TEST: Kompakter Regallautsprecher Dali Opticon 1 – Edel, klein und klanglich stark

Dali-Opticon-1-Gruppenbild2

Für knapp 700 EUR Paarpreis tritt mit der Dali Opticon 1 ein edler, besonders kompakter 2-Wege-Bassreflex-Regallautsprecher an, der fürs kleinere Musikzimmer oder für ein kleineres Wohnzimmer sehr gut geeignet ist Dali rät auf der Website, den klassisch-eleganten Schallwandler im Regal zu positionieren, auf einem Standfuß nahe der Wand unterzubringen oder auf einem Wandhalter zu verwenden. 

Die, wie wir es von den Dänen gewohnt sind, sehr hochwertig verarbeitete Dali Opticon 1 ist mit einem 120 mm Tiefmitteltontreiber mit Holzfasermembran und mit einem Hochtöner mit 26 mm Gewebekalotte bestückt. Das Innenvolumen der Opticon 1 beträgt lediglich 5 Liter, was verdeutlicht, wie klein der schmucke Schallwandler aus Europas Norden tatsächlich ist. Die Nennimpedanz liegt bei 4 Ohm, der Wirkungsgrad wird von Dali mit 86 dB (2,83V/1m) angegeben. Wir sehen einen Stereo-Vollverstärker der Liga um 500 EUR als geeigneten Partner an. Aufgrund des akustischen Matchings kann dieser gern von Marantz oder Denon sein. Ein kleiner gebrauchter Arcam Stereovollverstärker wäre auch eine gute Alternative. 

Wahlweise ist die Opticon 1 in Esche Schwarz, Walnuss oder, was aktuell sehr im Trend liegt, in Weiß Seidenmatt erhältlich. Genau diese Variante haben wir im Testraum stehen.

Die Opticon 1 ist mit dem SMC-Magnetsystem ausgestattet, damit möglichst geringe Verluste und möglichst niedrige Verzerrungen realisierbar sind. Die Dali-Ingenieure entwickelten einen speziellen Magnet-Antrieb für die Tiefmitteltöner, deren Besonderheit Polstücke aus dem pulverförmigen Magnetmaterial Soft Magnetic Compounds, kurz SMC, sind. Das besondere Vermögen von SMC, eine enorme magnetische Leitfähigkeit mit einer außergewöhnlich geringen elektrischen Leitfähigkeit zu verbinden, hat zur Folge, dass sich auf der Oberfläche des Polstücks Wirbelstromfelder nur in deutlich geringerer Form als sonst üblich ausbilden können – was dafür sorgt, dass die in der Opticon-Baureihe verwendeten Tieftöner praktisch frei von störenden Wärmeentwicklungen und Widerständen sind, welche sonst durch Wirbelstromfelder ausgelöst werden. Mehr Belastbarkeit und ein souveränerer Klang sind die unmittelbaren Vorteile für den Hörer.

Dali-Opticon-1-Hochtoener

26 mm Kalottenhochtöner

Im Gegensatz zu größeren Opticon-Modellen setzt Dali bei der Opticon 1 auf einen klassischen 26 mm Gewebe-Kalottenhochtöner und nicht auf das Dali-spezifische Hybrid-Hochtonmodul, welches zusätzlich zur Kalotte noch ein Bändchen enthält. Aber auch die Kalotte aus der Opticon 1 erfüllt hohe Anforderungen. Eine besonders tiefe Resonanzfreqeunz, eine hoch liegende maximale Belastbarkeit und erstklassige Reserven hinsichtlich des Erzielens eines hohen Schalldrucks (bei der Opticon 1 maximal 105 dB) zeichnen das Bauteil aus. Die großen möglichen Auslenkungen sorgen dafür, dass der Hochtonbereich auch bei deutlich gehobenem Pegel gelassen, klar und frisch bleibt. Die Hochton-Kalotte setzt bei 2 kHz ein und arbeitet dann bis über 20 kHz (exakt bis 26,5 kHz) hoch. Zur Kühlung bei hoher Beanspruchung setzt Dali auf ein besonders dünnflüssiges magnetisches Fluid. Die Folge: Die Kalotte weist eine sehr hohe Sättigungsgrenze auf, was gut ist im Sinne hoher Belastbarkeit. Gleichzeitig ist es möglich, dass auch bei hohem anliegenden Schalldruck die Schwingspulenbewegung noch exzellent kontrolliert werden kann. Im Sinne bester Impulstreue ist die Kalotte enorm leicht sowie dünn. Für maximale Struktursteifigkeit sorgt die Beschichtung der Membran.

