XXL-TEST: Apple True Wireless In-Ear-Kopfhörer AirPods Pro mit aktiver Geräuschunterdrückung

Die neuen Apple AirPods Pro mit aktiver Geräuschunterdrückung liegen bei 279 EUR. Sie sind optisch verändert im Vergleich zu den nach wie vor lieferbaren AirPods 2 (mit konventionellem Ladecase für Preise um die 145 EUR erhältlich, UVP war einst 179 EUR). Es finden sich Ohrpassstücke aus Silikon (innen konisch geformt) in drei unterschiedlichen Größen (S, M, L) im Lieferumfang, „M“ ist ab Werk montiert. Zudem sind die AirPods Pro kürzer, das Ohrstück an sich ist aber ausladender. Daher benötigen die AirPods Pro auch ein breiteres Case, das aber nach wie vor in jede Tasche ohne Schwierigkeiten passt.

Verarbeitung, Lieferumfang und Handhabung

Verpackung, gewohnt hochwertig, wie man es von Apple kennt

Aufwändig gemacht, aber auch das ist bekannt

Noch mit Folie umwickeltes Case

Kompletter Packungsinhalt. In der Mitte des Kabels die Ohrpassstücke in zwei weiteren Größen

Case und Ladekabel

Hochglänzendes Case

Earbuds

Die AirPods Pro sind sehr gut verarbeitet, wirken aber von der Opulenz der verwendeten Materialien her günstiger als ein Produkt, das knapp 280 EUR kostet. Im Karton enthalten sind Ohreinsätze in insgesamt drei Größen und ein Lightning-Ladekabel. Der Mehrpreis zu den normalen AirPods 2, die für Marktpreise um die 145 EUR zu haben sind, fällt schon enorm hoch aus. Das Case ist formschön und etwas breiter als das hinlänglich bekannte der AirPods. Wir raten, aufgrund der hochglänzend-weißen Oberfläche des Case eine Schutzhülle überzustülpen. Unter 10 EUR kann man schon Brauchbares aus Silikon z.B. erwerben.

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Den Lightning-Anschluss braucht man nicht zwingend. Kabelloses Laden ist ebenfalls möglich 

Blick ins Case

Immerhin ist bei den AirPods Pro ein kabelloses Ladecase gleich im Lieferumfang enthalten, was den Preisunterschied zu den normalen AirPods reduziert. Die normalen AirPods 2 inklusive kabellosem Ladecase liegen derzeit bei rund 190 EUR (ursprüngliche UVP: 229 EUR). Damit reduziert sich der Aufpreis auf rund 90 EUR, das ist schon realistischer. Die AirPods Pro gibt es derzeit, da brandneu, natürlich noch nicht unter Listenpreis. Zumindest nicht bei seriösen Verkaufsquellen. Im kabellosen Ladecase mit Qi-Kompatibilität stecken absolut ausreichende Laufzeiten: Mehr als 24 Stunden sind möglich.

Energie für mehr als 24 Stunden

Mit einer Ladung kommen die Earbuds rund 4 bis 4,5 Stunden weit, bei normalen, mittleren Pegeln. Für ANC-True Wireless-In-Ears auf jeden Fall akzeptabel. Und: Wer nur 5 Minuten lädt, kann sich schon wieder über eine Stunde Wiedergabe freuen. Kein Marketing-Gerede – funktioniert tatsächlich.

Tipps für die Handhabung während dem ersten Verbindungsaufbau

Auch die Handhabung ist kinderleicht, sofort erfolgt die Verbindung (getestet mit iPhone 7 Plus, iPhone X und iPhone XS Max), und es kann losgehen. Apples Sprachassistent Siri ist natürlich an Bord.

Natürlich fehlt auch Siri nicht

Mit dem üblichen „Hey Siri“ wird die Anfrage gestartet und sowohl auf dem Screen des iPhones als auch per Sprachantwort bekommt man die Ergebnisse mitgeteilt. Nimmt man ein AirPod aus dem Ohr, wird zuverlässig die Wiedergabe unterbrochen. Setzt man ihn wieder ein, geht es weiter. Zugegeben, Kleinigkeiten. Die bei manchen Konkurrenzprodukten aber entweder nicht so zuverlässig funktionieren oder immer noch nicht vorhanden sind. Zudem kann man mittels Audiofreigabe einen Song zwischen zwei AirPods-Paaren teilen.

