XXL-TEST: Audiolab 6000 A Play - hervorragend verarbeiteter Vollverstärker mit Play-Fi-Streaming

Der Audiolab 6000 A Stereo-Vollverstärker mit Streamer kommt auf einen Kaufpreis von aktuell 973,82 EUR und macht dafür optisch viel her. Wahlweise in schwarzer oder silberner Variante zu haben, gefällt er umgehend durch seine edel verarbeitete Aluminium-Front. Nicht allzuviele Punkte erhält das Display, das viel zu grob auflöst. Außer drei Drehreglern ist nichts auf der Front zu sehen, außer noch einem Kopfhörerausgang. 

Die Leistungsdaten der eingebauten Class AB Endstufe lesen sich wenig spektakulär. Doch dass Papier geduldig ist und die Wirklichkeit ganz anders aussehen kann, beweisen später unsere Testreihen. An 8 Ohm gibt es 2 x 50 Watt, an 4 Ohm 2 x 75 Watt. Aufhorchen lassen die extrem edlen ESS Sabre32 (Typ ES9018KM2) Referenz-DACs. Da kann man absolut sicher sein, dass das digitale Signal auf hohem Niveau in ein analoges Signal gewandelt werden kann.

Zudem gibt es drei wählbare analoge Filter, eine rauscharme JFET MM-Phonovorstufe (daher brauchen auch anspruchsvolle MM-Plattenspielerfans keine externe Phonovorstufe, die zusätzliche Kosten verursacht) und einen richtig guten eingebauten Kopfhörerverstärker. Ein wahres Multitalent also, das natürlich auch durch das DTS Play-Fi Multiroom/Streaming-Modul unser Interesse weckt.

Verarbeitung

Unterseite mit vier soliden Standfüßen 

Fuß im Detail

Nichts Besonderes: Die Lautsprecherkabel-Anschlussterminals

Gerät von oben 

Das Display könnte eine höhere Auflösung vertragen

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Hochwertige Regler für Selector und Mode (Nutzung als reine Vorstufe oder als integrierter Vollverstärker) von oben

Beide Regler von vorn

Lautstärkedrehregler, gerastert - gefällt uns sehr gut

Extrem saubere Detailverarbeitung, tadellose Materialqualität

Fernbedienung

Fernbedienung im Detail

Die Verarbeitung hinterlässt einen außergewöhnlich hochwertigen Eindruck. Die Frontansicht mit den drei Drehreglern (gerastert) und der relativ geringen Bauhöhe mag Geschmacksache sein, uns gefällt der 6000 A Play extrem gut. Er sieht irgendwie "cool" und technokratisch aus. Deutlich teurer, als die knapp 1.000 EUR, die auf dem Preisschild stehen, denn auch die Detailverarbeitung von Frontblende und Gehäuse ist überragend.

Unterm Gerät gibt es vier tadellose Standfüße. Die Rückseite ist ebenfalls ordentlich verarbeitet, die Lautsprecherkabel-Anschlussterminals sind aber nichts Besonderes. Das gilt auch fürs Display, das zu grob auflöst. Kommen wir zur Fernbedienung, die irgendwie wie aus einem längst vergangenen Jahrzehnt erscheint. Sie ist gut verarbeitet, leider fehlt eine Beleuchtung. Auf ihr befinden sich viele Knöpfe, man kann nicht nur einen Verstärker, sondern auch noch andere Komponenten damit steuern. Unten gibt es die "Device" Wahltaste.

Anschlüsse

Rückseite gesamt

Was wird an Anschlüssen mitgeliefert? Zahlreiche Antennen hinten deuten es bereits an, ein WLAN-Modul ist auf jeden Fall mit dabei, und auch Bluetooth-Fans schauen nicht in die Röhre, sondern freuen sich über Bluetooth mit aptX. Ein ganzes Arsenal an Cincheingängen (Power, Aux 1, Aux 2, Aux 3, Phono), 2 optische und 2 koaxiale Digitaleingänge und ein Ethernet-Slot sind vorhanden.

