XXL-TEST: 3-Wege-Druckkammer-/Bassreflex-Box Quadral Aurum Titan 9 mit quSENSE-Bändchen – akustische Optimal-Performance aus Hannover?

Aurum Titan R9 Gruppenbild

Test wurde durchgeführt in Kooperation mit HIFI-REGLER

Nun bei uns zum Test eingetroffen ist die aktuelle Titan 9, die dem Publikum erstmals auf der High End 2016 in München vorgestellt wurde. Der Paarpreis beträgt im echten Piano-Finish 15.000 EUR/Paar und in Individual-Ausführung (RAL-Farbpalette) 16.000 EUR/Paar. Dafür bekommt man eine 145 cm hohe, 32 cm breite und 51 cm tiefe Box, die mit 83 kg/pro Lautsprecher kein „Leichtgewicht“ ist.

Aurum Titan R9 Tieftoener

Zwei 265 mm Basstreiber

Wie wir es von Titanen gewohnt sind, haben wir eine äußerst stattliche Box vor uns, die auch das Druckkammer-Bassreflex-Prinzip, das auch schon die Vorläufer hatten, beibehält. Quadral verspricht sich davon gleichermaßen präzise wie druckvolle Bässe und einen ausgezeichneten Tiefgang. Zwei große Tieftöner treffen dabei vorne auf eine Druckkammer und hinten auf ein Bassreflex-Volumen.

Aurum Titan R9 Hocjtoener

quSENSE-Bändchen

Ansonsten ist vieles neu, wie der von Quadral in Hannover selbst gebaute Bändchenhochtöner namens „quSENSE“. Bändchenhochtöner sind ein traditionelles Merkmal von Quadral Aurum-Lautsprechern, neu ist allerdings, dass die Produktion des quSENSE-Bändchens nun in Hannover vonstatten geht.

Quadral verspricht sich von dieser In-House Produktion den Vorzug lediglich minimaler Fertigungstoleranzen, da es bei einem Bändchen sehr stark auf höchste Präzision bei der Herstellung ankommt. Ein Bändchenhochtöner hat den Vorzug des extrem geringen Gewichts der gesamten Konstruktion. Das hat eine enorme, praktisch unschlagbare Impulstreue auch bei sehr kleinen und kurzen Impulsen zur Folge. Allerdings stellt die Technologie, wie schon erwähnt, höchste Anforderungen an Konzeption, Realisierung und Fertigung, und auch an die Materialauswahl.

Aurum Titan R9 Mitteltoener

Einer der beiden Mitteltöner

Quadral setzt, neben dem Bändchen, auf zwei 180 mm Mittel- und zwei 265 mm Tieftöner. Die großen Langhub-Chassis lenken auch bei hohem Pegel noch linear aus und es kommt nicht zu den gefürchteten Partialschwingungen. Die gigantischen Tieftöner sind, wie wir es gewohnt sind, auch bei der 9 wieder „hinter Gitter“. Es handelt sich dabei um Stoff-Streben, ähnlich wie man es von gewissen Baureihen von Sonus Faber, die dieses gestalterische Merkmal für ein gesamtes Lautsprechergitter verwenden, und hinter diesen Streben befinden sich die großformatigen Langhub-Basstreiber. Die Mittelton-Chassis und der quSENSE-Hochtöner sind in D’Appolito-Anordung auf der Schallwand zu finden, das heißt, die beiden Mitteltöner schließen den Hochtöner ein. Man setzt auf dieses Prinzip, um die Belastungswerte zu optimieren, und um die zur Verfügung stehende Membranfläche optimal zu nutzen.

Als Membran-Material kommt nach wie vor ALTIMA zum Einsatz. „ALTIMA“ steht für „Aluminium, Titan, Magnesium“ und bezeichnet die Materialien, aus denen die enorm leichte und belastbare Membran besteht. Neu ist das Layout ohne Dustcap. Hinzu kommen besonders leistungsstarke, neu entwickelte Schwingspulen, die höchste Souveränität auch bei hohem Pegel garantieren. Klar, dass Quadral bei der Titan 9 auch auf außerordentlich leistungsstarke Magnet-Systeme setzt.

