TEST: Teufel TV-Sounddeck Cinebase – spät auf dem Markt, aber dafür der Maßstab?

Teufel Cinebase Front Seitlich1

 

Lange hat es gedauert, aber nun stößt auch Teufel zu den bereits zahlreichen Anbietern, die leistungsfähige aktive TV-Sounddocks anbieten. Diese aktiven TV-Lautsprecher sind aufgrund ihrer unkomplizierten Art sehr beliebt, denn man kann den Flachbildschirm einfach auf die Lautsprecher-Konstruktion stellen – fertig. Und klanglich sind die Zukauf-Lösungen den oftmals erschreckend schwachen internen TV-Lautsprechern deutlich und sofort hörbar überlegen. Im Gegensatz zu gebräuchlichen Soundbar-/Subwoofer-Systemen benötigt man bei einem aktiven TV-Lautsprecher noch nicht einmal einen zusätzlichen Basslautsprecher, vielmehr sind die Bass-Chassis gleich noch im Gehäuse des aktiven TV-Lautsprechers mit eingebaut. 

Teufel Cinebase Tieftoener

Basschassis sind 2 Stück in der Cinebase integriert

Teufel ist, wie schon gesagt, spät dran, packt in die Cinebase für 599,99 EUR aber dafür üppigst Leistung rein: Der eingebaute Verstärker sorgt für Pegelorgien, die anderen aktiven TV-Lautsprechern fremd sind.  Der Class D-Digitalverstärker hat den Vorteil einer sehr effektiven Arbeitsweise, denn es wird kaum Verlustwärme produziert. Maximal stehen pro Breitbänder 25 Watt zur Verfügung, 20 Watt sind es, nimmt man die Sinusleistung als Vorgabe. Für die beiden Subwooferchassis werden 130 Watt Maximal- und 80 Watt Sinusleistung aufgerufen. So kommt man auf insgesamt 200 Watt Sinusleistung und auf 280 Watt Spitzenleistung. Ganz gleich, wie man aufgrund dieser in den technischen Daten stehenden Werte rechnet, auf die 250 Watt, die in der Beschreibung der Cinebase als Gesamtsystemleistung, kommt man auf jeden Fall nicht. 

Teufel Cinebase Bestueckung

 

Metallgitter vor den Breitband-Chassis

Sechs eingebaute Breitbänder mit je 70 mm Durchmesser und zwei sogenannte Jet-Subwoofer mit je 130 mm bringen die Leistung in den Hörraum. Die Membranen der Lautsprecher bestehen aus beschichteter Zellulose, das gilt für den Breitbänder und auch für die beiden Basschassis. Die Sonic Emotion Absolute 3D-Technologie sorgt dabei für eine als ausgesprochen realistisch empfundene Räumlichkeit. 

Wie funktioniert „Absolute 3D“?

Die Schweizer Entwickler von Sonic Emotions haben sich der Wellenfeldsynthese angenommen, welche mittels direkt nebeneinander angeordneter Speaker künstliche Schallquellen, unabhängig ihrer realen Position oder der des Zuhörers, simulieren kann. Dabei wird jeder einzelne der potentiell unendlichen vielen Speaker mit einem diskreten Signal angesteuert. Derart lassen sich räumliche Höreindrücke losgelöst von der originären Quelle erreichen. Zu diesem Zweck sind in Teufels Cinebase sechs Breitbandchassis so angeordnet, dass sie im Sinne von Absolute 3D optimal arbeiten können und eine  gleichmäßige Schallwellenfront erzeugen.

Um Mittels Wellenfeldsynthese das Musiksignal im Raum frei positionieren zu können, respektive einen möglichst fülligen Klang zu erzeugen, wird das Eingangssignal hinsichtlich seiner Frequenzbestandteile und des räumlichen Aufbaus analysiert. Ortbare und diffuse Anteile werden gesucht und separiert, gefolgt von einer Umwandlung in ein mehrschichtiges, kontrolliertes Soundfeld. Ein Bestandteil des Klangfeldes ist der Schall, der den Zuhörer direkt erreicht und ein anderer, welcher erst über Reflektionen, zeitlich verzögert ans Ohr gelangt.

Durch die Integration dieser Faktoren direkt in die Wiedergabe soll die klare Differenzierung verschiedener Elemente im Musiksignal an nahezu jeder Position im Hörraum möglich sein. Um die beiden oben genannten Ansätze mittels einer derart kompakten Komponente wie der Cinebase zu realisieren, hat Sonic Emotions in der Signalbearbeitung viele Aspekte der Psychoakustik berücksichtigt. So wird auch der Bass der beiden 13 mm Treiber in den Sonic-Programmen optimiert, im Sinne einer fülligen und gleichzeitig präzisen Wiedergabe. 