Aktive Geräuschunterdrückung

Mit aktiver Geräuschunterdrückung

Apples AirPods pro bringen eine sehr gut arbeitende aktive Geräuschunterdrückung mit. Laut Apple sind die AirPods Pro die einzigen In-Ear-Kopfhörer, deren ANC sich laufend an die Geometrie der Ohren des Hörers anpasst. Ein nach außen gerichtetes Mikrofon erkennt Umgebungsgeräusche. Die AirPods Pro erzeugen nach Erfassung der Umgebungsgeräusche einen passenden Anti-Schall, der die Umgebungsgeräusche wirkungsvoll eliminiert. Ein weiteres nach inneren gerichtetes Mikrofon ermittelt im Ohr unerwünschte Geräusche, und auch diese werden durch Anti-Schall neutralisiert. Die Geräuschunterdrückung arbeitet dynamisch. Das heißt, sie wird ständig 200 Mal pro Sekunde an die aktuellen Bedingungen angepasst.

Weitere praktische Funktion: Wenn man den Drucksensor am unteren Ende der Earbuds gedrückt hält, wechselt man zwischen vollem ANC und dem Transparency-Modus. In letzterem hört man auch Umgebungsgeräusche. So kann man z.B. während einer kurzen Unterhaltung oder während einer wichtigen Durchsage am Bahnhof oder Flughafen schnell umschalten.

Verschiedene Modi, hier ist die "normale" ANC aktiv

Transparenz-Modus

Wie arbeitet die aktive Geräuschunterdrückung? Effektiv und ziemlich rauscharm. Nur sehr laute externe Geräusche hört man nach wie vor. Ein „Transparency“  Modus, der mehr durchlässt, aber trotzdem noch einige Geräusche dämmt und diese Aufgabe gut erfüllt, ist ebenfalls vorhanden.

Linkes Ohr

Rechtes Ohr

Man kann zudem für das linke und das rechte Ohr individuell festlegen, ob man das volle Noise Cancelling, den Transparenz-Modus oder aber die Deaktivierung der aktiven Geräuschunterdrückung wünscht.

Verwendung eines eigenen Namens

Mikrofon-Zuweisung

Zudem kann man den AirPods Pro einen individuellen Namen verpassen und zuweisen, ob das Mikrofon auf beide, auf den linken oder auf den rechten Ohrhörer wirken soll. Eine automatische Ohrerkennung, die Apple-typisch zuverlässig arbeitet, kann man wahlweise auch abschalten.

Test der Ohrpassstücke

Natürlich hängt die Effizienz der aktiven Geräuschunterdrückung auch davon ab, dass man die zum Ohr passenden Ohraufsätze herausgesucht hat. Hier hat Apple mitgedacht und einen praktischen Test integriert, mit dessen Hilfe der Anwender überprüfen kann, ob er die richtige Größe für die mitgelieferten Ohrpassstücke in den Größen S, M oder L gewählt hat.

Beginn des Tests mit Erläuterungen

Genaue Anweisungen

Testergebnisse

Als Gründe für die Durchführung des Tests gibt Apple eine optimale Audiowiedergabe ebenso wie eine besonders effektive Geräuschunterdrückung an. Letztere arbeitet nur dann vernünftig, wenn die Abdichtung innerhalb des Gehörgangs stimmig ist.  Apple gibt dem Anwender präzise Anweisungen, dass man den Test erst dann starten soll, wenn die AirPods Pro bequem und fest genug im Ohr sitzen. Dann wird auf „Play“ unten im Touchscreen des iPhones gedrückt und die kurze Wiedergabe eines Musikstücks erfolgt. Im Anschluss dieses Tests kommt es zur Bewertung der Passform. Wir wählten „M“, für uns offenbar genau richtig. Für das linke und das rechte Ohr wurde eine „gute Abdichtung“ festgestellt.

Audio-Merkmale

Für eine gepflegte Akustik sorgt laut Apple der „Adaptive EQ“. Dieser passt automatisch die Musikwiedergabe an die Ohrform des Trägers an. Ein nach innen gerichtetes Mikrofon nimmt den Klang genauso wahr wie der Hörer. Dann erfolgt auf dieser Basis eine EQ Optimierung der mittleren und tiefen Frequenzen. Der speziell für die AirPods Pro entwickelte „High-Excursion“ Tieftöner soll kraftvollen Bass mit geringen Verzerrungen kombinieren. Der Verstärker lässt das Chassis Hintergrundgeräusche neutralisieren. Zusammen mit dem verbauten Apple H1 Chip steuert er den Pegel der Lautstärke für die Wiedergabe. Der Verstärker arbeitet extrem effizient und erzeugt einen großen Dynamikbereich. Durch die effiziente Arbeitsweise wird die Laufzeit der eingebauten Akkus optimiert.

