TEST: Arcam AV-Receiver AVR450

Das Produkt

Für 2.699 EUR ist der 7.1 AV-Receiver Arcam AVR450 erhältlich, das preisgünstigere Pendant zum Topmodell Arcam AVR750. Mit 90 Watt x 7 (bei voller Kanalbelegung und nicht nur bei Aussteuerung eines Kanals) werden sehr gute Leistungsreserven geboten. Selbstredend sind alle aktuellen Decoder an Bord. Es fehlt allerdings Dolby PLIIz. Der Arcam verfügt über sieben HDMI-Eingänge und zwei HDMI-Ausgänge, leider aber bringt er nur einen Vorverstärkerausgang zum Anschluss eines aktiven Subwoofers mit. Der Radiotuner ist nicht nur für analogen UKW-Empfang ausgelegt, sondern auch für digitalen DAB/DAB+ Empfang.

Der Arcam ist videoseitig mit der Möglichkeit ausgestattet, Signale auf bis zu 4K hochzuskalieren, was sich aber in der Praxis zumindest aktuell als etwas problematisch herausstellt. Dazu später mehr. Natürlich sind die HDMI-Terminals 3D-kompatibel.

Gesamtansicht der Rückseite


Komplette Pre-Out-Sektion, aber nur 1 Pre-Out für den aktiven Subwoofer

Hochwertige Lautsprecherkabel-Anschlussterminals

Auch analoge Videoquellen können noch an den AVR450 angeschlossen werden

HDMI-Sektion, viele analoge Audioeingänge, viele konventionelle Digitaleingänge – richtige Opulenz. Rechts zu sehen – Anschluss für FM/DAB. Hinzu kommen Ethernet, USB

So löblich die reichhaltige Bestückung mit analogen Anschlussformen auch ist, so wenig begeisternd ist die Tatsache, dass weder über USB, noch per DLNA/Netzwerk-Streaming WAV oder FLAC High-Resolution Audio-Dateien mit einer Auflösung oberhalb der 48 kHz wiedergegeben werden. Das ist schon in AVRs der 500 EUR-Liga Standard, hier sollte Arcam nachbessern. Auch gibt es nur vTuner als vorinstallierte kostenlose Internet Radio-Plattform. Weitere onlinebasierte Musik-Services sind nicht an Bord.

Attraktives Detail – Namenszug auf der Frontblende

Hochwertige Material- und Fertigungsqualität

Schlichte, sehr aufgeräumt wirkende und charakteristische Optik

Zweizeiliges Punktmatrix-Display

Der „Power“ Knopf wird gedrückt und der AVR450 ist bereit für klangliche Höchstleistungen

Der Arcam ist 433 mm breit, 425 mm tief und 171 mm hoch. Im Standby-Betrieb verbraucht er weniger als 0,5 Watt. Er präsentiert sich außen als exzellent verarbeitet, die Front weist nur wenige Bedienelemente auf. Klassische Drehregler für Lautstärke und/oder Quellwahl sind nicht vorhanden.

Einmess-Mikrofon

Für die Anpassung der Lautsprecher auf die räumlichen Gegebenheiten am Aufstellungsort bringt der AVR450 ein automatisches Lautsprecher-Einmesssystem mit, das sehr präzise und genau arbeitet. Auch der Room-EQ leistet gute Arbeit und sichert ein harmonisches, gut ausbalanciertes Klangbild, welches den Klang der Lautsprecher nicht radikal „beschneidet“.

Der Arcam verfügt über hoch auflösende Menüs in englischer Sprache. Screenshots werden wir Ihnen hier präsentieren:


Jeder Eingang kann individuell konfiguriert werden

Einstellmöglichkeiten. Auch ein Video-EQ, quellselektiv, ist vorhanden

General Setup, hier sind auch die Einstell-Optionen für Dolby PLIIx


Lautsprecher-Größeneinstellungen

Entfernungseinstellung, in 2 cm Schritten

Pegelangleich im Werkszustand

Video-Outputs


Betriebsarten


Der AVR450 ist auch Multiroom-geeignet. Hier die zugehörigen Einstellungen

vTuner und Music Player, z.B. für die Wiedergabe von Musikmaterial von PC oder Server


vTuner – Wiedergabe

Musicplayer – Zugriff auf Geräte im Netzwerk


HiRes 48 kHz-FLAC-Wiedergabe

Automatische Lautsprecher-Kablibrierung

Die On Screen Menüs, nur in englischer Sprache verfügbar, halten recht reichhaltige Einstelloptionen bereit. DSP-Soundprogramme, die über die normalen DTS/Dolby-Features hinaus gehen, sind nicht vorhanden. Die gut verarbeitete Fernbedienung liegt tadellos in der Hand, ist komplett beleuchtet und sichert ein komfortables Bedienen.

Fernbedienung

Testequipment
Klang

Klangliche Auslegung

Zunächst möchten wir einige generelle Worte zur akustischen Auslegung des AVR450 verlieren. Klanglich zeigt der AVR450 deutliche Nähe zum Top AV-Receiver-Modell AVR750 – und das ist auch gut so, bewies der große Bruder doch im Test eindeutig, dass es kaum möglich ist, einen noch besser klingenden AV-Receiver auf dem deutschen Markt zu finden.

Der AVR450 kommt nun auf 2.699 EUR und greift damit unverhohlen die Spitzenmodelle von Pioneer, Onkyo, Denon oder Yamaha an. Er präsentiert sich klanglich aus außergewöhnlich geschickt ausgelegt und weist mit angenehmem, homogenen Sound klar den Weg in die akustische Zukunft:  Kein strenger Analytiker, sondern ein Produzent von echtem „Wohlfühlklang“ ist hier entstanden. Das können doch andere auch, mag man jetzt denken. Stimmt. Auch ein Denon AVR-4320 oder ein Onkyo TX-NR5010 klingen durchaus homogen und kultiviert. Was aber keiner so gut beherrscht wie Arcam: Den Klang zu geschliffen-dynamischer Kultur werden zu lassen. Heißt im Klartext: Feine, fließende Übergänge zwischen Front und Surround, ungemein gleichmäßiges, aus räumlicher Sicht bei Tiefe und Weite authentisches Klangbild, eine extrem gut gelungene Mischung aus Dynamik, Harmonie und Detailreichtum. Der AVR450 klingt brillant und transparent im Hochtonbereich, aber gleichzeitig nie spitz oder gar aggressiv – ein nahezu optimaler Kompromiss, der selten auf diesem Niveau gelingt. Hinzu kommt eine Qualität bei der Stereowiedergabe, die wir sonst nur von reinen Stereoverstärkern her kennen: Klar, kräftig, sauber herausgearbeitete Bühne, tolle Loslösung des Klangs von den Lautsprechern. Also macht auch der AVR450 unmissverständlich klar: Klanglich sind die AV-Receiver aus dem Hause Arcam derzeit eine Macht, die man keinesfalls unterschätzen darf.

Wenden wir uns nun den einzelnen Klangeindrücken zu und beginnen wir mit der Filmtonwiedergabe.  Sehr gut gefällt uns die recht präzise Lautstärkeregelung, die mit der Fernbedienung möglich ist. Die Fernbedienung überhaupt ist ungemein praktisch. Konnte Arcam hier früher nichts bieten, ist die neue Fernbedienung komplett beleuchtet, hat eine praktische Größe und nicht zu viele Tasten. Aber zurück zum Sound beim 007-Streifen „Ein Quantum Trost“: Ganz am Anfang wird subtil Spannung aufgebaut und der AVR450 überzeugt uns durch die präzise Ansteuerung des aktiven Subwoofers. Der auf die Front LS geleitete Bass kommt überdies kraftvoll zur Geltung (große Frontlautsprecher). Der Arcam baut den Spannungsbogen gekonnt auf. Als dann der Zuhörer plötzlich mitten in der wilden Verfolgungsjagd ist – 007 wird in seinem Aston Martin DBS von Killern in Alfa Romeo 159 gejagt – stellt der AVR450 diesen Dynamiksprung gekonnt und lebendig dar. Enorm schnell steht die gesamte Leistung seiner Siebenkanal-Endstufe bereit. 90 Watt pro Kanal klingt nach nicht viel, da Arcam aber diese Leistung bei VOLLER KANALBELEGUNG garantiert, während andere Hersteller für 180 oder mehr Watt pro Kanal lediglich einen Kanal bei 1 kHz aussteuern, kann man diesen Wert als außerordentlich üppig bezeichnen. 7 x 90 Watt ergeben in der Summe satte 630 Watt (!) – damit kann man problemlos auch den 40 Quadratmeter-Hörraum unter Druck setzen.  Im Stereobetrieb sind es Übrigens 110 Watt pro Kanal.

