TEST: Denon 7.2 AV-Netzwerk-Receiver AVR-X3300W – Fortsetzung einer Erfolgsgeschichte?

Denon AVR-X3300W Front Seitlich3

Letztes Jahr waren wir vom Denon AVR-X3200W sehr angetan. „Der Denon AVR-X3200W begeistert durch seine Ausstattung und seine enorme Ausgewogenheit auf hohem Niveau“, so lautete damals unser Fazit des Testberichtes. Nun steht mit dem AVR-X3300W, UVP wieder 999 EUR, der Nachfolger bereit. Optimiert wurde im Detail: Noch etwas mehr Klangqualität, noch etwas besseres Upscaling analoger und digitaler Video-Quellen auf bis zu 4K, Gapless-Wiedergabe für noch mehr Formate bei der Präsentation von HiRes Audio-Dateien. Also eine Revolution, sondern eine Evolution. Ein kompletter Umbruch war aufgrund der Qualitäten des letztjährigen Modells auch keinesfalls nötig. Übrigens – Denon gewährt 30 Prozent Nachlass auf den HEOS Link (UVP 399 EUR) bei Kauf des AVR-X3300W. 

Der AVR-X3300W ist im bewährten 7.2 Layout gehalten. Das heißt, 5.1.2 ist möglich, also die kleinste Dolby Atmos/DTS:X Konfiguration. Dolby Atmos ist natürlich integriert, nicht ganz so euphorisch dürfen DTS:X-Liebhaber sein. Denn das aktuellste DTS-Tonformat wird erst per Firmware-Update kommen. Nun werden sich Leser fragen: Wie kann das sein, dass es für brandneue Modelle kein DTS:X gibt, wenn bereits verschiedene D&M-Modelle des Jahres 2015 längst mit einem Update für die native Wiedergabe von DTS:X plus dem Immersive Sound-Upmixer DTS Neural:X versehen wurden? Die Antwort: Es arbeiten verschiedene Chipsätze in den D&M-Receivern, und in den etwas kleineren Modellen – zu denen auch der AVR-X3300W noch gehört – agieren andere Prozessoren als in den großen AV-Receivern und AV-Vorstufen, die bereits jetzt DTS:X beherrschen. 

Der AVR-X3300W setzt auf Rechenleistung, im Sinne bester Aufbereitung von objektbasierten Tonformaten und optimaler Lautsprecher-Einmessung inklusive Room-EQ arbeitet ein Quad Core-32-Bit-DSP-Prozessor im Inneren des AV-Receivers. Die Leistung der Endstufe im Überblick:

  • An 8 Ohm, 20 Hz bis 20 kHz, 0,08 % Klirrfaktor, 2-Kanal-Betrieb, stehen 105 Watt zur Verfügung.
  • An 6 Ohm, 1 kHz, 0,7 % Klirrfaktor, 2-Kanal-Betrieb, stehen 135 Watt zur Verfügung
  • An 6 Ohm, 1 kHz, 1 % Klirr, 1 Kanal ausgesteuert, stehen 180 Watt zur Verfügung

Von praktischer Relevanz ist der dritte Wert nicht. Obwohl alle AVR-Hersteller bis auf wenige Ausnahmen immer die maximale Leistung pro Kanal bei Aussteuerung nur eines Kanals bei 1 kHz angeben, so hat dieser Wert für die Praxis keine Bedeutung. Der erste und der zweite Wert schon eher, wobei auch hier zu beachten ist, dass nicht alle sieben, sondern nur zwei Kanäle ausgesteuert sind. Bei sieben Kanälen steht dementsprechend weniger Dauerleistung zur Verfügung. Gerade bei D&M reicht diese aber immer sehr gut aus, um auch im größeren Hörraum noch anständige Pegel zu erzielen. Ob dies auch beim AVR-X3300W der Fall ist, prüfen wir später in den Hörtestreihen nach.

