TEST: Denon 7.2 AV-Receiver AVR-X4200W

Denon AVR-X4200W Front Seitlich2

Für 1.499 EUR kommt der in schwarzer oder premium-silberfarbener Variante erhältliche 7.2 AV-Receiver Denon AVR-X4200W zum Kunden. Integriert ist ein Decoder für Dolby Atmos aufgrund der 7 Endstufen nur 5.2.2 maximal möglich), der AVR-X4200W ist überdies DTS:X-ready und kann für 150 EUR online mit Decodern für Auro-3D aufgerüstet werden. Wer gerne noch üppig bestücktere Lautsprecher-Setups verwenden möchte, kann auf zusätzliche externe Endstufen zurückgreifen, da der Denon AVR-X4200W bis zu 9 Kanäle verarbeiten kann. Kauft man den Denon AVR-X4200W, erhält man derzeit 30 Prozent Nachlass auf den HEOS Link. 

Denon AVR-X4200W Innenleben4

Elektrolyt-Kondensatoren als Kurzzeit-Stromspeicher z.B. für plötzliche Explosionen im Actionfilm

Denon AVR-X4200W Innenleben3

Transformator

Denon AVR-X4200W Innenleben2

Kühlkörper

Denon AVR-X4200W Innenleben1

Platinenlayout

Denon AVR-X4200W Innenleben Gesamt

Gesamtübersicht innen

Der Denon AVR-X4200W klopft, was Leistungsfähigkeit und Ausstattung anbetrifft, bereits an der Tür zur Oberklasse. Mit einer Nennleistung von 125 Watt pro Kanal (8 Ohm, 0,05 Prozent Klirrfaktor, 20 Hz bis 20 kHz) wird soviel Performance zur Verfügung gestellt, dass auch auf allen Kanälen 4-Ohm Lautsprecher problemlos versorgt werden können. Der AVR-X4200W verfügt ferner über einen ECO-Modus zum Stromsparen – interessant, wenn man nicht die volle Leistung der Verstärkereinheit benötigt. Denon setzt beim AVR-X4200W auf diskrete hochstromfähige Leistungstransistoren und einen wie gewohnt hochwertigen inneren Aufbau. Es gibt keinen Ringkerntransformator, aber einen solchen setzt Denon leider selbst bei den noch teureren Modellen wie dem AVR-X6200W nicht ein. Das Platinenlayout ist sorgfältig, die Verkabelung übersichtlich. Lose „Strippen“, die orientierungslos im Geräteinneren verlegt wurden, finden sich keine. Innen untergebracht ist auch eine leistungsfähige DSP-Unit mit vier Sharc DSPs der vierten Generation. Alle zusammen haben eine kombinierte kontinuierliche Verarbeitungskapazität von 10 GFLOPS (10 Milliarden Fließkommaberechnungen pro Sekunde). Diese immense Rechenleistung ist im Zeitalter von Dolby Atmos, DTS:X und Auro-3D bitter nötig. Denn im Gegensatz zu früheren Decoding-Systemen bekommt der AV-Receiver keine fest definierten Kanal-Informationen mehr zugeliefert, sondern muss selbst die Verteilung der objektbasierten Audio-Effekte in Echtzeit in Abhängigkeit vom angeschlossenen Lautsprechersystem durchführen. Zudem brauchen auch Systeme wie Audyssey MultEQ XT32 mit den hoch komplexen Algorithmen zur Raumakustik-Korrektur viel Rechenleistung. 

Denon AVR-X4200W Verarbeitung

Aluminium-Frontblende

Denon AVR-X4200W Display

Vorbereitet für DTS:X, Spotify Connect an Bord. Zweizeiliges Punktmatrixdisplay

Denon AVR-X4200W Bedienelemente Frontklappe

Komplette Steuerung des AVRs mit den Bedienelementen unter der vorderen Klappe. Dort finden sich auch USB-Terminal, HDMI-Anschluss und Buchse fürs Einmess-Mikrofon

