanäle, bietet jeder einzelne Channel mehr als genug Reserven auch bei plötzlich massiver Dynamiksteigerung.
Somit ist es die Endstufensektion, die uns enorm überzeugt, was die Flexibilität und die Leistungsfähigkeit der Vorstufe jetzt nicht schmälern soll. Dass sie hochwertig bestückt ist und jedes 3D-Audioformat zuverlässig sowie präzise decodiert, steht außer Frage. Aber die entschlossen und nachdrücklich, aber ebenso geschmeidig und musikalisch aufspielende Endstufensektion hat uns schon überrascht, und fest steht, dass auch durchaus leistungsintensive Lautsprecher-Kombinationen mit dem Cinema 30 angetrieben werden können. Bei "Barbie" präsentiert uns der Cinema 30 eine sehr immersive und glaubhafte Kulisse mit herausragendem Rundumklang. Effekte werden schnell umgesetzt und insbesondere die Ganzheitlichkeit und Geschlossenheit der 3D-Audio-Umgebung begeistert und hilft, sich mitten im Geschehen zu fühlen. Wer auf Audyssey setzt, wird keinesfalls enttäuscht sein. Weiterhin klare, offene Höhen, exzellente Stimmabildung und ein kraftvolles Fundament ist stets gegeben. In einem akustisch optimierten Raum erfährt man ohne das Audyssey-Equalizing noch etwas mehr Transparenz und Durchhörbarkeit der Höhen und Mitten und direktional eindeutiger zuortbare Klangeffekte. Insgesamt nimmt sich aber beides nicht viel und im Wohnzimmer wird sich die Audyssey-Einmessung sehr wahrscheinlich auszahlen.
In Actionfilmen, aber ebenso in eher dialogbetonten Movies wie Dramen oder Komödien spielt der Cinema 30 seine Tugenden voll aus. Auch diffuse räumliche Merkmale präsentiert er offensichtlich und mit weiter räumlicher Wirkung, während seine auf den Punkt kommende Stimmwiedergabe diese Fähigkeiten exzellent ergänzt. Auch bei Dolby Atmos-Inhalten, die via Dolby Digital+ bereitgestellt werden, kann er seine ausgezeichneten Fähigkeiten unter Beweis stellen. Insbesondere bei der Grob- und Feindynamik ist man bei Disc-Material stets besser bedient, die Abmischung der aktuellen Netflix-Sci-Fi-Serie "3 Body Problem" ist aber an relevanten Stellen sehr gut gelungen und genau dies setzt der Cinema 30 auch um. Direktional klar nachverfolgbare Effekte sausen quer durch den gesamten Raum, auch die Höhenebene trägt hier keinen unerheblichen Anteil zu der authentisch immersiven Kulisse bei. Der Marantz AV-Verstärker beherrscht ein erstaunlich harmonisches Zusammenspiel aller angeschlossenen Lautsprecherkomponenten, so dass ein sehr homogenes, geschlossenes und damit glaubwürdiges Effektspektakel realisiert wird. Hohe atmosphärische Dichte wird stets auch entsprechend wahrgenommen und hüllt den Zuschauer mit energischem Nachdruck ein. Dabei findet der Cinema 30 stets eine ausgewogene Balance, trägt also auch nicht zu dick auf. Kraftvoll und nachdrücklich packt er dennoch im Bedarfsfall zu und das mit einer exzellent hohen Reaktionsgeschwindigkeit. Früher musste man Marantz-Komponenten immer eine gewisse Behäbigkeit in dieser Kategorie zusprechen. Allerdings konnten wir eine Verbesserung diesbezüglich bereits bei Vorgängermodellen beobachten, so dass man hier nicht von einer vollständig neuen Ausrichtung sprechen kann. Dennoch erscheint uns der Cinema 30 hier nochmals einen Tick präziser und flinker, was sicherlich nicht nur dem audiophilen Endstufenaufbau, sondern auch der hervorragenden Signalverarbeitung mit SHARC Dual-DSP geschuldet ist.
Zurück zu den vollständig verlustfreien Tonformaten auf UHD Blu-ray kommen wir mit der DTS:X-Tonspur von Jurassic Park. Ganz gleich, ob weibliche oder männliche Stimme, grundsätzlich arbeitet der Cinema 30 nicht nur die vokalen Konturen feinfühlig heraus, sondern verleiht dem Stimmcharakter auch das nötige Charisma. Das hilft ungemein, um Filmtonspuren nicht nur zu hören, sondern auch zu erleben. Hier sehen wir auch seine große Stärke gegenüber seinen Pendants aus dem Denon-Portfolio, die teilweise natürlich einen ähnlichen inneren Aufbau mitbringen. Der Marantz Cinema 30 spielt emotionaler, musikalischer auf. Die für den Hersteller typische, leicht warme Klangfarbe kommt auch hier zum Tragen. Allerdings nicht auf Kosten der Präzision und Geschwindigkeit. Auch der Cinema 30 agiert direkt und impulstreu, bettet den Zuhörer aber stets in eine sehr homogene, angenehme, durchweg harmonische Klangsphäre.
