TEST: Dreiwege-Standlautsprecher Magnat Tempus 77 – neue Macht in der gehobenen Einsteigerklasse?

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Die brandneue Magnat Tempus 77, wahlweise in Folierung Schwarz oder Expresso erhältlich  – tatsächlich ein talentierter Standlautsprecher der gehobenen Einsteigerklasse für 329 EUR Stückpreis? Das möchten wir im folgenden Test untersuchen. Bewusst haben wir uns den größeren der beiden Tempus-Standlautsprecher ausgesucht, da uns die Dreiwege-Bassreflex-Box noch stärker durch ein erstklassiges Preis-Leistungsverhältnis aufgefallen ist. Mit neu entwickelten 25 mm fmax-Hochtöner, aus anderen Magnat-Baureihen bekannt,  170 mm Tiefmitteltöner sowie 2 x 170 mm FE-Dynamics Tieftöner ist der etwas über einen Meter hohe Standlautsprecher bestückt. Optisch auffällig und untypisch für die günstige Preisklasse ist der Traversenstandfuß, der für soliden Stand sorgen soll.

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Bassreflex-Öffnungen hinten

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Rückseite komplett

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Zierring um die Chassis, hier einer der beiden 170 mm Tieftöner

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Ordentliches Finish, aber typisch für die Preisklasse keine Perfektion

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Lautsprecher-Schutzgitter

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Im Detail

Die Tempus 77 ist ordentlich foliert, auch an den etwas spitzen Kanten auf der Rückseite. Um die Chassis auf Schallwand sind Ringe in Aluminium-Optik angeordnet. Etwas anorganisch wirkt aus optischer Perspektive die viereckige Umrandung des 25 mm Hochtöners. Das Gehäuse ist nicht als Unibody-Variante ausgeführt, mit gleichbleibend geringem Spaltmaß schließt sich die Schallwand ans eigentliche Gehäuse an. Die Schutzgitter sind einfach gemacht, aber recht ordentlich mit Stoff bespannt. Sie halten konventionell mittels Bolzen und nicht magnetisch. 

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Bi-Wiring-Terminals in guter Qualität

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Das gefällt uns: Hochwertiger Traversen-Standfuß

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Von unten mit Spikes

Die Standbox verfügt sogar über Bi-Wiring-Terminals, die tadellos ausgeführt sind. Etwas schmucklos sind die beiden rückseitigen Bassreflex-Öffnungen integriert, was aber aufgrund des niedrigen Kaufpreises kaum ernsthaft bemängelt werden kann. 

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Reichhaltig bestückt und mit Doppelbass ausgestattet

Sehr erfreulich lesen sich auf dem Papier die Belastungswerte: 175 Watt Belastbarkeit nach RMS und 320 Watt kurzzeitige maximale Belastbarkeit sprechen in dieser Liga für sich. Magnat empfiehlt für den korrekten Betrieb der Tempus 77 Verstärkerleistungen, die pro Kanal über 30 Watt liegen sollten. Der Wirkungsgrad wird mit hervorragenden 92 dB (2,8V/1m) angegeben. Und das sind keine leeren Worte: In der Praxis beweist uns die Box, dass sie wirklich viel aus der vom angeschlossenen Verstärker abgegebenen Leistung herausholt.

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Der Hochtöner spielt bis auf 45 kHz hoch

Was uns noch sehr positiv auffällt: Der 25 mm fmax Hochtöner stellt Frequenzen bis hoch auf 45 kHz dar – das ist erstklassig in der gehobenen Einsteigerklasse, somit kann die Tempus 77 zumindest hinsichtlich der Spezifikationen auch Hi-Res-Audio-Dateien wiedergeben. Wie gut dies tatsächlich gelingt, steht in den weiter unten folgenden Klangtestreihen.  Bis hinunter auf 22 Hz spielt die Tempus 77, auch das ist ein äußerst respektabler Wert. Noch zur Information: Mit 320 und 3.200 Hz werden die Übergangs-Frequenzen angegeben. 

