XXL-Test: Denon 9-Kanal-AV-Netzwerk-Receiver AVR-X4300H – die Messlatte mit Heos-Modul

Denon AVR-X4300H Front Seitlich3

Schon seit langem gespannt waren wir auf die klangliche Leistungsfähigkeit, die der brandneue Denon AVR-X4300H, für 1.599 EUR wahlweise in schwarzer oder Premium-silberfarbener Version zu haben, in den Testreihen an den Tag legt. Mit neun eingebauten Endstufen, Decodern für dts:X und Dolby Atmos (inklusive dts Neural:X und Dolby Surround als Upmixer für konventionelle Tonspuren) sowie erstmals einem Heos-Modul für die komplette Einbindung in ein Heos-Setup oder für den Heos-Start setzt die Ausstattung Maßstäbe. Wie man es  bereits von anderen D&M AV-Receivern her kennt, ist Auro-3D für 150 EUR zusätzlich als weiteres objektbasiertes „Immersive Sound“ Tonformat per Download erhältlich, inklusive dem sehr talentierten Upmixer Auro-Matic. In unserem ausführlichen Testbericht schildern wir nun, warum der Denon AVR-X4300H in der Oberklasse der AV-Receiver neue Maßstäbe setzen wird. 

Denon AVR-X4300H Verarbeitung

Neu: Heos-Modul an Bord. Schon bekannt: Top-Verarbeitung, großer Lautstärkedrehregler

Denon AVR-X4300H Bedienelemente Front2

Eingangswahlschalter

Denon AVR-X4300H Bedienelemente Frontklappe

Bedienelemente unter der Frontklappe

Denon AVR-X4300H Display

Zweizeiliges Punktmatrix-Display

Schon der Vorgänger war ein ausgezeichnetes Gerät, im Vergleich zum 2015er Modell AVR-X4200W hat sich  jedoch eine ganze Menge getan. Für lediglich 100 EUR mehr (laut UVP, tatsächlich wird das ältere Modell aktuell deutlich günstiger angeboten) gibt es volle Heos-Kompatibilität und zwei zusätzliche Endstufen – das ist als ausgesprochen fair zu sehen.

Denon AVR-X4300H Innenleben Gesamt

Innenleben. Der 13,5 kg wiegende AVR-X4300H bringt zwei Endstufen mehr mit als der Vorgänger, nun sind 9 Einheiten an Bord

Denon AVR-X4300H Innenleben1

Platinenlayout

Denon AVR-X4300H Innenleben2

Transformator

Denon AVR-X4300H Innenleben3

Aluminium-Kühlkörper

Denon AVR-X4300H Innenleben4

ELKOs

Die 9-Kanal-Endstufe stemmt 200 Watt pro Kanal, zusätzlich vorhanden ist ein 11.2 Vorverstärkerausgang. Schon mit den eingebauten Endstufen kann man ein 5.1.4 Setup fahren. Mit entsprechender Zweikanalendstufe zusätzlich sind dann 7.1.4 möglich. Zudem verfügt das neue Gerät über genügend Leistung, um auch in größeren Hörräumen und an großen Mehrkanal-Lautsprechersets eine erstklassige Figur abzugeben. Schon der AVR-X4200W war äußerst pegelfest und stellt auch anspruchsvolle Anwender zufrieden. Der Innenaufbau auch des neuen Modells mit Alu-Kühlkörper sowie großem Trafo und groß dimensionierten ELKOs als Kurzzeit-Stromspeicher für plötzliche Leistungsspitzen gefällt sehr gut. Das Platinenlayout ist sorgfältig, die Verkabelung ebenfalls. Der AVR-X4300H setzt auf Denons D.D.S.C. Schaltkreis für detailreichen Klang und auf AL24 Processing Plus. Nur ist nicht so ganz verständlich, warum Denon nicht auf besonders leistungsfähige Ringkern-Transformatoren setzt. 

