TEST: Aktiver TV-Lautsprecher Quadral Magique

Mit Spannung haben wir die Überprüfung der klanglichen Leistungsfähigkeit des Magique Aktiv-TV-Lautsprechers, für 599 EUR neu im Programm von Quadral, erwartet. Vom Aufbau her unterscheidet er sich grundsätzlich von anderen Soundbars. Diese weisen eine sehr geringe Gehäusetiefe auf und sind dafür deutlich länger. Sie dienen nicht, wie Magique, als „Unterbau“, auf den man den TV stellen kann, sondern werden im Idealfall an der Wand unter dem TV, der dann ebenfalls an der Wand befestigt ist, ihren Bestimmungsort finden. Praktisch ist Quadrals aktiver TV-Lautsprecher also auf jeden Fall, denn er wird einfach unter den TV geschoben. Mit 60 cm Länge, 10,4 cm Höhe und 36,3 cm Tiefe werden die Abmessungen angegeben.

Anschlüsse

Fernbedienung im Scheckkartenformat

Nun aber stellt sich die Frage, ob sich die Mühe lohnt – anders ausgedrückt: Stimmen die klanglichen Ergebnisse? Wir haben extra ausführlich hingehört und waren sehr angetan. So zum Beispiel bei „Romanza“ und „A Te“ (BD „Vivere“ von Andrea Bocelli). Bevor wir allerdings nun genau die Klangeindrücke schildern, gibt es, urbayerisch ausgedrückt, ersteinmal eine „Watschn“ für Quadral: Kein HDMI, keine Decoder für Dolby Digital und/oder DTS – das heißt im Klartext, man nimmt den analogen Eingang oder aber den optischen beziehungsweise koaxialen Digitaleingang. Im Setup des zuspielenden BD-Players muss dann sichergestellt werden, dass zum einen Ton über den konventionellen Digitalausgang ausgegeben werden kann, zum anderen muss die Art der Tonsignale auf „PCM“ umgestellt werden. Nicht sehr elegant.

Die akustische Performance des mit 4 x 20 Watt Nenn- bzw. 4 x 25 Watt Musikleistung ausgestatteten aktiven TV-Lautsprechers entschädigt aber dafür. Bei „Romanza“ aktivieren wir den virtuellen Surroundmodus und lauschen gespannt: Stimmpräsenz, Trennung der Instrumente und der vokalen Anteile voneinander sowie Räumlichkeit im Gesamten sind als ausgezeichnet zu bewerten. Magique tritt gekonnt als vollwertiger Lautsprecher und nicht als billige Behelfslösung auf. Selbst im Bassbereich sind wir erstaunt: Klarer Bass anstatt halbe Sachen. Die Zauberkunst, die uns Magique auftischt, goutiert sehr wohl

Das Saxophonsolo zu Beginn von „A Te“ überzeugt durch den frischen, freien  Hochtonbereich, der bei aktiviertem virtuellen Surround etwas provokanter auftritt. Im normalen Stereobetrieb wirkt er gefällig, aber leicht verhangen. Andreas Stimme wird auch bei diesem Stück wieder mit klar erkennbarem Bühnencharakter abgebildet, und man kann die Wirkung als durchaus charismatisch umschreiben.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Natürlich ersetzt auch Magique weder ein Paar hochwertige Stereolautsprecher noch ein Mehrkanal-Surroundlautsprechersystem. Solche Dinge werden zwar – wenn auch nicht bei Quadral – von vielen Herstellern gern vollmundig verkündet, treffen aber die akustische Praxis nicht. Vielmehr sind die Soundbars eine deutlich leistungsfähigere Alternative zu den schlappen Breitbandsystemen vieler Flachbildschirme. Und eine besonders lebendig und gelungen aufspielende Variante findet sich in Form des Magique TV-Aktivlautsprechers.

Bestückung

2 x 150 mm Tieftöner auf der Unterseite

Tieftöner im Detail

Die Bestückung erscheint uns gelungen. Die beiden 19 mm Hochtöner mit Seidenkalotte machen selbst bei der hochqualitativen 2L Aufnahme von Wolfgang Amadeus Mozarts Violinenkonzert in D-Dur eine gute Figur. Besonders, wenn der virtuelle Surroundmodus aktiviert ist, können sie zeigen, wie frisch sie aufspielen können. Dass es gleich vier 65 mm Mitteltöner gibt, ist gut – denn so wird eine durchaus exakte, sauber getroffene vokale Wiedergabe ermöglicht. Die beiden 150 mm Tieftöner letzten Endes schaffen ordentlich Nachdruck im tiefffrequenten Bereich. Sicherlich können sie in Verbindung mit dem doch nicht überbordenden Gehäusevolumen keinen aktiven Subwoofer als Zusatzkomponente ersetzen, aber das, was im Bassbereich geboten wird, kann man durchaus als tadellos bezeichnen.  Der Frequenzgang wird von Quadral mit 55 Hz bis 25 kHz angegeben, also kann man auch aus dieser Perspektive „Magique“ als durchaus vollwertig bezeichnen.

