TEST: Pioneer 7.2 AV-Receiver VSX-924 – Opulent ausgestattete Schaltzentrale für 549 EUR?

Pioneer VSX-924 Front Seitlich4

Pioneer VSX-924-S: Komplette, moderne Ausstattung für 549 EUR

Pioneer bringt wieder einmal frischen Wind in die stark nachgefragte Liga der AV-Receiver zwischen 500 und 700 EUR: Mit dem VSX-924-S (silbern) und dem baugleichen VSX-924-K (schwarz) offerieren die Japaner viel Technik und Ausstattungsluxus zum bekömmlichen Preis. Die Feature-Liste kann sich sehen lassen: Video-Upscaling bis auf 4K hoch, Video-EQ, Bluetooth-Modul, WLAN-Stick im Lieferumfang, HiRes-Wiedergabe, ESS SABRE Premier 192 kHz D/A-Wandler, DLNA-Zertifikat, Spotify Connect, Advanced MCACC Raumkalibrierung mit satten sechs Speicherplätzen und Experten-Modus, Apple AirPlay, HTC Connect, Zone 2 Audio-Ausgang sowie ECO-Modus, der die Leistung der Endstufen im Sinne eines niedrigeren Stromverbrauches begrenzt. 

Optisch überzeugt uns der AV-Receiver mit sieben jeweils 150 Watt (1 kHz, 1 Prozent Klirr, 6 Ohm) leistenden Endstufen und zwei Vorverstärkerausgängen zum Anschluss aktiver Subwoofer durch seine noble und elegante Optik. Zwei große und gut gelagerte Drehregler sind für Quellwahl und Lautstärke zuständig. Unter dem 924 sitzen ordentliche Gerätestandfüße.

Ohne Abdeckung befinden sich USB-Port und ein HDMI-Terminal auf der Front, linksseitig gibt es dann noch eine Buchse fürs Einmessmikrofon des MCACC-Lautsprechereinmess-/Room EQ-Systems und einen 6,25 mm Kopfhörerausgang. Insgesamt wirkt die Front sehr aufgeräumt, der VSX-924 ist mit einer Höhe von 168,5 mm relativ flach (Breite 435 mm, Tiefe 362,5 mm) und dadurch einfach unterzubringen. Gar zu niedrig sollte das Fach, in dem der AVR verstaut wird, aber nicht sein – ein paar Zentimeter Luft nach oben im Sinne guter Kühlung sollten es schon sein.

Pioneer VSX-924 Bedienelemente Front3

Display mit ordentlicher, aber nicht überragender Auflösung

Pioneer VSX-924 Bedienelemente Front2

Quellwahlregler, Standby-Knopf, Phones und Mikrofon-Buchsen

Pioneer VSX-924 Bedienelemente Front1

Lautstärkedrehregler, USB und HDMI-Terminal

Pioneer VSX-924 Rueckseite Seitlich3

Rückseite komplett

Pioneer VSX-924 Fernbedienung

Fernbedienung

Pioneer VSX-924 Mikro2

Einmess-Mikrofon

Die mitgelieferte Fernbedienung wirkt für den Kaufpreis relativ hochwertig. Sie ist lang und recht schmal, liegt aber gut in der Hand. Das Navigationskreuz ist zentral untergebracht und wird von vier oft benötigten Tasten flankiert: Audio- und Videoparameter, Home Menu sowie die Return-Taste. Über drei Direktwahltasten kann man den Listening Mode einstellen, der Kanal-Level wird ebenfalls über eine Direktwahltaste auf Wunsch eingestellt. 

Pioneer VSX-924 Innenleben Gesamt1

Gesamtübersicht: Innenleben

Pioneer VSX-924 Innenleben1

Platinenlayout

Pioneer VSX-924 Innenleben2

Preisklassen-typisch – einfacher Blech-Kühlkörper

Pioneer VSX-924 Innenleben3

Trafo

Das Innenleben des VSX-924 präsentiert sich als typisch für die Preisklasse. Der Pioneer AVR leistet sich keinen Schnitzer, enorme Hochwertigkeit darf aber auch nicht erwartet werden. Der Kühlkörper besteht aus Blech und nicht aus Aluminium. Das Platinenlayout und die Verkablung sind bilanzierend ordentlich gelöst. 