Denon AVR-X3300W Rueckseite Seitlich1

Komplette Rückansicht

Denon AVR-X3300W Anschluesse Rueckseite3

HDMI-Sektion

Denon AVR-X3300W Anschluesse Rueckseite2

Anschlüsse in der Übersicht

Denon AVR-X3300W Anschluesse Rueckseite1

Lautsprecher-Schraubanschlüsse

Denon AVR-X3300W Display Bedienelemente

Display und Anschlüsse vorn

Sehr modern präsentiert sich die Anschlusssektion des AVR-X3300W. Es finden sich acht HDMI-Eingänge, sieben hinten und einer vorne, sowie zwei HDMI-Ausgänge. Alle Eingänge entsprechen der aktuellen Spezifikation; 4K Ultra HD mit 50/60Hz, 4:4:4 Pure Color 4K-Subsampling, HDR, 3D, sowie BT.2020 Farbraum-Unterstützung und natürlich HDCP 2.2 zeichnen die Terminals aus. Denon geht hier einen anderen Weg als Onkyo, Pioneer und Yamaha. Hier ist nur eine Auswahl der HDMI-Terminals in der neuesten Spezifikation gehalten. Beide Hersteller finden Argumente für ihren Weg. Diejenigen, die nicht alle HDMI-Terminals mit neuesten Merkmalen ausstatten, sagen, dass eine optimale Kompatibilität zu älteren Zuspielern gewährleistet ist, wenn auch noch einige HDMI-Terminals nicht neuesten Specs entsprechen – bei HDMI 2.0a mit allen Features könnte es Schwierigkeiten mit älteren Quellen geben. D&M hält dagegen, dass man mit einer komplett neuesten Spezifikationen entsprechenden HDMI-Sektionen eine erstklassige Zukunftssicherheit geben kann, auch wenn sich der Zuspieler-Park an 4K HDMI-Quellen deutlich erweitert. Hier muss der Anwender entscheiden, welchem Weg er sein „Ja-Wort“ gibt. 

Fest steht, dass die Videosektion des AVR-X3300 W umfassend ausgestattet ist. Im Gegensatz zur Videosektion des AVR-X2300W werden nicht nur digitale, sondern zusätzlich analoge, z.B. über den Komponenteneingang eingespeiste Videosignale in niedrigeren Auflösungen auf bis zu 4K hochskaliert. Wie auch 2016 bei D&M üblich, finden sich zwei ISF-zertifizierte, sehr ausgewogene und authentische Bildprogramme für den Einsatz bei Tag und in der Nacht im Ausstattungsumfang. Unter „Bildeinstellungen“ im Menü findet sich auch noch ein kleiner Video-EQ. Dieser kann nur dann angewählt werden, wenn man „Benutzerdefiniert“ als Bildmodus verwendet. Einstellbar sind dann: Kontrast,  Helligkeit, Farbsättigung, Rauschunterdrückung und Konturenschärfe.  An vordefinierten Bildmodi sind vorhanden: die schon erwähnten Betriebsarten ISF Day, ISF Night sowie Streaming, Standard, Movie und Lebendig. Wichtig: Damit man die Video-Unit im 3300 nutzen kann, müssen die Parameter „Videokonvertierung“ und „I/P & Scaler“ in den Video/Ausgabe-Einstellungen (OSD) aktiviert werden. 

Denon AVR-X3300W Antenne

Eine der beiden Antennen

Multimedial kann sich ein AV-Receiver der 1.000 EUR-Klasse nicht mehr leisten, nur eine Auswahl an Features zu bieten. „Alles oder nichts“, lautet hier die Devise, wobei mit „nichts“ gemeint ist, dass sich viele potentielle Interessenten einen AV-Receiver erst gar nicht kaufen, wenn z.B. die Unterstützung für DSD-Dateien bei den HiRes-Audioformaten fehlt.

Denon AVR-X3300W Screenshot 23

Natürlich gibt der AVR-X3300W Musik von Home Servern, PCs und NAS-Systemen wieder

Denon AVR-X3300W Screenshot 24

HiRes-Wiedergabe ist eine der Spezialitäten des Denon

Beim AVR-X3300W sind Sorgen über mangelnde Ausstattungsvielfalt gänzlich unbegründet. Selbstredend sind Dual Band-WLSN (2,4 und 5 GHz) sowie Bluetooth integriert. An HiRes-Formaten wird alles akzeptiert, was „Rang und Namen“ hat: DSD (2,8/5,6 MHz), FLAC (bis 192 kHz/24-Bit), AIFF (bis 192/24), ALAC (bis 96/24), sowie WAV (bis 192/24). Die unterbrechungsfreie Wiedergabe (Gapless-Playback) ist neben FLAC, WAV, AIFF und ALAC sogar für DSD-Files möglich. Integriert ist eine vTuner-basierte, einfach zu handhabende Internet Radio-Funktion, und man kann den AVR-X3300W als Audio-Ausgabegerät für das beliebte Spotify Connect verwenden. Nicht integriert ist Google Cast, aus verlässlicher Quelle wissen wir überdies, dass hier auch zunächst keine Unterstützung zu erwarten ist. 

