TEST: Portabler Bluetooth-Lautsprecher JBL Charge 2+

JBL Charge2+ Front Seitlich3

 JBL gibt derzeit wieder mächtig Gas bezüglich des Produkt-Portfolios an Bluetooth-Lautsprechern. Erst kürzlich wurde das neue, rund 300 EUR kostende Topmodell Xtreme vorgestellt, und der mit rund 130 EUR deutlich günstigere Flip 3 konnte in unserem Test vollauf überzeugen. Nun folgt der laut Liste mit 169 EUR geführte Charge 2+ im Testbetrieb, der sich durch einige Merkmale vom günstigeren Flip 3 unterscheidet. Müssen beim Flip 3 maximal 10 Stunden Spielbetrieb mit 3.000 mAH Akku genügen, was allenfalls durchschnittlich und somit der einzige echte Nachteil des modernen BT-Speakers ist, reicht der starke 6.000 mAH-Akku des Charge 2+ für bis zu 12 Stunden Spielbetrieb.

JBL Charge2+ Rueckseite Seitlich

 Rückseite

Integriert ist ferner eine gut klingende Freisprecheinrichtung mit Echo- und Geräuschunterdrückung, diese bringt aber auch der Flip 3 mit. Die JBL Passivradiatoren für satten Bass trotz kleinem Gehäusevolumen sind ebenfalls auch Kennzeichen des günstigeren Modells. Der Bluetooth-Lautsprecher besitzt zwei 45 mm Vollbereichstreiber und gibt Frequenzen zwischen 75 Hz und 20 kHz wieder. 15 Watt Ausgangsleistung sind absolut betrachtet nicht eben viel, für einen so kompakten Bluetooth-Lautsprecher aber durchaus höchst beachtlich. Der kleinere Flip 3 hat allerdings laut Datenblatt 2 x 8 Watt Ausgangsleistung, dafür nur 40 mm messende Treiber. Anstatt ab 75 Hz gibt er erst ab 85 Hz wieder. 

Natürlich ist auch der Charge 2+, den es  nicht nur in schickem Royalblau, sondern auch noch in schwarzer, mintfarbener, roter oder grauer Variante gibt, ebenfalls spritzwassergeschützt. Dank des „Social Media“ Modus können bis zu drei Musikquellen an den Charge 2+ angeschlossen werden – da kommt jeder mal zum Zuge und kann sein Lieblingslied hören. Und wenn dem Smartphone mal die Luft – oder besser der Saft – ausgeht: Selbstredend kann man am Charge 2+ den  müden Akku wieder etwas auffrischen. Ist danach der Akku des Charge 2+ leer – bei 1,8 Ampere dauert es vier Stunden, bis er wieder 100 Prozent Leistung hat. 

JBL Charge2+ Bedienelemente Oberseite

 Bedienelemente oben

Der Charge 2+ unterstützt die Bluetooth-Version 3.0 – der Flip 3 übrigens verfügt sogar über BT 4.1. Der Charge 2+ ist kompatibel mit A2DP V1.3, AVRCP V1.5, HFP V1.6 und HSP V1.2. 600 Gramm wiegt der 79 mm hohe, 185,2 mm breite und wiederum 79 mm tiefe Lautsprecher, der durch seine sehr gute Verarbeitung überzeugt. Die Treiber sind unter präzise eingepassten Metallgittern im Einsatz, oben auf dem Device findet sich eine gummierte Leiste, auf der Standby-Knopf, Bluetooth-Kopplungstaste, Lautstärkeeinstellung, Social Media-Modus sowie die Rufannahme bei Verwendung der Freisprecheinrichtung zu finden sind.

JBL Charge2+ Anschluesse Rueckseite

 Anschlüsse

An Anschlüssen sind ein USB-B-Slot zum Anschluss von Smartphones zwecks Aufladen des Akkus, Micro-USB zwecks Aufladen des Charge 2+ und ein 3,5 mm Miniklinken-Audioanschluss (analog) vorhanden. Vorsicht – der Charge 2+ ist zwar spritzwassergeschützt und darf mit Wasser abgewaschen werden, ins Wasser tauchen darf man ihn aber nicht – das kann schon wegen der nicht abgedeckten Anschlüsse nicht funktionieren. 

