TEST: Canton aktiver TV-Lautsprecher DM 75 – Klangliches Adrenalin für den Flat-TV?

 

 

Canton DM 75 Front Seitlich1

Für 499 EUR ist Cantons großer aktiver TV-Lautsprecher DM 75 erhältlich. Das MDF-Gehäsue fällt bezüglich der Bauhöhe gering aus, die Höhe liegt bei nur 6,95 cm. DM 75 ist 72,5 cm breit und 32 cm tief, so finden auch größere Flachbildschirme, die bis zu 40 kg wiegen können, problemlos ihren Platz auf der äußerst soliden, hochwertig verarbeiteten Konstruktion. Gerundete Kanten, sauberes Oberflächenfinish und ein robustes Metallgitter vorn sind Merkmale des DM 75.

7,75 kg wiegt der aktive TV-Lautsprecher, der über eine Bluetooth 4.0 (inklusive apt-X) Schnittstelle ebenso verfügt wie über einen analogen Cincheingang, einen koaxialen und einen optischen Digitaleingang sowie einen Ausgang zum zusätzlichen Anschluss eines externen aktiven Subwoofers. Leider fehlt eine HDMI-Beschaltung. 

Canton DM 75 Anschluesse Rueckseite

Anschlüsse

Canton DM 75 Bassreflexoeffnung

Bassreflexöffnung

 

Canton DM 75 Rueckseite Seitlich1

 

Rückseite komplett

Ein Dolby Digital-Decoder ist mit an Bord, als virtueller Surround-Aufpolierer steht DTS TruSurround bereit. Drei Presets für die stimmige akustische Anpassung an den Aufstellungsort finden sich ebenfalls im Ausstattungumfang. 

Canton DM 75 Unterseite

Unterseite mit vier 100 mm Basstreibern

Canton DM 75 Tieftoener

Die vier Flachmembrantreiber im Detail

200 Watt Gesamtsystemleistung sind relativ üppig bemessen und lassen auf ordentliche Maximalpegel hoffen. Der Übertragungsbereich geht von 35 Hz bis 23 kHz. Bestückt ist DM 75 mit vier 100 mm Tieftönern, zwei 50 mm Mitteltönern und zwei 19 mm Hochtönern. So üppig die Treiberbestückung ist, so sparsam fällt der Stromverbrauch im Standby-Betrieb aus: Nur 0,38 Watt. 

Canton DM 75 Fernbedienung

Die Bedienung mit der hochwertigen, sehr gut in der Hand liegenden Fernbedienung macht schlichtweg Freude. Wahlweise kann man DM 75 auch mit der TV-Remote bedienen, aber die Frage ist, ob man dies wirklich möchte – denn der Druckpunkt der Tasten ist gut, und bedingt durch die Gummierung ist zudem die Haptik sehr angenehm. Interessant ist, dass man mittels der Fernbedienung noch mehr steuern kann, als man auf den ersten Blick erkennen kann. Um die erweiterten Funktionen einstellen zu können, wird die „Sound“ Taste mehr als drei Sekunden gedrückt hält.

Im Display des Gerätes erscheint zunächst „LIP“, in 10 ms Schritten kann nun die Tonwiedergabe verzögert werden, so dass Ton und Bild zusammen passen. Drückt man jetzt wiederum, aber diesmal nur kurz, die „Sound“ Taste, so kann man mittels der Lautstärke-Tasten nun den Subwooferausgang freischalten. Ist der Subwooferausgang aktiviert, wird die Tonwiedergabe des DM 75 bei 80 Hz beschnitten, was darunter liegt, wird demnach vom aktiven externen Subwoofer übernommen. 

Nächster Punkt, der wieder nach kurzem Drücken der „Sound“ Taste erscheint, sind drei Presets, die wir einführend schon erwähnt haben. Hier kann man das Equalizing der DM 75 an die Aufstellungsposition anpassen. EQ1 ist für ein frei aufgestelltes System, beispielsweise auf einem Sideboard, EQ2 wird verwendet, wenn ein Flat-TV auf dem DM 75 steht, und EQ3 kommt zum Einsatz, wenn sich DM 75 in einem Rack oder Regal befindet. Drückt man nun nach Beendigung dieser Justage ein weiteres Mal kurz die „Sound“ Taste, kann man die Dynamic Range Control ein- oder ausschalten. Nach erneutem Drücken, diesmal allerdings wieder für mehr als 3 Sekunden, kommt man aus dem erweiterten Menü wieder zur normalen Funktionsebene zurück.

Canton DM 75 Display

Display

Das Display ist ausreichend groß und hell – schön, dass im Vergleich zu manchem Konkurrenten überhaupt eines vorhanden ist – aber die Auflösung ist ziemlich grob und erinnert an ein Uhrenradio aus den frühen 80er Jahren. 

