TEST: Standlautsprecher Klipsch Reference R-610F - Dynamik, Emotion und Pegelfestigkeit für 700 EUR Paarpreis?

Brandneu von Klipsch ist der kompakte Zweiwege-Bassreflex-Standlautsprecher Reference R-610F für einen Stückpreis von rund 350 EUR.  Kennzeichen sind, typisch für Klipsch, das 90x90 Grad Tractrix-Horn vor dem 2,54 cm messenden Hochtöner aus Aluminium und der 16,51 Tiefmitteltöner mit Cerametallic-Membran, erkennbar an der Farbe Kupfer. Mit einer Höhe von 940 mm, einer Breite von 240 mm und einer Tiefe von 384 mm kann man den Lautsprecher auch in kleineren Räumen gut unterbringen.

Hochtöner

Tiefmitteltöner

Cerametallic-Membran für den Tiefmitteltöner

Eine Langzeit-Belastbarkeit von 85 Watt und eine kurzzeitige maximale Belastbarkeit von 340 Watt sind ordentliche Werte. 16,3 kg wiegt eine Klipsch R-610F und offeriert sensationelle 94 dB Wirkungsgrad (2,83V/1m). Die US-Box ist 8-Ohm-kompatibel. Der speziell konstruierte "Rear Tractrix Port" fungiert als Bassreflex-Öffnung, die auch bei hohem Pegel, wie sich später in den Testreihen zeigen wird, kaum Strömungsgeräusche erzeugt.

Sichtbare Schrauben beim Tiefmitteltöner

Verarbeitung rund um denn Hochtöner

Kantenverarbeitung vorne - keine Beanstandungen

Schallwand vom Gehäuse eingefasst

Gehäuseverarbeitung hinten, auch hier ordentliches Finish im Detail

Das Lautsprecher-Schutzgitter haftet magnetisch

Standfuß

Im Detail

Anschlussterminal

Der Zweiwege-Bassreflex-Standlautsprecher präsentiert sich in einer überzeugenden Fertigungsqualität. Das Gehäuse in robuster Folierung umschließt die in Grau gehaltene Schallwand, in der sich die beiden Treiber befinden. Die Kantenverarbeitung hinten sowie vorn ist ordentlich, auch hier haftet die Folie präzise. Unter der Box befindet sich ein Sockel, der vom Design her gut zur R-610F. Insgesamt kann man für den schmalen Kaufpreis kaum ernsthafte Kritik anbringen. Sicherlich sind die Anschlussterminals nicht sonderlich hochwertig, aber sie erfüllen ihren Zweck.

Klang

Wir starten mit einigen Tracks von Spotify, vornehmlich House- und Club-Music, und damit eine klare Klipsch-Domäne. Mit einer exzellenten Grobdynmik und enorm druckvollem Bass sind Klipsch-Boxen der Reference-Serie schon lang bei den Liebhabern kraftvoller Wiedergabe beliebt. Die eigentlich harmlos aussehende und alles andere als große R-610F holt aber diesmal zum ganz großen Schlag aus.

Bei "Riverside 2099" von Oliver Heldens legt der Lautsprecher eine Bassgewalt an den Tag, die einen, bezieht man die Preisklasse mit ein, schlichtweg "von den Socken haut". Wuchtig, zugleich präzise, klar und hart wird genau der richtige Punkt beim Kickbass getroffen. Weit schleudert die R-610F die akustischen Effekte in den Hörraum. Lautstärken kann man enorm hohe fahren, wir kennen Boxen mit einem Stückpreis von 1.000 EUR, die hinsichtlich der Pegelfestigkeit das Nachsehen haben.

Bei "Sheep" von LAY (Alan Walker Relift) setzt die R-610F ihre eigene Erfolgsstory fort: Hervorragender Tiefgang, massig Kraft, ein tolles Raumgefühl, aber gleichzeitig auch sehr präsent und stimmig im Mittel- und im Hochtonbereich: Klipsch hat bei der brandneuen R-610F alles richtig gemacht. Man ertappt sich, wie man immer weiter am Lautstärke-Regler dreht, weil das laute Hören mit der Klipsch-Box einfach Spaß macht. Und der angeschlossene Verstärker kann, aber muss nicht extrem stark sein, weil der Wirkungsgrad der R-610F so gut ist, dass auch Stereoverstärker der 300 bis 400 EUR Liga völlig ausreichen.

Kommen wir zu, HUGEL Remix von Julian Perettas "On The Line": Klar, sehr gut durchhörbar, sauber auflösend - die Klipsch R-610F gefällt auch hier extrem gut. Sie hüllt den Zuhörer mit voluminösem, aber nicht künstlich aufgedickten Klang förmlich ein, das verwundert - denn ein Abmessungs-Gigant mit riesigem Gehäusevolumen ist die R-610F definitiv nicht.

Und ab geht die Post - diesmal bei "Get Up" von Techntronic aus dem Beginn der 90er Jahre. Völlig gleichgültig, was an Material kommt, die R-610F lässt es krachen, im Bassbereich ganz besonders. Trotzdem ist die Stimme noch in tadelloser Qualität zu vernehmen, und die Wucht im tieffreuqenten Bereich ist alles andere als unkontrolliertes Wummern. Vielmehr hat der Bassbereich Kontur und präsentiert sich untadelig impulstreu.