Dali-Opticon-1-Tieftoener

120 mm Tiefmitteltöner mit Holzfaser-Membran

Wie wir es von Dali-Speakern kennen, besteht die Membran des Tiefmitteltöners, der bis auf 62 Hz herunterspielt, aus Holzfasern und einer speziellen Papier-Mixtur. Optisch erkennt man dies an der rötlich schimmernden Oberfläche. Diese Membranen sind außerordentlich leicht, aber gleichzeitig sehr stabil, und demnach gleichermaßen impulstreu wie hoch belastbar. Sie weisen eine sehr geringe Oberflächen-Resonanz auf. Hinzu kommen weiche, somit flexible Gummisicken, die ungehinderte Membranbewegungen sichern – damit erfüllt die Opticon 1 auch bei größeren Lautstärken den Wunsch nach einem detailreichen, gleichzeitig lebendigen Klang. Ein kraftvoller Bass, der Erstaunen wecken soll in Anbetracht des kleinen Gehäuses, und eine facettenreiche, ausgewogenen Mitteltonwiedergabe standen im Lastenheft der Dali-Entwickler. 

Dali-Opticon-1-Rueckseite-Seitlich1

Rückansicht. Fast unsichtbar ist die Bassreflex-Öffnung oberhalb des hochwertigen Anschlussterminals

Dali-Opticon-1-Anschluesse-Bassreflexrohr

Das Anschlussterminal in Großaufnahme

Dali-Opticon-1-Verarbeitung

Die Opticon 1 überzeugt uns mit ihrer tadellosen Verarbeitung

Dali-Opticon-1-Innenleben

Frequenzweiche

Das aufwändige Gehäuse der Opticon 1 bedient sich klassischer optischer Werte. So gibt es noch eine Schallwand, die Opticon 1 hat kein Unibody-Gehäuse. Die Schallwand ist exakt eingepasst, mit gleichbleibendem Spaltmaß. Man sieht zwar die Schrauben der Chassis auf der Schallwand, aber insgesamt wirkt die Opticon 1 gerade bei abgenommenem Stoffgitter edel. Alles sitzt fest, gerade und akkurat. Das sorgfältig mit Stoff bezogene Schutzgitter sitzt nicht magnetisch, sondern konventionell mit Befestigungsstiften. Die dazugehörigen Öffnungen auf der Schallwand sind aber so clever integriert, dass sie nicht störend auffallen. Eine erstklassige Oberflächenqualität sowie ein sehr gutes Single-Wiring-Anschlussterminal sind weitere Vorzüge der Opticon 1. 4,5 kg wiegt die Opticon 1, die 261 mm hoch, 152 mm breit und 231 mm tief ist. Dali empfiehlt einen Abstand zur Wand von 2 bis 80 cm. 

Klang

Wir starten mit „Dell Amore Non Sie sa“ und „L’Attesa“ vom Album „Andrea“ von Andrea Bocelli. Und gleich sind wir tief beeindruckt, denn die Opticon 1 spielt gänzlich anders, als sie aussieht. Verblüfft wollten wir uns vergewissern, ob kein größerer Lautsprecher läuft – aber nein, das ganze Volumen und die ganze Ausdruckskraft der akustischen Darbietung gingen tatsächlich von der kleinen dänischen Box aus. Wie gut sich die Stimme Andreas vom Lautsprecher löst, hat uns erstaunt. Sie verteilt sich homogen im Hörraum und bringt klare Struktur sowie eine charismatische Ausprägung auch im Detail mit. Die akkurate Trennung der Stimme von den Instrumenten ist ein weiterer Vorzug. Instrumentale Details gehen trotz der auch erwünschten Fokussierung auf die vokalen Elemente nicht unter. Der Hochtonbereich spielt frei auf und besticht durch die gute Auflösung. Die Anbindung des Hochtonbereiches an den Mitteltonbereich gelingt ausgezeichnet. Der 120 mm Tiefmitteltöner kann natürlich keine Rekorde bezüglich des Tiefgangs erzielen, sichert aber auch bei gehobenem Pegel einen straffen Bass mit einer tadellosen Kraft. 

Wolfgang Amadeus Mozarts Klarinettenkonzert A-dur, Köchelverzeichnis 622, erstes Allegro: Hier ist Differenzierungsvermögen gefragt, ebenso ein feinfühlig abgestimmter Hochtonbereich. All dies bietet die Opticon 1 in einer Ausprägung, die absolut überragend ist. Orchestrale Gesamteinsätze oder die Klarinetten-Soli, all dies wird auf einem so hohen Niveau präsentiert, dass man ein weiteres Mal kaum glauben möchte, dass diese akustische Vorstellung von einer Box mit nur 5 Liter Innenvolumen ausgeht. Das, was der Liebhaber klassischer Musik schätzt – eine kultivierte Darbietung mit natürlich-luftiger Räumlichkeit und authentischer Dynamik – realisiert die Opticon 1 in einem erstaunlich hohen Maße. Sie schafft es überdies, auch bei orchestralen Einsätzen die nötige Ausdruckskraft sicherzustellen. Die Klarinette kommt mit sensiblen, feinen Konturen heraus, und die Streicher innerhalb des Orchesters weisen Strahlkraft auf, ohne aggressiv in Erscheinung zu treten. 