Bei der Szene nach rund einer Stunde, in denen im Jurassic Park der Strom ausfällt und sich der T-Rex mit mächtigen Schritten ankündigt, wird es im dedizierten Heimkino hochspannend und geradezu beklemmend. Langsam, aber gewaltig nähert sich die Riesenechse. Währenddessen prasselt der Regen glaubhaft von oben auf uns herab und macht uns zum Beifahrer in den farbenfrohen ikonischen Jeeps. Die Dynamiksprünge meistert der Cinema 30, unseren bisherigen Erfahrungen entsprechend, scheinbar mühelos und die Verteilung der tiefen Frequenzen und die Ansteuerung des Subs gelingt ausgezeichnet. Das Gebrüll des Dinos geht durch Mark und Knochen und sorgt für ein emotionsgeladenes Spektakel. Spätestens als lediglich eine Glasscheibe die beiden Kinder von der Bestie trennt, fiebert man zwangsläufig mit und fühlt sich als verzweifelter Besucher des prähistorischen Abenteuerparks. Aber nicht nur bei den explosionsartigen, lauten Soundeffekten macht der Cinema 30 eine exzellente Figur. Auch leise Klanganteile werden klar erfasst und präsentiert.
Mit seinen Möglichkeiten, sehr präzise, sehr dynamisch und mit hoher räumlicher Dichte zu agieren, ist der Cinema 30 auch Musikmaterial gegenüber äußerst aufgeschlossen. Ganz gleich, ob Oper, Jazz-Stück oder Pop-Musik, immer zentriert er gekonnt die vokale Präsentation der Protagonisten, ohne jedoch die instrumentale Bestückung in den Hintergrund zu verschieben. Er balanciert sämtliche Anteile stets genau aus, was auch bei der Musikwiedergabe zu einem erwachsenen, seriösen und detailreichen Klangbild führt. Bedingt durch die nachdrücklich anschiebende Kraft der verbauten Endstufen gestaltet sich die Wiedergabe aber ebenso energiegeladen und grobdynamisch überragend. So gerüstet, kann man dem Cinema 30 nahezu jedes musikalische Material zukommen lassen. Das betrifft sowohl den Musikstil, wir haben uns unter anderem klassisch die Vier Jahreszeiten, aber auch Diana Krall's "Stop This World" und einen rasanten Punk-Track von "The Brains" angehört, als auch das Tonformat. Von Stereo 2.0 in Low-Res und Hi-Res bis hin zu Dolby Atmos-Material ist alles in guten Händen beim großen Marantz AV-Verstärker. Wer es gern effekt- und gehaltvoll mag, kann auch Auro-Matic als überragenden Surround-Upscaler nutzen und verleiht sogar Stereo-Material einen ungemein räumlichen Touch, der jedoch mit einer beinahe schon verblüffenden Glaubwürdigkeit präsentiert wird. Kaum unschöner Hall, kein Verwaschen von Stimmen, keine übertrieben-aufgeblasen wirkende Räumlichkeit, sondern ein weiter, sauber gestaffelter, fein nivellierter virtueller Raum erfreut die Ohren.
Gut, Klassik- und Jazz-Liebhaber der bodenständigen, althergebrachten Art werden die reine Stereodarstellung vermutlich trotzdem bevorzugen. Hier bietet der Cinema 30 ein hohes Potential, das dem reiner Stereoverstärker der Liga um 1.500 EUR praktisch nicht nachsteht. Besonders die realistische Bühnenpräsenz bei Gesangsdarbietungen ist hervorzugeben, aber auch die schon als filigran zu bezeichnende Herausstellung kleiner instrumentaler Details. Das ist für eine Mehrkanal-Komponente durchaus erstaunlich, im Falle des Cinema 30 aber nicht so überraschend, wie man vielleicht vermuten könnte. Denn insbesondere in diesem Bereich haben die Entwickler und Ingenieure aus Japan viel Herzblut investiert. Der AV-Bolide orientiert sich beim Aufbau und der Qualität der Komponenten an den klassischen Marantz-Stereokomponenten, und das kann man in der Praxis absolut nachvollziehen.
Konkurrenzvergleich