Pioneer VSX-924 Anschluesse Rueckseite1

Lautsprecherkabel-Schraubterminals

Pioneer VSX-924 Anschluesse Rueckseite2

Komponente, Audio-Cinch-Anschlüsse

Pioneer VSX-924 Anschluesse Rueckseite3

HDMI-Terminals

Pioneer VSX-924 Anschluesse Rueckseite4

 LAN-Buchse, optischer und koaxialer Digitaleingang

Wie sieht es mit den zur Verfügung stehenden Anschlüsse aus? An der Front finden sich 1 x USB 2.0 und 1 x HDMI,  hinzu kommen 6,25 mm Kopfhörerausgang sowie MCACC-Mikrofonbuchse. Hinten beginnen wir mit den Eingängen. Es gibt insgesamt 6 x HDMI (ein HDMI-Anschluss ist MHL-geeignet in Verbindung mit einem Android-Smartphone), hinzu kommen Ethernetbuchse, 2 x Composite-AV, 1 x Audio (zuweisbar), 1 x digital koaxial, 1 x optisch digital, 1 x zuweisbarer Komponentenvideoeingang, 1 x IR plus 1 x USB-Stromversorgung für WLAN-Konverter, der sich im Lieferumfang befindet. An Ausgängen sind 2 x HDMI, 1 x Composite-Monitor, 1 x IR, 2 x ZONE Vorverstärkerausgang und  2 x Subwoofer-Pre-Out vorhanden. Eine ordentliche Auswahl, zudem ist ein Bluetooth-Empfänger serienmäßig an Bord. 

Welche Medienvielfalt bietet der VSX-924? Hier die Übersicht:

  • UKW/MW-Tuner (63 Senderspeicher)
  • vTuner Internetradio
  • Bereit für Spotify
  • Apple AirPlay

Per LAN/USB:

  • MP3, WAV, AAC, WMA, FLAC, IAFF, DSD und Apple Lossless
  • iPod Digitalübertragung

192 kHz/24 Bit Audiowiedergabe:

  • WAV, FLAC und AIFF

Mehrkanal-Audiowiedergabe (bis 96 kHz):
WAV, FLAC

Nahtlose Wiedergabe:

  • MP3, WAV, AAC, FLAC, IAFF und Apple Lossless (nur Stereo)

Per HDMI:

  • DSD (SACD)

Insgesamt umfassend. DSD via LAN und Front-USB geht übrigens auch (vorausgesetzt der Server kann es, also Buffalo Linkstation LS420D, oder alternativ auf Qnap oder Synology das Minimserver-Paket installieren). 

Der VSX-924 lässt sich über eine grafisch schöne und  umfangreiche Smartphone-App steuern, wahlweise gibt es auch eine eigene Tablet-App – hier die Screenshots der Smartphone-App für iOS-Devices:

Pioneer VSX-924 App 1

Kostenloser Download

Pioneer VSX-924 App 2

iControl AV5 – hier der Startbildschirm

Pioneer VSX-924 App 3

Schicke Optik und verständliche Symbole

Pioneer VSX-924 App 4

Lautstärkeregelung und Mute-Schaltung

Pioneer VSX-924 App 5

Video-Konverter per App aktivierbar und deaktivierbar

Pioneer VSX-924 App 6

LS-Betriebsmodus

Pioneer VSX-924 App 7

Quellwahl

Pioneer VSX-924 App 8

Mediaserver

Pioneer VSX-924 App 9

HiRes-Wiedergabe vom Server

Pioneer VSX-924 App 10

Klang-Betriebsarten inklusive DSPs

Pioneer VSX-924 App 11

Navigationskreuz, genauso wie auf der mitgelieferten Fernbedienung sind die Tasten ringsherum angeordnet

