TEST: Nubert nuLine 24 – Kompakt und Multifunktional

Nubert nuLine24 Gruppenbild4

Die erfolgreiche „klassische“ nuLine-Serie des schwäbischen Lautsprecherherstellers hat mit der nuLine 24 erneut Zuwachs bekommen. Höchsten Ansprüchen muss dieser ultrakompakte HiFi-Lautsprecher gerecht werden, um in den elitären Kreis der nuLine-Palette aufgenommen zu werden – selektierte Bauteile und hohe Material- und Fertigungsqualität sind hier obligatorisch.

Klassisch ist bei der nuLine 24 aber nur die Form, denn das neue Familienmitglied bringt einige technische Besonderheiten mit sich. Nicht nur die extrem kompakten Abmessungen sondern gerade die integrierte Dipol-Funktion machen die nuLine 24 zu etwas Besonderem. Dabei soll sie nicht nur als Rear-Lautsprecher für maximale Immersion sorgen, sondern als „Multifunktions-Box“ auch als Stereo-Hauptlautsprecher im Frontbereich Stärke beweisen. Der auf der Rückseite angebrachte zweite Hochtöner sorgt dann auch im Betrieb als Frontlautsprecher für maximale Räumlichkeit.

In fünf verschiedenen Varianten ist die nuLine 24 zum Preis von 265 EUR erhältlich. Dazu gehören Weiß, Platin und Schwarz als Mehrschichtlackausführung sowie Kirsche und Nussbaum Echtholzfurnier. Zu der weißen Variante gehört auch ein weißes Lautsprechergitter, die übrigen Farben kommen mit einem schwarzen Gitter.

Nubert nuLine24 Front Seitlich4

nuLine 24 ohne LS-Gitter

Nubert nuLine24 Hochtoener

Hochtöner vorne

Nubert nuLine24 Tieftoener

Tieftöner

Bei der nuLine 24 handelt es sich um eine 2-Wege Bassreflexkonstruktion. Zwei Hochtöner (1x vorne, 1x Rückseite) mit jeweils 19mm Seidengewebekalotte im bekannten „nuOva“-Design sorgen für einen Frequenzgang bis zu 27 kHz. Durch die asymmetrische Frontplatte werden Kantenbrechungseffekte verringert und die Präzision erhöht. Rückseitig ist außerdem eine separate Kammer mit genau festgelegtem Volumen und Dämpfungsmaterial integriert, was wiederum Resonanzen vermeidet. Beide Hochtöner sind absolut identisch und sollen in ihrer Preisklasse überdurchschnittliche Performance bieten.

Der 12 cm Tieftöner ist mit einer Polypropylenmembran versehen und spielt bis zu 55 Hz hinunter. Die hohe Performance wird durch eine sehr hohe Belastbarkeit und einen maximalen Membranhub von 20mm erreicht. Anders wäre es aufgrund des geringen Gehäusevolumens bei dieser Kompaktheit gar nicht möglich einen derart enormen Tiefgang zu realisieren. Auch eine solide Pegelfestigkeit sei gegeben.

Insgesamt kommt der Nubert Lautsprecher bei einer Impedanz von 4 Ohm auf eine Nennbelastbarkeit von 120 Watt und eine kurzzeitige Musikbelastbarkeit von 170 Watt, der Wirkungsgrad ist mit 83 dB trotz der Bassreflexkonstruktion nicht enorm hoch.

Nubert nuLine24 Bassreflexrohr

Bassreflexöffnung Rückseite

Nubert nuLine24 Hochtoener Rueckseite

Der auf der Rückseite integrierte Hochtöner

Nubert nuLine24 Rueckseite Seitlich2

Seitliche Ansicht und Rückseite

Nubert nuLine24 Verarbeitung2

Exzellente Verarbeitungsqualität

Die sauber integrierte Bassreflexöffnung sitzt im oberen Bereich der Rückseite. Im Direktstrahlmodus empfiehlt nubert, dass der Lautsprehcer mindestens 3cm von der rückwärtigen Wand entfernt stehen sollte. Beim Einsatz als Dipol ist eine wandnahe Aufstellung bzw. Anbringung ohnehin von Nachteil.

Mit 4,8 kg hat die kompakte Box mit Abmessungen von 25cm x 15cm x 28cm (mit Gitter) ein stattliches Gewicht und auch das mehrfach lackierte MDF-Gehäuse fasst sich haptisch hochwertig an. Die Chassis sind sehr sauber in die Schallwand eingebettet und weisen keine überstehenden Kanten vor. Die Lautsprechergitter sind nubert-typisch mit schraubbaren Stiften versehen und sitzen in den vorgesehenen Buchsen sehr fest.

