TEST: Nubert Zweiwege-Regallautsprecher nuLine 34 - neue Messlatte für 335 EUR/Stück 

08.01.2013 (cr/sw)

Nubert nuLine 34 für 335 EUR/Stück

Bi-Amping-Terminals und Bassreflexöffnung hinten

Einführung

Für einen Stückpreis von 335 EUR ist Nuberts hochwertige Regalbox nuLine 34 erhältlich - wahlweise in weißem, schwarzen oder platinfarbenem Mehrschichtlack sowie in den Echtholzfurnieren Kirsche und Nussbaum. Als Nachfolger der schon beinahe legendären Modelle nuLine 30 und nuLine 32 tritt unser Testkandidat wahrhaftig kein leichtes Erbe an - doch mit neuen Lautsprecher-Chassis und etwas mehr Gehäusevolumen hat die nuLine 34 gute Chancen, die Erfolgsstory fortzuschreiben. 

Technik und Verarbeitung

Hochwertiges, Bi-Amping-fähiges Anschlussterminal

Tadelloses Finish im Detail

Aufnahmeloch für die Abdeckung

Solides, hochwertiges Metallgitter

Präzise eingepasste Bassreflexöffnung

"nuOva" Hochtöner

Ausgebaut

Tief-/Mitteltöner

ausgebaut

Frequenzweiche aus seitlicher Perspektive

Frequenzweiche von oben

Nubert-typisch präsentiert sich der Lautsprecher mit erstklassig lackierter Oberfläche und mit hochwertigen Baugruppen, deren Qualität deutlich über das übliche Niveau der Preisklasse hinaus geht – dies zeigt auch das hohe Gewicht von satten 9,5 kg deutlich. Der optischen Attraktivität zuträglich wäre nur noch ein kleiner Sockel - der sich auch bei Regallautsprechern hochwertiger Bauart mehr und mehr durchsetzt - unter dem eigentlichen Lautsprechergehäuse. Sehr schön - die nuLine 34 hat keine abgesetzte Schallwand, sondern einen nahtlosen Übergang zwischen Seitenteilen und Front, was die edle Schlichtheit des Designs wirkungsvoll unterstützt. Ferner bemerken wir akkurat verschraubte Chassis, die auf Wunsch vom soliden,  sauber lackierten und schick aussehenden mitgelieferten Metallschutzgitter gegen äußere Einflüsse geschützt werden. Das Gehäuse besteht aus 19 bis 38 mm starkem MDF-Material, im Inneren sorgen präzise berechnete Innenversteifungen und Dämmelemente für optimale Stabilität. Klangschädliche Eigenresonanzen werden auf ein Minimum reduziert. Aufgrund der Tatsache, dass es sich bei der nuLine 34 um eine Bassreflex-Konstruktion mit nach hinten gerichteter Bassreflex-Öffnung handelt, rät Nubert, einen MIndestabstand zur nächsten Wand von 3 cm einzuhalten.

Wenden wir uns weiteren technischen Einzelheiten: Der „nuOva“ Hochtöner mit speziell konstruierter Schallführung ist eine Neuentwicklung. Die Volumenkammer auf der Rückseite ist speziell bedämpft. Die akustisch optimierte Schallfront ist ovalförmig – „nomen est omen“. Vorteil dieser Formgebung: Die Kalotte kann noch weiter als bei den bisherigen, ebenfalls asymmetrischen Nubert-Hochtönern zum Rand hin untergebracht werden, wodurch sich die Kantendispersionen in axialer Richtung verringern - dadurch nehmen Klarheit und Struktur des Hochtonbereiches in erstaunlichem Maße zu. Der Tieftöner weist 18 cm Durchmesser und eine Polypropylen-Membran auf. Vorzug der Konstruktion ist die Fähigkeit, extreme Hübe souverän zu bewältigen (bis zu 24 mm), was zu enormer Dynamik und höchster Impulstreue führt. Der Gusskorb ist strömungsoptimiert, was einem reinen, störungsfreien Klang zu Gute kommt. 