Das Koppeln von Bluetooth-Quellen ist kinderleicht und in wenigen Sekunden bewältigt. NFC hat der Charge 2+ nicht, was aber auch kaum jemand ernsthaft vermissen dürfte. Leider fehlt – für besten Sound in CD-Qualität – aptX an Bord. Das ist etwas schmerzlich, denn diesen Übertragungsstandard unterstützen auch schon deutlich günstigere Konkurrenten.

Klang

JBL Charge2+ Tieftoener

 JBL packt Basskraft selbst in kleine BT-Lautsprecher

Und wie ist das „akustische Betragen“ des Charge 2+? Wir sind sehr angetan und starten mit dem Jean Michel Jahre-Evergreen „Equinoxe IV“ im Remix von DJ Quicksilver. Und wir denken uns nichts, als wir gleich zu Beginn richtig aufdrehen – rechnen mit Verzerrungen, wie meist üblich, und kaum spürbarem Bass. Aber der Charge 2+ belehrt uns rasch eines besseren: Der Bass ist durchaus spürbar, die erzielbaren Pegel lassen nie Zweifel an der Wahrheit über die Ausgangsleistung aufkommen und die räumliche Wirkung ist tadellos. Man mag es kaum glauben, aber der Charge 2+ klingt souverän und entspannt. Nie wirkt er überanstrengt, er schleudert die Beats heraus und sorgt so für eine überraschend hoch liegende Hörfreude. 

Nun springen wir einige Jahre nach vorn, ins Jahr 2015, zu „Woke Up Like This“ von DJ Antoine featuring Storm. Und der kleine Charge 2+ bringt die elektronischen Effekte sehr gut zur Geltung, er baut richtig Atmosphäre auf und liefert bei der Präsentation des Rhythmus eine erstaunlich gute Impulstreue. Ärmlicher, monotoner Sound? Nicht mit dem Charge 2+. Er liefert einen straffen, stets klar erkennbaren Bass und trennt die einzelnen akustischen Ebenen prima voneinander.

„Over The Limit“ (Calypso + Fort Arkansas) ist der zweite aktuelle Club-Track, den wir uns auf dem Charge 2+ geben. Und wieder verfestigt der Eindruck, es mit einem echten kleinen „Clubber“ zu tun zu haben. Der Bass übertrifft ein weiteres Mal unsere Erwartungen, die Wiedergabe ist überdies sehr angenehm und nie zu schrill oder blechern. Die Vocals arbeitet der kompakte Spaßmacher sehr gekonnt heraus, und hinzukommende akustische Effekte werden schnell ins klangliche Gesamtbild eingearbeitet. Die Räumlichkeit verblüfft, der Klang verteilt sich tadellos im Raum. 

Wir wechseln ins Black-Metier – und zu Keri Hilsons „I Like“. Hier müssen wir feststellen – es geht deutlich mehr. Der satte, kraftvolle Bass kommt hier kaum zum Ausdruck. Wenigstens stören keine unschönen Verzerrungen, aber das, was hier im Bassbereich passiert, entspricht dem, was man von einem so kompakten BT-Lautsprecher auch erwartet: Nicht viel. Die Voice von Keri kommt klar und mit einer guten Raumwirkung heraus. Die Dynamik ist ebenfalls ohne Fehl und Tadel. 

Und mit Andrea Bocellis „Love In Portofino“, wie kommt der Charge 2+ hier zurecht? Antwort: Erstaunlich gut. Klare vokale Konturen, lebendige Gesamtakustik, die räumliche Ausarbeitung überzeugt richtig. Ein Track zum Träumen an der Amalfi-Küste oder auf Capri – und den JBL Charge 2+ im Gepäck. 

Nun bleiben wir in Italien, jagen aber sinnbildlich lieber den großformatigen Porsche Panamera mit dem behänderen Ferrari FF über die Uferstraßen am Gardasee – „Il Mio Amore“ der Italian Rockaz & Avoya vs. Lil M. soll der JBL nun wiedergeben. Naja, richtig Lust, den Porsche zu versenken, bekommt man nicht wirklich, dazu ist der Charge 2+ hier etwas zu schlapp. Da muss dann die Harman-Soundanlage, immerhin aus dem selben Hause, im Ferrari FF losballern, oder man lauscht nur dem 660 PS starken Zwölfzylinder – dann packt man sich den zwar auf langen Autobahnetappen tollen, aber für engere Straßen nicht perfekt geeigneten Panamera zügig und erntet verständnislose Blicke des unterlegenen Kontrahenten. Den JBL holt man dann wieder heraus, wenn man irgendwo den Blick auf den See genießen und den Ferrari kurz abstellen möchte. Dann bemerkt man, dass er eigentlich nichts falsch macht, nur einfach etwas wenig Feuer entfacht. Bei Belushi „My First Love“ im Mix von Alex Menage begeistert uns der Charge 2+ dann wieder mit frischem, lebendigem Klang und einem prima Bass, der richtig Volumen besitzt. 

