TEST: Nobel-Regallautsprecher Magnat Quantum Edelstein

Magnat Quantum Edelstein Gruppenbild2

„Edelstein“ heißt Magnats neues Schmuckstück der Quantum-Serie – und genauso unvergänglich, edel und perfekt wie ein geschliffener Diamant möchte der Schallwandler sein.

Der optische Eindruck wird der anspruchsvollen Maxime schon einmal gerecht: Die beiden Regallautsprecher kommen in tief sitzender schwarzer (auf Wunsch auch weißer) Hochglanzlackierung und massiver Aluminium-Schallfront daher. Das Gehäuse sitzt auf einer doppelten Bodenplatte, die eine Kombination aus poliertem Acrylglas und Aluminium darstellt.

Wie der Namensgeber sollen auch die Schallwandler nicht nur ein brilliantes Äußeres bieten sondern auch mit innerem „Wert“ überzeugen. High-End in kompakter Form – haptisch und akustisch – ist die Devise der Quantum Edelstein. Doch wie schlagen sich die Regallautsprecher zum Preis von 349 EUR pro Stück im Praxistest? Wir möchten es Ihnen nicht länger vorenthalten.

Magnat Quantum Edelstein Front Seitlich1

 Exquisite Verarbeitungsqualität rundum

Magnat Quantum Edelstein Verarbeitung4

Die beiden Bodenplatten sind voneinander entkoppelt

Magnat Quantum Edelstein Bodenplatte

Großzügig dimensionierte Gummifüße an der massiven Aluplatte

Magnat Quantum Edelstein Standfuss

Sauber und parallel verlaufendes Spaltmaß

Mit Abmessungen von 135 x 232 x 246 mm kommt Magnats neuer Regallautsprecher recht kompakt daher, bringt aber mit 5 kg für ihre Größe ein sehr solides Gewicht mit sich.

Die Frontplatte besitzt eine eindrucksvolle Wandstärke und wirkt allein schon durch ihre geschliffene Alu-Oberfläche sehr hochwertig. Hinzu kommen gefräste und glanzgedrehte Schallführungen für die Chassis, die ohne sichtbaren Schraubeneinsatz an der Schallwand integriert wurden. Schade nur, dass die Schallwand nicht völlig frei von Schrauben ist. Die vier Spax-Schrauben in den Ecken dienen gleichzeitig der magnetischen Befestigung des Lautsprechergitters aus einer Kunststoffkonstruktion mit Stoffbespannung.

Das Gehäuse, dass sich der Alu-Schallwand anschließt, ist aus MDF gefertigt und mit einer tief sitzenden schwarzen Hochglanzlackierung versehen, die an jeder Stelle sauber aufgetragen und kaum anfällig gegenüber Kratzern wirkt.

Magnat Quantum Edelstein Rueckseite Seitlich1

Rückseite der Edelstein

Magnat Quantum Edelstein Bassreflexrohr

Bassreflexöffnung

Magnat Quantum Edelstein Anschluesse2

Lautsprecheranschlüsse

Magnat Quantum Edelstein Innenleben

Innenliegende Frequenzweiche

Auch die Rückseite der Edelstein entzückt. Die tief sitzende Hochglanzoberfläche ist auch an der Rückseite zu finden und umschließt die sauber integrierte Bassreflexöffnung sowie das Anschlussfeld mit den vergoldeten, mit Acryl versiegelten Schraubanschlüssen. Die Frequenzweiche ist liegend im Inneren des Gehäuses untergrebracht und nicht direkt hinter der Abdeckung der Lautsprecheranschlüsse. Die Innenverkabelung wirkt solide und ist mit hohem Kabelquerschnitt versehen. Im Gehäuse ist auch noch ein Versteifungsbrett für Resonanzarmut und minimale Eigenvibrationen untergebracht.

Magnat Quantum Edelstein Verarbeitung1

Die Chassis sind exakt eingepasst

Magnat Quantum Edelstein Tieftoener

Aluminium-Keramik-Sandwichmembran

Magnat Quantum Edelstein Hochtoener2

Seidenkalotten-Hochtöner

Sowohl der Hochtöner- als auch der Tiefmitteltöner sind exakt eingepasst und kommen mit der gefrästen und glanzgedrehten Oberfläche besonders gut zur Geltung. Der Seidenkalotten-Hochtöner bietet eine besonders breite Sicke und soll auch Frequenzen über 20 kHz exzellent abstrahlen. Ein leistungsstarkes Neodym-Magnetsystem sorgt für exzellente Dynamik und hohes Auflösungsvermögen.

