TEST : Canton Townus 30 - Zweiwege-Regallautsprecher als würdiger Nachfolger der Pendants aus der beliebten Chrono Serie ?

Vor kurzem noch in einem Special vorgestellt - heute steht ein Mitglied der 2021er Townus-Lautsprechergeneration des Traditionsherstellers Canton bereits in unserem Hörraum. Der klangvolle Namen Townus ist eine Hommage an die örtlichen Gegebenheiten, in der Canton beheimatet ist, nämlich den Taunus, und weiter soll steckt das Wort "Town" im Namen, das wiederum einen urbanen Bezug - schick, trendy, lebendig - der Tradition hinzufügt. Die Townus-Baureihe ersetzt die schon fast legendäre Chrono bzw. Chrono SL Serie. Keine leichte Aufgabe, das weiß der Tester, der viele Jahre lang mit einem Chrono SL Surround Set im täglichen Testbetrieb gearbeitet hat. 

Die Townus Lautsprecherserie besteht aus insgesamt vier Lautsprechermodellen sowie einen Subwoofer. Die Weilroder Lautsprecherkoryphäen haben derzeit den Townus 90 als Standlautsprecher, den Townus 50 als Centerlautsprecher, den Townus 30 als Kompaktlautsprecher, den Townus 10 als Wandlautsprecher und den Townus Sub 12 Subwoofer im Programm. Auch der AR-5 Dolby Atmos-Lautsprecher kann mit der Townus-Serie problemlos kombiniert werden. Alle Komponenten sind in Weiß Seidenmatt, Schwarz High-Gloss und Nussbaum Furnier erhältlich.

Canton Logo an der Schallwand

In diesem Review möchten wir uns den kompakten 2-Wege Lautsprecher, den Townus 30, etwas genauer betrachten. Unsere Testkandidaten wurden in einen Nussbaum Echtholzfunier geliefert und sind mit einem Stückpreis von 579 EUR fair kalkuliert. Wer sich für die Variante weiß-seidenmatt oder high-gloss schwarz entscheidet, für den werden 549 EUR/Stück fällig.

Frontansicht mit Lautsprecherabdeckung

Die kompakte 2-Wege Lautsprecher sind vom optischen Aspekt zeitlos und dennoch im Detail progressiv gestaltet. Das Echtholzfunier ist perfekt aufgebracht und selbst an den Rundungen können wir keinerlei Defizite feststellen. Apropos Rundungen: die abgerundeten Gehäusekanten verleihen der Townus 30 nicht nur einen frischen Look, sondern verbessern die Schallabstrahlung der Lautsprecher. Mit einer Breite von 21 cm, einer Höhe von 36 cm und einer Tiefe von 28 cm fügen sich die Kompaktlautsprecher harmonisch in die Hörumgebung ein und sehen auch auf Lautsprecherstativen edel aus. Dass es sich bei den Townus nicht um Blender handelt, merkt man spätestens auch beim Gewicht. Eine Canton Townus 30 bringt stattliche 8,1 kg auf die Waage, ein beachtlicher Wert für einen Kompaktlautsprecher. 

Anzeige

Frontansicht ohne Abdeckung

Die Lautsprecherchassis werden von einer Lautsprecherabdeckung aus Kunststoff geschützt, die mit schwarzem Akustikstoff bezogen ist. Gelungen finden wir die Befestigung der Abdeckung mittels Magnete, somit sind in der Schallwand keine hässlichen und störenden Löcher zu finden. Nimmt man der Townus 30 die Abdeckung weg, kommt der nächste optische und technische Akzent zum Vorschein. So wurden die beiden Treibereinheiten unsichtbar verschraubt und wahren auch hier die sehr edle Anmutung. Apropos Treiber: Bei der Townus 30 kommt ein 174 mm großer Tiefmitteltöner mit Titaniummembran zum Einsatz sowie eine 25 mm Hochtonkalotte aus Keramik. Weitere optische Highlights sind die hochwertigen Aluminiumringe der Lautsprecherchassis, die im Seamless-Diamond-Cut Verfahren hergestellt werden Dank Wave-Sicken und patentierter DC-Technologie holt der Hersteller auch hier das Maximum an akustischer Performance trotz der kompakten Größe heraus. 

25 mm Hochtonkalotte aus Keramik in der Detailansicht

Die Townus 30 weist eine Nennbelastbarkeit von 90 Watt auf und spielt von 38 Hz bis 40 kHz, die Übergangsfrequenz zum Hochtonbereich liegt bei 3.000 Hz.

