TEST: 3-Wege-Regallautsprecher KEF R300 – elegantes Design, exzellenter Klang?

KEF_R300

Wahlweise in den Ausführungen Walnuss, Rosenholz, Schwarz hochglänzend oder Weiß hochglänzend findet die 3-Wege-Bassreflex-Regalbox KEF R300 den Weg ins Wohn- oder Musikzimmer des versierten Hörers, der bei aller Begeisterung für Musik auch den Fokus auf ein gutes Preis/Leistungsverhältnis legt: Knapp 1.300 EUR Paarpreis sind absolut in Ordnung, bedenkt man, was man fürs investierte Geld bekommt. 

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Seitliche Ansicht

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Ansicht von hinten

Zu nennen wäre zunächst die überragende Verarbeitung, die alles andere als selbstverständlich für diese Preisliga ist. Uns sind nur wenige Lautsprecher bekannt, die so nobel auftreten, selbst in höheren Preisklassen. Design macht bei KEF auch vor den Membranen nicht halt. Der UNI-Q-Treiber, das Koaxial-Chassis mit 25 mm Aluminium-Hochtöner im Zentrum des Aluminium 125 mm Mittelton-Chassis sieht ebenso elegant aus wie der Flachmembran-Tieftöner (165 mm Alu-Chassis). Edle Ringe, ebenfalls aus echtem Metall, umgeben die eigentlichen Chassis. Natürlich sind die Chassis ohne sichtbare Schrauben in die Schallwand eingelassen. Sauber gerundete Ecken und eine hervorragende Oberflächenqualität sind für KEF selbstverständlich. Milde Kritik nur für die Ausführung des Gehäusebodens. Hier wäre es schön gewesen, wenn KEF so etwas wie einen formschönen Sockel beziehungsweise edle Lautsprecher-Füße installiert hätte. Auch bei Regallautsprechern wird so etwas immer beliebter, wie viele Konkurrenten zeigen. 

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Anschlussterminals

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Bassreflex-Öffnung, fest verschraubt

Sonst aber herrscht eitel Sonnenschein. Die Anschlussterminals sind äußerst hochwertig und setzten in der Preisklasse Maßstäbe. Das KEF-Logo ist elegant oben mittig platziert. Die Lautsprecherschutzgitter haften magnetisch – die R300 sieht offen entschieden am besten aus, und so stören keine Vertiefungen, in der das Schutzgitter befestigt wird. 

12 kg wiegt eine R300. Der Regallautsprecher ist 385 mm hoch, 210 mm breit und 345 mm tief. KEF rät zu Verstärkern mit einer Leistung von 25 bis 120 Watt pro Kanal. Wir empfehlen allerdings Leistungen zwischen rund 50 und 100 Watt/Kanal. Der Frequenzbereich bei – 6 dB reicht von 42 Hz bis 45 kHz, bei – 3 dB werden Frequenzen zwischen 50 Hz und 28 kHz dargestellt. Maximal erzeugt die R300 110 dB Schalldruck und weist mit 88 dB (2,83V/1m) einen ordentlichen, aber nicht sensationellen Wirkungsgrad auf. Die Impedanz gibt KEF mit 8 Ohm an, minimal mit 3,2 Ohm. 

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UNI-Q-Chassis (125 mm Mitteltöner, 25 mm Hochtöner) aus der Nähe

Noch einige Details zum UNI-Q-Treiber. Er verfügt über einen verstärkeren Konus aus einer Aluminium-Magnesium-Legierung und über KEFs hauseigene „Z-Flex“ Technologie. Diese ermöglicht einen flachen und dementsprechend weichen Übergang zum Gehäuse, was wiederum dafür sorgt, dass das Reaktionsvermögen bei der Wiedergabe des Präsenztonbereiches enorm schnell und zugleich höchst akkurat ausfällt. Das druckgegossene, äußerst solide Alu-Chassis ermöglicht einen besonders reinen, sauberen Klang, da praktisch keine störenden Resonanzen an das Gehäuse weitergegeben werden. Der Hochtöner sitzt, wie bei einem Koaxialtreiber üblich, im Zentrum des Mitteltöners. Er ist belüftet und konstruktiv mit dem Hochtöner der KEF Highend-Box Blade verwandt. Ausgestattet mit großem, besonders kraftvollem Neodym-Magneten und einer besonders harte, computeroptimierte Kalotte wird eine extrem hochliegende Impulstreue geboten. Unglaubliches Reaktions- und Antrittsvermögen sollen diesen Hochtöner auszeichnen. Enorme Präzision im Hoch- und Mitteltonbereich ist einer der großen Vorzüge dieser UNI-Q-Koax-Treiber-Konstruktion. KEFs „Tangerine Waveguides“ sorgen für die perfekte Ergänzung und Unterstützung, indem die hohen Frequenzen durch breite Steuerung mit hoher räumlicher Weite verteilt werden. 

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165 mm Basschassis

Der Basstreiber stellt eine Kombination aus  massiver, belüfteter Magnet-Konstruktion und großer, außergewöhnlich leichter Aluminium-Schwingspule dar. Ein ebenfalls besonders leichter, aufwändig versteifter Hybridkonus wird davon angetrieben – so entstehen saubere, kraftvolle Bässe mit enormer Dynamik. 

