TEST: Marantz Vor-/Endstufenkombination AV8802A/MM8077 mit DTS:X-Check – Präzision und Nachdruck im Zeitalter objektbasierter Audioformate?

Marantz MM8077 AV8802A Gruppenbild2

Wer im Zeitalter objektbasierter Audioformate – namentlich genannt Dolby Atmos, DTS:X sowie Auro-3D – nur das technisch Beste für sein Heimkino möchte, kommt an der Marantz-Vorstufe AV8802A für 3.999 EUR kaum vorbei. Denn 13.2-Processing, Decodingmöglichkeit für Dolby Atmos, DTS:X (unser Testgerät hatte DTS:X schon an Bord, in Kürze verfügbar für alle AV8802A Devices) und Auro-3D (optional für 149 EUR Aufpreis), hochleistungsfähige Videosektion und selektierte Bauteile ergänzen sich hier zu einem stimmigen Gesamtpaket. Erhältlich ist die Vorstufe ausschließlich in schwarzer Variante. Fehlt nur noch die passende, ebenfalls nur in schwarzer Ausführung lieferbare Endstufe – Marantz serviert für 1.999 EUR den siebenkanaligen Leistungsverstärker MM8077 – 1.999 EUR werden dafür fällig. Wer die vollen 13.2-Processing-Fähigkeiten der AV8802A ausnutzen möchte, kann sich dann für insgesamt knapp 4.000 EUR gleich zwei MM8077 kaufen. 

Marantz AV8802A Front Seitlich2

AV8802A

Wenden wir uns zunächst der Vorstufe zu. Hier vermerken wir, dass dank des 13.2-Processings auch große 7.2.4 Konfigurationen prinzipiell möglich sind. Bei Auro-3D kann man inklusive „Voice Of God“ Deckenlautsprecher (insgesamt 10.1 Konfiguration) die (rar gesäten) Inhalte genießen. Bevor dies passieren kann, wechseln allerdings noch 149 EUR für das Online-Upgrade den Besitzer. Der Marantz wird in Kürze auch mit DTS:X Upgrade erhältlich sein. Unsere Test-Vorstufe hatte bereits das DTS:X Upgrade mit dem Upmixer DTS Neural:X an Bord.  Bei DTS Neural:X wird auch älterer Content ans Lautsprecher-Setup inklusive Heights angepasst, was sich natürlich besonders bei hochwertigen DTS-HD Master Audio Tonspuren mit Sicherheit interessant gestaltet. Wir erwarten eine deutliche Weitung des räumlichen Gefühls und eine insgesamt intensivere Hör-Atmosphäre.

Da wir auch die 2015er DTS Demo-BD hier in der Redaktion haben, konnten wir bereits verschiedene DTS:X Checks machen. Außerdem ist neben dem „DTS Neural:X“-Upmixer auch die „Dialog Control“-Funktion beim Denon DTS:X-Update bereits implementiert, die im Unterschied zur reinen Pegelanpassung des Center-Kanals wirklich die Dialoganteile aus allen Kanälen zur besseren Verständlichkeit anpassbar macht – vorausgesetzt, die Dialoge sind beim Authoring eines DTS:X-Mixes auch wirklich als eigene Klangobjekte abgemischt worden.

Für bestmögliche drahtlose Vernetzung sind Bluetooth- und Wireless-Module in die Vorstufe integriert. Der AV8802A AV-Prozessor besitzt überdies ein DLNA-Zertifikat. An Multimedia-Funktionen, die sich als sehr nützlich erweisen, herrscht kein Mangel. Spotify Connect, Apple AirPlay sowie vTuner Internet Radio sind im üppigen Ausstattungspaket enthalten. Gerade bei einem so exklusiven Gerät erwartet der entsprechend anspruchsvolle Anwender umfangreiche Kompatibilität zu High Resolution Audio-Tonformaten. Die Marantz-Vorstufe enttäuscht uns nicht und bietet DSD-Audiostreaming sowie die Kompatibilität zu FLAC (bis 192/24), WAV (bis 192/24) und ALAC (bis 96/24). Für FLAC, WAV und auch DSD ist überdies die Gapless-Wiedergabe möglich. An verlustbehafteten Formaten unterstützt die AV8802A MP3, WMA und AAC. Des Weiteren ist JPEG-Foto-Streaming möglich. 

Marantz_App_Eingangswahl 

Natürlich lässt sich die AV8802A Vorstufe auch per App steuern

Alternativ kann man die AV8802A Vorstufe auch mittels der eleganten Marantz-App steuern, die wahlweise für Android- oder iOS-Mobile Devices herunterzuladen ist. Man kann die AV-Vorstufe auch über den Internet-Browser steuern. 

Marantz AV8802A Mikro

Audyssey-Einmessmikrofon

Die AV-Vorstufe kommt mit der Audyssey Platinum Suite, die eine Vielfalt von Funktionen enthält. Das Lautsprecher-Einmess- und Room EQ-System MultEQ XT32 ist die wichtigste Komponente in diesem Feature-Paket. An acht Punkten wird eingemessen, anhand der Messergebnisse wird eine vollständige Reihe digitaler Präzisionsfilter für ein genau ausbalanciertes, authentisches Klangbild gesetzt, die räumliche Unzulänglichkeiten des Hörraums zu einem beträchtlichen Teil kompensieren. In unseren Test-Sequenzen arbeitete das System ziemlich präzise und zeigt sich in deutlich verbesserter Form im Vergleich zu früheren Audyssey-Systemen. Die Fähigkeiten der angeschlossenen Lautsprecher werden deutlich weniger „beschnitten“, die Front-Surround-Balance ist sehr gut. Beim Einmessvorgang werden verschiedene Kurven generiert: Audyssey und Flat.Wir haben mit der Audyssey-Kurve gearbeitet. 

Weniger wichtig im Zeitalter objektbasierter Hightech-Audioformate mit Immersive Sound ist Audyssey DSX, welches erlaubt, Front Height- oder Front Wide-Lautsprecher, bzw. auch eine Kombination aus beidem, anzuschließen. Audyssey Dynamic Sound eXpansion (DSX) arbeitet noch matrixbasiert. 

Zur Audyssey Platinum Suite gehört auch Audyssey Dynamic Volume. Dieses System reduziert Lautstärkeschwankungen, wenn z.B. der Werbeblock im Vergleich zum zuvor laufenden Spielfilm enorm laut ist oder beim Quellwechsel sich deutliche Lautstärkedifferenzen ergeben. Audyssey Dynamic EQ ist so etwas wie eine „moderne Loudnessschaltung“ und steht für vollen, gut austarierten Sound auch bei niedrigerem Pegel. Audyssey LFC (Low Frequency Containment) arbeitet mit erweiterten psychoakustischen Algorithmen, um eine tiefe Basswiedergabe ohne die Störung der gesamten Nachbarschaft zu erzeugen. Audyssey Sub EQ HT stellt sicher, dass bei zwei angeschlossenen aktiven Subwoofern jeder der Bassisten individuell abgestimmt werden kann.