Denon AVR-X4300H Rueckseite Seitlich

Rückseite komplett. Der AVR-X4300H ist mit 434 mm Breite, 339 mm Tiefe und lediglich 167 mm Höhe (mit Antenne Tiefe 389 mm, Höhe 236 mm) recht kompakt

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11.2 Pre-Out

Denon AVR-X4300H Anschluesse Rueckseite3

Genug analoge Cinch-Anschlüsse, Ausgänge für Zone 2/3

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HDMI-Sektion mit drei Ausgängen und drei Eingängen

Denon AVR-X4300H Anschluesse Rueckseite

Etwas enttäuscht sind wir von den durchschnittlichen Schraubterminals für den Anschluss des Lautsprecherkabels

Mit 8 HDMI-Eingängen (4K60 Hz Full Rate-Passthrough, 4:4:4-Farbauflösung, HDR, BT2020-Support) ist der AVR-X4300H sehr gut ausgerüstet – dieses Merkmal haben aber sogar schon deutlich kleinere und günstigere Denon AV-Receiver des Jahres 2016. Drei HDMI-Ausgänge sorgen zusätzlich für Flexibilität. Die für Denon und Marantz AV-Receiver typische, hochklassige Video-Signalverarbeitung inklusive Analog-zu-HDMI-Konvertierung, 4K Upscaling und Video-EQ mit 2 ISF-Bildmodi (Day und Night) zeichnet auch den AVR-X4300H aus. Wir gehen später noch genauer auf die Einstellmöglichkeiten ein. 

Umfangreich, auch das kennen wir von D&M Modellen, ist der Support von HiRes-Audiodateien. DSD (2,8/5,6 MHz), FLAC (bis 192/24), ALAC (bis 96/24) und WAV (bis 192/24) wird zum Beispiel unterstützt, natürlich fehlt auch die Gapless-Wiedergabe ohne störende Unterbrechungen nicht. Weiter vorhanden sind die typischen Heos-Musikdienste: Tidal, Deezer, Tune-In Internet Radio, Spotify, hinzu kommen AirPlay und die Möglichkeit zur Wiedergabe von HiRes Dateien nicht nur von USB, sondern auch aus dem Netzwerk. 

Denon AVR-X4300H Mikro

Audyssey-Einmesssystem: Mikrofon

Das beste Audyssey Lautsprechereinmess- und Room EQ System ist mit dabei. MultEQ XT32 sorgt mit höchster Genauigkeit, Einmess-Möglichkeit an 8 Hörpositionen und eigenem SubEQ für Zufriedenheit beim Anwender. Wir wissen, dass Audyssey nach der letzten Überarbeitung noch präziser und homogener arbeitet, eine sehr gelungene Front-Surround-Balance und eine verbesserte Arbeit bei der EQ-Anpassung im Hochtonbereich sind Pluspunkte. 

Im Ausstattungsumfang ist natürlich auch ein WLAN-Modul enthalten. Unterstützt werden 2,4 und 5 GHz, Bluetooth ist ebenfalls dabei. Hinten, auf der Rückseite, sind die beiden Antennen für den Empfang untergebracht.

Bei der Ersteinrichtung hilft, wie wir es gewohnt sind, ein sehr guter Einrichtungs-Assistent, der durch eine gelungene Mischung aus Texten und Grafiken punkten kann.

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Sprachauswahl

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Lautsprechereinstellungen

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Anzahl der Lautsprecher

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Genau wird die Verkabelung beschrieben

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Das verstehen auch weniger versierte Anwender problemlos, Grafiken helfen bei der schnellen Umsetzung

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Dolby Atmos/Top Firing-Module vorhanden?

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Wahl des Dolby Atmos-Lautsprecher-Layouts

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Abfrage: Gibt es einen Subwoofer?

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Detail-Angaben

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Sind alle Lautsprecher korrekt angeschlossen?

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Sogar an die Einstellungen am Subwoofer selbst wird gedacht – noch ausführlicher als früher 

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Kommt ein Ton aus dem Center-Lautsprecher?

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Lautsprecher-Kalibrierung mit Audyssey

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Anzeige der Lautsprecher-Konfiguration

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Einmessung an mehreren Hörpositionen

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Lautsprecher-Kalibrierung

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Aktivierung von Audyssey Dynamic EQ mit Erklärung der Funktion

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Übernahmefrequenzen

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Netzwerk-Einrichtung

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Überprüfung der Netzwerk-Konnektivität

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TV-Audio-Verbindung

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Eingang einrichten

Nach wie vor gefällt uns der D&M Einrichtungassistent besonders gut, da er auch für weniger versierte Anwender wirklich wertvoll ist und die Inbetriebnahme des AV-Receiver stark vereinfacht. Die Menüs, die dann während des Betriebs jederzeit anwählbar sind, sind ebenfalls insgesamt recht klar strukturiert. 