Aurum Titan R9 Detail Standfuss

Hochwertiger Sockel

Das trapezförmige Gehäuse besteht aus MDF/HDF und weist eine extrem dicke Wandstärke auf. Optimale Resonanzarmut sowie Stabilität sind die Vorzüge in der Praxis. Im Inneren der 9 stößt man auf massive Verstrebungen und gedämmte Flächen. Hinter dem Mitteltöner befindet sich bei der Titan im Keil im Inneren des soliden Gehäuses. Dadurch wird der Schall nach hinten absorbiert. Zusätzlich ist zwischen den Metallplatten der Füße des neu konstruierten, massiven Sockels Dämmmaterial untergebracht – so ist die Entkopplung vom Boden, wichtig für die klangliche Reinheit, nochmals verbessert worden.

Aurum Titan R9 Anschlussfeld

Klangzahlschalter am Anschlussterminal

Wir kennen schon z.B. von Nubert verschiedene Möglichkeiten zur Anpassung der Klangcharakteristik des Lautsprechers an den Hörraum oder/und an die Hörgewohnheiten des Anwenders. Bei der 9 offeriert Quadral nun ebenfalls drei Kippschalter, die, wie üblich, hinten bei den extrem hochwertigen Bi-Wiring-Schraubterminals untergebracht sind (mit Acrylglas-Ummantelung).

Die Schraubterminals und die soliden Metall-Kippschalter zur Anpassung ruhen auf einer fest und exakt verschraubten Metallplatte. Hinter den weiteren, zahlreiche Schrauben auf der Rückseite der Titan befindet sich die aus ausgesuchten, langzeitstabilen Bauteilen aufgebaute Frequenzweiche. Zurück zu den Schaltern. Im Bass-Bereich kann man die neutrale Schalter-Position verwenden oder ein Plus an Basskraft erzeugen. Im Mitteltonbereich kann ebenso wie im Hochtonbereich entweder eine Absenkung, eine neutrale Wiedergabe oder eine Anhebung der Mittel beziehungsweise Höhen erreicht werden.

Die Quadral Aurum Titan 9 ist eine 3-Wege-Druckkammer-/Bassreflex-Konstruktion mit einer Nennbelastbarkeit von 500 und einer Musikbelastbarkeit von schier unglaublichen 900 Watt. Der Übertragungsbereich geht von extrem tiefen 18 Hz bis auf 65 kHz – somit, was auch zu erwarten war, ist das neue High Tech Bändchen auch für HiRes-Audio-Material genau der richtige Partner. 88 dB (1W/1m) beträgt der ordentliche, wenn auch nicht überdurchschnittlich hohe Wirkungsgrad. Man sollte aber auch davon ausgehen, dass der versierte Anwender den Hochleistungs-Lautsprecher ohnehin an einer entsprechend dimensionierten Stereo-Vor-/Endstufenkombination oder an einem sehr hochwertigen Stereo-Vollverstärker betreibt. Die Übergangsfrequenzen gibt Quadral mit 160 und 3.100 Hz an. Die Titan 9 ist für 4-Ohm-Verstärker ausgelegt.

Die Titan 9 überzeugt durch beste Fertigungsqualität, die in mehreren Arbeitsschritten aufgetragenen Schichten bringen im Endeffekt an der hochglänzenden Oberfläche eine hervorragende Gleichmäßigkeit und ein erstklassige Tiefenwirkung mit. Die Gehäuseecken des trapezförmigen Gehäuses sind sorgfältig gerundet. Man kann allerdings trefflich darüber streiten, ob es schön ist, dass die Schrauben für die Befestigung der Mittelton- und Hochtonchassis auf der Vorderseite sichtbar sind. Für manche mag es „technisch-cool“ aussehen, während andere unsichtbare Befestigungselemente vorziehen würden. Das würde auch besser zum eleganten Unibody-Gehäuse der 9 passen. Magnetisch haftende Lautsprecherschutzgitter sind im Lieferumfang enthalten.