Selbstverständlich bringt die AV8802A Vorstufe Hochleistungsprozessoren für eine gewaltige Rechenleistung mit. Diese ist im Zeitalter objektbasierter Audio-Tonformate unerlässlich, und gerade eine AV-Vorstufe mit 13.2 Processing muss hier besonders gut ausgerüstet sein. Früher, noch als Dolby TrueHD und DTS-HD Master Audio der aktuelle Standard waren, sprachen wir über „fertiges“, Kanal-basiertes Audio. Dem AV-Receiver wurde ein feststehendes Layout serviert. Nun läuft alles anders. In Echtzeit muss der AV-Receiver oder die AV-Vorstufe Audio-Objekte auf das zuvor analysierte Lautsprechersystem verteilen. Das erfordert ein Vielfaches an Rechenleistung. Die Performance der verbauten Chips kommt aber auch anderen Systemen zu Gute, so kann das Einmess- und Room EQ-System beispielsweise präziser arbeiten. 

Marantz setzt in den Komponenten der Referenzserie auf die hauseigene HDAM-Technologie. HDAM steht für „Hyper Dynamic Amplifier Module“. Mehrere dieser Module arbeiten in der AV8802A Vorstufe, die gegenüber normalen Operationsverstärker-ICs für eine verbesserte Breitbandleistung mit geringerem Rauschen in einer vollständig diskreten Konfiguration sorgen. Des Weiteren ist die überdurchschnittlich hohe Slew-Rate (Als „Slew Rate“ wird die maximale Anstiegs- oder Abfallgeschwindigkeit der Ausgangsspannung einer Verstärker- oder Treiberschaltung bezeichnet) ein Vorteil, so können ein echter Breitband-Frequenzgang sowie ein maximaler Dynamikbereich sichergestellt werden. Das garantiert, dass die AV-Vorstufe auch z.B. bei der Präsentation von HiRes-Audiomaterial überragende Ergebnisse erzielt. Die Vorstufe arbeitet überdies mit Stromgegenkopplung anstatt sonst gebräuchlicher Spannungsgegenkopplung. Diese Technik überzeugt aufgrund großer Bandbreite mit geschlossenem Schaltkreis eine erstklassige akustische Treue bei breitbandigen Audio-Quellen. 

Was Audio recht ist, soll Video billig sein – so ähnlich könnte man es umschreiben, denn die Marantz AV-Vorstufe bringt auch ein aufwändiges internes Video-Processing mit. 4K Ultra-HD wird natürlich komplett unterstützt, die neueste HDMI-Spezifikation inklusive 4K Passthrough mit 50/60 Hz und 4:4:4 Pure Color Subsampling für volle Farbauflösung sind zu nennende Merkmale. Der AV-Vorverstärker kann niedrigere Auflösungen auf maximal 4K hochskalieren, natürlich sind auch Auflösungen wie 720p, 1.080i oder 1.080p/24 Hz möglich. Dies muss durchaus erwähnt werden, da manches AV-Device mit interner Videoverarbeitung nur noch Inhalte von 2K auf 4K hochskaliert. Weiter an Bord ist eine ISFccc-Zertifizierung inklusive der ISF-Videomodi Day/Night. Bei den „Videoeinstellungen“ Im Hauptmenü findet man die beiden ISF-Modi, die absolut empfehlenswert sind für Umgebungen mit externem Lichteinfall (Day) und für den abgedunkelten Raum (Night). Natürliche, klare Farben, ein angenehmer Kontrast, ein tiefes Schwarz und eine akkurate Bildhelligkeit sind diesen Betriebsarten eigen. Weitere Bildprogramme sind Standard, Movie, Lebendig und Streaming. Wählt man die Option „Benutzerdefiniert“, kann der Anwender folgende Parameter selbst einstellen:

  • Kontrast
  • Helligkeit
  • Farbsättigung
  • Rauschunterdrückung
  • Konturenschärfe

Kritikpunkt: Eine erfolgversprechende Justage der Video-Parameter beginnt immer mit der Bildhelligkeit. Daher muss dieser Regler an die erste Stelle und nicht das Feintuning für den Kontrast. 

Die Marantz AV-Vorstufe unterstützt bis zu drei Hörzonen, einer der HDMI-Ausgänge kann für eine weitere Hörzone konfiguriert werden. Die Vorstufe hat einen IR Flasher-Eingang und verfügt über den Marantz Remote Bus. Auch zwei Trigger-Ausgänge fehlen nicht. 

Marantz AV8802A Innenleben Gesamt

AV8802, Gesamtansicht innen. Auffällig ist die aufwändige Chassiskonstruktion mit zusätzlichen Verstrebungen für mehr Steifigkeit

Marantz AV8802A Innenleben1

Platonenlayout

Marantz AV8802A Innenleben2

Perfekt: Geschirmter Ringkern-Transformator, solide gesockelt

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Seitlicher Blick auf das sorgfältige Layout

Mit sehr sorgfältigem inneren Aufbau verdeutlicht die AV8802A ihre High End-Ambitionen. Selbstredend ist ein besonders leistungsfähiger Ringkerntransformator verbaut. Um störende Einflüsse zu vermeiden, ist dieser überdies mit einer Schirmung überzogen, Das Platinenlayout ist akkurat, und das aufwändige Chassis zeigt, dass man es ernst meint mit einem möglichst „ruhigen“, vibrationsarmen Gehäuse. Natürlich finden sich auch der Preisklassen entsprechende Gerätestandfüße. 