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Komplette Übersicht über das Einrichtungsmenü

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Manuelle Konfiguration des Lautsprechersystems

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Netzwerk-Menü

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Heos-Einstellungen – ein Heos Konto ist im Übrigen schnell erstellt

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Menü „Allgemein“

Wenden wir uns nun der mitgelieferten Fernbedienung und der Denon 2016er AVR-App zu. 

Denon AVR-X4300H Fernbedienung

Mitgelieferte Fernbedienung

Steuern kann man den AVR-X4300H wahlweise mittels der übersichtlichen Fernbedienung, die Tasten mit gutem Druckpunkt besitzt, oder mit der in diesem Jahr überarbeiteten AVR Remote App. Fürs Smartphone ist die App für Android und iOS am Start, die Tablet-Variante gibt es zusätzlich für Kindle Fire Tablets von Amazon. 

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Nach kurzer Zeit wird der 4300H entdeckt

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Hauptmenü der App

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Audyssey-Submenü

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Audio-Funktionen

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Menü „Video“ innerhalb der App

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Nutzung der App als Remote-Ersatz

Die App überzeugt durch klare Symbole und einfache Bedienbarkeit. Auch an der Zuverlässigkeit gab es nichts zu beanstanden. Wie Heos eingebunden ist in die App – dazu gleich in der Klangwertung mehr. 

Klang Blu-ray „Mission Impossible – Rogue Nation“, Dolby Atmos

Wir starten unsere Klang-Testreihen mit der BD „Mission Impossible – Rogue nation“ (Dolby Atmos Tonspur, englisch) und hören uns den Auftakt sowie die Szene in Wien an. Gleich zu Beginn im Feld, als Benjamin versucht, ins Bordsystem des Airbus A-400, der in Kürze mit gefährlicher Fracht starten wird, hineinzukommen. Der kraftvolle Bass, die gute Auflösung bei der Wiedergabe von Stimmen und die Triebwerksgeräusche des startenden Militärflugzeugs kommen mit sehr gutem Differenzierungsvermögen aus räumlicher Perspektive heraus. Der Music Score wird mit Nachdruck über alle Kanäle ausgegeben, und der AVR-X4300H entfaltet noch mehr Räumlichkeit als sein Vorgänger, der AVR-X4200W, uns wohl bekannt. Gut gefällt uns die „Reference“ Kurve von Audyssey, die sich sehr genau den verwendeten Lautsprechern annimmt, diese kaum beschneidet, raumakustische Disharmonien aber effektiv bekämpft für einen soliden, vielschichtigen und sehr gut ausbalancierten Klang. 

Die Wien-Sequenz ist besonders facettenreich, denn zu Beginn ist Benjamin Dunn in einer U-Bahn-Station nahe der Wiener Oper und packt dort eine spezielle Brille aus, die ihm Ethan überbringen ließ. Die Geräusche in der U-Bahn-Station, z.B. Stimmen sowie ein aus der Station fahrender Zug, bringt der Denon hervorragend zusammen. Der Music Score, als dann das Opernhaus, zunächst von oben, sichtbar wird, bekommt richtig Ausdruckskraft, um der herrschenden Spannung Nachdruck zu verleihen. Das Blitzlichtgewitter, als der österreichische Bundeskanzler in seiner Maybach-Limousine vorfährt und aussteigt, kommt mit dichter Räumlichkeit heraus. Der AVR-X4300H stellt die Vorzüge der Atmos-Tonspur absolut überzeugend heraus, die Über-Kopf-Klangebene ist überdies sehr akkurat integriert. Kurz bevor „Turandot“ von Giacomo Puccini beginnt, klatschen die Opernbesucher, und auch dieses Klatschen kommt ausdrucksvoll über alle Kanäle heraus. Die Orchestermusik wirkt sehr harmonisch, gleichzeitig ist das Auflösungsvermögen wiederum begeisternd. Die weiblichen sowie die männlichen Gesangsstimmen gibt der AVR-X4300 souverän und ausgesprochen charismatisch wieder. Das legendäre „Nessun Dorma“ aus dem dritten Akt der Oper dürfte aufgrund der detailreichen Darstellung auch den Klassik-Liebhaber begeistern. 

