XXL-TEST JBL Live Pro+: Was kann der TWS-Hörer mit adaptivem Noise Cancelling und IPX4 Zertifizierung?

Nachdem wir uns in einem XXL-Test schon den JBL LiveFree NC+ TWS genauer angesehen haben, beschäftigen wir uns in diesem Test mit dem JBL Live Pro+ TWS-Hörer.

Die True Wireless Hörer sind in den Farben Schwarz, Pink, Weiß oder Beige erhältlich und sprechen damit sowohl das weibliche als das männliche Geschlecht an. Als Testgerät haben wir, ganz klassisch, die schwarze Variante erhalten. Erhältlich sind die JBL Live Pro+ In-Ears für derzeit 179 EUR, inklusive adaptivem Noise Cancelling mit "Smart Ambient" Funktion.

Um die TWS-Hörer vor Umwelteinflüssen zu schützen, besitzen diese eine IPX4 Zertifizierung. Dadurch sind die In-Ear Hörer gegen allseitiges Spritzwasser immun.

Die angegebene Wiedergabezeit mit rund 7 Stunden setzt keine neuen Bestmarken (beim Cambridge Audio Melomania 1+ z.B. gibt es bis zu 9 Stunden Wiedergabezeit), ist aber wiederum nicht schlechter wie das, was die Konkurrenz durchschnittlich zu bieten hat. Wenn das mitgelieferte Ladecase voll geladen ist, können die In-Ears bis zu drei mal geladen werden - weitere 21 Stunden Wiedergabezeit verbergen sich im kompakten Etui.

Der komplette Lieferumfang

Ohrstöpsel in fünf unterschiedlichen Größen

Damit die In-Ears bestmöglich an den Gehörgang des Nutzers angepasst werden können, liefert JBL gleich fünf paar verschiedene Ohrenstöpsel aus Silikon mit. Zusätzlich zu den Ohrstöpseln kann mit mittels der App geprüft werden, ob die In-Ears auch richtig sitzen, dazu später aber gerne mehr.

Das Ladecase für die JBL Live Pro+ TWS

Sollte den JBL Live Pro+ unterwegs einmal der Saft ausgehen, können diese, wie üblich bei TWS-Kopfhörern, im mitgelieferten Ladecase geladen werden. Dieses besteht aus Kunststoff und ist dem jeweiligen Farbton der Earbuds angepasst. Auf der Oberseite des Cases befindet sich ein JBL Logo. Um das Ladecase zu laden, befindet sich im Lieferumfang ebenfalls ein USB-Kabel. Ein Ladegerät sucht man vergeblich, wie auch bei fast allen Konkurrenten.

Ladecase geöffnet

Wie eingangs erwähnt, ist das mitgelieferte Ladecase in den Farben der In-Ears gehalten und ist somit in schwarzem, weißem, beigem oder pinkfarbenem Kunststoff ausgeführt. Die Qualitätsanmutung des Case macht einen soliden Eindruck; dank der geringen Abmessungen kann es problemlos in der Jacken- oder auch Hosentasche verstaut werden. Klappt man das Case auf und entnimmt die In-Ears, fällt der Blick gleich auf die Ladekontakte, mit der die In-Ears aufgeladen werden. Natürlich werden die Earbuds durch Magnete im Case fixiert, damit diese beim Ladevorgang in der richtigen Position sitzen. An vorderen Rand informieren ingesamt drei LEDs über den Ladezustand des Cases. Was leider schade ist: Auch bei diesem Testkandidaten müssen wir den Klappmechanismus kritisieren, denn er besteht nicht aus Metall, nur aus Kunststoff.

Möchte der Nutzer den Ladezustand der In-Ears kontrollieren, wird die "My JBL Headphones App" benötigt, auf diese wir später im Test natürlich noch genauer eingehen werden. Auf der Rückseite des Ladecase befindet sich ein USB-Anschluss, damit das Case geladen werden kann. Die gesamte Ladedauer des Cases mit Kopfhörer beträgt ca. zwei Stunden. Durchaus kein schlechter Wert, wenngleich er durchaus noch geringer ausfallen dürfte.

 
 
Ladebuchse am Case
 
 
Drei LEDs informieren über den Betriebszustand
 
Gehen wir nun genauer auf die Earbuds ein.
 
 
Im oberen Teil der In-Ears sind Berührungssensoren untergebracht

Auf dem oberen Teil der In-Ears befinden sich Berührungssensoren, mit denen sich die TWS-Hörer steuern lassen.

