XXL-TEST: Arcam AVR11 - der gelungene Einstieg in die Königsklasse der AV-Receiver?
Konkurrenzvergleich

Typisches Denon-Design
In unserem Test konnte sich der AVC-X6800H exzellent in Szene setzen. Denon hat bei der Entwicklung, insbesondere im Bereich der akustischen Leistungsfähigkeit, auch bei diesem Modell der angehenden Oberklasse enorm hohe Ansprüche gestellt. Im Mehrkanal-Betrieb, ganz gleich, ob Dolby Atmos oder Auro-3D, zieht der AV-Verstärker den Zuhörer in seinen Bann und begeistert mit einer knackig dynamischen, erstaunlich präzisen und enorm immersiven Kulisse mit toller atmosphärischer Dichte. Auch Audyssey verrichtet in 2024 noch gute (wenn auch keine überdurchschnittlichen) Dienste, wenngleich uns die Denon-Komponente im akustisch optimierten Raum ohne EQ-Raumkorrektur am besten gefallen hat.

Rückseite
Zusätzlich hat man außerdem die Option, eine kostenpflichtige Dirac-Lizenz zu erwerben und zusammen mit einem entsprechend kalibrierten Mikrofon aufs moderne Einmesssystem zu setzen. Selbst im akustisch optimierten Raum lassen sich mit Dirac noch Vorteile erzielen. Insbesondere dann, wenn man eine äußerst präzise Abbildung und direktionale Nachverfolgbarkeit der Effekte priorisiert. Auch im Bassbereich lassen sich hier problematische Moden noch abmildern für einen sehr trockenen, aber auch sehr nachdrücklichen und schlagkräftigen Tiefton.

Fernbedienung
Unabhängig von Dirac bietet Denon hier auch interessante Optionen, wie z.B. eine "gerichtete" Basswiedergabe der Subwoofer bei mehreren Subs. Hier ist immer der Subwoofer aktiv, der dem Lautsprecher, welchem das Signal zugespielt wird, am nähsten ist. Was kann der AVR11 hier entgegen setzen? Er hat vier Endstufen weniger, kostet das Gleiche und der AVC-X6800H klingt richtig gut. Ganz einfach: Der Arcam zieht akustisch einfach alle denkbaren Register. Noch homogener. Noch unmittelbarer. Nie schrill. Nie überfordert. Immer souverän. Das, was wir schon am großen AVR31 schätzen, kann auch der kleinere AVR11 schon extrem gut. Weiterhin ist Dirac Live serienmäßig dabei, die Fernbedienung ist in jeder Hinsicht besser und die Flexibilität sowie Modernität hinsichtlich der Streamingfunktionen ist beim Arcam ebenfalls ausgeprägter. Hinzu kommen ein DAB- und ein FM-Tuner.

Einrichtungsassistent
Der Denon schlägt zurück mit dem deutlich besseren Bedienkonzept inklusive OSDs in HD-Qualität und mit dem genialen Assistenten für die grafisch reich bebilderte, mittels Hlfetexten verständliche erste Einrichtung. Optisch strahlt der AVC-X6800H mit seinem traditionellen und mit dem seit Jahren verwendeten Punktmatrix-Display Solidität aus, ist aber eher auf Funktion als auf optischen Chic ausgelegt. Der Arcam ist hier auch kein Musterbeispiel, er wirkt nicht allzu edel für den doch beträchtlichen Kaufpreis. Insgesamt sind der Arcam AVR11 und der Denon AVC-X6800H zwei hochklassige Boliden - welchen man nimmt, entscheiden die eigenen Prioritäten.

RX-A6A
Yamaha RX-A6A (knapp 2.400 EUR): Der mit neun Endstufenzügen ausgestattete Yamaha bietet mächtiges Potential, das seine hoch talentierte DSP-Sektion gelungen verfeinern kann. Die Surround:AI-Funktion, mit der der RX-A6A mittels Künstlicher Intelligenz die am besten zum aktuell laufenden akustischen Content passende DSP-Bearbeitung auswählt, funktioniert prima. Akustisch ist er auch "pur", das heißt ohne DSPs, eine Bank und überzeugt mit einem sehr immersiven Höreindruck, der von sensationeller Auflösung und Präzision geprägt ist. Der Yamaha bietet in der puren Auslegung einen sehr natürlichen Klang, ohne dass irgendein Teil des Frequenzspektrums über- oder unterrepräsentiert wäre.