Kann die R-610F auch seriösere Musik ansprechend darstellen? Wir starten mit Diana Kralls Adaption von "Desperado" und sind verblüfft: Eine so gut fokussierte, feine Stimmwiedergabe bei einer Klipsch-Box? Geht das? Ja, es geht, der Cowboy kann auch sensibel, und zwar so gut, dass sich mancher Konkurrent, der für eine differenzierte Wiedergabe bekannt ist, strecken muss, um der R-610F das Wasser reichen zu können. Lebendig, klar, fundiert und detailreich: Die Klipsch R-610F dominiert bei "Desperado" genauso wie bei den Club-Tracks davor.

Und auch "A Thousand Kisses Deep" von Till Brönner wird tadellos wiedergegeben. Zwar mag sensibleren Naturen die Bassgewalt hier etwas zu nachdrücklich ausfallen, aber die Trompete wird definitiv überzeugend präsentiert. Die räumliche Wirkung ist sehr gut, trotzdem ist das die schwächste Vorstellung der R-610F im Test.

Phil Collins "I Wish It Would Rain Down" (2015 Remaster) ist genau das Gegenteil: Eine der besten Vorstellungen der Klipsch R-610F. Sensationell, wie gut der US-Lautsprecher hier geht. Fundiert, exakt, genau den richtigen Punkt treffend, der Bass, klar umrissen die vokalen Konturen, exzellent die Dynamik, ausgezeichnet das Auflösungsvermögen: Unter Berücksichtigung der Preisklasse ist die R-610F die bislang beste Box, die wir von Klipsch getestet haben.

Und auch "Time To Say Goodbye" von Andrea Bocelli und Sarah Brightman liegt der R-610F. Sie gibt direkt zu Beginn die orchestralen Elemente sehr gediegen wieder, bietet ein überragendes Fundament und arbeitet Sarahs Stimme sehr gelungen ein. Die Feinarbeit der R-610F ist deutlich besser als bei der letzten Generation, und kleine Dynamik-Differenzen innerhalb der vokalen Elemente pariert die R-610F sofort und ohne Umschweife. Andreas Stimme präsentiert sie genauso souverän, mit Charisma und einer tadellosen Feindynamik.

Bei der legendären Arie "Nessun Dorma" aus Puccinis Turandot, gesungen von Startenor Jonas Kaufmann, gibt sich die Klipsch R-610F wiederum keine Blöße. Schon bei Zimmerlautstärke gibt sie Jonas' Stimme sehr lebendig wieder, und die orchestralen Elemente werden sauber eingearbeitet, während Jonas' große Präsenz sehr gut fokussiert wird. Dreht man hinsichtlich der Lautstärke weiter auf, so bleibt der Lautsprecher souverän und liefert noch mehr direkte, gut ausbalancierte akustische Emotion. Auch der Chorgesang wird feinfühlig integriert, dynamische Differenzen impulstreu erkannt.

Konkurrenzvergleich

Die Magnat Tempus 77 setzte vor einem guten Jahr Maßstäbe in der Liga der gehobenen Einsteiger-Lautsprecher. Preislich ähnlich wie die Klipsch R-610F, müssen sie sich 2018 knapp geschlagen geben: Noch mehr Druck im Bassbereich, ein noch ausgeprägterer Tiefgang und ein hervorragendes Volumen bei gleichzeitig richtig gutem Auflösungsvermögen - die Messlatte kommt derzeit aus den USA.

Das Paar Teufel Theater 500 kommt aktuell auf besonders schlanke 799,99 EUR (Stand: 30. September 2018) und offeriert dafür Sound und Technik im Überfluss. Ein echter Dreiwege-Lautsprecher mit Doppelbass und einem kräftigen sowie kultivierten Klang, das hat was. Und diese Feststellungen gelten nach wie vor, wenngleich die Klipsch R-610F ein extrem talentierter Kontrahent ist: Enormer Bassdruck, eine hervorragende Geschlossenheit des Klangbildes und eine Pegelfestigkeit, die selbst dann verblüfft, wenn man weiß, dass dieses Kapitel eine traditionelle Klipsch-Domäne ist.

Von Saxx stößt die coolSOUND CX 70 zu uns, die mit ihrem Unibody-Gehäuse und den Chassis ohne sichtbare Schrauben sehr edel aussieht und so vom Finish her den Preis von 499 EUR/Stück auf jeden Fall rechtfertigt. Klanglich ist auch alles im grünen Bereich, homogen, detailreich und mit guter räumlicher Wirkung. Die R-610F macht im Bassbereich aber noch mehr Dampf und zieht auch bezüglich der Pegelfreudigkeit vorbei, ohne in anderen Belangen schlechter zu sein.

Fazit

Kaum einer bietet so viel Box fürs Geld - die R-610F setzt sich an die Spitze der unteren Mittelklasse

Pegelfestigkeit und Grobdynamik setzen deutlich über die Preisklasse hinaus Maßstäbe. Die Klipsch R-610F gehen wie die sprichwörtliche Hölle. Gleichzeitig aber löst die Box richtig gut auf und kann erstmals auch hier ganz vorn mitspielen. Sie kann einfach alles, und schießt Konkurrrenten, die bislang noch mithalten können, mit sensationellem Tiefgang und präziser Basswucht weg von der Spitze.

Klipsch schlägt alle: Mit Rekord-Dynamik und Maßstäbe setzender Pegelfestigkeit krönt sich die R-610F zum Klassen-Primus

Gesamt-Referenz Standlautsprecher untere Mittelklasse
Test 01. Oktober 2018

Test: Carsten Rampacher
Datum: 01. Oktober 2018

Tags:




Alle aktuellen Tests auf AREA DVD
  ZURÜCK