Denon AVR-X3300W Bedienelemente Front2

Drehregler für die Quellwahl

Denon AVR-X3300W Bedienelemente Front1

Lautstärkedrehregler

Denon AVR-X3300W Fernbedienung

Fernbedienung

Der AVR-X3300W geht optisch keine Experimente ein. Die Optik wurde komplett vom 2015er Modell übernommen, wer also nicht auf die Modellbezeichnung schaut, kann nicht sehen, ob es ein AVR-X3200W oder ein AVR-X3300W ist. Auch, wenn wir uns aus Sicht des Designs etwas mehr Progressivität wünschen würden, am Finish gibt es nichts auszusetzen. Bewährte Drehregler sind für Quellwahl und Lautstärke zuständig. Der Lautstärkedrehregler, leicht gerastert, liegt ausgezeichnet zur Hand. Obwohl die Front-Anschlüsse (HDMI, USB, Audyssey-Messmikrofon, Kopfhörer 6,25 mm) frei liegen und nicht unter einer Abdeckung positioniert sind, wirkt die Frontblende mit einzeiligem, gut ablesbaren Punktmatrix-Display aufgeräumt. Unter dem AVR-X3300W befinden sich solide, in schwarz gehaltene Standfüße. Die Rückseite präsentiert sich preisklassengemäß, Besonderheiten finden sich nicht.

Denon AVR-X3300W Innenleben Gesamt

Innenleben in der Gesamtübersicht

Denon AVR-X3300W Innenleben1

Kühlkörper

Denon AVR-X3300W Innenleben2

Sorgfältiges Layout im Detail

Denon AVR-X3300W Innenleben3

Transformator

Das Innenleben ist sehr aufgeräumt, allerdings merkt man, dass auch für 1.000 EUR Kaufpreis keine enorm hochwertigen Baugruppen verwendet werden. Das ist nicht nur bei Denon, sondern auch bei der Konkurrenz so. Beispiel: Der Kühlkörper ist aus einfachem Blech und nicht aus Aluminium. Das bleibt hochpreisigen Modellen vorbehalten. Die Verkabelung ist übersichtlich, das Platinenlayout verdient keine Kritik. Bilanzierend und im Vergleich mit der Konkurrenz ist der Aufbau innen absolut in Ordnung. Die mitgelieferte Fernbedienung ist uns gut bekannt. Sie liegt tadellos in der Hand und ist übersichtlich gehalten. Anstatt sie mit Tasten zu überfrachten, setzt Denon eher auf maximalen Bedienkomfort, die Tasten sind groß genug, um sie fast „blind“ bedienen zu können. Die Verarbeitung sowie die Materialqualität der Remote gehen in Ordnung.

Denon AVR-X3300W App 1

Die Steuerungs-App gibt es in einer aktuellen 2016er Variante

Denon AVR-X3300W App 2

Der AVR-X3300W wurde direkt erkannt

Denon AVR-X3300W App 3

Menü der App

Denon AVR-X3300W App 4

Quellwahl

Denon AVR-X3300W App 5

Sound-Modi

Denon AVR-X3300W App 6

Soundmodi-Auswahl bei „Music“

Denon AVR-X3300W App 7

Zugriff auf die ECO-Funktion

Denon AVR-X3300W App 8

ECO-Einstellungen

Denon AVR-X3300W App 9

Nutzung der App als Fernbedienung

Wer die Fernbedienung nicht einsetzen möchte, verwendet die 2016er Denon AVR Remote App. Die Smartphone-Version gibt es für iOS und Android, die Tablet-Variante zusätzlich für Amazon-Kindle-Devices, das ist neu. Die App bietet den vollen Funktionsumfang, wenngleich sie im Vergleich z.B. zu den Apps von Pioneer oder Yamaha nicht ganz so aufwändig gestaltet ist. Man kann beinahe sämtliche Einstellungen wie die Wahl des Hörmodus, die Konfiguration der ECO-Einstellungen, das Auswählen eines Musikstücks für die Wiedergabe vom NAS-System oder die Quellwahl bequem mittels der App vornehmen.

