TEST: Wharfedale D240 – Standlautsprecher der erfolgreichen Diamond-Serie für unter 500 EUR

Wharfedale Diamond 240 Gruppenbild1

Erfolgreich? Das Lautsprecher Ur-Gestein aus Großbritannien legt die beinahe legendäre Diamond-Serie neu auf. Wharfedale betont, dass es sich bei der Neuauflage nicht nur um ein Facelift bzw. Update handelt, sondern die neue „Diamond 200“-Serie komplett neu entwickelt und konzipiert wurde. Dabei halfen modernste Computerprogramme für eine perfekte Gehäusekonstruktion und damit einhergehend die Eliminierung sämtlicher unerwünschter Reflexionen. Außerdem fand ein Technologie-Transfer aus der großen Jade-Serie statt, der spezifisch auf die neuen Diamond-Modelle zugeschnitten wurde. Wie bereits in unserem Special zur diesjährigen Home Cinema Trends beschrieben, besteht die neue Diamond-Serie aus insgesamt sechs Lautsprecher-Modellen plus zwei aktiven Subwoofern. Wir haben uns zunächst die goldene Mitte der Standlautsprecher ausgesicht, die D240. Seit jeher gilt die Diamond-Serie im Wharfedale-Portfolio als Preis-/Leistungs-Champ, auch mit der neuen Diamond 200 soll maximale Performance zu erschwinglichem Preis geboten werden. Der Stückpreis der D240 liegt bei 499 EUR.

Wharfedale Diamond 240 Front Seitlich2

3-Wege Standlautsprecher D240

Wharfedale Diamond 240 Verarbeitung2

MDF-Gehäuse mit aufgesetzter Schallwand

Wharfedale Diamond 240 Verarbeitung1

Solide Detailverarbeitung

Wharfedale Diamond 240 Standfuss

Sockel in mattschwarz

Wharfedale Diamond 240 Rueckseite Seitlich

Rückseite

Wharfedale Diamond 240 Anschluesse Rueckseite

Lautsprecher-Terminal

Unsere Diamond D240 kommt in Walnuss daher, die Schallwandler sind aber auch noch in weiß oder schwarz erhältlich. Das MDF-Gehäuse wirkt stabil und ist, wie bereits erwähnt, intern mehrfach verstrebt. Die Folierung ist sorgfältig aufgebracht, auch anden häufig problematischen, nicht gerundeten Ecken treten hier keine Probleme auf. Die aufgesetzte Schallwand ist hochglänzend schwarz lackiert und macht ebenfalls einen wertigen Eindruck. Die einzelnen Chassis sind sauber in die Schallwand integriert und mit einzelnen Stoffabdeckungen versehen. Besonderheit dabei ist, dass man keine Öffnungen für die Zapfen der Abdeckgitter vorfindet, obwohl hier nichts magnetisch befestigt ist. Die Spax-Schrauben dienen als Aufnahme, sehr geschickt. Die Stoffgitter selbst sind an Kunststoff befestigt und entsprechen der Preisklasse. Das Gehäuse fußt auf einem Sockel, der wiederum mit Spikes vom Boden entkoppelt ist. Der Sockel ist mattschwarz und hat eine etwas rauere Oberfläche. Die Rückwand ist ebenfalls mattschwarz gehalten, darauf befindet sich ein Bi-Wiring-Terminal mit vergoldeten und gekapselten Anschlüssen. Insgesamt sind die D240 für einen Lautsprecher in der umkämpftens Preisregion von knapp 500 EUR pro Stück sehr sauber verarbeitet und wirken dank der einzelnen Gitter sowie der geschickten Kaschierung der Befestigung modern und elegant.