Klang

Wir beginnen mit der Wiedergabe von Hi-Res-Audio-Files: „Desperado“ in der Adaption von Diana Krall erfreut unser Ohr. Die Magnat Tempus 77 liefert eine sehr schöne Abbildung von Dianas Stimme, die vokalen Anteile und auch der instrumentale Rest lösen sich prima von den Boxen. Unser Elac Elements-Vollverstärker im Kompaktformat harmoniert ausgezeichnet mit den schicken Pulheimer Schallwandlern, wie sich auch beim nächsten Song vom Diana Krall-Album „Wallflower“ nachvollziehen lässt: „Don’t Dream, It’s Over“ klingt kultiviert und erfreut mit einer hohen Impulstreue. Die Streicher ertönen rund und sind schön in die gesamte Akustik eingebunden. Der Bass ist präzise und bringt zudem ein stimmiges Volumen mit. Überhaupt – die Tempus 77 spielt ungemein harmonisch, gefällig, zugleich aber exakt und mit guter Feindynamik auf. Der talentierte fmax-Hochtöner sichert eine sehr gute Räumlichkeit bei gleichzeitig tadelloser Durchzeichnung. Die Übergänge vom Bass- in den Mitteltonbereich und vom Mittelton- in den Hochtonbereich erfolgen praktisch nahtlos. Dieses Fließende, Angenehme ist Hauptbestandteil der Klangcharakteristik der Magnat-Konstruktion. 

Beide Diana Krall-Titel wiesen 48 kHz/24-Bit Auflösung auf (Flac-Dateiformat). Nun hören wir „Diamante“ in Flac 96 kHz/24-Bit – und bekommen ein Stück Italien live in den Hörraum transportiert. Sowohl die weibliche als auch die männliche Stimme werden sorgfältig herausgearbeitet, erneut lösen sich die vokalen Anteile sehr gut von den Lautsprecherchassis. Kleinere dynamische Unterschiede werden gut herausgearbeitet, wenngleich der Kenner hier natürlich relativ zügig bemerkt, dass die Tempus 77 einer eher niedrigen Preisklasse angehört. Für einen Stückpreis von 329 EUR aber verdient das Gebotene Respekt, denn gerade fürs gefällige Hören im Alltag eignen sich die Boxen vorzüglich.

Ebenfalls in Flac 96 kHz/24-Bit liegt uns das erste Allegro aus Wolfgang Amadeus Mozarts Violinenkonzert in D-Dur, Köchelverzeichnis 218, vor. Kann man die Tempus 77 für die Wiedergabe klassischer Musik empfehlen? Wir sind verblüfft, die Antwort so schnell und mit so viel Überzeugung geben zu können: Ja! Denn die Tempus 77 beschreitet einen neuen akustischen Weg. Der 3-Wege-Bassreflex-Standlautsprecher ist nicht nur für harte Disco-Beats und kraftvolle Rockmusik ausgelegt, sie ist auch für sensible Musik trotz der niedrigen Preisklasse bestens geeignet. Was der Lautsprecher kann, beweist er uns beim schwierigsten Part des Allegros: Die Violinen-Soli kommen mit feiner Durchzeichnung und luftigem Raumgefühl für die Preisklasse überdurchschnittlich gut zur Geltung. Setzt das gesamte Orchester mit ein, fabriziert die Magnat Tempus 77 eine ausgezeichnete Gesamtdynamik, hier bleibt ebenfalls kaum ein Wunsch offen. 

Mark Knopflers „River Towns“ in Flac 192 kHz/24-Bit liegt der Magnat-Box ebenfalls. Der Bass hat Volumen und ist angenehm straff sowie fundiert. Als Mark zu singen beginnt, kokettiert der Lautsprecher mit einem uns schon bestens bekannten Vorzug: Die Stimme des Sängers löst sich überzeugend vom Lautsprecher. So intensiv haben wir dieses Gefühl in so niedrigen Preisklassen bislang selten genossen. Die akustische Gitarre könnte im Detail noch etwas mehr Prägnanz vertragen, das aber ist „Meckern auf hohem Niveau“. Die als tief empfundene Räumlichkeit trägt zum ganzheitlich guten Klangeindruck ebenfalls bei. Der Rhythmus des Stücks wird impulstreu wiedergegeben, und auch an der Pegelfestigkeit gibt es wenig auszusetzen. Problemlos musiziert die Tempus 77 auch im Hörraum, der knapp 25 Quadratmeter misst. Sie spielt auch bei forscher Lautstärker gelassen und souverän, es kommt kaum zu unpassenden Verzerrungen. 

