TEST: Monitor Audio-Regallautsprecher Silver 1

Monitor Audio Silver 1 Gruppenbild1

Für einen Paarpreis von 780 EUR, so verspricht Monitor Audio, kann man sich schon „musikalisch glücklich“ fühlen – denn mit der Monitor Audio Silver 1 bekommt man eine äußerst attraktive, kompakte Regalbox für sein Geld. Gerade in hochglänzendem Schwarz hat man eine richtige „kleine Schönheit“ vor sich, die sich vom Design her zwar betont klassisch gibt, durch feine Details wie die leicht gerundeten Gehäuseecken oder auch die Einpassung der Chassis ohne sichtbare Schrauben aber zeigt der Hersteller, dass dieses feine Stück Technik auch im elegant eingerichteten Musikzimmer hervorragend zur Geltung kommt. Das ausgezeichnete Oberflächen-Finish mit sehr guter Tiefenwirkung des schwarzen Hochglanzlacks und das formschön auf der Rückseite integrierte Bi-Wiring-Terminal sind weitere Pluspunkte. 

Monitor Audio Silver 1 Verarbeitung

Gerundete Gehäusekanten sorgen für einen stimmigen Gesamteindruck

Monitor Audio Silver 1 Anschluesse Rueckseite

Hochwertige Bi-Wiring-Terminals 

Monitor Audio Silver 1 Tieftoener

 Der 152 mm Mitteltieftöner, ohne Schrauben in die Schallwand eingelassen

Die technischen Daten zeigen zunächst mit einem Übertragungsbereich von 45 Hz bis 35 kHz, dass sich die schmucke Regalbox auch für zurzeit im Trend liegende hochauflösende Audiodateien sehr gut eignet. Der Wirkungsgrad wird mit 87 dB (1W@1m) angegeben, ein ordentlicher Wert für eine so kompakte Konstruktion – nur 185 mm breit, 312 mm hoch und 240 mm tief ist die Silver 1, sie wiegt pro Stück 6,95 kg und arbeitet nach dem Bassreflexprinzip. Die Bassreflexöffnung, die keinerlei störende Strömungsgeräusche bei korrekter Aufstellung des Lautsprechers von sich gibt, befindet sich auf der Rückseite des Gehäuses. Die vom Hersteller empfohlene Verstärkerleistung liegt zwischen 40 und 100 Watt, der maximale Schalldruck eines Paares Silver 1 liegt bei satten 110,8 dBA. Bestückt ist das kleine Musikreproduktionstalent mit einem 152 mm messenden RST-Tieftöner und einem 25 mm C-CAM Hochtöner. 

Monitor Audio Silver 1 Hochtoener

25 mm Hochtöner

Monitor Audio Silver 1 Bassreflexrohr

Bassreflexöffnung

Monitor Audio Silver 1 Front Seitlich1

 Mit gut sitzendem Lautsprechergitter aus Stoff

Die Silver 1 ist also aus optischer Sicht eine sehr erfreuliche Erscheinung, und auch qualitativ wird ein hohes Niveau erreicht. 

Nun stellt sich die Frage, wie der Regallautsprecher sich aus klanglicher Sicht anstellt. Wir starten mit Material in CD-Qualität durch und fordern den Schallwandler mit dem Trance-/Club-Track „Barcelona“ von Global Cult Featuring Dashius Clay. Die Zuspielung stellt souverän Leistung zur Verfügung: Aus dem Hause Advance Acoustic ist der schon ältere, aber klanglich noch richtig starke MAX-450 am Start.

Unterstützt wird er auf Zuspielerseite vom Pioneer N-50 Netzwerkplayer und vom Advance Acoustic CD-Player MCX-300. Und es ist erstaunlich, wie nachdrücklich die kleine Silver 1 sich ins Zeug legt: Der Bass ist straff, klar und kommt mit richtig Nachdruck zum Zuhörer, die Stimme differenziert sich sehr stimmig von den tieffrequenten Anteilen, und die Pegelfestigkeit ist ausgezeichnet.

Man glaubt kaum, wenn man es nicht selbst mit den Augen sieht, wie klein die Monitor Audio Box bezüglich ihrer Abmessungen ist – akustisch würde man eher einen kleineren Standlautsprecher erwarten. Möchte man die sehr gute Klangqualität der Silver 1 in vollem Umfang genießen, ist es allerdings wichtig, dass man sich einigermaßen im Stereo-Dreieck befindet. Dann allerdings spürt man einen ohne Übertreibung gewaltigen Schub, der auch erfahrene Hörer verblüfft. „Disco’s Revenge“ von den Miami Rockers macht auch enorm Freude – denn dynamisch und entschlossen marschiert die Silver 1 voran und sichert sich auch dank des lebendigen Bassbereiches in ihrer Preisklasse einen Spitzenplatz.

Was auch auffällt, ist die Mühelosigkeit, mit der sich die Silver 1 selbst in hohen Lautstärkeregionen bewegt. Kaum akustische Komprimierung, kaum Verzerrungen und kaum Dynamikeinbrüche – die „Kleine“ spielt wie eine „Große“.  Der Hochtöner brilliert durch den breiten Klangteppich, der sich transparent und natürlich selbst im etwas größeren Hörraum ausbreitet, der Tief-/Mitteltöner durch seine saubere Auslenkung auch bei hohem Pegel.

