XXL-TEST: Yamaha MusicCast 9.2-Kanal AV-Netzwerk-Receiver RX-A2060

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Yamahas AV-Receiver der Aventage-Baureihe stehen traditionell für einen stringenten Aufbau, leistungsstarke Endstufen, eine mächtige DSP-Power, ein hervorragendes automatisches Lautsprechereinmesssystem mit Room EQ sowie eine gut bestückte Videosektion. All dies lässt sich natürlich am besten in einem der Topmodelle erleben: Der RX-A2060 kommt mit allen traditionellen Markenwerten und ist überdies mit einer kraftvollen 9-Kanal-Endstufe sowie Decodern für Dolby Atmos (inklusive Dolby Surround als Aufpolierer) und dts:X (inklusive dts Neural:X als Aufpolierer ausgestattet. Der Preis für das High-Tech-Paket liegt bei 1.699 EUR. 

5.1.4 oder 7.1.2 Konfigurationen werden maximal unterstützt. Die neun Endstufen liefern 140 Watt pro Kanal (8 Ohm, 20 Hz bis 20 kHz, 0,06 Prozent Klirrfaktor, 2 Kanäle ausgesteuert) beziehungsweise 220 Watt an 4 Ohm (1 kHz, 0,9 Prozent Klirrfaktor, 1 Kanal ausgesteuert).

Integriert ist auch MusicCast, somit lässt sich der RX-A2060 schnell in ein Multiroom Audiosystem einbinden. Überdies ist der schnelle Zugriff auf zahlreiche Streamingdienste garantiert. Ab Herbst 2016 unterstützt MusicCast zudem auch Amazon Alexa (per Firmware-Update). 

Yamaha-typisch sind in den RX-A2060 auch insgesamt 23 DSP-Programme (Movie, Music) integriert. Je nach Programm können die DSPs auch umfangreich nachbearbeitet werden. Dies kann entweder per Fernbedienung und OSD oder per App erfolgen. Die Signalverarbeitung übernimmt der Cinema DSP 3D-Prozessor. Im Vergleich zum Topmodell RX-A3060, der mit dem größten Cinema HD3 Prozessor ausgestattet ist, ist der im RX-A2060 verbaute Prozessor nicht in der Lage, die Tonformate dts:X sowie Dolby Atmos mit einzubeziehen. Auch bei den verbauten ESS DACs ist der 2060 sehr gut, aber nicht so luxuriös wie der RX-A3060 bestückt.

Als Mitglied der Aventage Baureihe bringt der RX-A2060 einen komplett symmetrischen Verstärkeraufbau (analoge Endstufen), einen H-förmigen Gehäuseaufbau für zusätzliche Stabilität sowie die Anti Resonance Technology (A.R.T)  mit dem typischen fünften Gerätestandfuß, zentriert unter dem Gerät, mit.  

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Komplettübersicht innen mit hochwertigem Chassis

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Trafo

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Der aus Blech bestehende Kühlkörper könnte durchaus auch aus höherwertigem Aluminium bestehen

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Platinenaufbau

Der RX-A2060 verfügt über ein aufgeräumtes Innenleben, das aufwändige Chassis überzeugt uns, der Kühlkörper aus Blech hingegen weniger. Hier wäre hochwertiges Aluminium die bessere Alternative. 

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Lautstärkedrehregler

 

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Eingangswahlregler

Yamaha-RX-A2060-Display

Display

Der 9.2 Kanal AV-Receiver ist außen sehr gut verarbeitet. Die Optik ist klassisch und hinlänglich bekannt. Hier wäre etwas mehr „Pfiff“ für nachfolgende Generationen vielleicht nicht verkehrt. Klar ist ein hoher Wiedererkennungswert wichtig, aber etwas Mut für neue optische Konzepte sollten die Yamaha-Designer vielleicht auch mitbringen. Das Layout der Front wirkt recht aufgeräumt, links ist ein Drehregler für die Quellen, rechts für die Lautstärke. Das Display ist sehr gut ablesbar. 