AVX17

AVXP1 von innen
Interessant wird der Konkurrenzvergleich. Hier führen wir nämlich zunächst eine sehr interessanre Option für Mehrkanal-Fans auf, die wenig Wert auf Streaming-Merkmale und Hightech-Einmessung legen, dafür grandiosen Klang und enorme Pegelfestigkeit schätzen. Aus dem Hause IOTAVX tritt die Vor-/Endstufen-Kombination AVX17 plus die Siebenkanal-Endstufe AVXP1 an. Wer möchte, kann auch noch eine zweite AVXP1 dazu kaufen, auch dann hält sich der Kaufpreis noch im tolerablen Rahmen. Denn: Zusammen mit zwei (!!!) AVXP1 beträgt der Kaufpreis der AVX17 aktuell 3.999 EUR, das ist wirklich ein Schnäppchen. Man muss aber ebenso klar sagen, dass sich dieses Bundle eher an den Puristen richtet. Kein komfortabler Einrichtungsassistent, keine so schönen Menüs, keine edle Fernbedienung, keinerlei Streaming-Funktionen, kein Auro-3D, kein DTS:X Pro, keine 8K-kompatiblen HDMI-Terminals: Was Ausstattung und auch die optische Noblesse sowie den Stereoklang angeht, sehen wir den Cinema 30 vorne.

Denon AVC-X6800H
Weiter geht es mit dem Denon AVC-X6800H. den es ab knapp 2.700 EUR auf dem deutschen Markt gibt. Der 11-Kanal-AV-Verstärker ist glänzend ausgestattet, Merkmale wie DTS:X Pro, IMAX Enhanced oder Auro-3D fehlen ebenso wenig wie Heos Streaming-Modul und 8K-fähige HDMI-Sektion. Die Bauteilqualität ist natürlich nicht ganz auf dem Level des Cinema 30, der z.B. über einen großen Ringkern-Transformator verfügt. Der Marantz Cinema 30 klingt noch etwas homogener, hat bei hohem Pegel noch das entscheidende Etwas mehr an Kraft, und im Stereobetrieb ersetzt er auch einen wirklich potenten Stereoverstärker. Demnach ist der Cinema 30 seinen Mehrpreis auch wirklich wert. Dass er optisch moderner und edler wirkt, ist natürlich bis zu einem gewissen Grad Geschmackssache.

Arcam AVR31
Richtig teuer wird es beim Arcam AVR31, der zudem auch "nur" 7 Endstufen mitbringt. Satte 6.000 EUR kostet das elitäre Gerät, das zwar über Auro-3D (und natürlich über DTS:X sowie Dolby Atmos und IMAX Enhanced) verfügt, nicht aber über DTS:X Pro. Dafür gibt es Dirac Live serienmäßig, und die sieben Class G-Endstufen gehören mit zum Besten, was der Markt bereithält. Klanglich ist der AVR31 eine Offenbarung, das gilt für den Mehrkanal- und für den Stereoeinsatz. Wer entsprechende finanzielle Ressourcen besitzt, kann sich zur Erweiterung noch Arcam-Endstufen besorgen, die Vorstufe im AVR31 decodiert deutlich mehr Kanäle als die sieben, die man mit der serienmäßigen Bestückung bedienen kann. Wass das Thema Streaming angeht, erweist sich der AVR31 als flexibel, alles Relevante (z.B. Chromecast und AirPlay 2) ist an Bord, und sogar noch ein DAB-Radiotuner.