Aurum Titan R9 Detail Frontplatte

Edel gemacht: Metallplatte mit Modell-Bezeichnung

Besonderes optisches Merkmal ist die vorn auf der Lautsprecher-Oberseite eingefügte Metall-Leiste mit dem „Quadral Titan“ Schriftzug. Das sieht besonders edel und hochwertig aus

Klang

Aurum Titan R9 Testaufbau

Setup mit T+A Equipment aus der HV-Serie

Wir beginnen mit zwei „klassischen“ Beispiel von CD, beide Musikstücke sind von Ludwig van Beethoven. Das erste Allegro con brio entstammt der Symphonie Nummer 5, Opus 67. Es handelt sich hier hierbei um eine wunderschöne Aufnahme der Wiener Philharmoniker unter dem legendärem Dirigenten Carlos Kleiber.

Auffällig bezüglich der Wiedergabecharakteristik der neuen Titan 9 ist, dass die Trennschärfe zwischen denn einzelnen musikalischen Elementen deutlich zugenommen hat. Das heißt, musikalische Ebenen sind sehr sauber voneinander zu differenzieren. Die räumliche Weite der gesamten Vorstellung ist sehr gut, was allerdings auch aufgrund der Größe der Titan 9 nicht allzu verwunderlich ist. Der neu Hochtöner bietet eine sehr gute Räumlichkeit, noch mehr Transparenz im Vergleich zum Vorgänger und eine für ein Bändchen typische enorme Impulstreue. Auch sehr kurze instrumentale Einsätze werden demnach vom Timing her exzellent zum Ausdruck gebracht. Ausgezeichnet gelöst hat Quadral das kritische Thema der Anpassung des Bändchenhochtöners an den Mitteltöner. Man hat den Eindruck eines sehr homogenen Übergangs vom Hoch- in den Mitteltonbereich. Unten herum sorgt die Doppelbass-Bestückung für ein ausgesprochen solides Fundament, das sich aber nie unschön in den Vordergrund schiebt.

Problem bei großen Basstreibern, wie sie in der 9 verbaut sind, ist oftmals, dass zwar ein massiver Nachdruck und auch ein toller Tiefgang gewährleistet werden, allerdings hapert es dafür beim Thema präzise Darstellung kleiner, kurzer trockener Bassimpulse. Hier allerdings leistet sich die R9 keinerlei Fehler, im Gegenteil: Auch kurze Bassimpulse werden exakt herausmodelliert. Insgesamt schafft es die 9, eine ausgesprochen gute akustische Gesamt-Atmosphäre aufkommen zu lassen.

Wenden wir uns dem nächsten Beispiel zu – diesmal aus der legendären neunten Symphonie von Ludwig van Beethoven, „Ode an die Freude“. Die Symphonie in D-Moll, Opus 129, bietet ein wunderschönes erstes Allegro, das weltweit bekannt ist. Die Titan managt mit ihrer Antrittsschnelligkeit und ihren enormen Reserven alle Dynamiksprünge souverän. Immer ist die Darstellung authentisch und klar, niemals vordergründig oder überzogen. Die 9 klingt knackiger, natürlicher als die Titan VIII, ohne dass der Klang jemals zu harsch oder überspitzt wäre. Nein, die Hannoveraner haben mehr Lebendigkeit durch höhere Impulstreue und eine frischere Auslegung realisiert, ohne das für die Titan typische angenehm homogene Klangbild einzuschränken. Die räumliche Weite ist auch hier wieder ausgesprochen gut. Die Lautsprecher stellen stets eine fundierte, sorgfältig arrangierte virtuelle Bühne zur Verfügung. Praktisch jeder einzelne Instrumentalist des Orchesters ist exakt auszumachen.