Rückseite
Die YPAO-Einmessung liefert in unserer akustisch nicht optimierten Wohnzimmerumgebung klare Vorteile in der Praxis und bietet auch in den tiefsten Frequenzregionen eine überragende Unterstützung. Hier ist YPAO fast auf Dirac-Level, kontert aber mit einfacherer Bedienung, und das im AVC-X6800H serienmäßig verbaute Audyssey MultEQ XT32 kann YPAO bei der Effizienz der Einmessung hinter sich lassen.

Fernbedienung
Auch äußerlich haben wir bezüglich der Verarbeitungsqualität nicht viel zu meckern, auch wenn wir dem RX-A6A zu diesem Preis einen Gehäusedeckel aus Metall spendiert hätten - das ist bei einem solchen Kaufpreis ein Muss.

Surround:AI

OSD
Prima gefällt uns die Yamaha-Fernbedienung, wenngleich, dank der kompletten Beleuchtung, der Befehlsgeber des AVR11 noch mehr Zustimmung in der Redaktion ergattern kann. Insgesamt ist der RX-A8A, der neben Dolby Atmos und DTS:X ebenfalls Auro-3D decodiert, ein extrem flexibler AV-Receiver, der mit seinem DAB/FM-Tuner weitere Einsatzmöglichkeiten offeriert und zudem mit seiner mächtigen DSP-Sektion viel Raum für Anpassungsmöglichkeiten lässt. Das eingebaute MusicCast Streaming-Modul ist, ähnlich wie HEOS beim Denon, nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit.
Fazit

Der Arcam AVR11 erscheint auf den ersten Blick verglichen mit verschiedenen Kontrahenten kostspielig. Über 2.500 EUR, aber "nur" sieben Endstufen, kann eine solche Rechnung aufgehen, wenn ich für weniger Geld bereits neun Endstufen und für circa identische Beträge sogar schon elf Endstufen bekomme? Wir können versichern: Ja, diese Rechnung geht auf.
Denn das, was der AVR11 an purer akustischer Performance bereithält, ist hervorragend. Antrittsschnelligkeit, Geschmeidigkeit und Pegelfestigkeit der Endstufen-Einheit sind als exzellent einzustufen. Das Temperaturmanagemt funktioniert ebenfalls, der Arcam AV-Receiver, der nicht nur einen klassischen FM-, sondern auch einen modernen DAB/DAB+ Tuner besitzt, wird nicht zu heiß und kann daher auch beim Einsatz über längere Zeit mit hohem Pegel überzeugen.
Sehr gut gefallen uns auch die Anschlussbestückung, die sehr gut verarbeitete, komplett beleuchtete Fernbedienung, das effektiv einmessende Dirac Live und die umfangreich ausgestattete Netzwerk- und Streaming-Sektion. Dank der Kompatibilität zu Apple AirPlay 2, Google Chromecast, TIDAL und Spotify Connect, sowie zu Roon (Roon ready) werden hier hohe Ansprüche, Streaming und Multiroom betreffend, erfüllt. Der AVR11 ist gut verarbeitet, im Detail allerdings geht hier noch mehr. Das betrifft z.B. die Materialanmutung der Frontblende oder das Innenleben.
Bei Letzterem würden wir gern getrennte Kammern z.B. für die Vor- und Endstufensektion sowie fürs Netzteil sehen. Die Handhabung gelingt nach etwas Eingewöhnung gut, die bereits erwähnte Fernbedienung ist eine exzellente Hilfe. Dass es kein richtiges OSD gibt und dass das Geräte-Display, das zur Anzeige bei der Bedienung sämtlicher Funktionen ausgelegt ist, auf eine Touch-Funktion verzeichnet, sind kleine Einschränkungen, mit denen man unserer Meinung nach aber leben kann.
Akustisch kompromisslos überzeugender AV-Receiver mit üppig ausgestatteter Streaming-Sektion

AV-Receiver Oberklasse
Test 29. Januar 2025
Test: Philipp Kind, Carsten Rampacher
Fotos: Philipp Kind
Datum: 29. Januar 2025
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Tags: Arcam • AV-Receiver