Pioneer VSX-924 App 12

Bassstärke und Dialog-Enhancer

Pioneer VSX-924 App 13

Hochwertige Grafik war immer eine Stärke der Pioneer-Apps – hier die Balance-Regelung

Pioneer VSX-924 App 14

Der „Finger-EQ“ ermöglicht mit einem Finger die Erstellung einer eigenen EQ-Kurve

Pioneer VSX-924 App 15

Zahlreiche Regelmöglichkeiten, optisch interessant angeordnet: Der „Sound Explorer“. Wem diese Anzeigeart nicht gefällt, kann auch eine Listen-Darstellungsform wählen

Pioneer VSX-924 App 16

Wiedergabe einer Musikwiedergabeliste vom iPhone

Pioneer VSX-924 App 17

Titelwiedergabe

Der VSX-924 verfügt ferner über On Screen Menüs im typischen, recht eleganten Pioneer-Design. Leider fehlt ein derzeit im Trend liegender Einrichtungsassistent, diesen haben z.B. Denon, Marantz, Onkyo und Sony. Pioneer bietet aber die Möglichkeit, mittels des „AV Navigators“ per App oder Web Browser komfortabel die komplette Einrichtung zu übernehmen.

Von den „normalen“ GUI-Menüs haben wir Screenshots für Sie bereit gestellt:

Pioneer VSX-924 Screenshot 2

Grundeinstellungen 

Pioneer VSX-924 Screenshot 3

 Manuelle Lautsprechereinstellungen

Pioneer VSX-924 Screenshot 4

Lautsprecher-System

Pioneer VSX-924 Screenshot 5

 LS-Größen – leider stimmt die Angabe beim Center nicht ganz, es handelt sich nicht um einen Vollfrequenz-Lautsprecher

Pioneer VSX-924 Screenshot 7

 Kanalpegel 

Pioneer VSX-924 Screenshot 8 
Der Lautsprecherabstand ist in 0,01 Meter Schritten einstellbar

Pioneer VSX-924 Screenshot 10

 Eingangskonfiguration

Pioneer VSX-924 Screenshot 11

 Wahl der Menüsprache

Pioneer VSX-924 Screenshot 12

Netzwerk-Setup

Pioneer VSX-924 Screenshot 13

 HDMI-Setup

Pioneer VSX-924 Screenshot 14

Weitere Einstellungen 

Pioneer VSX-924 Screenshot 16

Zwei Betriebsmodi – Grundlegend oder Experte 

Pioneer VSX-924 Screenshot 17

Wiedergabe von Musikdateien von verschiedenen Mediaservern ist einfach möglich 

Pioneer VSX-924 Screenshot 18

Hires FLAC-Wiedergabe mit Angabe zur Abtastrate

Pioneer VSX-924 Screenshot 19

vTuner Internet Radio mit leichtem Handling, wie gewohnt

Pioneer VSX-924 Screenshot 20

 Wiedergabe eines Internet Radio-Senders

Einmesssystem MCACC: 

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten gibt es bei MCACC, Man kann vollautomatisch einmessen lassen, eine automatische Einmessung mit direkter Möglichkeit zur Teilindividualisierung vornehmen oder aber MCACC manuell einsetzen. Schon beim vollautomatischen EQ kann man Unterschiede zwischen den Modi Grundlegend und Experte feststellen, denn im Experten-Modus ist es möglich, verschiedene EQ-Kurven einzumessen: Front Align, Symmetry, oder All Channel Adjust können ausgewählt werden. Die Experten-Einmessung dauert länger, da mehr Parameter verarbeitet werden. Im manuellen MCACC finden sich dann folgende Parameter: Feineinstellung Kanalpegel und LS-Abstand, Stehende Wellen (bis zu 3 Kontrollfilter für stehende Wellen für die Hauptkanäle Front, Surround und Surround Back können eingestellt werden – Mittenfrequenz, Bandbreite und Dämpfung werden dabei festgelegt), EQ-Einstellungen (Grafischer EQ mit folgenden Bändern: 63, 125, 250, 500 Hz, 1, 2, 4 , 8, 16 kHz plus Trim-Regler)und EQ Professional (Nachhall-Messung, Nachhall-Anzeige, erweiterter EQ mit Wahl der Kalibrierungszeit-Position des EQs). 

