TEST: Onkyo TV-Lautsprechersystem LS-T10 zum Preis von 399 EUR

Das Produkt

Onkyo steigt auch in den Markt mit kompletten TV-Lautsprecher-Lösungen ein. Für 399 EUR offerieren die Japaner das LS-T10 System, das aus lediglich einer Komponente besteht. Der TV wird auf dem Gerät platziert. Onkyos Konzept – bestmögliche Klangqualität, das heißt ein eingebauter 6-Kanal-Verstärker speist die sechs Treiber. Das System arbeitet nach dem Bassreflexprinzip.

Seitlicher Breitband-Treiber


Subwoofer unter dem Gehäuse

Vier Vollbereichstreiber auf der Vorderseite und je ein Lautsprecher an der rechten und der linken Gehäuseseite und dazu ein aktiver Subwoofer auf der Unterseite (alle 6 passiven Treiber mit je 7 cm Durchmesser, Subwoofertreiber mit 12 cm Durchmesser) stellen die Bestückung dar. Die AuraSphere DSP-Steuerung sichert ein intensives Hörerlebnis. Ausgangspegel und Entzerrung werden geregelt, um ein räumlich echt wirkendes dreidimensionales Klangfeld zu erzeugen. Es gibt ferner die Möglichkeit, zwischen verschiedenen DSP-Betriebsarten zu wählen. Die Umschaltung kann auch mittels der Fernbedienung im Scheckkartenformat erfolgen. Nachrichten, Film und Musik stehen an Klangfeldern zur Verfügung.

LS-T10 mit AuraSphere

AuraSphere ist eine Gemeinschaftsproduktion von Onkyo und den Schweizer 3D Soundexperten von Sonic Emotion. Im Vergleich zum Vorgänger-Surround-System, das 2012 debütierte, verfügt AuraSphere über weiter verbesserte Algorithmen für optimierte Entzerrung und absolut stimmigen Schalldruckpegel der Treiber. Im Fokus liegt bei AuraSphere ein raumfüllendes 3D-Klangbild, das man nicht nur vom mittig zentrierten Platz direkt vor TV und Soundsystem aus genießen kann, sondern von nahezu jedem Platz im Aufstellungsraum aus .


Optischer und koaxialer Digitaleingang, 3,5 mm Miniklinken-Audioeingang

Integriert ist des Weiteren eine Bluetooth 2.1 + EDR-Schnittstelle, so dass Smartphone oder Tablet drahtlos Musik zum LS-T10 streamen können. MP3-Dateien von USB-Speichermedien lassen sich über den USB-Anschluss einspeisen. Zur Verfügung steht noch ein 3,5 mm Miniklinken-Analog-Audioeingang sowie optischer und koaxialer Digitaleingang.

Onkyos aktives TV-Lautsprechersystem dekodiert Dolby Digital – aber kein DTS. Man muss aber hier auch feststellen, dass DD-Dekodierung wichtiger ist, da nicht wenige TV-Sendungen in diesem Format vorliegen.

Das System wiegt 8,7 kg und misst 700 mm in der Breite, 105 mm in der Höhe und 350 mm in der Tiefe. Laut Onkyo können TVs über 40 Zoll auch bedenkenlos Platz auf dem LS-T10 nehmen. Maximal kann der TV-Standfuße (nicht der TV selber!!) bis zu 674 mm breit und bis zu 265 mm tief sein. Der TV darf ein maximales Gewicht von 35 kg nicht überschreiten.

Bedienelemente auf der Oberseite


Unterseite

Die Verarbeitung macht einen sehr guten Eindruck. Die Lautsprecherchassis vorn liegen unter einer stabilen Metallgitter-Konstruktion. Seitlich kommt sauber aufgezogener Stoff zum Einsatz. Um das Gehäuse spannt sich links und rechts ein klavierlackschwarzer Rahmen, was für einen edlen Eindruck im Detail sorgt. Die Lautsprecherschutzgitter sollte man allerdings nicht abnehmen, dann zeigt das LS-T10 Soundsystem doch klar die Zugehörigkeit zu einer recht günstigen Preisklasse. Unter dem Gerät sitzen  keine richtigen Standfüße, sondern Standleisten mit darunter klebenden Gummifüßen.

Fernbedienung im Scheckkartenformat

Eine einfache Bedienung hat man bei Onkyo groß geschrieben. Nach Anschluss an den TV kann es mit der Fernbedienung des TVs bedienen, denn Onkyo hat von allen großen TV-Herstellern die entsprechenden Codes voreingestellt: Funai, LG, Philips, Samsung, Sharp, Sony, Toshiba und Vizia sind vorprogrammiert. Was fehlt, ist unverständlicherweise Panasonic.  Hier setzt die ebenfalls integrierte Lernfunktion an, denn dank dieser kann man auch die Fernbedienungscodes weiterer TV-Marken übernehmen.

