TEST: Nubert nuBox 513 – Klangstarke Sound-„Tower“ aus dem Schwabenland?

Nubert nuBox 513 Gruppenbild3

Schon im Frühjahr haben uns die schwäbischen Lautsprecher-Spezialisten von nubert mit einer komplett überarbeiteten nuBox-Serie überrascht. Zum klassischen nuBox-Sortiment und als Nachfolger der nuBox 511 gesellt sich nun eine schlanke, hoch aufragende Standbox namens nuBox 513. Sofort ist klar: Neben akustischer Top-Performance liegt hier auch die Wohnraumfreundlichkeit und der allseits bekannte WAF (Women Acceptance Factor) im Fokus. Einen „vollen Klang und breite Bühne“ soll der neue Schallwandler trotz seiner schlanken Linie bieten. Die Boxen sind in Dekorfolie in Schwarz und lackierter Schallwand in Schwarz, in Dekorfolie in Schwarz und lackierter Schallwand in Silber und in Dekorfolie in Makassar-Ebenholz und lackierter Schallwand in Schwarz erhältlich. Der Preis pro Stück liegt bei 419 EUR.

Nubert nuBox 513 Front Seitlich1

Frontansicht der nuBox 513

Nubert nuBox 513 Verarbeitung

Sehr solide Detailverarbeitung

Nubert nuBox 513 Rueckseite Seitlich3

Rückseite

Nubert nuBox 513 Anschluesse Rueckseite

Lautsprecher-Terminals

Nubert nuBox 513 Bassreflexrohr

Bassreflexöffnung

Der nuBox-Lautsprecherserie angemessen haben wir es bei der nuBox 513 nicht mit einem sehr außergewöhnlichen Design, sondern klassischer Standlautsprecher-Optik zu tun. Fast zumindest, denn mit Abmessungen von 100 x 17 x 30 cm (HxBxT) gehört der Schallwandler zu den „Towern“ im Marktumfeld, weist also eine sehr schlanke Form auf und wirkt im modernen Wohnzimmer dezent und nicht so aufdringlich wie eine klassische Box mit breiter Form. Unsere Variante in der Kombination schwarz und silber wirkt klassisch, aber keinesfalls langweilig. Die Seiten des MDF-Gehäuses sind zwar foliert, die Folierung ist aber an allen Seiten sehr sorgfältig und sauber aufgebracht. Die silberne Schallwand, die minimal über die Seitenwände hinaussteht, ist lackiert. Der Übergang der beiden Komponenten ist absolut nahtlos und akkurat. Auch die einzelnen Chassis sind sauber in die Schallwand integriert. Die Kanten sind leider nicht gerundet, im Vergleich mit dem zugehörigen Preisbereich weist die nuBox 513 eine ausgezeichnete Verarbeitungsqualität auf und zeigt keine große Schwäche.

An der Rückseite findet sich ein solides Bi-Wiring-Schraubterminal, das problemlos für dickere Kabeldurchmesser geeignet ist und natürlich auch Bananenstecker entgegennimmt. Darunter ist die Bassreflexöffnung integriert. Da sich die Öffnung auf der Rückseite befindet, empfiehlt der Hersteller einen Abstand von minimal 3cm zur Wand und den Verschluss der Öffnung, wenn nur eine direkte Aufstellung an der Wand möglich ist.

Nubert nuBox 513 Tiefmitteltoener

3 x 150mm Tieftöner mit PP-Membran

Nubert nuBox 513 Hochtoener

Hochtöner mit 25mm Seidengewebekalotte

Die nuBox 513 ist ein Zwei-Wege-Standlautsprecher in Bassreflexbauweise. Das Gehäuse besteht aus MDF und weist eine Wandstärke aus 19 bis 38 mm auf. Alle drei 150 mm Polypropylen-Töner arbeiten im Bass parallel, der obere strahlt auch den Mittentonbereich ab. Die Tieftöner verfügen über Aluminiumdruckgusskörbe und großzügige Belüftung für ein perfektes Temperaturmanagement bei Dauerbelastung. Die 25mm Seidenhochtonkalotte ist eine komplette Neuentwicklung und begeistert dank einer speziell bedampften Rückkammer und einer mit Ferrofluid gekühlten Schwingspule besonders im Übergangsbereich zum Tieftöner. Hier wurde ein Technologietransfer aus den nuLine- und nuVero-Serien vollzogen.

