TEST: Saxx coolSOUND CX 70 – neuer Standlautsprecher mit Erfolgsaussichten?

Saxx coolSOUND CX 70 Gruppenbild1

Neue Lautsprecher braucht das Land: Saxx aus Niedersachsen hat seit Anfang November „durchgängig geöffnet“ dank des Online-Shops, und offeriert dort die Lautsprecher aus dem eigenen Produktsortiment. Wir haben uns der CX 70, dem kleineren der beiden Standlautsprecher aus der „coolSOUND“ Baureihe angenommen, die aktuell in weißer oder schwarzer Hochglanzausführung für einen Stückpreis von 349 anstatt 449 EUR angeboten wird. 

Nun fragen wir uns: Lautsprecher gibt es wie den sprichwörtlichen „Sand am Meer“. Braucht es da wirklich noch einen weiteren Hersteller, der die Bühne betritt? Wie möchte der Newcomer den Kunden auf sich aufmerksam machen? Was soll Anwender dazu bewegen, sich eine Saxx-Box zu kaufen? Wir werden überprüfen, ob sich genug Gründe dafür, oder auch dagegen, finden lassen. 

Saxx coolSOUND CX 70 Standfuss

Formschöner Sockel

Saxx coolSOUND CX 70 Anschluesse Rueckseite

Bi-Wiring-Terminals

Saxx coolSOUND CX 70 Detail Front Seitlich

Hübsch gemachte Details, magnetisch haltende Schutzgitter

Saxx coolSOUND CX 70 Bassreflexrohr

Bassreflexöffnung

Saxx coolSOUND CX 70 Front Seitlich1

Mit Abdeckung

Saxx coolSOUND CX 70 Rueckseite Seitlich1

von hinten komplett

Optisch hinterlassen die Schallwandler einen erstaunlich gediegenen Eindruck. Das ist an mehreren Faktoren festzumachen. So ruhen die Boxen auf einem attraktiven Sockel, des Weiteren haften, selten in dieser Preisklasse, die gut verarbeiteten Stoff-Schutzgitter magnetisch. Es stören demnach keine Bohrungen für die Aufnahme des Schutzgitters auf der Schallwand. Die Chassis weisen keine sichtbaren Schrauben auf, auch das sorgt für einen hochwertigen Gesamteindruck und rundet die saubere, schnörkellose Optik ab. Das gesamte MDF-Gehäuse wirkt fürs investierte Geld recht edel, einen Hinweis auf nicht alltägliche Sorgfalt in dieser Preisklasse geben auch die gerundeten Gehäuseecken. Hinten findet sich noch ein Bi-Wiring-Terminal mit vergoldeten Schraubanschlüssen. Maximal 4 mm Kabelquerschnitt können laut Hersteller aufgenommen werden. 

Saxx coolSOUND CX 70 Hochtoener

Bändchenhochtöner

Saxx coolSOUND CX 70 Tiefmitteltoener

Mitteltöner

Saxx coolSOUND CX 70 Innenleben1

Aufwändige, sauber verarbeitete Frequenzweiche für diese Preisklasse

Auch technisch bieten die Saxx coolSOUND CX 70 einen ansprechenden Standard. So kommt ein Bändchenhochtöner zum Einsatz, hinzu kommen ein 13 cm Mitteltöner mit Polypropylen-Membran und ein 13 cm Tieftöner mit einer Membran aus beschichtetem Papier. Der 3-Wege-Bsssreflex-Schallwandler besitzt eine Dauerbelastbarkeit von 100 und eine Impulsbelastbarkeit von 150 Watt. Der darstellbare Frequenzbereich geht von 40 Hz bis 31 kHz, die Impedanz beträgt 4 Ohm. Der Wirkungsgrad liegt bei durchschnittlichen 85 dB. Das Gehäusevolumen gibt Saxx mit 24 Litern an. Die coolSOUND CX 70 ist 930 mm hoch, 180 mm breit und 240 mm tief. 

