XXL-TEST: Arcam AV-Receiver AVR31 - der geniale Klangmeister mit erstklassigen Kraftreserven
Klang
In den ersten Testreihen haben wir den AVR31 komplett händisch eingemessen und noch kein Dirac Live verwendet. Schon damit klingt der AVR31 nachdrücklich, präzise und räumlich dicht. Setzen wir nun Dirac Live ein, so agiert der AV-Receiver nochmals trockener und mit mehr Kontur in allen Frequenzbereichen. Alle Übergänge zwischen Front, Center, Surround und Subwoofer wirken nochmals unmittelbarer sowie nahtloser. Dirac Live verfälscht die Charakteristik des verwendeten Lautsprechersystems und auch die leicht warme, dabei aber zugleich brillant-lebendige Auslegung der Class G-Endstufen nicht.
Mission Impossible - Rogue Nation
Starten wir mit dem ersten Beispiel mit aktivem Dirac Live. Bei "Mission Impossible - Rogue Nation" marschieren die sieben Class G-Endstufen mächtig voran, das merkt man gleich zu Filmbeginn, als sich Ethan an Bord eines gerade startenden Airbus A-400 Militärflugzeugs begeben möchte. Das nachdrückliche Dröhnen der Turbuprop-Triebwerke stellt der AVR31 mit dem nötigen Nachdruck heraus, zudem entfaltet er eine sehr dichte, den Zuhörer umgebende Räumlichkeit. Kleinere Effekte wie Warntöne im Flugzeug erkennt der Arcam ebenso zuverlässig. Die Dialoge zwischen Benji, Luther und Ethan werden zudem ausgezeichnete abgebildet, sie integrieren sich einerseits nahtlos ins akustische Geschehen, zum anderen aber sind sie sehr gut verständlich und stimmtypische Charakteristika kommen hervorragend heraus. Der legendäre Music Score ist stets mit dabei und trägt somit das turbulente Geschehen mit.
In der Wien-Sequenz einige Kapitel später garantiert unser Testkandidat ein hervorragendes Detaillierungsvermögen. Dies merkt man schon, als ganz am Anfang der Szene vor der nächtlichen Kulisse Wiens kurz klassische orchestrale Musik ertönt. Dann, in der U-Bahn-Station, holt der AVR31 beinahe jede Einzelheit aus der Tonspur, auch den Scan zur Bestätigung der Identität, als Benji die Brille aufsetzt. Das Geräusch des aus der Station fahrenden U-Bahn-Zuges wird ebenso realitätsnah wiedergegeben wie das Blitzlichtgewitter der Pressefotografen vor der Wiener Oper, als der österreichische Bundeskanzler vorfährt.
Die Vorbereitungen vor der Opernaufführung mit dem kurzen Dialog im Technikraum, dem Security-Check des Equipments der Musiker und dem Murmeln der Opernbesucher trifft der leistungsstarke AV-Receiver ebenfalls auf den Punkt - und dann beginnt, nach einem dreidimensionalen Klatschen der Operngäste, mit einem heftigen Dynamiksprung die Auffühung.
Gerade bei diesen Szenen fällt auf, wie verblüffend umfassend der AVR31 die Stimmen der Opernsängerinnen und Opernsänger darstellt. Hier mischt sich ein Feingefühl mit in die Akustisch, das absolut treffsicher ist und durch feine Ausprägung sämtlicher vokalen Konturen auch den anspruchsvollen Anwender überzeugt. Wie versessen der AVR auf Kleinigkeiten ist, beweist er, als Ilsa faust ihre Waffe zusammensetzt und startbereit macht. Natürlich kann man kurze Zeit später oben hoch über der Opernbühne den Fight zwischen Ethan und dem Killer wahrnehmen, während unten die Vorführung von Puccinis Turdandot dargeboten wird.
In allen Sequenzen bindet der AVR31 die Height-Lautsprecher akkurat mit ein und schafft dadurch ein immersives Hörerlebnis, das auch durch Präzision glänzt. Der Arcam holt immer nahezu alle Einzelheiten hervor, und auch in turbulenten Sequenzen geht keine Einzelheit unter. Zugleich punktet er, das merken wir auch in der Szene, als ein Attentat in der Oper auf den Österreichischen Bundeskanzler verübt wird, mit einer stets genau ausbalancierten Gewichtung aller Klanganteile. Er holt auch in actionreichen Momenten Geräusche aus dem Hintergrund hervor, betont diese aber niemals über. Dass der AVR31 auch den Music Score mit der passenden Intensität einarbeitet, ist bei diesem Device schon als Selbstverständlichkeit anzusehen.