Marantz AV8802A Display

„Bullauge“

Marantz AV8802A Bedienelemente Frontklappe

Display, Bedienelemente sowie Anschlüsse unter einer stabilen Klappe

Marantz AV8802A Bedienelemente Front2

Lautstärkedrehregler

Marantz AV8802A Bedienelemente Front1

Quellwahl

Die Front ist markentypisch, jeder Marantz-Fan wird die AV8802A direkt ins Herz schließen. Wenn die solide Klappe, hinter der sich ein großes 2-zeiliges Punktmatrixdisplay und zahlreiche Bedienungselemente sowie Anschlüsse (Video-FBAS, Cinch Audio L/R, HDMI 2.0, USB, 6,24 mm Kopfhörerausgang, Anschluss fürs Audyssey-Einmessmikrofon) verbergen, geschlossen ist, gefällt das Design ungemein gut. Die beiden großen, soliden Drehregler für Lautstärke und Quellwahl liegen sehr gut in der Hand. Im Marantz-spezifischen „Bullauge“, vom hochwertigem Rand sowie einer blauen Beleuchtung „eingekreist“, wird z.B. die aktuelle Quelle angezeigt. Die Vorstufe wiegt 13,6 kg, ist 44 mm breit, 185 mm hoch und 410 mm tief. Misst man die WLAN/Bluetooth-Antenne mit, ist die AV8802A 248 mm hoch. Im Standby-Betrieb werden nur 0,2 Watt verbraucht. Im CEC-Standby sind es dann 0,5 Watt (HDMI-Steuerungsprotokoll CEC aktiviert), verwendet man Netzwerk-Standby, sind es 4,5 Watt. 90 Watt ist die Leistungsaufnahme im Betrieb. 

Marantz AV8802A Fernbedienung

Fernbedienung

Die mitgelieferte Fernbedienung vom Typ RC027SR ist vorprogrammiert, lernfähig und hat ein LC-Display. Sie ist recht leicht, was nicht unbedingt dem Eindruck absoluter Hochwertigkeit zugute kommt, liegt aber recht ordentlich in der Hand. Hat man nicht zu kleine Hände, ist die Bedienung mit einer Hand ohne Probleme möglich. Gut ist der Kontrast zwischen der dunklen Oberfläche der Remote (im Look von gebürstetem Alu, ist aber Kunststoff) und den hellen Tasten. An der rechten Seite der Fernbedienung findet sich überdies eine Taste, drückt man diese, ist die Fernbedienung komplett beleuchtet – vorbildlich. Zentral ist das Navigationskreuz untergebracht, darüber liegen, auch recht günstig untergebracht, Channel-/Page -sowie Lautstärke-Regeltaste. Die Sound-Modi im unteren Teil der Remote sind in verschiedenen Farben gehalten: Grün für Movie, Rot für Music, Blau für Game und Gelb für Pure (Möglichst kurzer Signalweg). 

Marantz AV8802A Rueckseite Seitlich

Komplette Rückseite. Zwei Antennen für WLAN und Bluetooth

Marantz AV8802A Anschluesse Rueckseite3

XLR-Beschaltung für entsprechend kompatible Endstufen

Marantz AV8802A Anschluesse Rueckseite2

Alles da: Cinch-Audio-Eingänge, 13.2-Cinch-Pre-Out, Video-FBAS, Video-YUV

Marantz AV8802A Anschluesse Rueckseite1

Sieben HDMI 2.0 (mit HDCP) Eingänge hinten (hinzu kommt einer vorne) und gleich drei Ausgänge, Netzwerkbuchse für die kabelbasierte Einbindung, USB-Terminal

Die AV8802A verfügt über ein üppiges Anschlussangebot:

  • 7 HDMI-Eingänge hinten, einer vorn, plus 3 HDMI-Ausgänge hinten
  • 3 Video-Komponenten-Eingänge, 1 Ausgang
  • 4 FBAS-Inputs hinten, 1 vorn, 2 FBAS-Ausgänge
  • Mehrraum-Videoausgang FBAS+Component
  • 6 Cinch-Analogeingänge hinten, 1 XLR-Eingang
  • Pre-Outs: 13.2 Cinch, 13.2 XLR
  • 2 unabhängige Ausgänge zum Anschluss von 2 separat einzumessenden aktiven Subwoofern
  • 7.1 Multichannel-Input
  • USB (hinten + vorn)
  • RJ45 Ethernet
  • Bluetooth plus WLAN (2 Antennen)

Kommen wir jetzt zur MM8077 Siebenkanal-Endstufe. 

Marantz MM8077 Front Seitlich1

Hinsichtlich des Designs passt sie perfekt, auch die Endstufe kann aufgrund des Front-Designs und des „Bullauges“ sofort als Marantz-Produkt identifiziert werden. Solide Standfüße und ein exzellent verarbeitetes Anschlusspanel sind weitere Pluspunkte, die umgehend ins Auge stechen. 

Marantz MM8077 Rueckseite Seitlich1

Symmetrische und unsymmetrische Terminals, solide Verarbeitung

Marantz MM8077 Display

„Bullauge“ auch beim Leistungsverstärker

Besonders wichtig  sind enorm belastbare und hochwertige Baugruppen im Inneren. Hier kann die MM8077 Endstufe absolut begeistern.

Marantz MM8077 Innenleben Gesamt

Layout komplett

Marantz MM8077 Innenleben1

Platinenlayout

Marantz MM8077 Innenleben2

Großer Ringkerntransformator

Marantz MM8077 Innenleben3

Elektrolyt-Kondensatoren

Im Inneren gibt es große Elektrolykondensatoren als Kurzzeit-Stromspeicher, wenn z.B. bei ohnehin hohem Grundpegel in einem Actionfilm ein Gebäude explodiert oder ein Tanklastwagen. Für eine grundsätzlich hohe Stromlieferfähigkeit zeichnet sich der geschirmte Ringkerntransformator verantwortlich. Hochwertigkeit demonstriert das kupferbeschichtete Chassis. Der diskrete Endverstärker liefert an 8 Ohm 7 x 150 Watt, an 6 Ohm 7 x 180 Watt RMS-Leistung (20 Hz bis 20 kHz). Stromgegenkopplungs-Technik, Hochstrom-Netzteil und der schon erwähnte Trafo stellen enorme Belastbarkeit unter allen Betriebsbedingungen sicher. Die Endstufe wiegt 18 kg, ist 440 mm breit, 185 mm hoch und 384 mm tief. Für Stromsparer eignet sich ein solcher Bolide weniger – den Stromverbrauch gibt Marantz mit 880 Watt. Im Standby-Betrieb sind es 0,4 Watt, die benötigt werden. 