Natürlich bringt auch der AVR-X3300W wieder den hilfreichen On-Board-Assistenten für die Ersteinrichtung mit. Hier wird der Anwender mittels Hilfetexten und Grafiken in allen Punkten der Installation unterstützt. Mit in den Prozess eingebunden sind auch die Netzwerk-Integration sowie die Einmesssung mittels Audyssey MultEQ XT32.

Denon AVR-X3300W Screenshot 1

Sprachauswahl

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Umfassende Hilfetexte unterstützen bei der Installation

Denon AVR-X3300W Screenshot 3

Ist alles, was benötigt wird, vorhanden

Denon AVR-X3300W Screenshot 4

Natürlich sind auch alle Lautsprechereinstellungen in den Setup-Assistenten integriert

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So geht’s – auch das Anschließen der Lautsprecher-Kabel wird erläutert und grafisch verdeutlicht

Denon AVR-X3300W Screenshot 6

Dolby Atmos-Lautsprecher vorhanden?

Denon AVR-X3300W Screenshot 7

Übersicht über die vorhandenen Lautsprecher

Denon AVR-X3300W Screenshot 8

Gleich folgt der Testton

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Testton zu hören, ja oder nein?

Denon AVR-X3300W Screenshot 10

Audyssey MultEQ XT32 kalibriert nun das Lautsprechersystem

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Kleiner Fehler: Nicht an „mindestens 8 Positionen“, sondern an genau 8 Positionen wird eingemessen

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Messungen abgeschlossen

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Audyssey Dynamic EQ kann wahlweise aktiviert werden

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Übersicht
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Netzwerk-Einrichtung

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Test der Netzwerkverbindung

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Steuerung über Netzwerk aktivieren?

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TV-Audio-Verbindung

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Eingang einrichten

Was gibt es noch zu Audyssey MultEQ XT32 zu sagen?

Denon AVR-X3300W Mikro

Audyssey-Einmessmikrofon

Der AVR-X3300W setzt auf die Audyssey Platinum-Suite und ist der günstigste Denon AVR, der die große Audyssey-Implementierung besitzt. Audyssey MultEQ XT32 ist besonders leistungsfähig: Präzise werden die entsprechenden digitalen Filter gesetzt, und auch der Subwoofer wird mit in den Einmess-/Equalizing-Vorgang mit einbezogen. Da der 3300 über einen bereits erwähnten leistungsfähigen Quad Core-Prozessor verfügt, kann dieser die Rechen-Power bieten, um optimal mit MultEQ XT32 zusammen zu arbeiten. An bis zu 8 Hörpositionen wird eingemessen, was zuverlässig und mit brauchbaren Ergebnissen geschieht. Man kann aus verschiedenen Audyssey-Kurven wählen. Reference, Flat oder L/R Bypass. Bei letzterem wird die EQ-Einstellung für die Front L/R Lautsprecher nicht verwendet. Die Audyssey-Modi findet man im Audio-Menü des OSD. Die Audyssey Platinum Suite enthält nicht nur die Einmessautomatik. Des Weiteren ist Audyssey Dynamic Volume enthalten. Störende Lautstärkesprünge, z.B. wenn Werbeblöcke eingespielt werden, können kompensiert werden. Audyssey Dynamic EQ als moderne Interpretation der Loundness-Schaltung sichert eine gleichbleibend homogene Klangqualität bei allen Lautstärken. Audyssey Sub EQ HT stellt sicher, dass beim Einsatz von 2 aktiven Subwoofern (der 3300 hat 2 Pre-Outs, wie heute üblich) die Möglichkeit einer individuellen DSP-Abstimmung für jeden der beiden Subwoofer gegeben ist. 

Der AVR-X3300W besitzt, da er ein Receiver ist, einen Radio-Tuner, allerdings nur in analoger Variante. DAB/DAB+ fehlt. Der AV-Receiver bietet die Möglichkeit, wenn im Haupt-Hörraum 5.1 ausreicht, die beiden verbleibenden Endstufen für die Beschallung einer zweiten Hörzone zu verwenden. Des Weiteren lassen sich mittels HDMI-CEC wichtige Funktionen des AV-Receivers auch mit der Fernbedienung des entsprechend geeigneten Smart-TVs steuern. Hierbei muss im OSD die HDMI-Steuerung des 3300 auf „ein“ gesetzt werden. Auf der Frontblende und auf der Fernbedienung finden sich vier Knöpfe für die „Quick Select“ Schnellwahl. Man kann so besonders schnell die vier bevorzugten Quellen mit den entsprechenden Einstellungen anwählen. 