Wharfedale Diamond 240 Hochtoener

Hochtöner

Wharfedale Diamond 240 Mitteltoener

Ein 130mm Töner ist für die Mitten zuständig

Wharfedale Diamond 240 Mitteltoener ausgebaut2

Mitteltöner

Wharfedale Diamond 240 Mitteltoener ausgebaut1

Ansicht von oben

Wharfedale Diamond 240 Tieftoener

Die Bässe übernehmen zwei 165mm Woofer

Wharfedale Diamond 240 Tieftoener ausgebaut1

Tieftöner ausgebaut

Wharfedale Diamond 240 Tieftoener ausgebaut2

Ansicht von oben

Die Diamond D240 ist ein 3-Wege Standlautsprecher, konstruiert nach dem Bassreflex-Prinzip. Die Bassreflexöffnungen, zwei an der Zahl, sind nicht sofort ersichtlich, da sie nach unten zum Sockel hin abstrahlen. Das erleichtert die wandnahe Aufstellung, Wharfedale empfiehlt aber für gute akustische Performance trotzdem, einen Abstand von etwa 20cm zur Wand einzuhalten. Neben dem 25cm Gewebe-Hochtöner kommen en 130mm Mittel- und zwei 165mm Tieftöner für die übrigen Frequenzbereiche zum Einsatz. Dabei handelt es sich um Membrane aus Kevlar-Gewebe, die ihre Basis in der Jade-Serie haben. Semi-elliptische Bereiche im Gewebe der Schallwandler (auch auf den Bildern zu sehen) sorgen für weiche Übergänge innerhalb des Frequenzbereichs. Die Tief- und Mitteltöner sind in separaten Bereichen untergebracht und können so völlig autark arbeiten.

Auch der Antrieb wurde verbessert und ist nun leistungsstärker bei gleichzeitig höherer Effizienz. Sämtliche noch vorhandenen Nebengeräusche werden durch die ausgeklügelte Gehäusekonstruktion auf 35 dB unter den Pegel der aktuellen Ausgabe des Treibers gesenkt und sind somit quasi unhörbar.

Der Wirkungsgrad liegt bei soliden 89 dB. Die Abmessungen der D240 betragen 1023 x 204 x 394 mm (BxHxT) und das Gewicht liegt bei knapp 22kg pro Stück.

Klang

Den Beginn unserer Klangtestreihen machen die bewährten klassischen Aufnahmen von 2L – the nordic sound. Spezifisch starten wir mit Mozarts Violinkonzert no. 4 in D-Dur KV218, gespielt von Marianne Thorsen und den TrondheimSolistene. Die Wharfedale Lautsprecher beginnen spritzig und voll, hier wird einiges an Bass-Volumen mobil gemacht, ohne dass man zu starken Übertreibungen neigt. Das Klangbild gesamt wirkt sehr harmonisch, die Streicher warm, aber detailliert. Exzellent ist die Räumlichkeit, die die Diamond 240 auf die Beine stellen. Unser großer Hörraum wird absolut souverän beschallt – und hier sind noch deutliche Reserven. Die Staffelung der einzelnen Instrumente auf der Bühne ist ebenso wie die Differenzierung exzellent, das Zusammenspiel gelingt hervorragend. Feind tiefer Frequenzen sollte man nicht sein, die D 240 trägt die Elemente im Bass-Bereich aussdrucksstark und füllig an den Hörer. Hoch bleibt aber die Präzision: wo kein Bass hingehört, ist auch keiner anzutreffen. Ist er gefordert, kommt er schnell und schlagkräftig. Man merkt sofort, dass die Wharfedale Klang-Ingenieure den Sound der Diamond-Serie in realistischer Hör- bzw. Wohnzimmerumgebung feinjustiert haben. Auch in helleren Räumen erklingt die D240 stets angenehm und auch bei höherem Pegel nie aggressiv, behält aber den für Wharfedale typischen Charakter. Die Box ist somit von neutralem Charakter geprägt, zeigt aber durchaus Spielfreude und Musikalität. In ihrer Preisklasse wird uns hier ein exzellentes Gesamtbild demonstriert, mit viel Feindynamik im Mitten- und Hochtonbereich und Kraft und Tiefgang in den unteren Frequenzen.

