TEST: Klipsch Regallautsprecher Reference RB-51 II 

17.01.2012 (sw/cr)

RB-51 MkII für 250 EUR/Stück - hier mit Gitter

Ohne Grill - die RB-51 II ist langzeitig mit 75 Watt RMS belastbar und verkraftet als kurzzeitigen Peak 300 Watt

Einführung

Für einen Paarpreis von 500 EUR ist bei Klipsch die kleine Regalbox Reference RB-51 II in schwarzer Ausführung erhältlich. Der Bassreflex-Schallwandler ist mit einem 2,54 cm Titan-Hochtöner mit Hornvorsatz (Tractix Horn) sowie mit einem 13,3 cm Cerametallic-Tieftöner ausgestattet. Die pro Stück 4,5 kg wiegende Konstruktion weist eine Nominalimpedanz von 8 Ohm auf und eine laut Herstellerangaben hervorragende Empfindlichkeit von 92 dB (2,83 V @ 1 Meter). Mit Abmessungen von 289 mm (Höhe) x 165 mm (Breite) x 272 mm (Tiefe, mit Grill) kann man die RB-51 II als ausgesprochen kompakt bezeichnen. Der Frequenzgang recht von 50 Hz bis 24 kHz (bei +/- 3 dB). 

Verarbeitung

Typische Klipsch Reference-Optik - diesmal im kleineren Format

Gut sitzende Lautsprechergitter mit Kunststoffgerüst, auf dieses ist faltenfrei Stoff aufgezogen. Die Haltebolzen sind aus Metall

Wandhalterungen sind praktischerweise auf der Rückseite zu finden

Boxenkorpus foliert, keine hochglänzenden Oberflächen - daher auch keine erhöhte Staubempfindlichkeit, aber eine eher robuste und nicht allzu schicke Optik

gar nicht mal schlecht - die Detailverarbeitung ist ordentlich, auch wenn die Kanten schon relativ scharf sind

Bassreflexöffnung hinten - bei der Reference RB-61 II, dem nächstgrößeren Modell, ist sie vorn

Einfache, aber praxisgerechte Single-Wiring-Terminals

Ausgebauter Hochtöner im Detail

Hornvorsatz in die Schallwand integriert

Ausgebauter Tieftöner

Cerametallic-Membran: Oberfläche im Detail

 Solide Konstruktion

Aus seitlicher Sicht

Frequenzweiche

Die RB-51 II ist im bekannten Design der Klipsch Reference-Serie gehalten und hat daher alle Attribute, die man optisch von einem traditionellen Regallautsprecher erwartet - besondere Raffinesse darf man nicht erwarten. Der Boxenkorpus ist recht akkurat mit Folie überzogen, die Schallwand ist sauber eingepasst und besteht aus Kunststoff. Die RB-51 II gibt sich kantig, die Gehäuseecken sind etwas spitz. Die Detailverarbeitung bei unserem Testmuster ist recht gut, die Spaltmaße sind relativ klein und gleichmäßig. Enorme Noblesse bei der Materialwahl darf man nicht erwarten - die RB-51 II punktet eher mit robustem Finish und durch die Oberfläche mit leichter Struktur ist die Staubempfindlichkeit auch nicht allzu hoch. Die beiden Chassis sind auf hohe Belastbarkeit und hohen Wirkungsgrad konstruiert, an der Frequenzweiche gibt es hinsichtlich des Aufbaus nichts auszusetzen. Rückwärtig finden sich Single-Wiring-Terminals (Bi-Wiring würde hier aufgrund der Baugröße auch wenig Sinn machen), die in keiner Hinsicht, weder positiv noch negativ, Besonderheiten aufweisen. Die Lautsprecher-Gitter sind eine stoffbezogene Kunststoff-Konstruktion, die Haltebolzen sind aus Metall. 