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Rückseite insgesamt

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HDMI-Sektion hinten, sieben Eingänge und zwei Ausgänge

Yamaha-RX-A2060-Antenne

Antenne

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Es gibt noch Komponentenvideo-Anschlüsse, ferner vorhanden: Zone 2/Zone 3 Pre-Out

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Reichlich analoge Verbindungsmöglichkeiten

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Lautsprecherkabel-Schraubanschlüsse

Yamaha-RX-A2060-Bedienelemente-Frontklappe

Bedienelemente und Anschlüsse vorn unter einer Klappe

Der Yamaha AV-Receiver aus der Aventage-Serie kommt mit HDMI-Anschlüssen inklusive HDCD 2.2, HDR und Unterstützung für den Farbraum BT 2020 sowie von 4:4:4 Farb-Decoding. Sieben der insgesamt 8 HDMI-Slots entsprechen aktuellem Standard. Als Lautsprechereinmesssystem mit Mikrofon kommt YPAO inklusive Mehrpositionen-Einmessung zum Einsatz – dies inkludiert auch die Lautsprecher-Höhenmessung. Im Testbetrieb funktionierte YPAO sehr gut, das akustische Erlebnis ist eine ausgewogene Front-Rear-Balance mit einem harmonischen, aber nie monoton wirkenden Hochtonbereich. Das Setup erfolgt mittels OSD, das sich in bekannter Yamaha-Manier präsentiert.

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YPAO-Einmess-Mikrofon in typischer Formgebung

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Typisches Yamaha OSD, hier fürs YPAO-Einmessen

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Mehrpunkt-Einmessung an bis zu 8 Positionen

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Grafische Unterstützung, damit man versteht, was im Moment passiert

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Umfangreiche Funktionen

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Gemessene Abstände

Weitere YPAO-Merkmale des RX-A2060:

  • YPAO-R.S.C. (Reflected Sound Control) 3D Klangoptimierung und Winkeleinmessung
  • YPAO Volume für einen natürlichen Klang auch bei niedriger Lautstärke

Natürlich sind Bluetooth und ein WLAN-Modul an Bord. Der Yamaha unterstützt Hi-Res-Audio, hier Formate und Features: 

  • DSD 2.8 MHz / 5.6 MHz, FLAC / WAV / AIFF 192 kHz / 24bit, Apple Lossless 96 kHz / 24-bit Wiedergabe
  • High Resolution Music Enhancer für eine höhere Musikqualität des Original Inhalts
  • Gapless Playback – lückenlose WiedergabeWeitere Ausstattungsmerkmale:
  • Zone Extra Bass für kraftvolleren Bass in anderen Räumen (Zone 2 und 3)
  • Zone Volume Equalizer für optimierten Klang in anderen Räumen (Zone 2 und 3)
  • Die Virtual Surround Back Speaker Funktion erzeugt 7.1 Sound auch mit einem 5.1 System
  • Yamaha Video Processing: Upscaling von 480/576i/p, 720p, 1.080i/p auf bis zu 4K. Video-EQ mit 6 Speicherplätzen
  • HDMI Zonenumschaltung
  • Vielseitige Zonensteuerung (Zone 2 / 3 / 4 On / Off, Zone GUI und Party Modus)
  • ECO Modus reduziert den Stromverbrauch um mindestens 20%

Wie bei Yamaha üblich, findet sich, im Gegensatz zur Konkurrenz von Denon&Marantz sowie Pioneer&Onkyo, kein bordinterner Einrichtungsassistent. Bei Yamaha passiert dies mittels der Tablet-App „AV Setup Guide“. In dieser wählt man zunächst sein Modell aus, dann werden für dieses Modell explizit die Daten aufs Tablet geladen.  Anschluss-Hilfe und Bedienungsanleitung können dann abgerufen werden. Alles ist präzise erklärt, gut gemachte Grafiken helfen unterstützend. Einige Screenshots haben wir zur Verdeutlichung gemacht.

AV Setup Guide_1

Auswahl des Modells

AV Setup Guide_2

Nach kurzer Zeit sind alle Informationen zum RX-A2060 aufs Tablet heruntergeladen
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Vorbereitungen – Netzwerk-Einbindung

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Anzahl der Lautsprecher

AV Setup Guide_5

Weitere Fragen zur Endstufen-Konfiguration

Summa summarum eine sehr umfangreiche Hilfe, aber man benötigt ein Tablet und eine Internetverbindung, um alles auszuführen. 

