XXL-TEST: Pioneer 9.2 Mehrkanal-Netzwerk-Receiver SC-LX801 – die Macht in der Liga bis 2.500 EUR?

Pioneer SC-LX801 Front Seitlich2

Die aktuellen Mehrkanal-/AV-Receiver der Oberkasse haben es in sich: Vollausstattung, enorm leistungsstarke Endstufen, modernste Signalverarbeitung – wer eine besonders leistungsstarke Zentrale fürs Heimkino haben möchte, liegt in der Liga ab 2.000 EUR genau richtig. Pioneer bedient diesen Markt aktuell mit zwei Modellen: Dem 2.999 EUR kostenden 11.2 Kanal-Receiver SC-LX901 und dem 9.2-Gerät SC-LX801 für 2.199 EUR. Diesen hochwertig aufgebauten Mehrkanal-Receiver haben wir uns ausführlich angeschaut und vor allem angehört. 

Pioneer SC-LX801 Rueckseite Seitlich

Rückseite komplett. Bluetooth 4.1 und Dualband WLAN (2,4 und 5 GHz) sind selbstverständlich an Bord

Der größte Neunkanal-Receiver von Pioneer bringt es auf eine Simultanleistung von insgesamt 810 Watt (8 Ohm, 1 kHz, 1 Prozent Klirrfaktor) und hat selbstverständlich das schon fast legendäre MCACC Lautsprechereinmess- und Room EQ System von Pioneer in der aktuellen „Pro“ Version an Bord. Diese Variante offeriert nicht nur enorme Präzision beim automatischen Einmessen, sondern auch extrem viele Nachbearbeitungsmöglichkeiten für den versierten Anwender. Full band Phase Control sowie ein 4-Band-Subwoofer-EQ gehören ebenfalls zu MCACC Pro. 

Pioneer SC-LX801 Mikro

MCACC Mikrofon

Der SC-LX801 ist mit edlen ESS Sabre32 Ultra DAC (384 kHz/32-Bit DACs) ausgestattet und präsentiert sich als ideale Maschine, um HiRes Audio-Dateien ansprechend wiederzugeben. Entsprechend umfangreich fällt auch die HiRes-Unterstützung per Netzwerk/USB aus. Neben den gängigen Formaten wie FLAC oder WAV, AIFF oder ALAC (bis 192/24) wird sogar Quad-DSD bis 11,2 MHz unterstützt. Über HDMI wird natürlich ebenfalls DSD unterstützt, und zwar 2,8 MHz in Stereo und in 5.1.

Der SC-LX801 bietet aktuell Zugriff auf Spotify Connect, tunein, Tidal und Deezer. Wo es verfügbar ist, kann auch Pandora genutzt werden. Apple AirPlay und der Zugriff auf Musik, die auf PCs, Home Servern und NAS-Systemen abgelegt ist, fehlen ebenfalls nicht. Und: Über USB ist auch Dolby TrueHD Playback möglich. Per Firmwareupdate folgen Fire Connect (Wireless Multiroom Audio, Streaming der Signale des SC-LX801 zu entsprechend kompatiblen Fire Connect-Devices) und Google Cast. 

Das Sound-Tuning des 801 übernahmen die renommierten Londoner Air Studios, die schon seit langem mit Pioneer kooperieren. Dolby Atmos- und dts:X Decoder fehlen natürlich nicht. Der Pioneer SC-LX801 hat überdies zahlreiche DSP-Programme an Bord, die sich auch über die Fernbedienung abrufen lassen. Neben virtuellen Surrounderzeugungs-Modi (wenn man kein komplettes Mehrkanal-Lautsprechersetup zur Verfügung hat) gibt es Action, Drama, Entertainment Show, Rock/Pop, Classical, Advanced Game, Extended Stereo (breitere Stereobühne), Sports, sowie Unplugged. Für manches Quellmaterial sind die DSP-Modi recht gut geeignet. 

Pioneer SC-LX801 Innenleben Gesamt

Innenleben in der Gesamtübersicht

Pioneer SC-LX801 Innenleben1

Boards mit jeder Menge hochwertiger Hochleistungs-Chips

Pioneer SC-LX801 Innenleben2

Transformator

Pioneer SC-LX801 Innenleben3

Hochwertigkeit ist auch im Detail Trumpf

Ein Circus Logic Quad Core-Prozessor ist für die nötige Rechenleistung verantwortlich. Die Verarbeitung kann beinahe gänzlich überzeugen. Große Standfüße, eine noble Alu-Front mit elegant integrierter Klappe (unter der sich weitere Bedienelemente und Anschlüsse befinden) sowie und eine akkurat verarbeitete Rückseite stehen auf der Haben-Seite. Auch für das mit modernsten Baugruppen bestückte, übersichtlich aufgebaute Innenleben mit den digitalen Hochleistungsendstufen weiß zu gefallen.