Wie gestalten sich Erstinbetriebnahme und Konfiguration? Zuerst müssen natürlich Endstufe und Vorstufe miteinander verkabelt werden. Dies kann auf zwei unterschiedliche Arten geschehen: 

  1. Unsymmetrisch mittels Cinch. Wir raten zur Verwendung sehr gut geschirmter und verarbeiteter Kabel – es muss nichts astronomisch Hochpreisiges sein, geringe Länge (0,5 m) und solide Verarbeitung mit hartvergoldeten Steckern ist absolut ausreichend
  2. Symmetrisch mittels XLR

Des Weiteren muss klargestellt werden, welche Setups man im Prinzip fahren kann. Wir haben einige gebräuchliche zusammengetragen:

  1. Normales 5.1 Setup oder 5.0 Setup bei sehr basskräftigen Front-LS mit sehr gutem Tiefgang
  2. 5.2 Setup mit 2 aktiven Subwoofer
  3. 7.1 Setup oder 7.2 Setup mit Extended Surround
  4. 7.1 Setup mit 2 Front Wide oder 2 Front Height Speakern für Audyssey DSX
  5. 5.1.2 Dolby Atmos/DSX/Auro-Setup mit 2 Höhenlautsprechern
  6. 5.0.2 Setup, wenn man sehr leistungsfähige Frontlautsprecher verwendet, die im Bassbereich tief nach unten reichen. Die MM8077 Endstufe ist leistungsstark genug, um auch ohne den Support eines aktiven Subwoofers arbeiten zu können, auch zusammen mit relativ leistungshungrigen Frontlautsprechern. 

Entscheidend ist immer, dass für eine erfolgreiche Installation im Menü der AV-Vorstufe die Endstufen entsprechend zugewiesen werden (z.B. für die Verwendung als Dolby Atmos-Speaker). 

Wichtig, wenn man DTS:X und DTS Neural:X nutzen möchte: Es kommt, wenn man explizit ein Atmos-Setup verwendet, kein Ton aus den Heights. Es muss die normale Endstufenzuweisung für Height-Lautsprecher angewählt werden, dann funktionieren DTS:X und DTS Neural:X. 

Die AV8802A Vorstufe bringt einen Assistenten mit, der den Anwender bequem durch die Erstinstallation führt. 

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Sprachauswahl

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Assistent (leider falsch geschrieben im Menü)

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Übersicht der benötigten Komponenten

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Lautsprechereinstellungen – Startseite

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Verkabelung

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Sehr gut – es wird auch auf Cinch und XLR eingegangen

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Auswahl

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Gute Erklärungen beugen Fehl-Verkabelungen vor

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Fragen zur Lautsprecher-Konfiguration

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Auswahl der Anzahl bei den Decken-/Height-Lautsprechern

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Wichtig: Für Dolby Atmos gibt es einen eigenen Menüpunkt

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Dolby Enabled Speaker-Layout

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Der Assistent erklärt auch hier, wie es richtig ist

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Überprüfung des korrekten Anschlusses der Lautsprecher

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Es wird ein entsprechender Test-Ton ausgegeben 

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Nun beginnt die Lautsprecher-Kalibrierung mittels Audyssey. Wichtig ist eine korrekte Aufstellung des Messmikrofons

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Nicht ganz korrekt: Das Mikrofon wird an 8 Hörpositionen und nicht an mindestens 8 Hörpositionen aufgestellt. Es gibt nicht mehr als 8 Einmesspunkte

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Vermessung des linken Front-Lautsprechers

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Aktivierung oder Deaktivierung von Audyssey Dynamic EQ

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Anschluss der Antennen für WLAN und Bluetooth

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Netzwerkeinrichtung, kabelbasiert oder drahtlos

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Test-Ton bei korrekt arbeitender Netzwerkverbindung

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Eingangs-Einrichtung

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Herstellen einer HDMI-Verbindung

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Konfiguration der Fernbedienung, wenn man damit einen Marantz BD-Player steuern möchte

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Fertig, die Erstinstallation ist erledigt

Der Installationsassistent ist eine große Hilfe und beinhaltet alle relevanten Schritte. Nun stellen wir Ihnen die weiteres Menüs vor. 

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Hauptmenü

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Audio-Menü

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Video-Menü

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Die ISF-Bildmodi sind sehr gut gelungen

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HDMI-Konfiguration

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Ausgabe-Einstellungen

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OSD-Optionen

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Menü „Eingänge“

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Tabellarisch angeordnete Eingangszuordnung

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Lautsprecher-Setup

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Netzwerk-Menü

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Menü „Allgemein“

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In diesem Menü kann man etwaige Firmware-Updates installieren

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vTuner Internet-Radio

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Menü

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Klar gekennzeichnete Symbole

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Verfügbare Media Server

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Ordner „Shared Music“

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HiRes-Wiedergabe, die Auflösung wird angezeigt

Klang

Zu allererst schildern wir unsere Klangeindrücke von DTS:X mit 2 Height-Lautsprechern. Wir hören uns eine Sequenz aus „Divergent“ (Die Bestimmung) an. Hier kommen die Vorzüge von „Immersive Sound“ voll heraus. Die Räumlichkeit ist bestechend, was man besonders dann merkt, als Beatrice im Wasser ist. Man bekommt den Eindruck, selber im Wasser zu sein, so umfassend ist die Wirkung. Man fühlt sich, auch als die Scheibe zerbricht, von Klang in allen Dimensionen bereits in einem relativ kleinen Setup umgeben. Das Auflösungsvermögen im Hochtonbereich ist exzellent, kristallklar kommt das zersplitternde Glas heraus. Auch eine kurze Sequenz aus dem Animationsfilm „Rio 2“ ist in DTS: abgemischt. Hier ist die Szene, als der Stapel Baumstämme einstürzt, räumlich besonders interessant. Alle Stimmen und Schreie wirken sehr dynamisch und sind präzise im dreidimensionalen Raum zu orten. Im Vergleich zu Dolby Atmos, hier war die erste Demo-BD etwas enttäuschend, scheint DTS sehr darauf bedacht zu sein, die Fähigkeiten von DTS:X schon gebührend herauszustellen. Es kommt einiges von oben, und die 360 Grad Räumlichkeit kann schon im einfachen Setup genossen werden. Mit viel Kraft und Nachdruck arbeitet die Marantz-Kombi alle Effekte heraus, zudem ist das Auflösungsvermögen über den gesamten Frequenzbereich extrem gut. 

Wie ist es um die Güte von DTS Neural:X bestellt? Wir hören uns das fünfte Kapitel von „Stirb Langsam 4.0“ mit dem Upmixer an. In diesem geht es richtig rund, denn Gabriels Killer möchten den Computer-Hacker Matthew Farrell eliminieren, was sich aber schwieriger gestaltet gestaltet als erwartet, da Cop McLane gerade vor Ort und sich der Unholde effektiv annimmt. Die Schusswechsel haben eine ungeheure Dynamik, die gesamte Klangkulisse weitet sich effektiv nach oben, und wir haben den Eindruck, noch tiefer ins Geschehen eintauchen zu können. Das merkt man sehr gut bei der Sequenz im Treppenhaus, das plötzlich „echter“ wirkt durch präzise nachgebildete räumliche Verhältnisse. Effekte bekommen mehr Leben, wirken plastischer. Die Marantz MM8077 stellt jederzeit enorme Kraft zur Verfügung, um das präzise Decoding der AV8802A entsprechend zu unterstützen. Große Effekte wie die Explosion des Feuerlöschers im Treppenhaus oder die Explosion der Wohnung kommen genauso facettenreich heraus wie kleine Effekte, als McLane z.B. das Magazin an einer Waffe austauscht. Insgesamt hinterlässt DTS Neural:X einen sehr guten Eindruck, eine dichte, lebendige, aber niemals „aufgebauscht“ wirkende Atmosphäre wird generiert. Die räumliche Weitung erscheint demnach sehr realistisch, auch Effekte wie die lodernden Flammen nach der Explosion kommen mit sehr guter räumlicher Ausprägung heraus. 