Welche Funktionen durch Berühren der Sensoren möglich ist, möchten wir auch in diesem Test wieder genauer erläutern:

Wir starten mit dem Berührungssensor vom linken In-Ear. Werksseitig übernimmt die linke Seite die Umgebungsgeräusch-Kontrolle. Durch einmaliges Tippen wird das Noise Cancelling aktiviert bzw. deaktiviert. Betätigt man den Berührungssensor links zweimal, wird TalkThru ein- bzw. ausgeschaltet und bei einer langen Berührung wird der Sprachassistent im Smartdevice aktiviert. Erfolgt ein Anruf, kann der eingehende Anruf mittels zweimaliges Tippen angenommen und auch beendet werden. Möchte man einen Anruf ablehnen und im Meeting den Anruf stumm schalten, reicht eine längere Berührung aus.
Der rechte Earbud hat noch weitere Aufgaben und ist für die Musik-Wiedergabesteuerung zuständig. Tippt man den rechten In-Ear kurz an, wird die Wiedergabe gestartet bzw. pausiert. Ein doppeltes Tippen reicht, um den nächsten Titel abzuspielen und ein dreifach Tippen ruft den vorherigen Titel auf. Ein längeres Drücken aktiviert auch hier den Sprachassistenten des Smartphones. Die Anruffunktionen sind mit denen des linken In-Ears identisch. 

Die Gestensteuerung lässt sich bei JBL auch nach den eigenen Wünschen gestalten. So kann der Nutzer beim linken und rechten In-Ear zwischen der Steuerung für die Wiedergabesteuerung, Umgebungsgeräusch-Kontrolle, Lautstärkeregelung sowie Sprachassistent auswählen. Wer die Berührungssensoren überhaupt nicht verwenden möchten, kann diese auch deaktivieren. Die Gestensteuerung wird in der My JBL Headphones App vorgenommen.

Ladekontakte an den Ear-Buds

Einrichtung und App

Auch beim Live Pro+ TWS hält JBL für die Ersteinrichtung die my JBL Headphones App parat. Diese ist für Android und iOS Geräte verfügbar. Wir haben von der Inbetriebnahme und der Ersteinrichtung wieder zahlreiche Screenshots erstellt, die wir in diesem Abschnitt genauer erläutern möchten:

Da die My JBL Headphones App bei uns schon Verwendung findet, wählen wir "Gerät hinzufügen" nach starten der App aus

Vorauswahl in der App, welcher Kopfhörer verbunden werden soll

Jetzt müssen - im Bluetooth Menü unseres Smartphones - die JBL TWS-Hörer gekoppelt werden

Nach dem Aktiveren von Bluetooth auf unserem Smartdevice wird unser Testproband sofort erkannt

Neu in der App ist der Punkt "Meine beste Passform prüfen"

Dazu müssen die Ear-Buds in den Gehörgang eingesetzt werden und die Messung beginnt 

Die Passform wird nun geprüft. Leider konnten wir durch Verwenden unterschiedlicher Ohraufsätze keinen Unterschied im Passform-Test feststellen

Im nächsten Schritt kann der Sprachassistent ausgewählt werden, wenn man diesen Dienst nutzen möchte

Zuweisung der Gestensteuerung für den Sprachassistenten

Zudem ist ein Benutzerhandbuch in die App integriert

Unsere LivePro+ in der Übersicht. Der orangene Pfeil bei den Ear-Buds signalisiert, dass ein neue Software-Update zur Verfügung steht

Bei diesem Punkt kann die Geräuschunterdrückung ein- und ausgeschaltet werden.  

Bei Aktivierung kann ausgewählt werden, ob die Umgebungsgeräusche ausgeblendet werden oder ob sich der Träger der TWS auf einer Reise befindet und somit die perfekte Geräuschunterdrückung für Flug- und Bahnreisen abrufen möchte.

Bei aktivieren der Umgebungsgeräusch-Kontrolle, kann der Nutzer entscheiden, was er an Geräuschen wahrnimmt

Auch für die Bluetooth-Verbindung sind verschiedene Einstellmöglichkeiten vorhanden

Auch über unterschiedliche Equalizerkurven verfügen die JBL Live Pro+

So kann der Nutzer zwischen den Equalizerkurven Jazz, Vocal oder Bass auswählen. Eine eigene Kurve kann natürlich ebenfalls erstellt werden

Ein Update ist für unsere Testkandidaten verfügbar

Das Firmware-Update wurde erfolgreich durchgeführt

Hauptmenü der JBL Live Pro+

Hier können Änderungen an der Gestensteuerung vorgenommen werden

Aktiviert man die "Find Me" Funktion, wenn z.B. das "heimische schwarze Loch" zugeschlagen hat, ertönen laute Töne aus den In-Ears.