Der Frequenzbereich der nuBox 513 ist mit 36- 22.000 Hz angegeben. Wer im unteren Bereich noch nachhelfen möchte, kann zum AW-443 oder gar zum AW-993 greifen. Ob dies zwingend notwendig ist, sehen wir im Klang-Check. Die kurzzeitige Maximalbelastbarkeit liegt bei satten 320 Watt, der Wirkungsgrad ist mit 85 dB nicht extrem hoch. Das Gewicht des Lautsprechers liegt bei 21 kg.

Nubert nuBox 513 Innenleben2

Aufwändige Frequenzweiche

Wie üblich bei Nubert gestaltet sich die Frequenzweiche aufwändig ausgestattet und hochwertig bestückt. Hier kommen im Hoch- und Mitteltonbereich langzeitstabile Folienkondensatoren zum Einsatz. Zusätzlich sollen auch noch Schaltkreise zur Impuls- und Phasenoptimierung integriert sein, um ein möglichst präzises Klangbild und großzügiges Abstrahlverhalten zu erzielen. Damit die Box nicht beschädigt wird, gibt es eine Schutzschaltung, die bei drohender Überlastung den Verstärkerstrom zu Chassis und Weiche unterbricht und sich danach selbständig wieder in den Normalbetrieb zurückversetzt. An der Rückseite zwischen den Anschluss-Terminals ist eine Zusatzschaltung integriert. Hier kann man die Hochtonwiedergabe beeinflußen. Neben neutral kann man hier den Schalter auf „Brilliant“ oder „Sanft“ stellen.

Nubert nuBox 513 Gruppenbild1

Akustische starke Sound-„Tower“?

Mozarts Violinkonzert no.4 in D-Dur (KV 218) macht bei unseren Klangtestreihen den Anfang.  Als Medium kommt die 2L – The Nordic Sound Blu-ray zum Einsatz, die neben PCM- und DTS-HD MA 5.1-Tonspuren auch eine Stereo-Variante bereithält. Die Nubert-Tower beginnen dynamisch und kraftvoll und modellieren das Instrumenten-Ensemble sehr differenziert und ausdrucksstark auf die breite Bühne. Die Violinklänge gestalten sich brilliant und detailliert, bleiben aber durchweg angenehm und erklingen nicht zu scharf angezogen oder anstrengend. Die einzelnen Instrumente werden zudem sehr akkurat auf der Bühne platziert und werden exzellent lokal separiert. Bei den flinken Triolen agieren die Nubert-Schallwandler mit hoher Geschwindigkeit und absoluter Harmonie über alle Frequenzbereiche. Der Klang löst sich zudem ausgezeichnet vom Schallwandler, die Bühne wird förmlich vor dem geistigen Auge zentral aufgebaut und kann problemlos nachverfolgt werden. Die Tiefen schließen sich nahtlos an die unteren Mitten an und agieren mit identischer Impulstreue und Dynamik. Die nuBox 513 ist kraftvoll und voluminös zur Stelle, wenn es der Einsatz erfordert, trägt aber nie zu dick auf oder lässt es an Präzision mangeln. Auch gegen Ende des Liedes, wenn die Streicher noch ein wenig ausdrucksstärker erklingen, werden die schwäbischen Klangtürme in der Stellung „Neutral“ nie aggressiv oder unangenehm. Selbst wenn man hinten am Lautsprecher den Schalter auf „Brilliant“ stellt, bleiben die nubert Lautsprecher gefällig, allerdings sind sie bereits in „Neutral“ mit hervorragender Detaillierung und Struktur gekennzeichnet, so dass man hier auch die räumlichen Gegebenheiten einbeziehen sollte. In unserem, akustisch optimierten, Raum fühlen sich die nuBox 513 in beiden Einstellungen wohl. In einem sehr hellhörigen Raum ohne Teppichboden lohnt es sich vielleicht, auch einmal mit der Stellung „Sanft“ Probe zu hören.