Im Lieferumfang enthalten ist auch eine Fernbedienung, die sehr kompakt und dünn ist. Die Folientasten sind nicht ganz unser Fall, wir schätzen vollwertige Remotes, wie sie z.B. bei Samsungs Soundbars beiliegen, mehr.

Was fehlt zum vollendeten Glück? Im Prinzip zwei völlig unterschiedliche Dinge. Ein HDMI-Eingang und ein HDMI-Ausgang wären sinnvoll, und überdies ein kleines Geräte-Display, das Informationen über Gesamtlautstärke, Subwooferlautstärke, gerade aktivem Eingang und Soundmodus geben würde.

Klang

Wir haben uns den „A-Team“ Film angeschaut, und zwar die Sequenz gleich zu Filmbeginn, in der sich die Filmfiguren, also Hannibal&co., einführen. Hier muss sich das Onkyo LS-T10 gleich nachdrücklich beweisen. Wir fordern Pegel – und das preiswerte System gibt uns Pegel. Der Subwoofer reißt sich zu recht kraftvollem Verhalten hin, nur wer es übertreibt, bekommt in Form von Verzerrungen und Anschlagen des Chassis seine Quittung. Es ist eben doch ein Lautsprechersystem für Wohnzimmer-Cowboys und nicht für kaltblütige Pegeltreiber, die einen dedizierten Heimkinoraum nutzen.  Leicht erhöhte Lautstärken gehen dem Onkyo-Lautsprecher leicht und ohne große unschöne Nebeneffekte von der Hand. Auch so mancher Effekt, wie das Klicken von Hannibals Waffe gleich zu Beginn, als die Gangster ihn erschießen wollen, kommt recht gut heraus – allerdings zeigt sich hier auch eine leichte Schwäche. Zwar hat das Klicken Räumlichkeit und kommt auch mit guter Impulstreue heraus, aber es fehlt an Ausdruckskraft im Hochtonbereich. Insgesamt geht das LS-T10 hier auf „Nummer sicher“ – lieber etwas zurückgenommener Hochtonbereich, als zu deutliche hochfrequente Aggressivität. Es fehlt dadurch manchem Effekt etwas an Lebendigkeit.

Sehr gut gefällt, z.B. auch bei der Verfolgungsjagd mit dem orangefarbenen Lamborghini, die Räumlichkeit im „Movie“ DSP-Modus. Was auch beachtlich ist: Wie in der Beschreibung versprochen, ist man tatsächlich nicht an einen Platz im Hörraum gebunden. Selbst aus größeren Distanzen heraus und in dezentraler Hörposition kann man sich über ein korrekt aufgebautes, kräftiges Klangbild freuen. Hörräume bis zu knapp 25 Quadratmeter kann das LS-T10 beschallen.

Stimmen stehen solide im Raum, werden überdies glaubwürdig eingearbeitet. Andere Effekte wirken im Vergleich zu den Stimmen nicht zu leise. Kleinere Dynamikunterschiede kann das LS-T10 Lautsprechersystem herausarbeiten, bei wirklich  kleinen dynamischen Differenzen zeigt sich, dass solche Systeme alle keinen Filmgenuss bieten können, die der anspruchsvolle Anwender schätzt.  Für dejenigen, der Filmgenuss wie im modernen Hightech-Kino für zu Hause möchte, führt kein Weg an einem leistungsstarken AV-Receiver (hier hat Onkyo übrigens exzellente Alternativen bis zum Highend-Modell TX-NR5010 parat) und einem leistungsfähigen Mehrkanallautsprechersystem vorbei.

Die Sequenz, in der der Helikopter abfliegt und  anschließend gnadenlos gejagt wird, kann vom LS-T10 sehr gut wiedergegeben werden. Die Schüsse, die drehenden Rotoren und die Stimmen verdichten sich zu richtigem Actionfilm-Genuss. Dabei eröffnet der Lautsprecher dank der AuraSphere-Technologie einen weiten, auch in der Tiefe gut gestaffelten Raum. Nur pychoakustische Tricksereien – aber richtig gelungen umgesetzt. Dabei wirkt das Ergebnis keinesfalls unpräzise oder zu stark mit Hall versehen.  Würde die Fernbedienung auch noch schneller und effektiver eine Veränderung der Lautstärke herbei führen, wäre unser Eindruck noch besser.