Klang HiRes-Wiedergabe in Stereo (Flac): 

Beginnen wir mit der HiRes-Audio-Wiedergabe: „California Dreamin“ in der Adaption von Diana Krall (Flac 48 kHz/24-Bit) im „Direct“ Modus zeigt uns wieder einmal die Sorgfalt, mit der D&M auch im Stereo-Betrieb die AV-Receiver abstimmt. Nicht nur, dass aufgrund von Homogenität und akustischer Gesamtharmonie das Hören auch über einen längeren Zeitraum Spaß bereitet: Auch Räumlichkeit und Loslösung des Klangs von den Lautsprechern sind gelungen. Unser Lautsprecher-Set, das in Kürze getestet wird, spricht natürlich auch für sich. Vorn arbeiten zwei Nubert nuLine 284. Für die Surround-Testreihen werden diese leistungsstarken Standboxen noch durch den nuLine CS-170 Center, den nuLine AW-1100 als aktivem Subwoofer, von zwei nuLine 34 für Surround L/R und von zwei nuLine RS-54 Modulen ergänzt. 

Wenden wir uns wieder dem Denon zu. Bei den weiteren Diana Krall-Adaptionen von „Desperado“ und „Don’t Dream It’s Over“, ebenfalls vom „Wallflower“ Album, zeigt der 3300 ebenfalls Stärke. Ganz gleich, ob Dianas Stimme, die Präsentation von Streichern oder die akustische Gesamt-Präsenz: Der AVR-X3300W agiert detailreich, fundiert und glaubwürdig. Die Räumlichkeit über den gesamten Frequenzbereich und insbesondere auch im Hochtonbereich ist ausgezeichnet. 

Aus dem dritten Akt der Puccini-Oper „Turandot“ stammt die legendäre Arie „Nessun Dorma“. Wir hören sie, gesungen von Jonas Kaufmann, in Flac 96/24 Stereo. Harmonisch greifen alle orchestralen und vokalen Elemente ineinander, souverän agiert der AVR-X3300W bei den zahlreichen Dynamiksprüngen, und die Gelassenheit ist auch bei hohen Pegel ausgezeichnet. Der Denon beweist uns nach dem Yamaha RX-A860, wie gut die 1.000 EUR-Liga der AV-Receiver im Jahr 2016 ist: Geschliffen, sauber auch bei hohem Pegel, und mit einem lebendigen Hochtonbereich versehen, wird „Nessun Dorma“ zu einem echten Hörerlebnis. Auch der anspruchsvolle Hörer kann mit dieser Performance zufrieden sein. 

„Basil“ von Mark Knopfler in Flac 192 kHz/24-Bit präsentiert uns der AVR-X3300W mit einer überdurchschnittlich guten Stimmwiedergabe. Die akustische Gitarre arbeitet er ebenfalls mit einem Auflösungsvermögen ein, das man vor einigen Jahren noch bei 1.500 EUR kostenden AVRs gelobt hätte. Die Dynamik wirkt authentisch, glaubwürdig, und trägt mit dazu bei, dass man intensiv und bewusst hört. Dass es ein vergleichsweise günstigere AV-Receiver so gut schafft, die Vorzüge hochauflösenden Audiomaterials herauszustellen, inklusive sehr gut detailliertem, zugleich kraftvollen Bassbereich, hat uns doch überrascht. 

Klang Filmton, BD „Mission Impossible – Rogue Nation“, Englisch Dolby Atmos, 1. Kapitel (Start des Militärflugzeugs) und 4. Kapitel (Szene in Wien mit „Turandot“-Aufführung im Opernhaus), 5.1.2-Konfiguration:

Gleich zu Anfang stellt der AVR-X3300W denn Dialog zwischen William Brandt in der Zentrale und Benjamin Dunn sehr gut dar. Zudem arbeitet der AV-Receiver Umgebungsgeräusche mit tadelloser räumlicher Dichte ein. Der Music Score, der die aufkommende Spannung unterstützt, wird kraftvoll eingearbeitet. Die Stimme von Luther, der in Malaysia aktiv ist, kommt ebenfalls charismatisch heraus. Hier zeigt sich wieder, was wir schon seit Generationen von AV-Receivern wissen: Gerade hinsichtlich der Qualität der Stimmwiedergabe überzeugen Denon AVRs schon immer.