Stirb Langsam 4.0
Nun geht es weiter mit zwei Audio-Upscaling-Aktionen. Bei "Stirb Langsam 4.0" haben wir die DTS-HD Master Audio-Tonspur mittels Auro-Matic (dank Cross-Upmixing geht das) hochpoliert, was herausragend gelungen ist und für eine erstaunlich glaubwürdige 3D Audio-Atmosphäre sorgt. Die Height-Channels fügen sich harmonisch in die Gesamt-Klangkulisse ein, die mit hoher räumlicher Dichte und klar nachvollziehbaren Strukturen begeistert.
Absolut gelungen ist auch die Dynamik, hier beweist der AVR31 absolut seine Klasse - denn während es so mancher sehr lebendig ausgelegte AV-Receiver/Verstärker an klanglicher Harmonie missen lässt, stellen andere Geräte, die auf viel Homogenität optimiert sind, die Dynamik etwas hinten an. Der Arcam kombiniert beides auf Höchstniveau, und bleibt auch noch bei Pegeln zu praktisch 100 Prozent souverän, bei denen bei auch härter gesottenen Mehrkanal-Fans schon ordentlich in der Magengegend drückt.
Die Pegelfestigkeit der Class G-Endstufen sucht schlichtweg ihresgleichen, wer hier nach Konkurrenz bei integrierten AV-Receivern/-Verstärkern sucht, wird kaum etwas finden. Der AVR31 bewegt sich eindeutig in Sphären, in denen ansonsten nur reine Vor-/Endstufen-Kombinationen unterwegs sind. Als McLane den Feuerlöscher nach gezieltem Beschuss detonieren lässt, gibt der AVR31 diesen mächtigen Effekt mit großartigem Dynamikumfang und völlig unbeeindruckt von der Komplexität dieses akustischen Gebildes wieder.
Auch, als am Ende der Sequenz die ganze Wohnung des Hackers Matthew Farrell in die Luft fliegt, bleibt der Arcam gelassen - und das sogar dann, wenn man keinen aktiven Subwoofer verwenden. Dass der AV-Receiver die gewollte Aggressivität z.B. in den Salven aus den automatischen Waffen der Killer einwandfrei präsentiert, ohne aber zu schrill oder zu harsch zu werden, dokumentiert, wie extrem akkurat der AVR ausgelegt wurde.
007 "Skyfall"
Wir setzen fort mit der Eröffnungssequenz von "Skyfall", wiederum in DTS-HD Master Audio. Und, oh Wunder, wir setzen hier als Audio-Upscaler tatsächlich DTS Neural:X ein, das wegen partieller Unausgewogenheit sonst nicht zu unseren Favoriten für diesen Job gehört. Arcam allerdings hat das Kunststück geschafft, eine außerordentlich gut gelungene Neural X-Integration anzubieten.
Hier ist durchaus Dynamik in der dritten Hörebene vorhanden, und zugleich ist auch die Räumlichkeit glaubwürdig und fällt nicht so schmal wie manchmal leider gehört aus. Als 007 die Wohnung in Istanbul betritt, in der die getöteten beziehungsweise schwer verletzten MI6-Agenten liegen, arbeitet der AVR31 auch den Music Score nahtlos und mit richtiger Balance ein. Die Dialoge zwischen Bond und der MI6-Zentrale in London kommen ebenfalls authentisch heraus.
Als dann Bonds Mitarbeiterin mit dem Land Rover Picup vorfährt und das britische Team die Verfolgung des flüchtenden Killers Patrice übernimmt, kommt ordentlich "Leben in die Bude". Das Wegfliegen der Außenspiegel des Land Rovers nach Touchierung verschiedener Wände wird ebenso gut akustisch präsentiert wie der Crash, als Patrice mit dem Audi A5 Sportback eine unfreiwillige Rolle auf einem Obst- und Gemüsemarkt durchführt. Sofort steigt der Killer aus und eröffnet das Feuer - die Schüsse aus seiner MP haben eine enorme Durchschlagskraft, die der Arcam mit exzellenter Präzision kombiniert.