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Großer Regler für die Wahl der Quelle

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Lautstärkedrehregler

Pioneer SC-LX801 Fernbedienung

Recht einfach gehaltene, aber leicht bedienbare Fernbedienung

Nicht ganz perfekt – der Lautstärkedrehregler eiert etwas und ist nicht gerastert. Das passt nicht in die gehobene Preisklasse. Auch die recht einfache Fernbedienung passt nicht perfekt zum Anspruch des Hauptgerätes. 

Der SC-LX801 ist üppig mit Anschlüssen bestückt. Hier die dazugehörigen Bilder:

Pioneer SC-LX801 Bedienelemente Frontklappe

Anschlüsse vorne: Phones, MCACC-Mikrofon-Anschluss, USB, HDMI

Pioneer SC-LX801 Anschluesse Rueckseite4

HDMI-Sektion. 5 der 7 Eingänge hinten bringen HDCP 2.2 mit. Nur zwei Ausgänge, Denon bietet in der Preisklasse drei

Zu den HDMI-Terminals. Fünf der sieben Eingänge hinten entsprechen neuesten Spezifikationen. 4K/60p/4:4:4/24-bit, 4K/24p/4:4:4/36-bit, 4K/60p/4:2:0/36-bit, HDR sowie BT.2020 Support sind hier Standard. Leider gibt es nur zwei und nicht drei HDMI-Ausgänge. Die Konkurrenz von Denon setzt, gerade für die Verwendung in mehreren Hörzonen interessant, in diesen Preisregionen auf drei HDMI-Ausgänge. 

Pioneer SC-LX801 Anschluesse Rueckseite3

Analoge YUV-Videoterminals, Pre-Outs (Audio-Analog) für Zone 2/3

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11.2 Pre-Out 

Pioneer SC-LX801 Anschluesse Rueckseite1

Lautsprecherkabel-Anschlüsse

Unsere Bilanz

Der SC-LX803 ist edel verarbeitet und üppig ausgestattet. Der Preis liegt mit 2.199 EUR recht hoch, aber der große Neunkanal-Receiver offeriert auch wirklich viel Gegenwert fürs investierte Geld. Toller innerer Aufbau, edle Optik, viele Anschlüsse. Störend: Nur zwei HDMI-Ausgänge, eiernder Lautstärkeregler, qualitativ einfache Fernbedienung. Wenden wir uns nun OSD und der iControl AV5 App zur Steuerung zu. 

OSD

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Erster Screen – Einleitender Text und Überblick

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Arbeit mit MCACC im vollautomatischen Modus

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Quellenanschluss – Übersicht

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Auswahl der Quelle

Pioneer SC-LX801 Menue 5

Netzwerkverbindung, Übersicht

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Kabelgebunden oder drahtlos

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Der SC-LX801 ist im Netz

Pioneer SC-LX801 Menue 8

Multizonen-Einstellung

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ARC-Channel

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Ende

Der SC-LX801 bringt einen guten Assistenten zur Ersteinrichtung mit, der mit Hilfetexten und ordentlich gemachten Grafiken arbeitet. So hat man auch als weniger versierte Anwender den großen Mehrkanal-Receiver schnell betriebsbereit. 

