TEST: Teufel 3-Wege-Regallautsprecher Definion 3S – Eleganter Klang-Virtuose für 999 EUR Paarpreis?

Teufel Definion 3S Gruppenbild

Ganz frisch aus Berlin und schon bei uns im Testraum: Für 1.000 EUR Paarpreis tritt die Teufel Definion 3S an, um zu beweisen, dass Definion-Hightech mit Koaxial-Chassis auch zum Mittelklasse-Preis schon für erstklassige akustische Leistungen gut ist. Wahlweise in Anthrazit wie bei uns oder in weiß/schwarz lieferbar, verfolgt die Definion 3S die typische Formensprache von Teufels Top-Lautsprecherbaureihe. Das sich nach hinten verjüngende Gehäuse (hinten nur 14 cm breit), das zudem den Vorteil aus akustischer Sicht hat, dass sich im Inneren praktisch keine stehenden Wellen bilden, ist ebenso kennzeichnend wie der Definion-Schriftzug auf der aufgeräumten Schallwand. Gediegen sieht die Box aus, von allen Seiten. Hinten gibt es Single-Wired-Terminals und keine Bi-Wiring-Terminals, aber das ist bei einem Regallautsprecher nicht weiter gravierend. Das MDF-Gehäuse mit solider Wandstärke ist mit hochwertigem Schleiflack überzogen und präzise gefertigt. Es dürfte nicht viele Lautsprecher dieser Preisklasse geben, die ähnlich hochwertig „herausgeputzt“ sind. 

Teufel Definion 3S Rueckseite Seitlich

Rückseite

Teufel Definion 3S Anschluesse Rueckseite

 Anschlussterminal

Auch technisch präsentiert sich die kleine Definion 3S als waschechte Definion-Box. Das patentierte Synchronized Coaxial Acoustics (SCA) Chassis sorgt als Punktschallquelle dafür, dass Schallereignisse als von einem Punkt kommend wahrgenommen werden. Demnach sind die Gruppenlaufzeiten optimal, und der Zuhörer nimmt alles als ein komplettes, umfassendes und impulstreues akustisches Ereignis wahr. Die überragende Räumlichkeit soll, so Teufel, ein weiterer großer Vorzug dieses Hightech-Chassis sein. Der Mitteltöner ist als Flachmembrantreiber ausgeführt.

Dadurch wird der Hochtöner auch hinsichtlich der Abstrahlung nicht behindert. Das funktioniert auch in der Praxis, die Räumlichkeit und das Abstrahlverhalten des Chassis im Hochtonbereich ist hervorragend. Damit nicht nur im Hocntonbereich eine reife Leistung geboten wird, sondern die Definion 3 auch im Bassbereich vehement antritt, gibt es ein Bassreflexsystem mit „Precision Channel“. Teufel geht so weit, dass man davon spricht, dass der „Precision Channel“ die bisherigen Nachteile eines Bassreflex-Systems weitgehend eliminiert.

Teufel Definion 3S Bassreflexrohr

Die Definion 3S ist eine Bassreflex-Konstruktion

 Hier übrigens noch ein Wort zur Definion-Familie: Es gibt hier auch Mitglieder wie das erste Definion-Modell, die Standbox Definion 5, die auf eine geschlossene Gehäuse-Konstruktion setzen. Wie möchte Teufel eine besonders clevere Bassreflex-Konstruktion realisieren? Zum einen sollen störende Resonanzen im Bassreflex-Tunnel reduziert werden, indem eine tiefe Übergangsfrequenz zum SCA-Chassis gewählt wird. Zum anderen werden aufgrund der üppigen Dimensionierung Strömungsgeräusche weitestgehend vermieden. Das zeigt sich übrigens auch in den Testreihen. Der Channel selber ist speziell ausgeformt und gewölbt, um eine besonders tiefe Resoanzfrequenz sicherzustellen. Natürlich bringen diese Bemühungen alles nichts, wenn nicht das Basschassis sich Schwächen leistet.

Teufel möchte dies unbedingt vermeiden und greift daher technisch „in die Vollen“. Die CFK-Membran mit Wok-Konus wird eingesetzt. Wer nun an Küchengerät mit chinesischem Touch denkt, wird leider enttäuscht. Gemüse lässt sich nicht mit Teufels Tieftöner schonend garen. Aber die Membran aus kohlefaserverstärktem Kunststoff ist extrem leicht und verwindungssteif. Unschöne Partialschwingungen können auch bei hohem Pegel weitgehend vermieden werden. Die Wok-Membran hat keine Staubschutzkappe. Eine untere Grenzfrequenz von 48 Hz beweist, dass die Definion 3S auch im Bassbereich das nötige Durchsetzungsvermögen mitbringt. 