Nun geht die Jagd zwischen James und Patrice auf geklauten Enduros weiter. Das Hochdrehen der Motoren lässt die Zuhörer mitfiebern, und die erbarmungslose Hetzerei über den Dächern des Grand Bazaar kommt intensiv zum Ausdruck - auch dann, als erst der Killer, dann der Doppelnull-Agent mit ihren Maschinen von oben aus durch eine Glasscheibe mitten in den Markttrubel springen. Gelassen, detailreich und mit einer herausragenden Weitläufigkeit gibt der Arcam die gesamte Szene wieder.
Lichtmond - The Journey
Kehren wir zurück zu nativem Dolby Atmos. Bei Lichtmond - The Journey" hören wir die Stücke The Journey 1 und The Journey 2 sowie "Flowing Like A River" und "Nothing But Change". Schon AV-Verstärker ooder -Receiver der 1.500 EUR-Liga beeindrucken mittlerweile mit einer praktisch lückenlosen, dynamischen Vorstellung bei diesem Dolby Atmos-Album. Doch dass nochmals hörbar mehr geht, verdeutlicht uns der Arcam bereits nach wenigen Minuten. Schon ohne aktiven Subwoofer ist man hier mitten im Geschehen - und zwar auf eine Weise, die präzisen Bass mit enorm wuchtiger tieffrequenter Wirkung verbindet.
Die verwendeten Standlautsprecher sollten allerdings mit ausgezeichneten Fähigkeiten bei der Darstellung tiefer Frequenzen gesegnet sein. Echte Film- und Bassliebhaber schließen natürlich trotzdem noch einen hochwertigen aktiven Bassisten an, der im absoluten Frequenzkeller und beim Gesamtvolumen nochmals "eins drauflegt". Insgesamt eignet sich der AVR31 herausragend gut als Kapitän in einer klangstarken Mehrkanal-Lösung - und wie einem guten Schiffsleiter entgeht auch dem britischen AV-Receiver nichts.
Kein Effekt kann sich hier am Rande davonschleichen, sofort ist der AVR31 mit harter Hand zur Stelle und bindet den potentiell Flüchtigen sofort impulstreu ins Geschehen ein. Diese Lebendigkeit, diese Feingliedrigkeit, zugleich aber dieser grandiose Nachdruck verdichten sich zu einem Klangbild, das wirklich seinesgleichen sucht und den enormen Preis des Arcam in einem anderen Licht erscheinen lassen. Er beherrscht die gesamte Klaviatur dessen, was einen überragenden Mehrkanal-Receiver ausmacht: Sämtliche Gangarten, von mild bis wild, alle Arten von Effekten, von nebensächlich bis beherrschend, alle Arten von Stimmen, von hoch und feinsinnig bis tief und fundiert. Stimmen, hier spielt es keine Rolle, ob männlich oder weiblich, werden charismatisch, mit sehr klar nachvollziehbaren Konturen und mit höchster Impulstreue, eingearbeitet.
Stereo-Musik, aufpoliert und nativ
Starten wir mit nativer Stereowiedergabe - bei "The Look of Love" von Diana Krall und bei "Nessun Dorma" (aus Puccinis "Turandot", gesungen von Jonas Kaufmann) dauert es nicht lange, bis man erneut realisiert: Es gibt praktisch keine anderen AV-Receiver-/Verstärker, die im Stereobetrieb so kultiviert, detailliert und brillant klingen wie die aus dem Hause Arcam. Ganz gleich, ob Dianas Stimme, die von Jonas oder der Chor im Hintergrund von "Nessun Dorma". Hier geht praktisch keine Einzelheit unter, zudem bildet sich eine faszinierend-dichte Räumlichkeit, die für einen hohen Erlebnisfaktor sorgt.
Polieren wir Stereo-Tracks mittels Dolby Surround auf, so sind wir begeistert von der Dichte der räumlichen Ausprägung, das hat einen Klangeindruck als Folge, der den Hörer komplett zu umhüllen scheint. Das Ganze wird mit einem äußerst nachdrücklichen Bass kombiniert, der allerdings nie andere akustische Anteile übertönt. Wir haben "Change With Me" von Belocca sowie "Won't Forget You" von Shouse (Felix Jaehn Remix) angehört, und in beiden Fällen verwöhnte uns der AVR31 mit einer Dynamik, die bis in höchste Lautstärkeregionen ohne jede Einschränkung vorgetragen wurde. Ganz gleich, ob größere oder kleinere dynamische Differenzen, immer gibt der AVR31 das akustische Gesamtgefüge mit Sorgfalt wieder.
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Tags: Arcam • AV-Receiver • AVR