Trotzdem gerät der zweite Handlungsstrang, als Ethan und Benji versuchen, das Attentat auf den österreichischen Bundeskanzler zu verhindern, nicht in Vergessenheit. Ilsa Brand und ein weiterer Killer, den Ethan ohnehin sucht, sind auf das Regierungsoberhaupt angesetzt. Als die Waffen zusammengesetzt und die Tat vorbereitet wird, punktet der AVR-X4300H mit sehr guter Einarbeitung akustischer Einzelheiten. Stets ist die Position, an der sich ein Effekt abspielt, sehr präzise im virtuellen Raum zu erkennen. Das Gefühl der Weitläufigkeit des Opernsaals mit der hohen Decke wird vom AVR-X4300H herausragend aufbereitet. 

Klang Ultra HD Blu-ray – Independence Day, Tonspur dts:X

Direkt zu Beginn entwickelt ID4 eine extrem hoch liegende Dynamik, wenn der AVR-X4300H sich ans Werk macht. Sehr massiver, aber gleichzeitig präziser Bass, als das Alien-Raumschiff am Mond vorbeifliegt. Der Music Score wird effektiv eingebunden. Das Durchschleifen des Signals von der Ultra HD-Blu-ray, dies nur als Anmerkung, geht ohne Qualitätsverlust vonstatten. Alle Arten von akustischen Elementen gibt der 4300H erstklassig wieder. Auch die Dialgosequenzen klingen authentisch. Sehr schön verdeutlicht der Denon die Vorzüge der dritten Hör-Dimension über den Köpfen der Zuhörer, hier schafft er eine dichte, den Zuhörer einhüllende Atnosphäre.

Sehr gut gelingt es in den Dialogszenen, die Stimmen passend herauszuarbeiten, gleichzeitig aber geraten die anderen Klangelemente nicht in den Hintergrund. Selbst in den wenigen leisen Szenen schafft es der AVR-X4300H, den Zuhörer voll in den Bann der Handlung zu ziehen, da auch kleine Effekte im Hintergrund sehr plastisch eingearbeitet werden.
Zu Beginn des 4. Kapitels dann wird es wieder sehr nachdrücklich, und der Denon schiebt mit aller Macht seiner neun Endstufen an. Er erweist sich als nochmals pegelfester als der schon überzeugende Vorläufer. Plötzlich kommt dann ein dynamischer Unterschied, als die Schachspiel-Sequenz eingeblendet wird. Der 4300H reagiert sofort und beginnt mit der exakt ausbalancierten Reproduktion der Geräuschkulisse außen im Park. Wieder überzeugt die Stimmwiedergabe im Dialog von David mit seinem Vater. Der Denon, das wird schnell klar, ist Meister darin, die aktuelle Dynamik im Filmgeschehen sehr gut aufzubereiten. Und: Selbst in leiseren Sequenzen bindet er die 4 Top Firing-Module gekonnt – nicht übertrieben, aber stets spürbar – ein.

Am Anfang des 8. Kapitels gibt es wieder einiges zu tun für die Endstufen. Die Slave-Raumschiffe verlassen das Master-Schiff, in dieser kurzen Einlage entfaltet der AVR-X4300H wieder ein hohes Maß an glaubwürdiger Räumlichkeit. Aufgrund der immensen Leistungsfähigkeit der Endstufen kann man den AVR-X4300H auch in Hörräumen bis knapp 40 Quadratmeter, demnach auch im wirklich großen Heimkino, bedenkenlos einsetzen. Und die Dialogsequenz im Office von Thomas J. Whitmore gelingt ebenfalls, inklusive der Einarbeitung aller kleinen Effekte, ausgezeichnet.

Im 14. Kapitel bricht schon Massenpanik aus. Durcheinander schreiende Menschen, hektische Dialoge – der AVR-X4300H behält immer den Überblick und ist in der Lage, ein vielschichtiges Klangbild zu präsentieren, das auch bei hohem Grundpegel nichts von seiner räumlichen Tiefe und dem Vermögen, einzelne Ebenen genau auseinander zu differenzieren, einbüßt. Der Zuhörer hat die Chance, den gesamten Spannungsbogen aus akustischer Perspektive mit zu erleben, mit ungemein hoch liegendem Nachdruck. Als David mit seinem Dad im Auto sitzt, kommen die Fahrgeräusche erstklassig heraus.