Nun wenden wir uns dem Upmixer der Dolby-Konkurrenz zu. Wir sind begeistert, schon das THX-Logo und die Lucasfilm-Musik beim Intro zu Star Wars Episode III (DVD, ursprünglich Dolby Digital 5.1 EX, nun mit Dolby Atmos Up-Mixer) sind akustisch imposant. Enorme räumliche Wirkung dann bei der legendären Star Wars-Musik, zu der parallel in gelber Laufschrift die aktuellen Ereignisse dokumentiert werden. Dann fliegt mit brachialem Donnern der Sternzerstörer durchs Bild. Mit massiver Kraft steuert die MM8077 unser Nubert nuVero 5.0 Set und die beiden ELAC TS-3000 Top Firing Module an. Im Bassbereich wird ein aktiver Subwoofer keinesfalls vermisst. Bis auftiefe 25 Hz hinunter spielt die nuVero 140, und die Marantz Siebenkanal-Endstufe liefert zuverlässig, auch bei 85 Prozent des möglichen Maximalpegels, Leistung satt an. Die gesamte Raumschlacht wird so zu einem unvergesslichen Ereignis. Die Marantz-Kombination ist gleichermaßen dynamisch wie gefällig ausgelegt. Die Charakteristik der beiden Komponenten gefällt uns deutlich besser als die leicht metallische, zu scharfe Auslegung des Marantz SR7009 9-Kanal AV-Receivers, den wir vor einiger Zeit im Test hatten. Stimmen stellt die Marantz Vor-/Endstufenkombination exzellent dar. Sie werden gut eingebunden und überdies tonal ausgewogen präsentiert. Die Explosionen haben immensen Nachdruck, und durch die Verwendung der beiden Top Firing-Module beim Dolby Atmos-Upmix erscheinen sie deutlich authentischer sowie räumlicher.

„Transformers – Ära des Untergangs“ war eine der ersten, aber keinesfalls eine der besten Scheiben mit Dolby Atmos. Erstaunlich, was die Marantz-Kombination für ein massives Spektakel auch aus räumlicher Sicht veranstaltet. Bei massiver Beanspruchung kann es allerdings sein, dass der Lüfter in der Endstufe anspringt. Er läuft zwar gleichmäßig, aber das Laufgeräusch ist in leisen Passagen durchaus wahrzunehmen, wenn man nahe an der Endstufe sitzt. Ansonsten begeistert die Marantz Vor-/Endstufenkombination mit einer sehr gelungenen Mischung aus tonal angenehmer Auslegung und hervorragender Dynamik. Auch Szenen, in denen nicht so viele Effekte vorkommen, wirken durch die akustisch sorgsame Behandlung von Stimmen und kleinen Einzelheiten glaubwürdig und machen Freude. In den vielen Actionszenen arbeitet die AV8802A den Music Score sehr ansprechend heraus, obwohl es auch noch vielschichtige, massive Effekte gibt, um die man sich parallel kümmern muss. Die Endstufe stellt ihre Leistung allzeit impulstreu zur Verfügung. Im Vergleich mit früheren Marantz Endstufen agiert sie schneller, spontaner – bei einer gleichzeitig harmonischen Auslegung. So kann man auch lange Filme wie „Ära des Untergangs“ entspannt und ohne Kopfschmerzen mit hohem Pegel anhören. Durch die Luft wirbelnde Roboter, Autos und Teile – immer behält die Marantz-Kombination den Überblick und sichert eine facettenreiche Wiedergabe ohne Kompromisse. 

Erneut ab Filmbeginn hören wir uns „Mission Impossible – Rogue Nation“ an. Auch hier wählen wir die englische Dolby Atmos-Tonspur. Wie dicht schon das räumliche Gefühl selbst direkt am Anfang ist, als sich der typische Mission Impossible Music Score allmählich entwickelt, beeindruckt uns. Dann kommt das Feld in den Fokus, mit leisen Geräuschen, plus Dialogwechsel per Funkverkehr. Wieder einmal ist herauszuhören, wie sauber die Marantz-Komponenten mit Stimmen umgehen können. Dann kommt „Leben in die Bude“, das Propeller-Transportflugzeug startet durch. Das Anlassen der Triebwerke gelingt aus akustischer Sicht herausragend. Dynamische Wechsel im Klanggefüge setzten beide Marantz-Bausteine zügig um – wobei das vielleicht noch eine Spur flotter gehen könnte. Sehr nachdrücklich ist die Wiedergabe im tieffrequenten Bereich. Zusammen mit Standlautsprechern, die ein kraftvolles Bassfundament bereit stellen können, ist, dies zeigt auch dieses Testbeispiel, kein aktiver Subwoofer erforderlich. Nur,, wenn man dauerhaft enorme Pegel fahren und vielleicht auch den Einsatz des Lüfters in der Endstufe verhindern möchte, ist ein sehr leistungsstarker aktiver Subwoofer anzuraten. Wer es kompakt und kraftvoll möchte, dem empfehlen wir z.B. den Sunfire XTEQ 12, spielen die Abmessungen nur eine geringe Rolle, stellt der XTZ SUB 3X12 eine besondere Empfehlung dar. 