Der dritte Star Wars-Teil beginnt mit der spektakulären Schlacht oberhalb des Regierungsplaneten Coruscant. Der durchs Bild donnernde Sternzerstörer bringt den 12 cm Subwoofer an den Anschlag – das ist aber kein Grund, sich zu schämen, denn das passiert auch sehr deutlich leistungsfähigeren und größeren „Kollegen“. Ansonsten – solider Bass, solide Dolby Digital-Decodierung, gute Stimmeinarbeitung und weitläufige Räumlichkeit. Der Hochtonbereich klingt etwas belegt, das merkt man z.B. auch an den zahlreichen großen Explosionen und am Music Score.

Wie geht Onkyos Lautsprechersystem mit Musik um? Hier haben wir uns von der Eagles-BD „Farewell – Live From Melbourne“ das Stück „Tequila Sunrise“ angehört. Und die Gitarre gleich zu Beginn kommt nicht einmal schlecht heraus. Klar fehlt es dem Hochtonbereich auch hier an richtig guter Durchzeichnung, aber das Instrument präsentiert sich als harmonisch eingearbeitet. Die Stimme klingt ebenfalls ordentlich, und die Bühne wird akustisch relativ glaubwürdig wiedergegeben. Pegel kann man ruhig auch mal höhere fahren, der Bass zeigt sich integrativ: Er macht er sich nicht durch unschönes Dröhnen bemerkbar, sondern ist als solides, nicht übertriebenes Fundament vorhanden.

Das „alte Karmuffel“ von Paul Kalkbrenner wird mit erneut tadelloser Räumlichkeit wiedergegeben. Die Effekte scheinen sich tatsächlich in einem virtuellen Raum zu bewegen, der größer ist, als man es dem Onkyo-Lautsprecher zutraut. Erneutes kleines Problem ist der etwas zu dumpf wirkende Hochtonbereich – der Bass hingegen ist spürbar und gelungen, nur bei großer Lautstärke ist Durchschlagen heraus zu hören.

Was treibt die Konkurrenz? Preiswerter und dafür sogar mit HDMI-Beschaltung und zusätzlichem DTS-Decoder tritt Panasonics Speaker-Board SC-HTE80 an – für 299 EUR wird hier derzeit fast ein Maximum geboten. Klanglich gut, sehr kompakt und praxisgerecht ausgestattet, ist Panasonic ein sehr guter Wurf gelungen. Onkyo schafft im Bassbereich aufgrund einem Mehr an Größe etwas mehr Volumen und Tiefgang im Bassbereich. Zudem wirkt der LS-T10 Lautsprecher im Detail etwas hochwertiger.

Von Quadral kommt der aktive TV-Lautsprecher Magique. Mit 599 EUR allerdings deutlich teurer, dafür aber auch hochwertiger. Klanglich ist Quadral ein überzeugendes Gesamtpaket gelungen, ausgewogen, lebendig und kultiviert. Onkyos LS-T10 ist spürbar günstiger, nicht viel schlechter verarbeitet und im Bassbereich sogar noch eine Idee antrittsstärker. Für Magique spricht aber der freiere Hochtonbereich. Über Bluetooth verfügen beide Alternativen, HDMI bringt keines der beiden Lautsprechersysteme mit.

Fazit

Für einen fairen Preis offeriert Onkyo einen kraftvoll aufspielenden TV-Lautsprecher mit guter Pegelfestigkeit, Bluetooth und solider Verarbeitung, die auch im Detail größtenteils überzeugt. TVs bis 35 kg finden auf dem zeitlos gestalteten, recht eleganten LS-T10 Platz. Die AuraSphere DSPs sind für die ausgezeichnete Räumlichkeit zuständig. Stimmen sind  überdies immer sehr gut verständlich. Leider fehlt eine HDMI-Beschaltung. Klanglich sind wir mit Homogenität und Nachdruck sehr zufrieden, der Hochtonbereich könnte noch eine Idee klarer sein.

Hochwertiger TV-Lautsprecher mit leistungsstarken DSP-Programmen und kräftigem Klang 


Soundbar-/TV-Lautsprecher-Systeme Mittelklasse
Test 09. Oktober 2013

+ Raumfüllender Klang
+ Pegelfest
+ Bluetooth
+ Codes für die Steuerung mittels TV-Remote für wichtige Hersteller vorprogrammiert
+ Sehr gute DSP bezüglich der gebotenen Räumlichkeit
+ Fairer Kaufpreis

– Kein HDMI
– Hochtonbereich könnte noch freier aufspielen

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 09. Oktober 2013




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