Pioneer VSX-924 Screenshot 21

Komplett automatische Einmessung

Pioneer VSX-924 Screenshot 23

 5.1 System wurde erkannt

Pioneer VSX-924 Screenshot 22 
Analyse

Pioneer VSX-924 Screenshot 24

 Nicht perfekt – der Center, obwohl kein Vollfrequenzlautsprecher, wird als „large“ eingestuft

Pioneer VSX-924 Screenshot 25

 Kanalpegel

Pioneer VSX-924 Screenshot 26

Gemessener Lautsprecherabstand

Pioneer VSX-924 Screenshot 27

Stehende Wellen

Pioneer VSX-924 Screenshot 28

EQ-Kalibrierung

Klang

Akustisch beweist uns der VSX-924 bei verschiedenen HiRes-FLAC-Dateien sein Können (88,2/96/192 kHz) und wir starten mit Diana Kralls „Garden In The Rain“. Hier zeigt der AV-Receiver nicht nur die dynamischen Qualitäten, die man von einem Pioneer-Gerät gewohnt ist, sondern auch eine im Vergleich zu früheren Generationen stabilere und feiner gestaffelte Stimmwiedergabe. Auch das Piano klingt richtig kultiviert und klar – Pioneer hat den Fokus offensichtlich verstärkt auf eine sehr gute Detailwiedergabe gelegt. Im Hochtonbereich spielt der VSX-924 erstaunlich frei auf, ohne sich mit aggressiven Untertönen unbeliebt zu machen.

Auch bei „Lost Mind“ punktet der VSX-924: Das Stück ist schwungvoller und „freudiger“ als das melancholische „Garden In The Rain“ und diesen Esprit setzt der Pioneer-AVR gekonnt um. Über das gesamte Frequenzspektrum agiert der VSX-924 kontrolliert und ambitioniert. Die klar umrissene Stimmwiedergabe fällt uns auch beim 2. Hörbeispiel wieder auf. Die Instrumente und die Stimme Dianas sind überdies akkurat voneinander getrennt. Instrumentale Soli kommen mit Tiefgang und richtig guter Detaillierung heraus – der VSX-924 zeigt somit eindrucksvoll, dass er auch in komplexen Disziplinen in der Lage ist, absolut zu überzeugen und nie den Eindruck einer akustischen Notlösung aufkommen zu lassen, auch für den Hörer mit gewissem Anspruch nicht. 

Beim wunderschönen, leicht mystischen Song „Dronning Fjellrose“ (2L Recording, Hoff Ensemble) beweist der VSX-924, dass wir uns keinesfalls getäuscht haben: Feindynamisch und hinsichtlich der Güte der Stimm-Präsentation erreicht der AVR wirklich neue Bestwerte eines Pioneer AV-Receivers in dieser Preisliga. Konnte sich Pioneer bei den Vorgängergenerationen nie so recht entscheiden – Rock-Meister der fetzigen Art oder doch kultivierter ausgerichteter Universalist wechselten sich in den Modellgenerationen ab – präsentiert sich der VSX-924 unseren ersten Eindrücken nach als grobdynamisches Talent, das aber auch feindynamisch überzeugt, eine natürliche Räumlichkeit bereit stellt und Stimmen mit feinen Konturen abbildet. Also das eine tun, ohne das andere zu lassen – das gefällt uns sehr gut. 

Bei „Hello Cruel World“ von Bad Religion lässt es der VSX-924 nach typischer Pioneer-Traidtion „richtig krachen“: Enorm pegelfest, souverän aufspielend, mit hartem Bass und hoher Grobdynamik macht der Song der Punkrocker richtig Spaß. Ganz gleich, ob E-Gitarre oder Schlagzeug – der VSX-924 arbeitet alle Instrumente mit sehr gutem Timing ein und sorgt, wie auch schon bei den anderen Beispielen herausgehört, überdies für eine sehr gute Stimmwiedergabe. 