Nun startet der Airbus A400, und Ethan Hunt springt auf, als das Flugzeug noch auf dem Rollfeld ist. Kurz darauf hebt es ab, und Ethan ist immer noch nicht im Aircraft, weil Benji die Tür nicht entriegelt bekommt. Beim Start des Flugzeugs mit den Triebwerks- und Windgeräuschen arbeitet der AVR-X3300W die Height-Lautsprecher sehr gelungen ein. Der Zuhörer ist von einer vielschichtigen und entsprechend kräftigen Akustik umgeben, und auch oberhalb der Köpfe der Zuhörer tut sich einiges. Der Denon wurde von uns auf einen Pegel von 80 (auf dem Display) eingestellt, ideal für eine durchaus „kinotaugliche“ Lautstärke in Verbindung mit praktisch keinen Verzerrungen. 

Im 4. Kapitel steigt Benji in Wien aus der U-Bahn aus, in unmittelbarer Nähe des Operhauses. das Geräusch des wegfahrenden U-Bahn-Zuges kommt ebenso gut heraus, wie die Identifikation, als Benji die Spezialbrille aufsetzt und gescannt wird. Der folgende Dialog mit Ethan wird ebenfalls überzeugend präsentiert. Die kurze, mächtige musikalische Einlage, als das Opernhaus zu sehen ist, beweist uns, wie impulstreu und antrittsstark die Endstufen sind. Klar geht hier nochmals mehr an Grobdynamik, dann aber muss man sich gleich in der 2.000 EUR-Liga bei den AV-Receivern umschauen. Das Blitzlicht-Gewitter, als der österreichische Bundeskanzler mit dem Dienst-Maybach vorfährt und aussteigt, kommt räumlich dicht zur Geltung. Kurze Zeit später beginnt die „Turandot“ Aufführung. Der AVR-X3300W schafft es unter erneut sehr intensiver Einbeziehung der Atmos-Module, die Akustik des hohen, reichhaltig ausgeschmückten Opernhauses sehr gut zur Geltung zu bringen. Die Stimmen der Opernsänger stellt er dynamisch und vielschichtig dar. Alle einzelnen akustischen Elemente werden sauber voneinander getrennt, und gleichzeitig generiert der 3300 trotzdem eine homogene Gesamtakustik.

Klangliche Details, als Ilsa Faust ihre Waffe zusammensetzt oder als Benji sich Zutritt zum elektrischen Betriebsraum verschafft, stellt der Denon mit sauberer Balance und feinen Konturen dar. Die Schlägerei zwischen Ethan und dem Killer hoch über der Bühne kommt dreidimensional und plastisch heraus. Die faszinierende Musik der Puccini-Oper liegt dem AVR-X3300W ebenfalls: Klar, fundiert und mit einer weitläufigen Wirkung versehen, kann man hier ohne Zweifel von einer Klasse-Leistung sprechen. 

Nicht besonders gut: Der Dolby Surround Upmixer für das Mit-Einbeziehen der beiden Height-Lautsprecher bei konventionellen Tonspuren funktioniert nur bei Dolby-codiertem Material, nicht aber bei DTS-Tonspuren. Bei anderen AVRs, auch von D&M, geht dies. 

Klang Blu-ray „a-ha – The Final Concert“:

In DTS-HD Master Audio hören wir uns nun von a-ha „The Sun Always  Shines On TV“ an. Der AVR-X3300W schafft sich Freude durch das räumlich intensive, aber nie künstlich aufgeblasen wirkende Klangbild. Die Stimme von Morten Harket steht solide auf der virtuellen Bühne und löst sich sehr gut vom Center. Die ausgewogene Front-Surround-Balance, schon Vorzug des AVR-X3200W, findet sich auch beim neuen Modell. Klar und lebendig agiert der Denon, trennt Stimme und Instrumente sauber voneinander. Bei der Einarbeitung des Schlagzeugs wird ein weiteres Mal die hohe Impulstreue verdeutlicht. Die Beifallsbekundungen der Fans kommen sehr lebhaft und mit guter Tiefenwirkung heraus. 