Yamaha-RX-A2060-Fernbedienung

Fernbedienung

Zunächst kann man den RX-A2060 mit der ordentlichen mitgelieferten Fernbedienung plus dem hinlänglich bekannten steuern. Diese hat gerade im unteren Teil aber unserer Ansicht nach zu viele, recht kleine Tasten. Die OSDs sind grafisch schon bestens bekannt:

Yamaha RX-A2060 Screenshot 1

Basismenü

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Untermenüs am unteren Bildschirmrand

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Menü „Ton“

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HDMI-Einstellungen

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Bluetooth-Einstellungen

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Multizone-Einstellungen

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Menü „Funktion“

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„Eco“ Menü, durch bestimmte Einstellungen wie eine Beschränkung der Endstufenleistung kann man den Stromverbrauch senken

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Sprachwahl

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Lautsprecher-Setup: Automatisch oder manuell

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Netzwerk

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Scene-Einstellungen (Scene = Makro für miteinander verbundene Funktionen zum Beispiel zum Anschauen einer Blu-ray)

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Server-Übersicht

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Net Radio

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Anweisungen für die Spotify-Verwendung

Alternativ bietet Yamaha natürlich auch eine App zur Bedienung mittels Smartphone oder Tablet an. Hier einige Screenshots der App:

Yamaha AV Controller 1

Quelle „Server“ angewählt, Hörmodus 9ch Stereo

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Zonensteuerung

Yamaha AV Controller 3

Streaming-Service-Auswahl plus Internet Radio, Bluetooth, USB, klassischer FM-Tuner

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DSP-Programmauswahl

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Vorprogrammierte und selbst zusammenstellbare „Scene“ Makros

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Klangregelung

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Ton-Spezialfunktionen

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Ton-Spezialfunktionen Teil 2

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Sleep-Timer und Video-Funktionen

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Musik vom iPhone wird zugespielt

Die MusicCast-Funktion des RX-A2060 ist mit der entsprechende App steuerbar. Die Einbindung ist denkbar einfach. Auf der Front des RX-A2060, unter der Klappe, befindet sich die „Connect“ Taste, die gedrückt werden muss. Dann startet innerhalb der App die MusicCast-Integration. Binnen zwei Minuten ist alles erfolgreich erledigt, und der Betrieb kann beginnen. Interessant: Zahlreiche Klangeinstellungen sowie die DSP-Programme des RX-A2060 kann man auch direkt aus der MusicCast-App vornehmen. Wir haben einige Screenshots gemacht:

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MusicCast-Übersicht

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Auch über die MusicCast-App lassen sich Yamahas DSP-Programme einstellen – hier der erste Teil

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Zweiter Teil

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Ton-Einstellungen

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Spotify Connect-Wiedergabe

Mit üppiger Ausstattung und sehr guter Verarbeitung kann sich der RX-A2060 gut präsentieren. Die Optik des 9-Kanal-Receivers wirkt mittlerweile etwas altbacken, die Fernbedienung weist zu viele kleine Tasten auf. Sehr gut: Die umfangreiche Anschlussbestückung. 

Klang
Generelle Feststellungen

Oftmals reagieren unsere Leser verwundert oder sogar verärgert – das neuere Gerät, in unserem Falle der neuere AV-Receiver, soll angeblich immer besser klingen als ältere Devices, die unter Umständen einst sogar teurer waren. In der Praxis gibt es aber klar nachvollziehbare Gründe, wieso neue Modelle oftmals gerade Devices, die drei oder vier Jahre alt sind, akustisch überlegen sind. Mehr interne Rechenleistung durch DSP-Prozessoren, die mehr Rechenoperationen pro Sekunde schaffen, ist ein Vorzug moderner AV-Receiver.

Gerade im Zeitalter der objektbasierten Audioformate dts:X und Dolby Atmos werden deutlich höhere Anforderungen an die Performance der internen Prozessoren gestellt. Daraus resultiert aber auch z.B. eine höhere Arbeitsgenauigkeit beim Einmessen und beim Equalizing der angeschlossenen Lautsprecher durch das Einmesssystem. Weitere Baugruppen sind ebenfalls leistungsfähiger, so zum Beispiel die D/A-Wandler, die mit höherer Genauigkeit arbeiten. Auch, wenn sich bei der eigentlichen Hardware wie Trafos, Elkos oder Kühlkörper gar nicht viel getan hat, so bringen die Verbesserungen einiger Baugruppen doch eine Steigerung der Klangqualität mit sich. 