Natürlich hören wir uns die jetzt schon legendäre Opern-Szene in Wien an. Die klassische Musik aus der Puccini-Oper „Turandot“ und der Soundtrack des Films kommen beide sehr gelungen heraus. Auch das Blitzlichtgewitter vor der Oper und das Stimmengemurmel wirken sehr echt und räumlich. Immer hat der Zuhörer den Eindruck, im Mittelpunkt des klanglichen Geschehens zu sein, sozusagen „im Auge des Sturms“. Geschickt verdeutlichen beide Marantz-Komponenten den Spannungsbogen, der aufgebaut wird. Kleine Effekte werden akkurat berücksichtigt. So z.B. als Benji das Schloss mittels Spezial-Equipment öffnet. Auch in den ruhigen, Spannung aufbauenden Sequenzen gelingt es Marantz AV8802A und MM8077 stets, einen dreidimensionalen Raum rund um den Zuhörer zu konstruieren. Der orchestrale Einsatz zu Opernbeginn und der folgende Gesang stellt wieder einmal klar – Mit Stimmen kommen die beiden leistungsstarken AV-Komponenten schlichtweg glänzend zurecht, aber auch die instrumentale Darbietung gefällt durch die Mischung aus Klarheit, Homogenität und räumlicher Dichte ausgesprochen gut. Es spielt keine Rolle, ob weibliche oder männliche Gesangsstimme, die beiden Marantz-Komponenten agieren immer lebendig, angenehm und mit feinen vokalen Konturen. Bei Dynamiksprüngen setzt die Endstufe viel Kraft frei. Kleien Effekte, als Hunts Gegner z.B. eine Metalltreppe herunter läuft, werden sehr gut herausgearbeitet. 

Es folgt Musik – allerdings gänzlich andere als im Kapitel von „Rogue Nation“. „Back In Your Head“ von der 2. Blu-ray des Tiesto-Doppel-BD-Sets „Elements Of Life – Copenhagen“ (DTS-HD Master Audio 5.1) hören wir uns an. Mit straffem, hartem Bass und einer räumlich auch in diesem Falle dichten, umfassenden Wiedergabe hinterlassen die Marantz-Komponenten auch bei dieser BD einen erstklassigen Eindruck. Pegelfest und souverän spielt die Endstufe auf, die Stimme hat, was auch gewünscht ist, einen minimal prägnanten Einschlag, im Gegensatz zu zahlreichen Konkurrenten übertreiben AV8802A und MM8077 aber nicht mit der Aggressivität, sondern sorgen dafür, dass man noch entspannt bei hohem Pegel zuhören kann. Es flgen die Tracks „Adagio For Strings“ sowie „He’s A Pirate“. Den Beginn von „Adagio For Strings“ können wir uns kaum umfassender, nachdrücklicher und räumlich dichter wünschen. Exzellent werden hier die Effekte aufgebaut, man fiebert förmlich den ersten Beats entgegen. Diese kommen dann auch, hart, klar und kontrolliert. Richtig „rund“ im Bassbereich geht es auch zu Beginn von „He’s A Pirate“. Dynamische Differenzen werden tadellos eingearbeitet, die Beifallsbekundungen der Fans kommen gut heraus, ohne den Rest der Akustik zu überdecken. 

In Dolby Atmos liegt die Metallica-BD „Through The Never 3D“ vor. Wir haben uns die Tracks „The Ecstasy Of Gold“, „Creeping Death“ und „For Whom The Bell Tolls“ angehört. Was uns fasziniert – bei großer Lautstärke ist der Klang immer noch souverän, gleichzeitig wird schon bei verhältnismäßig geringem Pegel viel Atmosphäre erzeugt. Auch beim Metallica-Konzert wirft die Marantz-Kombi die schon bekannten Asse in die Waagschale: Dichte Räumlichkeit, viel Nachdruck im Bassbereich, überzeugende Einarbeitung der Höhenkanäle in die Gesamt-Räumlichkeit, homogener und gleichzeitig lebendiger Klangeindruck. Die E-Gitarren-Riffs werden solide vorgetragen, das Schlagzeug präsentiert sich fließend eingearbeitet. Der Stimme fehlt es nicht an Aggressivität, aber nie gerät durch zuviel Schärfe das gesamte Klangbild aus der Balance. 

Detailliert stellen wir unser nächstes Quellmaterial vor. Es handelt sich um die BD „Figaros Hochzeit“ inDTS-HD High Resolution Audio. Wir lauschen dem orchestralen Beginn plus der 1. Arie Figaro/Susanna. Anna Netrebko (Susanna) und Ildebrando D’Arcangelo (Figaro) sind die „Hauptdarsteller“. Musiker: Konzertverein Wiener Staatsopernchor, Wiener Philharmoniker unter Nikolaus Harnoncourt. Es handelt sich um eine Aufzeichnung der Salzburger Festspiele 2006, die im Salzburger Landestheater stattgefunden hat, ein vergleichsweise kleines Schauspielhaus/eine kleine Oper mit lediglich 707 Sitzplätzen. Wie kommt die Marantz-Kombination mit diesem Material zurecht? Der Beifall der Besucher verdeutlicht einmal mehr die grandiose räumliche Wirkung, welche die Marantz Vor-/Endstufenkombination erzeugt. Dann beginnt, erst leise, dann immer nachdrücklicher und intensiver, der orchestrale Auftakt. Für Klassik eignen sich die beidem Marantz-Geräte offensichtlich besonders gut, denn dieses hohe Maß an orchestraler Harmonie ist ohne Übertreibung als beispielhaft zu bezeichnen. Nicht zu analytisch, sondern mit einem wohl dosierten Schuss an akustischer Wärme wird der Klassik-Liebhaber mitten ins Herz getroffen. So sollte Klassik auf hohem Niveau klingen – Marantz macht es vor. Die Streicher lösen fein auf, sind aber gleichzeitig nie zu scharf, jeder Musiker ist überdies im Orchester exakt auszumachen. Verschiedene musikalische Strukturen während des orchestralen Aufbaus arbeiten die Marantz-Devices mit Tatkraft und Sinn für Emotionalität heraus. Nun sind wir mitten im ersten gemeinsamen Auftritt von Susanna und Figaro. Dass die beiden Marantz „Teamplayer“ Stimmen erstklassig präsentieren können, wissen wir ja bereits von den vorangehenden Testreihen. Nun aber wird eine Meisterleistung generiert, die uns trotz der bisherigen Erfahrungen verblüfft: So lebendig, so detailliert, und gleichzeitig so angenehm – was beide Marantz-Geräte hier veranstalten, ist absolute Spitzenklasse. Das räumliche Differenzierungsvermögen ist ebenfalls beispielhaft.

Im letzten Check haben wir DTS Neural:X wieder ins Spiel gebracht und testen, wie die BD „Lichtmond 3 – Days Of Eternity“ mit dem neuen DTS-Upmixer klingt. „Nightflight To Chronos“, Part 1 und 2, wirken damit noch imposanter, noch raumfüllender. Dabei können wir kaum Präzisionsverluste ausmachen. Klar, fein, sensibel – der Aufbau der elektronischen Musik ist stets hervorragend. Geschmeidig und mit feiner tonaler Abstimmung können die Marantz-Komponenten sich bewähren. Kraftvoll ist der Bass, lebhaft das Treiben auf den Rears und den Top Firing-Modulen. Sehr dynamisch erscheint die Effektverteilung bei DTS Neural:X – hier wähnt man sich mitten  im Geschehen, versinkt in der Musik und erlebt sie hautnah mit. Alle akustischen Strukturen werden sehr exakt wiedergegeben, auch die Lokalisierbarkeit im Raum ist allzeit gegeben. Feine Details im hochfrequenten Bereich kommen mit enormer Räumlichkeit heraus. DTS Neural:X, so unser erster Eindruck, eignet sich gerade für Musik mit größerem Effektpotential ausgezeichnet. 