Klang

Zunächst einmal stellen wir eine optimale Versorgung der beiden coolSOUND CX-70 sicher und verwenden die Vor-/Endstufenkombination nuControl und nuPower D aus dem Hause Nubert für eine adäquate Zuspielung. Damit sind beste Voraussetzungen gegeben, dass sich die coolSOUND-Lautsprecher optimal in Szene setzen können. Und wir starten umgehend durch mit der SACD „James Bond Themes“ – auf der Disc befinden sich rein instrumental dargebotene, legendäre Titel-Songs aus den 007-Filmen. Mit „Goldfinger“ beginnen wir, und wir sind durchaus positiv überrascht: Die beiden CX 70 klingen recht homogen und angenehm, und sorgen nicht durch eine zu aggressive Wiedergabe für negative Schlagzeilen. Das gesamte Klangbild überzeugt durch fließende Übergänge zwischen den einzelnen Frequenzbereichen, was gerade bei Verwendung eines Bändchenhochtöners durchaus bemerkenswert ist. Hochtöner dieser Bauart entwickeln zwar oft ein sehr gutes Auflösungsvermögen und eine hohe Impulstreue, bedingt durch die sehr geringe Masse des Bändchens, aber die Anbindung an den oberen Mitteltonbereich erweist sich nicht selten als schwierig. Hier überzeugt uns die CX 70 mit einem akkuraten, von natürlicher Lebendigkeit durchzogenem Klang. Dynamische Differenzen werden prima erkannt und zügig umgesetzt.

Auch beim Titellied von „Thunderball“ geht es mit Verve zur Sache. Der Klang ist hinsichtlich der Auflösung sehr gut gelungen, die CX 70 klingt kultiviert und komplett, und auch die Loslösung akustischer Elemente von den Chassis gelingt recht gut. Einzelne Instrumentengruppen, wie Steicher und Blechbläser, werden mit sauberer Herausstellung einzelner Charakteristika präsentiert. Nur bei den Streichern fehlt es am letzten Detail, was in Anbetracht der Preisklasse aber nicht wirklich negativ ins Gewicht fällt. Als letzten Titel von dieser SACD wählen wir „Live And Let Die“ an. Hier wird die E-Gitarre lebendig eingearbeitet, die Rhythmus-Unterschiede werden impulstreu wiedergegeben. Pegelfest ist die CX 70 auch, wird die Lautstärke sehr hoch, hört man allerdings einen Rückgang bei Dynamik und Differenzierung einzelner klanglicher Elemente. 

Es folgt nun das Klarinettenkonzert A-dur, Köchelverzeichnis 622, von Wolfgang Amadeus Mozart (SACD). Hier hören wir das erste Allegro, und mit einem beachtlichen Auflösungsvermögen schafft sich die CX 70 auch hier sicherlich Freude. Wer ganz genau hinhört, wird einen minimal nasalen Einschlag im Klangbild hören, der sich bei hohem Pegel einstellt – allerdings nie so krass, dass man es als ernsthaft störend betrachten kann. Prima gefällt uns auch hier, wie treffsicher und impulstreu auch kleinere dynamische Unterschiede wiedergegeben werden. Hier lässt sich die Saxx-Box nichts vorwerfen, sondern rangiert innerhalb ihrer Leistungs-Liga weit oben. Der Bassbereich ist straff und authentisch – der Bass drängt sich nie in den Vordergrund, obwohl es sich nur um einen 13 cm Tieftöner handelt, ist er aber trotzdem präsent, um ein tadelloses Fundament zu geben. Die Räumlichkeit ist gut, wenn auch nicht sensationell, aber in Anbetracht des Kaufpreises kann man hier kaum Schlechtes sagen. 

Nun betritt Andrea Bocelli mit den beiden Stücken „Dell’Amore Non Si Sa“ und „L’Attesa“ die Bühne. Vom Album „Andrea“ spielen wir diesmal von normaler CD zu. Beim Anfang von „Dell’Amore Non Si Sa“ zeigen uns die CX 70, dass sie von ordnungsgemäßer Bass-Verwaltung eine Menge verstehen. Was der doch recht zierliche Tieftöner hier an Performance stemmt, verblüfft uns nun doch etwas. Und dann folgt, wie aus dem Nichts, ein Dynamiksprung. Diesen setzen die Saxx-Lautsprecher sehr gelungen um, aber auch die dann wieder folgenden leiseren Parts werden prima präsentiert. Die Stimme Andreas kommt aufgeräumt und klar heraus. Dass man nicht die perfekte Wiedergabe jedes einzelnen stimmtypischen Details erwarten kann und darf, ist klar. Aber die CX 70 gibt, in Relation zur Preisklasse, eine reife und gefällige Vorstellung. Bei großer Lautstärke wird die Stimme allerdings etwas zu deutlich fokussiert, bei den Instrumenten nimmt dann die Detaillierung etwas ab. Der Bass zu Beginn von „L’Attesa“ ist erneut exzellent. Straff, kraftvoll und mit sehr guter Struktur. Was die schlanken, schicken Standlautsprecher hier leisten, ist wirklich rundherum überzeugend. Auch die Loslösung der Stimme Andreas gelingt glaubwürdig.