Klang Blu-ray „A New Day“ – Celine Dion live in Las Vegas:

Bei der Celine Dion-Adaption von „The Power Of Love“ (Dolby TrueHD) weitet Dolby Surround das Klangbild effektiv nach oben, wenn der Upmixer die beiden Height-Lautsprecher mit ins Klanggeschehen einbindet. Die Präzision leidet praktisch nicht, nach wie vor ist Celines Stimme allzeit exakt auf der großen Bühne auszumachen. Die Kraft beim Antritt der Endstufen ist immens – gleichzeitig aber beeindruckt auch der kultivierte Auftritt des AVR-X3300W. Er schafft auch bei hohem Pegel ein ausgewogenes akustisches Gesamterlebnis, indem er die tadellose Staffelung der einzelnen Ebenen auch bei großer Lautstärke praktisch komplett beibehält. Die einzelnen Instrumente stellt der 3300 mit ausgezeichneter Auflösung dar. Wechsel im Rhythmus und bei der Dynamik pariert der Denon unverzüglich und geschmeidig. 

Video-Sektion

BD „Mission Impossible, Rogue Nation“: Wir haben uns die erste Sequenz (startender Airbus A400) und die Szene in Wien („Turandot“-Aufführung in der Oper) im Bildmodus ISF Night angeschaut. Der AVR-X3300W erfüllt die Aufgabe, das FullHD-Material auf 4K hochzurechnen, ausgezeichnet. Gleich zu Beginn wird die Außenhaut des startenden Airbus A400 farblich authentisch und überdies relativ rauscharm dargestellt. Die Wiese nahe Minsk, in der sich Benjamin Dunn versteckt, um Ethan Hunt an Bord des Militärflugzeugs zu lotsen, kommen detailreich heraus.

Nur ab und zu scheinen geringfügige Schwächen durch. So zittern Objekte in hinteren Bildebenen ab und zu leicht (z.B. die Bäume hinter der Wiese: Im Geäst gibt es leichtes Zittern), und ab und zu treten leichte Unschärfen auf (Bühnenbild Turandot: Das Gesicht eines Opernsängers erscheint leicht verschwommen). Meist erfreut das Upscaling durch geringe Rauschneigung, nur selten (William Brandt in der Zentrale, relativ dunkel: Hier sieht man im Grau der Einrichtugn/Wände leichtes Rauschen, das teilweise vom Quellmaterial, aber auch teilweise vom Upscaling stammt).

Ansonsten liefert der 3300 eine sehr gute Leistung ab. Die Panoramawirkung, als Luther in Malaysia in luftiger Höhe aktiv ist, kann nur als überragend bezeichnet werden. Auch, als das Wiener Opernhaus mit dem berühmten Hotel Sacher in der Nachbarschaft kurz aus der Vogelperspektive gezeigt wird, kann man die visuellen Ebenen sehr gut unterscheiden. Das prächtige Innere des Zuschauerraums inklusive der Logen weiter oben arbeitet der AVR-X3300W gelungen heraus. Das ISF-Bildprogramm „Night“ offeriert einen guten Kontrast auch bei relativ dunklen Szenen. Das sieht man am Balkon der Loge, der detailreich abgebildet wird. Aber auch der kurz zuvor aus der Station fahrende U-Bahn-Zug kommt mit stabiler Bewegung und guter Schärfe zur Geltung.

Detailaufnahmen optimiert der Denon wirkungsvoll beim Upscaling. Als Ilsa Faust ihre Waffe zusammenbaut oder die als Querflöre getarnte Waffe des anderen Killers einsatzbereit gemacht wird, kommt der Glanz des Gehäuses der Querflöte und das Alu-Oberflächenmaterial der Waffe von Illsa sehr detailreich heraus. Der dunkle Smoking von Ethan wird selbst bei seinen Klettermanövern in fast völliger Dunkelheit hinter der Bühne noch tadellos dargestellt – die Struktur des Stoffes ist gut erkennbar. Insgesamt also ein stabiles, scharfes, plastisches Bild. das vom leistungsstarken Video-Processing des AVR-X3300W bereitgestellt wird. 

Vergleiche mit anderen AV-Receivern

Was zeichnet den AVR-X3300 gegenüber dem AVR-X3200W aus dem Vorjahr aus? Und: Lohnt sich der Sprung vom AVR-X2300W auf den AVR-X3300W?

Gegenüber dem AVR-X3200W fällt folgendes auf:

  • Detailtreue und Feinauflösung im Hochtonbereich optimiert, gerade bei HiRes-Files
  • Verbesserte, fließende Einbindung von Height/Atmos-Lautsprechern mit noch umfassenderer Klangkulisse
  • Front-Surround-Übergänge noch besser, nahtlos, Panorama-Wirkung des Klangbildes optimiert.

