TEST: KEF Monitor-Regallautsprecher LS50 – Technologischer und akustischer Spitzenreiter?

KEF LS50 Gruppenbild2

Für 1198 EUR Paarpreis kann man schon ein wirklich exklusives Paar Regallautsprecher erwerben – den Monitor-Lautsprecher LS50 aus dem Hause KEF, der perfekt verkörpert, für was KEF-Lautsprecher weltweit bekannt sind: Modernste, innovative Technik, sich vom Einheitsbrei klar abwendendes Design und enorme Fertigungsqualität. Wir danken HIFI-REGLER, dass sie uns sofort ein Paar dieser hochinteressanten Lautsprecher, wahlweise in weißer (ab Monatsende) oder schwarzer Hochglanzausführung mit matter Schallwand lieferbar, für einen Test zur Verfügung gestellt haben. Die KEF LS50 wurden zum 50-jährigen Firmenjubiläum präsentiert und stehen daher auch für fünf Jahrzehnte KEF-Lautsprechertechnik. 

KEF LS50 Speaker2

Der 25 mm Hochtöner aus Aluminium sitzt inmitten des 130 mm Mittel-Tieftöners mit Membran aus leistungsstarker Aluminium-Magnesium-Legierung

KEFs schon legendäre UNI-Q-Technik findet natürlich auch in der LS50 Verwendung. Hierbei sitzt ein Alu-Tweeter mit 25 mm Durchmesser inmitten eines 130 mm Hochleistungs-Tief-/Mitteltöners mit einer Membran aus einer besonders leichten Magnesium-Aluminium-Legierung. 106 dB maximaler Schalldruck können erzeugt werden, was für eine so kompakte Box eine Ansage ist: Lediglich 302 mm hoch, 200 mm breit und 278 mm tief, findet die bildschöne Konstruktion beinahe überall ihr Plätzchen. Ganz gleich, ob modernes oder eher mit antiken Möbeln eingerichtetes Wohnzimmer, Musikzimmer zeitloser Prägung oder Bibliothek im „Old English Style“ – die LS50 ist überall ein feier Eye-Catcher, der sich nie aufdrängt, aber immer präsent ist. Material- und Verarbeitungsqualität der kleinen, edlen Box überzeugen aus jeder Perspektive und auch bei genauem Hinsehen. 

KEF LS50 Seitenansicht

Extravagante Form, die überdies akustische Vorzüge durch die aus seitlicher Sicht gebogene Schallwand mitbringt

KEF LS50 Rueckseite Seitlich

Rückwärtige Ansicht mit Schraubanschlüssen sowie Bassreflexrohr

KEF LS50 Anschluesse Rueckseite

Keine Bi-Wiring-Anschlüsse, sondern normales Singe Wiring, aber hochwertig gelöst mit solidem Schraubgefühl und Acrylglasummantelung der Terminals

KEF LS50 Bassreflexrohr

 Bassreflexöffnung

Die LS50 wiegt 7,2 kg und weist eine Impedanz von 8 Ohm auf, minimal 3,2 Ohm sollten anliegen. Sie eignet sich für Verstärker mit einer Kanalleistung von 25 bis 100 Watt, hier ist aber etwas Vorsicht angebracht. Aufgrund des nicht eben sensationellen Wirkungsgrades von 85 dB (2,83 V/1m) sollte man nicht mit Einsteiger-Stereoverstärkern hantieren, sondern schon handfeste Modelle der Mittelklasse ab rund 600 EUR einsetzen. Der Frequenzgang bei -+/- 3 dB reicht von 79 Hz bis 28 kHz und bei +/- 6 dB von 47 Hz bis 45 kHz. Damit eignet sich der Lautsprecher auch für die Wiedergabe hochauflösender (HiRes) Audiodateien, die immer mehr Bedeutung am Markt haben.

Gebräuchliche Formate sind hier FLAC und auch Direct Stream Digital (DSD). Samplingraten von 88,2, 96 oder gar 192 kHz sind an der Tagesordnung. Durch vollendete Oberwellenwiedergabe sind High Resolution Audio-Dateien in der Lage, auch spezielle, besonders hochwertige Musikinstrumente wie z.B. eine Stradivari auch dementsprechend klingen zu lassen. Dazu passt das UNIQ-Chassis auch perfekt. Das in der LS50 eingesetzte Chassis setzt übrigens auf Technologien, die auch im sündhaft teuren KEF Lautsprecher-Topmodell Blade zum Einsatz kommen. Der extrem große optimale Hörbereich, den KEF in der Theorie verspricht, ist auch in der Praxis tatsächlich einer der zahlreichen Vorzüge. 