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Menü „Lautsprecher“

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Grundmenü – Startbildschirm

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Grundeinstellungen

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MCACC Pro-Startmenü

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Manuelles MCACC

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EQ Einstellungen

Das Menü ist in sehr ansprechender Grafik gehalten. Der erste Bildschirm gliedert sich in „Grundeinstellungen“, „MCACC Pro“ und in „Netzwerk/Bluetooth“.  In den Grundeinstellungen finden sich Eingangs/Ausgangs-Justagen, sowie die Punkte „Lautsprecher“, „Klangeinstellungen“, „Quelle“, „Hardware“, „Multi Zone“ und „Diverses“. Bei „MCACC Pro“ gibt es zahlreiche, erstklassige Optionen für den versierten Anwender. Wer es einfach möchte, wählt „Voll Auto MCACC“. Ferner vorhanden: „Manuelles MCACC“, „MCACC Ergebnisse“ und „MCACC Datenbank“. Bei den Datenbank-Einstellungen kann man Speicher umbenennen, MCACC-Speicherkopien anfertigen sowie MCACC-Speicher löschen. Drei Speicherplätze stehen zur Verfügung. Beim Unterpunkt „Manuelles MCACC“ kann man „Guter Kanalpegel“, „Guter Lautsprecherabstand“, „Stehende Wellen“, „EQ Einstellungen“ und „EQ Professional“ anwählen. Kanal-/Lautsprecher-selektiv ist es bei „EQ Einstellungen“ möglich, ein individuelles EQ-Setup für jede Box zusammenzustellen. Bei „EQ Professional“ geht es dann richtig rund: „Nachhall-Messung“, „Nachhall-Anzeige“ sowie „Erweiterter Equalizer“ (MCACC, Time Position, EQ-Typ, Stehwelle-Multiposition) offerieren ungeahnte, konkurrenzlose Möglichkeiten für Anwender mit guten Kenntnissen der Raumakustik.  

Noch ein Wort zur Arbeitsgeschwindigkeit: Schnell setzt der SC-LX801 mit der Fernbedienung gegebene Befehle um. Auch bei der Wiedergabe z.B. von HiRes-Audiodateien gibt sich der SC-LX801 keine Blöße. Sehr schnell lässt es sich mit der Fernbedienung zum gewünschten HiRe-Titel navigieren. Der Pioneer agiert zuverlässig und sehr zügig bei allen Netzwerk-Applikationen, eine klare Verbesserung gegenüber früher. Auch wenn man z.B. auf Spotify oder Tidal zugreifen möchte, kann man dies ohne Verzögerung tun. 

Pioneer iControl AV5 App

Pioneer SC-LX801_App_Geraet

Der SC-LX801 wurde sofort erkannt

Pioneer SC-LX801_App_Homemenu

App-Hauptmenü

Pioneer SC-LX801_App_Control

Control-Menü

Pioneer SC-LX801_App_Control2

Tone/Balance und Video Mode einstellbar

Pioneer SC-LX801_App_Control_VideoMode

Video-Einstellungen

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Sound Explorer in „Freestyle“ Ansicht

Pioneer SC-LX801_App_SoundExplorer2

Listen-Ansicht

Pioneer SC-LX801_App_SoundExplorer_EQ

EQ an oder aus

Pioneer SC-LX801_App_SoundExplorer_Bassreglung

Bassregelung

Pioneer SC-LX801_App_Status

Status Viewer

Pioneer SC-LX801_App_AudioScaler

Audio Scaler

Pioneer SC-LX801_App_Emphasis

Emphasis Bass

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Emphasis Dialogue

Pioneer SC-LX801_App_Balance

Balance

Pioneer SC-LX801_App_FingerEQ

Finger EQ

Die iControl AV5 App ist bereits auf dem Smartphone eine Wucht – besonders dann, wenn man einen gewissen Spieltrieb an den Tag legt. Der SC-LX801 wird bei uns sofort erkannt. Man landet dann auf dem Startbildschirm. In der oberen Hälfte kann man „Control“ (Lautstärkregelung, Mute-Schaltung spwoe Reglung für Tone/Balance plus Video Mode. Bei Video Mode kann man das Upscaling Full HD auf 4K aktivieren, sowie die „Super Resolution“ zur Optimierung von Bilddetails im hochfrequenten Bereich aktivieren), „Input Select“ (Eingangswahl), „Listening Mode“ (Auswahl des Hörmodus), sowie „Cursor“ (Smartphone dient als Navigationseinheit durch die Menüs) anwählen. Unten dann geht es in die Detail-Justagen. Wählt man den „Sound Explorer“, „purzeln“ die Symbole auf den Smartphone-Screen. Wer das nicht mag, kann auch eine statische Darstellung der Buttons oder eine Darstellung in Listenform wählen. Der „Status Viewer“ zeigt an, wie gerade decodiert wird, welche Samplingfrequenz/Bittiefe vorliegt etc. Der „AV Scaler“ bestimmt das Audio-Upscaling (Verhältnis Input-Output). Bei „Emphasis“ kann man Bass und Dialog mittels schicker Grafik justieren. Das gilt auch für „Balance“. Bei „Finger EQ ist es möglich, grafische EQ-Justagen mittels Hoch- und Herunterziehen der einzelnen Regler mit den Fingern zu erstellen. Insgesamt für uns eine erstklassige App, die beim SC-LX801 auch schlichtweg perfekt funktioniert. Keine Abstürze, jeder App-Befehl wird extrem flott umgesetzt, die verschiedenen App-Screens laden schnell.