Aus akustischer Sicht hat uns die kleinere Canton DM 50 damals voll überzeugt. Wie sieht es beim größeren DM 75 aus? Wir haben unser Apple iPhone 6 über Bluetooth verbunden – was sehr schnell und zuverlässig funktioniert -,  und haben das Robin Schulz Remix von „Prayer In C“ laufen lassen. Schnell stellt sich heraus, dass Cantons Wiedergabeprogramm für virtuellen Surround die bessere Alternative zur im direkten Vergleich fader und weniger differenziert aufgebaut erscheinenden Stereopräsentation ist. Unschöne Halleffekte oder ein „Verschwimmen“ der Ortungsgenauigkeit können wir bei diesem leistungsfähigen Algorithmus erfreulicherweise nicht feststellen.

Klar und verständlich kommen die Vocals heraus, der Bassbereich ist gut, erreicht aber nicht ganz den immensen Nachdruck des Nubert nuPro AS-250. Die Raumwirkung ist auch beim ebenfalls aktuellen Club-Hit „Follow“ (Charming Horses featuring Jona Bird) überzeugend, vor allem, was die Weite des virtuellen Raums angeht. Uns gefällt auch der sehr klare, lebendige Klang ausgezeichnet. Nicht perfekt ist die Ausprägung der räumlichen Tiefe. Hier sehen wir die  Teufel Cinebase mit den Sonic Emotion Absolute 3D Surroundprogrammen etwas im Vorteil.

Cantons DM 75 aber präsentiert sich dafür als richtig gut bezüglich der gebotenen Grodynamik: „Girls In Luv“ von den DJane HouseKat im Mix der Bodybangers „geht richtig ab“, nur bei der Härte des Bassbereiches werden zwar gute, aber nicht so massive Ergebnisse erzielt wie bei der wiederum beispielhaft nachdrücklichen Nubert nuPro AS-250 Aktivbox. Dafür punktet Cantons DM75 mit der besten Dynamik im Hochtonbereich, hier haben die Entwickler wirklich ganze Arbeit geleistet.

Bei „Lass Uns Gehen“ von Revolverheld bringt das DM 75 wiederum eine saubere Dynamik zustande, aber die Stimme ist etwas zu stark von den Instrumenten in den Hintergrund gedrängt. Hier bringt der Wechsel in den Stereo-Modus nicht viel, auch hier ist die Stimmpräsenz nicht so ausgeprägt, wie wir uns das gewünscht hätten. Kommen wir zu „L’Attesa“ von Andrea Bocelli. Klar und natürlich ist hier der Klang, und die Stimme Andreas zeigt hier mehr Profil als zuvor die Vocals im Song von Revolverheld. Die Instrumente sind ebenfalls akkurat eingearbeitet, die Streicher klingen harmonisch und nicht zu spitz. Dynamiksprünge stellt Cantons DM 75 einwandfrei dar: Durchaus mit Nachdruck und überdies impulstreu

Cantons DM 75 verfügt laut technischer Daten über einen Dolby Digital Decoder und über DTS TruSurround – nicht aber über einen DTS-Decoder, mit dem DTS 5.1 Tonspuren und der Core-Sound von DTS-HD Master Audio Tonspuren wiedergegeben werden können. Wer daher DTS-Mehrkanaltonspuren von DVDs oder Blu-rays wiedergeben möchte, muss zuvor im Setup des Players die DTS-Signalausgabe von „Bitstream“ auf „PCM“ stellen. 

Bei der Dolby TrueHD-Tonspur der Celine Dion-BD „A New Day“ stellt sich dieses Problem nicht, da diese Tonspur zwar nicht in vollem Dynamikumfang, aber trotzdem wiedergegeben werden kann. Und der hessische TV-Lautsprecher macht dies bei „To Love You More“ noch nicht einmal schlecht: Gute Einarbeitung der Stimme, gute Herausarbeitung dynamischer Differenzen und ein insgesamt angenehmer, recht homogener Klang mit guter Herausarbeitung einer virtuellen Bühne. „I’m Alive“ kommt genauso relativ lebendig heraus, wie wir aber auch anschließend bei der Filmtonwiedergabe feststellen, ist der Hochtonbereich etwas zurückgenommen im Vergleich zu dem, was wir bei der Zuspielung eines Stereo-BT-Signals vernommen haben. 

Wir steigen ein in die Filmtonwiedergabe und zwar mit dem Dolby-encodierten „Phantom Protocol“ (BD). Der vierte Teil der „Mission Impossible“-Reihe bietet einiges akustisches Potential. Wir steigen im 8. Kapitel ein, als das Team um Ethan Hunt auf dem Weg nach Dubai zum Burj Khalifa ist. Die Musik gleich zu Beginn des Kapitels ist sehr eindrucksvoll und wird recht weitläufig wiedergegeben. Während bei der Zuführung von BT-Signalen der Klang sehr klar und auch im Hochtonbereich frisch war, sind die Höhen hier nun etwas zurück genommen. Kleinere Effekte und Stimmen arbeitet das DM 75 Aktivlautsprechersystem gut heraus.