Auch die Piano-Klänge von Mozarts Klaviersonate für zwei Pianos in D-Dur (KV 448) bereitet der nuBox 513 keine Probleme. Ganz im Gegenteil, die typische Klangfarbe des Klaviers wird von den beiden, nicht überaus kostspieligen, Schallwandlern exzellent erfasst und an den Hörer getragen. Das schnelle Agieren der Chassis und die stimmige Gesamtharmonie tragen ihren Teil zum ausgezeichneten Eindruck bei. Die Unterscheidung der beiden Konzertflügel fällt ungemein leicht, nicht zuletzt aufgrund der hervorragenden räumlichen Trennung auf der Bühne. So lassen sich beide Instrumente sehr gut verfolgen und genießen. In Kombination mit einem hochwertigen Verstärker entfaltet die nuBox 513 ein enormes Potential und wird selbst audiophilen Ansprüchen gerecht. Fein ziseliert und strukturiert gefallen die einzelnen Frequenzbereiche und verschmelzen zu einem harmonischen Ganzen. Lediglich derjenige, der auf etwas mehr Spektakel steht, wird ein wenig Spritzigkeit vermissen. Beim Cikada Duo von Arne Nordheim, einem sehr experimentellem Percussion-Stück zeigen die Nubert-Lautsprecher, wie präzise und genau sie akustische Effekte im Raum platzieren können. Außerdem sind sie blitzschnell zur Stelle, wenn untenrum etwas mehr gefordert wird. Der Tieftonbereich glänzt mit Volumen, Kraft und gleichzeitger Präzision.

Zeit, das Genre zu wechseln. Wir bleiben bei PCM-Stereo und der Blu-ray Zuspielung, lassen uns jetzt aber mit Klängen der Eagles Farewell Tour aus Melbourne verwöhnen. Bei Heartache Tonight empfängt uns ein sehr klares, transparentes und durchhörbares Klangbild, bei dem die nuBox 513 wieder mit ausgezeichneter Bühnenstaffelung und Instrumentaldifferenzierung glänzen. Da sich der Klang auch hervorragend von den Schallwandlern löst, wird ein sehr räumlicher und Konzert-authentischer Eindruck erreicht. Die Vokalstimme steht zentral und ist gut detailliert, wenn wir hier auch schon ein wenig mehr charakteristische Eigenschaften herausgearbeitet gehört haben. Auch inklusive Blechbläser und Keyboard, die das akustische Geschehen sehr komplex gestaltet, bleiben die Nubert-Lautsprecher differenziert und trennen sämtliche Instrumente sauber. Das Schlagzeug formen die nuBox 513 sehr präzise aus. Der Bass kommt sehr trocken, hart und zeitlich genau auf den Punkt. Die zwei Nubert-Tower achten sehr genau darauf, dass hier kein Quäntchen zu dick aufgetragen wird. Wer also auf einen eher ausgeprägten und runden Sound untenrum wert legt, dem ist das vielleicht etwas zu wenig. Wer auf Genauigkeit und Präzision steht, ist hier bestens bedient. So verhalten sich die Nubert auch in den anderen Frequenzbereichen und erreichen damit einen sehr harmonischen, homogenen Sound.

Gänsehaut-Feeling kommt beim Trompeten-Intro von „Hotel California“ auf. Die Schwaben erfassen den charakteristischen Klang des Blechblasinstrumentes ausgezeichnet und fahren wenige Sekunden später mit eindeutig identifizierbarem Stahlsaiten-Klang der Gitarren fort. Wie schon bei den vorherigen Beispielen festgestellt, zeichnet die nuBox 513 sich besonders durch ein transparentes und durchhörbares Klangbild sowie überragender Instrumentaltrennung aus. Gepaart mit der exzellenten Präzision verschmelzen die Klänge zu einer sehr klar definierten und nachvollziehbaren Bühne, der es nur vereinzelt an etwas Substanz fehlt, die nur in deutlich höheren Preisklassen zu finden ist. Auch die Vokalstimmen überzeugen hier ohne Unterlaß und sind perfekt in die Kulisse integriert.