Kommen wir zurück zur Cinebase. 

An Bord befinden sich Decoder für Dolby Digital, dts und Dolby Pro Logic II. Eine Ein- und Ausschaltautomatik fehlt auch nicht. Im Standby-Betrieb werden lediglich 0,4 Watt an Leistung benötigt. 

Teufel Cinebase Unterseite2

Zwei Woofer mit jeweils 130 mm Durchmesser

Teufel Cinebase NFC

 Bluetooth und NFC gehören zum Ausstattungsumfang

Das Device macht einen außergewöhnlich hochwertigen und soliden Eindruck. Das Bassreflexgehäuse besteht aus dickem MDF und ist sorgfältig foliert. Die gerundeten Ecken sichern eine elegante, zeitlose Erscheinung. Leider fehlt ein Display, dieses wäre bei den verschiedenen Absolute 3D Betriebsarten durchaus nützlich gewesen.

Mitgeliefert wird eine kompakte, etwas dicke Fernbedienung, die wohltuenderweise auf billige Folientasten verzichtet. Und nun kommt die Erlösung – es gibt für die drei Surroundmodi immerhin auf der Fernbedienung jeweils eine eigene Taste. Auch die Eingänge sind direkt anzuwählen, sehr praktisch. 

Teufel Cinebase Fernbedienung,

Fernbedienung 

Teufel Cinebase Rueckseite Seitlich3

Rückansicht komplett

Teufel Cinebase Anschluesse Rueckseite2

 Gutes Anschlussangebot: HDMI Ein- und Ausgang,  optischer Digitaleingang, analoger Stereo-Cincheingang

Die Konstruktion arbeitet nach dem 2-Wege-Prinzip und bringt 11,30 Liter Netto-Innenvolumen mit. Die HDMI-Anschlüsse, ein Eingang und ein Ausgang, entsprechen der HDMI-Norm 1.4b. Die HDMI-Protokolle CEC und ARC werden unterstützt. Weitere Anschlussformen – analoger Stereo-Cincheingang sowie ein optischer Digitaleingang. Die USB-Buchse ist nur für Service-Betrieb vorgesehen. An drahtlosen Verbindungen ist Bluetooth dabei, und auch NFC für besonders einfache Kopplung fehlt nicht. Die Cinebase wiegt 11,7 kg, ist 73 cm breit, 11 cm hoch und 41 cm tief. 

Klang

Wenden wir uns gleich zu Beginn den verschiedenen, direkt per Fernbedienung anwählbaren Sonic-Betriebsarten zu. „Sonic 1“ ist für „Stereo-Raumklang“ zuständig und simuliert eine breite Stereo-Klangbühne, was in der Praxis gut funktioniert, gerade bei Musikmaterial. „Sonic 2“ betont vokale Anteile gekonnt, während Sonic 3 mit Loudness-Funktion arbeitet und auch bei niedriger Lautstärke einen vollen Klang garantiert. Generell garantieren die Sonic Emotion-Programme einen räumlich dichten und lebendigen Sound. 

Beim Action-Spektakel „Avengers“ rafft sich die Cinebase gleich zu Höchstleistungen auf. Wir starten beim Kapitel „Der Krieg“, und nach wenigen Sekunden müssen die beiden verbauten 130 mm Basschassis gleich alles geben: Dann erscheint mit ohrenbetäubendem Gebrüll die gepanzerte Riesenechse und beginnt ihre Welle der Zerstörung. Häuserfronten werden zerstört und ganze Straßenzüge in Schutt und Asche gelegt, und die Cinebase agiert so gut, dass man sich gleich voll ins turbulente Geschehen integriert fühlt.

Wir arbeiten mit dem Sonic-Modus 2, der ein sehr weitläufiges und lebendiges Klangbild sicherstellt. Die Stimmen, weil der Modus ja vokale Elemente hervorheben soll, sind natürlich ein wenig zu stark im Vordergrund, dafür aber immer gut verständlich. Natürliche Stimmwiedergabe ohne zu starken Fokus ist auch im Modus Sonic 1 möglich, allerdings ist hier die räumliche Wirkung nicht ganz so intensiv. Was die Sonic-Betriebsarten leisten,  merkt man am besten, wenn man sie deaktiviert – dann erscheint der Klang an die Cinebase gefesselt, den Effekten fehlt es an Vielschichtigkeit, und der Zuschauer fühlt sich auf Distanz zum Geschehen auf dem Screen.