Typisch für JBL TWS-Kopfhörer kommt auch unser aktueller Testkandidat wieder mit einer umfangreichen Ausstattung. Das beginnt schon bei der großen Auswahl an Ohrpassstücken. Leider funktioniert der Test, ob man die korrekte Größe ausgewählt hat, über die App nicht so wie gewünscht. Ansonsten liegt alles im grünen Bereich: Gute Verarbeitung, effektives, gut auf die jeweilige Situation abgestimmtes Noise Cancelling und ein paar DSPs sowie EQ-Einstellmöglichkeiten.

Klang

In diesem Abschnitt möchten wir uns den Klangeigenschaften der JBL True Wireless Hörer kümmern. Wir spielen als ersten den Titel "Goodbye" von Takida zu. Natürlich testen wir zuerst die verschiedenen Equalizerklangkurven. Letztendlich entschließen wir uns, eine eigene Equalizerkurve zu erstellen. Die beiden Klangmodis "Jazz und Bass" klingen unserer Ansicht nach etwas unausgewogen und lassen den Mitteltonbereich ein Stückchen in den Hintergrund rutschen. Der Klangmodi "Vocals" ist unserer Meinung nach gut für Podcast & Co. geeignet, hat aber bei der Musikwiedergabe keine Daseinsberechtigung. Was uns gleich zu Beginn auffällt, dass die In-Ears nicht besonders laut spielen können. Aktiviert man die Geräuschunterdrückung, fällt der Maximalpegel nochmals leicht ab. Nun aber wieder zurück zur Wiedergabe. Die JBL Live Pro+ TWS gefallen durch eine sehr schönen Wiedergabe der Vocals und auch die E-Gitarren erklingen glaubwürdig. Auch der Bassbereich kommt nicht zu kurz, aber wenn dieser doch etwas mehr Durchschlagskraft vertragen könnte. Die Präzision ist aber ordentlich, und die Impulstreue kann auch nicht ernsthaft kritisiert werden. Den schnellen Rythmus bekommen die In-Ears gut auf die Reihe. 

Weiter geht es mit den Punkrockern von Broilers. Wir lassen uns den Track "Alles wird wieder ok" vom brandneuen Album Puro Amor von den TWS-Hörern wiedergeben. Auch hier punkten die JBL-Hörer mit einer sehr soliden Wiedergabe. Die Stimme von Sammy erklingt in unserem Gehörgang glaubwürdig, hat durchaus Charisma. Den Rhythmus geben die TWS-Earbuds wieder mit  untadeliger Impulstreue wieder. Die einzelnen Instrumente werden gut auseinander differenziert, gleichzeitig ertönt ein homogenes akustisches Gesamtbild. Etwas störend ist nur der schon zuvor kritisierte, nicht allzu hoch liegende maximale Pegel.

Nun starten wir die Wiedergabe von "One More Time" vom Trio bestehend aus Robin Schulz, Felix Jaehn und Alida. Hier liefern die True Wireless In-Ears ein klares, frisches Klangbild ab, wenn man sie in neutraler EQ-Einstellung betreibt. Klar, justiert man selber nach, kann man noch etwas "Pfeffer" zum Beispiel im Bassbereich addieren. Die wirklich erstaunlich lebendige Präsentation der weiblichen Gesangsstimme ist aber ein großer Vorzug, den man nicht durch Verbiegen der Frequenzkurve mutwillig zunichte machen sollte. Wiederum keine Schwierigkeiten haben die Live Pro+ mit dem Rhythmus, die Bässe ertönen mit guter Präzision und weisen bei diesem Track auch ein erfreuliches Fundament auf. 

Zoe Wees mit dem Song "Girls Like Us" erklingt nun aus unseren In-Ears. Auch hier sind wir - ohne zu übertreiben - gefesselt von der sauber getroffenen Stimmfarbe. Gerade bei der durchaus als komplex zu bezeichnenden Stimme mit kleinen, feinen, speziellen Merkmalen hätten wir dem JBL-TWS-Kopfhörer eine solche Performance nicht zugetraut. Auch als der Titel dann an Fahrt aufnimmt bleiben die JBL Live Pro+ TWS souverän und liefern dabei erneut einen ausgezeichneten Bass. Gleichzeitig flacht der Mitteltonbereich nicht ab, sondern erhält die korrekte Präsenz, was bei der im Titel klar fokussierten Stimme auch nötig ist.

