TEST: Yamaha Stereo-Vollverstärker AS-701 – klassischer Auftritt, kräftiger Antritt?

Yamaha A-S701 Front Seitlich3

Mit dem 649 EUR kostenden A-S701, wahlweise in schwarz und silbern lieferbar und mit 2 x 160 Watt Maximalleistung und 2 x 100 Watt RMS recht kräftig, möchte Yamaha in der beliebten Mittelklasse der Stereo-Vollverstärker ein Ausrufezeichen setzen. Mit ToP-ART-Konzept, soliden Standfüßen, Phono-Eingang und der Möglichkeit, zwei Lautsprecherpaare anzuschließen, bietet der A-S701 standesgemäße Möglichkeiten. 

Yamaha A-S701 Innenleben4

Aufgeräumtes, hochwertiges Innenleben im Detail

Yamaha A-S701 Innenleben3

Hochwertige Alu-Kühllkörper

Yamaha A-S701 Innenleben2

Große Elektrolytkondensatoren kommen mit plötzlich abgerufener Hochleistung, wie bei einem Dynamiksprung, sehr gut zurecht

Yamaha A-S701 Innenleben1

Speziell gefertigter, großer Transformator

Der im klassischen, hochwertig wirkenden Design antretende A-S701 brilliert im Detail mit speziell angefertigtem Netztransformator, großen 12.000 Microfarad-Abblockkondensatoren und einem stranggepressten Aluminium-Kühlkörper. Das sind alles Merkmale, die man des Öfteren selbst bei deutlich teureren Modellen nicht ohne Weiteres findet. Wer möglichst reinen Klang dank extrem kurzem Signalweg genießen möchte, wird sich über die Pure Direct Schaltung freuen. Hinzu kommt die sogenannte „CD Direktverstärkung“, die bei der CD-Wiedergabe den Rauschabstanf im Sinne bester Klangqualität maximiert.

Yamaha A-S701 Bedienelemente Front1

Neben Bass, Höhen und Balance ist auch eine Loudness-Funktion im Programm, die sogar individuell justierbar ist

Yamaha A-S701 Bedienelemente Front3

An-/Ausschalter, 6,25 mm Headphones-Ausgang, Speakers-Wahlschalter

Weiteres Ausstattungsmerkmal – eine schon von früheren HiFi-Verstärkern her bestens bekannte Loudness-Schaltung, die allerdings im Falle des A-S701 mehr kann. Es gibt einen extra Drehregler auf der soliden Alufront für diese Funktion, denn man  kann die Loundness-Schaltung individuell einstellen, und zwar hinsichtlich der Balance zwischen Höhen und Tiefen. 

Yamaha A-S701 Innenleben Gesamt

Innenleben in der Übersicht. Das Chassis des A-S701 ist typisch für die Preisklasse eher einfach und schlicht, das Innenleben ist überdurchschnittlich hochwertig fürs Geld

Natürlich präsentiert sich das gesamte Konzept des A-S701 als durchdacht und hochwertig. Im konstruktiven Fokus steht die ToP-ART Technologie. Die Abkürzung steht für Total Purity Audio Reproduction Technology und das Gesamtkonzept besteht aus ToP-ART Design und ART Base. Die ToP-ART Verstärkertechnologie verfügt über einen vollsymmetrischen Aufbau vom Eingang bis zum Ausgang, mit kürzestmöglichem Signalweg für den linken und den rechten Kanal. Das ART Base-Gehäuse garantiert hohe mechanische Stabilität, ein fester Mittelsteg sorgt für enorme Stabilität und Schwingungsdämpfung. Der A-S701 wiegt 11,2 kg und ist 435 mm breit, 151 mm hoch und 387 mm tief. 

