TEST: Canton aktiver TV-Lautsprecher DM 50 – moderner Klangexperte?

Das Produkt

Sogenannte aktive TV-Lautsprecher liegen derzeit voll im Trend. Ganz gleich, ob Onkyo, Panasonic, Quadral, Magnat oder LG – um nur einige zu nennen: Dem akustisch meist matten Flachbildschirm mit nur einer einzigen Komponente auf die Sprünge zu helfen, ist eine Methode, die immer mehr Freunde findet. Das Rezept: Man nehme eine üppig mit Treibern bestückte, längliche Box, ziehe diese so in die Tiefe, dass auch ein Flachbildschirm darauf Platz nehmen kann, garniere dies mit kräftigen digitalen Verstärkern und modernen Datenübertragungsformen wie Bluetooth mit aptX-Kompatibilität und offeriere das Ganze zum kleinen Preis – fertig ist ein Stück vom schmackhaften Erfolgskuchen. Von diesem möchte auch Canton nachhaltig kosten und hat mit dem DM 50 TV-Lautsprecher ein prall gefülltes Paket für 399 EUR geschnürt.

Unterseite

Zwei 10 cm Basschassis


Bassreflexöffnung


Anschlüsse

Ausstattungs-Nachteile sind sehr schnell aufgezählt, denn es gibt nur einen. Dieser ist allerdings nicht ganz unerheblich, denn es fehlt eine HDMI-Beschaltung. HDMI-Lizenzen sind teuer, daher wird bei spitz kalkulierten Produkten gern darauf verzichtet.  Ansonsten gibt es Technik satt für schlappe 300 EUR: Das 2.1 Virtual Surround System trumpft mit 200 Watt Spitzenleistung auf, überträgt von 40 Hz bis 23 kHz und ist bestens mit Decodern bestückt: Dolby Digital, DTS TruSurround (DTS-Aufpolierer für Soundbars & co. macht aus Mono/Stereo Surround-Klang) und eine Virtual Surround-Funktion sind mit dabei.  Allerdings wird DTS 5.1, auch der DTS-Core-Stream von DTS-HD Master Audio-Software, nicht unterstützt. Praktisch für die Musikwiedergabe ist, dass man DM 50 auch normal im Stereo-Modus verwenden kann. Dieses eigentlich einfach zu realisierende Extra fehlt manchem Konkurrenten. Es läuft dann grundsätzlich ein DSP mit, was bei manchem Quellmaterial den Schuss auf der Suche nach gefälliger Wiedergabe voll nach hinten losgehen lässt.

Bässe sowie Höhen kann man am DM 50 regeln, und während andere Hersteller von TV-Lautsprechersystemen den Besitzer im wahrsten Sinne des Wortes im Dunkeln tappen lassen hinsichtlich des aktuellen Betriebszustandes, liefern die Hessen auch ein Display mit. Dieses löst zwar groß auf und gibt nur Abkürzungen Preis, ist aber trotzdem gut fürs Handling. Zudem leuchtet es nur dann auf, wenn gerade ein Bedienprozess vorgenommen wurde, und nicht ständig. So wird man nicht abgelenkt.

Canton als erfahrener Lautsprecherhersteller leistet sich einen derartige Fauxpas nicht und liefert noch sinnvolle und üppige Anschlüsse mit. Nicht nur optischer und koaxialer Digitaleingang, auch das hochmoderne Bluetooth 4.0 mit aptX Unterstützung sind an Bord. Wo andere Hersteller dem User faktisch vorschreiben, dass die Bassgüte des TV-Lautsprechersystems zu genügen hat, denkt Canton schlichtweg weiter: Ein Ausgang zum Anschluss eines aktiven Subwoofer ist vorhanden. Noch zu erwähnen wäre der analoge Cincheingang. Etwas vermisst wird lediglich, neben den schon erwähnten HDMI-Terminals, eine USB-Schnittstelle.