Klang

Vom Server spielen wir in Flac 96 kHz/24-Bit „A Little Bit Of That“ von der Blues Company zu. Und die KEF R300 detailliert sehr gut, die Stimme allerdings könnte eine Idee harmonischer integriert sein. Die Instrumente sowie der Rhythmus kommen impulstreu und mit lebendigen Konturen heraus. Die E-Gitarre wirkt schwungvoll und nachdrücklich, im Detail würde das Schlagzeug etwas mehr Präsenz vertragen. „I Can’t Tell You Why“ in der Variante von Diana Krall (Album „Wallflower“) in Flac 48/24 bringen die beiden KEF Regallautsprecher geschliffen und klar zur Geltung. Die Stimme Dianas wird charismatisch wiedergegeben, und sie löst sich recht gut von den Lautsprecher-Chassis. Die Instrumenten überzeugen durch Präsenz und Präzision, trotzdem schaffen es die beiden R300, der Stimme Dianas allzeit den Glanz zu verleihen, den eine glaubwürdige Darbietung benötigt. 

Bei der SACD „James Bond Themes“ handelt es sich um rein instrumental vorliegende Titelmelodien aus 007-Filmen vom Anfang bis zu „Golden Eye“ von 1995. Gespielt vom Royal Philharmonic Orchestra, lauschen wir zunächst der Titelmelodie des zweiten 007-Films „From Russia With Love“. Währenddessen zeigt uns die R300 zahlreiche Talente. Dank des UNI-Q Koaxial-Chassis kommen Hoch- und Mitteltonbereich zeitgleich beim Hörer an. Das sorgt für ein geschlossenes, kultiviertes, präzises Klangbild. Überhaupt ist das Thema „Präzision“ Stärke der R300. Anders als von anderen KEF-Boxen, die wir kennen, gewohnt, agiert die R300 im Bassbereich weniger füllig und tritt insgesamt etwas schlanker auf. Das merkt man auch gleich zu Beginn von „Goldfinger“. Es steckt schon einiges an Wucht und Dynamik in der Gesamtakustik, aber es wirkt verhaltener als bei anderen KEF-Schallwandlern, die wir bereits getestet haben. Die kleinste Standbox aus der R-Serie, die von uns getestete R500, bietet hörbar mehr Volumen sowie Tiefgang im Bassbereich. Das, was die R300 treibt, verdient trotzdem Respekt, denn sie schafft es allzeit, z.B. bei „Thunderball“, viel Struktur ins tonale Gesamtgeschehen einfließen zu lassen. Das Auflösungsvermögen des Hochtöners, der im Übrigen auch in der R500 sitzt, beeindruckt immer wieder. Die Streicher sind sehr gut durchhörbar, erscheinen gleichzeitig aber immer harmonisch und nie zu dominant. 

Wir lauschen nun „I’ve Seen It All“ von Schiller. Der Song entstammt der SACD „Leben“. Die Stimme ertönt klar und fein auflösend, sie trennt sich akkurat von den Instrumenten. Die Loslösung des Klangs von den R300 gelingt gut, aber weniger überzeugend als bei der größeren R500, die vokale und instrumentale Anteile souveräner von den Chassis löst. Der Bass ist straff und präzise. Die R300 bringt es in der Disziplin „Belastbarkeit/Pegelfestigkeit“ zu guten, aber nicht zu überdurchschnittlichen Ergebnissen. Wer reichlich Leistung einschenkt und es sehr laut angehen lässt, muss sich mit einem etwas zu dominanten oberen Mitteltonbereich abfinden und damit rechnen, dass das Differenzierungsvermögen über den gesamten Frequenzbereich geringer wird. Das betrifft aber nur wirklich hohe Pegel. Wer aus Freude an der Musik auch deutlich über Zimmerlautstärke hört, muss mit keinen Einschränkungen rechnen. Der Song „Liebe“ mit der männlichen Stimme, die einige Worte spricht, gleich zu Beginn erfreut uns durch eine als authentisch empfundene Weite und Tiefe. Die weibliche Stimme bringt dann wieder zum Ausdruck, wie leistungsfähig Hoch- und Mitteltöner sind: Feine Konturen und eine sehr charismatische Gesamtdarstellung sprechen für die R300. 

In normaler CD-Qualität lauschen wir nun „Dell’Amore Non Si Sa“ von Andrea Bocelli. Das feine Herausmodellieren der vokalen Präsenz liegt den R300 auch hier. Die Faszination in der Stimme von Andrea stellen die 3-Wege-Regallautsprecher überzeugend dar. Kleine dynamische Differenzen arbeiten die KEF-Schallwandler überzeugend heraus. Die Räumlichkeit im Hochtonbereich ist überragend. Große Dynamiksprünge managt die R300 gut bis sehr gut, hier geht aber noch mehr. Sehr homogen und in sich schlüssig wird der Anfang von „L’Attesa“, ebenfalls vom Bocelli-Album „Andrea“, präsentiert. Jedes einzelne beteiligte Instrument, Tasten- oder Streichinstrumente, werden mit räumlich dichter Aura wiedergegeben. Der Bass ist straff und sehr exakt gestaffelt. Bei diesem Stück hinterlässt auch der gebotene Tiefgang einen tadellosen Eindruck. Trotzdem legt sich der Bass nie über die vokalen Anteile, sondern lässt diesen stets optimalen Einfaltungsraum. 