Yamaha A-S701 Anschluesse Rueckseite1

Analogsektion mit Phono, CD, Tuner, REC-Out. Auch praktischerweise vorhanden – ein Pre-Out für denn Anschluss eines aktiven Subwoofers

Yamaha A-S701 Anschluesse Rueckseite2

Hochwertige Lautsprecherkabel-Anschlüsse für 2 Lautsprecherpaare 

Yamaha A-S701 Anschluesse Rueckseite3

Optischer und koaxialer Digitaleingang, USB-Anschluss für Bluetooth-Adapter 

Yamaha A-S701 Rueckseite Seitlich3

 Rückseite in der Übersicht. Kaltgeräte-Netzstecker

Yamaha A-S701 Fernbedienung

Schicke Fernbedienung

Gesteuert werden kann der A-S701 nicht nur direkt am Gerät, sondern auch über die mitgelieferte Infrarot-Fernbedienung. Sie wirkt recht hochwertig und liegt ordentlich in der Hand, die Tasten auf ihr sind allerdings relativ klein. Die recht weit unten platziere Einheit für die Grund-Wiedergabefunktionen zeigen, dass man die Fernbedienung auch für die Bedienung einer kompletten Yamaha HiFi-Anlage zur Rate ziehen kann. 

Klang

Akustisch zeigt der Yamaha A-S701 gleich seine Muskeln beim 80er Jahre Hubert Kah-Song „Military Drums“. Der Bass hat Wucht und überzeugt durch Tiefgang, die Trennung einzelner elektronischer Effekte und Instrumente gelingt überzeugend. In Verbindung mit der Teufel Definion 5 bildet sich eine leistungsstarke akustische Einheit heraus, die viel Freude macht. Dies gilt auch für die Wiedergabe des Klassikers „Lucifer“ vom Alan Parsons Project. Hier schiebt der A-S701 erneut kraftvoll an, die Effekte durchziehen auch den größeren Hörraum und überzeugen durch Impulstreue und eine exakt dosierte Präsenz. 

Das gilt auch für Eurodance-Tracks der 90er. Vielen ein Dorn im Auge, die Fans lieben ihre damaligen Lieblings-Tracks aber. Das gilt auch für den 1994er Song „Save Me“ von Activate. Mit kräftigem Bass und einer sehr guten, dichten Räumlichkeit macht sich der A-S701 ans Werk. Die selben Qualitäten sorgen auch bei „Get-A-Way“ von Maxx für viel Hörspaß. Der Bass gibt Gas, die Grobdynamik ist ebenso gut wie die Impulstreue. Also im Gegensatz zu früheren, ernsteren Yamaha HiFi-Vollverstärkern macht der A-S701 richtig Spaß, und das ist gut so. Denn mit dieser modernen Auslegung eines klassischen Stereovollverstärkers überzeugt man vielleicht Kunden, dass „richtig“ Musikhören doch weitaus mehr Freude bereiten kann, als wenn man nur die Wohnung mit Bluetooth-Aktivspeakern vollpflastert. 

Nun, aber Eurodance ist weder Messlatte noch jedermanns Geschmack, daher wandern wir musikalisch weiter. Und zwar zu „The Howling“ von Within Temptation. Der recht „sanfte“ Beginn kommt sehr sauber heraus, der plötzliche, gewaltige Dynamiksprung ebenfalls. Die weibliche Gesangsstimme hat genau den richtigen Touch an Aggressivität, und der Rhythmus wird hervorragend herausgearbeitet. Die E-Gitarre klingt fetzig, ist immer in Bewegung und jedes Müde, Lahme oder Oberflächliche ist dem kraftvollen A-S701 Fremd. 