Der Yamaha RX-A2060 macht hier keine Ausnahme. Noch etwas mehr Feindynamik, das gilt für den Stereo- und für den Mehrkanal-Betrieb, eine sehr dichte und glaubwürdige Räumlichkeit gerade im Mehrkanal-Einsatz, hinzu kommt eine noch feinere Trennung von Stimmen und Effekten oder Instrumenten. Wer ein Lautsprecher-Setup verwendet, das für die objektbasierten Audioformate dts:X und Dolby Atmos geeignet ist, kann sich über nahtlose Übergänge zu den Top Firing-Modulen freuen. 

Ultra HD Blu-ray, Independence Day, Die Wiederkehr, Dolby Atmos, 1. Kapitel

Der Yamaha beeindruckt im Zusammenspiel mit unserem Nubert nuLine 5.1.4-Ensemble gleich von Beginn an durch seine großartige räumliche Wirkung. In der Preisliga, in der sich der RX-A2060 befindet, gibt es hier bei den A-Brands nur ausgezeichnete Geräte. Kein AVR gibt sich hier eine Blöße, aber was der Yamaha, schon ganz ohne eines der DSP-Programme, hier für eine Show „abzieht“ begeistert absolut. Präzise wird der aktive Subwoofer angesteuert, die enorme Bassgewalt begeistert auch den anspruchsvollen Filmliebhaber. Sehr gut werden direkt von Beginn an die Top Firing-Module vorn und hinten mit ins Geschehen einbezogen. Der Hörer ist nahtlos in eine gewaltige dreidimensionale Klangkulisse integriert und befindet sich mittem im Geschehen.

Der RX-A2060 ist ausgewogen ausgelegt, er ist weniger spitz als frühere Yamaha AV-Boliden. Im 2. Kapitel, auf dem Mond, schafft der RX-A2060 auch in kurzen leiseren Sequenzen viel Atmosphäre und liefert eine sehr differenzierte, klare Stimmwiedergabe. Die Geräusche beim Andock-Manöver kommen plastisch heraus. Der Yamaha schafft es überdurchschnittlich gut, eine Atmosphäre zu kreieren, die Spannung, Action, Nachdruck ausstrahlt. Diese ganze Emotion wird dann aber mit Präzision und Geschmeidigkeit vermittelt. 

Ultra HD Blu-ray, San Andreas, 1. Kapitel, Dolby Atmos

Eben noch fährt die junge Dame in ihrem Subaru Forester entspannt auf der Bergstraße, dann bricht die Hölle für die junge Lady los, als sie von einem Erdrutsch erfasst und in eine Schlucht befördert wird. Donnernde Geröllmassen, die verzweifelten Schreie der Auto-Insassin, und der Music Score – der Yamaha hat alles souverän in der Hand. Alles geht bei ihm wie von selbst, so locker, so, als gäbe es nichts leichteres, als gelassen höchste Pegel in den Hörraum zu schieben. Die Musik aus der Auto-Anlage des Subaru wird sehr realistisch präsentiert, ebenso die Fahrgeräusche und das Eintreffen der Message auf dem iPhone.

Dann, urplötzlich, geht es ab, das Unglück passiert – und mit scharfer, nachdrücklicher Präzision sind die 9 Endstufen des RX-A2060 spontan zur Stelle. Auch, als nach dem Erdrutsch dann ebenso urplötzlich Stille eintritt, managt der 2060 diesen Dynamiksprung äußerst gelungen. Anschließend wird es wieder laut, als Ray Garnes mit seinem Team im Helikopter von einer Reporterin interviewt wird, mit dabei ist auch ein Kameramann. Das Drehen der Rotoren des Helikopters kommt detailreich heraus, das Verhältnis innen-außen (Gespräche im Hubschrauber, die drehenden Rotoren draußen“ gibt der Yamaha sehr authentisch wieder. Die sich durch den Music Score vergrößernde Spannung, als der Notfall mit dem Unfall der jungen Frau durchgegeben wird, bringt der 9.2 Kanal AV-Receiver unvermittelt und nachdrücklich zur Geltung.