Teufel Definion 3S Hochtoener

Koaxial-Anordnung für Mittel- und Hochtöner

Teufel Definion 3S Tieftoener

 

Bass-Chassis mit 160 mm Kohlefaser-Membran

Teufel gibt satte 12 Jahre Garantie auf die Definion 3S, was auch zeigt, dass die Berliner auch unter Gesichtspunkten der Langzeitstabilität von ihren Lautsprechern überzeugt sind. Zudem kann man den Lautsprecher gleich acht Wochen lang zu Hause testen, um sich so in aller Ruhe von den Qualitäten überzeugen zu lassen. Das HiFi-Fans alter Schule ebenfalls mit der Definion 3D glücklich werden, dafür soll, so Teufel, eine,wir zitieren „natürliche Wiedergabe jedes Musikgenres“ und auch Filmton mit dem Fokus auf einer präzisen Wiedergabe aller Tonbereiche zu kreieren, bei druckvoller Bassperformance…“ sorgen. Optional offeriert Teufel Standfüße für die Definion 3, die im Design perfekt mit dem Lautsprecher harmonieren. 

Werfen wir einen Blick auf die technischen Daten. Teufel verspricht eine IEC Long Term Dauerbelastbarkeit von 100 Watt und eine Impulsbelastbarkeit – IEC Short Term – von 140 Watt. Der Wirkungsgrad fällt mit 86 dB (2,83 V/1 m) nicht sonderlich üppig aus. Das belegt auch die Praxis, wir raten, einen Verstärker mit tadellosen Leistungsreserven ab der 600 EUR-Liga zu verwenden. Hersteller wie Yamaha, D&M, Pioneer oder auch die Franzosen von Advance Acoustic haben hier genug passendes Material im Angebot. Teufel rät zu einer Mindestverstärkerleistung von 25 Watt – wir würden eher von 40 Watt sprechen.

Teufel gibt einen Frequenzbereich von 50 Hz bis 22.000 Hz an (an anderer Stelle wurde von 48 Hz unterere Grenzfrequenz gesprochen – Papier ist geduldig) und die Bestückung besteht aus einem 25 mm Hochtöner, einem 130 mm Mitteltöner und einem 160 mm Tieftöner. der Hochtöner ist aus Gewebe, der Mitteltöner weist eine mehrlagige Membran in Wabenform aus Papier-Aluminium-Composite-Material auf.  Das Netto-Innenvolumen der Definion 3 liegt bei 14,5 Litern. Die Box ist 35,5 cm (mit Anschlussklemmen 39 cm) tief, 20 cm breit und 42,5 cm hoch. Sie wiegt 13 kg. 

Klang

Teufel Definion 3S Front Seitlich2

Nur schön oder auch klangstark? Das ist die entscheidende Frage

Die Definion 3S muss sich bei „Almost Paradise“ vom SACD-Soundtrack des 80er Jahre Film-Klassikers „Footloose“ zuerst beweisen. Der Titel, gesungen von Mike Reno & Ann Wilson, fördert zügig eine Tatsachen über das Wesen der Teufel Definion 3S zutage. So liefern die Lautsprecher eine sehr direkte und lebendige Wiedergabe, die sich aus der dynamischen Stimmdarstellung, der hohen Impulstreue und dem straffen, sehr gut gestaffelten Bass zusammensetzt. Bedingt durch den Definion-typischen Koaxialtreiber, im Teufel-Jargon das patentierte SCA-Koaxial-Chassis, kommen die Klanganteile im Hoch- und Mitteltonbereich exakt zur gleichen Zeit beim Hörer an, was für ein komplettes, umfassendes Klangerlebnis sorgt.

Der Langhub-Tieftöner mit Kohlenfaserstoff-Membran brilliert durch ungemein schnelles Ansprechverhalten und unterstützt demnach die Bestrebungen des Koax-Chassis sehr tatkräftig. Die Stimmen lösen sich hervorragend vom Lautsprecher und verteilen sich präzise, die virtuelle Bühne steht stabil. Diese Vorteile hören wir auch bei Bonnie Tylers „Holding Out For A Hero“ heraus. Hier geht es ungemein dynamisch voran, das leicht Überbetonte in den oberen Mitten und Höhen liegt am Quellmaterial.

Obwohl sie eine frische, nach vorn strebende Wiedergabe fokussieren, manövrieren sich die Definion 3S trotzdem an einer zu aggressiven und überprägnanten Wiedergabe vorbei – es sei denn, der Hörer übertreibt es mit der Lautstärke deutlich. Dann können auch die gelungen ausgelegten Teufel-Boxen die Schwächen der Quelle nicht mehr verbergen. Sonst beweisen die Definion 3S auch bei diesem Titel ihre Klasse: Nachdrücklich im Bassbereich, aber die so dominant, dass andere akustische Anteile verdeckt werden.