Nun widmen wir uns Eva Cassidy und dem Song „Ain’t No Sunshine“. Hier beweist uns die Titan, dass auch die Stimmwiedergabe in enorm detailreicher Ausprägung eine große Stärke ist. Evas Stimme kommt außergewöhnlich sauber sowie facettenreich zum Ausdruck. Besonders gut gefällt uns, wie gekonnt sich die vokale Abbildung von den Chassis löst. Schließt man die Augen und lauscht, so bekommt man die nahezu perfekte Illusion, dass die Sängerin auf einer großen, aber genau definierten Bühne direkt im Hörraum steht – der im Übrigen auch gern knapp 50 Quadratmeter groß sein kann, die Titan 9 managt dies, eine leistungsstarke Zuspielung vorausgesetzt, ohne Schwierigkeiten und mit makelloser Gelassenheit. Die Trennung der vokalen von den instrumentalen Elementen gelingt bis in die hinterste musikalische Ebene erstklassig. Auch die Wiedergabe kurzer, trockener Impulse im Bassbereich gelingt ausgezeichnet. Mit der außergewöhnlich hochwertigen Zuspielung durch den T+A Vollverstärker PA 3000 HV (11.900 EUR) und dem T+A Multi Source Player MP 3000 HV (9.700 EUR) hat die Titan keine Berührungsängste. Die auf höchste Neutralität getrimmten T+A High End Komponenten sind dafür verantwortlich, dass die Titan all ihre Qualitäten optimal ausspielen kann.

Wolfgang Amadeus Mozart, KV 218, Violinenkonzert Nr.4, erstes Allegro, Marianne Thorsen + Trondheim Solistene, Flac 96/24: Jetzt überprüfen wir, wie gut die Titan 9 mit High Resolution Audio-Files im Flac-Format zurechtkommt. Die hochwertige Aufnahme kann vom T+A MP 3000 HV exzellent aufbereitet werden. Mit feiner Auflösung und einer tollen Raumwirkung zeigt uns der quSENSE-Hochtöner einen erstaunlich deutlichen Fortschritt gegenüber dem Vorgänger-Bändchen in der Titan VIII auf. Mehr Luftigkeit, eine höhere Detailtreue und vor allem aus horizontaler Sicht ein größerer Abstrahlwinkel sind hier hervorzuheben. Wer die neue Titan nicht kennt, wird schon begeistert sein, was die Titan VIII im Hochtonbereich leistet, hört man dann jedoch die 9, so wird eine weitere Tür auf dem Weg zur perfekten Aufbereitung des Hochtonbereiches aufgestoßen. Brillant zu sein, ohne jemals schrill oder zu prägnant zu agieren: Das ist das quSENSE-Geheimnis. Daher ist die Begeisterung gerade bei der Präsentation der Violinen-Soli groß: Sie klingen sehr differenziert und weisen eine sehr gut dosierte Strahlkraft auf. Die räumliche Wirkung ist fabelhaft. Mit viel Nachdruck kommen die orchestralen Gesamteinsätze heraus, der Bass brilliert mit erstklassiger Präzision und einem über alle Maßen realistischen Volumen.

Weiter geht es mit einer Flac 96/24-Datei. Till Brönners „The Good Life“ steht auf dem Programm. Das elegant-beschwingte, relaxte Jazz-Stück des bekannten Trompeters liegt den Titan ganz besonders gut, und offensichtlich auch den edlen T+A Komponenten, die für die detailreiche, nahezu perfekte Zuspielung sorgen. So gut haben wir dieses Stück bislang noch nicht gehört, man könnte beinahe annehmen, Till Brönner würde persönlich im Hörraum mit seinem Instrument auftreten. Die unglaubliche Kontrolle und auch die Durchsetzungskraft im Bassbereich zeichnet die Titan ebenso aus, wie die sehr vielschichtige Darstellung der Trompete, über alle Maßen plastisch und filigran. Transparenz und Klarheit des Bändchenhochtöners überzeugen einmal mehr. Die Mitten gliedern sich harmonisch ein. Bislang haben wir wenig Worte zur Güte der beiden 180 mm ALTIMA Membranen für die Präsenztonwiedergabe verloren – zu Unrecht. Mit einer ausgesprochen klar strukturierten, nuancenreichen Präsentation der Mitten sorgen die beiden Treiber für weitere positive Schlagzeilen. Insgesamt eine charismatische, atmosphärisch dichte, räumliche Vorstellung, die zeigt, das herausragendes Stereo-Equipment räumlich extrem authentisch darstellen kann und somit einer nicht optimalen Mehrkanal-Lösung auf jeden Fall vorzuziehen ist.