Der Funkverkehr sowie das Gespräch von Chief Garnes mit der jungen Dame beweist: Der RX-A2060 kennt mit sich mit Grob- und Feindynamik aus. Und wieder – alles locker, leicht, kraftvoll, echt. Da der 2060 mit klassischen analogen Endstufeneinheiten arbeitet, die beim Verstärkungsprozess, wie bei analogen Endstufen üblich, ein beträchtliches Maß an Verlustwärme entwickeln, sollte der AV-Receiver nicht „eingezwängt“ im Rack oder im Regal stehen, sondern mindestens 20, besser 30 cm nach oben Luft zum „Atmen“ haben. 

Eagles, Farewell-Tour live aus Melbourne, dts-HD Master Audio plus dts Neural:X als Aufpolierer auf 5.1.4, Songs „Tequila Sunrise“ und „Desperado“

Und die nächste Bestleistung ist zu vermerken. Wer braucht noch mehr, als das, was der RX-A2060 aufbieten kann? Diese Frage stellt man sich. Dabei ist es völlig klar, dass noch mehr geht. Noch mehr Präzision im Detail, noch mehr Tiefe, vokale Präsenz – wer noch mehr in einen AVR oder in eine AV Vor-/Endstufen-Kombination investiert, bekommt auch noch mehr, wir möchten die klar betonen. ABER: Der RX-A2060 „verpackt“ alles so geschickt, dass man es zumindest nicht glauben kann, dass dieser akustische Könner keine 2.000 EUR kostet. Unglaublich, welche Präsenz der Sänger auf der Bühne hat, wie nahtlos die 4 Top Firing Module einbezogen werden. Nicht immer hat uns dts Neural:X in Testreihen mit anderen AVRs restlos überzeugt – hier passt alles. Es geht keine Präzision verloren, der Bassbereich bleibt kraftvoll und trifft genau den richtigen Punkt. Lebendig, mit „Punch“ geht es voran. Dichte Räumlichkeit, hohe Ausgewogenheit auf allen Kanälen – der RX-A2060 liefert viele Argumente für einen Kauf, nicht zu vergessen die hervorragende Pegelfestigkeit. 

Aus der DVD „Moonraker“hören wir uns in Dolby Digital plus Dolby Surround für die 5.1.4 Wiedergabe den Titelsong von Shirley Bassey an – und auch bei diesem relativ alten Quellmaterial überzeugt uns der RX-A2060 mit sehr lebendiger, feinfühliger Einarbeitung. Als Shirley die Stimme erhebt, bleibt der Yamaha im Hochtonbereich sehr harmonisch, und bringt keine unnötige Schärfe mit ins Spiel. Dann beginnt der Film, 007 kommt ins Sekretariat von Moneypenny und dann ins Büro von M. Das Grundrauschen liegt am Quellmaterial, aber wie gut die Stimmen präsentiert und kleine Effekte (Monitor wird freigelegt, Öffnen von Türen) eingearbeitet werden, beweist uns: Ganz gleich, bei welchem Quellmaterial, der Yamaha offeriert stets ein räumlich-dichtes, vielschichtiges Klangbild. Das Hochrechnen auf 5.1.4 erledigt er so gut, dass man selbst bei dieser Quelle ein dichtes, dreidimensionales Klangbild schafft. 

DVD, James Bond 007 „Moonraker“, Tonspur Englisch Dolby Digital 5.1, DSP-Programm „Spectacle“

Im 5.1 Modus mit dem „Spectacle“ DSP haben wir dem RX-A2060 wirklich altes Quellmaterial, aber immerhin in englischer Sprache auf 5.1 „aufgehübscht“, angedreht. Daher ist es beachtlich, was der AV-Receiver in der Lage ist, aus der Tonspur herauszuholen. Klar, Brillanz und Klarheit nach heutigen Maßstäben kann man nicht erwarten. Die Entführung des „Moonraker“ aber gelingt doch recht effektreich, wobei „Spectacle“ den Raum noch etwas weitet und Effekte noch nachdrücklicher präsentiert.