Es drängt sich bei der enorm wohlüberlegten und praxisgerechten Ausstattung die Frage auf, ob die idyllische Ruhe in Weilrod, dem Ort, in dem das Canton-Hauptquartier ist, einfach dazu beiträgt, dass nicht mit der heißen Nadel gestrickt, sondern konsequent bis zu Ende gedacht wird.  Dafür sprechen auch die drei Presets, die eine sehr gute Anpassung des DM 50 an den Aufstellungort ermöglichen. Wählbar: sind Sideboard oder Aufstellung FLAT TV auf DM 50 stehend, dritte EQ-Variante: Aufstellung in Rack oder Regal.Zwei 100 mm Subwoofer sind unter dem Gehäuseboden untergebracht und garantieren lebhaften Bass. Für den Mitteltonbereich sind zwei 50 mm Chassis zuständig, und zwei 19 mm Gewebehochtöner decken den oberen Teil des Frequenzspektrums ab.

DM 50 kann mit der TV-Fernbedienung gesteuert werden – muss man aber nicht. Es lassen sich sämtliche Funktionen der mitgelieferten Fernbedienung zwar auf die TV-Remote übertragen, aber die edle Canton Fernbedienung lädt förmlich zur Nutzung ein. Hier zeigt sich wieder, dass Canton weiter denkt, wo andere aufhören und sich mit billigen Kompromissen zufrieden geben. Keine ramschige Billig-Fernbedienung mit Folienknöpfen, sondern ein richtig schweres, hochwertiges Bedientool. Während andere Hersteller (Audioxperts 4TV) sich auch noch damit rühmen, sündhaft teuren Lautsprecher-Konsolen (ab 1.499 EUR) gar keine Remote beizulegen, damit man mittels nicht perfekten Übertragungsprozessen die Soundkonsole mit der TV-Remote bedienen kann – und muss, macht Canton wieder alles richtig und lässt dem Kunden die Wahl.

Verarbeitung im Detail


Bestückung


Display, hier die Anzeige der gerade aktuellen Lautstärke

Einfach alles stimmt auch bei der Verarbeitung. Hochwertigkeit durch und durch, dazu eine massenkompatible, schlichte Optik, die man in dieser Preisklasse einfach braucht, möchte man effektiv auf Kundenfang gehen. Optische Avantgarde ist hier Fehl am Platz, Otto Normalverbraucher schätzt das nicht. Zudem ist DM 50 schön flach und duckt sich so bescheiden unter dem Flatscreen. Nur 54,5 cm  breit, lediglich 6,5 cm hoch und 30 cm tief, fällt die exakt zusammengesetzte Box nicht auf. Anstatt mit Stoff, der Staub magisch anzieht und mit der Zeit bei Sonneneinstrahlung ausbleicht und unansehnlich wird, deckt Canton die LS-Chassis mit solidem Metallgitter ab. 5,3 kg wiegt DM 50, und die lieferbare Farbauswahl sorgt dafür, dass DM 50 auf jeden Fall zum TV und zum Geschmack des Käufers passt: Lack schwarz und weiß in seidenmatt sowie Lack silbern sind erhältlich. Der Preis ist mit 399 EUR bei jeder Variante gleich. Details passen auch, unterm DM 50 sind schicke chromfarbene Füße angebracht, so dass DM 50 wie eine edle HiFi-Komponente wirkt.

Das stabile Gehäuse, das sehr steif wirkt, ist mit bis zu 40 kg belastbar, auch das ist ein sehr respektabler Wert. Die Leistungsaufnahme im Standby-Betrieb liegt unter 0,5 Watt.

Bediensicher ist das DM 50 auch, stabil und ohne jegliche Probleme bei der Kopplung ist die Bluetooth-Verbindung schnell aufgebaut. Sauberer Klang, keine Störungen – top.

Canton hängt die Konkurrenz also klar ab – gelingt das auch klanglich bei der Blu-ray-Wiedergabe?