Sauberes Finish, dicke Alufrontblende

Designtechnisch schicke Standfüße

Rückseite

Was das Design angeht, so wagt Quadral keine Experimente, Magique soll einer breiten Zielgruppe ge- und im Wohnzimmer nicht unnötig auf-fallen. Die Material- und Verarbeitungsgüte hat uns im Wesentlichen sehr gut gefallen. Die dicke Alufrontplatte ist sorgfältig verschraubt, die Chassis befinden sich dahinter und sind nicht sichtbar mit Schrauben o.ä. befestigt. Das sorgfältig bezogene Stoffgitter des 599 EUR kostenden Produkts ist erfreulicherweise magnetisch befestigt. Schicke Füße, die das Design von Magique gekonnt aufnehmen, sind unter dem aktiven TV-Lautsprecher. Im Gegensatz zu vielen Soundbars markiert Magique durch und durch soliden Lautsprecherbau und möchte sich nicht als labiles Kunststoff-Konstrukt unter den TV mogeln.

Aktiv ist er auch durchaus, wenn es um die Darstellung der Songs „Tequila Sunrise“ und „Love Will Keep Us Alive“ der Eagles geht. Die Stimmen der in den Songs unterschiedlichen Hauptsänger kommen überraschend sensibel heraus. Unschöne akustische Begleiterscheinungen leistet sich Magique nicht. Die Herausarbeitung der einzelnen Instrumente gelingt gut. Auch bei hohen Pegeln gibt es kaum Verzerrungen. Das ist auch Verdienst des eingebauten Soft Limiters, der für ein „sanftes“ Anklopfen am Maximalpegel sorgt.

Nicht ganz so euphorisch sind wir, wenn es darum geht, die mitgelieferte, ultrakompakte Fernbedienung im Scheckkartenformat einzusetzen. Arbeitswinkel und Reichweite sind noch befriedigend, das gute Stück wirkt aber recht billig und ist einfallslos gestaltet. Zu diesem Minuspunkt gesellt sich die ebenfalls eher unerfreuliche Tatsache, dass Magique kein Display aufweist.

Also lieber wieder genau hingehört – diesmal bei Filmton, genauer gesagt beim aktuellen 007-Film „Skyfall“. Und hier glänzen unsere Augen dann wieder, denn die Eröffnungssequenz in Istanbul holt erneut viele Talente von Magique hervor. Kleine Effekte, als James Bond gleich zu Beginn die Wohnung mit den getöteten/verwundete MI6-Agenten betritt, werden ebenso berücksichtigt wie große Effekte, als der flüchtende Killer Patrice den schwarzen Audi A5 Sportback nach Rempler aufs Dach legt. Das Auto stellt sich aber wieder auf, und so kann der kaltblütige Ganove gleich hinausspringen und das Feuer mit seiner kompakten MP eröffnen. Die Schüsse haben Durchschlagskraft, und der Music Score wird gut eingearbeitet. Kleine dynamische Unterschiede bereiten Soundbars oft Probleme. Hat man dies im Hinterkopf, kann man mit dem, was Quadrals aktiver TV-Lautsprecher leistet, sehr zufrieden sein.

Auch das Anlassen des schweren Caterpillar-Baggers auf dem Zugwaggon wird sauber getroffen. Als 007 Teile des Zugs nachhaltig demoliert, um Patrice nachzusetzen, werden auch diese Action-Sequenzen mit Nachdruck und überraschend guter Pegelfestigkeit umgesetzt. Auch, als darauf das Titellied von Adele ertönt, schlägt sich „Magique“ sehr gut.

Im weiteren Verlauf des Filmes verschlägt es 007 auch nach Shanghai. Hier hat Patrice seinen nächsten Auftrag, und der britische Doppelnullagent setzt  ihm nach. In einem noch nicht vollständig bezogenen Skyscraper kommt es dann zur kurzen, aber heftigen Auseinandersetzung, die mit sehr guter Räumlichkeit präsentiert wird. Auch der Spannungsbogen, bis 007 und Patrice aufeinander treffen, wird akkurat dargestellt. Getragen vom Music Score und durch kleine Effekte, zeigt uns Magique hier, dass auch Feinarbeit auf dem Missions-Protokoll auftaucht.

Bei „Avengers“ kommt man mit Feinarbeit allerdings nur bedingt weit. Gerade bei der finalen Schlacht mit dem widerspenstigen außerirdischen Gegner treten massive, nachdrückliche Effekte beinahe im Sekundentakt auf. Neben der wiederum überzeugenden Pegelfestigkeit punktet auch die Räumlichkeit. Innerhalb des erstaunlich weiten virtuellen Raums kann man die angreifenden extraterrestrischen Fluggeräte exakt orten – also wird nicht einfach nur viel Räumlichkeit geboten, sondern sogar die Möglichkeit, Effekte in diesem virtuellen Raum tadellos orten zu können.