Auch beim zweiten Stück von Mozart, dem „Dena Piano Duo“, eine Sonate für zwei Klaviere in D-Dur (KV 448) begeistert uns die D240. Das Piano wird mit erstaunlicher Authentizität wiedergegeben und gefällt mit einem Touch Seidenhaftigkeit und warmer Note. Die zwei Instrumente lassen sich durch das Stück hindurch problemlos unterscheiden und sind auch örtlich klar getrennt. Beim Cikada Duo kann sich die Stärke im Tieftonbereich sofort beweisen. Hier wird ein raumfüllendes Bass-Volumen erzeugt, bei dem manch andere Vertreter im Bereich der 500 EUR-Klasse nur staunen können. Sattes Volumen, kräftiger Antritt und dabei eine exzellente Geschwindigkeit und Präzision, so dass wir kein Nachschwingen erkennen können. Ebenfalls hervorragend ist wieder die räumliche Platzierung einzelner akustischer Elemente, die klar zugeordnet werden können.

Weiter geht es mit den „Eagles“ auf ihrer Farewell-Tour in Australien. „Live from Melbourne“ präsentieren uns die Alt-Rocker „Heartache Tonight“, „Life in the Fast Lane“ und selbstverständlich auch „Hotel California“. Die Bühne ist absolut sauber gestaffelt und auch die die Saiteninstrumente sind gut zu differenzieren, die Blechbläser unverkennbar. Das Schlagzeug wird hier nicht ganz markant in den Fokus gestellt, sondern sauber in die Gesamtumgebung eingearbeitet und ist im Bedarfsfall satt zur Stelle. Die Stimmwiedergabe gefällt schon beim ersten Titel mit charakteristischer Darstellung und exzellenter Loslösung vom Lautsprecher. Bei „Life in the Fast Lane“ wird Don Henley am Schlagzeug etwas markanter und kräftiger und beweist sogleich, was er am Mikrofon kann. Die Wharfedale D240 setzt seinen Gesang sauber um, arbeitet feindynamische Elemente in die Gesamtkulisse stimmig ein und präsentiert eine authentische Konzertatmosphäre. Die gefällt besonders durch die für die Preisklasse klar überdurchschnittliche Räumlichkeit und Gesamtpräsenz des Lautsprechers, der das Gebotene stets mit einem substantiellem Fundament unterstreicht.

Der hervorragende Gesamteindruck wird auch bei „Hotel California“ nicht getrübt. Mit einer exzellenten Darbietung des Trompeten-Solos stimmen uns die Wharfedale-Schallwandler auf den Evergreen aus dem Jahre 1976 ein. Auch das Gitarren-Intro gefällt mit cleaner Darstellung der Stahlsaiten und problemloser Differenzierung der einzelnen Instrumente. Abgesehen von der Räumlichkeit ist auch die Ausgewogenheit und Balance der D240 für ihre Preisklasse erstaunlich und auf sehr hohem Niveau. Kein Frequenzbereich scheint bevorzugt, eine klare Durchzeichnung und Struktur in Tiefen, Mitten und Höhen ist die Folge. Nach oben hin begnügt sich die D240 mit einem sehr angenehmen Sound und hat nicht den Anspruch, das letzte Quäntchen Detail an den Hörer zu bringen – besonders bei günstigeren Lautsprechern geht dies zumeist auf Kosten des Zuhörers, dem aufgrund des anstrengenderen Hörens nach wenigen Minuten der Spaß vergeht. Das soll erwähnt sein, aber den D240 nicht großartig als Kritikpunkt zur Last gelegt werden. Denn großartig fehlen wird Interessenten der D240 nichts. Die Bühne ist breit und groß dimensioniert, sehr gut gestaffelt und es wird Dynamik, Souveränität und ein insgesamt sehr ausgewogenes Gesamtbild geschaffen, das mitreißend und lebendig klingt, ohne je anstrengend zu werden.