Da steckt Energie dahinter: Der Klassiker „I Will Survive“ von Gloria Gaynor liegt der Opticon 1. Denn sie legt mit einer Dynamik los, die vielen deutlich größeren Lautsprechern bestens zu Gesicht stehen würde. Klar, fundiert, gelassen – auch bei höherem Pegel sind keine Beeinträchtigungen hinsichtlich der Qualität des Klangbildes zu befürchten. Das, was wir schon bei den Stücken von Andrea Bocelli herausgehört haben, finden wir auch hier wieder: Eine komplette, kultivierte, gleichzeitig schwungvolle Wiedergabe. Die Fähigkeiten der Opticon 1 vertragen sich vorzüglich mit den Songs von Gloria Gaynor – das beweist auch „Nver say Goodbye“. Wie gut auch kleinere dynamische Differenzen herausmodelliert werden, das verdient Respekt. Die kraftvoll aufspielende kleine Dänin macht sich daher auch im Hörraum von gut 20 Quadratmeter noch richtig gut. Die nahtlosen Übergänge zwischen den Frequenzbereichen und die überraschend dichte Räumlichkeit sorgen dafür, dass auch der anspruchsvolle Hörer, der nur wenig Platz zum Stellen seiner Lautsprecher zur Verfügung hat, sehr glücklich mit der Opticon 1 werden dürfte. 

„Das Omen“ von Mysterious Art war Ende der 80er Jahre ein One-Hit-Wonder, das Teile der kommenden Techno- und Dancefloor-Ära schon vorwegnahm und sich somit als Trendsetter betätigte. Die Maxi-Version mit dem speziellen Intro bewältigt die Opticon 1 hervorragend, und auch als der Song beginnt, erfreut uns der Schallwandler mit einer souveränen Gesamtwiedergabe. Wie nachhaltig die Opticon 1 im Bassbereich drückt, ist schon fast mit dem euphorischen Wort „faszinierend“ zu umschreiben. Hier bewegt sich was, und zwar im wahrsten Wortsinn. Dass die Impulstreue auch bei kleinen Impulsen ausgezeichnet ist, darf in der Beschreibung auch nicht vergessen werden. Erneut schafft es die Opticon 1, Stimmen und Instrumente beziehungsweise Effekte sauber voneinander zu trennen. Obwohl das Quellmaterial höchstens eine befriedigende Qualität aufweist, schwingt sich der kleine Regallautsprecher zu Top-Leistungen auf. Etwas Kraft sollte der angeschlossene Verstärker allerdings mitbringen – der Wirkungsgrad von 86 dB (2,83 V/1m) geht für eine solche Box zwar in Ordnung, mit Billig-Verstärkern, die wenig Leistung mitbringen, sollte man aber nicht antreten. 

Konkurrenzvergleich

Magnat Quantum Edelstein Gruppenbild3

  • Besonders attraktiv und nobel tritt die kleine Regalbox Magnat Quantum Edelstein (damalige UVP: Rund 700 EUR/Paar) auf – Nomen est Omen. Sie ist nicht nur hervorragend verarbeitet, sondern klingt auch tadellos: Mit ausgeprägtem Auflösungsvermögen und enormer Klarheit. Doch die optisch schlichter gehaltene Opticon zieht aus akustischer Perspektive vorbei: Mehr Nachdruck, besserer Tiefgang und ein ausgewogenerer Hochtonbereich sorgen für diese Einschätzung. 

Monitor Audio Silver 1 Gruppenbild1

  • Gutes aus England – schwer zu finden in Zeiten des Brexit? Mitnichten, wie die Monitor Audio Silver 1 zum Paarpreis von 780 EUR beweist. Hervorragend verarbeitet und mit geschliffen-feiner Optik, holt sie auch klanglich zum großen Schlag aus. Sie spielt frei und gleichzeitig angenehm auf, zudem erweist sie sich als pegelfest. Die Dali Opticon 1 weist einen etwas schlechteren Wirkungsgrad in der Praxis auf, bietet dafür aber die noch bessere Auflösung und noch etwas mehr gekonnten Feinschliff im gesamten Klangbild. 

Canton_SLS720_FrontSeitlich1

  • Die Canton Chrono SLS 720 gehörte noch zur ersten Chrono SLS-Generation, verfügte aber 2013 schon über den anerkannt exzellenten Keramikhochtöner. Dalis Hochtonkalotte in der Opticon 1 schafft aber annähernd das gleiche Auflösungsvermögen. Die Chrono SLS 720 liegt hier trotzdem knapp vorn. Das gelingt der Opticon 1 bei der klanglichen Homogenität – obwohl auch die Canton sehr harmonisch aufspielt, was wir damals auch im Test lobten, tritt die kleine Opticon akustisch noch geschlossener auf. 
Fazit

Dali-Opticon-1-Front-Seitlich1

Die Dali Opticon 1 ist ausgezeichnet verarbeitet, tritt optisch als klassischer, kompakter, nobler Regallautsprecher auf und überzeugt durch die kultivierte, gleichzeitig dynamische Akustik. Durch die harmonische, in sich schlüssige klangliche Auslegung eignet sich die Opticon 1 praktisch für alle Musikstile. 

Kleiner, feiner Regallautsprecher für den anspruchsvollen Musikliebhaber
ueberragend
Regallautsprecher bis 1.000 EUR (Paarpreis)
Test: 16. November 2016

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 16. November 2016




Alle aktuellen Tests auf AREA DVD
  ZURÜCK