Die Frequenzweiche besteht aus 23 sorgfältig aufeinander abgestimmte Bauteilen. Folienkondensatoren im Mittel- und Hochtonbereich sorgen auch für hohe Langzeitstabilität. Die tiefe Trennfrequenz von 2 kHz befreit den Tief-/Mitteltöner von höheren Frequenzen und sorgt für ein gleichmäßiges Abstrahlverhalten. Das Filternetzwerk bringt zusätzliche Schaltkreise für die Impulsoptimierung und die Frequenz- sowie Phasenkompensation mit. Eine schnell reagierende Schutzschaltung schützt Chassis und Weiche vor drohender Überlastung, nachdem die Gefahr vorüber ist, setzt sie sich eigenständig wieder zurück.  Hinten findet sich ein Schalter (brillant/neutral/sanft, Höhenschalter) zur Einstellung je nach Akustik des Hörraums. So empfiehlt es sich beispielsweise in sehr lebendigen Räumen, durchaus im Hochtonbereich mit der Einstellung „sanft“ zu arbeiten, während man im eher toten Raum auch „brillant“ ausprobieren kann. 

Technische Daten in der Übersicht

  • Bestückung: 1x Hochtöner mit 26 mm Seidengewebekalotte

  • 1x 180 mm Longstroke-Tieftöner mit Polypropylenmembran

  • Impedanz: 4 Ohm

  • Frequenzgang (± 3 dB): 48 – 23.000 Hz

  • Wirkungsgrad (1 W / 1 m): 85 dB

  • Nennbelastbarkeit: 160 Watt (nach DIN EN 60268-5, 300 Std.-Test)

  • Musikbelastbarkeit: 220 Watt

  • Absicherung: Hoch-, Tieftöner und Weiche gegen Überlastung geschützt (selbstrückstellende Sicherungen)

  • Gesamt-Abmessungen: H: 34 cm, B: 21 cm, T: 31 / 33 cm (ohne / mit Gitter)

  • Ausführungen: 
    Mehrschichtlack in Weiß mit Gitter in Weiß
    Mehrschichtlack in Schwarz mit Gitter in Schwarz
    Mehrschichtlack in Platin mit Gitter in Schwarz
    Echtholzfurnier in Kirsche mit Gitter in Schwarz
    Echtholzfurnier in Nussbaum mit Gitter in Schwarz

  • Gewicht: 9,5 kg

Testequipment
Klang

Insgesamt erweist sich die nuLine 34 als erstaunlich komplett auftretender Regallautsprecher, der hinsichtlich Räumlichkeit, Nachdruck und Pegelfestigkeit manchen teureren Standlautsprecher alt aussehen lässt. Insbesondere höchst erstaunlich ist der Tiefgang. Auch Bassimpulse, die tief nach unten reichen, werden von der nuLine 34 ausgezeichnet erfasst. Der Regallautsprecher ist auch in der Lage, viel Struktur in den Bassbereich zu bringen, das heißt, auch verschiedene, parallel stattfindende tieffrequente Ereignisse können von der nuLine 34 exzellent wiedergegeben werden. Die Schnelligkeit im Bassbereich ist vorzüglich, auch kurze, trockene Impulse werden exakt verarbeitet. Der Bass besitzt enormen Nachdruck, und er breitet sich homogen im Raum aus. Durch die vorzügliche Pegelfestigkeit ist die nuLine 34  in der Lage, zum einen hohe Lautstärken auch über mehrere Stunden zu verarbeiten, zum anderen kann die schwäbische Kompaktbox mit leistungsfähigen Verstärkern auf hohem Niveau zusammen arbeiten. Zu schwach sollte der Verstärker, der die nuLine 34 antreibt, auch nicht sein, denn ein immens hoher Wirkungsgrad gehört nicht zu den vielen Vorzügen der nuLine 34. Zwar ist der Wirkungsgrad für eine derartige Konstruktion ordentlich, aber keineswegs sensationell. 