Wenden wir uns HiRes-Audiodateien zu, und es geht gleich munter weiter: Mit „Changing Tide“ von Bad Religion (FLAC 88,2 kHz). Und hier kommt der ultraschnelle Rhythmus vom Timing her sehr gut heraus. Der Bass hat eine gute Präsenz, hier aber holen vom Volumen her größere und bezüglich der Tieftöner üppiger bestückte Boxen mehr heraus. Der leicht aggressive Touch des Titels kommt hingegen überzeugend heraus, die Grobdynamik ist hervorragend. 

Diana Kralls „Garden In The Rain“ (FLAC, 96 kHz) führt eindrucksvoll auf, welche Talente die Silver 1 mitbringen: Für das kleine Gehäuse ist der Tiefgang exzellent, und auch die Impulstreue begeistert. Was uns besonders gut gefallen hat – in Ansätzen kommt sogar die Anschlagdynamik des Klaviers heraus, kleine Dynamik-Unterschieden hat die Silver 1 souverän im Griff. Klar und mit Verve kann auch die Stimme Dianas punkten – charakteristische vokale Merkmale werden treffsicher herausgestellt. 

„Alone For You“ vom Jan Lundgren Trio kommt kultiviert und aufgeräumt, aber in keinster Weise langweilig zum Auditorium. Erneut eine Spitzenleistung verbucht die Silver 1 bei der Einarbeitung des Klaviers. Wir haben schon bei „Garden In The Rain“ dementsprechend Eindrücke gesammelt, und diese vertiefen sich. Die Ausdruckskraft ist überragend, gleichzeitig aber „drängt“ sich die Silver 1 durch übertriebene Präsenz nicht dem Hörer auf. Sie spielt ungemein angenehm, aber gleichzeitig ungemein lebhaft, eine tolle Kombination, die nicht oft auf dem Markt anzutreffen ist. 

Italienische Emotion vermittelt „Diamante“ von Sandra & Toni Alessi (FLAC 96 kHz). Oftmals kämpfen Boxen hier mit einem überdominanten und anstrengenden Hochtonbereich bei höherem Pegel. Minimales Zischeln innerhalb der weiblichen Gesangsstimme kann auch die Silver 1 nicht verheimlichen, aber insgesamt bleibt sie auch hier besser „Herr der Lage“ als viele teils deutlich teurere Konkurrenten und sorgt so auch bei gehobener Lautstärke für eine harmonische Wiedergabe. Der Bass integriert sich tadellos, und auch als beide parallel singen, behält die Monitor Audio-Kompaktbox die Übersicht. 

Gern gibt sich die Silver 1 auch „klassisch“, wie bei Wolfgang Amadeus Mozarts Violinenkonzert Nr. 4, KV 218, in FLAC 96 kHz. Dynamiksprünge werden prima gemeistert, und jedes einzelne Instrumente wird charismatisch und feinfühlig herausgearbeitet. Sicher stellt der erfahrene Hörer noch Defizite fest, aber nicht umsonst ist die Silver 1 auch nicht die Speerspitze des Monitor Audio Lautsprecherprogramms. Hier geht es um viel Leistung für den Kaufpreis, und in dieser Disziplin schneidet die Silver 1 ausgezeichnet ab. Versagen kennt sie auch bei der Präsentation der Violinen-Soli nicht – Klarheit, Lebendigkeit und Frische sind auch hier die Faktoren, die das Hören mit der Regalbox bestimmen. 

Auf welche Konkurrenten trifft die Silver 1 beispielsweise? In direkter Preisklassen-Konkurrenz steht die Canton Chrono SLS 720 die ebenfalls sehr attraktiv aussieht und einen besonders leistungsfähigen Hochtöner besitzt. 760 EUR ruft Canton für den Lautsprecher auf, der eine Idee analytischer klingt als die Silver 1. Die Monitor Audio-Box tritt etwas harmonischer auf. So ist es eine Frage des persönlichen Hörgeschmacks, welcher Konstruktion der Vorzug gegeben wird, einen Fehler macht man mit beiden Boxen nicht. 

Sehr gut und sehr günstig ist die Dali Zensor 3. Mit einem Paarpreis von ca. 400 EUR spielt sie ein bis zwei Preisklassen unter der Silver 1, was man an der deutlich schlichteren Materialwahl und Verarbeitung auch merkt. Feindynamisch und bezüglich der freien Hochtonausbreitung ist sie der Silver 1 auch unterlegen, so macht die Monitor Audio Box deutlich, dass der Mehrpreis nicht von ungefähr kommt. Für kleines Geld bietet die Dali Zensor 3 sonst aber Großes, einen kräftigen Bass, hohe akustische Homogenität und eine enorme Pegelfestigkeit. 

Fazit

Zum fairen Kaufpreis offeriert die Monitor Audio Silver 1 nicht nur eine hervorragende Verarbeitung sowie eine edle Optik, sondern auch einen geschliffenen, gefälligen, gleichzeitig sehr hochwertigen Klang. Basskraft, vokale und instrumentale Präzision, Pegelfestigkeit und räumliche Ausbreitung sowie ein vertretbarer Wirkungsgrad bilden eine Armada ausgezeichneter Argumente, sich die kleine britische Box zuzulegen. 

Feiner, dynamischer und nachdrücklicher Klang trifft auf noble Optik
ueberragend
Regallautsprecher bis 1.000 EUR/Paarpreis
Test 

 

 




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