Es handelt sich um Differenzen im Detail, die den Filmgenuss akustisch etwas erhöhen. In der nach kurzer Dialog-Sequenz folgenden Szene, als Bond vom „Beißer“ sehr unsanft aus einem Privatjet geworfen wird, und dann der 007-typische Music Score zu vernehmen ist, schlägt sich der RX-A2060 ebenfalls sehr gut. Wie wir ihn kennen: Räumlich dicht, mit ausgezeichneter Front-Surround-Balance und lebendigen Effekten macht er selbst beim alten Quellmaterial positiv auf sich aufmerksam. Im 11. Kapitel ist 007 mit der Gondel in Venedig unterwegs, und auch diesmal bleibt Action nicht aus.

Er muss nach dem Verlust seines Gondelführers alles wie gewohnt selbst in die Hand nehmen, doch seine mit allen Finessen ausgestattete MI 6 Gondel hilft ihm dabei. Das Zünden des Motors wird klanglich sehr gut vermittelt, der Music Score kommt tadellos heraus. Die wilde Jagd in den Flussläufen Venedigs wird so deutlich lebhafter, als wir gedacht hätten. Das Spectacle-DSP liefert noch bessere Effekt-Übergänge und noch etwas mehr Plastizität, somit ist es sehr gut auch für ältere Tonspuren geeignet. 

Spotify-Tracks Project Euro Mir (Damon Paul), Sextape (Mike Candys), beides Trance/Dance, aufgebohrt mittels Dolby Surround auf 5.1.4, alternativ dts Neural:X

Eines sei gleich vorausgeschickt: Ebenso wie wir es schon bei anderen AV-Receivern anderer Hersteller herausgehört haben, eignet sich dts Neural:X nicht zum Hochskalieren von Stereo-Material z.B. von Spotify auf 5.1.4. Gerade bei basslastigen Trance- und Dance-Tracks ist das Ergebnis nicht genießbar, der Bass klingt hohl und schlägt durch, viel zu viel Hall mindert überdies die akustische Präzision. Mit dem Boxen-Equipment und der Peformance des AVRs hat dies nichts zu tun, denn: Keine Probleme gibt es bei Dolby Surround, hier muss nur manchmal der Center-Kanal zurückgeregelt werden, um den Center nicht zu dominant erscheinen zu lassen. Mit kraftvollem, recht präzisem Bass und lebhaft arrangierter Räumlichkeit können wir ansonsten nur Positives berichten. Also: Was die Möglichkeiten der praktischen Nutzung angeht, liegt Dolby Surround klar vorne. Nur bei dts-HD- oder dts 5.1 Audio-Tonspuren kann dts Neural:X Gewinn bringend eingesetzt werden. 

Flac Hi-Res Audio-Files, Pure Audio-Modus

In 96 kHz/24-Bit 2-Kanal lauschen wir der legendären Arie „Nessun Dorma“ aus Puccinis „Turandot“. Gesungen von Jonas Kaufmann, haben wir eine authentische, lebendige Darbietung wahrgenommen, die im Pure Direct Modus mit möglichst kurzen Signalwegen ausgesprochen klar und detailreich wiedergegeben wird. Kaufmanns faszinierende Stimme erscheint mit gut nachvollziehbarem Bühnencharakter, der Chorgesang kommt facettenreich und mit angenehmer Tonalität zur Geltung. Der souveräne Charakter, der den RX-A2060 auszeichnet, lässt sich nahtlos auch in den 2-Kanal-Betrieb übertragen. Aus dem dritten Akt von Puccinis Oper „Madame Butterfly“ stammt „Addio, Fiorito Asil“ – und wieder überzeugt uns der Yamaha AV-Receiver durch sein kraftvolles, agiles, aber gleichzeitig Homogenität ausstrahlendes Fundament. Die Detaillierung gelingt tadellos, die Streicher haben eine ausgezeichnete Ausdruckskraft.

Ganz andere musikalische Richtung – aber das spielt für den RX-A2060 keine Rolle: Mark Knopflers „Basil“ in 192 kHz/24-Bit 2-Kanal vom Album „Tracker“ liegt dem kräftigen AV-Receiver ebenfalls. Schön stellt er Marks Stimme mitten in den Raum und trennt sie sehr sauber von den Instrumenten. Stimmtypische Merkmale arbeitet der Yamaha tadellos heraus und verleiht dem Klangerlebnis dadurch viel Tiefe und Präsenz. Bei „heart Of Oak“, dem zweiten Titel von Knopflers „Tracker“ Album, liefert der RX-A2060 ebenfalls eine sehr lobenswerte Leistung ab. Dieses Direkte, Unmittelbare in Marks Stimme, dieses Ungefilterte, bringt der Yamaha richtig gut ans Tageslicht. Er spielt mit sehr guter Feindynamik, äußerst impulstreu auch bei kleinen dynamischen Differenzen.