Wie sieht es mit den Qualitäten bei der Mehrkanal-Musikwiedergabe aus? Hält der VSX-924 sein hohes Niveau? Beim Abschluss-Konzert der norwegischen Pop-Gruppe a-ha, das 2010 in Oslo stattfand (Blu-ray, DTS-HD Master Audio), möchte uns der kraftvolle AV-Receiver gleich zeigen, dass es für ihn keinen Unterschied macht, ob das Quellmaterial zwei- oder mehrkanalig ist: Mit enormem Volumen schiebt er von Beginn an die akustischen Ereignisse voran und baut den klanglichen Bogen bis zum Beginn des Konzertes sehr gekonnt auf. Der Bassbereich überzeugt uns durch Tiefgang, Ausdruckskraft und Staffelung, die Stimme des Sängers, die sich sich nach kurzer Zeit „dazuschaltet“, wirkt authentisch, ebenso wie die Beifallsbekundungen des Publikums.

Als dann „The Sun Always Shin On TV“ richtig losgeht, zeigt der VSX-924, was in ihm steckt: Leistung satt, Grobdynamik, die besser ist als je zuvor, gleichzeitig aber klingt der AVR selbst bei hohem Pegel so angenehm und souverän, dass man keine Veranlassung darin sieht, die Lautstärke herunter zu regeln, es sei denn, die Nachbarn klopfen und klingeln schon wutentbrannt.  Der Spaßfaktor, den der VSX-924 selbst für den ambitionierten, erfahrenen Hörer bietet, ist so hoch, dass man nur erstaunt sein kann, schließlich hat man knapp 550 EUR und nicht rund 1.000 EUR für den Erhalt des Geräte überwiesen. Als Quell akustischer Freuden entpuppt sich auch das harmonisch und lebendig ausgelegte Einmess- und Room EQ-System MCACC. Die Eigenschaften der jeweiligen Lautsprecher werden ausgezeichnet berücksichtigt und das Lautsprechersystem wird nicht unschön „beschnitten“.

Bei „The Blood That Moves The Body“, auf der gleichen a-ha Blu-ray-Disc, verdeutlicht das ebenfalls: Saubere Frint-Surround-Übergänge, ein intensives, fesselndes räumliches Gefühl und eine sehr gute Herausarbeitung dynamischer Unterschiede. Der Bass ist hart und klar, auch kurze sowie kleine Bassimpulse werden tadellos herausgestellt. 

Und wie kommt der VSX-924 mit Paul Kalkbrenners „Altem Karmuffel“ (BD „2010“, DTS-HD Master Audio) zurecht? Antwort: Außerordentlich gut. Solche Stücke sind schon traditionell Pioneer-Terrain, harte, satte und auch gern tiefe Bässe sowie eine Vielzahl an elektronischen Effekten konnten viele Pioneer AVRs exzellent wiedergeben. Obwohl der VSX-924 deutlich flexibler und kultivierter geworden ist, hat sich daran nichts geändert. Die Beats kommen mit Härte und Wucht heraus, elektronische Effekte bewegen auf akkurater Flugbahn bis weit in den Hörraum. Hohe Pegel sind kein Problem für den VSX-924, er managt den Inhalt der Tonspur weiterhin gelassen und stellt ein kraftvolles, lebendiges Klangbild zur Verfügung. Die stets hörbaren Beifallsbekundungen des Publikums kommen mit tollem Live-Charakter heraus.

Ab dem 14. Kapitel „Die Invasion Beginnt“ haben wir uns die DTS-HD Master Audio-Tonspur von „Avengers“ angehört. Die Fluggeräusche des Iron Man kommen kraftvoll und räumlich heraus, gleichzeitig wird der Music Score überzeugend eingearbeitet. Der Hochtonbereich spielt überraschend frei auf, und der leicht hallige Charakter beim Dialog zwischen Tony Stark und Loki wird sauber herausgearbeitet. Auch akustische Einzelheiten wie der Klang der Schritte auf dem Boden vergisst der VSX-924 nicht. Somit bietet er auch in den „leiseren“ Sequenzen ein erwachsenes Klangbild, das nicht nur ambitionierten Aufsteigern gefällt.