Wie verhält es sich mit den Stereoqualitäten? Im Modus „Pure Direct“ mit ausgeschaltetem Geräte-Display und ausgeschaltetem OSD  hören wir vom Hoff Ensemble „Dronning Fjellrose“ in FLAC 192 kHz/24-Bit. So substanzreich, so sauber und ausgewogen – ganz hervorragend. Dann kommt der Bass, nachdrücklich, den Rest optimal stützend, und die fein auflösende Stimme als akustischer Kontrast. Die zwei Marantz-Komponenten setzen auch im zweikanaligen Bereich gekonnt Akzente. Die Anschlagdynamik des Klaviers wird enorm gut herausgearbeitet. Die „Flowers Of Sendai“ vom Jan Lundgren Trio (FLAC 96 kHz) stehen nun auf dem Programm. Und wieder ist das Klavier, das die schöne Melodie mit fernöstlichem Einschlag passend zum Song-Titel von sich gibt, feinfühlig eingearbeitet. Die Anschlagdynamik und das virtuose Spiel im Gesamten kommen prima heraus. Nuancenreich, lebendig, aber stets, auch bei größerer Lautstärke, angenehm: MM8077 und AV8802A haben auch mit HiRes-Stereo-Material keinerlei „Berührungsängste“. Wieder in 192/24 liegt Mark Knopflers „Brasil“ vor. Hier beeindrucken uns die sensible Einarbeitung der akustischen Gitarre und die Plastizität, die bei der Präsentation der charismatischen Stimme Marks freigesetzt wird. Man denkt spontan, der weltberühmte Musiker sitzt direkt im Hörraum, so direkt, so klar und so präzise erfolgt die vokale Darstellung. Komplett anders geartet ist „Diamante“ von Sandra und Tony Alessi. Mit italienisch-emotionaler Leichtigkeit, wie ein lauer Sommerwind – das ist nun sehr bildlich und pathetisch ausgedrückt. Nüchterner betrachtet, wird hier nette Unterhaltungsmusik akustisch exzellent präsentiert. Die Stimmen erfreuen durch Dynamik, die Instrumente durch Detailreichtum. Die Räumlichkeit setzt auch bei der rein zweikanaligen Wiedergabe ohne Zweifel Maßstäbe. 

Video

Wir lassen die AV8802A Vorstufe den Beginn von Star Wars Episode III auf DVD hochrechnen. Die Star Wars-typische gelbe Laufschrift wird im ISF-Modi „Day“ trotz externem Lichteinfalls farblich exzellent erfasst. Der Lauf ist recht ruhig, nur minimales Ruckeln ist zu sehen. Das Schwarz des Alls wirkt tief, der Marantz holt viele Sterne auf den Screen. Der Sternzerstörer wird gut abgebildet, das De-Interlacing funktioniert tadellos, Nahezu ohne Ruckelbewegungen donnert der Sternzerstörer durch die Schlacht. Die beiden Raumjäger von Obi-Wan und Anakin kommen bewegungsstabil heraus. Hautfarben stellt der AV8802A differenziert und farblich echt dar. Der räumliche Eindruck ist gut, das Bild erscheint angemessen plastisch.

Wird nun die BD „Transformers Ära des Untergangs“ von 1.080p auf 4K hochskaliert, so sind die Ergebnisse überragend. Wir haben, nachdem wir „Star Wars Episode III“ mit ISF Day angesehen haben, uns nun für den ISF Modus Night beim dunklen Raum entschieden. Der Marantz AV-Vorverstärker produziert ein tiefes und sattes Schwarz, an den durchs All fliegenden Raumschiffen der Decepticons sind viele Details zu erkennen – nicht nur Bildschärfe und Detaoiltreue im hochfrequenten Bildbereich sind tadellos, sondern auch der Detailkontrast. Die Flugbewegung der Raumschiffe erfolgt sauber und ohne Schärfeverluste. Rund um den Triebwerksstrahl in stahlblau entstehen keine Artefakte. Das Licht der Sonne mit den hellen orangegelben Strahlen und Ausläufern kommt mit korrektem Kontrastverhältnis heraus. Die Oberfläche der Haut der Dinosaurier wird sehr scharf und detailliert wiedergegeben. Als die Dinosaurier vor der Gefahr flüchten, kann man den Kiesboden unter ihren Füßen exakt erkennen. In der nächsten Sequenz, die in der Arktis spielt, werden die herumwirbelnden Schneeflocken und die eindrucksvolle schneebedeckte Landschaft plastisch und authentisch, mir angenehmer Weiß-Wiedergabe, die nicht zu grell und zu kalt ist, präsentiert.

Nun folgt die Szene im alten Kino, als Optimus Prime „wiederentdeckt“ wird. Die Brüstung mit dem alten Gitter kommt sehr gut, scharf und ohne störendes Zittern, heraus. Selbst unter dem hellen Licht, welches hinten durch die Fenster einfällt, holt der Marantz AV8802A Vorverstärker noch viele Einzelheiten heraus. Das Gesicht von Cade ist farblich sehr realistisch. Als dann die weitläufigen grünen Felder ins Bild rücken, beweist uns Marantz‘ Vorstufe ein weiteres Mal, dass eine akkurate, unverfälschte Farbwiedergabe zu den besonderen Tugenden der beiden ausgewogenen ISF-Modi gehört. Cades Tochter Tessa, die einen alten Handwagen zieht, kommt mit ihrer attraktiven Figur sehr gut zum Ausdruck – so dass man kaum die plastische Darstellung der Kornfelder kurz darauf mit der nötigen Sorgfalt bedenkt. Der abgedunkelte Raum, in dem das Meeting stattfindet, bereitet oftmals Probleme – nicht so, wenn man die Videosektion der Marantz-Vorstufe verwendet. Sattes Schwarz und ein ausgezeichneter Detailkontrast sind auch hier Annehmlichkeiten, die sich der Home Cinema-Liebhaber wünscht. 