Das Schlagzeug kommt bei „Hotel California“ wieder perfekt präzise und entwickelt bei härteren Bass-Schlägen auch die gewünschte Kraft. Wir wollen uns den Tiefgang und das Volumen noch einmal genauer anhören und was wäre da geeigneter, als Simon Viklunds „The Mark“, zugespielt diesmal von einem DLNA-Server im FLAC-Format. Gestartet wird aber wieder mit sehr exakt lokalisierbaren Effekten, die die Nubert-Lautpsrecher atmosphärisch in der Kulisse integrieren. Als uns die wortwörtlichen Bass-„Schläge“ entgegengeschleudert werden, entzieht sich die nuBox 513 jeglicher Zweifel. Keine Frage, der Sound ist staubtrocken, aber eisenhart. Absolut präzise, nicht ein Hauch eines Nachhinkens oder der Ansatz eines „runden“ Sounds ist zu spüren, schlichtweg eine knochentrockene Bassdrum, die einem aber sehr kraftvoll um die Ohren geschleudert wird. Als nach drei Minuten die Tiefton-Elemente etwas strukturierter werden, gelingt den Lautsprechern eine sehr saubere Trennung der einzelnen Ebenen. Auch bezüglich des Tiefgangs gibt es wenig zu meckern – zwar könnte mit mehr Volumen hier vermutlich noch mehr geboten sein, die nuBox 513 spielen aber schon solide in die Magengrube. Absolut überdurchschnittlich gut präsentieren sich die Schwaben bezüglich ihrer Pegelfestigkeit. Wir muten dem Pärchen extrem viel zu und sie lassen sich einfach nicht kleinkriegen – selbst bei komplexerem Klanggeschehen ab etwa fünf Minuten im Track. Die Schallwandler werden weder unangenehm, noch komprimieren oder verzerren sie. Überragend für die Preisklasse, wie sauber hier bis zum Maximalpegel (der hier vom Autor limitiert wird) aufgespielt wird. Auch bei „Contact“ vom enorm erfolgreichen, französischen DJ-Duo spielen die Nuberts sehr kraftvoll und atmosphärisch auf. Von der exzellenten Differenzierung profitieren nicht nur Instrumente sondern auch akustische Synthesizer-Elemente enorm. Die gesamte Kulisse wirkt dadurch sehr transparent und definiert. Auch die Geschwindigkeit und damit einhergehend die Direktheit der Schwaben begeistert.

Wie sieht das Konkurrenzumfeld der Nubert Lautsprecher aus? Ähnlich schlank und bezüglich ihrer Höhe auch kleiner ist die Chromium Style 52 von Quadral. Sie ist immer noch etwas teurer als die nuBox 513, dafür erhält man eine vollständig lackierte Box mit gerundeten Kanten, während die Nubert nur foliert sind und eine etwas klassischere Optik vorweisen. Akustisch stehen die Schwaben nicht nach, beide Konkurrenten bieten einen exzellent angenehmen Hochtonbereich und begeistern mit einer weitläufigen Bühne in ihrer Preisklasse. Bei der Pegelfestigkeit macht man den Schwaben so schnell nichts vor, auch bei extrem hohen Pegel bleiben die nuBox 513 souverän und kompressionsfrei. Beinahe auf einem Preisniveau liegen die RF62 MKII von Klipsch. Sie wirken nicht ganz so sauber verarbeitet wie die Schallwandler aus Schwäbisch Gmünd, liefern dafür absolut ebenbürtige Pegelfestigkeit und hohen Wirkungsgrad. Untenrum sind sie etwas runder ausgelegt und wirken mächtiger, während die nuBox 513 sehr präzise und trocken aufspielen. Bei der Detaillierung hat die RF62 MKII deutlich zugelegt, ein derart gestaffeltes und definiertes Klangbild wie die Nubert liefern sie aber nicht.

Fazit

Nubert nuBox 513 Gruppenbild3

Die nuBox 513 präsentieren sich in klassischer, aber gleichzeitg schlanker Formensprache. Dank der geringen Breite gliedern sich die Schallwandler trotz ihrer Höhe mit dezentem Chic ins moderne Wohnzimmer ein. Die Lautsprecher sind teils foliert und teils lackiert und machen bezüglich ihrer Verarbeitung einen insgesamt sehr soliden Eindruck. Akustisch beweisen sie mit einer überdurchschnittlich guten Instrumentaldifferenzierung und exzellentem Bühnenaufbau Stärke. Durchhörbar und transparent ist die Klangkulisse, klare Struktur und ausgezeichnete Dynamik garantieren ein sehr authentisches Klangerlebnis. Untenrum sind die Nubert-Lautsprecher hart und trocken ausgelegt und agieren mit hoher Präzision. Bezüglich ihrer Preisklasse liefern die Nubert nuBox 513 eine überragende Performance ab, auch was die Pegelfestigkeit betrifft werden hier kaum Grenzen gesetzt. Um das volle Potential der Schallwandler auszuschöpfen, ist die Kombination mit hochwertiger Elektronik empfehlenswert.

 Schwäbische Sound-„Tower“ mit akustischer Top-Performance und exzellentem Preis-/Leistungsverhältnis
ueberragend
Stereo-Lautsprecher

+ Sehr pegelfest
+ Transparentes, durchhorbares Klangbild
+ Exzellente Instrumentaldifferenzierung
+ Sehr gute Bühnenstaffelung
+ Hohe Präzision
+ Schlanke Formensprache

– Wirkunsgrad nicht der höchste

 

Test: Philipp Kind
Fotos: Sven Wunderlich




Alle aktuellen Tests auf AREA DVD
  ZURÜCK