Nun möchten wir unseren Klangtestreihen abschließen und möchten dennoch die JBL TWS-Hörer noch einmal anständig fordern. Wir starten die Wiedergabe von "Shallow", von Bradley Cooper und Lady Gaga. Auch bei diesem Titel schlagen sich die JBL In-Ears überraschend gut. Bradleys Gitarre erklingt recht detailliert und seine Stimme wirkt aufgeräumt und hat ein gewisses Charisma. Auch als Lady Gaga dann mit in den Titel einsteigt, zeigen sich TWS Hörer unbeeindruckt und baut eine dichte Atmosphäre auf. Natürlich hört man hier nicht jede Nuance heraus, die bei einem äußerst hochwertigen Kopfhörer wahrnehmbar ist, aber für die Preisklasse ist die Wiedergabeleistung als sehr gut zu bezeichnen.

Zudem besitzen die JBL Live Pro+ TWS eine Freisprecheinrichtung die wir natürlich ebenfalls genauer unter die Lupe genommen haben. Der Angerufene versteht uns sehr gut, nur eine leichter Hall ist beim Angerufenen wahrnehmbar. Wir hören unseren Gesprächspartner ebenfalls in insgesamt guter bis sehr guter Qualität. Einschränkung: Auch hier ist ein deutlicher Hall hörbar.

Konkurrenzvergleich

Cambridge Audio Melomania 1+: Für knapp 130 EUR ist der Melomania in der jüngst präsentierten überarbeiteten "1+" Variante ein klangstarker True Wireless In-Ear-Kopfhörer. Was den maximal möglichen Pegel angeht, liegt der Melomania gegenüber dem JBL klar vorne. Bei der Ausstattung verhält es sich umgekehrt. Der Cambridge Audio-TWS hat kein aktives oder adaptives Noise Cancelling, und die App bietet deutlich weniger Einstellmöglichkeiten. 

Panasonic RZ-S500W: Nur noch knapp 100 EUR kostet der rundherum überzeugende Panasonic TWS. Für diesen Preis nahezu konkurrenzlos, denn neben einer vernünftigen Verarbeitung gibt es auch ein sehr gutes aktives Noise Cancelling, einen ordentlichen Maximalpegel und einen kräftigen, fundierten Klang.  Der JBL besitzt aber eine nochmals umfangreichere Ausstattung.

Schon ein Klassiker sind die Apple AirPods Pro, die ehemals knapp 280 EUR kosteten. Mittlerweile bekommt man die TWS-Kopfhörer mit aktivem Noise Cancelling und Transparency-Modus schon knapp über 200 EUR. Verarbeitet sind sie richtig gut, alles wirkt edel und solide, wenngleich das hochglänzende Case durch die Kratzempfindlichkeit nach einem Silikon-Überzug geradezu schreit. Klanglich sind die AirPods Pro nach wie vor gut, klingen kräftig und homogen. Der maximal mögliche Pegel geht in Ordnung, ist aber auch nicht enorm hoch.

Fazit

Für rund 179 EUR erhält der Käufer einen sehr gut klingenden TWS-Hörer, der zudem gegen Stahlwasser geschützt ist. Das Case, das ist der selben Farbe gehalten ist wie die In-Ears macht einen soliden Eindruck. Bemängeln können wir hier, wie bei den meisten Mitbewerbern, nur den Klappmechanismus des Deckels. Dieser könnte aus Metall gefertigt sein und nicht nur Kunststoff. Durch unterschiedliche Ohrstöpsel können die JBL Live Pro+ TWS auch perfekt an den Hörgang des Nutzers angepasst werden und die App prüft zudem, ob die In-Ears auch tatsächlich richtig sitzen. Das finden wir ein tolles Gimmick. Allerdings hat es bei unseren Testreihen keinen Unterschied gemacht, welchen Ohraufsatz verwendet haben. Die My JBL Headphones App funktionierte tadellos und überzeugt mit einer einfachen und intuitiven Bedienung. In den Klangtestreihen durften wir feststellen, dass die EQ-Kurven von JBL deutlich überarbeitet wurden, wenngleich es nach wie vor der beste Weg ist, ein eigenes Setup zu erstellen. Insgesamt tadellos gefallen hat uns die Musikwiedergabe. Für eine saubere Stimmwiedergabe belässt man den TWS am besten in einer neutralen EQ-Einstellung. Dann kommen Stimmen überraschend charismatisch heraus, und gerade bei Electro- oder House-Titeln kokettieren die JBL-Kopfhörer auch mit solidem Punch im Bassbereich. Punktabzüge gibt es für den relativ geringen maximalen Pegel. 

Sehr gut klingender TWS-Hörer mit äußerst umfangreicher Ausstattung

TWS-Kopfhörer bis 200 EUR
Test 27. Mai 2021

 

Test und Bilder: Sven Wunderlich
Redaktion: Carsten Rampacher
Datum: 27. Mai 2021

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