Beim Klassiker „Das Omen“ von Mysterious Art handelt es sich um ein One-Hit-Wonder Ende der 80er Jahre. Die Klangqualität der CD ist als durchschnittlich zu bezeichnen. Etwas zu viel tut sich im oberen Mitteltonbereich, dadurch wirkt dieser zu dominant. Das Ganze geht einher mit einem nur ausreichenden Auflösungsvermögen und leicht blechernen Stimmen. Was macht die R300 aus diesen Rahmenbedingungen? Der Klang hat durchaus Substanz, den leicht blechernen Einschlag allerdings hört man heraus, wenn auch in vertretbarem Umfang. Der Bass trifft auch hier exakt den richtigen Punkt, der Nachdruck hält sich allerdings in Grenzen. Als die Sängerin loslegt, gelingt die Trennung von den Instrumenten nicht zu 100 Prozent überzeugend. Insgesamt eine durchschnittliche Leistung, mit solchem Quellmaterial sollte man die R300 besser nicht „füttern“. 

Wie sieht es bei der Extended Version des a-ha-Hits „The Sun Always Shine On TV“ aus? Hier ist der Klangeindruck deutlich besser. Die Trennung der Stimme von Morten Harket von den Instrumenten gelingt überzeugend, das Fundament ist besser spürbar. Typisch für Aufnahmen aus den 80er Jahren ist auch hier der Mitteltonbereich recht dominant, aber von unten schiebt die R300 mit mehr Vehemenz an, wobei es auch hier Passagen gibt, in denen noch mehr Nachdruck besser wäre. Der Rhythmus kommt akkurat heraus, die Impulstreue ist sehr gut. Insgesamt lässt sich die R300 bei diesem Stück wenig nachsagen. Für ihre Größe und Preisklasse eine tadellose Leistung. 

Konkurrenzvergleich

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  • Dali Opticon 1: Was eine R300 kostet, kostet ein Paar der sauber verarbeiteten Dali Opticon 1. Was die Dänen für den Kaufpreis bieten, ist eine formschöne, kompakte, wohlklingende Box ohne wirkliche Schwächen – top. Dass die KEF R300 doppelt so teuer ist, merkt man am höher liegenden Detaillierungsvermögen, mehr Klarheit im Hochtonbereich und am präziseren Bass. 

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  • Teufel Definion 3S: Im Moment für einen Paarpreis von knapp 850 EUR zu haben, stellt die Berliner Ragalbox eine verheißungsvolle Option dar. Sie sieht auch recht gut aus, ist auch eine Dreiwege-Konstruktion und verfügt ebenfalls über ein Hightech-Koaxial-Chassis für Mittel- und Hochtonbereich. Mit Basskraft, Substanz, enormer räumlicher Dichte und einem guten Auflösungsvermögen gesegnet, fällt es schwer, Nachteile an der Definion 3S ausfindig zu machen. Die R300 löst im Hochtonbereich zwar feiner auf, hat im Bassbereich aber nicht ganz die Ausdruckskraft der Definion 3S. 

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  • Das beste, was in der Liga zwischen 1.000 und 1.500 EUR bei Regallautsprechern geht, kommt im Übrigen auch von KEF: Der Monitor-Regallautsprecher LS50. Nur eines sollte man bedenken: Diese sehr attraktive und extrem klangstarke Box braucht eine angemessen kraftvolle Zuspielung. Dann steht einer brillanten Parade nichts mehr im Wege: Straffer, erstaunlich nachdrücklicher Bass, hervorragende Räumlichkeit, tolle Auflösung. Mehr Klangqualität und Design-Noblesse geht für den Paarpreis von knapp 1.200 EUR kaum noch. 
Fazit

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Das ist nochmal gut gegangen: Das enorme Auflösungsvermögen und die insgesamt sehr feine, kultivierte Gesamtcharakteristik sind dafür verantwortlich, dass die R300 noch eine äußerst erfreuliche Bewertung erhält. Der Hochtonbereich glänzt durch enorme Räumlichkeit, die Gruppenlaufzeiten sind perfekt. Hervorragend verarbeitet ist die R300 auch noch. Der Bassbereich ist gut, für ein größeres Lob wären aber mehr Nachdruck sowie Tiefgang nötig. Die Pegelfestigkeit setzt keine Maßstäbe, sie ist gut bis sehr gut, aber nicht überragend. Was uns sehr gut gefällt, ist die ausgezeichnete Feindynamik über den gesamten Frequenzbereich

Perfekte Gruppenlaufzeiten und hervorragendes Auflösungsvermögen zeichnen die formschöne KEF R300 aus
ueberragend
Regallautsprecher Obere Mittelklasse
Test 20. Dezember 2016

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Philipp Kind
Datum: 20. Dezember 2016




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