Klang „Mission Impossible – Rogue Nation“, englische Tonspur, Dolby Atmos

Gleich zu Beginn des Films bringt der SC-LX801 viel Leben in die Tonspur. Die Stimmen von William Brand und Benjamin Dunn sind sehr gut verständlich, auch die rauhe Stimme Luthers bringt der Pioneer hervorragend zur Geltung. Pioneers Mehrkanal-Receiver waren immer für ihre enorm dynamische, kraftvolle Wiedergabe bekannt. Diese offeriert der SC-LX801 in vollem Umfang. Der startende Airbus A-400 mit der gefährlichen Fracht an Bord kommt akustisch erstklassig zum Ausdruck. Die aufheulenden Triebwerke entfalten nicht nur eine präzise, sondern auch eine äußerst räumliche Wirkung. Aber auch kleine Geräusche wie das Zirpen der Grillen auf der Wiese, auf dem sich Benjamin aufhält, kommen überzeugend heraus. Feindynamisch hat sich einiges getan bei Pioneer, ohne die klassischen Tugenden aufzuheben. Der sich gleich zu Beginn steigernde Spannungsbogen – schafft es Ethan, die gefährliche Fracht rechtzeitig aus der Militärmaschine zu holen? – wird exzellent vom SC-LX801 wiedergegeben. Auch bei hohem Pegel leistet sich der starke Pioneer keine Einbrüche bei Dynamik und Differenzierung. Sehr klar, aber nicht zu scharf, kommen Effekte heraus. Der SC-LX801 hat kaum noch das stellenweise überprägnante, überschärfte Wesen älterer Pioneer Mehrkanal-Receiver. Er agiert verbindlicher, aber genauso dynamisch, und schafft dadurch viel Vertrauen beim Zuhörer. 

Wir wechseln in die Wien-Szene (Kapitel 4). Hier kommt Benji an einer U-Bahnstation nahe des berühmten Wiener Opernhauses an. Er bekommt Spezialequipment – einen als Opern-Programm getarntes High-Tech-Tool sowie eine Spezialbrille – in einem Umschlag ausgehändigt und begibt sich auf den Weg zum Opernhaus. Hier kommt gerade der österreichische Bundeskanzler in seinem Dienst-Maybach an und steht zusammen mit seiner Gattin mitten im Blitzlicht-Gewitter der Presse. Der SC-LX801 schafft viel Atmosphäre, schon in der U-Bahn-Station kommen Geräusche wie z.B. die vom aus der Station fahrenden Zug oder vom Scan der Spezialbrille sehr plastisch und detailreich heraus. Besonderheit des Pioneer ist die großartige räumliche Tiefe, die er in jeder Situation offeriert. Hier hat Pioneer offensichtlich mit Erfolg „Hand angelegt“. Der SC-LX801 ist von den renommierten Londoner Air Studios hinsichtlich seiner Klangqualität optimiert wurden. MCACC Pro agiert gekonnt. Beides hat zur Folge, dass ein klares, einheitliches räumliches Klangbild geboten wird. Nahtlose Übergänge zwischen allen Channels sind hervorzuheben, die beiden Top Firing Module unseres 5.1.2 Test-Setups sind fließend mit eingebunden. Sehr vielfältige, räumlich dichte Effekte kommen auch von den Top Firing-Modulen. Das merkt man, als die Opernbesucher vor der Aufführung reichlich Beifall spenden. 

Als dann die Oper „Turandot“ von Giacomo Puccini im Wiener Opernhaus beginnt, beweist uns der SC-LX801, wie gut er auch mit anspruchsvoller klassischer Musik zurechtkommt: Lebendig, mit stets erkennbarer Struktur, werden die Instrumente des großen Orchesters ausgezeichnet abgebildet. Die Arien beweisen uns, dass der SC-LX801 auch bei der Stimmwiedergabe Fortschritte gemacht hat, die ihn in eine hervorragende Ausgangsposition auch in seiner angestammten, deutlich gehobenen Preisklasse bringen: Feine Konturen, enorm dichte, fesselnde Wirkung – da passt alles. Dass der SC-LX801 digitale Endstufen mitbringt, wirkt sich nirgendwo negativ aus, im Gegenteil: Jederzeit enorme Kraft, enorme Antrittsschnelligkeit, saubere Trennung auch von kleinen akustischen Details. 

