XXL-TEST: Denon TWS In-Ear-Kopfhörer PerL Pro - Hightech-Meisterwerk für 349 EUR?
Klang Freisprecheinrichtung
Wenden wir uns hier zunächst der Freisprecheinrichtung zu. Diese erbringt gute Ergebnisse, sogar nahezu perfekte für denjenigen, der mit den PerL Pro telefoniert. Die Stimme des Gesprächspartner ertönt authentisch und natürlich, keine Verfärbungen, keine Verzerrungen. Derjenige, der mit dem PerL Pro-Träger telefoniert, ist auch mit der Gesprächsqualität zufrieden, nimmt aber ab und zu leichtes Rauschen wahr.
Das aktive Noise Cancelling arbeitet gut, blendet aber nicht so konsequent aus wie manches ANC der Konkurrenz. Daher macht sich der Transparenzmodus, den man in Werkseinstellung durch einmaliges Antippen des linken Touchfelds aktivieren und wieder deaktivieren kann, nicht so stark bemerkbar.
Klang Hörbücher
Wir starten unsere Testreihen mit dem Hören eines Hörbuchs: „Rasende Rache“ von L.R. Wöss. Ein minimales Rauschen ist vernehmbar (Modus ANC), ansonsten sind wir von der natürlichen, charismatischen Stimmwiedergabe begeistert. Die PerL stellen atmosphärisch dicht und aus vokaler Perspektive detailreich dar. Die Stimme vom Omid-Paul Eftekhari kommt ausgezeichnet zur Geltung.
Klang Filmton
Hören wir uns nun den Filmbeginn von „Transformers 3“ an – schließlich werden auch oft mobil Filme gestreamt. Bei aktivierter Raumklangfunktion überzeugt direkt von Anfang an die gebotene Räumlichkeit, und zwar bezüglich Weite und Tiefe. Die Stimme des Autobot-Sprechers kommt gut, wenn auch minimal zu hoch, zum Ausdruck. Die erbitterte Schlacht wird recht detailliert präsentiert, der gesamte gebotene Nachdruck geht in Ordnung, ist aber nicht überwältigend – obwohl der Bassbereich durchaus als gut bis sehr gut zu bezeichen ist. Sehr gut gelingt die Ortung räumlicher Effekte, die Impulstreue ist hervorragend, ebenso die Darstellung hoher Frequenzen, die transparent, aber nicht aggressiv übertragen werden. Der Music Score kommt ebenfalls auf hohem Niveau zur Geltung, und auch kleinere Effekte wie das Tippen auf einer Schreibmaschine oder Schritte werden mit sauberen Konturen herausgearbeitet. In den vielen Actionsequenzen ergibt sich stets dasselbe akustische Bild – ebenso wie in der Schlacht zu Beginn: Präzise Effektdarstellung, akkurate Konturen & Facetten, sehr gute Differenzierung unterschiedlicher akustischer Elemente. Nur, dass es etwas an Nachdruck fehlt, trübt das Bild, aber angenehmes Anhören von Filmtonspuren ist mit dem PerL Pro auf jeden Fall möglich.
Klang Musik
Wir starten mit dem Auftakt zu Wolfgang Amadeus Mozarts Klavierkonzert Nummer 21, am Klavier der ungarische Pianist Géza Anda. Und hier schlagen sich die PerL überragend, denn das, was wir bereits beim Anhören von Filmtonspuren festgestellt haben, manifestiert sich: Eine enorm reichhaltige Detaillierung, eine exzellente Feindynamik und ein überdurchschnittlich hohes Maß an Klarheit sind die Faktoren, die dafür sorgen, dass sich Klassikfreunde mit dem PerL Pro sehr wohlfühlen dürften. Dazu bei trägt auch, dass die fürs Klavier typische Anschlagdynamik bei Andas virtuosem Spiel hörbar herauskommt. Die orchestralen Elemente gruppieren sich mit passender Gewichtung um das Klavier im Fokus.
Wir setzen fort mit der „Caruso“ Interpretation des Startenors Jonas Kaufmann. Hier überzeugt uns schon der vielschichtig dargestellte instrumentale Beginn. Als Jonas die Stimme erhebt, offeriert der PerL Pro wieder eine Detailtreue, die man bei TWS-In-Ears nur selten finden dürfte. Die gesamte vokale Spannweite von Jonas‘ Darbietung wird in weiten Zügen erfasst – mehr, als wir erwartet haben. Und die Trennung der vokalen von den instrumentalen Elementen funktioniert hervorragend. Dynamische Unterschiede werden ebenfalls impulstreu herausgearbeitet.