Benjis Stimme z.B. wirkt authentisch, als er erklärt, dass man von außen in den Serverraum eindringen muss. Im folgenden Kapitel hört man den Wind in luftigen Höhen mit tadelloser Räumlichkeit pfeifen – Ethan muss von außen in den Serverraum des Hotels vordringen. Das Geräusch der Spezialhandschuhe, mit denen er sich an der Außenhaut des Burj Khalifa festsaugt, kommt gut heraus. Der Canton TV-Lautsprecher vergisst auch nicht, den Soundtrack gut einzubinden. Einige Kapitel weiter kommt massive Bewegung in die Handlung, und zwar im akustischen Sinne. Durch Dubai tobt ein Sandsturm, das DM 75-System schafft eine nachvollziehbare Räumlichkeit bei der Darstellung der herum wirbelnden Sandkörner. Auch die Windböen und die herumfliegenden Gegenstände kommen prima heraus.

Der Bassbereich erweist sich als tadellos, nur bei hohem Pegel merkt man dann, dass die Chassis am Anschlag sind, was ihre Auslenkung angeht. Als Ethan auf der Motorhaube des BMW X3 landet und Glassplitter nach allen Seiten davon spritzen, beweist Cantons DM 75 aufs Neue, dass eine sehr gute Weitläufigkeit und eine gute Impulstreue zu den Stärken der hessischen Entwicklungsarbeit gehören. Die Fahrgeräusche während der Verfolgungsjagd, als Ethan im 6er BMW seinem flüchtenden Gegner nachsetzt, inklusive der verschiedenen „Kollateralschäden“ kommen auch ordentlich, sogar mit gewissem Nachdruck, heraus. 

Wie schlägt sich das DM 75 Sounddeck im Vergleich zur Konkurrenz?

  • Canton DM 50: Mit 399 EUR günstiger und überdies kompakter, steckt DM 50 klanglich keinesfalls zurück und bietet gute Bässe, tadellose Räumlichkeit und erstaunliche Pegelreserven. 
  • Nubert nuPro AS-250: Nuberts nuPro AS-250 ist der HiFi-Meister unter den aktiven TV-Soundboards, also gibt es keine DSPs zur Erzeugung eines virtuellen Surroundklangfeldes. Ebenso fehlen Bluetooth und HDMI, es gibt aber gegen Aufpreis Möglichkeiten in Form eines BT-Adapters und eines HDMI-Konverters für die Tonsignalverarbeitung. Sehr gut gefällt uns die Nutzungsmöglichkeit als USB-DAC. Unter streng akustischen Gesichtspunkten überzeugt das nuPro AS-250 Stereoboard mit sattem, kräftigen Klang, toller Pegelfestigkeit und solidem Raumgefühl – auch  ohne DSP-Option. 
  • Teufel Cinebase: Mit exzellenten virtuellen Surroundprogrammen, schicker Optik, sehr guter Pegelfestigkeit und umfassender Ausstattung inklusive HDMI setzt die Cinebase Maßstäbe, ist aber mit 600 EUR auch relativ teuer. 
  • Magnat Sounddeck 600: Das Magnat-Sounddeck ist preislich identisch mit dem Canton-Konkurrenten. HDMI bietet auch das Sounddeck 600 nicht, dafür aber gibt es gleich drei DSPs. Akustisch sind beide aktiven TV-Lautsprecher prima, beide bieten einen präzisen, wenn auch nicht besonders wuchtigen Bass und einen klaren Sound. Während das Magnat Sounddeck bei der Filmtonwiedergabe im Hochtonbereich etwas mehr Präsenz zeigt, überzeugt der Bluetooth-Sound des DM 75 noch mehr, zudem hat das Canton-Produkt eine hochwertigere Fernbedienung. 
Fazit

Canton DM 75 Front Seitlich3

Der große aktive TV-Lautsprecher aus dem Hause Canton überzeugt mit solider Verarbeitung, gefälliger Optik, homogenem Klang und einer sehr guten mitgelieferten Fernbedienung. Die stabile Bluetooth-Verbindung ist ebenfalls hervorzuheben. Mit guter Pegelfestigkeit, ausgezeichneter akustischer Weitläufigkeit und ordentlicher Impulstreue kann der DM 75 TV-Lautsprecher ebenfalls aufwarten. Minuspunkte: Keine HDMI-Beschaltung und kein DTS-Decoder.

Hochwertiger aktiver TV-Lautsprecher mit weitläufigem, homogenen Klang
ueberragend
Aktive TV-Lautsprecher bis 500 EUR
Test 17. November 2014

+ Solide und hochwertige Verarbeitung
+ Weitläufiger Klang im sehr gut gelungenen Surroundmodus
+ Gute Pegelfestigkeit
+ Stabile Bluetooth-Verbindung
+ Sehr gute Fernbedienung

– Kein HDMI und kein DTS-Decoder

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 17. November 2014

 




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