Viel Technik in den kleinen Earbuds

Im Case

Zum Kernstück der AirPods Pro, dem H1 Chip, in dem nicht weniger als 10 Audiokerne arbeiten. Die Folge ist laut Hersteller eine Geräuschunterdrückung in Echtzeit, also eine extrem niedrige Latenzzeit bei der Audio-Signalverarbeitung. Das „System-in-Package“ Design ist exakt so angeordnet, dass jede Komponente basierend auf der Form des menschlichen Ohrs platziert wurde. Das sorgt für maximalen Komfort und besten Sitz.

Schweiß- und wasserabweisend

Robust sind die AirPods Pro auch, verspricht Apple. Sie sind schweiß -  und wasserresistent und eine vergrößerte Mikrofon-Öffnung an der Seite sorgt für klarer Sprachqualität, wenn es mal im Freien stürmisch zugeht. Gerade zur jetzigen Jahreszeit ein passender Ansatz.

Klang

Wir aktivieren ANC und starten mit den Klangtestreihen. Wir beginnen mit „A View To A Kill“ und sind erstaunt über die ausgezeichneten maximal möglichen Pegel. Klar, es geht noch mehr, aber hier stellt sich ernsthaft die Frage, wer es braucht und vor allem, ob es gut für die Ohren ist. Mit den Pegeln, die von den AirPods Pro bereitgestellt werden, lässt es sich hervorragend leben. Den leicht blechernen Unterton im oberen Mitteltonbereich und die etwas schrille Gesamt-Charakteristik des nur durchschnittlichen Quellmaterials können auch die rund und homogen ausgelegten AirPods Pro nicht ganz vergessen machen. Gut gefällt uns der straffe Bass. Auch an der Grobdynamik gibt es nichts auszusetzen.

Ruhiger zu geht es bei „Moonraker“,wie der erste Song eine 007-Titelmelodie. Und hier setzen sich die AirPods Pro sehr treffend in Szene. Sie sind keine Meister kristallklarer Detaillierung, aber sie bringen Substanz in die vokale Präsenz von Shirley Bassey und erfreuen den Hörer mit sehr hoher Harmonie. Diese hält selbst dann an, als Shirley ihre mächtige Stimme erhebt. Vergleichen wir nun aktivierte aktive Geräuschunterdrückung versus deaktivierte ANC. Bei deaktiverter ANC klingen die AirPods Pro etwas luftiger, weitläufiger, und auch eine Idee angenehmer bei langen Hörsessions. Umgebungsgeräusche hört man übrigens auch bei deaktivierter aktiver Geräuschunterdrückung schon weniger als bei den klassischen AirPods, da die AirPods Pro besser abdichten und somit auch passiv schon mehr Geräusche herausfiltern.

„Shallow“ von Lady Gaga und Bradley Cooper kommt mit tadelloser Plastizität heraus. Hier hätten wir mehr Oberflächlichkeit erwartet. Klar, der HiFi-Fan ist hier nicht zu 100 Prozent glücklich, aber wer einfach harmonisch, rund und doch recht detailreich hören möchte, liegt hier exakt richtig. Die Stimmen von Bradley und von Lady Gaga werden sauber eingearbeitet, weisen zugleich aber präsente Konturen auf. Das gilt auch für die Stelle, an der Lady Gaga erstmals die Stimme erhebt und die Dynamik entsprechend steigt. Die Instrumente, ganz gleich, ob Gitarre oder Klavier, werden prima herausgestellt und tadellos von den Stimmen getrennt.

Die „Desperado“ Adaption von Diana Krall offenbart ein weiteres Mal ein recht gutes Feingefühl. Lebendig, klar, kommt das Klavier heraus. Und Dianas rauchige, charakteristische Stimme arbeiten die Apple AirPods Pro überzeugend ein. Die Streicher kommen bar jeder Schärfe beim Hörer an – das sorgt dafür, dass man gerne auch mal lauter hört. Die räumliche Authentizität ist stets gegeben, die Räumlichkeit erscheint realistisch, und zugleich auch angenehm, selbst bei aktivierter ANC.