Verwunderlich ist es nicht, dass der AVR450 zu Höchstleistungen aufläuft – betrachten wir seinen inneren Aufbau:

Leistungsmerkmale, die klar der Oberklasse zugehörig sind: AVR450 mit Ringkerntrafo und schwarz eloxiertem Alu-Kühlkörper

Ringkerntrafo

Wir wenden uns in einem kurzen Exkurs dem Innenleben des AVR450 zu und nehmen permanent Bezug zum laufenden 007-Film. Warum schafft es der Arcam, während der gesamten Laufzeit beim Hören mit extrem hohem Pegel nicht einzubrechen? Andere AVRs geben hohe Pegel auch souverän wieder, nach 1,5 bis 2 Stunden können nach wie vor große Lautstärken auch im 30 Quadratmeter-Hörraum gefahren werden, aber kleinere dynamische Einbußen und ein Nachlassen der Präzision – salopp der „Straffheit“ des Klangs – sind doch zu verzeichen. Wieso? Ganz einfach, weil es der eingebaute Trafo nicht schafft, ununterbrochen eine extrem stabile Stromlieferfähigkeit bei den hohen Pegeln zu garantieren, es kommt zu Schwankungen und kleinen Einbrüchen. Da der AVR450 über einen teuren, überdimensionierten Ringkerntrafo verfügt, ist dieses Problem schlichtweg durch die Dimensionierung und die Qualität des Bauteils aus der Welt geschafft.

Doch es geht weiter: Angenommen, man hört bei einem hohen Pegel einem Film zu und stellt fest, dass der Trafo souverän Strom liefert. Dann aber ertönt urplötzlich eine gigantische Explosion, die eine hoch liegende Dynamik freisetzt – und irgendwie hört sich diese Explosion wie ein „laues Lüftchen“ an und kann sich nicht richtig vom Grundpegel abheben. Fazit: Eine unrealistische Darstellung. Das kann mit dem Arcam AVR450 nicht passieren. Bei enorm hoch liegendem Grundpegel kommt z.B. die Sequenz, als einer der beiden Alfa Romeo der Gangster gegen einen entgegen kommenden LKW kracht, hervorragend heraus, mit Nachdruck und hoher Gesamtdynamik. Dies liegt daran, dass Arcam zusätzlich enorm leistungsfähige Elektrolyt-Kondensatoren, kurz ELKOs, eingebaut. Diese ELKOS sind Kurzzeit-Speicher für plötzlich auftretende Peaks, um die Stromlieferfähigkeit während dieser Sekunden des großen Effekts zu garantieren, saugt, der AVR-450 diese großzügig bemessenen Kurzzeitspeicher leer. Nachdem sich alles wieder „normalisiert“ hat, laden sich die ELKOs wieder auf, um dann bei neuen Groß-Effekten Gewehr bei Fuß zu stehen.

Effektives Temperaturmanagement: Schwarzer Alu-Kühlkörper, zwei leise laufende Hochleistungslüfter

Genauer Blick auf die beiden Lüfter

Wir hören mit hohem Pegel der englischen DTS-HD Master Audio-Tonspur des Films zu und wundern uns: Der AVR450 ist mit analogen Endstufen ausgestattet, wird aber keinesfalls über Gebühr heiß. Diese setzen im Vergleich zu ihren digitalen Pendants während des Verstärkungsprozesses ein hohes Maß an Verlustwärme frei. Trotzdem vertraut Arcam aufgrund der klanglichen Authentizität auf analoge Endstufen und nicht auf digitale – und verbaut eine Mischung aus aktiver und passiver Kühlung. Die aktive besteht aus zwei gleichmäßig und leise laufenden Lüftern, die sich nur bei wirklich massiver Dauerbelastung kurz zuschalten. Für die passive Kühlung ist ein schwarz eloxierter Aluminiumkühlkörper zuständig – die effektivste Form der Wärmeableitung, aber auch die teuerste. Oftmals kommen deutlich billigere Kühlkörper aus Blech zum Einsatz, deren Wärmeleitfähigkeit deutlich geringer ausfällt. Demnach bleibt die passive Kühlung bei weitem nicht so lange stabil und die aktive Kühlung, sprich der/die Lüfter, springt früher an.