Testequipment
Klang

Hier geht es ab - ganz gleich, dass die RB-51 II recht klein sind, bei "Russia Privjet" von  Basshunter legen die kompakten Boxen eine Performance an den Tag, die absolut verblüfft: Beim Dance-Stück fliegen die Bässe vehement durch den Hörraum und zeigen im Kickbassbereich eine erstaunliche Härte. Durch schlägt das 13,3 cm Basschassis mit Cerametallic-Membran erst bei deftigen Pegeln, dann ist die kleine Box doch am Ende. Aber - andere, deutlich größeren Schallwandler haben hier schon längst die Segel gestrichen. Die Grobdynamik ist überragend, der Lautsprecher geht kaum schlechter als die RB-61 II. Gut, dem Bass fehlt es etwas an Volumen und die "Badewanne" erscheint akustisch etwas ausgeprägter, aber der ungestüme Vorwärtsdrang ist bestechend in dieser Leistungsklasse und dem Voranstreben der RB-61 II nur geringfügig unterlegen.  Auch beim Disco Cell Club Remix des Techno-Klassikers "Das Boot" von  U96 macht sich die RB-51 sehr gut, wenngleich der Bass zu Beginn etwas hohl klingt, diesen Eindruck konnten wir bei der RB-61 II nicht gewinnen. Aber - der Respekt vor der RB-51 ist groß, denn was hier im Kickbassbereich gestemmt wird, ist hart, kraftvoll und impulstreu - in dieser Preisklasse geht es kaum besser. Auch der Aufbau der Effektkulisse wird souverän erledigt, mit Wucht werden alle Arten von Effekten in den Hörraum geworfen. Damit fühlt sich auch die RB-51 II der Tradition verpflichtet - sie marschiert voran, und sie macht auf sich aufmerksam. Der Beginn von "Over the Hills and far away" von Nightwish punktet direkt - präzise und mit Kraft wird der Bass präsentiert. Die Stimme der Sängerin ist prima eingearbeitet, alle Instrumente werden mit Verve dargestellt. Der schnelle, energiegeladene Rhythmus kommt sehr gut heraus, nur schaukelt sich der Bass bei sehr hohem Pegel auf, dadurch wird dann Dröhnen verursacht. Dass man überhaupt dieses Dröhnen vernimmt, liegt aber daran, dass es viel Spaß macht,  mit der RB-51 II hohe Lautstärkeregionen aufzusuchen: Anstatt ein gepresstes, verzerrtes Klangbild  zu produzieren, wird hier ein satter, in Räumen bis knapp 22 Quadratmeter sogar als raumfüllend zu bezeichnender Klang offeriert. "Cold Days, Hot Nights" - mit der RB-51 II kann man viele heiße, musikalische Nächte erleben, aber sie läuft gern auch am Tag und sorgt mit tadelloser Räumlichkeit, ordentlicher Trennung von Stimmen und Instrumenten sowie dem wiederum entschlossen auftretenden Bassbereich für Freude. Schnelle Tempowechsel werden mit untadeliger Impulstreue rasch erledigt, selbst kleinere dynamische Unterschiede stellt die RB-51 recht gut heraus. "Left to my own Devices" von den Pet Shop Boys bereitet der RB-51 II auch keine Schwierigkeiten, Spielfreude und nachdrückliche Dynamik beherrschen hier die akustische Sprache der Box. Spontan möchte man es kaum für möglich halten, dass diese kleine Regalbox dieses klangliche Spektakel entfalten kann - die Erwartung sieht eine deutlich größere Konstruktion vor dem geistigen Auge. Der gute Wirkungsgrad, etwas niedriger als bei der RB-61 II, sorgt für ein tadelloses Zusammenspiel auch mit kleineren Verstärkern. Bei emotional tiefer gehenden Stücken wie "L'Attesa" von Andrea Bocelli scheitert die kleine Klipsch Reference-Box ebenfalls nicht. Im Vergleich zu älteren Klipsch-Modellen ist die Stimmbetonung exakter, die Detailarbeit gründlicher und die Gesamtcharakteristik weniger aggressiv und fordernd. Natürlich - auch bei L'Attesa zeigt die RB-51 einen gut erkennbaren Vorwärtsdrang und agiert sehr dynamisch, dies ist einem gepflegten Musikgenuss aber nicht im Wege. 

Konkurrenzvergleich

  • Klipsch Reference RB-61 II: Die größere Klipsch ist 100 EUR pro Box teurer und bietet dafür etwas mehr Tiefgang und Mitteltonpräsenz. Auch werden etwas mehr Details herausgeholt. Die kleinere RB-51 ist aber beinahe genauso pegelfest und grobdynamisch sind kaum Differenzen vorhanden.

  • Heco Music Colors 100: Die Heco sieht schick aus, ist hervorragend verarbeitet und klingt frisch. Bassperformance, Pegelfestigkeit und Grobdynamik sind bei der RB-51 II aber besser. 

  • Nubert nuBox 101: Die sehr preiswerte nuBox 101 ist für ihren Kaufpreis ein überragendes Angebot und überzeugt mit neutralem Klang, natürlicher Räumlichkeit und lebendiger Gesamtwiedergabe. Die teurere Klipsch ist pegelfester und entwickelt noch mehr Nachdruck. 

Fazit

Die Reference RB-51 II profiliert sich gekonnt als kompakte, hoch belastbare Regalbox mit sehr gutem Wirkungsgrad, hervorragender Grobdynamik, ordentlicher Feindynamik und straffem, kräftigem Bass. Die Verarbeitung ist routiniert und robust, der Kaufpreis ist in Anbetracht der Leistungen als günstig einzustufen.     

Nicht täuschen lassen: Trotz kompakter Abmessungen macht die RB-51 II mächtig Druck und bietet eine ausgezeichnete Dynamik

Regallautsprecher untere Mittelklasse
Test 17. Januar 2012


+ Pegelfest
+ Grobdynamisch für die Größe erstklassig
+ Straffer, kräftiger Bass
+ Klangliche Auslegung sorgt für hohe Hörfreude
+ Solide Konstruktion

- Keine optische Noblesse

Text: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 17.01.2012

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