TEST: Regallautsprecher Dali Zensor 3

Das Produkt

Kompakte Abmessungen, aber akustisch trotzdem groß? Dieses Rezept versucht Dali, mit der Zensor 3 Regalbox, dem jüngsten Mitglied der Zensor-Familie, umzusetzen. Sie ist größer als das Zensor 1 Einstiegsmodell, hält von den Abmessungen (351 mm Höhe, 205 mm Breite, 293 mm Tiefe) her aber Respektabstand zum Standlautspecher Zensor 5. In Esche Schwarz, in weiß oder Nußbaum Hell ist sie für schmale 199 EUR/Stück erhältlich und wiegt 6,3 kg.

Großer 180 mm Tief-/Mitteltöner

Starker Magnet und solider Korb


Aus seitlicher Sicht

Verbaut in der Zensor 3 ist ein 180 mm Tiefmitteltöner, der uns bereits in der Zensor 7 Standbox sehr gut gefallen hat. Typisch für Dali-Lautsprecher bringt er eine steife sowie leichte Holzfasermembran mit – genauer gesagt, besteht seine Membran aus einer Kombination aus Papiergemisch und Holzfasern. Normalerweise, so argumentiert Dali, weisen konkurrierende Regallautsprecher maximal 165 mm Durchmesser bei den verbauten Tiefmitteltönern auf, somit, so der Hersteller, werden bei der Zensor 3 15 Prozent mehr Membranfläche und somit auch verbesserte Bassfähigkeiten geboten. Weiterer Vorteil: Durch die größere Membranfläche muss, um den gleichen Schalldruck wie ein Lautsprecher mit kleinerem Chassis zu erzeugen, nur geringer ausgelenkt werden. Das fördert die Präzision des Klangbilds. Der kraftvolle Magnetantrieb und die vier- anstatt wie sonst üblich zweilagige Schwingspule sorgen ebenfalls für außergewöhnliche Leistungsfähigkeit.

Im Inneren befinden sich kupfergekapselte Aluminium-Kabel. Diese sollen einer besonders sauberen Mitteltonwiedergabe zuträglich sein.


Hochtöner


Hochtöner von unten

Der 25 mm Hochtöner mit Gewebekalotte ist auch aus anderen Zensor-Modellen her bekannt und gefällt durch lebendige, gleichzeitig jedoch präzise und harmonische Wiedergabe aus.

Bassreflexöffnung


Hochwertige Lautsprecherkabel-Terminals mit Acrylummantelung


Frequenzweiche

Die 2-Wege-Bassreflex-Konstruktion weist einen Übertragungsbereich (+/- 3 dB) von 50 Hz bis 26,5 kHz auf. Der maximale Schalldruck beträgt beachtliche 108 dB. Die Nennimpedanz beträgt 6 Ohm. Den Wirkungsgrad gibt Dali mit 88 dB (2,83 V/1m) an. Verstärkerleistungen bis gut 100 Watt verträgt die Zensor 3, weniger als rund 25 Watt sollten es nicht sein.

Für die Preisklasse recht gute Detailverarbeitung und ordentliche Folierung


Auch von hinten betrachtet, weist die Zensor 3 keine störenden Verarbeitungsmängel auf

Der Regallautsprecher ist solide verarbeitet, die Schallwand ist in hochglänzendem Schwarz gehalten und weist recht gleichmäßige Spaltmaße beim Übergang zum in unserem Falle schwarz folierten Boxenkorpus auf. Allerdings sind die Gehäuseecken hinten etwas spitz, während vorn die Schallwand keine scharfen Kanten, sondern eine sanfte Rundung bereit hält. Die Lautsprecherkabel-Anschlussterminals erscheinen uns für die Preisliga sehr hochwertig und sind leichtgängig, recht groß und acrylummantelt. Das Lautsprecher-Schutzgitter ist akkurat mit Stoff bezogen, haftet jedoch nicht magnetisch, sondern mit Hilfe von vier Stiften.

Testequipment
Klang

Wir starten schwungvoll durch – mit dem 2012er Accuface Remix des Trance-Klassikers „Outside World“ von Sunbeam. Und gleich schickt sich der 180 mm Tiefmitteltöner an, den Grund seiner Existenz selbsterklärend darzustellen: Die Zensor 3 schiebt mit einem Nachdruck nach vorn, der mancher deutlich größeren – und teureren – Standbox bestens zu Gesicht stünde. Dabei besteht der Bass beleibe nicht aus pesudodynamischem Poltern, sondern ist präzise, straff, exzellent im Timing und weist enorme Härte auf. Alle elektronischen Effekte haben eine lebendige Wirkung und breiten sich selbst in Hörraumen oberhalb der 20 Quadratmeter noch gleichmäßig und dicht aus.