Klang

Bei „Tequila Sunrise“ von den Eagles (Mehrkanalmaterial) gefällt Cantons TV-Lautsprecher mit großem Klang trotz kleiner Abmessungen. Klar ertönt die Gitarre, angenehm klingt die Stimme, und selbst die Räumlichkeit ist verblüffend, wenn man die Beifallsbekundungen des Publikums anhört. Der Zuhörer fühlt sich gerade in kleineren Räumen und bei ca. 2,5 Meter Abstand vom DM 50 richtig ins Geschehen mit eingebunden. Bei „Love Will Keep Us Alive“ das gleich akustische Bild – prima Stimmeinarbeitung, die akustische Gitarre kommt mit guten Konturen heraus, und verschiedene,  parallel stattfindende akustische Ereignisse werden sauber verarbeitet. Dabei kann es auch durchaus lautstärker zugehen, denn die Pegelfestigkeit ist ausgezeichnet und die beiden 100 mm Woofer unterm Gehäuse liefern auch bei gehobener Lautstärke immer noch einen soliden und nahezu verzerrungsfreien Bass.

Beim a-ha-Hit „We’re Looking For The Whales“ (Mehrkanal-Material) gibt unser DM 50 erneut richtig Gas und erfreut uns mit einer Pegel-Gier, die andere aktive TV-Lautsprecher nicht haben. Es geht deutlich mehr, als wir erwartet haben – und zwar ohne größere Verzerrungen und ohne Durchschlagen der Basschassis. Zwar darf kein Wunder hinsichtlich des möglichen Tiefgangs erwartet werden, aber das sollte auch nicht überraschend sein. Bei „The Sun Always Shine On TV“ begeistert die Wiedergabe der Stimme und des Synthesizers. Klar, gleichzeitig harmonisch-rund und doch mit Verve, zieht Cantons TV-Lautsprecher alle Register seines Könnens. Dass eine einzige Lautsprecherkomponente so musikalisch sein kann – wir staunen und hören weiter zu. Den gesamten Aufbau bekommt Cantons „Back Box“ akkurat und nachvollziehbar hin. Für seine solche Komponente und für die Preisklasse macht die DM 50 alles richtig.

DM 50 hat auch die Möglichkeit, reines Stereo wiederzugeben. Dies haben wir (PCM 2.0) bei Andrea Bocellis und Sarah Brightmans „Time To say Goodbye“ ausprobiert. Und auch hier liefert DM 50 einen klaren und ehrlichen Klang ab. Nicht so „aufgebauscht“ wie bei der Surroundübertragung, etwas ruhiger – aber mit prima Stimmwiedergabe der Stimme Sarahs und Andreas. Die Instrumente gruppieren sich, sehr gut eingearbeitet, rund um die Stimme, die zwar fokussiert wird, aber nicht zu dem Preis, dass die Instrumente untergehen. Der Rhythmus des Stückes kommt tadellos heraus, dadurch schafft es der preiswerte TV-Lautsprecher sogar, Emotion freizusetzen.

Wie sieht es mit den Qualitäten bei der Filmtonwiedergabe aus? Wir haben den Surroundmodus bei „Batman – The Dark Knight“ eingesetzt und ab Filmbeginn zugehört. Der sehr subtile Aufbau direkt zu Filmbeginn kommt nicht so gut heraus, was daran liegt, dass die sehr kleinen Dynamikunterschiede nur von einer ausgewachsenen Heimkino-Anlage mit hochwertigem Lautsprechersystem korrekt erfasst werden können. Kein aktiver TV-Lautsprecher, es sei denn, er verfügt über enorme Abmessungen, enorme Verstärker-Power und präzisestes Decoding, wird einer solchen Situation Herr. Als dann der eigentliche Film beginnt, überzeugt DM 50 mit prima eingearbeiteten Stimmen und guter Detaillierung. So hat der Schuss, mit dem die Schergen des Jokers die Glasscheibe aus dem Wolkenkratzer sprengen, sogar Substanz, und als die Männer auf dem kiesbedeckten Dach der Bank angekommen, klingt das Auftreten der Füße auf dem Kies authentisch. Ebenso das Ansetzen des Bohrers am Tresor kurze Zeit später. Die Schusswechsel in der großen Schalterhalle bringen für das Gebäude charakteristischen Hall mit.  Die entsetzten Stimmen der Geiseln und die Befehle der Gangster, deren Gesichter mit Masken bedeckt sind, arbeitet Cantons Lautsprecher sauber heraus. Die geringe Neigung zu Verzerrungen selbst bei beträchtlichem Pegel entpuppt sich auch im Filmtonbetrieb als „Joker“ – passend zum Movie. Als am Ende der ersten Sequenz der gelbe Schulbus durch die Wand bricht, erscheint auch dieser größere Effekt durchaus nachdrücklich.