Denon AVR-X4200W Bedienelemente Front2

Quellwahl-Schalter

Denon AVR-X4200W Bedienelemente Front1

Griffgünstiger Lautstärkedrehregler

Nicht nur innen, auch außen präsentiert sich der AVR-X4200W als ausgezeichnet verarbeitetes Gerät. Gerade in silberfarbener Version wirkt der 7.2 AV-Receiver sehr elegant, nicht zu „klotzig“ und zu hoch, sondern schlicht, zeitlos und edel. Die Führung von Lautstärkedrehregler und Quellwahlregler ist gut, der Lautstärkedrehregler ist angenehm gerastert. Die Frontansicht erscheint sehr aufgeräumt, was daran liegt, dass alle nicht ständig benötigten Bedienelemente und Anschlüsse unter einer soliden Klappe untergebracht sind. Der AVR-X4200W wiegt 12,6 kg, ist 434 mm breit, 389 mm tief (ohne Antenne 379 mm) und ohne Antenne 167, mit Antenne 236 mm hoch. Im Standby verbraucht er 0,1 Watt, nutzt man CEC, sind es 0,5 Watt. Im Netzwerk-Standby-Betrieb steigt der Stromverbrauch auf 2,7 Watt. Im Leerlauf bei aktivierter Eco-Schaltung verbraucht der 4200 55 Watt, ohne Eco-Schaltung 85 Watt. Den durchschnittlichen Stromverbrauch gibt Denon mit 670 Watt an. 

Denon AVR-X4200W Rueckseite Seitlich2

Geräterückseite komplett

Denon AVR-X4200W Anschluesse Rueckseite4

Antenne für die integrierten Bluetooth/WLAN-Module, optische und koaxiale Digitaleingänge,, Triggerausgänge, RS-232C, Denon Link HD

Denon AVR-X4200W Anschluesse Rueckseite3

sieben HDMI-Eingänge hinten plus einer vorn, drei HDMI-Ausgänge, Netzwerkbuchse für die kabelbasierte Einbindung

Denon AVR-X4200W Anschluesse Rueckseite2

FBAS-Video- und Komponentenanschlüsse, Cinch-Ausgänge für Zone 2/3, Phono-Eingang, Cinc-Input für CBL/Sat, DVD, BD, Game und CD. Kompletter Pre-Out

Denon AVR-X4200W Anschluesse Rueckseite1

Nichts Besonderes: Die Lautsprecherkabel-Schraubterminals

Der AVR-X4200W besitzt acht HDCP 2.2-kompatible HDMI-Eingänge, die Ultra-HD, 60 Hz, 4:4:4 Pure Color Subsampling, HDR, 21:9 Video, BT.2020 und 3D unterstützen. Zudem, wie bei den aktuellen höherpreisigen Denon AVRs üblich, ist die Video-Abteilung des AVR-X4200W ISF-zertifiziert. Einer der acht HDMI-Eingänge sitzt auf der Vorderseite des AV-Receivers. Der Denon trumpft überdies mit drei HDMI-Ausgängen auf. Zwei davon sind für die Hauptzone vorgesehen, einer für die zweite Zone in einem weiteren Raum. 

Über die HDMI-CEC-Funktion des verwendeten Smart TVs, kann man bei ausgewählten Modellen den AVR-X4200W mit der Fernbedienung des TV-Gerätes steuern. Hierzu muss im Menü des AVRs die Funktion „HDMI Control“ angeschaltet sein, unter „Smart Menu“ ebenfalls die Option „on“. Der Startbildschirm des Smart Menü ermöglicht einen schnellen Zugriff auf die Quellwahl, die Surround-Betriebsarten, das Setup-Menü und die vier Schnellwahltasten. 

Denon AVR-X4200W Mikro

Audyssey-Einmessmikrofon

Für bestmögliche akustische Ergebnisse ist der AVR-X4200W mit der Audyssey DSP-Suite „Platinum“ ausgestattet. Mit in diesem Paket enthalten ist die problemlos arbeitende, maximal an 8 Hörpositionen einmessende Raumakustikkorrektur Audyssey MultEQ XT32. Auch der oder die Subwoofer werden in den Einmessvorgang mit einbezogen. Während des Einmess- , Analyse- und Berechnungsvorgangs werden präzise digitale Filter gesetzt, mit denen kanalselektiv geeignete Frequenzgänge und Zeiteinstellungen festgelegt werden. Auch für die Verwendung von Audyssey Pro Installer ist der AVR-X4200W ausgelegt. In der Platinum-Suite mit enthalten ist auch Audyssey Dynamic Volume. Störende Lautstärkesprünge, wie sie z.B. beim Quellwechsel auftreten, werden hier gut kompensiert. Für vollen Klang bei allen Lautstärken sorgt der Audyssey Dynamic EQ.  Bei „Audyssey Low Frequency Containment“ werden performate psychoakustische Algorithmen verwendet, damit im gesamten Frequenzbereich der Klang ausgewogen ist und auch tiefe Bässe optimal in die Gesamtakustik integriert werden. Audyssey Sub EQ HT stellt sicher, dass bei zwei angeschlossenen aktiven Subwoofern jeder der Bassisten individuell abgestimmt werden kann. Mit der Audyssey Dynamic Surround Expansion (Audyssey DSX) kann man matrixbasierte Höhenlautsprecher oder vordere, außen positionierte Lautsprecher für eine Effektwiedergabe mit mehr räumlicher Weite aufzustellen. In Zeiten von Dolby Atmos und DTS:X gehören diese Algorithmen jedoch zum „alten Eisen“. 