Ganz gleich, ob Faustschlag oder explodierende Gebäude beziehungsweise brennende, fliegende Fahrzeuge: Die Cinebar schafft ein überraschend facettenreiches, räumlich dichtes Klangbild. Sogar recht komplexe Effekt-Gefüge werden mit korrekter Herausstellung der dynamischen Differenzen dargestellt. Dabei vergisst die Cinebase auch die Einarbeitung des imposanten Music Score nie. Verblüffend ist bei allen akustischen Ereignissen, wie kräftig und gewandt das doch recht kompakte Gerät im Bassbereich auftritt. Hier ertappt man sich, wie man einen, wenn auch als kompakt vermuteten, aktiven Subwoofer sucht, der natürlich nicht vorhanden ist.

Verglichen mit anderen aktiven TV-Lautsprechern erfreut der komplette, zugleich aber kultivierte Klang der Cinebase. Hierbei helfen offensichtlich verschiedene Faktoren. Zum einen die sehr gelungenen Absolute 3D Programme, zum anderen die reichlich eingeschenkte Endstufenleistung und zum dritten das steife, verwindungsfreie Gehäuse. Teufels Ingenieure haben die Cinebase überdies mit Sorgfalt abgestimmt, so kommen auch kurze Impulse wie der Schuss mit dem Pfeil von Hakweye heraus oder aber das Beschleunigen von Stark in seinem raketengetriebenen Iron Man-Anzug. 

Kann Teufels Cinebase auch im Musikbetrieb überzeugen? Hier haben wir den aktiven TV-Lautsprecher richtig rangenommen: Wir arbeiten mit der orchestralen Eröffnung sowie der ersten Arie aus Wolfgang Amadeus Mozarts weltberühmter Oper “Figaros Hochzeit” (BD, DTS-HD High Definition 5.1, Susanna gesungen von Anna Netrebko, Figaro gesungen von Ildebrande D’Arcangelo, gespielt von den Wiener Philharmonikern unter Nikolaus Harnoncourt) . Hätte uns die Cinebase bei Filmmaterial nicht so begeistert, hätten wir dem Berliner Aktivlautsprecher auch nicht so viel zugemutet, also „selber schuld“. Nun zu unseren Eindrücken. 

Gleich zu Beginn der Aufführung dringt das Murmeln des Publikums ans Ohr des Hörers. Im Modus „Sonic 1“ mit der breiten Stereo-Bühne wird dieses überzeugend-echt übertragen. Das Klatschen allerdings klingt etwas blechern und undifferenziert. Nun wollen wir aber kein Klatschen bewerten, sondern die Eröffnungs-Einlage des Orchesters unten im Orchestergraben. Und hier schlägt sich die Cinebase sehr gut – vor allem die Dynamik beim Einsatz des gesamten Orchesters ist so deutlich besser als bei allen anderen uns bekannten aktiven TV-Lautsprechern, dass man Teufel hier nur beglückwünschen kann.

Die Streicher wirken sauber eingearbeitet und zeigen sogar Ansätze von Brillanz und Luftigkeit. Das ganze Geschehen wird aus akustischer Sicht selbst bei Pegeln noch präzise abgebildet, die die meisten anderen Sounddecks und TV-Lautsprecher erst gar nicht erreichen können, weil entweder den Verstärkern oder den verbauten Chassis die Luft ausgeht.

Die erste Arie beweist dann die Qualität der Cinebase aufs Neue – hier singen Netrebko als Susanna und D’Arcangelo als Figaro in einer Art und Weise zusammen, dass man sich nur verblüfft die Augen reibt: Mit Substanz, Ausdruckskraft und Dynamik ertönt die männliche, mit Klarheit, Frische und subtiler Nuancen-Einarbeitung die weibliche Gesangsstimme. Hier arbeitet die Cinebase das Klanggeschehen auf der Bühne mit natürlichem Gesamteindruck auf, denn auch die Instrumente des Orchesters müssen sich hinsichtlich der Güte der Einarbeitung keinesfalls verstecken. 