Akustisch begeistern die LS50 in einer Art und Weise, die beispielhaft ist. Die Hires-Signale wurden von einem 2014er MacBook Air plus dem Audioquest Dragonfly nebst 3,5 mm Miniklinken- auf 2 x Stereo-Cinch-Kabel bereit gestellt, als leistungsfähiger Vollverstärker diente der Advance Acoustics MAX-450. 

Bei „Parfait Armour“ (96 kHz FLAC) vom Jan Lundgren Trio ist vor allem das Volumen bestechend, das die kleinen Akustik-Experten bereitstellen. Selbst versierte Anwender wollen kaum glauben, welche Leistungsfähigkeit die beiden LS50 hier entwickeln. Dank des KEF-eigenen UNI-Q-Chassis, bei dem der Hochtöner im Zentrum des Tief-/Mitteltöners untergebracht ist, kommen getreu dem dieser Technik zugrunde liegenden Punktschallquellenprinzip alle Klanganteile zum gleichen Zeitpunkt beim Zuhörer an. Es gibt keinerlei unschöne Verzögerung, auch nicht im Bassbereich, der einen Tiefgang und gleichzeitig eine Präsenz aufweist, die exzellent ist.

Uns ist kaum eine andere Regalbox bekannt, die hier so entschlossen und versiert auftritt. Das Schlagwerk kommt mit sauberer Gewichtung heraus, und auch die anderen Instrumente sind feinfühlig aufgebaut. Das akustische Ganze wird als homogene Einheit wahrgenommen, die sich sensibel auf einem virtuellen Klangteppich verteilt, der deutlich breiter ist, als man denkt – wenn man die monitorartigen Lautsprecher betrachtet. 

„You Wind Me Up“ von Torsten Goods ist ein beschwingter Titel, der auch die LS50 zu Höchstleistungen anspornt. Hier fasziniert uns, wie gut die recht kleinen Schallwandler die Stimme von den Chassis lösen und mitten im Raum verteilen. Lebendig, charismatisch – diese Attribute füllen mittlerweile auch schon preiswertere Lautsprecher mit akustischem Leben, doch  kaum ein Lautsprecherpaar für 1.000 EUR macht dies so überzeugend wie die KEF LS50. Das Mitreißende, Schwungvolle, das diesem Stück eigen ist, bereiten die beiden kompakten Boxen so gekonnt auf, dass man einfach mit der Musik mitgeht – ohne zu überlegen oder zu analysieren, was da eigentlich gerade abgeht. Salopp gesprochen: Die LS50 macht schlichtweg an – nicht nur, dass sie hervorragend aussieht, auch ihr Spielkönnen steht der Optik in nichts nach, ganz im Gegenteil.

Ruhiger, melancholischer geht es bei „Gentle Rain“, ebenso ein FLAC 96 kHz-Stück wie die vorangehenden Klangbeispiele, zu. Das hindert die LS50 aber nicht daran, trotzdem eine akustische Präsenz aufzubieten, die man erlebt haben muss. Der Bass ist überragend – tief nach unten reichend, präzise, räumlich authentisch. Man ist geneigt, doch irgendwo den verborgenen Subwoofer zu suchen, der natürlich nicht da ist. Aber auch die Stimmwiedergabe ist von einer Güte, die mancher viel teurere Standlautsprecher nicht erzielen kann. Auch das Klavier ertönt wohltemperiert, klar, gehaltvoll. Die Anschlagdynamik der Tasten kommt tadellos heraus. Hier sind zwei richtige hochwertige Musik-Reproduzenten entstanden, wie geschaffen fürs kleinere Wohnzimmer oder für Bibliothek beziehungsweise Musikzimmer. 

Kann die LS50 auch mit anderen Musikarten gut umgehen? Das haben wir in den folgenden Testreihen ermittelt. In CD-Qualität (44,1 kHz/16-Bit) haben wir uns „Lucifer“ vom Alan Parsons Project angehört. Man kann kräftig Pegel einschenken und bekommt trotzdem keine Verzerrungen serviert. Angeschlossen an einen leistungsstarken Verstärker, schwingt sich die LS50 zu enormer Leistung auf. Der Rhythmus wird präzise wiedergegeben, die Räumlichkeit ist ausgezeichnet. Mit dynamischen Differenzen hat die Box keine Probleme, impulstreu werden größere und kleinere Dynamiksprünge gemanagt. 

Und auch bei Herbert Grönemeyers Klassiker „Was Soll das“ kann man auch bei hoher Hörlautstärke einen differenzierten, nachdrücklichen Klang genießen. Die Stimme ist charismatisch, breitet sich lebendig im Raum aus. Der straffe, genau den Punkt treffende Bass und der insgesamt vielschichtige Aufbau sind weitere Pluspunkte, die gerade zum günstigen Kaufpreis von 1.000 EUR/Paar alles andere als selbstverständlich sind. 