Übersichtliches Platinenlayout

Sorgfältiger Aufbau

Insgesamt stellen ein sorgfältiger innerer Aufbau und hohe Baugruppenqualität sicher, dass sich der AVR-450 zu klanglichen Höchstleistungen aufschwingen kann. Beim 007-Film beweist dies auch die Verfolgung des flüchtenden Leibwächters durch 007. In Siena findet gerade ein Pferderenn-Spektakel statt, als die erbitterte Verfolgungsjagd stattfindet. Die Begeisterungsrufe der Menge, das Galoppieren der Pferde und der Music Score werden vom AVR450 ausgezeichnet wiedergegeben. Das Duell auf dem Kirchturm zeigt auch die akustische Extraklasse auf. Das kraftvoll-präzise Läuten der Glocken, aber auch der harte Fall der beiden Männer auf Teile des Baugerüsts kommen mit enorm akkurater Struktur heraus.

Szenenwechsel, nun geht es ruhiger zu – in London regnet es heftig. Das Trommeln der Wassertropfen auf dem Asphalt der Straße, und die Stimmen im Appartement des Leibwächters arbeitet der Arcam enorm präzise heraus. In Ms Stimme schwingen Verbitterung, Enttäuschung Fassungslosigkeit über das Vorgefallene mit – diese speziellen vokalen Charakteristika gibt der AVR450 überragend wieder.

Kann uns der AVR450 auch bei Andrea Bocellis BD „Vivere – Live in Tuscany“ (PCM 5.1) überzeugen? Wir starten umgehend durch und hören uns „Romanza“ an. Klar, angenehm, facettenreich – die Wiedergabe der Harfe gelingt auf ganzer Linie. Und erst Andreas Stimme: Emotional, mit feiner Kontur, charismatisch – der AVR450 zieht alle Register seines Könnens und bringt jedes Instrument exzellent zur Geltung, ohne gleichzeitig die Fokussierung auf die Stimme Bocellis zu vergessen. Schön samtig stellt er auch die Streicher dar. Die Stimme Andreas bleibt auch bei hohem Pegel stabil und der Hörer kann noch den vollen Facettenreichtum genießen. Räumlichkeit und Luftigkeit im Hochtonbereich begeistern ebenso wie die sehr gut austarierte Front-Surround-Balance. Kleine Zwischentöne sammelt der AVR450 sorgfältig auf und arbeitet sie impulstreu ein. Praktisch jeder Musiker ist innerhalb des Orchesteraufbaus zu orten.

Was kann der Arcam mit elektronischer Musik von Paul Kalkbrenner anfangen? Als Beispiel nahmen wir „Wait For Me“, der Song wurde bei einem Auftritt Kalkbrenners in Paris aufgezeichnet und liegt auf der entsprechenden BD in DTS-HD Master Audio vor. Lebendig und schwungvoll werden die elektronischen Effekte in den Hörraum getragen, unterstützt von einer gelungenen Loslösung des Klangs von den Lautsprechern. Die Zusammenarbeit des Arcam mit unserem Quadral Chromium Style-Ensemble stellt sich als sehr Gewinn bringend heraus: Schnell, authentisch, kraftvoll – die Wiedergabe begeistert nicht nur Fans der elektronischen Music des Berliner Star-DJs. Der jederzeit klar nachvollziehbare Aufbau der Effekte hat uns besonders gut gefallen. Die Gleichmäßigkeit der Ausbreitung jedes Effektes ebenfalls. Kleine dynamische Differenzen werden präzise erkannt und impulstreu umgesetzt.