Ordentlich Gas gibt die Cinebase auch dann, wenn Musik auf drahtlose Art und Weise per Bluetooth zugespielt wird. Allerdings macht sie aus miesem Material keinen Hehl und schönt dieses nicht bei der Wiedergabe. Wenn das Quellmaterial gut ist, kann man aber, wie bei „Ping Pong“ des niederländischen Star-DJs Armin von Buuren, von überragender Wiedergabegüte ausgehen. Der volle Bassbereich begeistert, mit dem Kickbass hat die Cinebase keinerlei Probleme. Natürlich geht es noch härter, noch druckvoller – aber für einen aktiven TV-Lautsprecher sind die Ergebnisse im Sonic 1 Modus erstklassig. Auch die Verteilung der verschiedenen Effekte im Hörraum gelingt ausgezeichnet.

„We Are The Party“ von DJ Antoine wirkt auch lebhaft, durchaus nachdrücklich und ist mit einer weitläufigen, glaubwürdigen Räumlichkeit versehen. Dynamische Unterschiede kommen sehr gut zum Ausdruck, und das gesamte klangliche Geschehen erscheint nicht oberflächlich, sondern komplett und satt.

„Skyfall“ von Adele setzt diesen erfolgversprechendne Weg der Cinebase mit einer anderen Art von Musik nahtlos fort. Klar und sogar relativ detailreich ertönt zu Beginn das Piano, die Stimme Adeles wirkt natürlich und nicht im Ansatz synthetisch. Der Dynamiksprung, als der Song Fahrt aufnimmt, wird impulstreu herausgearbeitet. 

 Die Teufel Cinebase trifft auf starke Konkurrenz.

Sony HT-XT1: Richtig nobel und elegant tritt Sonys aktiver TV-Lautsprecher auf, der überdies noch besser mit decodern und HDMI-Terminals bestückt ist. Satte 250 EUR günstiger ist Sonys schicke Alternative auch noch – wo bleibt da der „typisch Teufel“-Vorteil? Ein noch deutlich präziserer Bass, noch mehr Pegelfestigkeit und die überragenden Sonic Emotions-Programme machen hier den Unterschied. Geht es um Sound, kommt an der Cinebase keiner vorbei.

Klipsch SB 120: Keine Ausstattung – keine Decoder, kein HDMI -, aber massiver Klang: Aus akustischer Sicht überzeugt die SB 120, die 499 EUR kostet. Problem ist aber, dass die Cinebar das gleiche kostet, aber sogar noch besser klingt. Hier bewahrheitet sich der alte Spruch: „Das Bessere ist des Guten Feind“. 

Onkyo LS-T10: Für 399 EUR ist Onkyos LS-T10 ein recht leistungsfreudiger aktiver TV-Lautsprecher mit Bluetooth und solidem Bass. Die Sonic Emotion-Betriebsarten sind leider beim LS-T10 nicht so gut integriert wie bei der Cinebase, der Klang ist im Hochtonbereich leicht bedeckt. Zudem fehlen HDMI-Anschlüsse. Die Verarbeitung der 200 EUR teureren Cinebase ist deutlich hochwertiger – das kann man aber bei dem Mehrpreis auch erwarten. 

Fazit

Teufel Cinebase Front Seitlich5

„Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“, sagt eigentlich der Volksmund. Im Falle der Teufel Cinebase, die  erst jetzt zum bereits ausgesprochen umfangreichen Sortiment an aktiven TV-Lautsprechern auf dem deutschen Markt stößt, wäre eine Strafe aber in keinster Weise berechtigt. Akustisch bietet sie die beste Leistung, die wir bis zum heutigen Test-Tag von einem aktiven TV-Lautsprecher vernehmen durften. Ganz gleich, ob Musik oder Filmton, ganz gleich, ob Weitläufigkeit, Pegelfestigkeit, Klarheit oder Räumlichkeit – souverän setzt die Berliner TV-Soundstation neue Bestwerte und verweist die Konkurrenz auf die Plätze. das hochsolide Gehäuse, die hervorragend integrierten Sonic-Betriebsarten und die leistungsfähigen Endstufen sind Garant für diesen großen Erfolg. Auch der Preis von 599 EUR steht einem Erfolg nicht im Wege, denn für diese Leistung ist er absolut angemessen. 

Gibt Gas, macht Spaß: Teufels Cinebase definiert Klangqualität bei aktiven TV-Lautsprechern neu
referenz
Gesamt-Referenz aktive TV-Lautsprecher
Test 16. September 2014

+ Sehr pegelfest
+ Exzellente Sonic Emotion-DSPs
+ Klar und überraschend detailreich
+ Hochwertige Verarbeitung
+ Stabile Bluetooth-Signalübertragung
+ HDMI Ein- und Ausgang

– Kein Display

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 16. September 2014




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