Und auch beim Para X Vocal Mix des Trance-Hits „Aurora“ von Klubbingman&Savon erwischt man die Zensor 3 nicht auf dem falschen Fuß: Kraftvoll kommt der Bass zur Geltung, der schnelle Aufbau der elektronischen Effekte und das Gefühl überraschend weitläufiger Räumlichkeit fesseln den Zuhörer. Bedenkt man, wie preiswert die Zensor 3 in der Anschaffung ist, kann man sie schon fast zur perfekten Okkasion für den preis-/leistungsbewussten Liebhaber von Trance- und Club-Beats erklären. Pegelfest ist der Lautsprecher auf jeden Fall – und wie souverän auch hohe Lautstärken wiedergegeben werden, sucht in diesen Preisregionen seinesgleichen. Die Membran lenkt auch bei kräftigem Pegel noch gleichmäßig aus, es kommt nicht zu unschönen Verzerrungen. Etwas Kraft sollte der angeschlossene Verstärker aber schon haben, denn der Wirkungsgrad der Zensor 3 ist zwar recht gut, aber nicht überwältigend hoch.

Doch natürlich sollte sie sich auch für anderen Musikrichtungen eignen, daher wechseln wir – und nicht nur den Musikstil, sondern auch die Auflösung. Von CD-Qualität zu HiRes-Audio in 96 kHz/24-Bit. „Stop This World“ von Diana Krall zeigt uns auf, wie gut es um die Tiefbass-Fähigkeiten der Dali-Box bestellt ist. Natürlich kann man nicht erwarten, dass alle Tiefen des Frequenzkellers ausgelotet werden, aber für ihre Baugröße kann die Zensor 3 mit einem überragenden Tiefgang brillieren. Fernab der Bass-Eskapaden besticht auch die runde, dynamische Wiedergabe des Pianos. Dianas rauchige Stimme wird stets fokussiert, ohne aber die Instrumente in den Hintergrund zu rücken – sehr schön.

Das erste Allegro von Wolfgang Amadeus Mozarts Violinenkonzert Nr. 4, KV 218, ertönt differenziert und harmonisch. Die Violine gibt die Zensor 3 detailreich und schwungvoll wieder – eine Freude, selbst für Hörer mit gewissem Anspruch. Der Einsatz des gesamten Orchesters beeindruckt durch Impulstreue und glaubwürdige Dynamik-Darstellung. Einzelne Instrumente sind sogar auszumachen. Für die Preisklasse, auch bei klassischer Musik, ist die Zensor 3 sehr empfehlenswert. Räumlich gefällt das Ergebnis ebenfalls, und die Loslösung des Klangs vom Lautsprecher gelingt ordentlich.

„El Bajel Que No Recela“, gesungen von Patricia Petibon, beweist die Güte des dänischen Schallwandlers bei der Stimmdarstellung. Nie zu spitz, trotzdem gut durchhörbar – eine prima Leistung. Klar können hier teurere Lautsprecher noch deutlich mehr, gerade bei Dali verweisen wir gern an die großen Baureihen mit Hybridhochtöner, die von der Epicon angeführt werden. Für einen Lautsprecher der gehobenen Einsteigerklasse aber ist es ohne Zweifel ausgezeichnet, was die Regalbox leistet.  Auch das Timing ist erneut ohne Fehl und Tadel, impulstreu und treffsicher werden auch aus zeitlicher Sicht kurze akustische Elemente eingearbeitet.

Auf welche Konkurrenten trifft die Zensor 3? Zu nennen wäre hier die Heco Music Style 200, deren Stückpreis 149 EUR beträgt. Mit feiner Verarbeitung und gefälliger Optik sticht sie ebenso hervor wie durch den kräftigen Bass. Räumlichkeit, Detaillierung und Wirkungsgrad sind bei der teueren Zensor 3 aber ausgeprägter, womit sie ihren Mehrpreis rechtfertigt.

Weiterer Konkurrent ist die Klipsch Reference RB-51 II für eine UVP von 250 EUR/Stück. Sehr dynamisch spielt die kleine Klipsch  mit typischem Horn-Hochtöner auf. Sie klingt aber nicht ganz so homogen und harmonisch wie die Dali Zensor 3.

Schauen wir uns in höheren Preisgefilden um. Die Nubert nuLine 34 kommt auf 335 EUR/Stück – rechtfertigt dies aber auch durch noch bessere Dynamik, noch höhere Pegelfestigkeit und edlere Verarbeitung. Die Nubert ist unser Maßstab in der Liga bis 350 EUR/Stück – wie gut die Zensor 3 ist, beweist aber selbst dieser Vergleich, denn in vielen Punkten hält sie überraschend gut mit der nuLine 34 mit.

Fazit

Meisterleistungen müssen nicht sündhaft teuer sein, sondern können sich auch durch ein nahezu optimales Verhältnis aus Preis und Leistung auszeichnen. Genau diesen Weg geht die Dali Zensor 3, die zum niedrigen Kaufpreis nicht nur mit sauberer Verarbeitung, sondern vor allem mit erstklassigem Klang aufwarten kann. Sie klingt harmonisch, homogen, lebendig und räumlich. Hinzu kommt die enorm gute Pegelfestigkeit. Somit verdient sich die optisch schlichte Box eine besondere Empfehlung der Redaktion.

Kompakter Lautsprecher mit erstklassigem akustischen Profil zum Einsteiger-Preis

Regallautsprecher bis 200 EUR/Stück
Test 25. Oktober 2013

+ Sehr angenehmer, gleichzeitig lebendiger Klang
+ Hohe Impulstreue
+ Gute Loslösung des Klangs vom Lautsprecher
+ Pegelfest
+ saubere Verarbeitung
+ Preislich enorm günstig

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 25. Oktober 2013




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