Denon AVR-X4200W Screenshot 5

Praktischer Einrichtungsassistent

Denon AVR-X4200W Screenshot 1

Einrichtungsmenü

Denon AVR-X4200W Screenshot 2

Lautsprecher-Konfiguration

Denon AVR-X4200W Screenshot 3

Time Alignment bei manueller Einstellung

Denon AVR-X4200W Screenshot 4

Menüpunkt „Allgemein“
 Denon AVR-X4200W Screenshot 6

Online Music, allerdings wird über diesen Punkt auch der Zugriff auf PCs und Server geregelt

Denon AVR-X4200W Screenshot 7

HiRes-Audiowiedergabe

Der AVR-X4200W verfügt über einen im Gerät integrierten Einrichtungsassistenten, der den Anwender Schritt für Schritt auf verständliche Art und Weise durch die Ersteinrichtung führt. Unserer Meinung nach ist ein im Gerät integrierter Einrichtungsassistent nach wie vor erste Wahl – so umfangreich und toll die App-basierten Einrichtungsassistenten anderer Anbieter auch sein mögen, man muss ein Tablet besitzen und gewillt sein, dieses zusätzlich auch noch einzusetzen. Wer alles einfach und alles an einem Ort haben möchte, der ist mit einer Lösung wie der von Denon besser bedient. Die Ersteinrichtung läuft problemlos ab, die Audyssey-Einmessung ist gleich in den Ersteinrichtungsprozess integriert. 

Denon AVR-X4200W Fernbedienung

Mitgelieferte Systemfernbedienung, vorprogrammiert, aber nicht lernfähig

Wie wir es von den aktuellen Denon AV-Receivern her kennen, ist auch der AVR-X4200W multimedial und netzwerktechnisch sehr talentiert. Eingebaut sind leistungsstarke Bluetooth- und WLAN-Module. Auf der Geräterückseite sieht man das Vorhandensein dieser Merkmale an den beiden Antennen links und rechts. Spotify Connect und Apple AirPlay sind mit an Bord. Was derzeit noch fehlt, ist Google Cast. Der AVR ist DLNA 1.5 zertifiziert und zu Windows-PCs oder Macs kompatibel. Natürlich kann man den AV-Receiver nicht ausschließlich mit der übersichtlichen, mitgelieferten Fernbedienung steuern, sondern auch per entsprechender App (für Android und iOS-Devices).  Der AVR-X4200W ist vorbereitet für DSD-Streaming, akzeptiert FLAC HD bis 192/24, WAV bis 192/24 und ALAC bis 96/24. Die Gapless-Wiedergabe ist bei FLAC und WAV möglich. Wie wir es von Denon AVRs her kennen, werden auch jpeg-Bilder verarbeitet. Integriert ist überdies vTuner Internet Radio. An verlustbehafteten Formaten kommt der AVR-X4200W mit MP3, WMA und AAC zurecht. 

Da wir es einige Zeilen zuvor von der klanglich besonders fein auflösenden Hires-Wiedergabe hatten: Ein präziser Klang lag den Entwicklern sehr am Herzen. Daher ist der AVR-X4200W in Verbindung mit einem entsprechenden Denon Blu-ray- oder Universal Disc-Player für Denon Link HD ausgelegt. Mittels Denon Link HD wird eine digitale Übertragung generiert, die eine praktisch jitterfreie (frei von Zeitlauffehlern im digitalen Audiosignal) Wiedergabe garantiert. Denons selbst entwickeltes AL24 Processing Plus ist für die Filterung und exakte Abstimmung hoch auflösender digitaler Audiodaten für die Frontkanäle zuständig. Brillante, detailreiche Höhen und eine ausgewogene, substanzreiche Mitteltonwiedergabe sind laut Hersteller die hörbaren Folgen. 