Als Loki mit seinem Zepter versucht, Stark zu „bekehren“, kommt die Energieladung, die wirkungslos auf Tonys Brust verpufft, akustisch sehr gut heraus, ebenso wie die nach allen Seiten weg spritzenden Glasscherben, als der „Iron Man“ durch die geschlossene Fensterscheibe fliegt – und sein Anzug gleich hinterher. Mit Bassgewalt, sehr guter Effektstaffelung und der Fähigkeit, mehrere parallel stattfindende Effekte auseinander zu differenzieren, trumpft der VSX-924 auch beim Filmbetrieb auf.

Die Verwüstung ganzer Straßenzüge in New York mit den vor lauter Panik aufschreienden Menschen und den durch die Luft wirbelnden Trümmerteilen setzt der Pioneer AVR mit dichter Räumlichkeit und hervorragender Dynamik um. Das Gefecht zwischen Thor und Loki hoch im Stark Tower bereitet dem VSX-924 ebenfalls keine Probleme – die harten Hiebe werden mit authentischer Akustik übermittelt. Der Sound der MP an Bord des Avengers-Flugzeuges ist von Dynamik und Durchschlagskraft geprägt, Krachend und wuchtig erfolgt kurze Zeit später die Notlandung des Flugzeuges inmitten der Trümmer.

Details wie das Abschnallen der Gurte im Cockpit werden sehr akkurat übertragen und mit richtiger Gewichtung eingearbeitet. Als wenige Sekunden nach der Bruchlandung die gepanzerte Riesenechse aus dem schwarzen Loch kommt, beweist der Pioneer wiederum, wie präzise er einen externen aktiven Subwoofer (der ziemlich potent sein sollte) ansteuern kann. Wahlweise hat der recht preiswerte VSX-924 sogar genug Kraft, große Standlautsprecher ohne aktiven Subwoofer angemessen anzusteuern. 

Der Pioneer VSX-924 hat links oben vom Navigationskreuz noch eine „Audio Parameter“ Taste, die verschiedene Funktionen bereit hält: Hier kann man den MCACC-Speicherplatz eingeben, gleich 6 (!) Speicherplätze stehen zur Verfügung. So kann man sich z.B. für klassische Musik, Trance-Musik, Sportsendungen und Filmen jeweils ein MCACC-Setup zusammen stellen. Dank der zahlreichen Einstellmöglichkeiten, z.B. sogar für die Nachhallzeit, ist man hier in der Lage, auch sehr exakt vorgehen. Stehende Wellen- und Phasen-Kontrolle kann man über das Audio Parameter-Menü ebenfalls aktivieren. Höhen und Bässe werden ebenfalls in diesem Menü justiert. Der Sound Retriever für die klangliche Optimierung von stark komprimierten Audio-Dateien wird im Audio Parameter-Menü zum Leben erweckt werden. Die Hi-Bit 24-Upsampling-Schaltung (für Quellen bis 48 kHz) kann ebenfalls in diesem Menü aktiviert werden. Auch PQLS (Precision Quartz Locking System) zur Vermeidung von Zeitlauffehlern und für höchste Impulstreue wird im Audio Parameter Menü zugeschaltet. In Verbindung mit einem Pioneer-Zuspieler mit PQLS ist das Ziel ein enorm detailreicher, impulstreuer Klang. Hinzu kommen noch weitere Funktionen, die für den alltäglichen Betrieb aber keine so hohe Relevanz haben dürften. Z.B. sind noch vorhanden: Eine digitale Rauschunterdrückung, LipSync (wird bei HDMI mittlerweile automatisch korrigiert) sowie ein Dialog-Enhancer. 

Videosektion

Der VSX-924 ist mit 2160p/60 Hz-fähigen HDMI-Terminals ausgestattet und bietet somit eine zeitgemäße Flexibilität. 