Wir springen in die 80er Jahre, genauer gesagt ans Ende dieser Ära. Im Jahre 1989 war „Das Omen“ von Mysterious Arts ganz oben in den deutschen Charts zu finden. Und mit einer soliden Wiedergabe des Intros setzt die CX 70 gleich den ersten Akzent. Nun nimmt der Titel seinen Lauf, und wiederum punktet der Lautsprecher mit straffem Bass, der durchaus Nachdruck aufweist und dadurch für ein intensives Hörvergnügen sorgt. Der leicht blecherne, überspitzte Einschlag, den das Quellmaterial aufweist, kaschieren die beiden CX 70 geschickt. Durch ihre homogene Auslegung ermöglichen sie einen erstaunlichen Hörspaß. Dass das Quellmaterial nicht das beste ist, können bei „Last Train To Transcentral“ von The KLF auch die CX 70 nicht ganz verbergen. Doch das, was man hört, verdient durchaus Respekt. Vor allem die gute Auflösung, die ordentliche Gesamt-Balance und der ein weiteres Mal überraschende Antritt im Bassbereich sind für diese Einschätzung verantwortlich. Insgesamt, so bilanzieren wir, kommen die Lautsprecher mit jeder Art von Quellmaterial, das wir bislang zugeführt haben, tadellos zurecht.

Beim Eric Prydz-Remix des Pet Shop Boys-Hits „Miracles“ überzeugen uns die beiden CX 70 ein weiteres Mal durch den kräftigen, lebendigen und klaren Bass. Man merkt zwar, dass – wenig überraschend – kein überbordender Tiefgang geboten wird, aber dort, wo die 13 cm Chassis systembedingt eingreifen können, sind sie voll „bei der Sache“ und liefern eine ausgezeichnete Vorstellung ab. Der ganze Aufbau des Songs wird souverän erledigt, die Stimme von Neil Tennant klingt charismatisch, der harte Bass als Kontrast dazu, und die elektronischen Effekte – hier laufen die Saxx-Speaker zu Höchstform auf und geben eine makellose Vorstellung ab, die für 350 EUR/Stückpreis absolut beachtlich ist. Und diese Eindrücke festigen sich beim Tiesto-Remix des Goldfrapp-Songs „Rocket“. Klar, da geht noch mehr im Bassbereich, gerade bei diesem Remix – aber nicht mit einem 13 cm Tieftöner. Hier holen die CX 70 nahezu ein Optimum aus den Systembedingungen heraus und liefern richtigen Druck und echte Härte im Bassbereich. Doch auch der Rest ist wirklich gut – die Stimme, die gesamte Kulisse – keine ernste Schwäche scheint durch. Und die Pegelfestigkeit ist ohne Fehl und Tadel. Man kann problemlos auch über längere Etappen richtig laut hören. Die CX 70 wird auch nie nervend, schrill oder aggressiv. 

Und wie hört sich „The Howling“ von Within Temptation an? Nach kurzem Intro geht es bei diesem Titel gleich „richtig zur Sache“. Sehr klar und differenziert wird das Intro dargeboten, und der anschließende Dynamiksprung kommt mit tadelloser Vehemenz heraus. Bei hoher Lautstärke ist das Differenzierungsvermögen immer noch gut, wenngleich sich der anspruchsvolle Hörer noch mehr Durchzeichnung wünscht. Man darf hier aber auch nicht vergessen, dass die CX 70 aktuell lediglich 349 EUR pro Stück kostet. In Anbetracht des Preises wird, das untermauert auch diese Testreihe, ein aus akustischer Sicht sehr ansprechender Gegenwert offeriert. Bei „What You Have Done“ überzeugen die Newcomer ebenfalls: Durch soliden Aufbau der gesamten klanglichen Umgebung, durch gute Fokussierung auf die Vocals und durch ein überragendes, authentisches Management der Dynamiksprünge. Prima löst sich die Stimme Keith Caputos von den Chassis, bei der weiblichen Gesangsstimme von Sharon Den Adel hat die CX 70 etwas mehr Probleme, sie wirkt etwas diffuser und bleibt etwas mehr im Hintergrund. 

Aus akustischer Sicht können wir nun die Frage nach der Daseinsberechtigung eines neuen Lautsprecherherstellers, zumindest auf die CX 70, gut beantworten. Sie ist vollauf gegeben. Der 3-Wege-Standlautsprecher klingt komplett, dynamisch und homogen. Sicherlich, die ein oder andere Schwäche, die dem versierten, erfahrenen Hörer auffällt, ist schon herauszuhören – aber diese Schwächen finden sich bei den Konkurrenten genauso. Die CX 70 schafft es auf Anhieb, sich mit den Besten zu messen, und „grast“ nicht irgendwo im Mittelfeld herum. Durch das Auflösungsvermögen im Hochtonbereich und die hohe Impulstreue im Bassbereich werden auch Glanzpunkte gesetzt, die auch bei etablierten Konkurrenten nicht in dem Maße vorhanden sind. 