Wir springen nun ins 20. Kapitel, als ein speziell ausgerüsteter Helikopter versucht, Kontakt mit den Aliens aufzunehmen, und zwar mittels Lichtsignalen. Parallel findet so etwas wie eine Party zum Empfang der Aliens statt. In diesem Kapitel gibt es wieder zahlreiche Dynamiksprünge, die vom 4300H alle souverän gemanagt werden. Klar und mit der nötigen Wucht werden auch die großen Effekte wiedergegeben, mit sauber ausbalancierter Räumlichkeit agiert der Neunkanal-AVR bei den leiseren Sequenzen. Der durch die Luft fliegende Hubschrauber kommt mit den Geräuschen der Rotoren sehr akkurat heraus, die Flugbahn kann exakt nachvollzogen werden.

Klang Musik-Blu-ray, Lichtmond „The Journey“, Dolby Atmos

Mit Musikmaterial agiert der AVR-X4300H ebenfalls exzellent. In Dolby Atmos hören wir die aktuelle Lichtmond-Blu-ray „The Journey“.  Was der 4300H alles kann, verdeutlicht er hier: Sehr gute Auflösung auch hoher Frequenzen auf allen Kanälen, nahtlose, fließende Effekt-Übergänge, sehr hoch liegende Impulstreue. Alle Instrumente kommen mit ungemein akkurater Trennung zur Geltung. Der 4300H wirkt nie überfordert, er  behält seinen klaren und homogenen Klang auch bei sehr beachtlichem Pegel voll und ganz bei.

Wie auch schon bei den Filmton-Beispielen überzeugt uns, wie gelungen die Über-Kopf-Ebene eingebunden wird. Lebendig, mit weitläufiger Räumlichkeit, finden die akustischen Elemente ihren Entfaltungsspielraum. Der AVR-X4300H klingt im Hochtonbereich frischer als der Vorläufer, ja sogar frischer als der größere AVR-X6200W aus 2015. Trotzdem wird der 4300H nie aggressiv oder schrill, sondern bleibt immer auf einem enorm harmonischen Niveau.

Die Gesamt-Dynamik konnte beim neuen Modell ebenfalls weiter gesteigert werden, so dynamisch, so unmittelbar haben wir zuvor noch keinen Denon, schon gar nicht in dieser Preisliga unter 2.000 EUR, kennenlernen dürfen. Diese plötzlichen, nachdrücklichen Dynamiksprünge, die in der Lichtmond-BD stattfinden, gibt der AVR-X4300H ansatzlos und mit enormer Kraft wieder. Vokale Elemente bindet der AVR-X4300H ausgezeichnet ein, verleiht ihnen Charisma, benachteiligt aber gleichzeitig den Rest der Akustik nicht.

Klang bei Flac HiRes-Audiodateien

Wie sieht es mit der Stereo-Wiedergabe von HiRes-Audiodateien im Flac-Format aus? Im Direct-Modus hören wir „Dronning Fjellrose“ vom Hoff Ensemble in 192 kHz/24-Bit. Sehr fein, mit gut ausgebildeten Konturen, erfolgt die Wiedergabe. Das Klavier mit der typischen Anschlagdynamik gibt der Denon überzeugend wieder. Die Trennung und die Ausprägung einzelner instrumentaler Linien gelingt dem AVR-X4300H besser als den 2015er Denon AVR-Modellen. Somit stellt der AVR-X4300H auch für den Stereo-Liebhaber einen echten Gewinn dar.

„California Dreamin“ in der Adaption von Diana Krall (Album Wallflower, 48/24) startet gleich charismatisch durch und punktet durch eine sehr wohldosierte, sehr sauber herausmodellierte Stimmwiedergabe. Das, was wir schon im Mehrkanalbetrieb herausgehört haben, bewahrheitet sich auch bei der zweikanaligen Präsentation: Der AVR-X4300H ist ausgesprochen talentiert bei der Darstellung vokaler Elemente.