NAD T778
Bleibt als eher exotische, weil nicht so häufig anzutreffende Alternative noch der NAD T778 für 3.499 EUR, der optisch mit einem großen Touch-Frontdisplay andere Wege geht. Die HDMI-Sektion ist mittlerweile etwas veraltet, zudem wird auch kein Auro-3D decodiert, aber akustisch begeisdtert der mit neun HybridDigital-Endstufen ausgestattete NAD nach wie vor mit enormer Dynamik und mit enormen Reserven. Der Marantz klingt harmonischer und runder, dafür ist die unmittelbare Kraftentfaltung des T778 nach wie vor grandios. Pluspunkt auch: Dirac Live serienmäßig dabei, ebenso das exzellente BluOS-Streaming-/Multiroom-Modul.
Fazit

Zugegeben, 4.500 EUR sind ein durchaus stattlicher Betrag. Aber der Marantz Cinema 30 beweist durch seine enorme Performance, dass er diese Summe auch absolut wert ist. Die moderne, zugleich gediegene optische Erscheinung ermöglicht dem Cinema 30 einen nahezu perfekten Start ins Testgeschehen. Im Besonderen bei diesem XXL-Verstärker kommt das von Marantz "Modern Musical Luxury" getaufte Design unserer Meinung nach extrem überzeugend heraus. Schon beinahe legendäre Marantz-Stilelemente wie das "Bullauge" gehören überdies auch beim aktuellen Design mit zum Konzept, sodass hier ein gelungener Brückenschlag zwischen Tradition und Moderne stattfindet.
Das Inneneleben sowie die Ausstattungsmerkmale des Cinema 30 überzeugen ebenfalls bis ins Detail. Erwähnenswert wären hier die selektierten Baugruppen, das durchdachte Endstufenlayout oder aber der komplett geschirmte Ringkern-Transformator sowie das Kupfer-Chassis. Komplettiert wird das Layout von hochleistungsfähigen Chips für die digitale Signalverarbeitung und von Premium-D/A-Konvertern. Mit der umfangreichen Ausstattung kann man ohne Zweifel zufrieden sein, bei den letzten Einzelheiten meldet sich jedoch leise Kritik. In der Preisklasse des Cinema 30 würden wir erwarten, dass das moderne Dirac Live Room EQ/Lautsprechereinmess-System serienmäßig verbaut und nicht optional angeboten wird. Allerdings gibt es immer wieder Aktionen von Händlern, wie wir von anderen Marantz/Denon AV-Verstärker mit der Option zum Dirac Live Upgrade wissen, dann bekommt man das Upgrade entweder besonders günstig oder umsonst dazu.
Die Anschlussbestückung erweist sich als vielseitig sowie umfangreich, und daher fehlt es an nichts. Die HDMI-Terminals entsprechen allesamt dem aktuellen Standard. Bei der Ausstattung hinzu kommen noch Merkmale wie das Heos Streaming- und Multiroom-Modul sowie der sehr praktische Assistent für die erste Einrichtung.
Klanglich sind wir absolut begeistert nach unseren zahlreichen Testreihen. Der Cinema 30 punktet mit seiner kultivierten, homogenen Akustik und kombiniert diese mit einer exzellenten räumlichen Darstellung, sowohl was die räumliche Weite, als auch was die räumliche Tiefe angeht. Ein hervorstechendes Merkmal ist zudem die charismatische Stimmwiedergabe und das erstklassige Differenzierungsvermögen. Durch den insgesamt äußerst hohen Performance-Level empfiehlt sich der große Marantz AV-Verstärker für eine Vielzahl an akustischen Aufgaben, die von der Wiedergabe klassischer Stereosignale bis zur 3D-Audiopräsentation über große Lautsprecher-Setups reicht - und dabei macht der Cinema 30 auch Anwender mit sehr hohen Ansprüchen glücklich.
Ein äußerst moderner, hochwertiger, flexibler und klangstarker AV-Verstärker, der auch durch seinen erstklassigen Aufbau glänzt

Gesamtreferenz AV-Verstärker
Test Dienstag, 17. Juli 2024
- Alle Screenshots des Einrichtungsassistenten und des neuen HD-Menüs des Marantz Cinema 30 in der Bildergalerie auf der letzten Seite!
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