174 mm großer Tiefmitteltöner mit Titaniummembran in der Detailansicht

Die Rückseite der Lautsprecherabdeckung 

Anzeige


Die Rückseite des Townus 30

Wenden wir uns nun der Rückseite des kompakten Lautsprechers zu. Um die Wertigkeit zu verdeutlichen, befindet sich umlaufend um den Lautsprecher das Echtholzfurnier. Somit machen die Canton Lautsprecher auch von hinten eine gute Figur. Im oberen Teil des Lautsprecher befindet sich das Bassreflexrohr, welches aus schwarzem Kunststoff hergestellt ist. Bei unserem Testkandidaten sind hier allerdings deutliche Spaltmaße zu erkennen und das Bassreflexrohr sitzt auch nicht plan in der Rückwand. In Anbetracht der Preisklasse würden wir uns hier etwas mehr Detailverliebtheit wünschen.

Bassreflexrohr in der Detailansicht    

Vergoldete Schraubterminals

Anzeige

Im unteren Teil des Lautsprecher sind die neu designten vergoldeten Schraubterminals untergebracht. Diese nehmen Kabelquerschnitte bis zu 10 mm2 auf oder auch Bananenstecker. Auf Bi-Wiring Terminals muss die Townus 30 verzichten, was bei einem Regal-/Kompaktlautsprecher in der Praxis aber weniger ins Gewicht fällt. Im Standlautsprecher Townus 90 sind aber Bi-Wiring Terminals verbaut.

Saubere Kantenverarbeitung umlaufend am Lautsprecher

Gummierte Klebefüsse sollen für den nötigen Halt sorgen

Insgesamt hinterlässt die Townus 30 einen gediegenen und eleganten Eindruck. Die verbauten technischen Komponenten sind von hoher Qualität. 

Klangtestreihen 

Widmen wir uns nun den akustischen Eigenschaften der Canton Townus 30 - denn was nützt der optisch schönste Lautsprecher, wenn er nicht vernünftig klingt. Nach einigen Testaufbauten mit verschiedenen Zuspielern haben wir uns für den Audiolab 6000 A Play entschieden. In mehreren Hörversuchen hat es mit den Townus 30 sehr gut harmoniert.

Wir beginnen die Hörsession gleich zum Start anspruchsvoll und haben uns für den Titel "Keith Don't Go" von Nils Lofgren in einer Live-Version entschieden. Das Stück startet mit einem Akustikgitarre-Solo, welches die Townus 30 für ihre Preisklasse absolut genial durchzeichnen und somit höchst realistisch wiedergeben. Selbst das Zupfen einzelner Gitarrensaiten ist sauber ausbalanciert wahrnehmbar. Auch als Nils auf seine Gitarre klopft, sind wir von der Natürlichkeit der Lautsprecher begeistert, die diesen kurzen Impuls sorgfältig umsetzen. Als Nils dann mit seinem Gesang einsetzt, bieten uns die Canton Lautsprecher ein sehr großes und breites Bühnenbild im Hörraum an und lassen zu jeder Zeit eine exakte Ortung der vokalen Klanganteile zu. Auch die Stimmfarbe und Wiedergabe nehmen wir als sehr positiv war. Als der Akteur dann richtig in die Saiten knallt, bleiben die Regallautsprecher absolut souverän und ihren Linie treu, und auch bei höherem Pegel verzerren die Townus 30 nicht.

In diesem Test verwenden wir einmal nicht "Shallow" von Lady Gaga & Bradley Cooer, sondern "Always Remember Us This Way", da auch dieser Titel ein tolles Klangspektrum bietet und nach einem klangstarken, ausgewogenen Lautspredcher verlangt. Lady Gaga beginnt diesen Titel mit einer Gesangseinlage, die es in sich hat - zudem ist noch das Piano akkurat zu berücksichtigen. Die Canton Lautsprecher zeichnen die sehr spezielle Stimmfarbe von Lady Gaga authentisch ab und berücksichtigen auch feine Konturen. Selbst als sie dann zur Kopfstimme übergeht, wirkt die Wiedergabe zu kleinster Zeit zu hoch oder schrill. Das Klavier überzeugt mit feinem Nuancenreichem und einer präzise getroffenen Temperatur. Als der Titel dann etwas an Fahrt aufnimmt und Gitarren & Co. ins Stück mit eingreifen, sind wir begeistert von der komplexen und gut gestaffelten Gesamtwiedergabe.