Wie sieht das Konkurrenzumfeld denn nun im einzelnen aus? Nun, wer 700 EUR ausgeben möchte, aber nur wenig Platz hat und keine Standbox stellen kann, muss nicht auf guten Sound verzichten. Eine besonders gelungene Alternative ist hier die kleine, noble Magnat Quantum Edelstein für 700 EUR Paarpreis. Die Verarbeitung setzt für die Preisklasse Maßstäbe, der klare, detailreiche Sound ist sogar für Jazz und Klassik mehr aus ausreichend. Da die Edelstein sehr kompakt baut, ist es klar, dass Basskraft, Volumen und Tiefgang nicht mit der CX 70  mithalten können. Dafür ist die Quantum Edelstein aber auch nicht gemacht. Beide Schallwandler, Magnat und Saxx, zeigen fürs investierte Geld Großes, und sind für den jeweiligen Anwenderkreis sehr zu empfehlen. 

So günstig kann gut sein – kaum ein Lautsprecher beweist das besser als die Teufel Ultima 40 Mk2, die nicht umsonst Deutschlands meistgekaufter Standlautsprecher  ist. Mit 500 EUR Paarpreis bezahlt man wahrhaftig nicht zu viel für satten Bass, klare Höhen und saubere Mitteltonwiedergabe. Zudem sieht die Ultima 40 auch richtig gut aus und wirkt, nicht zuletzt dank des hochwertigen Sockels, keinesfalls einfach billig. Die CX 70 kostet 100 EUR mehr, wirkt optisch noch edler, akustisch ist sie, bis auf das geringe Volumen, der Teufel-Box ebenbürtig, und schlägt die Ultima 40 Mk2 mit der besseren Hochtonauflösung. 

Auch Nubert liefert in dieser Preisliga mit der schicken, unverwechselbaren nuBox 513 einen klangstarken Beitrag. Bei der Pegelfestigkeit schlagen die Schallwandler von der Ostalb die gesamte Konkurrenz – lauter kann keiner. Bei der Hochtonauflösung wird ebenfalls eine Menge geboten, hier schafft es die CX 70, aber praktisch gleich zu ziehen. Auch die Detaillierung über den gesamten Frequenzbereich ist bei der CX 70 beinahe ebenso gut – Respekt. Im Bassbereich gibt die nuBox 513 noch mehr Gas – nicht, was die Impulstreue betrifft, hier ist die CX 70 überragend -, aber bei Volumen und Nachdruck ist die ebenfalls Tower-artig schlanke nuBox 513 noch besser am Start. 

Bleiben die Wharfedale Diamond D240 – die teureren (499 EUR pro Stück) Standlautsprecher offerieren einen tollen Tiefgang und viel Kraft im Bassbereich, sind überdies pegelfest und klingen sehr angenehm, Gerade für größere Hörräume ist dieser elegante Schallwandler demnach eine tolle Alternative. Für die gebotene Leistung ist der Kaufpreis als fair einzustufen. 

Fazit

Saxx coolSOUND CX 70 Front Seitlich2

Ein sehr gelungener Einstand von Saxx – die coolSOUND CX 70 leistet sich keine ernsthafte Schwäche und kann im Gegenzug mit vielen Stärken überzeugen. Dazu gehört die gelungene, gediegene und zeitlose Optik ebenso wie die akustische Leistungsfähigkeit. Dynamisch, kraftvoll und gleichzeitig homogen tritt die CX 70 an, diese Mischung passt. Mit einem äußerst fairen Kaufpreis muss man die überragende Leistung auch nicht zu hoch bezahlen. Wir sind uns sicher – liefert Saxx bei anderen Boxen aus dem Portfolio auch eine derart überzeugende Performance ab, wird man vom neuen Hersteller noch viel hören, im wahrsten Wortsinne.

Durchmarsch des Newcomers: Optisch edel und schick, akustisch stark – die Saxx coolSOUND CX 70 kann sich auf Anhieb weit vorne platzieren
ueberragend
Standlautsprecher bis 500 EUR/Stück
Test 03. November 2015

+ Gediegene Optik
+ Sehr gute Verarbeitung
+ Grob- und feindynamisch für die Preisklasse ausgezeichnet
+ Straffer und kräftiger Bassbereich
+ Sehr fairer Kaufpreis

– Wirkungsgrad nur durchschnittlich

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 03. November 2015




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