Die Außenhaut von Autobots und Decepticons mit allen Gebrauchsspuren und Einzelheiten stellt die Marantz-Vorstufe exakt und enorm scharf dar. Scalingrauschen kommt so gut wie nicht vor, selbst wenn man nah vor dem Bildschirm sitzt. 

Vergleich mit Yamaha CX-A5100/MX-5000

Yamahas 11.2 Vorstufe CX-A5100 ist mit 2.500 EUR deutlich preisgünstiger, aber ebenfalls exzellent ausgestattet. Die Endstufe MX-A5000 ist dafür mit 2.899 EUR teurer als die Marantz, weist aber dafür gleich 11 Kanäle auf. Wir haben versucht, hier eine Pro&Contra-Liste zu erstellen für beide Vor-Endstufenkombinationen. Eines noch vorweg – beide Kombis sind absolut sensationell und übertreffen in allen relevanten akustischen Belangen voll integrierte AV-Receiver durch noch mehr Leistungsfähigkeit – besserer Klang in Multichannel und in Stereo, mehr Feinauflösung, mehr Fundament, mehr Räumlichkeit. Doch in einigen Dingen unterscheiden sich Yamaha und Marantz auch deutlich. Kommen wir nun zu den Pro&Contra-Punkten.

Pro Marantz-Kombi:

  • Harmonischerer,  homogenerer Klang
  • ISF-Bildprogramme beim Video-EQ der Vorstufe
  • Bessere, weil kompaktere, solider in der Hand liegende Fernbedienung
  • Einrichtungsassistent direkt On-Board
  • 13.2 anstatt 11.2 Processing maximal möglich, sehr zukunftsorientiert
  • Vorstufe streamt nicht nur Musik, sondern auch JPEG-Bilddateien
  • 3 HDMI-Ausgänge
  • DTS:X sehr schnell verfügbar, bietet enormes Potential

Contra Marantz-Kombi:

  • Akustisch nicht ganz so reaktionsschnell wie Yamaha-Kombi
  • Keine Speicherplätze für individuelle Video-Justagen
  • Keine DSP-Programme
  • App nicht so umfangreich

Pro Yamaha-Kombi:

  • Extrem leistungsstarke DSP-Sektion der Vorstufe
  • Leistungsverstärker mit 11 Endstufen auch für große Set-Ups
  • Leistungsverstärker enorm pegelfest
  • Noch spontaneres Ansprechverhalten
  • Vorstufe mit sechs Speichern für Video-Justagen
  • Vorstufe sehr preiswert für die Top-Leistung
  • Yamaha-App zur Bedienung gerade fürs Tablet extrem gut

Contra Yamaha-Kombi:

  • Keine THX- oder ISF-Zertifizierung der Videosektion
  • Kein integrierter Einrichtungsassistent
  • Klang etwas anstrengender als bei Marantz-Kombi, analytischer, etwas schärfer
  • Nur zwei HDMI-Ausgänge

Nehmen wir nun noch einen exzellenten AV-Receiver hinzu und zählen seine Vorteile und Nachteile im Vergleich zur Marantz- und Yamaha-Kombi auf:

Vergleich mit Arcam AVR 550

Pro Arcam:

  • Impulstreue und Dynamik der Endstufen auf höchstem Level – mehr geht für 3.300 EUR Kaufpreis kaum, der Arcam rückt schon an die Marantz und Yamaha Vor-/Endstufenkombination heran
  • Extrem leistungsfähiges, PC-basiertes und sehr effektiv arbeitendes DIRAC Einmess-System
  • DAB/DAB+ Tuner
  • Innerer Aufbau exzellent
  • Stereoklang auf dem Level der teureren Vor-/Endstufenkombinationen
  • Exzellente, praxisgerechte Fernbedienung

Contra Arcam:

  • DIRAC erfordert etwas Grundkenntnisse und kann nur zusammen mit einem PC verwendet werden
  • Nur Upscaling von 1.080p auf 4K, keine weitere Video-Funktionalität
  • Kein Einrichtungsassistent
  • HiRes-Support kaum vorhanden
Fazit

Marantz MM8077 AV8802A Gruppenbild1

Wenn das mal keinen großen Applaus verdient hat! Was Marantz mit der Vor-/Endstufenkombination, bestehend aus AV8802A und MM8077 Siebenkanal-Endstufe, für rund 6.000 EUR Gesamtpreis bietet, ist in vielerlei Hinsicht erstklassig. Die akustischen Qualitäten sprechen für sich, und zwar ganz gleich, welches Quellmaterial aktuell gehört wird. Besonders bestechend bei der Dolby Atmos- sowie DTS:X-Wiedergabe und beim Dolby Atmos-/DTS Neural:X Upmix: Schon mit nur zwei Top Firing-Modulen wird eine ungemein dichte, dreidimensionale Räumlichkeit erzielt, die wir in dieser Form bislang kaum gekannt haben. Und der tieffrequente Bereich setzt durch den straffen, aber gleichzeitig sehr tief nach unten reichenden, nachdrücklichen Bass ebenfalls Maßstäbe. Die Marantz Vor-/Endstufenkombination kommt nicht nur mit Mehrkanal-Musik und -Filmton ganz ausgezeichnet zurecht, sondern auch mit Stereo-Signalen, die mit exzellenter Auflösung und hoher akustischer Gesamtharmonie wiedergegeben werden. Das Audyssey-Einmesssystem präsentiert sich in besserer Form denn je und hält nun endlich mit Yamahas YPAO und Pioneers MCACC Schritt, wenn es um die rein automatische Einmessung und deren Ergebnisse geht. Die Videosektion ist sehr leistungsstark und beeindruckt durch eine stabile und scharfe Wiedergabe sowie rauscharmes Upscaling. Zwei ISF-Programme sind an Bord – sehr lobenswert. Denon/Marantz hat dieses Feature sogar schon in AVRs der Mittelklasse eingeführt. Dank Einrichtungsassistent verliert die Erstinstallation ihren Schrecken, auch das Handling im Betrieb nach der ersten Installation ist sehr gut. Die komplett beleuchtete Fernbedienung hat uns überzeugt, auch reagiert die Vorstufe sehr zuverlässig auf Befehle, die mit dem IR-Controller gegeben wurden. Üppig fällt das Anschlussangebot aus, zu loben sind besonders die komplette 13.2 XLR-Beschaltung und die drei HDMI-Ausgänge.

Perfekt fürs anspruchsvolle Heimkino: Die Marantz-Vor-/Endstufenkombination AV8802A/MM8077 sorgt für Begeisterung
masterpiecelogo
AV-Vor-/Endstufenkombinationen Luxusklasse
Test 25. Januar 2016

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich/Philipp Kind
Datum: 25. Januar 2016




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