Der wirklich gute Bassbereich bringt den JBL Charge 2+ auch bei Duran Durans „A View To A Kill“ nach vorn. Die gesamte Dynamik des 007-Titelsongs wirkt authentisch, die Trennung der Stimme von den Instrumenten gelingt dem JBL-Bluetooth-Speaker trotz vergleichsweise einfacher Technik sehr gut. Der Klang entfaltet sich erstaunlich lebendig und wirkt für einen so kleinen Lautsprecher überraschend komplett. Man sieht 007 förmlich vor sich, wie er Silicon Valley vor dem Untergang rettet und die Pläne des verrückten Retorten-Zorin vereitelt. Wieder aus einem James Bond Film stammt „Licence To Kill“ von Gladys Knight. Auch diesen etwas sensibleren, aber gleichzeitig kraftvollen Song gibt der JBL Charge 2+ sehr gut wieder, erneut gefallen die Vocals, aber auch Räumlichkeit und Bassbereich sind ausgezeichnet gelungen. 

Im Vergleich zum kleineren Flip 3 klingt der Charge 2+ noch eine Idee voller, homogener und gleichzeitig klarer. Gerade auch für die Stimmwiedergabe oder komplexere Musik ist er die bessere Alternative zum fairen Mehrpreis. Der Akku ist überdies größer. Der Teufel Bluetooth Bamster kommt auf rund 130 EUR, ist dafür gediegener verarbeitet als der Charge 2+, aber nicht spritzwasserfest. Auch die praktische Social Media Funktion des Charge 2+ hat die Berliner Alternative nicht. Akustisch gibt sich der Bamster seriöser, klingt noch eine Idee frischer, detailreicher, aber weniger voll und kräftig im Bassbereich. Auch die Räumlichkeit des Charge 2+ wird als intensiver wahrgenommen. Richtig ernster und auch noch preisgünstiger Konkurrent ist Denons Envaya Mini für lediglich 99 EUR. Sehr gut verarbeitet, schick und klangstark, gibt er sich alle Mühe, dem Charge das Wasser abzugraben. Der JBL aber hält dagegen: Noch mehr Bass, mehr lieferbare Farben, und eine noch etwas bessere Räumlichkeit helfen, den Mehrpreis zu rechtfertigen. USB-Anschluss ohne Ladefunktion sowie leicht bedeckte Hochtonwiedergabe – das sind die Nachteile des rund 170 EUR kostenden Bose SoundLink Mini. Ansonsten ist der Bose-Speaker sehr gelungen, produziert satte Bässe, sieht gut aus und ist recht pegelfest. 

Fazit

JBL Charge2+ Front Seitlich4

Der JBL Charge 2+ präsentiert sich im Testbetrieb als lebendig und kräftig klingender Bluetooth-Lautsprecher mit guten Leistungsreserven. Er liefert eine erstaunliche Räumlichkeit und übertrifft viele Konkurrenten mit seinem durchaus spürbaren Bass. Das Handling ist einfach, der Social Media Modus praktisch. Der Akku ist mit 6.000 mAH ausreichend kräftig und sehr gut gefällt uns, dass der BT-Lautsprecher spritzwassergeschützt ist. Keine Abbrüche und keine Aussetzer – die Bluetooth-Verbindung funktioniert vorbildlich zuverlässig. Die integrierte Freisprecheinrichtung ist gut. Leider fehlt aptX im Angebot, aber das ist auch der einzige Nachteil des Charge 2+.

Modern gestalteter, klangstarker Bluetooth-Lautsprecher mit guter Akkulaufzeit
ueberragend
Bluetooth-Lautsprecher bis 200 EUR
Test 28 August 2015

+ Kräftiger und angenehmer Klang
+ Für kompakte Abmessungen bassstark und pegelfest
+ Social Media Funktion für bis zu 3 BT-Quellen
+ Akkuleistung tadellos
+ Stabile Bluetooth-Signalünbertragung
+ Spritzwassergeschützt
+ In sechs Farben lieferbar

– Kein aptX

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 28. August 2015




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