Wir bleiben dem Medium SACD treu, legen aber jetzt unsere „James Bond Themes“ Disc mit den vom Royal Philharmonic Orchestra gespielten Titelmelodien vieler 007-Filme ein. Bei den rein instrumentalen Titeln greifen wir zu „Goldfinger“, und sind begeistert, wie detailreich die Definion 3S den Aufbau des Stückes vornimmt. Jedes Instrument kommt mit feinen Strukturen heraus, der Klang löst sich auch bei diesem Beispiel wieder richtig gut von den Lautsprechern. Die Streicher klingen ausgewogen und doch transparent.

Wie sieht es bei „Thunderball“ aus? Auch hier schafft es die Definion 3S, kleine Dynamikunterschiede ausgezeichnet herauszuarbeiten und eine atmosphärisch dichte Darstellung zu ermöglichen. Doch besonders überzeugt haben uns die beiden Berliner Boxen beim instrumental dargebotenen Titelsong aus „You Only Live Twice“. Das Emotionale, Fernöstlich-Mystische dieses Songs wird exzellent herausgearbeitet. Wieder profitiert das Klangerlebnis von den Fähigkeiten der 3S, eine enorme Feindynamik zu realisieren.

Hand aufs Herz: Die Definion 3S kostet nur 999 EUR als Paar, bringt aber kaum schlechtere Leistungen als die „Standbox-Schwester“ Definion 3, die lediglich ein „überragend“ im Test schaffte, während die „kleine Schwester“ später mit einer Preisklassen-Referenz glänzen wird. Wir erklären dies gern: Wer einen Hörrraum zwischen gut 10 und rund 20 Quadratmeter hat, fährt mit der viel preiswerteren Definion 3S praktisch genauso gut. Bevor sich bei Teufel nun kaltes Entsetzen breitmacht: Ja, wir wissen durchaus, dass die Tower-artig auftretende Definion 3 gleich drei Flachmembran-Langhub-Basstreiber hat, die im Ernstfall natürlich massig Membranfläche bieten.

Doch wir nennen eine Zahl. 800 EUR. Das nämlich ist der Preisunterschied zwischen Definion 3 und der kleinen Definion 3S. Dafür gibt es bereits einen veritablen Stereoverstärker wie z.B. den hervorragenden Advance Acoustic X-i90, der schon für rund 700 EUR zu haben ist. Oder wir legen – laut Listenpreis – 200 EUR drauf und organisieren uns für rund 1.000 EUR  mit dem Pioneer A-70 (der übrigens ausläuft, der Nachfolger stand auf der IFA) schon den Einstieg in die Verstärker-Elite. Bezieht man also das Preis-/Leistungsverhältnis mit ein in die persönlichen Präferenzen, steht die Definion 3S mit blank polierter Teufel-Plakette stolz dar und heimst unseren „Redaktions-Oscar“ für den Definion-Lautsprecher mit dem meisten Gegenwert fürs Geld souverän ein. 

Was die kleine 3S hier bei „You Only Live Twice“ stemmt, ist grandios – und wir treiben sie mit First Class Equipment zu Höchstleistungen, denn nichts Geringeres als die Quadral Aurum Vor-/Endstufenkombination P8 und M8 setzen wir als Lieferant eines exquisiten Signals ein. Weil es so schön ist, folgt noch ein 007-Titelsong, diesmal „Diamonds Are Forever“. Hier werden die zahlreichen Effekte und instrumentalen Einlagen im Hochtonbereich so feinfühlig und gleichzeitig dynamisch herausgearbeitet, dass niemand auf die Idee käme, es hier mit einem Boxen-Paar für 999 EUR zu tun zu haben. Die intensive Atmosphäre, die die beiden Definion 3S schaffen, verdient wahrhaftig höchsten Respekt – auch versierte Musikliebhaber, die ihr Budget genau im Auge haben, können hier bedenkenlos zuschlagen. Nur wenige Lautsprecher dieser Liga gehen hier mit und treten der Definion 3S mit stolz geschwellter Brust entgegen.

Zu nennen wäre hier besonders die KEF LS50, die nach wie vor die Benchmark der Regallautsprecher bleibt. – was diese kleinen Boxen selbst im großen Hörraum anstellen, ist nach wie vor schier unglaublich: Grob- und Feinynamik, Räumlichkeit, Pegelfestigkeit, und das alles mit einem so angenehmen, souveränen Klang kombiniert – meisterlich. Demnach: „Masterpiece“ aller Regallautsprecher bleibt die LS50, die sehr fein detaillierende, lebendige Definion 3 eifert ihr mit einer „Preisklassenreferenz bis 1.000 EUR Paarpreis“ aber nach und bleibt dem englischen Meisterwerk auf den Fersen. Druck bekommen Teufel und KEF auch von unten: In günstigeren Preisklassen um die 700 EUR Paarpreis bleibt die Nubert nuLine 34 das Maß aller Dinge. Mit genau 670 EUR für ein Paar der Schwaben-Soundstars fährt man auch hier sehr gut. In der Mittelklasse führt kein Weg an den nuLine 34 vorbei, die für ihr Geld ein Optimum bieten.

