XXL-TEST: Arcam AVR11 - der gelungene Einstieg in die Königsklasse der AV-Receiver?
Klang

Überzeugt der AVR11 akustisch?
Über 2.500 EUR sind schon eine Hausnummer, was die Preisgestaltung angeht. Der AVR11 fällt daher nicht unter die Rubrik "Sonderangebot", und er muss klanglich abliefern. Wir haben ihm keine Chance gegeben, sich langsam "einzuschwingen", sondern haben ihm gleich ordentlich eingeschenkt mit einigen Toteln von der Lichtmond-Blu-ray "Days Of Eternity". Die Tracks "Nightflight To Chronos" (Teil 1 und 2), "Feel The Spirit" sowie "Wheel Of Fortune" haben wir in Auro-3D gehört. Und der AVR11 beeindruckt sofort mit seiner Mischung aus enormer Kraft und akustischer Kultur. Jedes klangliche Element sitzt genau an der richtigen Stelle, und ganz gleich ob Sprache oder Gesang, alle vokalen Komponenten in den Titeln setzt der AVR11 exzellent um. Vor allem werden vokale Anteile immer nahtlos eingebunden, stehen daher weder zu weit im Vordergrund noch unpassend im Hintergrund. Der AVR11 ist mit seinen wirklich überragenden Kraftreserven in der Lage, auch bei hohem Grundpegel noch zuzulegen, wenn es in den jeweiligen Titeln zu weiteren Dynamiksprüngen kommt. Diese werden stets impulstreu und nachdrücklich übertragen. Die sehr solide Stromversorgung mit leistungsstarkem Haupttrafo und den Elektrolyt-Kondensatoren mit ordentlicher Kapazität für kurzzeitige Spitzen zahlen sich hier definitiv aus. Der AVR11 wird zudem auch bei deutlich gehobener Lautstärke nie unangenehm schrill oder metallisch, sondern offeriert grundsätzlich einen homogenen, sauberen Klang, der immer als angenehm, aber nie langweilig wahrgenommen wird, im Gegenteil: Das bewegte akustische Geschehen wird vom Arcam geschmeidig wiedergegeben. Auch im Tieftonbereich gelingt eine äußerst präzise und direkte Ansteuerung, die in Kombination mit der Dirac Live-Einmessung ebenso nachdrücklich und kraftvoll wie exakt auf den Punkt erfolgt.
Bei der Ultra HD Blu-ray von "Independence Day" (erster Teil), die in DTS:X vorliegt, muss sich der AVR11 jetzt beweisen. Und erneut kann er uns überzeugen - schon in der Anfangssequenz stellt er so viel Kraft in der Mond-Szene bereit, dass man ihm ohne Frage große Standlautsprecher mit entsprechenden Basschassis zumuten kann - die ohne zusätzlichen aktiven Subwoofer ihrer Arbeit nachgehen. Das ist zwar keine Ideallösung für den wahren Filmfan, denn ein zusätzlicher aktiver Bass bringt, sofern es sich um ein hochwertiges Exemplar handelt, stets Leben ins tieffrequente Geschehen (oder man nimmt gleich zwei aktive Subwoofer), aber der AVR11 beliefert potente Standboxen wirklich ausgezeichnet. Straff und voluminös zugleich tritt der Bassbereich an, und wenn man dann tatsächlich noch einen Subwoofer verwendet, so fällt positiv auf, wie sauber und linear der AVR11 ihn ansteuert. Die gebotene Räumlichkeit übertrifft unsere Erwartungen, denn der Arcam AV-Receiver schafft nicht nur ein offenes, weitläufiges Gefühl, sondern positioniert auch nahezu jede Einzelheit mit großer Treffsicherheit. Sogar in den Gefechtsszenen, als die Erdenbürger gegen die Übermacht der Aliens kämpfen, ordnet der AVR11 das Geschehen zügig und impulstreu und schafft eine wirklich großartige Kulisse. Und das, obwohl wir aufgrund der sieben Endstufen im Gerät, unser 7.1.6-System etwas künstlich eingrenzen mussten. Aber was der AVR11 hier aus 5.1.2 realisiert, ist mehr als beachtlich. Im oberen Bereich fehlt ein wenig die direktionale Nachverfolgbarkeit mit klarer Richtungsvorgabe, davon abgesehen aber versetzt einen der Arcam AVR mitten ins Spektakel und bietet auch in der Überkopf-Ebene hohe Glaubwürdigkeit und eine sehr weitläufige Kulisse.