Als sich die auf den österreichischen Kanzler angesetzten Killer für ihren Einsatz fertig machen, kommen klangliche Einzelheiten ein weiteres Mal sauber heraus, so als Ilsa Faust ihre Waffe zusammenbaut. Auch die heftige Keilerei zwischen Ethan und dem eiskalten Killer hoch oben über der Bühne bringt der SC-LX801 prima heraus – die harten Faustschläge oder auch der Aufprall auf dem Boden wirken enorm authentisch und energiegeladen. Der SC-LX801 modelliert einen faszinierend dichten, echten Raum heraus, die Auflösung ist in allen Frequenzbereichen exzellent. 

Klang „ID4“, englische Tonspur, dts:X

Wir sind in Kapitel 49, der finale Kampf gegen die Aliens ist in vollem Gange. Der Pioneer SC-LX801 schiebt mit ungemeiner Wucht an und schafft es selbst bei großem Pegel, noch Struktur in alle Explosionen zu bringen. Die Ereignisse im Raumhafen der Alien-Station, als Steve Hiller zusammen mit David Levinson versucht, sich mit dem Raumgleiter aus dem Dock zu lösen, kommen mit sauberer Auflösung zur Geltung. Stimmen präsentiert uns der SC-LX801 als sorgsam eingearbeitet, sie sind gut verständlich, stehen aber nicht unpassend im Vordergrund. Der Spannungsbogen gegen Ende des Sci-Fi-Spektakels aus den 90er Jahren wird vom Pioneer umfassend wiedergegeben.

Die Top Firing Module bezieht er voll ins Geschehen ein und schafft dadurch eine lebendige Überkopf-Ebene. Kraftvoll, impulstreu, klar: Die Direct Energy HD Endstufen beweisen, dass sie zu den besten ihrer Art gehören. Details bei enorm hoher Grundlautstärke noch herauszustellen – das kann der SC-LX801. Als dann die Alien-Schiffe angegriffen werden, die die Erde direkt bedrohen, vergisst der Pioneer auch nicht, den Music Score herauszuarbeiten. Raumwirkung, Nachdruck und Struktur – all dies vereint der SC-LX801 zu einem intensiven Surround-Klangerlebnis. Als Russell in das Innere des Alien-Raumschiffs fliegt und dort die Bombe explodiert, beweist uns der Pioneer ein weiteres Mal, wie gut es um die Kraft seiner Endstufen-Einheiten bestellt ist. 

Hi-Res Audio, Flac-Dateien, Stereo

Wir starten mit „Desperado“ (48 kHz/24-Bit) in der Adaption von Diana Krall. Sehr facettenreich bringt der SC-LX801 Dianas Stimme zum Hörer. Hier beweist uns das 2016er Modell, wo überall Pioneer optimiert hat. Die Stimme hat mehr Struktur im Detail, die Trennung zu den Instrumenten gelingt noch besser als früher. Das Piano wird feiner dargestellt, man sieht es nun förmlich vor sich, wie der Pianist die Tasten herunterdrückt.

Die Differenzierung hinterer musikalischer Ebenen gelingt dem SC-LX801 so gut wie noch nie einem Pioneer Mehrkanal-Receiver zuvor. Wir bekommen fast den Eindruck vermittelt, dass der erstklassige Top Stereo-Verstärker A-70DA Pate für die Stereo-Auslegung der neuen SC-LX-Modelle stand. Übrigens: Auch der A-70DA hat digitale Endstufen. „Don’t Dream It’s Over“ bringt ebenfalls eine hohe atmosphärische Dichte und einen feinen, kultivierten Klang mit. Wer beenden unsere Diana Krall-Session mit „Feels Like Home“. Auch hier ist wieder hervorzuheben, wie sauber der SC-LX801 das Piano detailliert. Dianas rauchige Stimme löst sich sehr gut von den Lautsprechern und begeistert mit toller Dynamik.

„Dronning Fjellrose“ vom Hoff Ensemble in 192/24 beweist ein weiteres Mal: Der SC-LX801 ist auch ein Könner, wenn es darum geht, feine musikalische Strukturen abzubilden wie bei diesem winterlich-melancholischen Stück der bekannten Akustik-Jazzer. Sensibel, mit angenehmer Tonalität und einer exzellenten Auflösung schafft es der Pioneer, die Vorzüge von HiRes-Audiomaterial überzeugend darzustellen.