Klang

Wenden wir uns den akustischen Qualitäten des AVR-X4200W zu. Unser Lautsprecher-Setup stellt ihn vor einige Herausforderungen: Zwei Nubert nuVero 140 und drei Nubert nuVero 70 kommen zum Einsatz. Als Top Firing Module setzen wir zwei ELAC TS-3000 ein. Wir starten „ganz harmlos“ zweikanalig mit einigen HiRes-Audio-Tracks im FLAC-Format. „Desperado“ (48 kHz) in der Version von Diana Krall (Album „Wallflower Deluxe“) lässt schon tief blicken: Substanzreich ertönt das Klavier, der AVR-X4200W lässt es sich nicht nehmen, auch die Anschlagdynamik sehr gekonnt herauszuarbeiten. Dianas Stimme löst sich sehr gut von den beiden nuVero 140, der Denon beweist, dass er absolut in der Lage ist, auch so hochwertige, anspruchsvolle Lautsprecher zu beliefern. Eine natürliche Räumlichkeit und ein tolles Auflösungsvermögen im Hochtonbereich notieren wir ebenfalls. In FLAC 96 kHz hören wir „Flowers Of Sendai“ vom Jan Lundgren Trio. Sehr gut durchhörbar der Klavier-Auftakt, auch hier sticht wieder hervor, wie gut der Denon die Anschlagdynamik der Tasten berücksichtigt. Die Detaillierung ist fein, jede einzelne Kontur wird gut hervorgehoben. Der Klang löst sich bei diesem Beispiel ebenfalls tadellos von den Lautsprechern. Der AVR-X4200W ist nicht zu hart oder harsch, sondern Denon-typisch sehr kultiviert und angenehm abgestimmt. Die ausgezeichnete Grob- und Feindynamik zeigen: Wer den AVR-X4200 kauft, ist zum günstigen Kurs schon praktisch in der klanglichen Oberklasse angelangt. Unsere HiRes-Session lassen wir in 192 kHz mit Mark Knopflers „Basil“ vom Album „Tracker“ ausklingen. So feinfühlig, wie der AVR-X4200W die akustische Gitarre herausarbeitet, haben wir sie nur selten gehört – und das bei einem 1.500 EUR-AVR! Eine Leistung, die dem teureren AVR-X6200W (2.299 EUR) schon bedrohlich nahe rückt. Auch die Stimme Marks wird sehr facettenreich und charismatisch in den Raum gestellt. 

Ganz gefordert ist der AVR-X4200W nun bei der Metallica-BD „Through The Never 3D“ mit Dolby Atmos-Tonspur. Wir hören „The Ecstasy Of Gold“ mit Lautstärkepegel 70 laut Anzeige und sind begeistert: Die E-Gitarrenriffs ertönen hart und kraftvoll, die Räumlichkeit ist exzellent, auch die „Immersive Sound“ Komponente. Obwohl beim 4200 nur zwei Top Firing Module „serienmäßig“ eingesetzt werden können, öffnet sich das akustische Geschehen gekonnt nach oben. Der kräftige Bass ist für die nuVero 140 kein Problem – oberhalb der Display-Anzeige „70“ vom Denon, der sich im Übrigen recht kräftig erwärmt, wird es dann schwierig, die nuVero 140, die noch deutlich mehr können, entsprechend zu beliefern. Ruhiger geht es zu bei „Nothing Else Matters“. Mit tollem Raumgefühl wird das Publikum eingebunden. Die Bühne ist allzeit klar fokussiert. Der Aufbau des Songs wird ausgezeichnet herausgestellt. Lebendig, gleichzeitig angenehm ist die Tonalität. Der Bass trifft exakt den Punkt, die Trennung der Instrumente von der Stimme des Sängers gelingt hervorragend. Der Zuhörer erfreut sich an der nahezu kompletten Front-Klangkulisse, die das Auditorium praktisch völlig einhüllt. Man ist mitten im klanglichen Geschehen, voller Lebendigkeit, Kraft und Nachdruck. Dass der AVR-X4200W auch Heavy Metal kultiviert, das heißt nicht überspitzt, wiedergibt, ist sehr positiv herauszustellen. 