Nun aber holen die LS50 zum großen Schlag aus – und das bei einem Titel, bei dem es niemand erwartet hätte: „Lonelyness“ von Tomcraft ist eine klassische Techno-/Trance-Hymne und wie die beiden Regallautsprecher hier an den Start gehen, ist sensationell. Knallhart, präzise der Kickbass, weitläufig die Effektwiedergabe, sehr gut eingebunden ist die weibliche Gesangsstimme. Alle elektronischen Effekte werden blitzschnell aufgebaut und mit exaktem Timing in den Hörraum geworfen – anders kann man es gar nicht ausdrücken. Wie zielgenau und souverän die LS50 arbeitet, ist grandios. 

Auch Paul van Dyks legendärer Trance-Hit „For An Angel“ stellt die Qualitäten des KEF-Lautsprechers eindrucksvoll heraus. Erneut bringt der Bass Härte und Präzision mit, kleine Effekte kommen akkurat heraus und gehen nicht im akustischen Hintergrund unter. Präzise, feinfühlig, gleichzeitig aber mit enormer Gesamtdynamik – die LS50 bereitet ausschließlich Freude und ist für Hörräume bis knapp 25 Quadratmeter eine absolut vollwertige Lösung. Nur genug Leistung sollte der angeschlossene Verstärker mitbringen, Stereoverstärker der Einsteigerklasse sind als Zuspieler absolut ungeeignet. Wir empfehlen, in der Liga des talentierten Yamaha A-S701 zu starten, der auf 649 EUR kommt. 

Und auf welche Konkurrenz trifft die LS50? Wer sein akustisches Wunder einige Preisklasse darunter erleben möchte, greift zur erstklassigen Nubert nuLine 34. Wir reden hier über einen Paarpreis von 670 EUR, sensationell für das Gebotene, zudem man die Box auch noch mit einem ATM-Modul tunen und so z.B. die Basswiedergabe nochmals verbessern kann. Kraftvoll, pegelfest, mit toller Dynamik und sicherem Feingefühl – die sehr gut verarbeitete nuLine 34 ist außergewöhnlich gelungen. Dass die LS50 mit noch mehr Impulstreue und nochmals strafferem Bass mehr bietet, verwundert nicht, denn sie ist auch ein gutes Stück teurer – rechtfertigt dies aber auch mit guten Argumenten. 

Edel, attraktiv und preislich fair kalkuliert tritt die Canton Chrono SLS 720 mit Keramikhochtöner für brillante, feinfühlige Hochtonwiedergabe an. Der Paarpreis liegt hier bei 760 EUR und diesen Betrag ist die überragend verarbeitete und pegelfeste Konstruktion auch definitiv wert. Die LS50 rechtfertigt aber auch hier ihren Mehrpreis – Sie managt hohe Pegel noch gelassener, der Bass ist eine Idee präziser und der Klang hat noch etwas mehr räumliche Tiefe. 

Da kommt etwas Feines aus England – die Monitor Audio Silver 1 ist ein ganz toller Lautsprecher mit fairem Kaufpreis (780 EUR Paarpreis), edler Optik und einem kultivierten, dynamischen Klang. Den in sich schlüssigen, harmonischen Sound der Silver 1 werden viele lieben. Die LS50 kostet auch bei diesem Vergleich mehr – doch wie sie abgeht bei großer Lautstärke, wie satt und souverän sie spielt, zeigt, dass der Mehrpreis berechtigt ist. Das ändert nichts daran, dass die Silver 1 ein besonders empfehlenswerter Regallautsprecher ist, er stellt auch nicht so hohe Anforderungen an die Wattzahl des zuspielenden Verstärkers. 

Fazit

KEF LS50 Front Seitlich1

KEF zieht bei der LS50 alle Register, was zur Folge hat, dass wir unsere höchste Testauszeichnung herausholen müssen. Nicht immer sind es die extrem teuren Exemplare, die ein „Masterpiece“ einheimsen – das beweist die LS50 wie kaum eine andere Box, die wir in den letzten Jahren getestet haben. Nein, maximale Performance, aufwändige Konstruktion, tolle Optik und hervorragende Verarbeitung schon für einen Paarpreis von 1.000 EUR zu bieten, verdient höchsten Respekt. Die LS50 ist eine wunderschöne Box, die so leistungsstark spielt, dass manche doppelt so teure Konstruktion vor Neid erblasst. 

Mit Abstand an der Spitze – die KEF LS50 ist in ihrer Preis-und Größenklasse derzeit konkurrenzlos
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Regallautsprecher
Test 10. November 2014

+ Exzellente Grob- und Feindynamik
+ Für die geringe Gehäusegröße sensationelle Basswiedergabe
+ Enorm impulstreu
+ Überragende Räumlichkeit
+ Hervorragende Verarbeitung, innovatives Design
+ Für die Leistung günstiger Preis

– Wirkungsgrad

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 10. November 2014

 

 

 

 

 




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