„Diamante“ von Sandra und Toni Alessi aus dem Album „Eterno“ trägt nun italienisches Flair in den Hörraum. Und höre da – auch diese Leichtigkeit, gepaart mit Emotionalität, bereitet dem Universaltalent von Yamaha keinerlei Schwierigkeiten. Ganz gleich, ob Sandra oder ob Toni singt, in beiden Fällen ist eine außergewöhnlich lebendige, mitreißende Stimmwiedergabe sichergestellt. Der Bass, den der RX-A2060 aus seiner kraftvollen Endstufeneinheit zur Verfügung stellt, ist straff und nachdrücklich. Er fügt sich passend ins tonale Gesamtgefüge ein, so dass die gesamte Vorstellung lebendig und tiefgründig ist. 

Video

Der RX-A2060 bringt einen Video-EQ mit gleich 6 Speicherplätzen, „Voreinstellung 1 bis 6“ genannt, mit. Im einzelnen lassen sich die folgenden Parameter justieren:

  • Detailanreicherung
  • Randschärfe
  • Helligkeit
  • Kontrast
  • Sättigung

Es ist positiv hervorzuheben, dass der RX-A2060 im Gegensatz z.B. zu Konkurrenten von Pioneer und Onkyo noch einen Video-EQ mit Speicherplätzen und eine komplette Videosignalverarbeitung an Bord hat. Noch besser würde es uns allerdings gefallen, wenn es mehr Parameter, z.B. Block- und Moskito-Rauschfilter, und zusätzlich ISF-Programme für Tag und Nacht, wie es Denon und Marantz anbieten, geben würde. 

Selber schuld – der Yamaha war bislang so gut, da haben wir es ihm richtig schwer gemacht und eine alte 007-DVD mit „Moonraker“ eingelegt und vom RX-A2060 von 576i auf 2.160p hochrechnen lassen. Kapitel 2, als Bond unsanft aus einem Flugzeug aussteigen soll, und der legendäre Beißer hinterher geschickt wird, um sicherzugehen, dass 007 auch erledigt wird, zeigt uns, dass man, einen gewissen Betrachtungsabstand vorausgesetzt, selbst DVDs ansehen kann. Das De-Interlacing des 2060 ist wirklich gelungen, Bewegungs-Ruckeln sieht man nur in kleinem Ausmaß, selbst Bildschärfe und Detailtreue sind als gut zu bezeichnen. Die Farben sehen ebenfalls relativ authentisch aus. Auch, als Bond im Helikopter bei drax Industries sitzt, werden das Gesicht der Pilotin und das Innenleben des Hubschraubers gut herausgearbeitet. Bei Landschaftsaufnahmen merkt man aber dann deutlich, dass man eigentlich in der 4K-Ära keine DVDs mehr anschauen sollte. Trotzdem – der RX-A2060 nimmt die Herausforderung an und liefert in Anbetracht des Quellmaterials eine tadellose Leistung. 

Konkurrenzvergleich

Der Denon AVR-X4300H hat uns im Test sehr gut gefallen, mit 1.599 EUR ist er überdies besonders fair kalkuliert. Runder Klang, sehr gute Pegelfestigkeit, sauber integriertes Heos-Modul – Nachteile ließen sich kaum finden. Die Videosektion ist ausgezeichnet, zu loben sind vor allem die beiden ISF-Modi. Der Yamaha RX-A2060 entpuppt sich im Test aber als gleichwertige Alternative. Auch er ist äußerst homogen abgestimmt und offeriert einen räumlich dichten Klang. Das leicht Metallische, das mancher Yamaha AV-Receiver früher mitbrachte, ist dem 2060 fremd. Der Yamaha RX-A2060 hat keine ISF-Bildmodi, dafür aber sechs Speicherplätze für individuelle Video-EQ-Justagen. Das automatische Lautsprecher-Einmess- und Room EQ-System ist bei Yamaha und Denon gleichermaßen überzeugend. Kleine Mängel finden sich sowohl beim 4300H als auch beim 2060 bei den Werten für den Pegelangleich. Hier hilft es nur, manuell nachzukorrigieren.