„Nessun Dorma“ aus dem dritten Akt der Puccini-Oper „Turandot“ liegt in Flac 96 kHz/24-Bit vor und wird von Star-Tenor Jonas Kaufmann gesungen. Der AVR-X4300H profiliert sich hier auch als veritabler Partner für den Klassik-Fan und bringt beinahe das ganze Spektrum, welches Kaufmanns faszinierende Stimme bereitstellt, akustisch zur Geltung. Die räumlich freie, vielschichtige Gesamtwiedergabe mit sehr gelungener Einbindung der vokalen Parts des Chors überzeugt auch den anspruchsvollen Hörer.

Heos-Modul

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Oben rechts ist das Heos-Symbol zu erkennen

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Nun übernimmt die Heos-App

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Zahlreiche Musik-Streaming-Services sind vorhanden

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Einfacher Zugriff auf Musik, die auf einem NAS-System, auf Notebooks oder PCs im Netzwerk abgelegt ist

Denon AVR-X4300H App 11

Tune In-Wiedergabe

Denon AVR-X4300H App 12

Wiedergabe von Musik vom NAS-System

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Wiedergabe eines Titels

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Zonen- und Raum-Übersicht

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Einführung zu Spotify Connect

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Der AVR-X4300H wird gleich als Wiedergabegerät erkannt

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Wiedergabe eines Titels aus einer Spotify-Wiedergabeliste

Sehr gut ist Heos eingebunden. Oben rechts in der normalen AVR-App ist ein Heos Symbol zu sehen, drückt man auf dieses, ist man dann in der Heos-App. Demnach arbeiten beide Apps auszeichnet zusammen. Man kann dann alle hinlänglich bekannten Heos-Funktionen verwenden, und auf zahlreiche Musik-Streaming-Dienste zugreifen. Das Ganze funktioniert nahtlos und zügig. Der Zugriff auf Musikdateien, die auf einem NAS-System im gleichen Netzwerk abgelegt sind, funktioniert schnell und zuverlässig. Ebenso wird der AVR-X4300H von Spotify Connect gleich als Wiedergabegerät erkannt.

Eurodance-Hits von Masterboy – „I’ve got to give it up“, „Give Me Your Love“, „Mister Feeling“ oder „Porque Te Vas” werden mit erstklassigem Nachdruck und einem hohen Maß an Lebendigkeit präsentiert. Der Music Restorer5 poliert das stark datenreduzierte Material ausgezeichnet auf. In der Einstellung „Mittel“ sind Hochtonauflösung und Stimmdarstellung merklich gegenüber dem unbearbeiteten Original verbessert. Absolut genial ist der Sound, wenn alle 9 Kanäle mit einbezogen werden und man dts: Neural X verwendet. Man glaubt es nicht, wenn man es nicht selbst gehört hat, wie dynamisch und enorm räumlich das einfache Spotify Material nun klingt. Der AVR-X4300H tobt los, als gäbe es kein Morgen mehr, und scheut sich auch nicht vor Pegeln, die zahlreiche AVRs der 2.000 EUR Liga nicht erreichen. Kraftvoll und klar, ohne störenden Hall, mit 360 Grad Surround rund um den Zuhörer inklusive der Über-Kopf-Ebene – besser geht es kaum noch. Bedenkt man, dass dieser Könner keine 1.600 EUR kostet, kann man nur den Hut ziehen. Übrigens – Internet Radio Streams von Tune In sind sehr zügig geladen, werden unterbrechungsfrei wiedergegeben und überzeugen im Stereo-Betrieb durch solide Stimmdarstellung mit hoher Verständlichkeit und angenehmen Sound.

Im Vergleich zum bereits sehr guten AVR-X4200W zieht der AVR-X4300H in allen Belangen gefährlich weit davon. Der Bass ist straffer, kontrollierter, die Pegelfestigkeit konnte gesteigert werden, die Feindynamik ist nochmals verbessert, Stimmen weisen im Stereo- und im Mehrkanalbetrieb mehr Kontur auf und präsentieren sich mit authentischerer Raumwirkung. Effekte aller Art, ganz gleich, ob musikalischer oder cineastischer Natur, befördert der 4300H mit noch mehr Nachdruck in den Hörraum. Auch an großen Standboxen kann man den enorm leistungsfähigen AVR-X4300H betreiben. Der Bass weicht auch bei hohem Pegel nicht auf, sondern bleibt hart, souverän und exakt auf den Punkt gerichtet. Die Grobdynamik ist so gut, wie wir es in dieser Liga bislang noch nie von einem Denon gehört haben. Gleichzeitig aber spielt er mindestens so verbindlich wie der AVR-X4200W auf und kann so tatsächlich Glanzlichter setzen. Der AVR-X4300H, der mit analogen Endstufen arbeitet, wird allerdings spürbar warm, wenn er mit hohem Pegel über einen längeren Zeitraum betrieben wird. Im Sinne der Gesundheit fürs Gerät raten wir, oberhalb einiges an Platz für eine optimale Luftzufuhr bereit zu stellen.