Sehr geschliffen geht die nuLine 34 mit Stimmen um. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um eine weibliche oder männliche Gesangsstimme handelt - stets ist die nuLine 34 bemüht, Stimmen charismatisch und mit Gefühl heraus zu arbeiten. Kleine Details wie das Abklingen vokaler Elemente erfasst die nuLine 34 in einem Maße, das deutlich höher liegt als bei Konkurrenten in der gleichen Preisklasse. Sehr gut gelingt der Box auch der Übergang vom Mittel- in den Hochtonbereich, er erfolgt fließend und unmerklich. Dadurch spielt die nuLine 34 ungemein komplett und kultiviert auf. Auch klassische Musik oder Jazzmusik kann in ausgezeichneter Qualität wiedergegeben werden. Der neu entwickelte Hochtöner hat uns schon beim Test der Nubert nuLine 264 ausgesprochen gut gefallen. Daher verwundert es kaum, dass er auch der nuLine 34 einen überragenden Eindruck hinterlässt. Die räumliche Ausbreitung ist hervorragend, deutlich besser als bei der Vorgängerversion des Hochtöners in der nuLine 32. Auch die Transparenz und die Klarheit überzeugen, was dazu führt, dass auch hochauflösende Medien sehr gut angehört werden können. Die nuLine 34 ist in der Lage, auch Hörräume mit gut 20 Quadratmetern kraftvoll zu beschallen oder aber als leistungsstarker Frontlautsprecher für eine Mehrkanalanlage zu fungieren. Im Surroundbereich kann die nuLine 34 ebenfalls ausgezeichnet eingesetzt werden. Wer wenig Platz zur Verfügung hat und/oder Wert auf ein exzellentes Preis-/Leistungsverhältnis legt, wird sich mit der nuLine 34 sofort anfreunden können.

Wir starten bei den Musikbeispielen mit "The Howling" von Within Temptation - das kurze, sanftere Intro arbeitet die nuLine 34 hervorragend heraus, der dann folgende Dynamiksprung wird druckvoll übertragen. Die Stimme der Sängerin weist jederzeit ein hohes Maß an Klarheit und Durchhörbarkeit auf. Sie löst sich sehr gut vom Lautsprecher. Die Grobdynamik ist herausragend, aber auch die Feindynamik begeistert. Mit aktuellen Trance-Titeln des Jahres 2012 kommt die nuLine 34 ebenfalls überdurchschnittlich gut zurecht. So gehört bei "Feel It/My Passion" (Pulsemaster DJ Team): Kraftvoll und impulstreu der Bass, für eine solche Box schon beinahe sensationell die Räumlichkeit. Die verschiedenen elektronischen Effekte trägt die nuLine 34 souverän und präzise in den Hörraum. Bei der Maxiversion des a-Ha-Klassikers "The Sun Always Shine On TV" greift die nuLine 34 unverhohlen deutlich teurere Konkurrenten massiv an und beweist, dass man wirklich nicht alles auf die etwas schlanke und im Mitteltonbereich etwas spitze Aufnahme schieben kann. Plötzlich ist Bass da, dieser ist überdies präzise, die Stimme "schreit" den Zuhörer auch bei forciertem Pegel nicht an und die Räumlichkeit ist tadellos. Geht doch, sagen wir uns und notieren den nächsten dicken Pluspunkt. 