Nubert nuLine24 Unterseite

Das Anschluss-Terminal sitzt bei der nuLine 24 an der Unterseite

Nubert nuLine24 Anschluesse

Anschlüsse und Kippschalter im Detail

Das Anschluss-Terminal der nuLine 24 ist an der Unterseite integriert. Dank aufgeklebter Gumminoppen ist der direkte Anschluss von Kabeln auch mit 2,5 mm² Durchmesser – wenn auch ein wenig umständlich – möglich, für Bananenstecker bleibt es aber zu eng. Optisch ist die Anbringung an der Unterseite natürlich von Vorteil. Mittig zwischen den Anschlüssen ist der Kippschalter, der den Lautsprecher vom Dipol- in den Direkt-Modus schaltet, untergebracht. Wie bereits erwähnt ist der Dipolmodus besonders für den Einsatz der nuLine 24 in einem Mehrkanalset als Rear-Lautsprecher gedacht, kann aber auch im Stereobetrieb für erweiterte Räumlichkeit sorgen. Die Terminals selbst sind vergoldet und wirken sehr solide.

Nubert nuLine24 Innenleben

Frequenzweiche des neuen nuLine-Schallwandlers

Die Frequenzweiche wirkt für den sehr kompakten Lautsprecher recht aufwändig. Gerade aufgrund der geringen Abmessungen spielt die Frequenzweiche aber eine sehr wichtige Rolle. Sogenannte Kompensationsschaltkreise optimieren die Eigenschaften der Chassis beim Wechsel der Abstrahlcharakteristik vom Dipol- auf den Direkt-Modus. Auch eine Schutzschaltung ist integriert, bei drohender thermischer Überlastung wird der Stromfluss gekappt. Ist die Gefahr gebannt, setzt sich der Lautsprecher wieder in den Normalbetrieb zurück.

Klang

Wir sind schon ganz gespannt auf die Leistungen der nuLine 24 als Stereo-Lautsprecher in konventioneller Konfiguration und so beginnen wir mit einem 2.0-Setup der Multifunktionsbox. Zunächst wollen wir es aber einmal im Direkt-Modus belassen und deaktivieren mit dem Kippschalter den rückseitig angebrachten Hochtöner. Ebenso klassisch wie unsere Konfiguration starten unsere Klangbeispiele, nämlich mit einem Violinkonzert Mozarts in D-Dur (KV 218), zugespielt via Blu-ray in PCM 2.0. Schon als Direktstrahler vermittelt die kompakte nuLine-Box eine exzellente Räumlichkeit und baut eine breite, saubere Bühne auf. Ein gut durchzeichneter Hochtonbereich ist bei dieser Präsentation Gold wert und wenn auch nicht die feinsten Charakteristika herausgearbeitet werden, bietet der nuLine-Lautsprecher in dieser Preisklasse schon enorm viel. Die verschiedenen Frequenzbereiche harmonieren auch exzellent miteinander, auch bei blitzschnellen Reaktionen des Schallwandlers. Ist einmal Tiefgang gefragt, liefert ihn die nuLine 24 sofort und dabei sogar recht druckvoll.

Was uns die technischen Daten in der Theorie bereits verkündeten, können wir nun auch in der Praxis nachvollziehen. Aufgrund des Wikrungsgrades von 83 dB müssen wir den Lautstärkeregler schon recht weit aufdrehen und einen soliden Verstärker kombinieren, um den nuLines etwas höheren Pegel zu entlocken. Dabei bleibt der Lautsprecher dann bis zu einem gewissen Punkt sehr souverän und wird auch im Hochtonbereich kaum heller. Übertreiben darf man es aber wiederum auch nicht, denn dann gibt es nicht nur Schärfe obenrum sondern auch Verzerrungen.

Selbst im folgenden Klavierstück, eine Sonate für 2 Personen in D-Dur, ebenfalls von Mozart, kann sich die nuLine 24 ausgezeichnet entfalten. Wir sind erstaunt, welch breite und authentische Bühne der Kompaktlautsprecher aufbaut. Auch die etwas weichen Piano-Anschläge kommen exzellent zur Geltung. Jetzt aber zum Dipol-Betrieb: Sensationell – was hier geboten wird. Präzision und Genauigkeit geht nur minimal verloren, dabei wirkt der Klang noch losgelöster, freier im Raum und sorgt gleichzeitig für eine authentische Bühne mit sauberer Staffelung und Natürlichkeit. Gerade im zweiten Titel wirken die beiden Pianos noch lebhafter und verspielter und bringen dadurch eine mitreißende Dynamik ins Geschehen. Geschwindigkeit und klare Durchhörbarkeit bleiben dabei nicht auf der Strecke, die einzelnen Elemente innerhalb der akustischen Kulisse bleiben sauber definiert.

Beinahe die Sprache verschlägen hat es uns, als wir kurz in den dritten Titel der 2L – the nordic Sound Blu-ray „Cikada Duo“ von Nordheim hineingehört haben. Für diese eher experimentelle Musik muss man definitiv ein besonderes Gehör haben, erstaunt hat uns aber der kraftvolle Tieftonbereich der nuLine 24, die tatsächlich in der Lage ist, extrem tief hinunter zu spielen. Die Ingenieurskunst der Schwaben kommt in den kleinen Abmessungen des Gehäuses wieder voll zum Tragen.