Wir haben überprüft, in welcher Güte der VSX-924 Full HD-Material auf 4K hochskalieren kann. Und hier leistet sich der Pioneer ebenfalls keinen Fehler. Bei der BD „Avengers“ zeigt er ein enorm plastisches und stabiles Bild auf unserem Panasonic WT600 aus 2013. Jede Abnutzungserscheinung an der Rüstung des Iron Man wird herausgearbeitet, als Thor seinen Hammer schwingt und sich im Hintergrund Captain America im Zeitlupentempo bewegt, sind die unterschiedlichen Ebenen sehr gut auszumachen. Thor im Vordergrund und ein zerstörtes Gebäude im Hintergrund werden detailreich und scharf dargestellt, ebenso die kleinen Trümmerfetzen, die noch durch die Luft fliegen. Der Schweiß auf Thors Gesicht, als er mit Hilfe des Hammers Blitze aussendet, wird dank des enorm guten Upscalings realistisch sichtbar gemacht. Die Kommandobrücke auf dem fliegenden Flugzeugträger zeigt es aufs Neue, dass der VSX-924 sehr detailreich und nahezu ohne Scalingrauschen in der Lage ist, FullHD-Signale auf 4K zu konvertieren.

Bei den zahlreichen Explosionen, meist von Jägern der Aliens, werden farbecht dargestellt, die verschiedenen Farbübergänge innerhalb der Feuerbälle kommen sauber heraus. Dass es sich nicht um ein Luxus-Gerät handelt, merkt der Kenner bezüglich des Upscalings nur an minimalen Schwächen im Detailkontrast, z.B. sichtbar anhand der Unterseite der gepanzerten Echse, als die Kamera vom Boden aus darauf schwenkt. Hier offeriert manch edler TV oder teurer AVR noch mehr Differenzierungsvermögen. Für rund 500 EUR aber liefert der Pioneer eine tolle Leistung ab und muss sich nur knapp dem Sony STR-DN1050 geschlagen geben, der noch etwas mehr Schärfe und Kontrast ins Bild bringt – aber 100 EUR teurer ist und überdies nur auf 4K hochskalieren kann und nicht wie der VSX-924 auch z.B. auf 720p und 1080p/24 in der Lage ist, zu konvertieren.

Umschalten kann man übrigens praktisch mittels der „Video P“-Taste rechts über dem Navigationskreuz. Hier kann man die Ausgabeauflösung ändern und auch die Video Conversion an sich an- oder abschalten. Es gibt noch weitere Optionen: „PCINEMA“ (Optimierung der Progressive-Abtastung bei der Darstellung von Filmmaterial) kann auf Auto, On oder Off geschaltet werden, PMOTION (Progressive Motion, Einstellung der Qualität von Bewegt- und Standbildern) in 1er Schritten von -4 bis +4 eingestellt werden.  „Stream“ für eine optimierte Darstellung von Streamingmaterial kann auf On, Off oder Auto gesetzt werden. „Video Adjust“ bietet die Möglichkeit, die Bildeinstellung auf LCD, Plasma, Front-Projektions-TV oder professionellen Monitor einzustellen. Hinzu kommt eine benutzerdefinierte Einstellung. In dieser kann der User verschiedene Rauschfilter individuell einstellen: Farbrauschen, Helligkeitsrauschen, Blockrauschen und Moskitorauschen. Weiter verfügbar ist eine Detailoptimierung Helligkeit, Kontrast, Hue (Rot-/Grün-Balance) und Chroma (Farblevel) sind zudem noch einstellbar. 