„Nessun Dorma“, gesungen von Jonas Kaufmann (96/24) haben wir bewusst gewählt, um nochmals zu überprüfen: Verdient sich der SC-LX801 wirklich auch eine Empfehlung für den Klassik-Liebhaber? Mit klarer Fokussierung auf die vokale Präsentation und einer räumlich dichten, nahtlosen Gesamtwiedergabe zeigt uns der Pioneer sein formidables Können. Er agiert so gelungen im Stereobetrieb, dass man sich einen separaten Stereoverstärker, selbst ein Modell der 1.000 EUR Liga, zusätzlich sparen kann. Nur enorm hochwertige Stereoverstärker ab ca. 1.500 EUR spielen noch kultivierter und feiner auf. 

Spotify Connect mit dts Neural:X (5.1.2-Wiedergabe)

Ja, der Pioneer holt schon aus schlichten Spotify Tracks eine Menge heraus. Wir verwenden beim Technotronic-Klassiker dts Neural:X und sind erstaunt: Eine homogene, räumlich dichte Verteilung auf alle Channels, inklusive einer gelungenen Einarbeitung der Top Firing Module. Beim Klassiker „Open Your Mind“ im Remix von DJ Quicksilver verteilt der SC-LX801 die elektronischen Effekte mit Dynamik und einer akkuraten Staffelung auch im großen Hörraum souverän. Der SC-LX801 ist aufgrund seiner leistungsstarken Endstufen keinesfalls zwingend auf den Support eines aktiven Subwoofers angewiesen.

Im Verbund mit großen Standlautsprechern liefert er einen satten, straffen, nachdrücklichen und stets sauberen Bass ab. Wenn ein aktiver Subwoofer angesteuert wird, macht dies der SC-LX801 präzise und integriert den aktiven Bass nahtlos ins Klangbild. Wir haben mit einem Quadral Platinum Set (M40, Base M10, M20, QUBE 12, Phase Top-Firing Module) sowie unser Nubert nuLine Set bei allen Klangtestreihen angeschlossen und waren sehr angetan, wie nachdrücklich und stimmig der SC-LX801 mit beiden Mehrkanal-Ensembles zusammenarbeitet. In den Audio-Optionen auf der Fernbedienung kann man noch Sound Retriever (Aufpolieren niedriger Auflösungen), Audoo Scaler und HiBit Sampling aktivieren. Dadurch lässt sich stets ein sehr homogenes, schlüssiges Klangbild realisieren.

Der Sound Retriever arbeitet allerdings nicht in allen Betriebsarten sondern nur im Stereobetrieb. Trotzdem gefällt uns der dts Neural:X  Modus sehr gut. Bei „What Is Love 2016“ von Lost Frequencies liefert der SC-LX801 wieder eine superbe Leistung ab. Kraftvoller Bass, sehr weitläufige Raumwirkung – und ein prima Hochtonbereich. Dolby Surround, der Upmixer von Dolby, wirkt im direkten Hörvergleich räumlich auch sehr gelungen, bringt den Sound aber nicht ganz so frisch-unmittelbar zur Geltung. 

Video: Upscaling von 1.080p auf 4K

Der SXC-LX801 bringt noch einen Upscaler für die Konvertierung von Full HD-Content in 4K mit. Geringere Auflösungen können nicht auf 4K hochkonvertiert werden. Hier wird ein klarer Sparkurs gefahren – doch nicht ohne entsprechende Überlegung. Denn wer benötigt im AVR tatsächlich noch eine Up-Conversion niedriger auflösender Formate? Das dürfte nur ein extrem kleiner Kreis potentieller Käufer sein. Das Upscaling auf 4K erledigt der SC-LX801 bei der Eröffnungssequenz von „Mission Impossible – Rogue Nation“ souverän. Die Grashalme im Feld, in dem sich Benjamin verborgen hält, sind gut detailliert, farblich ist das Bild natürlich gehalten. Bewegungen laufen artefaktefrei ab.

Schon die Logos der Film-Produzenten und beteiligten Firmen ganz am Anfang sehen ausgezeichnet aus. Nur geringfügig ist Zittern im hochfrequenten Bildbereich zu erkennen. Die Bäume hinter dem Feld zeigen minimale Neigung zu Artefakten. Das Scalingrauschen fällt recht gering aus. Sehr schön werden auch in dunklen Bildbereichen (William Brand in der Zentrale, Frachtraum des Airbus-Militärflugzeugs) noch Strukturen wie z.B. feine Muster herausgearbeitet. Als das große Flugzeug startet, ist die Grünfläche links und rechts neben der Startbahn noch einwandfrei zu erkennen. Details auf Benjis iPad, als er versucht, die Tür des Airbus für Ethan zu öffnen, stellt das Upscaling des SC-LX801 scharf sowie klar dar. Hautfarben kommen, ein entsprechend leistungsstarkes Bildwiedergabegerät vorausgesetzt, mit akkurater Farbgebung und feiner Strukturierung zur Geltung.