Videosektion

Unter Video/Bildeinstellungen ist der Video-EQ untergebracht. Zunächst verfügt der 4300H über verschiedene vordefinierte Bildfelder. Standard, Movie, Lebendig, Streaming, ISF Day sowie ISF Night sind an Bord. Wer selbst „Hand anlegen“ möchte, wählt den Modus „Benutzerdefiniert“. Dann kann man Kontrast, Helligkeit, Farbsättigung, Rauschunterdrückung sowie Konturenschärfe selbst einstellen.

In den Video/Ausgabeeinstellungen finden sich weitere einzustellenden Parameter. Zunächst kann man bestimmen, wie der HDMI-Videoausgang genutzt werden soll (Auto/Dual, Monitor 1, Monitor 2), dann folgt der „Video-Modus“: Automatisch, Game oder Movie stehen zur Auswahl. Wichtig ist, möchte man die interne Signalverarbeitung verwenden, dass „Videokonvertierung“ auf „ein“ steht. Anschließend, bei „IP&Scaler“, kann der 4300H entweder digitale HDMI Signale oder auch analoge Signale auf bis zu 4K hochrechnen. Dabei kann man entweder bei der Auflösung „automatisch“ eintragen oder aber die gewünschte Ausgabeauflösung fix benennen. Auch beim Progressive-Modus für das De-Interlacing kann man „Automatisch“, „Video“ oder „Video und Film“ aussuchen. 

Der AVR-X4300H ist mit einer leistungsstarken Video-Unit versehen, die analoge und digitale Signale auf bis zu 4K hochkonvertieren kann. Zudem finden sich im Sinne eines authentischen Bildes zwei ISF-Bildmodi (Day & Night), die ein sehr ausgewogenes, natürliches sowie angenehmes Bild sicherstellen. Bei „Mission Impossible – Rogue Nation“ begeistert uns der AVR-X4300H in der Eröffnungssequenz mit einem sehr detailreichen Upscaling, wie man z.B. anhand der fein herausmodellierten Grashalme nahe dem Rollfeld sehen kann. Etwas Scalingrauschen ist erkennbar, dieses ist aber nicht besonders ausgeprägt. Noch weniger Rauschen als bei der Vorgänger-Generation ist leider nicht auszumachen, allerdings war schon die 2015er Videosektion in dieser Hinsicht ordentlich. Das Material von Luthers Lederjacke, als er in luftiger Höhe aktiv ist, arbeitet der 4300H sauber heraus. Im 4. Kapitel, das in Wien spielt, wird der Stoff von Benijis Smoking sehr gut dargestellt, und auch das nächtliche Stadt-Panorama von Wien überzeugt durch die sehr gute Detailtreue. Sauber laufen die Rolltreppen bei Sicht aus der Vogelperspektive – die Videosektion des 4300H ist sehr gut, allerdings nicht entscheidend besser als die im Vorgänger AVR-X4200W.

Konkurrenzvergleich

Denon AVR-X4200W Front Seitlich1

Denon AVR-X4200W: Der 2015er Siebenkanal-AVR als direkter Vorgänger macht nur dann Sinn, wenn man ihn enorm günstig neu als Auslaufmodell erwerben kann. Ohne Heos-Modul und mit 2 Endstufen weniger, fällt die Ausstattung schmaler aus. Klangtechnisch erweist sich der AVR-X4300H als pegelfester, dynamischer, räumlich dichter aufspielend, darüber hinaus ist die Auflösung über den gesamten Frequenzbereich besser. Die Videosektion des neuen Modells liegt auf dem Niveau des AVR-X4200W.