Konkurrenzvergleich

Sony STR-DN1050: Der Sony konnte im Test groß auftrumpfen – der Pioneer aber hält wacker dagegen. Der Sony kommt noch  mit integriertem WLAN (Pioneer nur Bluetooth) und mit DSD-Wiedergabe über Netzwerk und USB. Des Weiteren ist das 4K-Upscaling noch eine Idee besser. In der Pioneer-Domäne Pegelfestigkeit zieht der starke STR-DN1050 gleich. Menüs und App sehen sehr cool aus. Sony hat eigene On Demand-Dienste und auch zahlreiche weitere Internet-Dienste gekonnt integriert. Dem entgegen stehen 100 EUR Mehrpreis, nicht einheitlich in deutsch gehaltene Menüübersetzungen und ein Upscaling nur auf 4K, aber nicht auf niedrigere Auflösungen. Hier springt der Pioneer in die Bresche, Er ist beim Upscaling flexibler, hat besser übersetzte Menüs und das noch ausgeklügeltere Einmesssystem mit tollen Zusatzfunktionen für versierte Anwender. Klanglich sind beide AVRs sehr gut, der Pioneer erstaunt mit seinem noch etwas kultivierteren Klang. Bilanz: zwei Top-Geräte, hier spielen Kaufpreis und individueller Geschmack die entscheidende Rolle. 

Onkyo TX-NR535: Von der anderen Seite – der preisgünstigeren – wird der Pioneer VSX-924 vom 449 EUR kostenden Onkyo TX-NR535 bedrängt. Der Onkyo hat zwar nur 5 Endstufen, kann dafür aber DSD auch über USB und Netzwerk wiedergeben. Auch verfügt er über zahlreiche onlinebasierte Musikdienste. AirPlay fehlt aber, dafür ist nicht nur Bluetooth, sondern auch WLAN integriert. HDMI 2.0 Terminals sind beim Onkyo zwar vorhanden, doch HDCP 2.2 als dazu passenden Kopierschutz gibt es leider erst ab dem TX-NR636, der 599 EUR kostet und auch noch von uns getestet wird. Der 535 bietet eine sehr gute Akustik, der Pioneer ist aber noch etwas pegelfester und spielt souveräner auf. Der TX-NR535 bietet kein bordeigenes Video-Processing. 

Yamaha RX-V775: Hier noch ein 2013er AVR zum absolut günstigen Marktpreis – anstatt 699 EUR (UVP) werden nur noch gut 460 EUR für den sehr gut ausgestatteten Yamaha aufgerufen, ein Top-Deal. Mit ausgezeichneten DSPs, einem sehr guten YPAO-Einmesssystem und einem harmonischen, gefälligen Klang zeigt er sich auch 2014 noch ganz stark. Der Pioneer kontert ihn dennoch aus – mit besserer Stereoperformance, noch mehr Pegelfestigkeit, Bluetooth On Board und umfangreichem Video-EQ sowie 2160p/60 Hz-Kompatibilität. Für wenig Geld ist der Yamaha aber eine verheißungsvolle Alternative. 

Fazit

Pioneer VSX-924 Front Seitlich3

Pioneer bietet ein derzeit konkurrenzloses Paket an, wenn man den Kaufpreis mit ins Kalkül zieht. Das, was dem Sony STR-DN1050 in der nächsthöheren Preisklasse – der Mittelklasse – gelingt, schafft der Pioneer in der Liga bis 600 EUR. Eine Preisklassenreferenz als Testprädikat verdankt der 924 dem gleichermaßen dynamischen wie kultivierten Klang, der hohen Pegelfestigkeit, dem hervorragenden Einmesssystem, der tollen Video-Sektion, der hohen Betriebssicherheit und der sehr guten App. Dass Pioneer das ganze Paket für so wenig Geld anbietet, erfreut und erstaunt zugleich. Bluetooth ist mit an Bord, ein WLAN-Adapter ist im Lieferumfang enthalten. 

Ganz starker Auftritt – der Pioneer VSX-924 offeriert höchste Performance zum günstigen Preis
preisklassenreferenz
AV-Receiver bis 600 EUR
Test 05. August 2014

+ Sehr dynamischer, kultivierter und atmosphärisch dichter Klang
+ Überdurchschnittlich pegelfest
+ Tolle Stereo-Performance, auch bei HiRes-Dateiformaten
+ Hervorragende Videosektion
+ MCACC mit 6 Speicherplätzen und zahlreichen Justagemöglichkeiten
+ Bluetooth und WLAN inkludiert
+ Gute Verarbeitung
+ Preiswert
+ Sehr schöne App

– Kein On-Board-Einrichtungsassistent

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 05. August 2014

 




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