In PCM 5.1 (48 kHz) hören wir nun „Canto Della Terra“ (Andrea Bocelli & Sarah Bightman) und sind wieder erstaunt, wie detailreich und fein auflösend der AVR-X4200W gleich zu Beginn Sarahs Stimme herausarbeitet. Er vergisst aber auch die Instrumente nicht – mit dem Klavier, wir haben es schon erwartet, kommt der Denon besonders überzeugend zurecht. Als dann Andrea seine Stimme erhebt und der Beifall des Publikums sich ins akustische Geschehen mischt, beeindruckt der Denon mit hervorragender Dynamik. Die vokale Präsenz von Andrea und Sarah auf der Bühne stellt der AVR-X4200W mit großer Präzision dar. Der Bass ist kraftvoll, nachdrücklich und verleiht dem gesamten Geschehen eine erstklassige Substanz. Gleichzeitig aber legt sich der Bassbereich nicht unschön über andere akustische Anteile. Bei „Bellisseme Stelle“ das gleiche akustische Bild: Harmonisch, souverän, mit enorm guter Herausarbeitung der Stimme Andreas. Kleine vokale Charakteristika arbeitet der AVR-X4200W gediegen heraus, so dass auch derjenige, der größere Ansprüche an die Detailqualität der Wiedergabe hat, außergewöhnlich glücklich sein dürfte. Der Bass muss auch bei diesem Stück wieder erwähnt werden: Sehr kräftig, sehr präzise und mit feinen Strukturen versehen. Wie wir es von Denon Komponenten kennen, öffnet der AVR-X4200W den Raum weit – mit sehr gut ausbalancierter Front-Surround-Wirkung wird das gesamte klangliche Geschehen zu jedem Zeitpunkt absolut glaubwürdig herausgearbeitet.

Können sich auch Heimkino-Fans mit dem AVR-X4200W anfreunden? Um dies zu erkunden, haben wir uns die Eröffnungssequenz von „Expendables 3 – A Man’s Job“ angehört, und zwar in Dolby Atmos. Action gibt es genug, mittels eines Helikoptereinsatzes soll ein Mitglied der „Expandables“ aus einem fahren Gefängnis-Zug befreit werden. Die sich drehenden Rotoren des Hubschraubers, die Fahrgeräusche des Zuges – all dies wird sehr wirkungsvoll und präzise vom Denon erfasst. Lobenswert ist auch, wie gut der eindrucksvolle Music Score mit berücksichtigt wird. Auch, wenn man es bei Denon nicht gern hören wird: Der AVR-X4200W kommt den teureren Modellen näher, als es manchem lieb sein könnte. Stimmen werden auch bei hektischem Geschehen sicher integriert, MP-Salven bringen immense Durchschlagskraft mit. Das Geschehen über den Köpfen der Zuhörer wird wirkungsvoll erfasst. Sehr gut lassen sich Effekte im Raum orten, das merkt man, als die schweren Geschütze auf dem Zug zu feuern beginnen. Faustschläge und andere Attacken arbeitet der AVR-X4200W exzellent ins akustische Gesamtgeschehen ein. Dynamische Differenzen stellen kein Problem dar. Als die Expandables-Einheit in den Zugwaggon eindringt und es plötzlich leiser und spannungsgeladen wird, liefert der 4200 ebenfalls einen eindrucksvollen Beweis seines Könnens ab. Er ist, als es wieder lauter, effektgeladener wird, sofort mit der vollen Endstufenleistung zur Stelle. Geschmeidig und impulstreu agieren seine Endstufeneinheiten. Selbst in Verbindung mit dem anspruchsvollen Nubert/ELAC-Setup ohne aktiven Subwoofer bietet der AVR-X4200W genug Leistung, um auch Hörer zufrieden zu stellen, die aus Sicht des Pegels den Begriff „Heimkino“ sehr wörtlich nehmen. Tiefgang und Klarheit im Bassbereich überzeugen auch bei hohem Pegel. Wer es extrem „krachen“ lassen möchte, wird allerdings merken, warum z.B. der AVR-X6200W doch deutlich teurer ist: Nicht nur, dass er neun anstatt sieben Endstufen hat, auch die Pegelfestigkeit ist nochmals besser.