Der Music Score ist auch hier lebendig eingearbeitet, das Ergebnis findet unsere volle Zustimmung. Die Stimmwiedergabe kann auch gefallen. Stimmen sind gut verständlich, werden aber nicht „künstlich“ zu weit vorn fokussiert. Die Einarbeitung ins tonale Gesamtgefüge gelingt stets überzeugend. Der Hochtonbereich wirkt recht frei und luftig, was den Eindruck einer weitläufigen Gesamtwiedergabe nachhaltig fördert.

Einfach funktioniert auch die Herstellung einer Bluetooth-Verbindung mit unserem iPhone 5 – sofort wird Magique vom Smartphone erkannt, und der Spaß kann losgehen. In unseren Testreihen funktionierte die BT-Signalübertragung reibungslos, aus akustischer Sicht war der Klang nicht ganz so lebendig wie bei der Darstellung von BDs (Panasonic DMP-BDT310 über optisches Oehlbach Digitalkabel angeschlossen), insgesamt konnte man aber auch hier mit der Klangqualität noch recht zufrieden sein.

Wie schlägt sich Magique im Vergleich mit der Konkurrenz? Schauen wir uns zunächst die Klipsch HD Theater 3 an. Laut Listenpreis 100 EUR teurer, bekommt man hier einen leistungsfähigen drahtlosen aktiven Subwoofer dazu, der allerdings auch erstmal einen Platz braucht. Die Soundbar ist im Design recht unauffällig, und beherrscht ebenfalls, wie die Magique, nur PCM. Bluetooth ist bei der Klipsch-Soundbar nicht integriert. Akustisch punktet die Klipsch-Lösung mit guter Räumlichkeit und erwartungsgemäß kraftvollem Bass. Detailfreude, Hochtonbereich und akustische Gesamtharmonie sind bei der Magique besser.

Vom Samsung kommt ebenfalls ein gewichter Vorschlag. Er hört auf den Namen AirTrack HW-F550 und kommt auf einen fairen Preis von 499 EUR. Dafür gibt es eine sehr flache, gut verarbeitete Soundbar mit geringer Bautiefe und ordentlichem drahtlosem Subwoofer. Samsung TVs können mittels SoundShare kabellos über BT eingebunden werden. Automatisch wird dann bei Betrieb des TVs der Klang von der Soundbar übernommen.  Für die Samsung Soundbar sprechen auch das Gerätedisplay und die gar nicht mal schlechten DSP-Programme. Die klangliche Ausgewogenheit von Magique wird aber nicht ganz erreicht. Bei hohem Pegel gibt es einen leicht blechernen Einschlag, der ab und zu stört. Ein solcher ist dem Quadral-Produkt Fremd. Auch spricht die Soundbar auf mit der Samsung-Fernbedienung gegebene Befehle manchmal sehr verzögert an.

Harter Konkurrent für Magique, aber auch für die beiden anderen Vertreter ist die JBL Cinema SB400 für 549 EUR UVP. HDMI-beschaltet, sogar mit kleinem OSD, mit Bluetooth, extrem pegelfest und dynamisch – an der SB400 kommt man derzeit kaum vorbei, möchte man eine klangstarke, sauber verarbeitete, schicke und preislich fair kalkulierte Soundbar. Aber  – der optisch gefällige aktive Subwoofer braucht Platz. Platz, den nicht jeder hat. Wer besten Sound aus nur einer Komponente haben möchte, wählt Magique – und wird nicht enttäuscht sein.

Daher ist auch unser Fazit positiv. Quadral ist insgesamt ein sehr guter Wurf gelungen. Keine HDMI-Beschaltung und nur PCM-Tonsignalübertragung, das waren die beiden Nachteile. Sonst präsentiert sich Magique als schick-unauffällige, sauber verarbeitete Soundbar, die aus akustischer Sicht mit ausgezeichneten Ergebnissen für sich einnimmt. Praktisch ist sie auch, denn man kann problemlos den Flachbildschirm auf ihr abstellen. Zudem ist alles in einer Komponente komprimiert untergebracht, und man benötigt keinen zusätzlichen externen Aktivsubwoofer. Trotzdem sind die Ergebnisse im Bassbereich ausgesprochen gut.

Praktische, sauber verarbeitete und außergewöhnlich gut klingende Alternative auf dem Soundbar-Markt

Soundbars Mittelklasse
Test 03. September 2013

+ Sehr angenehmer, räumlicher Klang
+ Erstaunlich pegelfest
+ Tadellose Hochtonwiedergabe
+ Wirkungsvoller virtueller Surroundmodus
+ Flachbildschirm kann praktisch auf Magique gestellt werden
+ Kein separater aktiver Subwoofer erforderlich
+ Bluetooth

– Nur PCM wird akzeptiert
– Keine HDMI-Beschaltung

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 03. September 2013




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