Die sehr gelungenen DSP-Programme sind Yamaha-Vorzug. Der AVR-X4300H lässt sich allerdings für 150 EUR zusätzlich noch mit Auro-3D ausstatten. Das ist insbesondere wegen des Aufpolierers Auro-Matic interessant, der sehr gut arbeitet. Da Yamaha aber auch das manchmal kritische dts Neural:X gut integriert hat, kann man auch mit Dolby Surround und dts Neural:X ausgezeichnet leben.

Ein harter Konkurrent ist auch der Pioneer SC-LX801. Er ist mit digitalen Hochleistungsendstufen ausgestattet, die in Bezug auf die Pegelfestigkeit Maßstäbe setzen. Auch bei der Grobdynamik liegt der SC-LX801 vorn. Überdies bietet er mit MCACC Pro das Einmess/Room EQ-System mit den umfangreichsten Nachbearbeitungsmöglichkeiten und mit gleich sechs Speicherplätzen. Dafür ist der Pioneer mit 2.199 EUR deutlich teurer, zudem ist die Fernbedienung die schlechteste in diesem Trio. Zu einfach und zu billig für die Preisklasse. Die Fernbedienung des 2060 ist etwas besser, am besten gefällt uns die Remote des Denon 4300H. Akustisch sind Yamaha sowie Denon noch etwas harmonischer abgestimmt als der Pioneer, der aber viel verbindlicher als frühere Pioneer AVR Generationen auftritt.

Nachteil des SC-LX801: Es gibt nur ein Upscaling von Full-HD auf 4K. Kleinere Auflösungen unter Full-HD werden nicht skaliert. Unterschiedliche Wege gehen die Hersteller bei der Hilfe zur Erstinbetriebnahme. Während es bei den aktuellen Pioneer und Denon Modellen einen bordinternen Einrichtungsassistenten gibt, wählt Yamaha einen anderen Weg und bietet eine App fürs iOS oder Android Tablet an. 

Fazit

Yamaha-RX-A2060-Front-Seitlich1

Vollausstattung trifft auf akustische Maximalperformance – der Yamaha RX-A2060 konnte im Testbetrieb glänzen. Eindrucksvoll beweist er, dass moderne AV-Receiver der Preisklasse oberhalb der 1.500 EUR auch sehr anspruchsvolle Anwender rundherum glücklich machen können. Räumlich dicht, ungemein homogen abgestimmt, und auch im Stereo-Betrieb ausgezeichnet: Den RX-A2060 kann man ohne Einschränkung als echten akustischen Universalisten bezeichnen.

Pegelfest sind die neun eingebauten analogen Endstufen auch, hier bewegt sich der Yamaha, wie auch in anderen Disziplinen, an der Klassenspitze. Allerdings, da die Verstärkersektion wie eben erwähnt nach dem analogen Prinzip arbeitet, sollte man dem RX-A2060 schon einige Luft zum Atmen lassen.

Wie wir es von Yamaha kennen, agiert die DSP-Sektion, gerade was die Programme für Filmton angeht, sehr gelungen. Kleiner Wermutstropfen: Wer volle DSP-Bearbeitung auch für dts:X und Dolby Atmos wünscht, muss zum teureren RX-A3060 greifen, denn nur der besitzt den dafür erforderlichen Cinema HD3 Chip. 

Die Optik ist mittlerweile nicht mehr die aktuellste, hier sollte Yamaha vielleicht etwas „Farbe ins Spiel“ bringen zukünftig. Keine Kritik gibt es an Verarbeitung und Anschlussbestückung. Mit MusicCast ist eine komplette Einbindung in Multiroom Audio Systeme möglich, zudem ist der Zugriff auf viele relevante Streamingdienste garantiert. 

Entertainment-Meister: Souverän, pegelfest und reichhaltig ausgestattet, stellt der Yamaha RX-A2060 eine erstklassige Wahl dar
preisklassenreferenz
AV-Receiver bis 2.000 EUR
Test 13. März 2017

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 13. März 2017




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