Wer den Vorgänger hat, kann beruhigt sein – der 3200 ist nach wie vor exzellent. Es lohnt daher nicht, wenn man den 3200 besitzt, einen 3300 zu kaufen. Wenn allerdings in der 1.000 EUR Liga ein Neukauf ansteht, ist der 3300 eine Top-Alternative.  

Was spricht im Vergleich zum 2300 für den 3300?

  • Audyssey Platinum Suite mit Mult EQ XT32 statt MultEQ XT für noch mehr Präzision, feinere Übergänge
  • Endstufen mit deutlich höherer Pegelfestigkeit – das wird im Hörraum ab 25 Quadratmeter deutlich. Der 3300 eignet sich auch für die Verwendung eines 5.0.2 Sets ohne aktiven Subwoofer, er befeuert souverän auch große Standlautsprecher. 
  • Mehr Auflösungsvermögen über den gesamten Frequenzbereich
  • Stimmen weisen mehr Kontur und Prägnanz auf

Gerade für den anspruchsvollen Musikhörer lohnt sich daher der Griff zum AVR-X3300W.

In der 1.000 EUR-Klasse trifft der AVR-X3300W auf sehr starke Konkurrenz. Besonders zu erwähnen ist der Yamaha RX-A860. Auf den ersten Blick spricht alles für den AVENTAGE Receiver, vergleicht man ihn mit dem 3300:

Für den Yamaha spricht:

  • DTS:X läuft schon jetzt
  • Erstklassige DSP-Programme
  • MusicCast an Bord, sehr einfache Integration in ein MusicCast Wireless Multiroom Audio-Setup
  • Grafisch hervorragende AVR-App, gerade bei der Version fürs Tablet

Doch der AVR-X3300W schlägt gnadenlos zurück:

Für den Denon spricht:

  • Geringfügig höhere Auflösung im Hochtonbereich
  • Zwei ISF Video-Programme sowie Video-EQ
  • Mehr HDMI-Terminals mit HDCP 2.2
  • Einrichtungsassistent direkt ins OSD integriert, man braucht kein Tablet wie bei Yamaha

Bilanzierend handelt es sich um zwei erstklassige AV-Receiver, die allerdings nicht nur ihren günstigeren „Geschwistern“, sondern auch den größeren Modellen der jeweiligen Hersteller das Leben schwer machen dürften. Wem sieben Endstufen reichen, der kann sich die Frage stellen: Warum mehr investieren? Der RX-A860 und der AVR-X3300W sind bereits so leistungsfähig, dass nur ausgesprochen versierte und erfahrene Hörer, die überdies ein extrem leistungsstarkes Lautsprecher-Set besitzen, einen entsprechenden Nutzen von höherpreisigen Modellen haben. 

Fazit

Denon AVR-X3300W Front Seitlich2

Der Denon AVR-X3300W ist eine sehr gelungene Evolution des AVR-X3200W, der uns bereits vergangenes Jahr sehr gut gefallen hat. Mit wirkungsvoller Optimierung im Detail hat Denon die Leistungsfähigkeit des neuen Modells weiter gesteigert. Akustisch begeistert der 3300 mit seiner Impulstreue, dem harmonischen Sound, der natürlichen Räumlichkeit und der hohen Pegelfestigkeit. Ganz gleich, ob Mehrkanal-Material oder Stereo-Quellen, der AVR-X3300 behält seine sorgfältige Abstimmung stets bei. Zum Anspruch, beste Qualität zu liefern, gehört auch die ausgezeichnete Videosektion. Der AV-Receiver rechnet niedriger auflösende Quellen mit solidem Bildstand und sehr guter Schärfe auf 4K hoch. Die beiden ISF-Bildmodi für dem Einsatz bei Tag und in der Nacht sind ebenfalls zu erwähnen, denn sie garantieren ein authentisches, gefälliges Bild. Mit der umfangreichen Anschlussbestückung und der HiRes-Kompatibilität zu allen relevanten Formaten sammelt der AVR-X3300W weitere Punkte. Das Design des 3300 könnte allerdings eine kleine Auffrischung vertragen – so gut es ist, eine klassisch-zeitlose Linie zu fahren, so wünschenswert ist es dennoch, keine Langeweile aufkommen zu lassen.

Der AVR-X3300W verkörpert das typische Denon-Feeling: Akustische Leistungsstärke, sehr gute Video-Unit, exzellente Ausstattung
preisklassenreferenz
AV-Receiver 1.000 EUR-Klasse
Test 01. August 2016

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 01. August 2016




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