Anschlüsse Teil 1

Anschlüsse Teil 2

 

DTS Play-Fi App

DTS Play-Fi ist mit an Bord, der 6000 A wird auch gleich erkannt

Als erstes wurde von Play-Fi ein Update erkannt, und es wird auf den Audiolab 6000 A aufgespielt

Ohne Probleme geht es nach rund 10 Minuten weiter, das Update ist an Bord

Aktuell wird nichts wiedergegeben, der 6000 A ist im Play-Fi-Netzwerk

Teil 1 der Dienste, die zur Verfügung stehen

Teil 2 der Dienste

Teil 1 der Einstellungen

Scrollt man weiter nach unten, finden sich noch diese Einstellungen

Erweiterte Einstellungen

Aktivierung von Spotify Connect

Wiedergabe eines Titels, Menü in Spotify

Wiedergabe eines Spotify-Titels, Ansicht in der Play-Fi-App

In der Play-Fi-App meldet man sich bei Tidal an - über das neue Tidal Connect verfügt der 6000 A noch nicht

Unsere Wiedergabelisten in Tidal

Wiedergabe eines Songs, Darstellung innerhalb Tidals

Darstellung in der Play-Fi-App

Mit der DTS Play-Fi App gibt es keinerlei Schwierigkeiten. Der 6000 A Play wurde per Ethernet-Kabel eingebunden. Als erstes nach Aufrufen der Play-Fi App wurde das neueste Firmware-Update für den 6000 A Play installiert, was rund 10 Minuten brauchte. Im Spielbetrieb griffen wir auf Tidal und Spotify zurück, was zuverlässig und schnell ablief. Während man sich bei Tidal innerhalb der Play-Fi App anmeldet, läuft der Zugang zu Spotify dank Spotify Connect direkt über die Spotify-App ab. DTS Play-Fi verfügt über zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten, so z.B. für das Gruppieren von Lautsprechern, für Surround-Sound oder für die Verwendung von Amazon Alexa. Voraussetzung für die Verwendung ist natürlich, dass sich entsprechende Komponenten im Netzwerk befinden. 

Klang

Normalerweise kommt der Konkurrenzvergleich immer am Ende der Klangwertung. Aufgrund der extremen Lage in dieser Liga - Streamingfähige Vollverstärker der Liga 900 bis 1.500 EUR - möchten wir aber schon im Vorfeld darauf eingehen, wie hochkarätig das Feld besetzt ist. Nur absolute Spitzenreiter,  die wir kurz präsentieren.

Bluesound Powernode 2i HDMI: 879 EUR: Ultraflach, schick und kompakt, zudem sogar mit HDMI-Anschluss für die gute Zusammenarbeit mit dem TV: Ein wahres Universaltalent, und BluOS dekodiert sogar MQA-Files. Viele Vorzüge, auch wenn, Tribut an die sehr kompakten Abmessungen, die möglichen Spitzenpegel etwas geringer ausfallen als bei den hier aufgeführten Kontrahenten. Kann der Audiolab 6000 A Play vorbeiziehen?

Quad Vena Play II, 999 EUR: Edel-Optik und ein großer Ringkerntransformator plus hochwertige Elkos: Das Paket, das der Vena Play 2 bietet, stimmt. Auch er kommt mit DTS Play-Fi und wird kann bei Audiolust begutachtet werden. Er gibt sich akustisch keine Blöße und spielt souverän und nachdrücklich auf. Was hat der Audiolab 6000 A Play dem entgegenzusetzen? Wir werden schauen.

Marantz PM7000N, 1.199 EUR: Die Bombe, die massiv gezündet hat: Der PM7000N sieht grandios aus, ist innen nahezu perfekt aufgebaut und trumpft groß mit seinem räumlich dichten, lebendigen und fundierten Sound auf. Das Heos-Modul arbeitet problemlos, unterstützt aber kein MQA. Wie schlägt sich der Audiolab 6000A Play im Vergleich?