Konkurrenzvergleich

Seit Jahren stehen gerade Pioneers große Mehrkanal-Receiver für eine enorme Gesamtdynamik und erstklassige Pegelfestigkeit. Das ist nicht erst seit der Verwendung digitaler Endstufen so,  obwohl auch diese Technologie bei Pioneer mittlerweile bereits eine längere Tradition hat. Wir erinnern an das Jahr 2009, als der schon beinahe legendäre Pioneer „Susano“ SC-LX90 für Furore in unserem Testraum gesorgt hat. 1.400 Watt Gesamtleistung hatte das 7.000 EUR teure Gerät – und „Direct Energy HD“ Endstufen, damals noch mit Hilfe von ICEpower entwickelt. Krasse Pegel, unvorstellbarer Schub – der Susano „rockte“ alles weg. Nun schreiben wir das Jahr 2016, 7.000 EUR Mehrkanal-Boliden gibt es von den großen Herstellern nicht mehr, nur noch Vor-Endstufen-Kombinationen z.B. von Yamaha, Marantz oder Onkyo, die in diesen Preisregionen aufspielen.

Aber auch sonst hat sich eine Menge getan, darum diese lange Einleitung. Pioneer hat den digitalen Endstufen, die sich – auch wenn sie konstruktiv komplett neu sind – immer noch Direct Energy HD nennen, Manieren beigebracht. Selbst der, der es weiß, erkennt kaum, dass der SC-LX801 über digitale Endstufeneinheiten mitbringt, wenn es um die akustische Gesamtauslegung geht. Nur an der extremen Pegelfestigkeit, der geringen Erwärmung und an der herausragenden Grobdynamik kann man es erahnen. Der SC-LX801 lässt aufgrund seiner Leistungen die Frage aufkommen: Braucht man noch mehr?

Wobei sich diese Frage bereits für 600 EUR weniger stellt. 1.599 EUR kostet der enorm gute Denon AVR-X4300H mit eingebautem HEOS Modul. Und im Gegensatz zu Fire Connect – wie dieses im SC-LX801 nach Update verbaute Multeroom Audio-Modul auf dem Markt ankommt, muss sich erst noch zeigen – ist das HEOS Modul im AVR-X4300H schon voll einsatzfähig. Hier haben Pioneer & Onkyo keine Glanzleistung hingelegt, überall steckt zwar prinzipiell Fire Connect drin, aber verwenden kann man es derzeit noch nicht. An Endstufenleistung bringt schon der 4300H eine Menge mit. Angenehm homogen klingend, spielt sich der Neunkanal-Denon weit nach vorne. Auch im Stereobetrieb schneidet er ausgezeichnet ab und übertrifft den AVR-X4200W aus 2015, der derzeit für gut 950 EUR als Highclass-Schnäppchen zu haben ist, in allen Belangen. Er ist so gut, dass er schon das 2015er Modell Denon AVR-X6200W gehörig unter Druck setzt.

Und der SC-LX801? Man glaubt es kaum, und es schmälert auch die Leistung des günstigeren AVR-X4300H nicht. Aber wie der Pioneer loslegt, welche Pegel er spielerisch erklimmt – das sind nochmal zwei Schippen mehr. Aber – ohne ein entsprechend leistungsfähiges Lautsprechersystem „verpufft“ die „Direct Energy HD“ Performance. Der SC-LX801 – der eigentliche Nachfolger des SC-LX89, der SC-LX901 mit 11 Endstufen ist im Sortiment „oben drauf“ gepackt – braucht belastbare, sehr dynamische Lautsprecher, um seine akustischen Vorzüge voll auszuspielen. Vorschlag wären leistungsfähige Mehrkanalsets aus der KEF R-Serie, der Nubert nuLine-Baureihe oder auch der Quadral Platinum-Serie. Diese Sets sind preislich im Rahmen, aber sehr belastbar. Auch Elac mit einem Ensemble aus der 400er Serie passt, doch hier wird es dann deutlich teurer. 