Bei "L'Attesa" von Andrea Bocelli beweist uns die nuLine 34, dass sie durchaus in der Lage ist, das Faszinationspotential dieses Stückes zu übermitteln. Andreas Stimme klingt ungemein facettenreich und wird weit in den Hörraum hinein getragen. Die Trennung der Stimme von den instrumentalen Anteilen gelingt sehr gut. Der Bassbereich lässt aufhorchen - kraftvoll und nachdrücklich agiert die nuLine 34 bei tiefen Frequenzen. Trotz allen zweifelsohne vorhandenen Fähigkeiten  schiebt sich der Bass nie unpassend in den Vordergrund, sondern lässt den vokalen Elementen Platz, um sich ausgezeichnet zu entfalten. Bei Bedrich Smetanas "Moldau" versagt die nuLine 34 ebenfalls nicht, und das ist eine hohe Auszeichnung. Das Fließende, Melancholische gilt es, auf hohem Niveau heraus zu arbeiten - was der nuLine 34 so gut gelingt, dass man nur erstaunt sein kann: Sensibel, mit Tiefgang, modelliert sie ein beeindruckendes akustisches Panorama. Technischer gesprochen, verblüfft der nuOva Hochtöner mit seiner weitläufigen Räumlichkeit und der hohen Impulstreue. Der Abstrahlwinkel der nuLine 34 ist in horizontaler wie auch in vertikaler Ausprägung übrigens so groß, dass man nicht mehr von Monitor-ähnlicher Charakteristik sprechen kann. Der Lautsprecher ist kaum aufstellungskritisch und sollte nur leicht in Richtung Zuhörer eingewinkelt werden. Antonio Vivaldis "Vier Jahreszeiten" ertönen mit einem hohen Maß an natürlicher Lebendigkeit, der Verve und der Schwung kommen so nahezu ungefiltert beim Auditorium an. Das erste Allegro vom "Frühling" ist ohnehin sehr gut geeignet, um die Spielfreude zu verdeutlichen - die nuLine 34 arbeitet die Streicher überragend heraus, sie klingen klar und filigran, aber selbst bei deutlich gehobenem Pegel nie aggressiv. 

Konkurrenzvergleich
  • Magnat Quantum 753: Die Magnat spielt nicht ganz so räumlich, im Hochtonbereich tritt sie auch detailreich und mit hoher Transparenz an. Der Bass wirkt etwas schmaler. Die Verarbeitung der Magnat ist hervorragend, die Optik elegant. 
  • Klipsch Reference RB-61 II: Die Klipsch erfreut mit hohem Wirkungsgrad und toller Grobdynamik. Die nuLine 34 spielt detailreicher und gibt dem virtuellen Raum mehr Tiefe. Optisch ist die Klipsch schlicht, aber robust gehalten und präsentiert sich als typische "Männerbox".
  • Nubert nuVero 3: Teurer (545 EUR/Stück) und optisch anders (nicht nobler - beide Nubert-Lautsprecher sind erstklassig verarbeitet) präsentiert sich die nuVero 3, die im Klangbild noch etwas mehr Detailreichtum aufweist und durch den abschaltbaren Hochtöner hinten sogar als Dipol zu verwenden ist. 
Fazit

Die Nubert nuLine 34 verkörpert bis in den letzten Winkel beste Nubert-Tradition. Das fängt bei der erstklassigen Verarbeitung an, geht mit der aufwändigen Technik weiter und endet mit einem exzellenten Klang, der so kultiviert, dynamisch und detailreich ist, dass manche doppelt so teure Box dagegen schlichtweg verblasst. Für einen Stückpreis von 335 EUR ist die nuLine 34 ein beinahe konkurrenzloses Angebot - allerdings sollte man mit einkalkulieren, dass man auch einen entsprechend leistungsstarken und hochwertigen Verstärker einsetzt, um die Qualitäten des Schallwandlers auch komplett ausnutzen zu können.

Die Nubert nuLine 34 setzt weit über ihre Preisklasse hinaus Maßstäbe und leistet sich keinerlei Schwächen

Regallautsprecher Mittelklasse
Test 08. Januar 2013

+ Sehr pegelfest
+ Fein- wie auch grobdynamisch über Klassenniveau
+ Toller Tiefgang
+ Tonal neutral
+ Edle Verarbeitung und schicke Optik

Text: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
08.01.2013

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