NAD C368 mit BluOS-Modul 2i: 1.429 EUR: Am teuersten, aber grandios. Mit dem optional erhältlichen BluOS-Modul wird der C368 zum flexiblen Alleskönner. Wer nochmals tiefer in die Tasche greifen möchte, kann sogar noch ein HDMI-Modul (3 Eingänge, 1 Ausgang) hinzukaufen - auf der Rückseite sind 2 Steckplätze für Erweiterungsmodule: Einmal BluOS, einmal HDMI, das passt. Der mit einem hervorragenden Display ausgestattete NAD mit seinen HybridDigital-Endstufen ist außerordentlich pegelfest und spielt klar sowie kraftvoll-kultiviert auf. Kann der Audiolab 6000 A Play mit seinem exzellenten Preis-/Leistungsverhältnis punkten?

Und los geht es. 

Leider unterstützt auch der Audiolab 6000 A kein MQA wie die Bluesound-Komponenten, die wir oben aufgelistet haben. Daher hören wir "Shallow" von Lady Gaga & Brandley Cooper in CD-Qualität (Tidal HiFi, 44,1 kHz). Der neutrale, leicht in Richtung "angenehm" getrimmte Klang gefällt uns. Die Stimmen, ganz gleich, ob einzeln oder zusammen gesungen, werden grundsätzlich  mit homogener Charakteristik und sehr gutem Facettenreichtum herausgearbeitet. 

"Desperado" in der Cover-Version von Diana Krall gefällt uns sehr gut, der 6000 A Play lässt sich nichts vorwerfen. Dianas Stimme löst sich prima von den Lautsprechern, die Stimme erklingt charismatisch und detailliert. Das Piano lässt ebenfalls kaum Spielraum für Kritik, bezieht man die Preisklasse des Audiolab mit ein. Einige Konkurrenten machen es trotzdem nich etwas besser: Der PM7000N agiert noch eine Idee runder, kultivierter. Der NAD C 368 wirkt noch transparenter und feindynamisch versierter. Aber - so viel sei direkt verraten: Die ganz große Stunde des 6000 A Play schlägt noch - und wie. 

Weiter geht es mit Paradise von Bazzi - hier achten wir besonders auf den massiven Bass. Und der 6000 A setzt sich exzellent in Szene. Er stellt den Bass exakt auf den Punkt dar,  mit einem guten Volumen. Mancher Kontrahent schafft vielleicht noch etwas mehr Volumen, dafür bringt der Audiolab Vollverstärker das Ergebnis genau auf den Punkt und reicht schön tief herunter - er macht das alles komplett souverän, erkennt mit enormer Impulstreue direkte dynamische Wechsel, was zu einem ungefilterten, unverfälschten Klangeindruck führt. Die vokale Präsenz des Sängers ist akkurat ausbalanciert, und die Stimmdarstellung selbst gefällt durch ihre guten Konturen. 

Land Of Confusion, Version von Disturbed: Hier bringt der 6000 A Play seine bislang beste Leistung. Da, wo selbst gute Konkurrenten zumindest teilweise versagen, schiebt der Audiolab-Vollverstärker mit Nachdruck an - und zwar auch dort, wo selbst pegelfeste Kontrahenten schon langsam beginnen, merklich zu verzerren. Der 6000 A Play aber agiert weiter souverän, erst ab Displayanzeige "- 17" (Lautstärke) kommt es dann doch zu hörbaren Verzerrungen. Lohnenswert ist es auf jeden Fall, sehr belastbare Lautsprecher einzusetzen. Unsere Canton Vento 896.2 meistert alle Anforderungen mit Bravour. Insgesamt ist die Wiedergabe dieses Songs auch deshalb die beste Leistung, weil selbst bei enormer Lautstärke noch die Stimme einwandfrei von den Instrumenten getrennt wird. Doch das ist erst der Anfang - denn nun nimmt die Erfolgsgeschichte des 6000 A Play ihren Lauf. 

Hypnotic Tange (DJ Quicksilver & CJ Stone Mix): So massiver die Bässe, umso stärker behauptet sich der Audiolab. Vom Volumen her legt er hier noch eine Schippe drauf - trotzdem gibt es nach wie vor Kontrahenten, die beim puren Volumen noch besser sind. Aber: Keiner ist härter. Mit einer solchen Wucht auf den Punkt kommt kaum ein anderer, selbst in diesem extrem starken Konkurrenzumfeld nicht. Der NAD C 368 ballert ähnlich los, aber addiert man das BluOS-Modul dazu, wird er einfach zu teuer im Verhältnis zum Audiolab mit dem integrierten Play-Fi-Modul. Der Marantz 7000 bietet ein noch besseres Volumen, der Audiolab packt dafür noch entschlossener zu, was die Härte angeht. 