Die Aluminium-Keramik-Sandwichmembran sitzt in einem nichtmagnetischen Alu-Druckgusskorb. Das leistungsstarke Magnetsystem ist streufeldoptimiert und bietet minimale Verzerrungen bei höchstem Wirkungsgrad. Die Quantum Edelstein kommt auf einen exzellenten Wirkungsgrad von 90 dB. Akustisch ist sie auf den Regaleinsatz hin getrimmt und kann die Reflexionen von nahe am Gehäuse befindlichen Wänden zu ihrem Vorteil nutzen, muss also keinesfalls frei aufgestellt werden.

Testequipment
Klang

Tritt der schallwandelnde Edelstein auch akustisch geschliffen auf? Dieser Frage sind wir gerne nachgegangen. Wir haben zunächst dafür gesorgt, dass ihr reichhaltig Energie zugeführt wird und haben darum auf den 999 EUR kostenden exzellenten Pioneer A-70 zurückgegriffen, der wiederum musikalische Nahrung von seinem „Kompagnon“, dem Netzwerkplayer Pioneer N-50 angeliefert bekommt. Vorteil dieser Konstellation ist beispielsweise, dass man hochauflösende Audiodateien in Richtung der Quantum Edelstein dirigieren und gleich das Auflösungsvermögen des Hochtöners testen kann. Wir fangen nicht ganz so hochauflösend an: Mit „Lose Yourself To Dance“ von Daft Punk in 44,1 kHz/24-Bit (FLAC). Und der kleine Edelstein klingt tatsächlich fein – die sehr gute räumliche Wirkung im Hochtonbereich ist dafür ebenso verantwortlich wie der präzise Bass. Natürlich darf man keine Wunder beim Tiefgang erwarten, aber der Bass gefällt durch durchaus beachtliche Vehemenz und die akkurate Staffelung. Auch bei „Motherboard“, ebenfalls von Daft Punk, liefert der kleine Lautsprecher eine kultivierte und überraschend souveräne Leistung ab. Die unterschiedlichen, teils recht phantasievollen elektronischen Effekte haben Fundament und Ausdruckskraft, wenn die Quantum Edelstein sie wiedergeben. 

Setzen wir fort mit Diana Kralls „Garden In The Rain“ (FLAC 96 kHz/24-Bit) – hier löst sich Dianas Stimme richtig gut von den kleinen edlen Lautsprechern, und auch die Basswiedergabe ist überragend. Das Piano ertönt detailliert, allerdings wirkt bei deutlich gehobener Lautstärke die Tonalität etwas hell. Die Stimme bleibt lange akustisch souverän, erst wenn es sehr laut wird, mischt sich ein etwas zu fordernder Unterton darunter. Bei normalem bis gehobenem Pegel aber ist die Stimmdarstellung charismatisch und gefällig. Und eines sollte auch klar sein – ein optisches Schmuckstück wie die Quantum Edelstein ist vorzüglich fürs elegante Wohnzimmer oder aber das kleine, feine Musikzimmer geeignet, aber kein Tool für Pegelhungrige. Da gibt es im reichhaltigen Produkt-Portfolio von Magnat ganz andere Kandidaten. „I Miss You So“, wiederum von Diana Krall, eröffnet mit einer instrumentalen Passage, in der die beiden Edelstein wiederum eine erstaunliche Raumwirkung freisetzen. Diese zeigt sich in tadelloser räumlicher Tiefe ebenso wie in überraschender räumlicher Weite. Man hat als Hörer das Gefühl, „in die Musik hineinschauen zu können“. Die gesamte Akustik wirkt natürlich und authentisch. Das Oberflächliche, künstlich Aufgeblasene, mit dem manche Box versucht, eigene Schwächen zu überdecken, hat die Quantum Edelstein nicht nötig.

„Freedom Everyday“ von Torsten Goods (882 kHz/24-Bit FLAC) beeindruckt mit einer klar fokussierten vokalen Präsentation und einer trotzdem fein gegliederten instrumentalen Darstellung, die nie zu weit in den Hintergrund rückt. Der Rhythmus kommt klar heraus und eine so kleine Box wie die Quantum Edelstein schafft es tatsächlich, den Zuhörer in ihren Bann zu ziehen, so direkt und lebendig ist die Wiedergabe.  Selbst der Hörer, der einen leicht gehobenen Anspruch besitzt, wird mit der preisgünstigen und nobel auftretenden Box sehr gut bedient. Und auch „Outa Here“ vom gleichen Interpreten kommt sehr gut heraus – für Jazz ist die kleine Quantum Edelstein einfach ein toller Partner, der richtig Laune macht. Stimmtypische Details, Feinheiten bei den Instrumenten und Gesamt-Staffelung sind überdurchschnittlich gut. 

Wie sieht es bei „Past Is Dead“ von Bad Religion aus?  Die E-Gitarre gleich zu Beginn wirkt ebenso gut gelungen wie die Einbindung der Stimme des Sängers. Dann „explodiert“ der Song und es geht ab – hier ist die kleine Quantum Edelstein immer noch gut in Form und tritt dynamisch an. Bei stark gehobenem Pegel leidet das Differenzierungsvermögen etwas – zwar hebt sich die Stimme noch gut von den Instrumenten ab, das Ganze wirkt aber nicht mehr so tief wie bei etwas „humanerer“ Lautstärke. 