Und fetzige Club-Sommer-Tracks wie „Summer Jam“ von R.I.O featuring U-Jean? Hier legt die Tempus 77 richtig ab. Lebendig, kraftvoll, mit sattem Bass, der auch bei deutlich erhöhtem Pegel nicht aufweicht, zeichnen den Lautsprecher aus. Er schafft ein weiteres Mal eine dichte, gleichzeitig sauber gestaffelte Räumlichkeit. Der Lykke Li-Klassiker „I Follow Rivers“ im Mix von The Magican lässt die Talente der Tempus 77 ein weiteres Mal aufblitzen. Einzelne Effekte werden präzise im virtuellen Raum platziert, die Impulstreue ist auf hohem Niveau. Die Trennung der Stimme von den Instrumenten ist prima gelungen. „Infinity 2012“ (Guru Josh – R.I.P –  im DJ Antoine vs. Marky Mark Mix) begeistert – dank zwei Faktoren: Der Bass ist gleichermaßen exakt wie kraftvoll, und Auflösung sowie Räumlichkeit im Hochtonbereich gefallen uns enorm gut. 

Konkurrenzvergleich

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Teufel Theater 500: Mit aufwändiger Technik und gefälliger Optik sowie einem kraftvoll-lebendigen Klang haben sich die beiden Berliner Standboxen hervorragend in der gehobenen Einsteigerklasse eingeführt. Mit der bärenstark auftretenden Tempus 77 haben sie nun aber einen ernst zu nehmenden Konkurrenten. Die noch feinere Auflösung begeistert uns bei der Tempus, die Theater 500 macht im Bassbereich dafür noch etwas mehr Druck. Mit einem Paarpreis von 660 EUR ist die Magnat-Box günstiger – den Mehrpreis rechtfertigt die Theater 500 mit noch etwas mehr Pegelfestigkeit. Vorwerfen lässt sich aber auch die Tempus 77 nichts, für den schmalen Kaufpreis ist die Pegelfestigkeit sogar extrem gut. 

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Erstklassiger Klang für wenig Geld – das können auch die Dänen: Die Dali Spektor 6 kommt auf schlappe 600 EUR Paarpreis und liefert dafür in allen Disziplinen tolle Leistungen ab. Die Tempus 77 kontert kalt schon allein durch die Doppelbass-Bestückung: Für 60 EUR Mehrpreis (bezogen auf das Lautsprecher-Paar) bietet sie mehr Bassgewalt und eine etwas höhere Pegelfestigkeit. Die Dali-Spektor schlägt zurück – so angenehm wie sie klingen auch viele teurere Schallwandler nicht. 

Elac Debut Linie F5 Gruppenbild

Auf 758 EUR Paarpreis (UVP) kommt die Elac Debut F5, somit passt sie sehr gut in diese Auswahl. Auch sie ist mit einem Doppelbass bestückt und geht entsprechend gut bei der Wiedergabe tiefer Frequenzen. Die Elac bietet eine gute Auflösung im Hochtonbereich, die Tempus 77 offeriert bei hohen Frequenzen aber das noch bessere Raumgefühl. Auch die Pegelfestigkeit der Pulheimer Box ist noch besser. 

Fazit

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Magnat mischt mit der Tempus 77 den stark besetzten Markt für Standlautsprecher der gehobenen Einsteigerklasse erfolgreich auf. Mit insgesamt guter Verarbeitung, hübscher Optik, aber vor allem mit einem erstaunlich reifen, harmonischen Klang, der ebenfalls durch das tadellose Auflösungsvermögen besticht, setzt sie sich nicht nur gekonnt in Szene, sondern steigt auch gleich an die Klassenspitze auf. Auch der ordentliche Wirkungsgrad und die ausgezeichnete Pegelfestigkeit sind zu loben.

Magnat macht bei der Tempus 77 alles richtig: Kultivierter Klang, sehr gute Pegelfestigkeit, gute Verarbeitung und günstiger Kaufpreis
preisklassenreferenz
Standlautsprecher Einsteiger-/untere Mittelklasse
Test 22. Juni 2017

Test: Carsten Rampacher
Bilder: Philipp Kind
Datum: 22. Juni 2017

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