Denon AVR-X6200W Front Seitlich2

Denon AVR-X6200W: Selbst der größere, teurere und noch aufwändiger konstruierte AVR-X6200W aus dem vergangenen Jahr kann sich nicht vom herausragenden AVR-X4300H absetzen. Die Endstufen im 4300H stemmen so viel Leistung, dass man hinsichtlich der Pegelfestigkeit keinen Mehrwert beim 6200 feststellen kann. Erst das Topmodell, der AVR-X7200WA, kann noch höhere Lautstärken managen und nimmt daher Kurs auf reinrassige Vor-/Endstufen-Kombinationen. Mit dem an Bord befindlichen Heos-Modul, das der AVR-X6200W nicht aufweist, bietet der 4300H überdies einen echten Mehrwert. Wir dachten nicht, dass der 4300H so gut ist und haben Lesern schon den Rat gegeben, sich den AVR-X6200W als Auslaufmodell anzuschaffen – sicher ist auch der 6200W ein Top-Gerät, ohne Frage, aber dass der 4300H auf Augenhöhe operiert, auch was die Detaillierung und die gesamte Feindynamik angeht, war nicht zu erwarten.

marantz_sr6011_front2

Der Marantz SR6011 ist mit 1.399 EUR 200 EUR günstiger (laut UVP). Auch er hat uns im Test ausgezeichnet gefallen, und nach wie vor ist er von seiner akustischen Auslegung und von der Gesamtperformance her ein tolles Paket. Der AVR-X4300H ist den Mehrpreis von 200 EUR aber in vollem Umfang Wert. Noch etwas mehr Dynamik, noch etwas höhere Pegelfestigkeit und das Heos-Modul an Bord – das reicht locker, um den Mehrpreis zu rechtfertigen.

Yamaha RX-A860 Front Seitlich1

Der Yamaha RX-A860 ist ein besonders guter 7.2 AV-Receiver der 1.000 EUR Klasse. Ehrlich gesagt erreicht bereits der 860er ein Niveau, das für viele Anwender mehr als nur ausreichend sein dürfte. Gepaart mit den erstklassigen, sehr feinfühlig dosiert auftretenden DSP-Programmen, der tollen App (gerade auf dem Tablet) und den überraschend nachdrücklich agierenden, souveränen Endstufen verdient sich der Yamaha der aktuellen Aventage-Serie auch nach wie vor eine absolute Kaufempfehlung in seiner Preisliga. Mit noch mehr Ausstattung, nochmals höherer akustischer Souveränität, besserer Stereoperformance, aufwändigerer Videosektion mit ISF-Programmen und umfangreicherer Anschlussbestückung bietet der AVR-X4300H für den heftigen Mehrpreis von 600 EUR aber auch genau das mehr, was ein echtes hochklassiges Universaltalent fürs anspruchsvolle Heimkino der Oberklasse braucht.

 
Fazit

Denon AVR-X4300H Front Seitlich2

Unsere Bilanz: Mit beispielhaft kompletter Akustik bei der Filmton- und Musikwiedergabe setzt der AVR-X4300H ebenso Glanzlichter wie mit der absolut gelungenen Integration des Heos-Moduls. Die App zur Steuerung der AV-Receiver-Funktionen und die Heos-Funktionen arbeiten nahtlos zusammen. Das gesamte Handling des 4300H ist, wie wir es von Denon AV-Receivern gewohnt sind, trotz des hohen Funktionsumfangs einfach. Erstinstallations-Assistent, verständliches Schema beim Menü-Aufbau, hilfreiche Zusatzfunktionen wie der sehr gute Music Restorer – der AVR-X4300H besticht durch sein im höchsten Maße ausgewogenes Gesamtkonzept. Nichts „tanzt“ aus der Reihe – alles ist auf hohem Niveau. Die Video-Sektion hat sich nicht weiter verbessert, da hier das Niveau aber ohnehin schon ausgezeichnet war, wirkt sich dies nicht weiter negativ aus. Nicht nur die Konkurrenz dürfte wenig erfreut über das souveräne Auftreten des AVR-X4300H sein: Auch hausintern stellt der erstklassige Neunkanal-Netzwerkreceiver eine verheißungsvolle, weil preislich 100 % fair kalkulierte Alternative zu deutlich kostspieligeren Topmodellen dar.

Denons Glanzleistung: Der AVR-X4300H hat alles, kann alles und ist dafür nicht einmal besonders teuer
referenz
Gesamt-Referenz AV-Receiver Oberklasse
Test 10. Oktober 2016

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 10. Oktober 2016




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