Beim BeeGees-Klassiker „You Win Again“ in CD-Qualität liefert die kleine Box einen soliden Bass und arbeitet den Rhythmus sehr gut heraus. Die räumliche Wirkung überzeugt einmal mehr, allerdings wird der obere Mitteltonbereich recht prägnant ausgekleidet. Das könnte bei diesem Hörbeispiel für sensible Zeitgenossen etwas zu viel sein. Bei „Desire“ von Blank&Jones wird der Kickbass gut, aber nicht überdurchschnittlich dargestellt, was einfach damit zusammen hängt, dass auch Magnat bei einem recht kompakten Gehäuse keine Wunder vollbringen kann. Lebendig und facettenreich gelingt der Aufbau des Stückes – aber trotzdem merkt man bei solchen Songs die Grenzen des Konzepts. Das ist keinesfalls schlimm oder bedenklich, schließlich ist es enorm wichtig, bei der Bewertung eines Produktes auch dessen Einsatzzweck zu berücksichtigen. Und die Quantum Edelstein ist bestimmt nicht die Vorzeigebox für High Volume-Moves im Partykeller, sondern die feine, noble Alternative fürs gediegene Wohnambiente. Man muss dieses Schmuckstück auch optisch Gewinn bringend aufbauen – denn so eine schöne Box schaut man sich auch gern an. 

Natürlich gibt es auch Konkurrenz zur Quantum Edelstein. Auch äußerst kompakt ist der Regallautsprecher Klipsch Reference RB-51 MkII , optisch aber macht die schlichte Konstruktion nicht so viel her. Dafür kostet das Paar auch lediglich 500 EUR – und dafür wird ein nachhaltiges akustisches Feuerwerk abgebrannt: Nicht ganz so feinsinnig wie die Edelstein, aber enorm dynamisch und extrem bassstark für so kleine Boxen. Für alle, die gern Rock, Trance oder HipHop hören, sind die RB-51 MkII ein heißer Tipp.

Wenig Platz vorhanden, aber Noblesse und Klangstärke gefordert? Das kann man auch auf „Schweizer Art“ lösen. Mit dem Piega 2.1 System TMicro 3 plus TMicro Sub für 1.250 EUR erhält man dynamischen, fein auflösenden Klang, kräftige und lebendige Bässe sowie edles Finish. Allerdings – der aktive Subwoofer braucht unten auf dem Boden Platz, und der Preis für 2 Quantum Edelstein ist nur in etwa halb so hoch. Und für 700 EUR kann man kaum mehr Noblesse und akustische Feinsinnigkeit erwarten. 

Sehr gut verarbeitet, außerordentlich klangstark und universell einzusetzen – die Nubert nuLine 34 ist praktisch gleich teuer (335 EUR/Stück) wie die Quantum Edelstein, aber etwas größer und im Detail nicht ganz so edel auftretend. Wer auch aus optischer Sicht ein Schmuckstück sucht, fährt mit der Quantum Edelstein im wahrsten Wortsinne „glänzend“. Dafür ist die Box von der Ostalb akustisch ein „Hammer“: Nuancenreich, kräftig und räumlich dicht aufspielend, schlägt sie souverän manchen deutlich größeren und deutlich teureren Standlautsprecher. 

Fazit

Magnat Quantum Edelstein Front Seitlich1

Klein, begehrenswert, edel – ein echter Edelstein, das neueste Familienmitglied von Magnats Quantum-Baureihe, Klar wurden die Zeichen der Moderne erkannt – gesucht werden oft kleine, feine, aber gleichzeitig klangstarke Lautsprecher, die auch die „Dame des Hauses“ mit Stolz dem Besuch vorführen kann. Von daher trifft die preislich fair kalkulierte Quantum Edelstein voll ins Schwarze. Fein verarbeitet, mit feinem „Schliff“ im Detail und mit kultivierter akustischer Finesse auftretend, ist sie für optisch und akustisch anspruchsvolle Anwender genau der richtige Kandidat. 

Kultiviert und fein aufspielende kleine Regalbox mit edler, geschliffener Optik
ueberragend
Regallautsprecher Mittelklasse
Test 20. Dezember 2013

+ Feine Verarbeitung
+ Edle Optik
+ Sehr kompakt
+ Tadellose Grobdynamik
+ Exzellente Feindynamik für die Preisklasse 
+ Erstaunlich kräftiger, aber gleichzeitig präziser Bass

– Wird bei hohem Pegel im oberen Mitteltonbereich etwas prägnant

Test: Philipp Kind, Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 20.12.2013




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