Kommt die Definion 3S auch mit Klassik zurecht? Wir legen zur Überprüfung die SACD mit Wolfgang Amadeus Mozarts Klarinettenkonzert A-dur Köchelverzeichnis 622 ein und lauschen dem ersten Allegro. Hier fällt ein weiteres Mal auf, wie sauber auch kleine dynamische Differenzen herausgearbeitet werden. Man muss aber etwas aufpassen hier: So verbindlich wie die KEF LS50 ist die Definion 3S bei hohem Pegel nicht. Dann wird die Wiedergabe minimal schneidend im Hochtonbereich, wenn auch weiterhin souverän.

Exzellent ist die erneut fein dosierte, weitläufig aufgebotene Räumlichkeit, die auch hinsichtlich der Tiefe eine erstklassige Vorstellung liefert. Was diese recht kompakten Boxen für einen Raum aufbauen, ist beinahe als unglaublich zu bezeichnen. Der Aufbau des Orchesters, wo welcher Musiker sitzt, wird von den Teufel-Lautsprechern präzise übertragen. Insgesamt eine reife, schwungvolle Vorstellung der Definion 3S, die sich auch als preiswerte Alternative für den Klassik-Liebhaber bestens in Szene setzt. 

Weiter geht es in normaler CD-Qualität, mit dem Tiesto-Remix von Goldfrapps „Rocket“. Hier hilft der Definion 3S ihre hervorragende Dynamik ungemein, um dem Klangbild die richtige „Würze“ zu verleihen. Es geht voran, und das gewaltig. Wir sind überrascht, wie „groß“ die Definion 3S klingt, wenn man nur hört, ohne den kompakten Lautsprecher zu sehen, würde man auf eine deutlich voluminösere Box tippen. Pegelfest ist die Definion 3S, wie schon erwähnt, ebenfalls – so kann man als Hörer mit einer rundherum erstklassigen Vorstellung rechnen, die beweist: Auch für 1.000 EUR/Paarpreis kann man schon enormen Hörspaß einkaufen.

Besonders auffällig ist der straffe und gleichzeitig ungemein kraftvolle Bassbereich. Dank des langen Hubes bleibt der Tieftöner souverän und lenkt auch bei großem Pegel noch sauber aus. Und weiter geht es zügig, mit dem Sash-Remix des Dr. Alban-Klassikers „It’s My Life“. Der Bass weist genau das richtige Maß an unnachgiebiger Härte auf und verteilt sich gut im Hörraum. Der Aufbau des Tracks mit allen dynamischen Unterschieden und Wechseln beim Rhythmus kommt überragend heraus. Bestechend ist auch bei diesem Beispiel, wie gut die Definion 3S den Klang von den Lautsprecherchassis löst. 

Fazit

Teufel Definion 3S Gruppenbild2

Eine optisch sehr schicke, direkt klingende Box zum Teufel-typischen fairen Kaufpreis. Es dürfte schwierig sein, mehr Lautsprecher fürs Geld zu finden, denn die Definion 3S arbeitet problemlos auch mit hochwertigen Verstärkern zusammen. Dank des patentierten Koaxial-Chassis und dem impulstreuen Langhub-Basstreiber ist ein präzises, komplettes Klangerlebnis garantiert. Die Definion 3S präsentiert sich in gediegener Optik und sieht mit der sich nach hinten verjüngenden Form modern, aber gleichzeitig zeitlos aus. Insgesamt verdient sich Lautsprecher die Preisklassen-Referenz in der Liga bis 1.000 EUR/Paar redlich.

Klangstärke und Noblesse aus Berlin – die Definion 3S zeigt souverän, wie man Luxus-Tugenden für 1.000 EUR Paarpreis realisieren kann
preisklassenreferenz
Lautsprecher bis 1.000 EUR Paarpreis
Test 15. September 2015

+ Sehr gute Feindynamik und tolles Auflösungsvermögen
+ Dank Koax-Chassis und schnellem Basstreiber hervorragende Gruppenlaufzeiten
+Wohldosierte, weitläufige und sauber ausbalancierte Räumlichkeit
+ Akkurate, charismatische Stimmwiedergabe
+ Ausgezeichnete Pegelfestigkeit

– Wirkungsgrad verlangt nach recht kräftigem Verstärker

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 15. September 2015 




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