In Flac 48/24 liegt Diana Kralls Adaption des Klassikers „Desperado“ vor. Erneut macht sich die Titan einen Namen als Meister der authentischen Stimmwiedergabe. Der rauchige Einschlag in Dianas Stimme, das leicht Melancholische des Songs arbeitet der Hannoveraner Spitzen-Lautsprecher in aller erforderlichen Deutlichkeit heraus. Die Stimme brilliert durch den feinen Aufbau bis ins Detail und durch die hervorragende Loslösung vom Lautsprecher. Die Stimme baut sich regelrecht vor dem Zuhörer auf, der sich dadurch aus räumlicher Sicht voll ins musikalische Geschehen einbezogen fühlt. Dies belegt eindrucksvoll, dass die Titan 9, was die Räumlichkeit angeht, auch bei diesem Beispiel Bestmarken setzt. Der gesamte Aufbau, auch der der instrumentalen Anteile, erscheint ungemein plastisch. Nie wird der „Pfad der Präzision“ verlassen, und die Bühne ist in allen Dimensionen stets auszumachen.

Es folgt mit Mark Knopflers „Basil“ aus dem Album „Tracker“ ein Titel in Flac 192/24, also in besonders hoher Auflösung. Die 9 bekommt ein höchst sauber aufbereitetes Signal von der T+A Kette sozusagen „auf dem Silbertablett serviert“ und holen daraus eine sehr wohldosierte, feindynamisch exquisite Aufbereitung von Marks Stimme. Wiederum scheint Mark selbst im Hörraum zu stehen, so exakt ist das Volumen bemessen, und auch der Aufbau der Stimme ist grandios. Die Loslösung von den Lautsprecher-Chassis gelingt ein weiteres Mal vorzüglich. Die akustische Gitarre klingt sehr frisch, gleichzeitig aber angenehm, und gliedert sich nahtlos in die gesamte Klangcharakteristik ein. Die 9 schafft es ausgezeichnet, die charismatischen Merkmale von Musikstücken differenziert herauszustellen.

Bei „Nessun Dorma“, der weltberühmten Arie aus Puccinis „Turandot“, bei uns von Star-Tenor Jonas Kaufmann gesungen und in Flac 96/24 vorliegend, bestätigt die Titan 9 ihre ungemein hoch liegenden Talente bei der Stimmwiedergabe. So vielschichtig und so akkurat ausbalanciert haben wir Kaufmanns faszinierende Stimme nur selten wahrnehmen dürfen. Das gesamte, sehr große Spektrum gibt die Titan 9 gelungen wieder, auch der Chorgesang, der oftmals zu weit in den Hintergrund gerückt wird, wird mit sehr genauer, absolut stimmiger Betonung herausgearbeitet.