So genug Geschmuse und wir beginnen mit einer etwas schnelleren Wiedergabe. Wir starten die Wiedergabe von "Last Call for Alcohol" von Hardcore Superstar. Etwas speziell der Titel, aber geht unserer Meinung voll ab und bringt auch gerne mal einen Lautsprecher an seine Grenzen. Der Titel ist schnell und auch der Gesang des Frontmannes ist nicht ohne und die Instrumente sind unsymmetrisch. Die Wiedergabe startet dynamisch mit Gitarren und Schlagzeug und die Townus liefern eine klar gestaffelte und strukturierte Wiedergabe ab. Auch der sehr spezielle Schreigesang von Joakin "Jocke" Berg bringt den 25 mm Hochtonkalotte aus Keramik nicht an seine Grenzen. Für diese Preisklasse ist die Gesamtwiedergabe sehr beeindruckend. Wir durften in letzter Zeit schon des öfteren feststellen, dass die Regallautsprecher immer voluminöser werden und der Nutzer nicht immer einen Standlautsprecher benötigt.

Weiter geht es mit "Hypnotized" von Purple Disco Machine & Sophie and the Giants. Auch bei diesem Titel zeigen sich die Schallwandler aus dem Taunus von ihrer souveränen Seite. Der Charthit startet nach ein paar Sekunden gleich impulsiv und mit Nachdruck, was aber auch die Canton Speaker nicht aus dem Konzept bringen kann - der Bass bleibt nahezu unverzerrt, auch bei gehobener Lautstärke, und nachdrücklich. Auch der Synthesizer, der zu Beginn Verwendung findet, sowie der leichte Gesang im Hintergrund erklingen mit klarer Kontur, und die akustischen Effekte lösen sich erstaunlich gut vom Lautsprecher. Als der Titel dann an Geschwindigkeit und insgesamt anspruchsvoller wird, bilden die Townus 30 den Bassbereich hervorragend ab und bleiben bei der Stimm- und Hochtonwiedergabe gradlinig.

Nun beginnen wir die Wiedergabe von "Control" von der Hamburger Ausnahmekünstlerin Zoe Wees. In diesem Titel verarbeitet Zoe Wees ihre Kindheit mit Rolando-Epilepsie, dass nur als Hintergrundinformation. Zu Beginn des Titel ist ein Piano zu hören, dass die Schallwandler mit ausgezeichneter Auflösung und der richtigen Temperatur im Hörraum erklingen lassen. Auch Zoes Stimme erfreut durch die gelungene Herausarbeitung ihrer speziellen Stimmfarbe wird aus räumlicher Sicht exakt eingearbeitet. Als der Titel dann an Fahrt aufnimmt, bekommen wir einen tollen Punch von den Lautsprechern dargeboten, ohne dass dabei der Mitteltonbereich und der Hochtonbereich zu weit in den Hintergrund rücken. Bei schnelleren Passagen erklingt die Stimmfarbe von Zoe etwas nüchtern, hier fehlt es minimal an Emotionalität.

Abschließen möchten wir unsere Klangtestreihen mit "I Will Remember" von Toto. Der Titel startet mit einem Schlagzeugsolo und nach ein paar Sekunden erklingt der Chor der Sänger, welches die Townus 30 mit exakter Struktur und einer stets gegebenen, räumlich stimmigen Darstellung in den Hörraum transportieren. Zudem bieten die Lautsprecher aus dem Hause Canton eine sehr gute und schöne Differenzierung aller akustischen Elemente, ohne die Homogenität des Ganzen einzuschränken. Die Hochtonwiedergabe empfinden wir als sehr homogen und lebendig, aber nie metallisch oder aggressiv. Auch der sehr straffe und auf den Punkt gebrachte Bass gefällt den Testern erneut.

Was kann die Townus 30 am besten? Insgesamt ist es ihre Ausgewogenheit auf höchstem Niveau, eine typische Canton-Tugend, die positiv auffällt. Wer "Ausgewogenheit" mit "Langeweile" gleichsetzt, versteht das Konzept dieses durchdachtenn Regallautsprechers nicht. Denn die Townus 30 paart diese Ausgewogenheit mit einem erstaunlichen Auflösungsvermögen über den gesamten Frequenzbereich. Hier ist sie den Chrono-Vorgängerserien leicht überlegen, gerade kleine, feine Elemente werden noch sorgfältiger berücksichtigt. Die harmonische Auslegung schlägt sich auch darin nieder, dass man mit der Townus 30 problemlos auch über längere Zeit lauter hören kann, ohne dass je negative Aspekte auffallen: Der Lautsprecher aus Hessen wird nie aggressiv oder metallisch. 