Wir kommen mit den Eagles zu mehr Massentauglichkeit zurück und muten der nuLine 24 „Hotel California“ der Farewell Tour zu. Auch hier schlägt sich der Kompaktlautsprecher beachtlich, wenn auch das Schlagwerk nicht ganz so beeindruckend erklingt, wie wir es von der Blu-ray kennen. Die Stimmcharakteristik wird aber sauber erfasst und auch die Stahlsaiten der Gitarren zeugen von Authentizität. Hier gefällt uns der Direkt-Modus sogar etwas besser, die gesamte Performance wirkt etwas präziser, etwas mehr „on-point“, auch wenn die Atmosphäre geringfügig weniger dreidimensional erscheint. Für ihre Größe bietet der Lautsprecher wieder einen exzellenten Tieftonbereich mit solidem Tiefgang und überzeugender Kraft.

Nicht weniger eindrucksvoll zeigt sich die nuLine 24 bei DJ Tiestös Elements of Life Tour – der Tiefgang, die Kraft und das gefühlte Volumen des Kompaktlautsprechers suggeriert einen deutlich größeren, erwachsenen Lautsprecher. Für eine sehr räumliche und etwas einhüllendere Club-Atmosphäre kann der Dipol-Modus hier bedenkenlos zum Einsatz kommen. Einzelne Synthesizer-Elemente werden sauber in den Raum projiziert und können gut lokalisiert werden. Auch die Stimmwiedergabe bei Teagan & Saras „Back in your Head“ gelingt ausgezeichnet. Mit Dynamiksprüngen hat die Box keine Probleme, auch Impulstreue und Geschwindigkeit ist auf hohem Niveau.

Wir können der nuLine 24 also bedenkenlos einen unproblematischen Einsatz als Stereo-Hauptlautsprecher attestieren – und das sogar bei aktiviertem Dipol-Modus. Auch in einem Mehrkanal-Setup fühlt sich der Multifunktionslautsprecher absolut wohl und bietet sich besonders als kompakter Rear-Lautsprecher mit hervorragender Räumlichkeit und toller Surround-Atmosphäre an. Aufgrund der spezifischen Eigenschaften lassen sich die nuLine-Schallwandler nur schwer mit anderen Modellen vergleichen. Ähnlich kompakt präsentieren sich die Zensor 3 von Dali, die lediglich mit 35 cm ein wenig höher sind. Beide Lautsprecherpaare sind exzellent verarbeitet, wenn der Mehrschichtlack der nubert auch ein wenig höhere Wertigkeit bietet. Die Zensor 3 ist etwas besser im Wirkungsgrad und im Extrembereich ein wenig pegelfester, die nubert gleicht das aber mit enormer Räumlichkeit und einem überdurchschnittlichem Tiefgang aus. Die Klipsch Reference RB 51 II glänzt geradezu beim Wirkungsgrad mit 92 dB und ist ebenfalls enorm pegelfest. Die nuLine 24 spielt insgesamt etwas homogener und nuancierter, die Klipsch ist eher auf Spektakel ausgelegt. Bei Verarbeitung und Material zeigen sich die Klipsch eher robust, die nubert elegant und mit Achtung aufs Detail.

Fazit

Nubert nuLine24 Gruppenbild3

Zweifellos ist die nuLine 24 ein würdiges Familienmitglied der exzellenten nuLine-Serie des schwäbischen Lautsprecherherstellers. Die technische Finesse und Innovation von nubert kommt auch hier voll zum Tragen. Der kompakte Lautsprecher spielt erwachsen auf, bietet einen für seine Größe überdurchschnittlichen Tieftonbereich und eine sehr authentische Klangkulisse. Multifunktion wird hier wörtlich genommen, denn der Dipol-Modus bringt tatsächlich auch im Stereo-Betrieb einen spürbaren Benefit – für Freunde höchster Präzision lässt sich der Schallwandler aber auch als Direktstrahler verwenden. Lediglich der Wirkungsgrad ist nicht allzu hoch. Die nuLine 24 benötigt schon einen eher kraftvollen Verstärker, um ihr volles Potential ausschöpfen zu können. Wieder ein überaus gelungener und technisch einwandfreier Schallwandler aus dem Hause nubert – überragend!

Ob als Stereopaar oder im Mehrkanal-Set – der Multifunktionslautsprecher mit Dipol-Funktion macht eine exzellente Figur
ueberragend
Regallautsprecher Mittelklasse
Test 08.01.2014

+ Exzellente Verarbeitung
+ Sehr solide Materialqualität
+ Hervorragender Tiefgang
+ Sehr authentische Klangkulisse
+ Dipol- und Direkt-Modus
+ Sehr gute Loslösung des Klangs vom LS

– Wirkungsgrad etwas gering

Test: Philipp Kind
Fotos: Sven Wunderlich




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