Bei der Stereowiedergabe setzt Arcam traditionell Maßstäbe – auch der AVR450? Wir haben die 102 kHz/24-Bit Stereo PCM Tonspur vom ersten Allegro aus Wolfgang Amadeus Mozarts Violinenkonzert Nr.4, KV 218, angehört. Dieser Satz ist auf einer 2L Klassik-Sampler-Blu-ray-Audio abgelegt. Und der AVR450 setzt die Tradition des Hauses Arcam erfolgreich fort: Lebendig, exakt auf den Punkt treffend und mit überragender Durchhörbarkeit setzt er zum Siegeszug in seiner Preisklasse an. Schade, dass keine HiRes-Dateien (FLAC, WAV) mit einer Auflösung oberhalb der 48 kHz/24-Bit akzeptiert werden – das ist ein wichtiges Feature, das Arcam schnellstens für AVR450 und auch für den AVR750 nachreichen sollte. Bei der BD Audio beeindrucken auch Detaillierungsvermögen und Loslösung des Klangs vom Lautsprecher. Beim 48 kHz/24-Bit HiRes-Track „Fragments Of Time“ von Daft Punkt beeindruckt uns der AVR450 aufs Neue: Klar, lebendig und angenehm aufspielend, verkörpert er eigentlich schon klassische Tugenden von reinrassigen Stereoverstärkern der gehobenen Mittelklasse. Bedenkt man, dass man sich, schafft man sich den AVR450 an, einen zusätzlichen Stereoverstärker locker sparen kann, relativiert sich der Kaufpreis weiter.

Video

Wir gehen das Thema  Upscaling/De-Interlacing klassisch an und checken, in welcher Güte der Arcam SD 576i DVD Filmmaterial, genauer gesagt die Eröffnungssequenz aus Star Wars Episode III, auf FullHD hochrechnet.

Der Vollständigkeit halber sei noch hinzu gefügt, dass der Arcam einen Video-EQ, Eingangs-selektiv, mitbringt, mit dem  man Helligkeit, Kontrast, Farbe, einen Kantenverbesserer und eine MPEG-Rauschreduktion einstellen kann. Zudem ist ein Film Mode verfügbar (Modi Off oder Auto).

Beginnen wir nun mit der gelben Laufschrift zu Beginn des Films. Hier kann der AVR450 nicht ganz mit der Leistung des AVR750 mithalten. Die Lettern zittern sichtbar, und es ist Flimmern in den Satzzeilen sichtbar. Auch das Gelb ist nicht perfekt getroffen. Als der Sternzerstörer durchs Bild gleitet, braucht der De-Interlacer gut 2 Sekunden, um einzurasten, das geht auch schneller. Und selbst, als dann das Bild recht ruhig ist, sieht man oben an der Kommandobrücke leichte Bildunruhen. Prima trifft der AVR450 die Hauttöne der Gesichter von Obi Wan und Anakin. Auch die Detaillierung der Raumschiffe und Raumstationen innerhalb der Raumschlacht erweist sich aus gelungen. Die Explosionen wirken farblich facettenreich. Die Plastizität ist überzeugend.

Wie sieht es bei Videomaterial aus? Wirklich glorreiche Taten bleiben auch hier aus. Bei den bewegten Testbildern von der AVEC Professional test DVD blamiert sich der AVR450 zwar nicht, die Ergebnisse reichen aber für eine euphorische Beurteilung auch nicht aus. Die Laufschriften in verschiedenen Geschwindigkeiten zeigen sichtbares Zittern – der Film-Modus zwar zuvor selbstverständlich von uns deaktiviert worden, um bei Videomaterial bestmögliche Qualität zu offerieren. Der große magentafarbene Siemensstern in der Bildschirmmitte und die vier kleinen Siemenssterne in den Bildschirmecken laufen immerhin recht gleichmäßig, Artfakte sind zwar sichtbar, halten sich aber im kleinen Rahmen. Das Pendel mit rot-blauem Innenleben, das in verschiedenen Geschwindigkeiten über eine stehende schwarze Linie gleitet, zeigt Nachzieher, das Innenleben ist aber auch bei höheren Pendelgeschwindigkeiten gut zu erkennen. Das Realtestbild von Esslingen ist recht scharf und farblich gelungen, in den Ziegeln der Hausdächer ist aber Flimmern zu erkennen. Die Kamerafahren zeigen wenig Ruckeln.