Konkurrenzvergleich

Magnat Signature 903: Die Magnat Signature startet im Konkurrenzvergleich und punktet mit dem 3-Wege-Aufbau und einem Hi-Res-Audio-zertifiziertem Doppelhochtonmodul. Preislich liegen die beiden Kontrahenten fast auf Augenhöhe, so werden bei der Magnat rund 1149 EUR fällig, möchte man das sehr schöne und edle Makassar-Echtholz-Furnier haben. Optisch sind beide Lautsprechermodelle sehr edel gestaltet und bieten zudem sogar auf der Rückseite das Echtholzfunier. Etwas besser hat uns aber die Detailverarbeitung beim Magnat Lautsprecher gefallen. Beim Thema Klang kann aber die Townus 30 knapp an der Signature 903 vorbeiziehen. So bieten die Canton Lautsprecher eine voluminöser und strukturiertere Basswiedergabe und wirken insgesamt verbindlicher.

JBL Synthesis L52: Retro-Design trifft auf moderne Technik, so oder so ähnlich könnte der Verkaufsslogan für die JBL Synthesis L52 lauten. Natürlich zielen die JBL Lautsprecher auf eine andere Anwendergruppe und dennoch möchten wir sie in unserem Konkurrenzvergleich mit aufnehmen. Die JBL Schallwandler sind für knapp 1000 EUR im Handel erhältlich. Die Speaker sind vom Design und der Aufmachung komplex gehalten, sind aber in der Summe gut verarbeitet. Das verwendete Echtholfurnier in Walnuss ist sauber aufgebracht, befindet sich aber allerdings nur auf den Seitenwangen und nicht umlaufend wie auf den Canton Lautsprechern. Natürlich bieten die Canton Lautsprecher den etwas edleren und aufwändigeren Look, müssen sich aber beim Thema Klang extrem anstrengen gegendie L52. Bezüglich der Pegelfestigkeit und der Gesamtdynamik liegt die L52 vorn, die Townus 30 sticht mit ihren Trümpfen bei Homogenität und Feingefühl. 

Nubert nuVero 30: Aus dem Schwabenland kommt der nächste Kandidat in unserem Konkurrenzvergleich. Von Lautsprecherspezialisten Nubert hatten wir die nuVero 30 im Einzeltest. Die nuVero Lautsprecher sind sehr sauber verarbeitet und bieten zudem einen zweiten Hochtöner, der auf der Rückseite sitzt und bei Bedarf aktiviert werden kann, wenn man den Schallwandler als Rears in einem Surroundset einsetzt. Weiterer Pluspunkt der Nubert Schallwandler: Auf der Rückseite lassen sich unterschiedliche Klangeinstellungen mittels Kippschalter durchführen. Bei den Klangtestreihen überzeugt die nuVero 30 mit einem hervorragenden Bassbereich, der einem Tiefgang beinhaltet, den man einem so kompakten Lautsprecher nie zugetraut hätte. Die Hochtonwiedergabe sorgt mit einer sehr schönen Feinfühligkeit für Zufriedenheit, gleichzeitig wirkt er auch sehr räumlich. 

Fazit

Die Canton Townus 30 können mit einem fairen Preis, einer edlen Optik und einem ausgewogenen, klaren Klang Punkte sammeln. Die Auswahl an lieferbaren Farbvarianten geht in Ordnung. Mit hochwertigen, belastbaren Chassis ist die Townus 30 ebenfalls ausgerüstet. In allen Testreihen erweist sie sich als pegelfest und dynamisch. Auch, wenn sie in ihrem Preissegment auf harte Konkurrenz trifft, so schlägt sich die Townus 30 richtig gut und braucht keinen Konkurrenten zu fürchten. 

Optisch attraktiver Lautsprecher mit ausgewogenem Klang und moderner Technik

Regallautsprecher Mittelklasse
Test 03. Dezember 2021

 

Test und Bilder: Sven Wunderlich
Redaktion: Carsten Rampacher
Datum: 03. Dezember 2021


Tags:

Anzeige

Alle aktuellen Tests auf AREA DVD
  ZURÜCK