Wie souverän und gelassen er das alles macht, verdient höchsten Respekt und beweist das Können der Arcam Ingenieure bei der tonalen Abstimmung. Dialogszenen - auch die gibt es in einem Action-SciFi-Movie - managt der Arcam ebenfalls hervorragend, indem er die vokalen Anteile nahtlos einfügt, zugleich aber den Stimmen das richtige Maß an Prägnanz und Charisma verleiht. Das Auflösungsvermögen ist über den gesamten Frequenzbereich sehr hoch, und die sehr präzise arbeitenden ESS DACs im Inneren tragen auch ihren Teil dazu bei. Stets schafft es der AV-Receiver, auch den Music Score mit der korrekten Ausprägung zu berücksichtigen - dieser hat auch zahlreiche kräftige Bass-Sequenzen und breitet sich mit viel Räumlichkeit aus.
Jetzt haben wir zwei in Stereo vorliegende Stücke mittels Auro-Matic aufpolieren lassen. Im einzelnen handelt es sich um "Resonance" (aus dem gleichnamigen Album von Boris Blank) und um dem "Imperial March" von John Williams (gespielt von den Wiener Philharmonikern). Wir kennen beide Titel sehr gut und wissen auch, wie diese in Dolby Atmos klingen. Nun also der andere Weg, um nachzuvollziehen, was Auro-Matic kann - und wir sind beeindruckt. Der Stereo-to-Surround-Aufpolierer eröffnet ein räumlich exakt gestaffeltes Panorama - in beiden Fällen - und setzt beim großen Orchester der Wiener Philharmoniker jedes Instrument an den richtigen Platz. Bei "Resonance" das Gleiche: Die vielen elektronischen Effekte wirken exakt und akkurat definiert. Nie stören wir uns an zuviel Hall, nie wirkt der Hochtonbereich bedeckt - im Gegenteil. Eine immer klare, immer nachvollziehbare und impulstreue Präsentation erfreut auch den anspruchsvollen Hörer. Alles wirkt nicht "künstlich aufgeblasen", sondern wie selbstverständlich. Der AVR11 agiert direkt und ungeschönt, wird aber auch bei sehr hohem Pegel nicht fordernd. Transparent, klar und durchhörbar ist die unmittelbar vor dem Hörer platzierte Bühnenkulisse.

Stereo Direct-Modus
Im reinen, direkten Stereobetrieb haben wir natürlich auch gehört. Hier greifen wir zu "Ain't No Sunshine" von Eva Cassidy und lehnen uns entspannt zurück - denn von der ersten Sekunde an wissen wir, dass dieser Titel beim AVR11 in den besten Händen ist. Schwächelt manch anderer AVR im Stereobetrieb, zeigt der Arcam pure Stärke. Sehr feine vokale und instrumentale Konturen, sehr saubere Aufbereitung eines passenden räumlichen Gefühls, und eine sehr schnelle Herausarbeitung dynamischer Differenzen - das sind alles Eigenschaften, die nicht selsbtverständlich sind. Bei "Nessun Dorma" aus Puccinis Turandot, gesungen von Star-Tenor Jonas Kaufmann, läuft der AVR11 ebenfalls zu großer Form auf und modelliert die unter die Haut gehende Stimme von Jonas plastisch heraus. Auch die Instrumente gruppieren sich stimmig um die Stimme im Fokus, und der Chor-Gesang hat Kontur und Ausdruckskraft.
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Tags: Arcam • AV-Receiver