Bei „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ muss sich unser DM 50 aufs Neue beweisen. Im dritten Kapitel kommt es zu durchaus handfesten Auseinandersetzungen, und mit kräftigem Bass und verblüffend dichter Räumlichkeit werden diese aus akustischer Sicht tadellos gemeistert. DM 50 offeriert immer einen angenehmen Klang, der aber zugleich lebendig ist. Stimmen stehen nie zu stark im Vordergrund, was bei manchen TV-Lautsprechern bei der Wiedergabe so ist. Die Fahrgeräusche der Armeefahrzeuge in der großen Halle werden dynamisch präsentiert, ebenso gut kommt der Music Score heraus.

Die Konkurrenz sieht natürlich nicht tatenlos zu.

Harter Konkurrent ist Panasonics Speaker-Board SC-HTE80, für 299 EUR sogar noch mit „richtigem“ DTS-Decoder und HDMI-Terminals bestückt. Ganz so satt wie DM 50 klingt die preiswertere Alternative von Panasonic allerdings nicht, für knapp 300 EUR aber offeriert Panasonic zweifelsohne einen erstklassigen Gegenwert. Für die 100 EUR Differenz zum DM 50 kann sich derjenige, der knapp bei Kasse ist, gleich noch einen BD-Player kaufen.

Von Onyko kommt der deutlich größere aktive TV-Lautsprecher LS-T10, gleich teuer wie DM 50, im Bass etwas fülliger, aber nicht ganz so pegelfest und im Hochtonbereich nicht so klar wie die hessische Alternative. Die Verarbeitung des LS-T10 ist sehr gut, im Detail wirkt DM 50 aber noch hochwertiger. HDMI-Beschaltung haben beide TV-Lautsprecher nicht.

Quadral liefert die mit 599 EUR teuere Alternative namens Magique, der Preisunterschied zu Cantons DM 50 sind somit 200 EUR, eine nicht unerhebliche Summe. Klanglich ist Magique aufgrund der größeren Abmessungen für noch etwas größere Räume zu verwenden, es wirkt im Detail noch etwas aufwändiger gemacht, geht es um die pure Verarbeitungsqualität, kann DM 50 aber gleichziehen. Auch klanglich kommt der hessische TV-Speaker dem Hannoveraner Zauberer bedenklich nahe – das beweist auch, welch gute Arbeit die Hessen beim DM 50 geleistet haben.

Fazit

DM 50 offen

DM 50 geschlossen

Keine HDMI-Terminals, das war’s – sonst weist Cantons DM 50 keine Nachteile oder Schwächen auf. Top-Finish, sehr gute Materialqualität, ausgezeichnete funktionierendes Bluetooth, Display, hochwertige Fernbedienung und ein wirklich toller Klang – das ist unsere neue Preisklassen-Referenz für TV-Lautsprecher bis 400 EUR. Canton hat es geschafft, ein rundherum nicht nur überzeugendes, sondern sogar begeisterndes Produkt auf die Beine zu stellen. Nun muss die Konkurrenz nachlegen.

So baut man aktive TV-Lautsprecher: Grundsolide, mit starkem Klang und durchdachter Ausstattung!

TV-Lautsprecher bis 400 EUR
Test 22. Oktober 2013

+ Kraftvoller Klang
+ Gute Räumlichkeit
+ Lebendig und dynamisch aufspielend
+ Sinnvolle Ausstattung
+ Hochwertige Fernbedienung
+ Display
+ Sehr gute Verarbeitung
+ Absolut angemessener Kaufpreis

– Keine HDMI-Beschaltung

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 22. Oktober 2013




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