Konkurrenzvergleich

KEF Reference 5 Gruppenbild

Wenden wir uns nun dem Konkurrenzvergleich zu. Ein besonders harter Konkurrent ist die pro Stück knapp 7.500 EUR kostende KEF Reference 5. Optisch kommt sie extravaganter und noch eine Idee schicker daher. Wir sagen bewusst nicht „hochwertiger“, denn da lässt sich die 9 nichts vormachen. Gerade in der weißen Gehäuseausführung mit gezielten eisblauen Akzenten sieht die Reference 5 moderner aus und passt daher besonders gut in ein entsprechendes Wohn-Ambiente. Natürlich sind, wie bei der 9 auch, noch zahlreiche andere Ausführungen lieferbar. Großer Vorteil ist die absolut herausragende Ortungsschärfe und das absolut zeitgleiche Eintreffen der Signale im Hoch- und Mitteltonbereich. Dies liegt am UNI-Q-Treiber, den KEF über Jahre immer weiter verbessert und optimiert hat. Bei diesem aufwändigen Koaxial-Chassis sitzt der Hochtöner im Zentrum des Mitteltöners. Starke Magnete und extrem leichte, gleichzeitig steife Membrane sind für eine enorme Impulstreue verantwortlich. Der KEF Hochtöner agiert ungemein exakt und feindynamisch extrem gut, die luftige, leichte Räumlichkeit des quSENSE Bändchens wird aber nicht ganz erreicht. Dafür ist das Timing bei der Wiedergabe des Hoch- und Mitteltonbereiches bei der KEF noch eine Idee exakter. In der Reference 5 ist der derzeit beste UNI-Q-Treiber installiert. Feinst umrissene Mitten sind eine Spezialität der Reference 5, die Titan 9 hält aber mit noch ausgeprägterem Tiefgang und noch mehr Volumen im Bassbereich dagegen – zwei echte „Masterpieces“ unter sich. Die Entscheidung für eine der beiden Licht-Gestalten ist daher individueller Natur, Höchstleistung erbringen beide – nur eben jeweils auf eine spezielle, unverwechselbare Art und Weise.

Elac FS 409 Gruppenbild

Deutlich preiswerter ist die herausragende Elac Standbox FS 409. Sie kostet 3.199 EUR pro Stück und somit kann man für eine Titan 9 zwei der Kieler Akustik-Talente einkaufen. In der Praxis sind beide Schallwandler das Investment voll und ganz Wert. Dank des genialen JET5 Bändchenhochtöners erweist sich die FS 409 als im Hochtonbereich extrem leistungsfähig. Das quSENSE Bändchen in der Titan 9 schafft, was auch zu erwarten war, noch mehr Räumlichkeit und Finesse im Detail. Klar, denn Elac führt mit dem JET VX-Bändchen in der 500er Serie, die preislich viel eher mit der Titan zu vergleichen ist, einen ebenfalls mit hoher Finesse agierenden Hochtöner. Umso begeisternder ist es, was die vergleichsweise preisgünstige FS 409 schon leistet. Auch der straffe und kraftvolle, sich sehr gut integrierende Bassbereich ist zu loben. Mit noch mehr Volumen, Struktur und Tiefgang beweist die 9 aber, dass sie den hohen Kaufpreis absolut Wert ist. Gerade im großen Hörraum ab 30 Quadratmeter spielt die 9 all ihre Vorzüge aus, mehr Reserven bei hohem Pegel mehr Nachdruck und noch mehr Räumlichkeit. Für ihren Kaufpreis jedoch verdient sich die FS 409 nach wie vor eine besondere Empfehlung. Für ihre Größe ist sie außergewöhnlich hoch belastbar und erfüllt souverän auch die Ansprüche erfahrener Musikliebhaber, die sich auch über das enorm gute Finish freuen können.

Canton Reference 5k Gruppenbild1

Die Canton Reference 5K hatten wir vor kurzem im Test und waren im höchsten Maße angetan von der hessischen Hightech-Box. Neutral, authentisch und lebendig – so agiert der Schallwandler. Mit zahlreichen technischen Innovationen, wie Keramik-Wolfram-Membranen für die Tief- und Mitteltonbereich, dem Keramik-Hochtöner oder aber der neu entwickelten Bassreflex-Konstruktion („Bass-Guide“) sorgt der hervorragend verarbeitete Lautsprecher für Aufsehen. Es fehlen Klangschalter wie bei der Titan 9, aber die sehr homogene Klangcharakteristik dürfte in den meisten Hörräumen und mit den meisten zuspielenden Ketten sehr gut harmonieren. Mit 3.500 EUR ist sie ebenfalls sehr fair kalkuliert und ist sehr flexibel einzusetzen. Jedes Musikmaterial wird authentisch und klar präsentiert. Im großen Hörraum allerdings zieht die Titan 9 dann unaufhaltsam davon: Mehr Volumen, mehr Nachdruck, mehr Klarheit, mehr Trennschärfe – dass der Hannoveraner Riese so deutlich teurer ist, schlägt sich eben auch klanglich nieder, was die Leistung der Reference 5 K aber nicht im mindesten schmälert. Der gigantische Hub der riesigen 265 mm Bass-Treiber der Titan setzt einfach Maßstäbe, allerdings ist die Titan 9 auch ebenso riesig wie der Name vermuten lässt, und mancher weibliche „Haushaltsvorstand“ wird aus diesem Grund der Anschaffung zumindest nicht sofort zustimmen. Das Feinperlige, Samtige des quSENSE ist auch ein weiteres Mal sehr zu loben – allerdings ist der Lobes-Hymne hinzuzufügen, dass die Canton Kalotte eine Brillanz und eine Samtigkeit erreicht, die man einem Hochtöner dieses Konstruktionsprinzips niemals zugetraut hätte.