Geht es deutlich massiver im Bassbereich zu – wie bei „Stars“ von Vize – enttäuschen die AirPods Pro nicht. Der Bass hat Substanz und eine überraschende Härte. Die AirPods Pro spielen präziser und knackiger auf im Vergleich zu den konventionellen, bekannten AirPods. Sicherlich liegt das auch am besseren Sitz im Ohr. Auf jeden Fall kann man weder an der Dynamik noch an der gebotenen Räumlichkeit ernsthaft etwas aussetzen, und überdies wirkt die Wiedergabe recht emotional und fesselnd. Das gilt auch für „All Day And Night“ von Jax Jones & Martin Solveig. Lebendig, mitreißend, kräftig: Die AirPods Pro bereiten richtig Freude und liefern wieder einen gar nicht einmal übertrieben fülligen, aber recht harten und präzisen Bass.

Filme/Serien, z.B. von Netflix, stellen ebenfalls kein Problem für die AirPods Pro dar. Wir haben uns die erste Folge der ersten Staffel von "Kathedrale des Meeres" angehört. Eine tadellose atmosphärische Dichte ist ein großer Vorzug. Musik, Stimmen im Vordergrund im Hintergrund, Geräusche sich schnell bewegender Pferdehufe: Alles wird in angenehmer Tonalität, aber zugleich realistisch präsentiert. Kleine Effekte wie zwitschernde Vögel gehen nicht im akustischen Hintergrund unter, sondern werden prima herausgearbeitet. Stimmen, ganz gleich, ob männlich oder weiblich, werden charismatisch übertragen. Der Music Score, der den Spannungsbogen wirkungsvoll nachzeichnet, hat einen kräftigen Bass und eine ordentliche räumliche Wirkung. 

Wiedergabe eines Hörbuchs

Kann man mit den AirPod Pro auch Hörbücher hören? Wir testeten mit einem weiblichen und einem männlichen Erzähler. Sabina Godec liest den packenden Thriller „Brennende Narben“ von Leo Born und vermittelt gekonnt Spannung und Emotionen. Die AirPods Pro geben ihre Stimme angenehm, zugleich aber emotional mit Tiefgang wieder. Das hätten wir in dieser sehr praxisgerechten Balance nicht erwartet. Mit aktiviertem ANC wird beim beim Hören kaum von der Außenwelt gestört. Michael Schwarzmaier liest „Wolfsschlucht“ von Andreas Föhr. Auch Schwarzmaier hat eine sehr charismatische Stimme, die der Redakteur persönlich sehr schätzt. Man kann hier stundenlang zuhören und fühlt sich inmitten des Geschehens. Die AirPods Pro geben die Stimme des Erzählers mit Substanz und hervorragender Klarheit wieder. Insgesamt stellen die AirPods Pro somit eine nahezu ideale Möglichkeit dar, um nahezu überall in sehr guter Qualität Hörbücher zu genießen.

Fazit

Die Apple AirPods Pro sind wieder ein typisches Apple-Produkt. Alles ist durchdacht konstruiert, alles funktioniert hervorragend und bietet einen hohen praktischen Nutzen. Die aktive Geräuschunterdrückung arbeitet hervorragend, wenn auch nicht 100 Prozent perfekt. Die AirPods Pro werden mit drei austauschbaren Ohreinsätzen ausgeliefert. Im Zusammenspiel mit dem iPhone kann man praktischerweise testen, welche Größe der Ohreinsätze am besten passen. Die Batterielaufzeit geht mit 4 bis 4,5 Stunden in Ordnung.

Im Case befindet sich genug Kapazität für insgesamt 24 Stunden Wiedergabe. Prima auch, dass nach nur 5 Minuten Ladezeit schon wieder Energie für 1 Stunde Wiedergabe vorhanden ist. Alle Komfortfunktionen wie die Siri-Steuerung oder die Unterbrechung der Wiedergabe, wenn man einen AirPod aus dem Ohr nimmt, funktionieren völlig problemlos. Akustisch überzeugen uns die AirPods Pro mehr, als wir vermutet hätten. Im Vergleich zu den klassischen AirPods klingen sie präziser und knackiger, gleichzeitig aber rund und homogen.

Für HiFi-Gourmets sind sie nach wie vor nicht die beste Option, wer aber einen richtig überzeugenden, komfortablen und angenehm klingenden Begleiter für alle Situationen sucht, liegt bei den AirPods Pro goldrichtig. Der Aufpreis zu den normalen AirPods mit kabellosem Ladecase liegt bei rund 90 EUR (unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die AirPods mit kabellosem Ladecase von 229 auf rund 190 EUR im Preis gefallen sind), das geht in Ordnung.

Exzellente True Wireless In-Ears mit wirksamer aktiver Geräuschunterdrückung und hervorragendem Nutzwert

True Wireless-In-Ears Oberklasse
Test 26. November 2019

Test und Fotos: Carsten Rampacher
Datum: 26. November 2019

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