Was holt der AVR-X4200W aus alten DVD-Tonspuren? Wir haben dies anhand der Star Wars Episode III-DVD (Dolby Digitall 5.1 EX) überprüft und haben uns die Startsequenz, den Kampf oberhalb von Coruscant, mit Dolby Atmos-Upmix angehört. Beeindruckend, was möglich ist! Der Zuhörer wird ganz anders ins Geschehen eingebunden als bei der uns bekannten, ursprünglichen Tonspur. Man merkt deutlich, was an DSP-Leistung im AVR-X4200W steckt. Die vier leistungsstarken Sharc-Prozessoren sind für eine allzeit raumfüllende, aber gleichzeitig präzise Aufbereitung des Signals zuständig. Der Sternzerstörer, der zu Beginn durchs Bild donnert, wird mit eindrucksvollem Bass wiedergegeben. Trotzdem nimmt man die herannahenden Raumjäger von Obi-Wan und Anakin sofort wahr. Die Raumschlacht erscheint mit der Weitung nach oben deutlich eindrucksvoller als zuvor. Plötzlich passiert in allen Dimensionen etwas – sehr viel besser, als es z.B. mit einem unserer Meinung nach recht wirkungslosen Dolby PLIIz Decoding erreicht wurde. Die Stimmen von Obi-Wan und Anakin in ihren Raumjägern sind sehr gut eingebunden. Kleine Dynamikunterschiede zwischen Effekten (z.B. herannahend – zuerst leise, dann laut am Zuhörer vorbei) werden mit enormer Impulstreue dargestellt. Die zahlreichen großen Explosionen erscheinen authentisch und lebendig. Die Detailarbeit des AVR-X4200W ist ausgezeichnet, jeder Effekt überzeugt demnach auch hinsichtlich der Auflösung. Die Geräusche von R2D2 zum Beispiel werden trotz des regen Kampfgeschehens gut hörbar, aber nicht überbetont mit eingebunden. 

Videosektion

Der AVR-X4200W verfügt im Sub-Menü „Bildeinstellungen“ auch noch über einen vom Anwender zu justierenden Video-EQ. Dieser kann nur dann angewählt werden, wenn man „Benutzerdefiniert“ als Bildmodus verwendet. Einstellbar sind dann: Kontrast,  Helligkeit, Farbsättigung, Rauschunterdrückung und Konturenschärfe. An ab Werk vorprogrammierten Bildmodi sind vorhanden: ISF Day, ISF Night, Streaming, Standard, Movie, Lebendig. Sehr gut ist, dass zwei ISF-Bildmodi offeriert, das ist neu in der Generation 2015. Wir haben mit den beiden ISF-Bildfeldern dank des ausgewogenen, farbechten Bildes mit tadellosem Kontrast sehr gute Erfahrungen sammeln können, unserer Meinung nach braucht man sich mit eigenen Justagen gar nicht erst abzugeben, sondern man verwendet, je nach externem Lichteinfall, einen der beiden ISF-Betriebsarten. 

Wie konvertiert der AVR-X4200 den Beginn der DVD „Star Wars Episode III“ von 576i auf 2.160p? Wir verwenden „ISF Night“ als Bildmodus und lassen ansonsten das Video-Processing arbeiten. Die geleistete Arbeit ist sehr gut, das Gelb-Orange der Schrift kommt prima heraus. Nur an den Rändern werden die Lettern weiß. Alles, was man aus SD-Material herausholen kann, macht der Denon, verleiht der Raumschlacht durch tiefes Schwarz, gute Schärfe und guten Kontrast entsprechendes Gewicht. Aber: Während der gesamten Sequenz zeigt sich, dass hochskaliertes DVD-Material in UHD-Zeiten nicht mehr das „Gelbe vom Ei“ ist, bei allem Leistungsvermögen, welches der AVR-X4200W zweifelsohne besitzt, mit gutem Bildstand, recht geringem Rauschen und wenig Treppenstufen. Das interne Video-Processing ist leistungsfähig, daran zweifeln wir nicht, dass es sich um extrem niedrig auflösendes Quellmaterial handelt, kann aber nicht verheimlicht werden.

Wie sieht es beim Hochskalieren von Blu-rays von 1.080p auf 2.160p aus? Bei der ersten Szene von „Transformers – Ära des Untergangs“ können wir dem AVR-X4200W ein detailreiches, scharfes Upscaling konstatieren. Die durchs All fliegenden Raumschiffe werden in beinahe allen Einzelheiten abgebildet, Es kommt kaum zu Scalingrauschen, minimal ist es allerdings sichtbar. Ab und zu finden sich an komplexen Objektstrukturen kleine digitale Artefakte, dies fällt allerdings nur beim genauen Hinsehen auf. In den ISF-Modi realisiert der Denon ein tiefes Schwarz, eine natürliche Farbwiedergabe und einen stimmigen Kontrast, so dass man gerade für Filme eine ausgesprochen gelungene Wiedergabeumgebung vorfindet. 