Mit DJ Tiestos „Elements of Life“ – Tour, aufgenommen in Kopenhagen, dürfen sich die Wharfedale Schallwandler natürlich auch noch an elektronischer Musik gütlich tun. Der etwas betonte Bassbereich bietet sehr gute Struktur und zeigt auch verschiedene Ebenen des Frequenzbereiches solide auf. Zudem beweist die D240 einen ausgezeichneten Tiefgang, auch tief unten wird noch souverän und kraftvoll aufgespielt. Die grundsätzliche Aggressivität des Tracks „Traffic“ fehlt ein wenig, dafür sind die D240 in den hohen Bereichen schlichtweg zu sanft und angenehm. Das Lied bleibt trotzdem fordernd und treibend, Antritt und Geschwindigkeit begeistern. Den Facettenreichtum im Bassbereich bestätigt der Lautsprecher nochmals bei „Back in Your Head“ und gefällt mit kräftigem Kickbass bei gleichzeitig rundem Fundament. Auch die Räumlichkeit weiß wieder zu überzeugen und einzelne akustische Synthi-Elemente können im dreidimensionalen Klangfeld gut zugeordnet werden.

Wie sieht es im Konkurrenzumfeld der Diamond 240 aus? Klipsch hat hier die enorm dynamische RP-280F im Angebot, deren Marktpreise etwas über der D240 liegen. Die US-Amerikaner sind extrem pegelfest und treten mit einer Auslegung auf, die Spektakel in den Fokus schiebt. Die Wharfedales sind erwachsener, ausgewogener, vermitteln aber kaum weniger Spielfreude. Beide Schallwandler bieten exzellente Räumlichkeit und Bühne, in den oberen Frequenzbereichen sind die Klipsch-Lautsprecher fordernd, die D240 angenehm und sanft. Noch einmal deutlich teurer als die D240 sind die 99.36 von XTZ, die mit überragender Verarbeitungsqualität und schwarzer Hochglanz-Lackierung daher kommen. Außerdem steckt in den XTZ-Schallwandlern ein Bändchen, dass ebenfalls einen sehr angenehmen Hochtonbereich mit solider Detaillierung bietet. Die 99.36 sind enorm pegelfest, bieten eine tolle Stimmenloslösung und exzellente Räumlichkeit mit zusätzlicher Möglichkeit zur Anpassung der Akustik. Die grundsätzliche tonale Auslegung und balancierte Spielweise ist den D240 aber ähnlich, und wer einen etwas bezüglich der Zuspielung weniger anspruchsvollen Schallwandler mit ausgezeichnetem Preis-/Leistungs-Verhältnis sucht, findet womöglich auch bei Wharfedale die richtigen Partner.

Fazit

Wharfedale Diamond 240 Gruppenbild1

Die Wharfedale D240 sind erstaunlich ausgewogene, erwachsene Lautsprecher zum vergleichsweise günstigen Preis von nicht einmal 1.000 EUR/Paar. Der souveräne Auftritt wird durch eine hervorragende Räumlichkeit, tolle Dynamik und einen satten Tieftonbereich geprägt. Bezüglich der Zuspielung sind die Schallwandler dank ihrer angenehmen Tonalität, die den Hörer niemals fordert sondern entspannt umspielt, völlig unkompliziert. Auch die Verarbeitungsqualität ist auf sehr solidem Niveau, die Optik schick und elegant.

Schicke Briten mit exzellenten akustischen Qualitäten zum absolut fairen Preis
ueberragend
21.10.2015

+ Solide Verarbeitung
+ Fairer Preis+ Exzellente Räumlichkeit
+ Volumen und Tiefgang
+ Sehr angenehme Tonalität
+ Sehr gute Detaillierung
+ Sehr souverän

– Verarbeitung im Detail

 

Test: Philipp Kind
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 21.10.2015




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