Es folgt etwas Filmmusik, hier setzen wir auf Klaus Badelts „He’s A Pirate“ aus „Fluch der Karibik“. Erneut beweisen uns die PerL Pro, dass ihre große Stärke in der enormen Differenzierung unterschiedlicher klanglicher Elemente und Ebenen liegt. Vor „Feinarbeit“ schrecken viele TWS-Kopfhörer zurück, nicht aber unsere Testkandidaten. Sie offerieren zu jedem Zeitpunkt einen sehr breit gefächerten Überblick über die gesamte orchestrale Aktivitität, zugleich aber arbeiten sie jedes einzelne Instrument sorgfältig heraus.
Wechsel des Musikstils, wir hören den Trance-Klassiker „Insomnia“ von Faithless im „Monster Mix“. Hier baut sich eine Vielzahl von Effekten auf, und der PerL Pro arbeitet jeden umgehend heraus, sodass sich ein vollständiges akustisches Bild entwickelt. Der Bass trifft exakt den richtigen Punkt, und der Rhythmus wird ebenfalls hervorragend präsentiert. Wie souverän der Denon-TWS einzelne klangliche Elemente frei in den Raum stellt, verdient größtes Lob. Das Einfältige, Langweilige, Eindimensionale, was das Hören mit manchen TWS zu einer Nervenprobe für den versierten Hörer werden lässt, fehlt hier gänzlich. Der Hörende taucht in die Musik ein, nimmt Facetten wahr und genießt die überragende Räumlichkeit.
Wir setzen mit „Kings & Queens“ von Fritz Kalkbrenner fort. Und der nicht einfach zu handhabende Beginn bereitet unseren Testkandidaten nicht die geringsten Schwierigkeiten. Wieder trumpfen sie mit den typischen Tugenden auf: Exakte Wiedergabe, umfassende Räumlichkeit, sehr treffende Herausarbeitung der vokalen Elemente. Die Impulstreue ist auch hier in keiner Weise zu beanstanden, und das Zusammenwirken aller akustischen Elemente garantiert ein nahtloses Klangerlebnis, das auch durch die exzellente Gewichtung der jeweiligen Anteile beiträgt.
Das legendäre „Hotel California“ von den Eagles darf hier nicht fehlen. Warum? Weil wir ziemlich sicher sind, dass diese 2013er Remaster-Version bestens geeignet ist, um die Klangqualitäten des PerL Pro ein weiteres Mal zu dokumentieren. Gleich das instrumentale Intro belegt, dass wir richtig liegen. Wieder holen die TWS In-Ears viele Einzelheiten heraus, gerade auch bei hohen Frequenzen. Die vokalen Elemente werden gekonnt ins Zentrum gerückt, gleichzeitig aber fallen die instrumentalen Anteile nie unpassend zurück. Das hohe Maß an Differenzierungsvermögen, das den PerL Pro ausgezeichnet, finden hier die vollumfängliche Fortsetzung.
„In The Air Tonight“ (Live) von Phil Collins ist der nächste Song. Sehr gut geben die Denon TWS die Begeisterungsstürme des Publikums wieder, trennen diese einwandfrei von den instrumentalen Elementen zu Beginn. Auf diese Art und Weise wird sehr viel Atmosphäre aufgebaut, die für ein ganzheitliches, räumlich dichtes Hören verantwortlich ist. Phils Stimme wird mit passenden Konturen präsentiert, der gewollte leichte Hall kommt sauber zum Ausdruck – ohne, dass übertrieben und dadurch das akustische Ergebnis verfälscht wird.
„No More“ (Live at Alexandra Palace, London) von Disturbed soll nun zeigen, wie die PerL Pro mit “massiverem” Material umgehen können. Die TWS bleiben ihrer Linie treu: Natürlich, klar, detailreich, und auch bei höherem Pegel praktisch verzerrungsfrei. Meister der Nachdrücklichkeit sind sie trotz des durchaus weit nach unten reichenden und nicht zu schlappen Bassbereichs nicht, aber wie heißt es so schön: Keiner kann alles. Mit ihrer insgesamt schlüssigen Auslegung sind die PerL Pro sehr gut für den versierten Hörer geeignet und heben sich von vielen anderen TWS ab.
Konkurrenzvergleich