Konkurrenzvergleich
  • Denon AVR-X6200W: Für 2.299 EUR empfiehlt sich der AVR-X6200W für Anwender, die besonderen Wert auf die neun Kanäle und die damit verbundenen Möglichkeiten legen, z.B. auch ein Atmos 5.2.4 Setup aufzubauen. Die Endstufen bieten noch etwas mehr Leistung als  die des AVR-X4200W, überdies detailliert der 6200 gerade im Zweikanalbetrieb noch etwas besser. 
  • Für 1.799 EUR tritt der optisch eindrucksvolle Onkyo TX-RZ900 an. Er hat keinerlei Videosignalverarbeitung, dafür schöpften die Entwickler bei der Audio-Abteilung aus dem Vollen, wie z.B. der große Ringkerntransformator zeigt. Der TX-RZ900 ist außergewöhnlich pegelfest, hier schlägt er den Denon AVR-X4200W. Auch arbeitet er noch etwas dynamischer, wuchtiger – bei der Feindynamik herrscht allerdings Gleichstand. 
Fazit

Denon AVR-X4200W Front Seitlich3

Der Denon AVR-X4200W beeindruckt uns auf ganzer Linie. Für knapp 1.500 EUR erhält der versierte Heimkino- und Mehrkanal-Fan hier schon die Eintrittskarte in die AV-Receiver-Oberklasse. In jeder Disziplin vermag der Denon zu überzeugen. Die Optik ist elegant, hochwertig und zeitlos, das Innenleben ist aufgeräumt, die Baugruppen sind preisklassengemäß. Mit sehr gutem Audyssey-Room EQ, das im Vergleich zu früheren Generationen einen deutlich natürlicheren Klang ermöglicht, trumpft der Denon auch auf. Dass Audyssey nun so gut funktioniert, liegt sicherlich auch an der immensen Rechenleistung, die die vier verbauten Hochleistungs-DSP-Prozessoren zur Verfügung stellen. Gebraucht wird diese Rechenpower wegen den objektbasierten Audio-Decodern Dolby Atmos und DTS:X (in Kürze), aber zu Gute kommt dies auch anderen Funktionen. Klanglich beeindruckt der AVR-X4200W durch dichte Räumlichkeit, erstaunlich feine Detaillierung, angenehme Tonalität und hervorragende Basskraft.

Mehr muss man nicht in einen AV-Receiver investieren, es sei denn, man gehört zu den „oberen Zehntausend“, die einfach alles in Perfektion möchten. Es geht, absolut gesehen, noch deutlich mehr bei Detaillierung, Brillanz, Pegelfestigkeit und Gesamtdynamik, nur muss man dann in die Kette insgesamt so viel mehr Geld investieren, dass sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit stellt. Der AVR-X4200W bringt zeitgemäße Multimedia-Features ebenso mit wie eine leistungsfähige Videosektion mit zwei sehr gelungenen ISF-Betriebsarten – somit ist er ausgesprochen vielseitig. Allerdings hat er „nur“ sieben Endstufen, für die großen Atmos-Konfigurationen empfiehlt sich daher der AVR-X6200W für 2.299 EUR. Für alle anderen Ansprüche reicht der AVR-X4200W hingegen problemlos aus – zum fairen Preis offeriert Denon hier einen AV-Receiver der Spitzenklasse.

Großartiges Leistungsvermögen in allen Belangen zum fairen Preis – günstiger kann man nicht in die Oberklasse kommen
preisklassenreferenz
AV-Receiver bis 1.500 EUR
Test 14. Januar 2016

+ Harmonischer, lebendiger Klang
+ Intensive Räumlichkeit
+ Feindynamisch erstaunlich talentiert
+ Umfassende Ausstattung
+ Videosektion mit ISF-Modi
+ Sehr gutes Einmesssystem
+ Einfache Ersteinrichtung
+ Hochwertige Verarbeitung

– Nur sieben Endstufen

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 16. Januar 2016

 

 

 




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