Konkurrenzvergleich

Wo steht der Arcam im Vergleich mit der Konkurrenz? Der Onkyo TX-NR5010 ist zwar laut Listenpreis teurer, auf dem freien Markt aber günstiger zu finden. Akustisch sehen wir den Arcam vorn: Mehr Klang-Kultur, noch bessere akustische Gesamt-Balance und noch besserer Stereoklang.  Das Innenleben des AVR450 wirkt überdies im Detail noch hochwertiger. Der Onkyo aber kontert:  Die Menüs sind besser, die netzwerkbasierten Funktionen reichhaltiger und die Video-Sektion weist eine deutlich bessere Performance auf.  Somit ist es letzten Endes eine Frage der Präferenzen, ob es der Onkyo oder der Arcam sein soll.

Der Denon AVR-4520 ist preisgünstiger und beeindruckt ebenfalls mit harmonischem Klang, ausgeprägter Räumlichkeit und tadelloser Detaillierung. Insgesamt aber wirkt der AVR450 auch hier noch geschliffener, reifer und souveräner. Auch der Innenaufbau ist hochwertiger. Der Denon setzt neben dem niedrigeren Preis auch die bessere Multimediaausstattung und die leistungsfähigere Videosektion entgegen.

Der Arcam AVR750 ist das deutlich kostspieligere Topmodell von Arcam. Noch mehr Pegelfestigkeit und Gesamt-Souveränität sind Vorzüge, die sich besonders bei der Kombination aus teuren Lautsprechersystemen und großen Hörräumen oberhalb der 40 Quadratmeter nutzen lassen. Die Videosektion ist leistungsfähiger. Für den günstigeren Preis aber kommt der AVR450 dem AVR750 aus akustischer Sicht bedrohlich nahe.

Fazit

Der Arcam AVR450 liefert aus akustischer Sicht eine Spitzenleistung ab: Ganz gleich, ob Grob- oder Feindynamik, Lebendigkeit, Homogenität, akustische Gesamtharmonie, Räumlichkeit, Loslösung des Klangs vom Lautsprecher oder Pegelfestigkeit, überall setzt er Bestmarken. Hinzu kommt, dass er nicht nur für Musik und Filmton in Mehrkanal, sondern auch für die geschliffen-kultivierte Musikpräsentation in Stereo genau der richtige Partner ist. Anwender, deren Fokus klar auf der akustischen Leistungsfähigkeit liegt, brauchen nicht weiterlesen, sondern können bedenkenlos zum AVR450 greifen. Wer einen AV-Receiver mit exzellenten Netzwerk- und Video Processing-Qualitäten sucht, sollte hingegen doch weiter dieses Fazit verfolgen. Die beschränkte HiRes-Dateiwiedergabe und die im Vergleich zu anderen AVRs dieser Preisklasse spärliche Netzwerk-/Musikdienst-Ausstattung zeigen Schwächen des AVR450 auf. Auch die gesamte Videosektion kann mit den superben akustischen Qualitäte nicht Schritt halten.  Verarbeitung innen und außen hingegen dokumentieren geschlossen die hohe Kunst des AV-Receiverbaus, und auch die mitgelieferte Fernbedienung ist ein echtes Highlight: Voll beleuchtet und sehr gut in der Hand liegend, ist sie besser als das, was ein Großteil der Konkurrenz auf diesem Gebiet bereithält.

Der Arcam AVR450 präsentiert sich als exzellent klingender, erstklassig verarbeiteter AV-Receiver
AV-Receiver Oberklasse
Test 25. Oktober 2013

 

+ Extrem angenehmer, souveräner Klang
+ Grob- und Feindynamik exzellent
+ Pegelfestigkeit
+ Erstklassiger Klang in  Multichannel und Stereo
+ Hochwertiger innerer Aufbau
+ Hervorragende Fernbedienung

– Videosektion nur durchschnittlich
– Ausstattung mit Multimedia-Features nur durchschnittlich

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 25. Oktober 2013




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