Beyerdynamic FreeByrd: Für rund 200 EUR kommt der sauber verarbeitete FreeByrd zum Kunden, eine hervorragende, große Auswahl an Ohrpassstücken inklusive. Bis zu 11 Stunden (!) Musikwiedergabe mit aktiver Geräuschunterdrückung sind schon fast als sensationell zu bezeichnen. Mit einem IPX4-Zertifikat versehen, ist er gegen Umwelteinflüsse gut geschützt. Wie auch der PerL Pro, kommt der FreeByrd mit einer sehr gut funktionierenden Anpassungsmöglichkeit aufs Gehör des Trägers - auch hier wird dies per App ermöglicht. Allerdings fehlt der Test, ob die Ohrpassstücke gut abdichten. Klanglich gefällt uns der FreeByrd mit einem fundierten, authentischen Klang sehr gut. So fein wie der PerL Pro detailliert allerdings kein Konkurrent - dass der Denon TWS mehr kostet, ist also nicht ganz unbegründet.

Teufel Real Blue 2 TWS: Für derzeit knapp 130 EUR im Angebot, ist der Real Blue 2 TWS eine besonders lohnenswerte Offerte. Die Verarbeitung ist nicht schlechter als bei der teureren Konkurrenz, die aktive Geröuschunterdrückung arbeitet sehr gut, was ebenso für die Freisprecheinrichtung gilt. Der Transparenzmodus funktioniert überzeugend, die App-Steuerung gibt keine Rätsel auf. 8 Stunden mit einer Ladung ohne und 6 Stunden mit ANC sind passable Werte, aber nicht extrem gut. Die TWS sind IPX3-klassifiziert und werden mit vier verschiedenen Größen an Ohrpassstücken ausgeliefert. Wie die Konkurrenz tritt auch er mit Touchsensoren an den Außenseiten an. Klanglich liefert der Real Blue 2 TWS voll ab, er klingt kräftig, dynamisch und präzise - fürs investierte Geld absolut erstklassig.

Technics EAH-AZ60: Ab rund 180 EUR zu haben ist der akustisch hervorragende Technics TWS-In-Ear, der schon seit geraumer Zeit auf dem Markt ist. Prima verarbeitet (TWS selbst, das Case ist auch hier wenig edel) und mit einem sehr lebendigen, harmonischen Klang antretend, ist er nach wie vor ein unangenehmer Konkurrent, ebenfalls mit IPX4-Zertifikat. Die aktive Geräuschunterdrückung arbeitet auch nach heutigen Maßstäben noch ausgezeichnet, die Auswahl an Ohrpassstücken ist groß. Der EAH-AZ60 weist ebenfalls gut zu handhabende Touchflächen außen auf. Vorteil für den PerL Pro ist die bessere Akkulaufzeit, im Test schafft er tatsächlich knapp 8 Stunden, während es der Technics bei 6 Stunden beließ.
Fazit

Der Denon PerL Pro kostet, auch wenn man die günstigeren Marktpreise zugrunde legt, relativ viel Geld. Rund 300 Euro sind zu berappen - dafür bekommt man aber auch eine volle Ladung High-Tech serviert. Vom App-basierten Test des Sitzen der Ohrpassstücke über eine aufwändige akustische Anpassung ans Gehör des Trägers bis zu verschiedenen DSP-Funktionen zur Optimierung der Basswiedergabe und der Räumlichkeit ist schlichtweg alles vorhanden.
Die Verarbeitung der interessant geformten, mit dem richtigen Ohrpassstück sehr gut und bequem sitzenden PerL In-Ears ist ausgezeichnet, weniger überzeugt hat uns das für diesen Kaufpreis zu einfach gemachte Case. Die App-Einrichtung und die Verwendung aller Funktionen lief bei unserem Testsample perfekt ab - nie tauchte eine Fehlermeldung auf, der ganze Einrichtungsprozess lief völlig problemlos ab. Auch das Update der Firmware verlief unproblematisch und nicht so langsam wie bei manchem Konkurrenten. Die Freisprecheinrichtung des PerL ist gut bis sehr gut, dasselbe gilt für die ANC und für den Transparenzmodus. Bei allem ist noch Luft nach oben.
Richtig überzeugt hat uns der Klang, inklusive der Wirkung der automatischen Anpassung ans Gehör des Trägers. Ungemein detailreich und homogen, im höchsten Maße angenehm und erstaunlich frei sowie klar im Hochtonbereich, spielt der PerL kompromisslos exzellent und eignet sich praktisch ohne störende Kompromisse auch für den anspruchsvollen Klassik- oder Jazzhörer. Auch für die Filmtonwiedergabe oder für die Wiedergabe von Hörbüchern eignet sich der PerL Pro vorzüglich.
Hightech-TWS-Kopfhörer mit superbem Klang aus jeder Quelle

TWS Oberklasse
Test 30. Januar 2024
Test und Fotos: Carsten Rampacher
Datum: 30. Januar 2024
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Tags: Denon • Kopfhörer • Masimo • TWS • TWS In-Ears