Home Cinema Trends 2014 Quadral Titan

Lohnt es sich für Besitzer der Titan VIII, ein Upgrade auf die 9 durchzuführen? Wir würden in diesem Fall sogar erstaunlich klar antworten: „Ja!“. Mit noch größerer Strahlkraft und Sensibilität, noch mehr Transparenz im Hochtonbereich, noch klarer definierten Mitten, noch feineren, nahtloseren Übergängen zwischen Hoch- und Mitteltonbereich sowie zwischen Mittelton- und Bassbereich und einem schnelleren, räumlich feineren Bassbereich kann sie zahlreiche akustische Vorzüge für sich geltend machen.

Fazit

Aurum Titan R9 Gruppenbild

Die Titan 9, die zur Highend 2016 vorgestellt wurde, ist ein echtes Meisterwerk. Dieser Eindruck manifestiert sich gleich nach dem Auspacken. Feinste Fertigungsqualität, herausragende Lackierung, ein erstklassiges Anschlussterminal mit Klangwahlschaltern, das höchsten Ansprüchen genügt, ein enorm hochwertiger Sockel – schon hier zeigt sich der Sonderstatus der Titan. Abstriche gibt es lediglich für die sichtbare Verschraubung der beiden Mittelton- und des Hochtonchassis, die in D’Appolito-Anordung integriert sind. Akustisch wird die Titan 9 auch allerhöchsten Ansprüchen souverän gerecht. Nicht nur, dass die Pegelfestigkeit selbst im Hörraum oberhalb der 40 Quadratmeter exorbitant hoch ist, nein: Auch die gesamte akustische Harmonie liegt auf einem enormen Level. Etwas frischer abgestimmt als der Vorgänger, ist auch die aktuelle Titan 9 weit davon entfernt, akustisch jemals aggressiv oder gar schrill aufzutreten. Fein abgestufte Mitten, enorme Transparenz und Brillanz im Hochtonbereich: Gerade der Hochtonbereich zeigt die Stärke der neuen Titan eindrucksvoll auf. Es hat sich demnach gelohnt, die Fertigung des quSENSE Bändchens nach Hannover direkt in die Firma zu holen. So präsentiert sich der Hochtöner als perfekt auf die Titan 9 abgestimmt. Am anderen Ende des Frequenzspektrums, im Bassbereich, setzten die beiden leistungsstarken 265 mm Tieftöner wirkungsvoll Akzente. Bedingt durch das mit den Jahren immer weiter perfektionierte Druckkammer-/Bassreflex-Prinzip, wird ein klar strukturierter, nachdrücklicher Bass mit herausragendem Tiefgang geboten. So präsentiert sich die Titan 9 als rundherum und in jedem Detail gelungene Neukonstruktion, die die akustische Performance des Vorgängers in allen Belangen hörbar übertreffen kann.

Bestleistungen in jeder Disziplin krönen die Titan 9 zur besten Titan aller Zeiten
masterpiecelogo
Standlautsprecher Luxusklasse
Test 19. September 2016

Test: Carsten Rampacher
Bilder: Carsten Rampacher, Sven Wunderlich
Datum: 19. September 2016




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