Steht dem SC-LX801 also ein passendes Lautsprecherensemble zur Verfügung, setzt er einen Vortrieb frei, der einen Angst und Bange werden lässt. So kennt man es von Pioneer – oder? Genau, aber nun kommt noch etwas Neues hinzu, und das macht den SC-LX801 so wertvoll. Er kann es nämlich auch sehr geschliffen und kultiviert angehen lassen. Die Zeiten, in denen Pioneers Mehrkanal-Receiver knallharte „Pegel-Rocker“ waren, sind vorbei. Grobdynamische Grobmotoriker mit dem Hang zum fetten Bass – goodbye, alte Zeit, willkommen, Universaltalent. Der SC-LX801 kann Klassik, Jazz, hat viel Feingefühl bei HiRes Audio-Dateien. Er setzt Maßstäbe.

Sicherlich nicht allein, die Konkurrenz schläft nicht. Aber er dringt in Regionen vor, in denen die Yamaha CX-A5100/MX 5000 Vor-Endstufenkombi zu Hause ist. Nein, er verdrängt diese exzellente Kombi nicht. Da merkt man dann doch, dass Yamahas Aventage-Gespann auch noch deutlich teurer ist – voll gerechtfertigt. Aber wie nahe der SC-LX801 bei der Geschmeidigkeit der Endstufen und bei der Pegelfestigkeit sowie beim räumlichen Abbildungsvermögen bei der Yamaha-Kombi ist, das beeindruckt.

Die Videosektion des SC-LX801 kann fast nichts. Nur das Upscaling von 2K auf 4K sowie ein Resolution-Optimierungs-Regler sind an Bord. Gelbe Karte. Das kann die Konkurrenz besser, Denon packt schon in der 1.000 EUR-Klasse eine Upconversion von 576i/480i auf bis zu 4K plus ISF-Bildmodi in den AVR-X3300W. Nun kommt aber eine berechtigte Frage. Braucht man das heute noch? Einige sicher, daher verständlich, dass D&M es anbietet. Andere jedoch nicht. Und da liegt dann der Pioneer richtig, denn die Güte seiner Upconversion ist top, hier setzt er sich fast an die Spitze. Starke Detaillierung, guter Bildstand, nur minimales Rauschen – so geht Upscaling heute. 

Fazit

Pioneer SC-LX801 Front Seitlich1 

Extrem kraftvoll, wuchtig, massiv – und gleichzeitig feinsinnig, lebendig, kultiviert: Das ist die neue Pioneer-Welt, eindrucksvoll in Szene gesetzt vom SC-LX801, der seinen auf den ersten Blick hoch anmutenden Kaufpreis auf jeden Fall Wert ist. Die Endstufen liefern Leistung ohne Ende, daher ist ein entsprechend belastbares Lautsprecher-Ensemble Pflichtprogramm, möchte man die Fähigkeiten des SC-LX801 ausnutzen. Musik und Filmton kommen mit ungemein fesselnder Wirkung für die Zuhörer heraus. Der große 9.2 Mehrkanal-Receiver bietet echtes Erlebnis-Hören – aber verbunden mit hoher Detail-Kultur. Die einfache Bedienung überzeugt, MCACC Pro ist genial, man muss meist aber bei den einzelnen Lautsprecher-Pegeln manuell nachregeln. Der „Reflex Optimizer“, Bestandteil von MCACC in der 2016er Edition, bezieht etwaige Top-Firing-Module nahtlos und lebendig mit ins Klangbild ein. Zudem bietet der SC-LX801 ein sauberes Upscaling von Full HD-Content auf 4K. „Super Auflösung“ optimiert auf Wunsch di Detailwiedergabe des visuellen Inhaltes. Ist dieser in sehr hoher Qualität auf einer Blu-ray abgelegt, bringt Super Auflösung noch etwas mehr Plastizität und Detailschärfe. Der SC-LX801 beeindruckt ferner mit nobler Optik und exzellenter Verarbeitung. Nicht zum Anspruch des edlen Hauptgerätes passt die etwas einfache Fernbedienung. Ärgerlich ist, dass Fire Connect immer noch nicht verfügbar ist. 

Das ist Premium: Der Pioneer SC-LX801 bietet überall Leistungen, die auch in der 3.000 EUR-Liga noch für Freude sorgen würden
referenz
Gesamt-Referenz Mehrkanal-Receiver Luxusklasse
Test 27. Oktober 2016

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 27. Oktober 2016




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