Wir legen nach mit "How Far Can We Go" von Klaas und wollen nun wissen: Wann streicht der 6000 A Play komplett die Segel, was den Pegel angeht? Hier kann man selbst bei  "-12" (Lautstärkeanzeige) noch praktisch keine Verzerrungen hören. es ist schier unfassbar, was dieser Vollverstärker an Lautstärke liefern kann. Der Marantz, der Quad und der NAD waren auch schon brachial, besonders der NAD. Während aber der Marantz noch eine Idee kultivierter spielt als der Audiolab, der NAD noch eine Idee spritziger, und der Quad etwas luftiger, schießt der Audiolab den Vogel ab, was die Pegelfestigkeit und vor allem die Souveränität bei Höchstlautstärke angeht. 

Weill es so viel Spaß macht, nächster Versuch im Grenzbereich, mit einem Klassiker: "L Amour Toujours" von Gigi d'Agostino. Was der Audiolab hier liefert, ist schlichtweg das Beste, was wir für 1.000 EUR je gehört haben. Nicht, dass er überall Maßstäbe setzt in dieser starken Klasse - aber bei bass- und affektstarker Musik, die man gern extrem  laut hört, gelingt ihm das. Er ist einfach der Verstärker, der am härtesten zupackt  - scheinbar ohne Limits. Vor allem: Selbst bei "-7" im Display, also beinahe bei höchster Lautstärke, gibt es keinen "Akustikmatsch", sondern nach wie vor eine klare Differenzierung der einzelnen klanglichen Ebenen. 

Scream&Shout, Will.i.am: Hier holt der Audiolab zum nächsten großen Schlag aus. Das ist genau die Musik, die er braucht, um seine Dominanz zu zeigen, was die kontrollierte Souveränität bei extrem hoher Lautstärke angeht. Die Härte im Bass weicht selbst bei 90 Prozent des maximal möglichen Pegels nicht einmal ansatzweise auf. Zudem erwärmen sich die Endstufen nie über Gebührt, selbst wenn man eine Stunde nonstop mit enorm hohem Pegel fährt und dem Vollverstärker keine Verschnaufpause gönnt. In eine Rack "quetschen" sollte man ihn aber auf keinen Fall. 

Fazit

In einer extrem hart umkämpften Liga kann sich der Audiolab 6000 A Play sehr gut behaupten. Zu verdanken hat er dies seinen über alle Maßen pegelfesten Endstufen. Schon, was Marantz mit dem PM7000N oder NAD mit dem C 368 abzieht, ist aller Ehren Wert - doch der "König der Pegel" kommt von Audiolab. Vor allem genial, dass es der potente Vollverstärker auch bei großer Lautstärke noch schafft, das akustische Grundgerüst jedes Songs noch klar herauszuarbeiten. In Anbetracht dieser Performance kann man es gut verkraften, dass der PM7000N von Marantz noch eine Idee kultivierter und harmonischer klingt, und der NAD C 368 noch eine Idee spritziger und transparenter auftritt. Nicht schlimm, zudem sind beide auch teurer (Marantz 1.199 EUR, NAD mit BluOS-Modul 1.429 EUR). Für nicht einmal 1.000 EUR brilliert der 6000 A Play nahezu ohne Abstriche und empfiehlt sich besonders für diejenigen, die z.B. Club- oder auch Rock-Musik in enormer Lautstärke mit hoher akustischer Souveränität genießen möchten. Ansonsten punktet der 6000 A Play mit seinem  problemlos arbeitenden Play-Fi-Modul und der hervorragenden Verarbeitung.

Extreme Souveränität bei extrem hohen Pegeln - das ist die Paradedisziplin des 6000 A Play

Gesamtreferenz Stereo-Vollverstärker/Streamer bis 2.000 EUR
Test 19. November 2020

 

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Philipp Kind
Datum: 19. November 2020

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