Mit einem MacBook Air, einem entsprechenden HiRes-Softwareplayer (VOX – sogar kostenlos herunterzuladen) und dem Audioquest Dragonfly USB-D/A-Wandler sowie entsprechendem Stereo 3,5 mm auf 2 x Stereo-Cinch Adapterkabel haben wir (bis maximal 96 kHz/24-Bit 2-Kanal) eine hochwertige und recht preisgünstige Möglichkeit verwendet, um dem A-S701 auch High Resolution Audio Files zuzuführen. Mit straffem, kräftigem, aber stets wohldosierten Bass wird bei „All Or Nothing At All“ von Diana Krall agiert. Viel Charme entwickelt auch „Parfait Armour“ vom Jan Lundgren Trio. Wie auch das Stück von Diana Krall liegt der Titel in FLAC 96 kHz vor. Mit sehr schöner, geschmeidiger Präsentation des Pianos erledigt der A-S701 alle ihm gestellten Aufgaben ausgezeichnet. Im Vergleich mit früheren Yamaha Stereoverstärkern klingt der A-S701 noch direkter, aber gleichzeitig verbindlicher, angenehmer – eine wirklich gelungene Kombination. Die Endstufen sind leistungsstark genug, um auch im Hörraum über 25 Quadratmeter noch Nachdruck freizusetzen, und das auch gern an ausgewachsenen Standlautsprechern. Tiefgang, Ausdruckskraft des Basses, Volumen, räumliche Ausprägung – was der A-S701 im tieffrequenten Bereich leistet, verdient tatsächlich Anerkennung. 

Wir wenden uns dem nächsten HiRes-Audio-Stück zu. „You Wind Me Up“ von Torsten Goods (FLAC 96 kHz) verbreitet richtige Feierabend-Laune – die dürfen wir aber noch nicht zur Gänze haben, schließlich befinden wir uns noch mitten im Testbetrieb mit dem A-S701. Doch die Arbeit versüßt uns der talentierte Japaner mit seiner ausgezeichneten Gesamtdynamik und dem tollen Management auch kleinerer dynamischer Unterschiede. Die Stimme kommt ausdrucksstark heraus, so dass man beruhigt feststellen kann: Der A-S701 ist ein absoluter Kauftipp für versierte Hörer, die viel Klang für wenig Geld haben wollen. Sicherlich geht noch mehr – mehr Detailarbeit, mehr räumliche Tiefe, mehr Feingefühl im Hochtonbereich – aber das ist mit einer immensen Mehrausgabe verbunden, zudem verlangt ein teurer Vollverstärker auch wiederum nach teureren Lautsprechern. Der A-S701 ist günstig kalkuliert, er bietet eine Klangstärke, die mancher 1.000 EUR-Vollverstärker wohl nicht in dieser kultivierten, klaren und gefälligen Form offerieren kann.

Wie sieht es mit Punkrock aus? Wir haben von Bad Religion (FLAC 88,2 kHz) entsprechendes Material zugeführt – und zwar „Past Is Dead“ – das scheinen sich manche Yamaha-Entwickler auch als Maxime genommen zu haben, denn der helle, analytische Sound mancher vergangener Yamaha Vollverstärker ist passé. Der A-S701 bringt mehr Wucht mit, kombiniert mit enormer Dynamik – und er behält auch bei hohem Pegel die Kontrolle über die akustischen Ereignisse, das ist für ein so preiswertes Produkt verwunderlich. Die Trennung von vokalen und instrumentalen Elementen gelingt auch bei hoher Lautstärke noch anstandslos, und der schnelle Rhythmus kommt dank der sehr guten Impulstreue ausgesprochen überzeugend heraus. 

Fazit

Yamaha A-S701 Front Seitlich2

Der Yamaha A-S701 ist ein hochwertig verarbeiteter Stereo-Vollverstärker, der mit kraftvollem, dynamischem Antritt ebenso verwöhnt wie mit sehr guter Feindynamik und hoher Pegelfestigkeit. Das Design lehnt sich an die 70er Jahre an, wirkt aber trotzdem zeitlos und elegant. Mit der flexiblen Loudness-Schaltung und den digitalen Eingängen wird auch eine ordentliche Ausstattung geboten. 

Solider, kräftiger und lebendig klingender Stereo-Vollverstärker zum sehr interessanten Kaufpreis
ueberragend
Stereo-Verstärker Mittelklasse
Test 05. November 2014

+ Sehr kräftige Endstufen
+ Grob- und feindynamisch ausgezeichnet
+ Im Bassbereich erstklassig
+ Flexible Loudnessschaltung
+ Sauberer innerer Aufbau
+ Fairer Kaufpreis

– Keine USB-DAC-Funktion

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 05. November 2014 




Alle aktuellen Tests auf AREA DVD
  ZURÜCK